RHG oder neulich im BR:

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Re: RHG oder neulich im BR:

#201

Beitrag von Rob5 » Montag 18. Januar 2016, 21:54

Alt-Phex hat geschrieben:
Rob5 hat geschrieben:Ein Pils mit 18 % Stammwürze einzubrauen und so zu hopfen, dass es nach dem Verdünnen in Sachen Hopfenaroma und Bitterkeit nahezu so schmeckt, als wäre es in final gravity gebraut, ist ja nicht möglich.
Du meinst man könnte kein Pils in High Gravity brauen ? - Natürlich geht das, geht mit jedem Bier.
In den hochoptimierten Bierfabriken zu Bitstein und Warburg wird nichts dem Zufall überlassen.
Doch, klar, aber irgenwannd wird es doch kratzig, wenn ich bei 18 % so stark hopfen muss, damit nach dem Einstellen der Stammwürze meine "Zielhopfenkonzentration" auch stimmt.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#202

Beitrag von Alt-Phex » Montag 18. Januar 2016, 22:06

Rob5 hat geschrieben: Doch, klar, aber irgenwannd wird es doch kratzig, wenn ich bei 18 % so stark hopfen muss, damit nach dem Einstellen der Stammwürze meine "Zielhopfenkonzentration" auch stimmt.
Warum sollte das kratzig werden ? - Kratzige Bittere kommt von schlechten Wasserwerten oder ungeignetem Hopfen.
Den Hopfen wählt man sich passend aus und das Wasser wird sowieso aufbereitet. Felsquellwasser, Siegelhopfen und
Segelschiffe sind genauso Marketing Instrumente wie das Reinheitsgebot.

Mal abgesehen davon, das in den Industriebieren ja eh kaum noch nenneswerte Bittere vorhanden ist.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#203

Beitrag von Gasflasche » Dienstag 19. Januar 2016, 14:36

Gesternabend habe ich in alle Ruhe mal den ganz Thread gelesen: teilweise sehr amusant, teilweise sogar informativ & interessant :popdrink
Meine Meinung zum Thema RHG/Vorläufiges Biergesetz/Bierverordnung, wie man's will, (da wird of deutlich kaum unterschieden, sollte man vielleicht aber..) wurde eigentlich schon von anderen geschrieben.. Daher werde ich den Thread nicht weiter zu müllen :Wink

Eine Sache ist mir aber doch im Kopf hängen geblieben:
- die Verwendung von Asbest für die Filtration: ich dachte, die Verwendung von Asbest ist seit 1993 in Deutschland generell verboten? :Waa Oder ist dies so ein gesetzliches "Überbleibsel" aus den Zeiten, wo es noch nicht generell verboten war?

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Re: RHG oder neulich im BR:

#204

Beitrag von philipp » Dienstag 19. Januar 2016, 15:20

Würde mich wundern, wenn es noch erlaubt wäre.

Hier gibt es Hintergründe:
http://www.google.de/patents/EP0031522A2?cl=de
Der Porter, den man in London gemeiniglich Bier zu nennen pflegt, ist unter den Malz-Getränken das vollkommenste.
http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/h ... ew/1817246

Im alten Forum als 'rattenfurz' bekannt gewesen.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#205

Beitrag von Ladeberger » Dienstag 19. Januar 2016, 15:23

Gasflasche hat geschrieben: - die Verwendung von Asbest für die Filtration: ich dachte, die Verwendung von Asbest ist seit 1993 in Deutschland generell verboten? :Waa Oder ist dies so ein gesetzliches "Überbleibsel" aus den Zeiten, wo es noch nicht generell verboten war?
Asbest wurde mal zur Filtration eingesetzt und ja, da könnten sich natürlich wie aus allen Filtermaterialien auch Fasern gelöst haben. Wenngleich das gesundheitlich m.E. unbedenklich ist, weil man Bier in der Regel nicht trocknet und als Pulver einatmet. Dass dies zusammen mit Blausäure, Phosphin und was noch alles auf dieser Liste steht als angeblich nach Bierverordnung zugelassene Zusatzstoffe handeln soll ist meines Erachtens eine völlig absurde und geradezu böswillige Unterstellung.

Selbst wenn einiges davon in vorgelagerten Prozessen z.B. in der Getreideproduktion oder in Form von Reinigerrückständen vorkommen könnte (was a) in der Vielzahl der in der Liste bezeichneten Stoffe nicht mehr der Fall ist und sie b) nicht automatisch zu Zusatzstoffen macht), würde das Problem alle Brauer inkl. Craft, Haus und Hobby betreffen, nicht nur die böse Industrie, der das mal wieder vorgeworfen wird. Diese einseitige Verzerrung der Tatsachen macht die Diskussion wirklich wahnsinnig zäh.

Gruß
Andy

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Re: RHG oder neulich im BR:

#206

Beitrag von cyme » Dienstag 19. Januar 2016, 15:53

Ladeberger hat geschrieben:Dass dies zusammen mit Blausäure, Phosphin und was noch alles auf dieser Liste steht als angeblich nach Bierverordnung zugelassene Zusatzstoffe handeln soll ist meines Erachtens eine völlig absurde und geradezu böswillige Unterstellung.
Phosphin wird verwendet, um Getreide vor Schädlingen zu schützen. Muss natürlich jeder für sich ausmachen, ob ihm das Biosiegel so wichtig ist, dass er dafür mit Kornkäfern braut.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#207

Beitrag von Fe2O3 » Dienstag 19. Januar 2016, 16:05

Ladeberger hat geschrieben: Asbest wurde mal zur Filtration eingesetzt und ja, da könnten sich natürlich wie aus allen Filtermaterialien auch Fasern gelöst haben. Wenngleich das gesundheitlich m.E. unbedenklich ist, weil man Bier in der Regel nicht trocknet und als Pulver einatmet.
Die Gute Nachricht also: Da der Asbest in Flüssigkeit "gebunden" ist, herrscht keine (bzw. nur eine minimalst erhöhte) Gefahr, daran an Lungenkrebs zu erkranken.
Aber ob es besser ist, dass die feinen Asbestnadeln im Magen-Darm-Trakt sind und da das Gewebe reizen können, sei mal dahin gestellt.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Asbest ja vom Stoff (also dem Material, chemisch gesehen....) nicht wirklich gefährlich, sondern eher durch die Eigenschaft, in mikroskopisch kleinen Fasern/Nadeln vorzukommen, die ins Gewebe (v.a. eben Lungengewebe durchs Einatmen) eindringen und dort als Fremdkörper zur Tumor-Bildung beitragen.. (I may be corrected ^^)

-> das alles natürlich nur unter der Prämisse, dass Asbest wirklich noch als Filtermaterial eingesetzt wird, und nicht wie Holz-Bottiche (wenn überhaupt) nur mal in Brauerei-Museen zu finden ist.

lG
Martin

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Re: RHG oder neulich im BR:

#208

Beitrag von Red » Dienstag 19. Januar 2016, 16:28

Also nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Der Vergleich mit Erdbeerjoghurt ist einfach nur Bullshit.
Da steht ja auch alles drauf was drinnen ist, bei Bier nicht!
Und daß mit der Vielfalt durch RHG ist ja nur noch zum kopfschütteln. Das kann doch nicht ernst gemeint sein. Das geht sich doch mathematisch schon nicht aus. Wenn ich mehr zutaten zur verwendung hab, hab ich auch mehr vielfalt...
Da wunderts mich nicht daß ein Boludo sich mal verbschiedet. Gegen die Art von Dummheit idt kaum anzukämpfen.

Das man sich vom Begriff "Reinheit" soooo blenden lassen kann ist mir ein Rätsel. Es geht ausschließlich darum, nur Gerste-.. zu verwenden. Da es zum Essen kaum relevant ist, und Weizen aber schon. Die haben halt Nahrungsknappheit gehabt vor 500 Jahren, WIR heute schütten tonnenweise Getreide ins Meer oder überschütten den Afrikanischen Markt mit dem subventionierten Überschuß... Das hat doch überhaupt nichts mit Reinheit zu tun verdammt, dass da jemand geschützt wir vor chemie! die Großbrauereien schmeißens doch eh rein, LEGAL!

Soll doch diese Verarsche bestehen, mir egal, als Österreicher, aber dann soll auch wirklich alles draufstehen was drinn ist, und auch jedes andere Bier, Bier sein dürfen. Wenn jemand ein nur nach dem RHG gebrautes Bier Kaufen will, dann soll er es meiner Meinung nach auch Kaufen dürfen, dann aber auch wirklich RHG.
Weizenbier ist nicht RHG... auch wenns draufsteht. Das sollte verboten sein damit zu werben und den leuten Unwahrheiten verkaufen zu dürfen. Ich dachte eigentlich dass es ein Gesetz gibt nach dem nach man nicht mit unwahrheiten werben darf... :Waa

Red, der auch jedes mal voller Ekel Zucker zum speisen benützt.
PS: Zum Video: Echt interessant das der Zappelphilip Hopfen zu den Nachtschattengewächsen zählt :Ahh

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Re: RHG oder neulich im BR:

#209

Beitrag von Gasflasche » Dienstag 19. Januar 2016, 16:34

Ich muss jetzt mal auf rein theoretischer Ebene die Unbedenklichkeit von Asbest im Bier monieren :Wink
Vorausgesetzt, Asbest wird noch benutzt und es kommt auch zu Rückstände dieses Stoffes im Bier: die Chance, dass Asbestfaser "airborn" werden ist tatsächlich nihil. Auch wenn dies passieren könnte oder würde, ist das Risiko immer noch vernachlässigbar: es gibt immer & überall Asbestfaser in der Luft. Die zusätzliche Belastung wäre wahrscheinlich nicht mal nachweisbar.
Jetzt kann ich die Quelle nicht mehr finden, aber in Belgien (oder Flandern) untersuchen sie jedoch einen möglichen Zusammenhang zwischen eine doch nicht ganz unerhebliche Asbestbelastung im Leitungswasser und Dickdarmkrebs. Ein Drittel der Röhre besteht aus Asbesthaltigem Material, woraus sich immer Faser lösen, diese kommen dann letztendlich bis im Haushalt. Es ist nicht so weit hergeholt, um einen Verband zu vermuten, da diese Asbestfaser es wahrscheinlich auch bis in den Darmzellen schaffen.. :Grübel

Aber gut, mir ist auch klar, dass es auch immer eine Frage der Menge & Relevanz ist, die wahrscheinlich eher nicht gegeben ist. :Wink
Mich hat es eigentlich nur und hauptsächlich verwundert, dass dies einfach überhaupt (noch) zugelassen sein sollte. Daher meine Frage.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#210

Beitrag von Malzwein » Dienstag 19. Januar 2016, 16:51

Aber gut, mir ist auch klar, dass es auch immer eine Frage der Menge & Relevanz ist, die wahrscheinlich eher nicht gegeben ist.
Mögliche schädigende Wirkungen der oben genannten Stoffe fallen vielleicht neben den sicheren schädigenden Wirkungen des Ethanols gar nicht ins Gewicht?

:popdrink
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Re: RHG oder neulich im BR:

#211

Beitrag von Gasflasche » Dienstag 19. Januar 2016, 17:20

Malzwein hat geschrieben:
Aber gut, mir ist auch klar, dass es auch immer eine Frage der Menge & Relevanz ist, die wahrscheinlich eher nicht gegeben ist.
Mögliche schädigende Wirkungen der oben genannten Stoffe fallen vielleicht neben den sicheren schädigenden Wirkungen des Ethanols gar nicht ins Gewicht?

:popdrink
Da hast du allerdings einen Punkt..

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Re: RHG oder neulich im BR:

#212

Beitrag von Bierwisch » Dienstag 19. Januar 2016, 18:48

Leute, was geht denn hier ab?

Das sollte verboten werden! Ich denke, daß ihr hier gemütlich bei Chips und Dosenbier olle Kamellen aus'm BR-Archiv verkonsumiert, bis ich auf den Zähler geschaut habe! Och menno - RHG-Diskussion und ich habs verpaßt!

Aber eigentlich hab ich ja gar nichts verpaßt, es ist alles wie immer!

@Stefan
Du wolltest kürzer treten, gelle?! Aber kaum hält Dir jemand das Stöckchen hin, springst Du drüber...

@all
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Re: RHG oder neulich im BR:

#213

Beitrag von gulp » Dienstag 19. Januar 2016, 18:54

Das sollte verboten werden! Ich denke, daß ihr hier gemütlich bei Chips und Dosenbier olle Kamellen aus'm BR-Archiv verkonsumiert, bis ich auf den Zähler geschaut habe! Och menno - RHG-Diskussion und ich habs verpaßt!
Wie das? Ich habe doch extra den Titel geändert, vor gefühlten 1000 Beiträgen. :Bigsmile

Gruß
Peter
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Re: RHG oder neulich im BR:

#214

Beitrag von Bierwisch » Dienstag 19. Januar 2016, 19:03

Mag ja sein, aber ich war so im Trott und hab es viel zu spät gemerkt. Vielleicht hätte ich Stefan retten können, dann hätte er heute 50 Beiträge weniger auf dem Zähler und ein paar graue Haare bestimmt auch.
Der Klügere kippt nach!

El Gordo

Re: RHG oder neulich im BR:

#215

Beitrag von El Gordo » Dienstag 19. Januar 2016, 19:21

Bierwisch hat geschrieben:
@Stefan
Du wolltest kürzer treten, gelle?! Aber kaum hält Dir jemand das Stöckchen hin, springst Du drüber...

@all
weitermachen
Was soll ich machen? Hab ja schließlich ein Ethanol- Hündchen als Avatar. Bei Stöckchen setzt es bei mir aus :puzz

Stefan

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Re: RHG oder neulich im BR:

#216

Beitrag von Rob5 » Dienstag 19. Januar 2016, 22:30

Gasflasche hat geschrieben: Mich hat es eigentlich nur und hauptsächlich verwundert, dass dies einfach überhaupt (noch) zugelassen sein sollte. Daher meine Frage.
Das Inverkehrbringen von Asbest ist bekannter maßen seit über 20 Jahren verboten, ebenso von Erzeugnissen, die die Stoffe enthalten (bei Rückständen im Bier wäre also Ende). Eine Brauerei müsste also theoretisch Altbestände aufbrauchen. Die VO (EG) Nr. 1907/2006, noch nicht ganz so alt, untersagt auch die Verwendung (Art 67 i.V.m. Anhang Anhang XVII Nr. 6 "1. Das Inverkehrbringen und die Verwendung dieser Fasern und von Erzeugnissen, denen diese Fasern absichtlich zugesetzt werden, wird verboten." Den Arbeitsschutz (insb. § 8 VIII i.V.m. Anhang I Nr. 2.4, § 16 II i.V.m. Anhang II Nr. 1 GefStoffV) gibt es auch noch.

In wie fern bereits ein absolutes Verwendungsverbot vor der EG-VO bestand, habe ich jetzt nicht geschaut. Sich den alten Rechtsverordnungsstand zusammenzupuzzeln ist u.U. etwas aufwändig, es dürfte aber bestanden haben. Heute verweist der § 16 I GefStoffV ja auf die EG-Verordnung.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#217

Beitrag von Gasflasche » Dienstag 19. Januar 2016, 23:03

Rob5 hat geschrieben: Das Inverkehrbringen von Asbest ist bekannter maßen seit über 20 Jahren verboten, ebenso von Erzeugnissen, die die Stoffe enthalten (bei Rückständen im Bier wäre also Ende). Eine Brauerei müsste also theoretisch Altbestände aufbrauchen. Die VO (EG) Nr. 1907/2006, noch nicht ganz so alt, untersagt auch die Verwendung (Art 67 i.V.m. Anhang Anhang XVII Nr. 6 "1. Das Inverkehrbringen und die Verwendung dieser Fasern und von Erzeugnissen, denen diese Fasern absichtlich zugesetzt werden, wird verboten." Den Arbeitsschutz (insb. § 8 VIII i.V.m. Anhang I Nr. 2.4, § 16 II i.V.m. Anhang II Nr. 1 GefStoffV) gibt es auch noch.

In wie fern bereits ein absolutes Verwendungsverbot vor der EG-VO bestand, habe ich jetzt nicht geschaut. Sich den alten Rechtsverordnungsstand zusammenzupuzzeln ist u.U. etwas aufwändig, es dürfte aber bestanden haben. Heute verweist der § 16 I GefStoffV ja auf die EG-Verordnung.
Das reicht mir als Antwort aber mehr als vollkommen! :thumbup Danke!

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Re: RHG oder neulich im BR:

#218

Beitrag von Gasflasche » Mittwoch 20. Januar 2016, 14:13

Eine zusätzliche Frage hätte ich jedoch noch:
- ist der Zusatz von Milchsäure (also pur E 270, nicht über/mit Sauermalz) bei gewerblicher Produktion von Bier, sowohl für die Wasseraufbereitung als für den Geschmack, heutzutage in Deutschland (oder noch mehr spezifisch: Baden-Württemberg) erlaubt oder nicht?

Mir ist klar, dass nach dem RHG die Antwort "nein" lautet. Aber das Reinheitsgebot ist ja auch nicht (mehr) wirklich gültig & interessiert mich auch nur mäßig. Es ist eine schöne Gedanke, aber ich nehme es lieber als "ethischer Leitfaden".
Die Quellen die ich finde scheinen aber die heutige gesetzliche Lage gern zusammen mit dem RHG in einer Suppe zu rühren. Dementsprechend widersprüchlich sind die Antworte. :Ahh Die meiste Quellen meinen ganz eindeutig, dass es nicht erlaubt sei, Milchsäure zu zu setzen. Sie verweisen dabei aber quasi ausschließlich auf das RHG, was mich dann wieder stutzig macht. :Grübel

Ich habe mich durch den folgenden Sachen gewühlt:
- Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (Anlage 4, Fassung 2012, gefunden auf der Website von Landesrecht BW)
- Verordnung zur Durchführung des Vorläufigen Biergesetzes (Stand 2000)
- Biersteuergesetz (Stand 2011)
- Vorläufiges Biergesetz (1993)
Ich habe den starken Eindruck, dass sich manche Sachen sogar einfach widersprechen. Das eine scheint ja teilweise das andere aufzuheben, und obwohl aufgehoben, sind manche Sachen doch noch gültig, irgendwie unglaublich. Wie soll man sich an ein Gesetz halten, das irgendwie nur halb zusammenhängt?
Nichtsdestotrotz, würde ich bzgl. der Erlaubnis zur Verwendung von Milchsäure eher zu „ja“ tendieren, auch in Baden-Württemberg. Aber, wer blickt da noch durch? :Mad2

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Re: RHG oder neulich im BR:

#219

Beitrag von Bergbock » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:32

@Gasflasche.
Sehr interessante Quellen, in der Tat scheint die rechtliche Situation komplizierter zu sein als allgemein angenommen.

Unter "http://www.lebensmittel.org/archiv/bier.htm" kann man nachlesen :
Mit Inkrafttreten der ZZulV von 1998 wurden die EU-Richtlinien über Zusatzstoffe (94/35/EG, 94/36//EG und 95/2/EG) in nationales Recht umgesetzt und zugleich einer dritten "Biergruppe" der Markt geöffnet.

Entsprechend dem neuen Zusatzstoffrecht darf Bier (auch deutsches) nun bestimmte zugelassene Zusatzstoffe (z. B. Milchsäure, Citronensäure, Ascorbinsäure) enthalten. Die Verwendung dieser Stoffe muß aus dem Zutatenverzeichnis ersichtlich sein. Der Zusatz von Zusatzstoffen verbietet die Auslobung "nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut" o. ä.
Ein solche Unterscheidung zwischen Bier und RHG-Bier in Deutschland war mir bislang völlig unbekannt.

Frank

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Re: RHG oder neulich im BR:

#220

Beitrag von El Gordo » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:45

Natürlich wird in Deutschland fleißig mit Milchsäure die Maische und manchmal auch die Würze gesäuert.
Die Milchsäure muss aber in einem Fermenter in der Brauerei aus Würze hergestellt werden, und zwar aus einem bestimmten Stamm, der mal von einem Gerstenkorn isoliert wurde. Das nennt sich dann Sauergut. Und schwuppdiwupp hat man wieder eine RHG konforme Regelung herbeigemogelt. Schließlich stammt die Milchsäure ja von der Gerste und man kann das Sprüchlein von 1516 aufs Etikett schreiben und die Milchsäure verschweigen.
Man kann auch in den Milchsäurefermenter aus Versehen Zinkplatten einbauen. Diese lösen sich mit der Zeit auf und die Hefe freut sich.
Aber wehe es kommt einer auf die Idee, biologisch hergestellte Milschsäure aus einer anderen Quelle zu benutzen, das geht ja mal gar nicht!

Stefan

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Re: RHG oder neulich im BR:

#221

Beitrag von El Gordo » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:51

Das bringt mich übrigens gerade auf eine geniale Idee:
Man müsste versuchen, die in der Bierwürze enthaltene Glukose zu isolieren.
Die könnte man dann teuer an Hobbybrauer verkaufen, damit sie beim Carbonisieren, falls sie die Speise vergessen haben, kein schlechtes Gewissen haben müssen :Fight

Stefan

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Re: RHG oder neulich im BR:

#222

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:53

El Gordo hat geschrieben:Das bringt mich übrigens gerade auf eine geniale Idee:
Man müsste versuchen, die in der Bierwürze enthaltene Glukose zu isolieren.
Die könnte man dann teuer an Hobbybrauer verkaufen, damit sie beim Carbonisieren, falls sie die Speise vergessen haben, kein schlechtes Gewissen haben müssen :Fight

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Da bin ich sofort dabei Stefan, ich kann schon die Millionen riechen die wir damit verdienen werden :thumbsup
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Re: RHG oder neulich im BR:

#223

Beitrag von Jörg » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:55

Gibts schon. Nennt sich Malzextrakt und ist fast noch unbeliebter als Haushaltszucker.


Cheers, Jörg
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Re: RHG oder neulich im BR:

#224

Beitrag von Percyval » Mittwoch 20. Januar 2016, 15:59

Hallo Zusammen,

dürfte ich dann damit RHG-konform auch untergäriges Bier aufkarbonisieren? :Smile

Gruß,
Heiko
Nach dem befriedigenden Handwerk kommt die quälende Zeit des Wartens und schlussendlich die freudige Erlösung beim Verkosten. [HW]

Immerhin, wer Bier macht, kann kein schlechter Mensch sein! Aber wer Bier trinkt, dem kann immerhin schlecht werden. [R]

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Re: RHG oder neulich im BR:

#225

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:01

Percyval hat geschrieben: dürfte ich dann damit RHG-konform auch untergäriges Bier aufkarbonisieren? :Smile
Selbstverständlich, denn die Glucose würde ja nur aus Gestenmalz isoliert werden.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#226

Beitrag von Jörg » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:06

Percyval hat geschrieben:Hallo Zusammen,

dürfte ich dann damit RHG-konform auch untergäriges Bier aufkarbonisieren? :Smile

Gruß,
Heiko
Auf irgendeinem Mineralwasser habe ich mal gelesen, dass es nur mit CO2 versetzt wird welches vorher an der Quelle aufgefangen wurde...


Cheers, Jörg
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Re: RHG oder neulich im BR:

#227

Beitrag von El Gordo » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:13

Jörg hat geschrieben:Gibts schon. Nennt sich Malzextrakt und ist fast noch unbeliebter als Haushaltszucker.
Malzextrakt ist aber nicht so einfach zu berechnen, da neben Maltose und Maltotriose auch noch Dextrine enthalten sind.

Natürlich ist das nicht ernst gemeint. Ich wollte damit nur verdeutlichen, welch Blüten das RHG teilweise treibt.
Das mit dem CO2 ist ja auch so lustig. Fossiles CO2 pfui, Gärkohlensäure hui.
Den Unterschied kann man nur mit einem Massenspektrometer über die unterschiedliche Isotopenverteilung nachweisen.
Möcht nicht wissen, wie oft da gemogelt wird.

Stefan

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Re: RHG oder neulich im BR:

#228

Beitrag von Fe2O3 » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:24

El Gordo hat geschrieben:
Jörg hat geschrieben:Gibts schon. Nennt sich Malzextrakt und ist fast noch unbeliebter als Haushaltszucker.
Malzextrakt ist aber nicht so einfach zu berechnen, da neben Maltose und Maltotriose auch noch Dextrine enthalten sind.

Natürlich ist das nicht ernst gemeint. Ich wollte damit nur verdeutlichen, welch Blüten das RHG teilweise treibt.
Das mit dem CO2 ist ja auch so lustig. Fossiles CO2 pfui, Gärkohlensäure hui.
Den Unterschied kann man nur mit einem Massenspektrometer über die unterschiedliche Isotopenverteilung nachweisen.
Möcht nicht wissen, wie oft da gemogelt wird.

Stefan
Daa hilft nur eins:
Sich nen MS anschaffen und nachmessen...
Mit den Abmahnungs- und Schadensersatz-Zahlungen, die man dann aus den Brauereien rauspresst ist das Ding sicher auch schnell wieder bezahlt :D :Grübel

lG
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Re: RHG oder neulich im BR:

#229

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 20. Januar 2016, 17:42

Mal ne andere blöde Frage.

Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#230

Beitrag von Gasflasche » Mittwoch 20. Januar 2016, 23:15

@bergbock

Also, wenn ich es gut verstehe, dürfte ich dann wohl in Deutschland - auch bei kommerziellem Bier - tatsächlich Milchsäure (aus der Flasche) reinkippen? :Grübel Sehr gut :thumbup
Danke Frank! :Drink

Es wundert mich aber wirklich sehr, es noch nie auf irgendeinem Etikett gesehen zu haben.. :Grübel Na gut, irgendwie glaube ich, dass gerne mal was "vergessen" wird.. Und noch mehr wundere ich mich drüber, wieviele der unzähligen Artikel die ich gelesen habe, hoch & heilig behaupten, Milchsäure (aus der Flasche) sei verboten. Dann gucken Menschen mich immer wieder krumm an, wenn ich generell skeptisch bin bei all dem was man so lesen kann..
Alt-Phex hat geschrieben:Mal ne andere blöde Frage.

Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
Das ist aber ganz genau eine Frage, die ich mir auch schon seit einigen Tage stelle :redhead
Man kippt es ja rein, aber theoretisch vergärt ja das (aller)meiste, bleibt also nur einen kleinen Rest drin. Dann müsste man ja aber noch genau wissen wieviel Zucker noch drin ist, um zu wissen an welcher Position es in der Liste stehen muss.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#231

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 20. Januar 2016, 23:26

Gasflasche hat geschrieben:
Alt-Phex hat geschrieben:Mal ne andere blöde Frage.

Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
Das ist aber ganz genau eine Frage, die ich mir auch schon seit einigen Tage stelle :redhead
Man kippt es ja rein, aber theoretisch vergärt ja das (aller)meiste, bleibt also nur einen kleinen Rest drin. Dann müsste man ja aber noch genau wissen wieviel Zucker noch drin ist, um zu wissen an welcher Position es in der Liste stehen muss.
Nönö, der wird zu 100% vergoren, da bleibt nichts übrig. Es sei denn die Hefe schafft das nicht
mehr, weil die wegen zu niedriger Alkoholtoleranz die Grätsche macht.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#232

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 00:01

Na ja, Milchsäure aus der Flasche ist ein industrielles Produkt. Möglicherweise auch nicht aus Getreide hergestellt sondern aus anderen Stärkequellen. Bei der Fermentation wird immer wieder Calciumcarbonat zugesetzt damit es nicht zu sauer für die Laktos wird und sie weiterarbeiten. Die Milchsäure fällt dann als Calziumlaktat aus. Durch Zugabe von Schwefelsäure entsteht dann (biologische) Milchsäure und Gips. Nicht das es mich kratzen würde aber eigentlich kann das nicht durchs Reinheitsgebotsraster fallen..?
Eine selbst hergestellte Sauerwürze hat noch mehr Vorteile als Milchsäure aus der Flasche. Die enthaltenden Bakterien werden ja mit gekocht und werden vorzügliche Hefenährstoffe.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#233

Beitrag von Brewtotype » Donnerstag 21. Januar 2016, 00:15

Alt-Phex hat geschrieben:Mal ne andere blöde Frage.

Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
Bei obergärigen Bier darf Zucker verwendet werden ohne dies auf dem Etikett zu deklarieren.... Ich muss mal in meinen alten Unterlagen schauen, da stand drin welches mass-% ohne Deklaration erlaubt ist.
Gruß Daniel

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Re: RHG oder neulich im BR:

#234

Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 21. Januar 2016, 00:34

@flying

das Reinheitsgebot würde es auf jeden Fall nicht zulassen, soviel ist klar. Es ist aber die Frage, ob ich in einem kommerziellen Bier Milchsäure (aus der Flasche) kippen und es anschließend auch tatsächlich gesetzlich als "Bier" verkaufen dürfte.

Wenn alle Biere die in Deutschland gebraut & verkauft werden, nach dem RHG gebraut werden würden, würde meiner Meinung nach, das entsprechende bekannte Prädikat ziemlich seinen Wert verlieren, weil es dann ja auch auf jeder Bierflasche stehen dürfte/würde. Damit wäre das Unterscheidungsmerkmal kein Unterscheidungsmerkmal mehr.
Das würde ja schon mal vermuten lassen, dass wohl einiges an Bier in Deutschland deutlich nicht entsprechend diesem RHG gebraut wird und es einen sicheren Spielraum gibt. Jetzt ist wohl die Frage: wie groß ist dieser Spielraum? :Grübel

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Re: RHG oder neulich im BR:

#235

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 02:22

das Reinheitsgebot würde es auf jeden Fall nicht zulassen, soviel ist klar. Es ist aber die Frage, ob ich in einem kommerziellen Bier Milchsäure (aus der Flasche) kippen und es anschließend auch tatsächlich gesetzlich als "Bier" verkaufen dürfte.
Vielleicht nicht als Bier aber als Gose, kein Problem! Auch mit reingeschütteter Flaschenware. Überhaupt kann man in Deutschland fast jedes Bier brauen und verkaufen was es irgendwo gibt auf der Welt. Mit Zutaten aller Arten. Ist alles nur eine Frage der Bezeichnung. Warum man eine Gose oder ein Oysterstout jetzt Bier nennen muss oder nicht interessiert den Kenner und Liebhaber solcher Sorten nicht wirklich. Das so etwas hierzulande kaum gebraut wird, liegt nicht daran dass man es nicht darf.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#236

Beitrag von Rob5 » Donnerstag 21. Januar 2016, 05:17

Alt-Phex hat geschrieben:Bei obergärigen Bier ist der Zusatz von Zucker ja erlaubt, müsste man das aufs Etikett
schreiben oder nicht ? - Bei kommerziellem Bier natürlich.
Ich nehme an, Du spielst auf den Umstand an, dass bei einer Nachgärung der Zucker vollständig von der Hefe in CO2, Ethanol und Energie verstoffwechselt wird? Wenn Zucker noch vorhanden ist, ist die Sache ja klar – eindeutig deklarierungspflichtig. Eine Zutat ist nach der LMIV "jede[r] Stoff [...], der bei der Herstellung oder Zubereitung eines Lebensmittels verwendet wird und der — gegebenenfalls in veränderter Form — im Enderzeugnis vorhanden bleibt; Rückstände gelten nicht als „Zutaten“;". Zucker ist ein Stoff und er wird auch verwendet. Im Fall der Nachgärung kommt es dann auf die Auslegung von "gegebenenfalls in veränderter Form" an. Klar ist, dass Stoffe die wieder entfernt werden, keine Zutaten sind. Stoffe, die sich bei der Produktion vollständig verflüchtigen (z.B. Wasser durch verdampfen – den Schwellenwert bei Wasser hier einmal außer Acht lassend) sind auch nicht im Enderzeugnis vorhanden und damit keine Zutat. Stoffe, die z.B. Verbindungen mit anderen Stoffen eingehen und somit ein anderer Stoff entsteht, hingegen schon. Hier ist es aber komplizierter, denn der Zucker geht nicht einfach eine Verbindung ein oder zerfällt in andere Stoffe, sondern wird durch einen einzelligen Organismus verstoffwechselt. Bleiben jedenfalls keine Umwandlungsprodukte zurück, ist es keine Zutat im Endprodukt.
Gasflasche hat geschrieben:und obwohl aufgehoben, sind manche Sachen doch noch gültig, irgendwie unglaublich.
Das geht nicht anders. Wenn die Bereitungsvorschriften im Vorläufigen Biergesetz durch eine Rechtsverordnung irgendwann einmal ersetzt werden sollen, muss das Gesetz aufgehoben werden. In einer Rechtsverordnung als niederrangige Rechtsquelle kann dies nicht erfolgen. Natürlich könnte man parallel dann immer einen Gesetzgebungsprozess initiieren (das betraf mehrere Sachen im Lebensmittelbereich). Hier wurde das aber in einem Abwasch gemacht. Mit der "weiterhin anzuwenden bis"-Regelung behilft man sich während der Übergangszeit.
flying hat geschrieben:Überhaupt kann man in Deutschland fast jedes Bier brauen und verkaufen was es irgendwo gibt auf der Welt. Mit Zutaten aller Arten. Ist alles nur eine Frage der Bezeichnung.
Leider nicht, siehe Posting #176 und #183.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#237

Beitrag von philipp » Donnerstag 21. Januar 2016, 08:42

flying hat geschrieben: Das so etwas hierzulande kaum gebraut wird, liegt nicht daran dass man es nicht darf.
Soweit ich weiß, kannst du auch ein Problem haben, wenn du mit deinem Produkt oder der Aufmachung des Produktes den Eindruck erweckst ("Verkehrsauffassung"), es handele sich hier um Bier.
Der Porter, den man in London gemeiniglich Bier zu nennen pflegt, ist unter den Malz-Getränken das vollkommenste.
http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/h ... ew/1817246

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Re: RHG oder neulich im BR:

#238

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:10

Nenn mir mal Beispiele? Es gibt Witbier, Gosen, Porter mit Zucker, Erdbeeren, Kirschen usw., Honigbier (letztes wieder hier ein Startup), Kräuterbier und und und. Die Aufmachungen erinnern eindeutig an Bier. Ich kenne kein Beipiel was nicht auf den Markt gebracht wird, sofern es einen Markt dafür gibt.
Und bring jetzt nicht die Sache mit dem Weizen und Roggen in traditionellen untergärigen Bieren. Das ist auch richtig so, gehört da nicht rein und zählt unter Sortenschutz. Letztendlich kann auch das umgangen werden sofern ein Markt dafür besteht. Ich nenne als Beispiel mal glutenfreies Pilsner und co. aus Mais, Buchweizen oder Quinoa (die beiden letzten sind nicht einmal Getreide).
Die ganze Diskussion dreht sich um einen papiernen Popanz der nicht mehr ernstzunehmen ist und interessiert nur Hobbybrauer und Lobbyisten des Brauerbundes...
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Re: RHG oder neulich im BR:

#239

Beitrag von Malzwein » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:15

Guckst du hier und Camba sieht das - meine ich - auch anders. Aber anderseits hast du ja auchRecht, ich bin jetzt etwas irritiert.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Re: RHG oder neulich im BR:

#240

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:32

Auch bei dem Beispiel ging es wohl vordergründig um die "inhaltliche Gestaltung des Etiketts". Er wollte wohl aus verkaufsstrategischen Gründen nicht Biermischgetränk draufschreiben. Doch der Name ändert ja nichts an dem Getränk an sich. Biermischgetränk hört sich halt für den urbanen Craftbierhipster als no go an. Am Ende stimmt es aber. Früchte und Säfte sind nun mal kein Bier weil es kein Getreide ist.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#241

Beitrag von grüner Drache » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:33

flying hat geschrieben:Ich kenne kein Beipiel was nicht auf den Markt gebracht wird, sofern es einen Markt dafür gibt.
Hallo!

Und hier liegt auch der entscheidende Grund für eine mögliche Vielfalt: Im Markt !
Überlegt doch mal wie vor 30 Jahren die Produktpalette eines herkömmlichen Discounters aussah. Da gab's vielleicht 4 verschiedene Nudeln, und jetz? 20, oder so ....
Aber es gibt die Vielzahl an Bieren und Brauereien und eine sehr hohe Produktion an Bier schon seit Jahrzehnten trotz RHG !!!
Aber der Beitrag " Bierproblem in Bayern" tut so also würde das RHG die Entwicklung von " neuen Bieren" im Keim ersticken !
Das diese Biere sich wie die anderen auch erstmal aufm Markt durchsetzen müssen, wird ausgeklammert !
Klar, man war beim Beispiel Camba ziemlich kleinlich, aber davon war im Bericht nich von zu hören, komisch :Grübel
Allzeit Gut Sud!
:Drink
Ciao, Alex !
Der grüne Drache zu Wasserau - Dort brauen sie ein Bier so braun, dass selbst der Mann im Mond kam schauen ...

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Re: RHG oder neulich im BR:

#242

Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:38

@Rob5
Vielleicht bin ich einfach zu blöd, um es zu verstehen...
Aber ich sehe halt einen Konflikt in der Tatsache: die BierV verweist unter anderem auf §17 der Verordnung zur Durchführung des Vorläufigen Biergesetzes. In diesem §17 steht in Absatz 1 unter anderem:
(1) Bei der Bereitung von Bier dürfen, soweit im § 9 Abs. 7 und 8 des Gesetzes nicht Ausnahmen vorgesehen sind, nur die im § 9 Abs. 1, 2 und 4 des Gesetzes zugelassenen Braustoffe und Brauersatzstoffe verwendet werden. Die Vorschriften der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung sind anzuwenden. ...
Wenn man ausdrücklich "nur" die Zutaten konform §9 Vorläufiges Biergesetz verwenden darf, wie kann man genau gesehen dann überhaupt noch Rücksicht auf die ZZulV nehmen? Ich verstehe das dann nämlich so, dass diese ZZulV zulassen kann was sie will, es aber eigentlich eh "wurscht" ist, da das Vorl. Biergesetz den ganzen Kram eigentlich wieder ausschliesst. :Ahh
flying hat geschrieben: Eine selbst hergestellte Sauerwürze hat noch mehr Vorteile als Milchsäure aus der Flasche. Die enthaltenden Bakterien werden ja mit gekocht und werden vorzügliche Hefenährstoffe.
...
Vielleicht nicht als Bier aber als Gose, kein Problem!
Für die Säuerung beim Maischen tut mich Sauerwürze tatsächlich mehr reizen als nur die Flaschen-Milchsäure, auch wenn's nur ist im das Gefühl zu kriegen, mit "reinen" natürlichen Zutaten zu arbeiten. :Wink
Für die Wasseraufbereitung des Nachgusses, wird's aber schwierig..
...
Mit "vielleicht" kommen wir aber in einem Rechtsstaat aber nicht weiter :P

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Re: RHG oder neulich im BR:

#243

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 13:05

Für die Wasseraufbereitung des Nachgusses, wird's aber schwierig..
Wieso denn? Warum sollte es schwieriger sein den Nachguss mit Sauerwürze einzustellen als mit Milchsäure?

Tja das "Vielleicht"..Das Problem ist halt wenn man sich auf Diskussionen mit Ämtern und Beamten einlässt, dass man glaubt da gewinnen zu können. Das sich das Amt natürlich von der eigenen und viel besseren Meinung überzeugen lässt. In Deutschland gibt es für alles und jeden ein Amt und so findet sich am Ende auch immer der passende, behördlich abgesegnete Name für dein Bier...äähh Nichtbier! Namen sind nur Schall und Rauch..
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Re: RHG oder neulich im BR:

#244

Beitrag von cyme » Donnerstag 21. Januar 2016, 13:09

Gasflasche hat geschrieben:Für die Säuerung beim Maischen tut mich Sauerwürze tatsächlich mehr reizen als nur die Flaschen-Milchsäure, auch wenn's nur ist im das Gefühl zu kriegen, mit "reinen" natürlichen Zutaten zu arbeiten. :Wink
Das ist der Teil, den ich nie verstanden habe: Raffinierter Zucker ist rein. Milchsäure aus der Flasche ist rein. Malzextrakt nicht nur ein buntes Gemisch aus lang- und kurzzeitigen Zuckern, sondern enthält auch diverse Proteine und Fette die nicht nur vom Getreide kommen, sondern auch Ernterückstände - Pestizide, Insekten, etc. Milchsäure aus natürlicher Säuerung ist genauso verunreinigt mit Produkten anderer Mikroorganismen, die sich parallel zu Laktobazillen austoben. Wenn man Zucker lieber aus Malz gewinnt als aus der Tüte, und Säure lieber aus der Maische als aus der Flasche nimmt - von mir aus, gern, das kann ich verstehen. Jeder hat so seine Ideale, und muss sie nicht rechtfertigen. Aber zum Teufel, nennt es dann doch nicht "rein", wenn Malzzucker die (überspitzt formuliert!) verunreinigte Pansche mit Spuren von Rattenkacke ist und Kristallzucker zu 99,8% Saccharose ist. Da gibt es doch viel zutreffendere Bezeichnungen.

Wie wäre es, angelehnt an Filme, es Dogma-Bier zu nennen? Hopfen, Getreide, Hefe und Wasser? Oder ist hier jemand, der RGH hin oder her, es nicht albern findet, dass saccharomyces pastorianus nicht mit Weizenmalz in Kontakt kommen darf? Eine selbstauferlegte Beschränkung ist ja durchaus etwas, das aus Künstlern viel herauslocken kann.
Zuletzt geändert von cyme am Donnerstag 21. Januar 2016, 13:18, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#245

Beitrag von philipp » Donnerstag 21. Januar 2016, 13:12

flying hat geschrieben: Tja das "Vielleicht"..Das Problem ist halt wenn man sich auf Diskussionen mit Ämtern und Beamten einlässt, dass man glaubt da gewinnen zu können. Das sich das Amt natürlich von der eigenen und viel besseren Meinung überzeugen lässt. In Deutschland gibt es für alles und jeden ein Amt und so findet sich am Ende auch immer der passende, behördlich abgesegnete Name für dein Bier...äähh Nichtbier! Namen sind nur Schall und Rauch..
Ich kenne jemanden, der neulich für ein Bier eine Ausnahmegenehmigung als außergewöhnliches Bier bekommen hat. Da hat dann einer vom Amt draufgeguckt, ob das wie Bier ist und ob das verkehrsfähig ist. Und schwupps - gab es die dritte Ausnahme in NRW überhaupt. Nach Zahlung einer kleinen Servicegebühr, versteht sich.

Fazit: Alles halb so schlimm, wenn man nicht in Bayern oder BaWü wohnt.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#246

Beitrag von flying » Donnerstag 21. Januar 2016, 13:17

cyme hat geschrieben:
Gasflasche hat geschrieben:Für die Säuerung beim Maischen tut mich Sauerwürze tatsächlich mehr reizen als nur die Flaschen-Milchsäure, auch wenn's nur ist im das Gefühl zu kriegen, mit "reinen" natürlichen Zutaten zu arbeiten. :Wink
Das ist der Teil, den ich nie verstanden habe: Raffinierter Zucker ist rein. Milchsäure aus der Flasche ist rein. Malzextrakt nicht nur ein buntes Gemisch aus lang- und kurzzeitigen Zuckern, sondern enthält auch diverse Proteine und Fette die nicht nur vom Getreide kommen, sondern auch Ernterückstände - Pestizide, Insekten, etc. Milchsäure aus natürlicher Säuerung ist genauso verunreinigt mit Produkten anderer Mikroorganismen, die sich parallel zu Laktobazillen austoben. Wenn man Zucker lieber aus Malz gewinnt als aus der Tüte, und Säure lieber aus der Maische als aus der Flasche nimmt - von mir aus, gern, das kann ich verstehen. Jeder hat so seine Ideale, und muss sie nicht rechtfertigen. Aber zum Teufel, nennt es dann doch nicht "rein", wenn Malzzucker die (überspitzt formuliert!) verunreinigte Pansche mit Spuren von Rattenkacke ist und Kristallzucker zu 99,8% Saccharose ist.
Wenn es um "Reinheit" geht, spielt halt die Sakralisierung mit rein, siehe Post 194.
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Re: RHG oder neulich im BR:

#247

Beitrag von herbie01 » Donnerstag 21. Januar 2016, 13:57

flying hat geschrieben:Er wollte wohl aus verkaufsstrategischen Gründen nicht Biermischgetränk draufschreiben. Doch der Name ändert ja nichts an dem Getränk an sich. Biermischgetränk hört sich halt für den urbanen Craftbierhipster als no go an. Am Ende stimmt es aber. Früchte und Säfte sind nun mal kein Bier weil es kein Getreide ist.
Neee, so einfach ist es nicht (zumindest in Bayern). Wenn Du "Biermischgetränk" drauf schreibst, dann gibst Du vor, Bier mit etwas gemischt zu haben. Dazu müsstest Du erstmal ein "echtes" Bier haben. Als die Hefe aus der Würze das Getränk gemacht hat, da war es aber schon kein Bier mehr.
Camba bezeichnet andere Biere als Biermischgetränk, hat also kein so großes Problem damit. Besser, als einen ganzen Sud aus dem Verkehr ziehen zu müssen...

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Ausser wenn man über Nacht abkühlt oder gar Hefe nach Packungsangabe zugibt.

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Re: RHG oder neulich im BR:

#248

Beitrag von Gasflasche » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:09

@cyme,

du hast wohl das Wort Gefühl übersehen, das Wort "rein" stand nicht ohne Grund zwischen Klammern & um die relativität des Wortes "rein" ganz wasserdicht deutlich dazustellen, habe ich am Ende auch noch mal ein :Wink -Smiley geschrieben..
Also, ich folge deine Meinung komplett, also bitte nicht falsch verstehen, aber ich glaube, du bist kurz zu sehr aufs Gaspedal getreten :Drink
Menschen (und damit in einem unbewachten Moment auch mal ich :Wink ), sehen gefühlsmäßig alles was Naturlich ist oder scheint spontan doch eher als "rein", auch wenn man weiss, dass damit Insektenreste, deren Kot, Unmengen Bakterien, Natur-/Umweltgifte, usw. mit drin sind.. Logik, muss man da nicht unbedingt suchen, außer, dass es vielleicht mehr zum ursprünglichen Funktionieren unseres Körpers "passt". Die beste Weise um Gesund zu bleiben, ist, glaube ich doch immer, regelmäßig mal ein bisschen natürlichen Dreck zu sich zu nehmen.. Aber gut, genug off topic jetzt :Wink
flying hat geschrieben: Wieso denn? Warum sollte es schwieriger sein den Nachguss mit Sauerwürze einzustellen als mit Milchsäure?
Weil ich, oder so war gerade eben noch meine Theorie, Sauerwürze im Nachgusswasser, zusammen mit den Zuckern aus dem Malz, kippen müsste.. Vielleicht sehe ich es zu eng, aber das würde damit die Funktion des Nachgusswassers doch beeinträchtigen, dadurch dass das Wasser dann schon "dicker" wird.. Aber mja, im nachhinein, sehe ich es wohl wirklich zu eng :Wink
Aber ich gib's zu, am liebsten ist mir eigentlich immer noch die schöne berechenbare Milschäure aus der Flasche..
philipp hat geschrieben: Fazit: Alles halb so schlimm, wenn man nicht in Bayern oder BaWü wohnt.
Ich wohne aber in BaWü... :crying

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Re: RHG oder neulich im BR:

#249

Beitrag von cyme » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:36

Gasflasche hat geschrieben:du hast wohl das Wort Gefühl übersehen, das Wort "rein" stand nicht ohne Grund zwischen Klammern & um die relativität des Wortes "rein" ganz wasserdicht deutlich dazustellen, habe ich am Ende auch noch mal ein :Wink -Smiley geschrieben..
Also, ich folge deine Meinung komplett, also bitte nicht falsch verstehen, aber ich glaube, du bist kurz zu sehr aufs Gaspedal getreten :Drink
Das war jetzt nicht speziell auf dich bezogen, sondern allgemein. Stellenweise wird halt alles natürliche schon sehr romantisiert gesehen und verdrängt, dass es Substanzen gibt, die 100% bio und 100% giftig sind. Sicher klingen Fungizide nicht appetitlich, aber sie sind mir allemal lieber als Mykotoxine.

Aber wie gesagt, so wie es Musiker gibt, die sich nur auf die pentatonische Tonleiter beschränken und Maler, die nur einen Strich machen (Picassos Tierzeichnungen!), soll es auch Brauer geben, die nur vier Zutaten benutzen. Man muss dabei nur auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wer fordert, dass im Joghurt der Erdbeergeschmack bitte von Erdbeeren und nicht von Mikroorganismen zu stammen hat, muss auch Banane und Nelke in sein Weizen brauen und diese Aromen nicht von Mikroorganismen synthetisieren lassen.
Ich wohne aber in BaWü... :crying
Als Hobbybrauer darfst du sogar in Bayern fast alles. Naja, das Plutonium Pilsener oder das Black Powder Stout könnten möglicherweise Probleme verursachen...

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Re: RHG oder neulich im BR:

#250

Beitrag von Fe2O3 » Donnerstag 21. Januar 2016, 14:43

cyme hat geschrieben:
Ich wohne aber in BaWü... :crying
Als Hobbybrauer darfst du sogar in Bayern fast alles. Naja, das Plutonium Pilsener oder das Black Powder Stout könnten möglicherweise Probleme verursachen...
Ich sehe nur bei ersterem (Rohstoff-Beschaffungs-)Probleme ;)
Mir soll doch mal ein Amt verbieten, in meine CocaCola-Flaschen IPA zu füllen und "Milk-Stout" drauf zu schreiben :P :Angel :Drink
Das geht keinen was an - so lange ich es nicht in den Verkehr bringen will :thumbsup

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Martin (der zum Glück nicht (mehr) in Bayern wohnt, sondern im Bierbrau-Paradies südöstlich dieses Bundeslandes ;) )

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