Steuersatz für Hobbybrauer

Alle rechtlichen Fragen rund ums Brauen
Antworten
Benutzeravatar
Räuber Hopfenstopf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 315
Registriert: Mittwoch 15. Juli 2020, 07:50

Steuersatz für Hobbybrauer

#1

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Freitag 4. Dezember 2020, 17:28

Moin,
die Weihnachtssaison läuft ja in diesem Jahr etwas anders als sonst. Deshalb wollte ich den Freunden, mit denen ich normalerweise in der Adventszeit mal ein Bierchen trinke (wohnen alle weiter weg und müssten besucht werden), die passenden Getränke auf dem Postweg zukommen lassen. Da das dann nicht mehr "im eigenen Haushalt" und schon gat nicht "eigene Verwendung" ist, wollte ich eine passende Menge plus etwas Reserve versteuern. Am Telefon beim HZA sagt man mir, dass ich dann die Menge in HL in das betreffende Formular 2075 eintragen soll. Der Steuersatz wären 0,787 € pro HL und °P Stammwürze. Ich dachte immer, dass für uns die reduzierten Steuersätze gelten. Bin ich da auf dem falschen Dampfer? Die Recherche im allwissenden WWW hat folgendes ergeben:
https://www.steuertipps.de/steuererklae ... biersteuer
Es geht nicht um die paar Cent, sondern darum zu verstehen, was ich da reinschreiben muss. Sorry, wenn ich jetzt schon wieder den Popcornverzehr ankurbele...

Viele Grüße
Björn
Allen wird bekannt gemacht, dass keiner in die Jeetze kackt - denn morgen wird gebraut.
Steht am Bierbrunnen in Salzwedel

fg100
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1648
Registriert: Sonntag 5. August 2012, 00:05

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#2

Beitrag von fg100 » Freitag 4. Dezember 2020, 17:50

Ruuuthaaaaard!

Benutzeravatar
renzbräu
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 288
Registriert: Montag 27. Juli 2020, 17:32
Wohnort: Bamberg

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#3

Beitrag von renzbräu » Freitag 4. Dezember 2020, 17:55

Ermäsigter Steuersatz wird regelmäßig für alles über 2hl bei Hobbybrauern angewandt. Ansonsten können auf Antrag Erleichterungen gewährt werden. Auch bei Wettbewerben etc - siehe HBCon Unterforum - ist der volle Steuersatz dran.
Eigentlich wie Schach nur ohne Würfel...
Gott gebe Glück und Segen drein!
Johannes

Bottichmaischer und Spaß dabei!

Benutzeravatar
Bitter
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1041
Registriert: Samstag 19. September 2015, 15:32
Wohnort: Bochum

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#4

Beitrag von Bitter » Freitag 4. Dezember 2020, 17:56

:thumbsup

Benutzeravatar
Schlafwagenschaffner
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 553
Registriert: Montag 10. März 2014, 10:20
Wohnort: Sachsen

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#5

Beitrag von Schlafwagenschaffner » Freitag 4. Dezember 2020, 18:01

Vereinfachter Steuersatz gilt nur für Kleinbrauereien.
Ich zitiere von Zoll.de

Ermäßigte Steuersätze

Kleinere Brauereien, deren Gesamtjahreserzeugung weniger als 200.000 Hektoliter beträgt, können für im Brauverfahren hergestelltes Bier ermäßigte Biersteuersätze in Anspruch nehmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie rechtlich und wirtschaftlich von anderen Brauereien unabhängig sind.
Der durch diese Ermäßigung ausgestaltete Schutz kleinerer Brauereien dient als strukturförderndes Element.

Du bist keine Kleinbrauerei, also zahlst du den vollen Steuersatz.
Jens
„Man kann ohne Liebe Holz hacken, Eisen schmieden und Ziegel formen,
Bier brauen ohne Liebe aber kann man nicht.“ Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi

Fe2O3
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 719
Registriert: Dienstag 27. Mai 2014, 13:16

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#6

Beitrag von Fe2O3 » Freitag 4. Dezember 2020, 18:10

Sind die HZA Mitarbeiter sonst immer brav gewesen in diesem Jahr?
Wenn nicht könntest du stellvertretend für den Nikolaus für jedes Päckchen (mit 2 Flaschen 0,5l 12°P Bier) ein einzelnes 2075 abschicken ;) Natürlich jeweils mit ein paar Tagen Abstand zu einander - damit jedes Mal aufs neue aufgestanden und zur Akte gegangen werden muss..
Das macht dann beim vollen Steuersatz 9,44 cent pro Paket/Formular :D (vorausgesetzt du verrechnest dich nicht... eine verschobene Nachkommastelle kann schonmal passieren. o.O)
Wenn sie brav waren, kriegen sie halt doch alles in einem Formular.

Benutzeravatar
JokerPs
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 346
Registriert: Dienstag 10. Dezember 2019, 10:52

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#7

Beitrag von JokerPs » Freitag 4. Dezember 2020, 18:35

Es gilt für Dich folgendes:
Braust Du als Hobbybrauer für den Hausgebrauch, sind 2hl steuerfrei. Es bedarf einer Anmeldung vor dem ersten Sud.

Überschreitest Du diese 2hl für den Verbrauch im eigenen Haushalt, kannst Du weiter brauen, musst aber für jeden Sud ein Formular 2075 einreichen. Dabei ist ein Steuersatz von 0,4407 Euro pro hl und Grad Plato (Spalte Nr. 2 im Formular).

Für alle anderen Zwecke (verschenken, verschicken, bei der HBCON ausschenken) gilt ein Steuersatz von 0,7870 Euro pro hl und Grad Plato.

Formular 2075 gibts hier auch online:
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q ... _zAPUvRQXN

Da kann man sich Vorlagen als XML runterladen und beim nächsten Sud wieder hochladen. Geht definitiv schneller, als hier zu posten, wie doof das ist :Greets

EDIT: Wenn man Dir gesagt hat, dass Du das jetzt noch nachträglich machen kannst, ist das sehr großzügig, weil man nicht auf "unverzüglich nach dem Brauvorgang" besteht.

Gruss
Mike

Benutzeravatar
Räuber Hopfenstopf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 315
Registriert: Mittwoch 15. Juli 2020, 07:50

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#8

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Freitag 4. Dezember 2020, 18:53

Alles klar, verstanden. Dann habe ich es richtig ausgefüllt. Danke für die Erläuterungen. Die waren beim Zoll übrigens sehr freundlich. Deswegen möchte ich das auch möglichst einfach und ohne zuviel Aufwand erledigen.

Gruß
Björn
Allen wird bekannt gemacht, dass keiner in die Jeetze kackt - denn morgen wird gebraut.
Steht am Bierbrunnen in Salzwedel

Benutzeravatar
Räuber Hopfenstopf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 315
Registriert: Mittwoch 15. Juli 2020, 07:50

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#9

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Freitag 4. Dezember 2020, 19:55

Das ist alles ganz schön kompliziert. Ich weiß natürlich nicht vorher, wem ich wann mal was von welchem Sud schenken möchte. Vielleicht wird ja gerade dieser Sud völlige Grütze. Ich melde jetzt einfach den nächsten Sud an und hoffe mal, dass man davon Weihnachten schon was trinken kann. Ansonsten muss er noch etwas rumstehen oder so. Auf jeden Fall wird die Staatskasse nicht benachteiligt. Ich mache das eher großzügig zu meinen Ungunsten, damit ich ruhig schlafen kann :Angel Fällt ja auch nicht weiter ins Gewicht bei dem Hobby...

Gruß
Björn
Allen wird bekannt gemacht, dass keiner in die Jeetze kackt - denn morgen wird gebraut.
Steht am Bierbrunnen in Salzwedel

hkpdererste
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 746
Registriert: Dienstag 12. August 2014, 20:18

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#10

Beitrag von hkpdererste » Freitag 4. Dezember 2020, 20:17

Der Teil " im eigenen Haushalt" bezieht sich auf die Herstellung, kann also als erfüllt angesehen werden. Weihnachtsgeschenke unter Freunden/Verwandten sind privater Natur und nicht gewerblich, der Teil also auch erfüllt. Nichts davon geht den Zoll oder auch nur irgend sonstwen was an, also keine weiteren Aktivitäten notwendig.

PS: jetzt komm nicht wieder irgendwer mit nem tollen "durch die Türe schwenken" Spruch den sich irgend n Kleinbeamter selber im besoffenen Kopf ausgedacht hat.

Judt my 2 Cents

Benutzeravatar
Ladeberger
Moderator
Moderator
Beiträge: 6395
Registriert: Dienstag 20. November 2012, 18:29

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#11

Beitrag von Ladeberger » Freitag 4. Dezember 2020, 23:52

hkpdererste hat geschrieben:
Freitag 4. Dezember 2020, 20:17
Der Teil " im eigenen Haushalt" bezieht sich auf die Herstellung, kann also als erfüllt angesehen werden. Weihnachtsgeschenke unter Freunden/Verwandten sind privater Natur und nicht gewerblich, der Teil also auch erfüllt. Nichts davon geht den Zoll oder auch nur irgend sonstwen was an, also keine weiteren Aktivitäten notwendig.
Ja.

Weihnachtsgeschenke unter langjährigen Freunden sind zweifelsfrei dem Bereich der privaten Lebensführung zuzurechnen; der private Verbrauch ist damit gegeben. Dass die Übergabe 2020 auf dem Postweg erfolgt, tut nichts zur Sache. Innerhalb der 200 L Freimenge hat hierfür keine Steueranmeldung zu erfolgen. Wenn diese Umstände klar kommuniziert wurden, dann war die "freundliche Beratung" des Zollbeamten falsch. Statt eines ausgefüllten Formulars 2075 sollte Beschwerde beim Dienstherren eingelegt werden.

Gruß
Andy

hkpdererste
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 746
Registriert: Dienstag 12. August 2014, 20:18

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#12

Beitrag von hkpdererste » Samstag 5. Dezember 2020, 00:03

Wir sollten halt hier im Forum auch auch aufhören die Leute ständig in diese Richtung zu treiben. Meiner meinung nach ist bereits das die Forderung Bier für die HBCon zu versteuern gegenstandslos, weil auch da keinerlei gewerblicher Verkauf stattfindet.

Solange aber hier immer wieder publiziert wird, dass man, Extrembeispiel, einzelne Flaschen zur Mitnahme in den Park versteuert hat, ist schon klar dass immer wieder Neulinge glauben das muss so sein.

Benutzeravatar
Ladeberger
Moderator
Moderator
Beiträge: 6395
Registriert: Dienstag 20. November 2012, 18:29

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#13

Beitrag von Ladeberger » Samstag 5. Dezember 2020, 00:35

Ich denke die Grenzen sind fließend. Alleine auf die Nicht-Gewerblichkeit kommt es dem Wortlaut der Verordnung nach eben auch nicht an, sonst hätte der Normgeber das so formulieren müssen. An irgendeinem vorgerückten Punkt hört der "eigene Verbrauch" demnach wohl auf. Wo, das ist eine Frage der Auslegung und im Zweifelsfall vor Gericht zu klären.

Wenn ich mein Bier gegen Teilnahmegebühr im Rahmen einer kommerziellen Veranstaltung von einer fremden Fach-Jury mit anschließender Preisverleihung verkosten lasse, kann m.E. in der Gesamtbetrachtung durchaus der Standpunkt vertreten werden, dass ein "eigener Verbrauch" des Bieres nicht mehr stattgefunden hat. Bei einem Ausschank meines Bieres an 400 Leute und damit "an Unbekannt und Jedermann" dito.

Aber im vorliegenden Fall und ebenso wenn man auf einem Hobbybrauertreffen in persönlicher Begegnung Biere tauscht, ist eine Steuerpflicht für mich nicht ersichtlich, solange diese Biere innerhalb der Freimenge liegen.

Gruß
Andy

Benutzeravatar
JokerPs
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 346
Registriert: Dienstag 10. Dezember 2019, 10:52

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#14

Beitrag von JokerPs » Samstag 5. Dezember 2020, 07:29

Die Frage des TE war eigentlich nicht, OB er versteuern muss, sondern, was die unterschiedlichen Steuersätze bedeuten.

hkpdererste
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 746
Registriert: Dienstag 12. August 2014, 20:18

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#15

Beitrag von hkpdererste » Samstag 5. Dezember 2020, 08:13

JokerPs hat geschrieben:
Samstag 5. Dezember 2020, 07:29
Die Frage des TE war eigentlich nicht, OB er versteuern muss, sondern, was die unterschiedlichen Steuersätze bedeuten.
Wenn er aber gar nicht muss und hier nur Beratung zum Ausfüllen des Formulars und zur Höhe verschiedener Steuersätze bekommt, ist damit weder ihm, noch den nächsten die hier reinlesen geholfen.


@ Ladeberger
Ja da hast du wieder Recht. Meine Einschätzung bezog sich auf den reinen Wettbewerb. Bei Ausschank unter Publikum gegen Geld/Wertchips etc. ist das versteuern angebracht. Selbst der kurze Gesetzestext, der dazu existiert spricht von "Verkauf" als Gegenteil zu privatem Verbrauch.

Benutzeravatar
Räuber Hopfenstopf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 315
Registriert: Mittwoch 15. Juli 2020, 07:50

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#16

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Samstag 5. Dezember 2020, 12:30

Die Diskussion, ob ich muss oder nicht, möchte ich mit dem Zoll nicht führen. Ich denke, bei den vierstelligen Summen, die man für den Quatsch ausgibt, sind die paar Euro Biersteuer (so sie denn evtl wie in diesem Fall überhaupt anfallen) eher anchrangig. Da kostet der Hopfen ja ein mehrfaches. Da freue ich mich lieber dass zur Not auch mal jemand telefonsich erreichbar ist und die Sache einigermaßen entspannt sieht.
Eine ganz konkrete Frage aber noch: Gehort meine "Haus- und Hobbybrauernummer" aus der Eingangsbestätigung im Formular 2075 in das Feld "Unternehmensnummer" (würde von den Ziffern passen), "Steuerlagernummer" (eher nicht, denke ich) oder "Verbrauchssteuernummer"?

Gruß
Björn
Allen wird bekannt gemacht, dass keiner in die Jeetze kackt - denn morgen wird gebraut.
Steht am Bierbrunnen in Salzwedel

Benutzeravatar
Räuber Hopfenstopf
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 315
Registriert: Mittwoch 15. Juli 2020, 07:50

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#17

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Samstag 5. Dezember 2020, 12:58

Ahhh...
Räuber Hopfenstopf hat sich mal die Brille aufgesetzt und gesehen, dass oben lauter Beiträge zu HZA zusammengefasst sind. Da lese ich mich jetzt mal durch.
Allen wird bekannt gemacht, dass keiner in die Jeetze kackt - denn morgen wird gebraut.
Steht am Bierbrunnen in Salzwedel

Benutzeravatar
Wengertsbräu
Neuling
Neuling
Beiträge: 8
Registriert: Donnerstag 29. Oktober 2020, 17:27

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#18

Beitrag von Wengertsbräu » Montag 7. Dezember 2020, 22:08

Die Diskussionen bezüglich Zoll sind in diesem Forum immer heiß diskutiert. Da ich dieses Jahr mit dem Bierbrauen angefangen habe musste ich mich auch mit der gesetzlichen Lage beschäftigen.
Meiner Meinung nach beantworten die Beiträge #5 und #7 die Frage des Thread-Erstellers am Besten. Das Beamten-bashing in dem Beitrag #6 muss nicht sein und der Satz im Beitrag #10 "Spruch den sich irgend ein Kleinbeamter selber im besoffenen Kopf ausgedacht hat" verwundert mich sehr. Wenn das hier die gängige Ausdrucksweise ist, sollten sich die Modertoren vielleicht mal ein paar Gedanken machen.

Für die, die Interesse haben, beschreibe ich mal wie ich ein für mich unbekanntes Gesetz lese. Bitte verzeiht mir wenn ich das Zitieren nicht perfekt beherrsche, die Software dieses Forums ist mir noch nicht so geläufig.

(Das nachfolgend geschriebene ist allein meine Interpretation der in der Bundesrepublik Deutschland für Hobbybrauer geltenden Gesetze).

Wichtig! Ein Gesetz immer von Anfang an komplett lesen. Querlesen bringt bei Gesetzen nichts, da es auf jeden Satz, oft auch auf einzelne Begriffe, ankommt. Gesetze sind nicht einfach nur durchnummerierte Paragraphen sondern werden nach einer bestimmten Systematik aufgebaut. Meist findet sich im 1. Paragraph der Anwendungsbereich des Gesetzes und im 2. Paragraph werden die im Gesetz verwendeten Begriffe definiert (Begriffsbestimmungen).

Der Anwendungsbereich ist extrem wichtig und sagt etwas darüber aus, was in dem vorliegenden Gesetz geregelt wird und für welchen Bereich das Gesetz überhaupt Anwendung findet.
Biersteuergesetz
§ 1 Steuergebiet, Steuergegenstand
(1) Bier unterliegt im Steuergebiet der Biersteuer. Steuergebiet ist das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ohne das Gebiet von Büsingen und ohne die Insel Helgoland. Die Biersteuer ist eine Verbrauchsteuer im Sinn der Abgabenordnung.
Der §1 beantwortet schon viele Fragen die hier im Forum gestellt werden.
Satz1 "Bier unterliegt im Steuergebiet der Biersteuer". Das bedeutet erst mal das Jeder(!) der Bier herstellt oder in das Steuergebiet verbringt, dieses auch grundsätzlich versteuern muss. Vom ersten Tropfen an! Die Berechnung der Steuer ergibt sich aus §2 "Die Biersteuer beträgt für einen Hektoliter (hl) Bier 0,787 Euro je Grad Plato". Dies stellt die Grundlage dar, die jeder erst mal verinnerlichen sollte. In den folgenden Paragraphen findet man dann die Ausnahmen z.B. für Kleine Brauereien oder für Hobbybrauer.
Satz 2 " Steuergebiet ist das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ohne das Gebiet von Büsingen und ohne die Insel Helgoland" definiert das Gebiet auf dem die Steuer fällig wird.
Satz 3 "Die Biersteuer ist eine Verbrauchsteuer im Sinn der Abgabenordnung". Dies ist wieder enorm wichtig. Eine Verbrauchssteuer fällt dann an, wenn ich ein verbrauchsfähiges Produkt hergestellt habe und nicht wenn es im Gärtank vor sich hin blubbert. Nach meiner Meinung muss ich für einen umgekippten Sud auch keine Steuer entrichten, da ich ja kein Bier im Sinne der Position 2203 der Kombinierten Nomenklatur hergestellt habe.(Biersteuergesetz §1 Absatz 2 Nummer 1)
Fazit: Der Anwendungsbereich sagt aus, dass jeder erstmal grundsätzlich die volle Steuer für das in Deutschland hergestellte Bier bezahlen muss. In den weiteren Paragraphen werden dann Ausnahmen und Ermäßigungen definiert. Hat man diese Grundlage verinnerlicht, wird es einfacher das Gesetz zu verstehen.

Abgabe von Bier außer Haus:
Für die Abgabe von selbst gebrautem Bier ist die Biersteuerverordnung §41 (1) heran zu ziehen:
Bier, das von Haus- und Hobbybrauern in ihren Haushalten ausschließlich zum eigenen Verbrauch hergestellt und nicht verkauft wird, ist von der Steuer bis zu einer Menge von 2 hl je Kalenderjahr befreit.
Hier spricht der Gesetzgeber eindeutig von Bier, welches ausschließlich zum eigenen Verbrauch hergestellt und nicht verkauft wird. Ein mit der Post verschicktes Bier, oder ein Bier das zu einem Wettbewerb gegeben wird, steht unstrittig nicht dem eigenen Verbrauch mehr zur Verfügung. Der Hobbybrauer verliert dadurch die Verfügungsgewalt über das Bier, wodurch zwangsläufig die Verbrauchsteuer fällig wird. Da nirgends im Gesetz für diesen speziellen Fall eine Steuererleichterung vorgesehen ist, muss der volle Steuersatz zur Berechnung herangezogen werden (Herstellung ohne Erlaubnis; Biersteuergesetz §14 Absatz 4 Nummer 2).

Geht es den Zoll/Finanzbehörde was an, wenn ich mein Bier verschenke?
Bei sehr kleinen Mengen wird die Finanzbehörde Probleme mit der Beweisführung haben und aufgrund der Geringfügigkeit auch kein Interesse das zu verfolgen. Aber:
§ 161 Fehlmengen bei Bestandsaufnahmen
Ergeben sich bei einer vorgeschriebenen oder amtlich durchgeführten Bestandsaufnahme Fehlmengen an verbrauchsteuerpflichtigen Waren, so wird vermutet, dass hinsichtlich der Fehlmengen eine Verbrauchsteuer entstanden oder eine bedingt entstandene Verbrauchsteuer unbedingt geworden ist, soweit nicht glaubhaft gemacht wird, dass die Fehlmengen auf Umstände zurückzuführen sind, die eine Steuer nicht begründen
oder eine bedingte Steuer nicht unbedingt werden lassen. Die Steuer gilt im Zweifel im Zeitpunkt der Bestandsaufnahme als entstanden oder unbedingt geworden.
Heißt schlichtweg: Wenn der Hobbybrauer 200 kg Malz kauft und davon offiziell nur die Freimenge von 200l Bier braut kommt er in Erklärungsnöten. Die Rechnungen können von der Finanzbehörde beim Lieferanten ermittelt werden. Ist sicher schwierig und mit viel Arbeit verbunden, aber möglich.

Muss ich den Zoll in meine Räume lassen und muss ich Unterlagen führen?
Abgabenordnung § 210 Befugnisse der Finanzbehörde Absatz 2:
Der Nachschau unterliegen ferner Grundstücke und Räume von Personen, denen ein der Steueraufsicht unterliegender Sachverhalt zuzurechnen ist ohne zeitliche Einschränkung, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sich dort Schmuggelwaren oder nicht ordnungsgemäß versteuerte verbrauchsteuerpflichtige Waren befinden oder dort sonst gegen Vorschriften oder Anordnungen verstoßen wird, deren Einhaltung
durch die Steueraufsicht gesichert werden soll. Bei Gefahr im Verzug ist eine Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen auch ohne richterliche Anordnung zulässig.
Hat die Finanzbehörde den Verdacht, dass sich auf Grundstücken und Räumen nicht ordnungsgemäß versteuerte verbrauchsteuerpflichtige Waren befinden, dann dürfen diese Bereiche ohne zeitliche Einschränkung betreten werden. Bei Gefahr im Verzug darf sogar alles durchsucht werden. (Anm.: Die Lebensmittelüberwachung darf bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht das auch). Ohne einen Verdacht besteht erstmal das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung und keiner darf die eigene Wohnung betreten.
Abgabenordnung § 200 Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen
(1) Der Steuerpflichtige hat bei der Feststellung der Sachverhalte, die für die Besteuerung erheblich sein können, mitzuwirken. Er hat insbesondere Auskünfte zu erteilen, Aufzeichnungen, Bücher, Geschäftspapiere und andere Urkunden zur Einsicht und Prüfung vorzulegen, die zum Verständnis der Aufzeichnungen erforderlichen Erläuterungen zu geben und die Finanzbehörde bei Ausübung ihrer Befugnisse nach § 147 Abs. 6 zu unterstützen.
Eine Mitwirkungspflicht hat also jeder Steuerpflichtige. Ich denke das gilt auch für Hobbybrauer.

Gruß Rainer

hkpdererste
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 746
Registriert: Dienstag 12. August 2014, 20:18

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#19

Beitrag von hkpdererste » Montag 7. Dezember 2020, 23:14

Wenn halt jeder immer bezahlt weil könnte ja sein und der Gesprächspartner am Telefon war ja so nett oder so überzeugt und sind ja nur n paar Euro im Vergleich zu den tausenden die der Edelstahlporno gekostet hat und im Forum hat ja auch einer geschrieben man müsste ja und und und, dann schleift sich so ne Vorgehensweise halt ein.

Wenn das dann lang genug immer wieder so gehandhabt wird schafft man letztendlich durch die dauernde Wiederholung auch irgendwann Fakten.

Bei der Interpretation des Gesetzestextes bin ich deutlich der Meinung, dass bereits in diesem kurzen Schnipsel an Angabe der Verkauf als Gegenstück zum eigenen Verbraucher vorgegeben wird. Wenn ich jetzt hie und da mal ne Flasche verschenke um mich bei Freunden/Nachbarn/Kollegen whatever "einzuschleimen", ja auch da verbrauche ich das irgendwo noch für eigene Interessen.

Alles andere was an Gesetzestext zitiert wird ist deutlich auf gewerbliche Erzeuger ausgelegt und so in der Form kaum umsetzbar. Wie bewerkstelligst du die Buchführung wenn dir mal einer n Sack Malz schenkt? Hast du von jeder Mälzerei wo du was abgeholt hast immer ne Rechnung bekommen? Was wenn du mal bei einem Sud eine schlechtere/bessere Ausbeute hattest
Soll der Zoll bei der Nachverfolgung sämtliche Homebrew-Shops in ganz Europa und demnächst nach dem brexit auch ausserhalb durchforsten um zu kontrollieren ob irgendwo 5 Kilo Maris Otter beschafft wurden? Eher nicht so ganz realistisch oder? Dass da dann ne Razzia in Privatwohnraum stattfindet wegen 1,5 Liter Weihnachtsgeschenk ist vollends weltfremd. Privatwohnraum ist geschützt wie sonst nicht viel hierzulande und das ist auch gut so.

Alles in allem ... Auf dem Teppich bleiben ist angesagt.

Again just my 2 cents

Benutzeravatar
Bilbobreu
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 1101
Registriert: Samstag 16. März 2013, 12:32

Re: Steuersatz für Hobbybrauer

#20

Beitrag von Bilbobreu » Dienstag 8. Dezember 2020, 00:19

Wengertsbräu hat geschrieben:
Montag 7. Dezember 2020, 22:08
Für die, die Interesse haben, beschreibe ich mal wie ich ein für mich unbekanntes Gesetz lese.
Moin Rainer,
nichts für ungut aber versetz dich doch mal kurz in die Lage eines nicht juristisch vorgebildeten Forennutzers. Wenn der auf deine Erläuterungen trifft, dann wird der sich in aller Regel dafür interessieren, wie die Rechtslage ist. Er wird sich aber kaum dafür interessieren, wie du unbekannte Gesetze liest. Du führst ihn hier jetzt aber leider nicht zur Rechtslage, sondern in die Irre. Ich würde es sehr begrüßen, wenn hier im Forum Beiträge, die den Eindruck erwecken, sie würden die Rechtslage darstellen, erst nach reiflicher Prüfung eingestellt werden. Wer soll sich denn jetzt wieder hinsetzen die juristischen Halbwahrheiten und Ungereimtheiten wieder gerade rücken, damit die hier nicht ewig unkommentiert stehen?
Also heute Abend hab ich dafür weder Zeit noch Lust.
Gruß
Stefan

Antworten