Wie einträglich ist Craft Brewing?

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blub24
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Wie einträglich ist Craft Brewing?

#1

Beitrag von blub24 » Freitag 8. Mai 2015, 22:58

Hi,

ich find es schön, wenn man theoretisch durchrechnet ob es sich lohnt eine Craft-Brauerrei aus dem Stand aufzubauen. Aber vielleicht macht es auch Sinn sich bestehende anzuschauen.

Zu diesem Zweck hab ich mal den Bundesanzeiger durchwühlt.

Die meißten kleinen Brauereien sind natürlich nur irgendwelche GbR's etc. aber es gibt tatsächlich auch GmbH's mit Veröffentlichungspflicht. Von den gut 20 deutschen "Craft-Brauereien" die so im Versandhandel regelmäßig zu finden sind, habe ich doch paar finden können, wobei Schneider, Köstritzer, Maisel & co , oder Ableger wie Propeller oder Craftwerk jetzt mal nicht interessieren.

Natürlich sind die Bilanzen im Baz eher alt, momentan meistens von 2013 aber bei den 3 kleinen Brauereien (<700.000 Umsatz) die ich finden konnte stehen so Dinge wie:

Jahresfehlbetrag: ~ 38.000 Euro
Gewinnrücklagen: ~ -25.000 Euro
oder
Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag: ~ -122,000 Euro (da steht also das Eigenkapital auf der falschen Seite der Bilanz...)

Das waren die einzigen die ich finden konnte. Eine macht Miese, eine hat in der Vergangenheit erst mal Miese angesammelt und das noch nicht wieder ausgeglichen und eine ist im Prinzip insolvent wir aber von einem edlen Spender am Leben erhalten. Das sind übrigens alle kleinen, die ich finden konnte. Ich hab nicht die guten Beispiele weggelassen oder so.

Bei 5 Mio Umsatz und aufwärts scheint es dann interessant zu werden. Und eine sehr gut gehende Craft Brauerei aus dem Nord-Ostdeutschen mit 12 Mio Umsatz hat dann auch schon mal 500.000 Euro übrig am Jahresende (Das sind 4% Umsatzrendite...), mit denen man dann tatsächlich Rückstellungen für schlechte Zeiten bilden kann. Dafür brauchte es dann aber auch schon 150 Beschäftigte und drei Geschäftsführer.

Das läßt vermuten, dass wenn man nicht Ausstoßmengen von mindestens 1000+ hl plant, man mit dem Gründen einer gewerblichen Brauerei i.d.R. sein lassen kann. Zumindest wenn man es über den normalen (Internet-) Handel absetzen will. Sonst bleibt es halt Hobby, nur teurer mit mehr Bürokratie (für den der Bürokratie, Buchhaltung und Steuererklärungen liebt...).

Wenn man 5.000 Facebook Freunde hat die nur auf das eigene Bier warten oder es über die eigene Wirtshausbrauerei vom Fass verkaufen will und die Arbeitszeit nicht zählt, dann mag das anders aussehen. Ich befürchte aber das zumindest ersteres nicht so furchtbar nachhaltig ist...

Grüße,

Nikolas
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Lasso
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#2

Beitrag von Lasso » Freitag 8. Mai 2015, 23:18

Das ist mal eine interessante Recherche, du zerstörst damit allerdings bestimmt einige Träume :Bigsmile
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drosophila92
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#3

Beitrag von drosophila92 » Freitag 8. Mai 2015, 23:34

Oh mein Gott, noch so ein unnötiger Thread !


Kommt mir vor, als wenn ein Blinder über Farben schreibt ........

Bilanzanalyse mit entsprechender Interpretation sind ein komplexes Gebiet - mein Rat : Finger weg, wenn man keine Ahnung hat ......

Übrigens: Eine Firma, die bei 1,2 Millionen € Abschreibungen p.a. auf Anlagen einen Verlust von 38.000,--€ hat ( "Miese" ist ein schöner
Bildzeitungsausdruck ! ), hat einen gewaltig positiven cash-flow - aber da muss sich halt mit der Materie auskennen , um das zu bewerten zu können ......

Ein Blick in die Staaten zeigt übrigens sehr schnell, was da wirtschaftlich möglich ist - Fritz Maytag, Sam Adams , Sam Calagione, Greg Koch - die wären hier auch alle "kaputt-geredet" worden !

Gruß

Tom

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wichtel
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#4

Beitrag von wichtel » Freitag 8. Mai 2015, 23:41

Von Abschreibungen ist noch niemand reich geworden.

drosophila92
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#5

Beitrag von drosophila92 » Freitag 8. Mai 2015, 23:49

OK, ich gebe nachhaltig auf !

... die Bildzeitung hat gewonnen !


.... jetzt fehlt mir noch der Post : Craftbeer ist Hipsterscheisse ..........

Sto Lat
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#6

Beitrag von Sto Lat » Freitag 8. Mai 2015, 23:53

wichtel hat geschrieben:Von Abschreibungen ist noch niemand reich geworden.
Was ist mit dem Hersteller des Gerätes?
Irgendeiner verdient immer.

drosophila92
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#7

Beitrag von drosophila92 » Freitag 8. Mai 2015, 23:59

Die Abschreibung erfolgt regelmäßig nach steuerlichen Möglichkeiten, nicht nach technischen, wenngleich die an sich Grundlage sind .... ( wer will schon unnötig Gewinn ausweisen ...)

Die Mittenwalder Brauerei z.B. arbeitet mit einem Sudhaus aus dem Jahre 1906 - ratet mal, wann das endgültig abgeschrieben worden ist, nicht 2006 !

Ciao !

Sto Lat
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#8

Beitrag von Sto Lat » Samstag 9. Mai 2015, 00:18

drosophila92 hat geschrieben:Die Abschreibung erfolgt regelmäßig nach steuerlichen Möglichkeiten, nicht nach technischen, wenngleich die an sich Grundlage sind .... ( wer will schon unnötig Gewinn ausweisen ...)

Die Mittenwalder Brauerei z.B. arbeitet mit einem Sudhaus aus dem Jahre 1906 - ratet mal, wann das endgültig abgeschrieben worden ist, nicht 2006 !

Ciao !
Nun, du bist hier nicht der einzige der versteht was Abschreibungen sind und wie sie funktionieren. Ich empfinde deine Diskussionskultur als unangemessen.
Nikolas hat meiner Meinung nach eine interessante Information geliefert.

Ich frage aber, welche Information du uns lieferst, außer dass du uns erzählst dass wir eh alle keine Ahnung von Buchhaltung haben und nicht verstehen worum es geht. Ich finde, du tust damit niemanden einen Gefallen.

Nikolas hat nämlich insoweit recht: Irgendwann wurde die Anschaffung für die Abschreibung getätigt. Das Geld wurde ausgegeben. Auch wenn das operative Jahresgeschäft positiv bilanziert fehlt das Geld irgendwo und muss aufgerechnet werden (und wenn es auf Kredit gekauft wurde bleibt nach der Abschreibung ein echtes Minus). Mit der Bewertung des Betriebes bei einem Verkauf hat die Bilanz, die durch Abschreibung ins Minus gebracht wurde, nichts zu tun. Aber aus seinen Quellen geht auch nicht hervor ob das tatsächlich Abschreibungen waren. Alles was er sagt ist: Es ist nicht so einfach wie es scheint.

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#9

Beitrag von drosophila92 » Samstag 9. Mai 2015, 00:37

... und was hat das Ganze mit Hobbybrauen zu tun ?

Der Quo Vadis Thread war leider wegweisend - hier wird nur noch "show - off" mäßig rumgelabert .....

In letzter Zeit sind hier viele "dicke Bäume" gefällt worden , Bierjunge, JanBR , Königsfeld usw, usw. ,
statt dessen wächst leider nur noch Unkraut nach .....

Lieber Admin, leider kann ich meinen User nicht selbst löschen, bitte tue mir die Gnade !

Macht weiter so !

Tom

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#10

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 9. Mai 2015, 00:53

Das Thema kommt ja hier sehr oft auf und wurde auch schon zigmal diskutiert.

Auslöser ist meitens der vermeintlich hohe Gewinn, der aus dem Literpreis
erwartet wird. Wenn man aber mal - nach Milchmädchen Methode - nachrechnet,
bleibt da viel weniger übrig.

Dazu kommt noch das der Craftbier-Markt, zumindest für Hochpreisige Biere,
eine eher kleine Konsumentengruppe bedient. Das werden mit der Zeit sicherlich
auch mehr werden, die Preise werden aber auch ganz bestimmt sinken.
(Störtebeker Atlantik Ale gibts für 2,00 € / L zu kaufen.)

Auf dem kleinen Dorf, im verträumten südlichen Stadteil, mit den Kunden rund ums
Haus und direkt Verkauf/Ausschank kann sowas durchaus funktionieren.

Ansonsten ist der Traum von der eigenen Brauerei leider nichts anderes als ein
riesengroßes Luftschlößchen. Ausser Geld ist irrelevant und man hat zuviel Zeit.

Ein Craftbrewer, der seine Biere auch verkauft, hatte hier mal geschrieben das er
schon froh wäre wenn sich das ganze von alleine trägt, Gewinn in weiter ferne.
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#11

Beitrag von StJack » Samstag 9. Mai 2015, 01:05

Was haltet Ihr denn von den Berechnungen,die hier angestellt werden? Mir leuchtet das ziemlich ein. Klar ist das auch eine Investition, aber das Gesamtkonzept funktioniert ja wohl, wenn man den Standort und genügend Eigenkapital hat.

Wenn einer ein Haar in der Suppe findet, bitte schreiben. Und bitte keine Frustrierten mit Zweitnick oder sonstige Trolle.
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#12

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 9. Mai 2015, 01:29

StJack hat geschrieben:Was haltet Ihr denn von den Berechnungen,die hier angestellt werden? Mir leuchtet das ziemlich ein. Klar ist das auch eine Investition, aber das Gesamtkonzept funktioniert ja wohl, wenn man den Standort und genügend Eigenkapital hat.
Das hatte ich auch schonmal in den Fingern, ist soweit auch in Ordnung. Kann man als Grundlage nehmen.
Aber wie ich ja in einem anderen Thread schon geschrieben habe, spielen da noch viel mehr Parameter eine
Rolle. Als Gasthaus-Brauerei, mit direktem Auschank verdienst du halt am meisten pro Liter Bier. Hast aber
im Gegenzug wieder Personalkosten - Küche, Service, Reinigung. Das wird hier ja auch angesprochen.
StJack hat geschrieben:Und bitte keine Frustrierten mit Zweitnick oder sonstige Trolle.
:P
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#13

Beitrag von StJack » Samstag 9. Mai 2015, 02:12

Alt-Phex hat geschrieben: Als Gasthaus-Brauerei, mit direktem Auschank verdienst du halt am meisten pro Liter Bier. Hast aber
im Gegenzug wieder Personalkosten - Küche, Service, Reinigung. Das wird hier ja auch angesprochen.
Klar hat man die. Aber die Küche trägt auch genau so viel zum Umsatz bei wie das Bier. Letztlich ist es mehr ein Konzept für eine Gastronomie mit angeschlossener Kleinbrauerei als umgekehrt. Dazu muss man halt auch Lust haben. Wenn man das Restaurant nur als Ballast sieht, dann kann das nichts werden.
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#14

Beitrag von Alt-Phex » Samstag 9. Mai 2015, 02:31

Ja, natürlich generierst du mit der Küche auch Gewinn, hast du vollkommen recht.
Aber, die Küche muss auch gut sein, sonst kann dein Bier noch so lecker sein...

Worauf ich eigentlich hinaus will, mit nem BM50 oder einer Polinelli Anlage wird man nicht
weit kommen. Als Nebenerwerb schon gar nicht, das wird sich nicht rechnen. Als reine
Liebhaberei/Hobby das sich vieleicht grade so selber trägt mag das OK sein.

Ausserdem werden Hobbies, die man zum Beruf macht, plötzlich zur Arbeit.
Man kann sich nicht mehr aussuchen wann oder was man braut, man muss
seinen Gästen eine gleichbleibende Qualität bieten. Es muss immer genug
Bier da sein usw.

Ich habe vor 15 Jahren mein Hobby, Grafikdesign/Programmierung, zum Beruf
gemacht. Verdiene ich mein Brötchen mit und sicherlich bin ich weniger frustiert
als mancher Angestellter bei Firma XY. Aber macht mir das immer noch richtig Spaß ?
Meistens schon, aber eben nicht immer. Das sollte man auch im Hinterkopf haben.
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#15

Beitrag von StJack » Samstag 9. Mai 2015, 09:12

ich war vor einem Jahr in Schottland und habe die Windswept Brewery besichtigt. Die Jungs haben als Hobbybrauer angefangen, machen das immer noch im Nebenerwerb, hatten letztes Jahr noch drei Angestellte und heute sechs. Sudgröße ist 16HL. Die haben mich überhaupt erst auf die Idee gebracht zu brauen. Ich habe halt drei Jahrzehnte mit Medienproduktion zugebracht und könnte mir gut vorstellen noch mal was anderes anzufangen. Sollte sich aber rechnen sonst bleibe ich bei meinem Einkocher.
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nacron
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#16

Beitrag von nacron » Samstag 9. Mai 2015, 09:57

Ich denke es ist wie mit jeder Gründung, egal ob jetzt in der Gastro oder bei den Startups in Berlin. Ein großteil scheitert, Gründe gibts da wie sand am Meer. Aber ein kleiner Teil überlebt und wird Erfolgreich, ich denke da an Hanscraft, Hopfenstopfer, Buddelship etc. Natürlich geht jeder Gründer ein Risiko ein wenn er Gründet, das wissen viele und viele machens trotzdem, denn wer nicht wagt der nicht gewinnt. Es gibt viele die das neber ihrem Beruf probieren und ich ziehe meinen Hut vor ihnen, bzw von jedem Gründer. Und nochmal zu den Zahlen, nicht jede Gründung ist von Anfang an gewinnbringend, die großen Investitionen am Anfang machen das schwer. Ich glaube in Deutschland ist es gerade die richtige Zeit mit Craft Beer zu gründen. Der Markt ist reif für Veränderung. Und nochwas ich glaube keiner der oben genannten Gründer hat wegen dem Geld gegründet... Es geht um die Mission wieder gutes Bier nach Deutschland zu bekommen und den Markt hier damit zu versorgen... Und wenn man dazu drei Tage die Woche noch seinen Alltagsjob macht und am Wochenende und die restlichen zwei Tage versucht Deutschland mit Craft Beer zu versorgen sollte das etwas sein was wir bewundern und nicht einfach so den Kopf schütteln und sagen was für ein Dummkopf... Danke an alle Craft Bier Gründer deren Bier ich einfach nur genieße!

Cheers
Bene
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Scheibelhund
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#17

Beitrag von Scheibelhund » Samstag 9. Mai 2015, 11:16

Ich draf mal aus meinen Erfahrungen berichten:

Der Wunsch, eine bierorientierte Gastronomie zu betreiben entstand bei mir nach dem Besuch einer Zoiglstube bzw. "Kommune" in Neuhaus/Pegnitz. Dort wurde mit einer Tätigkeit, die Spaß macht richtig Geld verdient.
Die Vorraussetzungen dafür sind allerdings nicht so ohne weiteres zu haben. Benötigt wird eine eigene Immobilie in geeigneter Lage. Stadtmitte oder fremdenverkehrsorientierte Lage.
Nach ewiger Suche hatte ich dann in meinem Geburtsort das richtige Objekt gefunden. Der Kauf war relativ billg, aber die Renovierung verschlang Unsummen. Aber vergleichbar mit einem Reihenhaus, also nicht nur was für Millionäre.

Der Betrieb meiner Zoiglstube erfolgte die ersten Jahre nur ganz spärlich mit Bezug von fränkischem Hausbräu, einem Jungbier was man selbst ausreift. Mit dem Erwerb des Hochzeiterschlößchens um die Ecke war Platz für eine eigene Brauerei. Und dank mit dem Speidel Braumeister gabs endlich eine Anlage, die für meine Verhältnisse wirtschaftlich zu betreiben ist.

Inzwischen brau ich im Jahr 200 hl, die so gut wie vollständig in der Zoiglstube ausgeschenkt werden. Der Liter wird für 3,80 - 4,40 € verkauft. Auch wenn es keiner glauben will, dieser Preis ist entscheidend für das System Zoigl und läßt für den Brauer genügend übrig. Man muß sich nicht mit Flaschen, Etiketten, MHD und dem ganzen Kram herumgschlagen. Und bei irgendwelchen Zwischenhändlern betteln, damit die einem das Bier abnehmenen erst recht nicht.

Ich kann nur jedem raten, seine Brauereipläne an der Erfolgsgeschichte der Zoiglstuben zu orientieren. Bei Interesse gebe ich gerne Auskunft.
Im Winter trink' ich und singe Lieder
aus Freude, daß der Frühling nah ist,
und kommt der Frühling, trink' ich wieder,
aus Freude, daß er endlich da ist.

blub24
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#18

Beitrag von blub24 » Samstag 9. Mai 2015, 11:47

drosophila92 hat geschrieben: Kommt mir vor, als wenn ein Blinder über Farben schreibt ........

Bilanzanalyse mit entsprechender Interpretation sind ein komplexes Gebiet - mein Rat : Finger weg, wenn man keine Ahnung hat ......

Übrigens: Eine Firma, die bei 1,2 Millionen € Abschreibungen p.a. auf Anlagen einen Verlust von 38.000,--€ hat

Hi,

ok, ich wollte nicht alle mit allen Details belasten.

die Firma mit den 38000 Euro Verlust arbeitet ausschließlich mit fremden Maschinen (ob sie Lohnbrauer benutzen oder selber auswärts braunen kann ich natürlich nicht sagen). Das Anlagevermögen sind 350 Euro, vermutlich der PC auf dem sie ihre Buchhaltung machen oder so. Dazu kommen noch ein paar Tausend Euro Vorräte.

Natürlich können die 38.000 Euro auch Abschreibung sein, aber dann nur auf das Bier das sie vor mhd nicht verkauft bekommen haben. Wie sie dann davon reich werden?

Grüße,

Nikolas
Der Geschmack der mich an den meisten Bieren stört ist der der fehlt.

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#19

Beitrag von Captain Brewley » Samstag 9. Mai 2015, 12:03

drosophila92 hat geschrieben: .... jetzt fehlt mir noch der Post : Craftbeer ist Hipsterscheisse ..........
Ähem, dieses aus dem Zusammenhang gerissene Zitat stammt von mir und war - wie man offensichtlich nur schwer erkennen kann - mit einer gewissen Ironie gemeint.
Dass sich dadurch RHG-Verfechter bestätigt sehen, ist mir genau so wenig recht wie der Kontext, in dem du mich hier zitiert haben willst.

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#20

Beitrag von blub24 » Samstag 9. Mai 2015, 12:39

Hi,

ach so, es geht hier auch nicht darum die Deutsche Craftbrauer Scene schlecht zu machen.

Viele alteingesessene Mittelständler, die neben ihrem Kerngeschäft regionales Bier zu verkaufen, auch noch Craft Bier herstellen und dabei auf eine vorhandene Infrastruktur und Organisation zurückgreifen können (und natürlich auf viele abgeschriebene Betriebsmittel) scheinen damit ganz gut zu fahren.

Der Kern meiner Analyse sollte ist am Ende:

Wenn man heute mit ein paar erprobten Rezepten und Brauerfahrung in der Tasche meint eine Craftbrauerei aufmachen zu wollen, sollte man sich darauf gefasst machen, einen sechsstelligen Betrag vorlegen zu müssen, bis man zumindest die Kosten wieder rein hat, ganz davon zu Schweigen, dass man einen gescheiten Stundenlohn für die Mühe erhält.

Grüße,

Nikolas
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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#21

Beitrag von cyme » Samstag 9. Mai 2015, 12:46

Das ist halt auch nicht anders als in anderem Gewerbe. Nur weil ich einen gute Braten für die ganze Familie machen kann, bedeutet nicht, dass ich auch ein erfolgreiches Restaurant führen kann. Und "craft" Bier, was auch immer darunter versteht, ist auch nur Bier. Brauereien In Deutschland sind in einem Kampf um sinkenden Absatz, um sich dort als Neuling zu etablieren muss man sich warm anziehen.

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#22

Beitrag von Malzwein » Samstag 9. Mai 2015, 13:50

Es geht um die Mission wieder gutes Bier nach Deutschland zu bekommen
Genau, und deswegen mache ich 100.000€ Schulden, vernachlässige meine Familie, versiche mich freiwillig und stürze mich in den Wettbewerb....

Aber Hut ab vor jedem, der es dennoch macht. Auch konsumiere ich von dort gelegentlich, aber wenn der Hut dann vor denen steht, schaue ich auch weg. Wie alle anderen auch.

Zoigeln und Straußenwirtschaft geht leider nur in wenigen Regionen. In Franken war ich übrigens beeindruckt, dass auf dem Land das hausgemachte Bier nur 2€ der halbe Liter gekostet hat und dass am Wochenende die Dorfbraugaststätten voll waren. In Brandenburg gibt es keine Dorfgaststätten mehr und wenn, dann sind es meist Touristenläden mit schlechten Speisen zu hohen Preisen.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Re: Wie einträglich ist Craft Brewing?

#23

Beitrag von Blancblue » Samstag 9. Mai 2015, 14:53

Scheibelhund hat geschrieben:Inzwischen brau ich im Jahr 200 hl, die so gut wie vollständig in der Zoiglstube ausgeschenkt werden. Der Liter wird für 3,80 - 4,40 € verkauft. Auch wenn es keiner glauben will, dieser Preis ist entscheidend für das System Zoigl und läßt für den Brauer genügend übrig.
Von 200 Hektoliter kann mal leben? Das sind dann bei deinem Verkaufspreis gut 80.000 EUR Umsatz...Davon gehen dann noch Steuern, Personal, Marketing, Mieten, Strom, Wareneinsatz, Versicherung usw. ab - ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man davon hauptberuflich leben kann.
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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