[Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

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aple16
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[Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#1

Beitrag von aple16 » Samstag 28. November 2020, 15:16

Liebe Braufreunde,

mit erst 8 Monaten Brauerfahrung spiele ich bereits mit dem Gedanken meine Leidenschaft mittelfristig zum Beruf zu machen. Ich bin wahnsinnig, oder?

Folgende Werte wurden beim kurzen Brainstorming heute morgen angenommen:


• Brauanlage (Gärkeller, Abfüllanlage, Abzug, Kühlung etc.) : 40.000 €
ich denke hier an eine gasbefeuerte Polsinelli Anlage
• Miete für Betriebsstätte: 800 € / Monat
• Unternehmerlohn 45 € / h (81.000 € Brutto bei 120 Brautagen)
• Brautag Dauer: 15 Stunden
• 120 Brautage p/a mit durchschnittlichem Ausschlag von 4 hl (480 hl / Jahr)
• Strom, Wasser, Gas, Diverses: 150€ / Brautag
• Biersteuer pro hl: 18 € (bei angenommenen 15°P)
• Rohstoffe: 0,6 € / l
• Verpackung / Etikettierung: 1 € / 0,33 Flasche
• Abschreibung Anlagevermögen pro Brautag (auf 7 Jahre): 47,62 €


Nehmen wir einmal an diese (laienhaft) angenommenen Werte wären akkurat und es würden tatsächlich 480 hl p/a abgesetzt:

• Produktionskosten: 3,16 € / l
• Produktionskosten inkl. Verpackung: 1,70 € / 0,33 l

Hierfür gilt natürlich die Voraussetzung, dass auch tatsächlich 480 hl jährlich abgesetzt werden. Das wären 145.454 0,33er Flaschen oder 96.000 0,5er Flaschen pro Jahr. Oder 22 Kästen (0,5l) pro Tag (220 Verkaufstage) ab Hof etc.

Wenn man mal so tut als gäbe es keine Umsatzsteuer, keine Vertriebs- und Marketingkosten und was auch immer ich vergessen habe einzukalkulieren, dann würde ich sagen, dass das dennoch eine sehr knappe Geschichte ist. Also eine brotlose Kunst wie man so schön sagt. Aber eben Kunst.

Meine Fragen an euch:

- ist meine Rechnung ein kompletter Blödsinn?
- wie realistisch sind die angenommenen Werte?
- was habe ich alles nicht beachtet?
- gibt es profitable 5 hl Brauer unter euch oder kennt ihr welche?
- habt ihr Literaturvorschläge für mich?
- gibt es die Möglichkeit ins Pfandflaschensystem der Großbrauer einzusteigen und können dadurch die Kosten gedrückt werden?

Ich freue mich auf euren Input

Liebe Grüße aus Wien

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#2

Beitrag von Silbereule » Samstag 28. November 2020, 16:38

Hallo ,

da beteilige ich mich doch mal am Brainstorming :Smile

Für mich fühlt sich tatsächlich die Frage, die du etwas überspringst, als die wichtigere an. Nicht wie und zu welchem Preis produziere ich das alles, sondern viel schwieriger als das, wie zum Henker verkaufe ich es?!? Produziert kriegt man das bestimmt schon hin, wenn man nochmal zusätzliche Kosten annimmt für versaute Sude, die bei der mangelnden Erfahrung sicherlich mit einzukalkulieren sind. Klar wir überlegen immer zuerst wie wir das alles brauen sollen, aber ich würde mehr Liebesmühe ins Marketing-Konzept geben.

Und die 40.000 Erstinvestition scheint mir auch recht wenig. Du brauchst ja bei der Menge allein einiges an Lagertanks... bei dem Platz dürfte dann auch die Miete etwas knapp geschätzt sein.

Aber macht schon Spaß das mal so durch zu kalkulieren, das mach ich auch immer mal wieder wenn ich abends im Bett liege oder so :Bigsmile

Viel Spaß weiter :Drink

Herzliche Grüße,
Steffen

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#3

Beitrag von Sebasstian » Sonntag 29. November 2020, 11:42

Gibt's eigentlich so eine Art (Pro) Mikro Brauer Forum? Da gäbe es eventuell mehr Resonanz auf dieses durchaus spannende Gedankenspiel. Das hier ist halt das Hobbybrauer Forum.
Grüße,
Sebastian

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#4

Beitrag von secuspec » Sonntag 29. November 2020, 11:49

Sebasstian hat geschrieben:
Sonntag 29. November 2020, 11:42
Gibt's eigentlich so eine Art (Pro) Mikro Brauer Forum? Da gäbe es eventuell mehr Resonanz auf dieses durchaus spannende Gedankenspiel. Das hier ist halt das Hobbybrauer Forum.
Wir haben ja auch einige Profis hier im Forum.
Das Thema ist aber schon zigfach in verschiedener Weise durchgekaut worden.

Bier machen ist das Eine, es verkaufen und davon leben müssen, ist das andere. Zudem ist es dann kein Hobby mehr.

Der Invest klingt auch sehr niedrig. Wenn ich mal so sehe was die 2,5hl Anlagen hier in den regionalen Brauhäusern so gekostet haben, mit aller Infrastruktur, da liegt man sehr schnell bei über 300k Euro.

Viele Grüße,
Steffen
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#5

Beitrag von halsbonbon » Sonntag 29. November 2020, 13:58

Unternehmerlohn 45 € / h (81.000 € Brutto bei 120 Brautagen)
Das Gehalt eines Braumeisters liegt laut google durchnittlich bei 3800€/Monat. Also bei knapp 24€/Std bei 160 Std/Monat.

Wie rechtfertigst Du bei Deiner Kalkulation die 45€/Std die Du für dich ansetzt?

Wenn das bei Dir klappt dann mach ich das auch,aber stelle einen Braumeister ein der alle Arbeiten erledigt. Dann bleiben laut Deiner Kalkulation immer noch 20€/Std übrig ohne einen Finger krumm zu machen. ;)

Also aus dem Bauch raus kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen das bei einer "Einmannbrauerei" 80.000€ p.a. hängen bleiben.

Gruß,
René

PS: In meinem Nachbardorf gibt es auch eine kleine 1-Mannbrauerei. Der verkauft aber nur in 5 Literfässern und 2 L Glasflaschen ohne Pfand. Da hat man sich das 0.33/0.5 Flaschenabfüllen und den Pfandaufwand gespart.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#6

Beitrag von §11 » Sonntag 29. November 2020, 14:28

Die Literatur ist in Vorbereitungen :Pulpfiction

Aus eigener Erfahrung und der Erfahrung einiger Gründungen die ich begleiten durfte, kann ich dir sagen das du tatsächlich die wichtigste Frage ausgespart hast, nämlich wie kommt mein Bier zum Kunden und wie erfährt der Kunde überhaupt das es mein Bier gibt.

Deine Rechnung mit 15 Stunden/ Brautag sieht dann nämlich schlagartig anders aus, wenn du (oder ein Mitarbeiter) sich weitere 12 Stunden am Tag damit beschäftigt das Bier zu verkaufen. Frag mal Gründer, die Ihr Bier selbst verkaufen, ob sie mehr Zeit im Sudhaus oder im Auto auf dem Weg zu potenziellen Kunden verbringen? Das Problem heute ist, du bist nicht mehr alleine und potentielle Kunden kommen nicht auf dich zu.

Hier spielt deine Vertriebsstrategie eine entscheidende Rolle. Auf welchem Weg soll den dein Bier zum Kunden? Willst du den Kunden zunächst über den eigenen Taproom erreichen oder willst du Fremdgastronomie bedienen? Oder soll es mal wieder der deutschlandweite Produktlaunch in der Flasche sein? Daraus ergibt sich nämlich ein wichtiger Punkt in deiner Kalkulation, brauchst du eine Flaschenabfüllung oder eher Gläser für die Gastronomie (das sind nicht die einzigen Punkte aber du merkst auf was ich raus will)

Daraus ergibt sich aber auch etwas anderes. Soll dein Bier in die Flasche und im Laden stehen, dann ist es dem potentiellen Kunden erstmal egal wo dein Bier gebraut wird. Hier lässt sich dein unternehmerisches Risiko erstmal sehr stark minimieren. Das Zauberwort ist Lohnbrauen oder Kuckucksbrauen. Damit geht deine Investition in die Anlage gegen Null, du brauchst keine Betriebsstätte und du wirst vom Lebensmittelunternehmer, mit all seinen Auflagen und Vorgaben, zum Bierhändler.

Die Kosten die du annimmst sind nicht wirklich akkurat.

Schöne Grüße

Jan
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#7

Beitrag von Sebasstian » Sonntag 29. November 2020, 18:39

§11 hat geschrieben:
Sonntag 29. November 2020, 14:28
Die Literatur ist in Vorbereitungen :Pulpfiction
Ui, aha. Was planst du denn da konkret? Ich dachte du arbeitest an einem Buch über Bierstile.
Grüße,
Sebastian

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#8

Beitrag von §11 » Sonntag 29. November 2020, 20:51

Sebasstian hat geschrieben:
Sonntag 29. November 2020, 18:39
§11 hat geschrieben:
Sonntag 29. November 2020, 14:28
Die Literatur ist in Vorbereitungen :Pulpfiction
Ui, aha. Was planst du denn da konkret? Ich dachte du arbeitest an einem Buch über Bierstile.
Das mit den Bierstilen ist ja bereits im Lektorat :Wink
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#9

Beitrag von aple16 » Montag 30. November 2020, 00:09

vielen dank für eure teilnahme an dieser diskussion, es freut mich wirklich sehr.

und JA ihr habt recht, das war und ist mir bewusst: ich könnte das beste bier der welt brauen und noch so effizient wirtschaften (das können viele andere auch und das wahrscheinlich sogar besser) - wenn ich keinen realisierbaren plan habe gehe ich mit bomben und granaten unter. ich bin mir dessen bewusst. der boom ist vorbei, der markt scheint gesättigt. kein vernünftiger mensch würde sich diese branche aussuchen wenn sein einziges ziel die gewinnmaximierung wäre. warum also glauben, dass gerade ich den sprung schaffen könnte, wo es so viele von euch gibt die weit mehr von der materie verstehen als ich.

diese gedankenspiele sollen hypothetischer natur sein. klammern wir die frage des absatzes vorerst aus. ich verspreche, ich werde noch darauf eingehen warum ich weiß, dass es funktionieren kann.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#10

Beitrag von aple16 » Montag 30. November 2020, 00:42

Silbereule hat geschrieben:
Samstag 28. November 2020, 16:38
Und die 40.000 Erstinvestition scheint mir auch recht wenig. Du brauchst ja bei der Menge allein einiges an Lagertanks... bei dem Platz dürfte dann auch die Miete etwas knapp geschätzt sein.
die 40 k beziehen sich ausschließlich auf die hardware. für transport und installation haben ich weitere 10k einkalkuliert. die anlage könnte in etwa so aussehen:

5 hl Brauanlage: 10.470 €

https://www.polsinelli.it/de/bierherste ... 1427.htm#1

Gärtanks: 20.620 €

- 5 Stück 750 l

https://www.polsinelli.it/de/k%C3%BChl- ... -P1441.htm

- 2 Stück 1150 liter

https://www.polsinelli.it/de/k%C3%BChl- ... -P1445.htm

Kühlaggregat: 3930 €

https://www.polsinelli.it/de/k%C3%BChle ... -P1607.htm

Schalttafel: 1860 €

https://www.polsinelli.it/de/schalttafel-p4-P1998.htm

Abfüllanlage:2.460

https://www.polsinelli.it/de/pneumatisc ... -P2466.htm

Flaschenwaschmaschine: 2.900


ich weiß: italienisches Blech - nicht kruppstahl. aber das ist das resultat von 10 min googeln. dann gibt es noch den gebrauchtmarkt, anlagen aus china etc. das muss drinnen sein.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#11

Beitrag von §11 » Montag 30. November 2020, 01:21

aple16 hat geschrieben:
Montag 30. November 2020, 00:09
vielen dank für eure teilnahme an dieser diskussion, es freut mich wirklich sehr.

und JA ihr habt recht, das war und ist mir bewusst: ich könnte das beste bier der welt brauen und noch so effizient wirtschaften (das können viele andere auch und das wahrscheinlich sogar besser) - wenn ich keinen realisierbaren plan habe gehe ich mit bomben und granaten unter. ich bin mir dessen bewusst. der boom ist vorbei, der markt scheint gesättigt. kein vernünftiger mensch würde sich diese branche aussuchen wenn sein einziges ziel die gewinnmaximierung wäre. warum also glauben, dass gerade ich den sprung schaffen könnte, wo es so viele von euch gibt die weit mehr von der materie verstehen als ich.

diese gedankenspiele sollen hypothetischer natur sein. klammern wir die frage des absatzes vorerst aus. ich verspreche, ich werde noch darauf eingehen warum ich weiß, dass es funktionieren kann.
Das siehst du, meiner Meinung nach, zu schwarz. Die Goldgräberzeit ist vorbei, wo jeder total durchoxidiertes Bier verkaufen konnte, weil viele Konsumenten alles gekauft haben was neu ist. Das was wir Craftbier nennen, wird, meiner Meinung nach, auch dauerhaft in Deutschland Fuß fassen. Allerdings sehe ich das Vielen eine der wichtigsten Brauertugenden fehlt. Geduld.

Craftbier gibt es in Deutschland seit 10 Jahren. Ich hatte Gestern das Christmas Ale von Anchor im Glas, das wird seit 46 Jahren gebraut. D.h. die Craftbeer Bewegung in USA ist so alt wie ich. In Deutschland sieht jeder den Erfolg den ein paar Brauereien in den USA in den letzten Jahren hatten, übersehen aber vollkommen das der amerikanische Markt vollkommen anders aufgebaut ist und sich in einer vollkommen anderen Phase befindet.

Wie ich schon gesagt habe, es gibt weitaus sinnvollere Wege, als sofort mit der eigenen Brauerei zu starten.

Gruß

Jan
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#12

Beitrag von haefner » Montag 30. November 2020, 06:26

aple16 hat geschrieben:
Samstag 28. November 2020, 15:16


Wenn man mal so tut als gäbe es keine Umsatzsteuer, keine Vertriebs- und Marketingkosten und was auch immer ich vergessen habe einzukalkulieren

- was habe ich alles nicht beachtet?
Servus,

ich denke gerade bei einer neuen Biermarke sind Vertrieb und Marketing Kostenpunkte, die dringend beachtet werden müßten. Vergessen hast Du noch Allgemeine und Einzelne Unternehmerische Wagnisse einzukalkulieren (Schwund, Verderb, Mangel, Fehlinvestition etc.).

Die Idee ist toll und ich würde jetzt nicht pauschal davon abraten. Dennoch sind es schwierige Zeiten für kleine Brauereien. Ich denke da immer an die Doku vor ein paar Jahren mit der Braumeisterin von Karg Weissbier. Selbst so eine altgeingesessene Famiienbrauerei bricht sich einen ab um über die Runden zu kommen.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#13

Beitrag von Felix83 » Montag 30. November 2020, 11:38

§11 hat geschrieben:
Sonntag 29. November 2020, 14:28

Aus eigener Erfahrung und der Erfahrung einiger Gründungen die ich begleiten durfte, kann ich dir sagen das du tatsächlich die wichtigste Frage ausgespart hast, nämlich wie kommt mein Bier zum Kunden und wie erfährt der Kunde überhaupt das es mein Bier gibt.
This!
Ich mache ja im Moment noch als Betatest mit dem BT140 rum und zwei ZKGs, also nebenbreuflich einmal die Woche 130l (was am Ende in den Gebinden ist).
Leerstehende umgebaute Wohnung von der Familie, daher sehr wenig Miete und nebenan.

Das hat bestimmt ein Jahr gedauert, bis ich mit Social Media und Mundpropaganda einen Kundenstamm plus immer wieder Neukunden aufgebaut habe, um diese kleine Menge zuverlässig abzusetzen. Denn Geld für "echte" Werbung oder Verkauf über Händler ist da nicht drin.

Bei 500l sieht das natürlich viel (!) besser aus, aber die Händler wollen bei Craft 50-60% Gewinnmarge und das scheppert bzw. biegt dir deine Kalkulation übel nach unten! Mache nur Direktverkauf. (4,50 € für 0,75l Flasche plus Pfand, 24 € für 5l CO2 Fässchen und 78 € für 20l Fass mit Zapfanlage, ergibt so im Schitt 2,80 € Deckungsbeitrag pro Liter (Teilkostenrechnung, also Preis minus variable Kosten = Deckungsbeitrag für die Fixkosten)

Man darf auch die Dauer-Investkosten nicht vergessen. Bis jetzt ging schon fast alles einmal oder sogar mehrfach kaputt. Gerade aktuell der Verdampfer vom Kühlhaus, 1600 €, danke dafür...Hab insgesamt bestimmt schon 40k € reingesteckt. Nie billig kaufen! Dann kaufst in doppelt, denn kommerzielle Nutzung hat einfach ne ganz andere Abnutzung, als Hobbybrauen.

Mache das jetzt seit 2,5 Jahren als reinen Beta Test um Rezepte zu verfeinern mit Kundenfeedback, die Marke aufzubauen und vor allem Erfahrung zu sammeln. Und mit Erfahrung mein ich, dass ich schon mehrfach verzweifelt in der Brauküche gesessen bin, weil wieder mal n Sud über die Wupper ging, da ne Pumpe oder ein Heizer oder ein PRV oder irgendwas versagt hat, der Sud in den Gulli konnte und gleichzeitig noch irgendwas anderes dreistellig teures kaputt gegangen ist.

Kam seit ca. nem Jahr zu dem Schluss, dass man damit in der unter 300l Größe nur im Direktausschank gescheit Geld vedienen kann, also neudeustch Taproom, Brewpub. Plane jetzt (mit Verzögerung dank der aktuellen Lage) ein kleines Brewpub und ein Cafe zu kombinieren, praktisch also eine Location "doppelt abzuschöpfen" und nicht höher als 300l zu gehen, um weiter richtig kreativ bleiben zu können mit besondern Einzelsuden. Da geht dann laut meiner Kalkulation was, weil man selbst bei sehr fairen Preisen beim Bier ca. 900% und beim Kaffee 1000-1200% Deckungsbeitrag erwirtschaften kann. Das ist recht derb, trotz der Fixkosten für Miete und Personal, da man auch noch viel Zeit und Kosten spart, wenn man in 30l Fässer geht, statt kleinen Einzelgebinden wie Flaschen. Aber dann ist man halt in der Gastro und das ist was völlig anderes als ne Produktionsbrauerei.

Edit: Die 40000 € für alles in deiner Kalkulation kommen mir extrem (!) optimistisch vor. Ein 500l Sudhaus mit 5 entsprechenden Druckfermentern und Kühlung kostet selbst als günstige Chinaware ca. 80000 €. Hab da schon viele Angebote angeschaut und auch Anlagenbauer besucht.
Dazu brauchst eine Abfüllanlage, die dir das in einer vernünftigen Zeit mit dem geringstmöglichen geslösten Sauerstoff in die Flaschen bringt. Da sehe ich nochmal mind. 15000 € Invest. Plus der ganze kleinkram, Mühle, CIP, Kühlhaus etc.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#14

Beitrag von Alt-Phex » Montag 30. November 2020, 17:54

jan hats doch schon gesagt, das Geheimnis heisst Lohnsud. Man ist selber komplett raus aus den ganzen Auflagen und kann sich in aller Ruhe auf den Vertrieb konzentrieren. Die Investition ist entsprechend gering und damit auch das Risiko. Im schlimmsten Fall bleibt man auf ein paar Paletten Bier sitzen. Was ich eher als Luxusproblem einstufen würde.

Hat man sein Bier und/oder seine Marke erfolgreich am Markt etablieren können, kann man immer noch überlegen in eine Brauerei zu investieren. Andersrum ist das gelinge gesagt ziemlich naiv. Ich habe über die Jahre viele kommen und gehen sehen die auch der Meinung waren das sie wüssten was sie da tun und sich das auf jeden Fall verkaufen wird wie geschnitten Brot.

Ohne Marketing und Werbung kommt man sowieso nicht weit. Und auch das ist ein Lehr- und Studienberuf, genau wie Bierbrauer.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#15

Beitrag von Felix83 » Montag 30. November 2020, 18:58

Das mit dem Risiko stimmt schon, aber das machen halt alle (allein hier in KA drei "Brauereien". Ja, die nennen sich so auf ihren Webseiten) und damit musst du dann in die Märkte oder an Gastro verkaufen zu Winzmargen. Verkaufs-/Verkostungsraum gibts für gewöhnich nicht und damit auch kein Direktverkauf, außer online. Hab schon so einige Leute bei mir drin stehen gehabt mit der Aussage "Ich war vorhin noch bei xxxx, aber da ist ja garnix. Da war nur ein Reihenhaus"

Ich bin auch schonmal zu einer gefahren, die auf ihrer Webseite großspurig schreibt, dass sie am Fuße des Schwarzwalds bei Karlsruhe brauen, nur mit besten Zutaten und Quellwasser und der Treber geht an den Nachbarbauernhof etc. pp. Hingefahren. Da war nix. Bei dem Bauernhofladen nach der Brauerei gefragt. Angeschaut worden, als ob ich vom Mond käme. Am Ende war da halt ne Garage mit dem Kühlhaus drin fürs Bier plus ne Hobbyanlage für Testsude.

Ist halt für die Leute ein wesentlich...wie soll ich sagen...glaubwürdigeres und interessanteres Konzept, wenn sie vorbeikommen und da ist dann auch wirklich ne kleine, von mir aus winzige Brauerei. Das ist authentisch. Und was du vor Ort ohne Zwischenhändler verkaufst, hat eben eine wesentlich höhere Gewinnspanne.

Generell braucht man auf jedenfall ein Alleinstellungsmerkmal. Einfach mal das nächste mittelprächtige IPA rausfetzen für 3€ die 0,33er Flasche machen schon genug andere.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#16

Beitrag von Alt-Phex » Montag 30. November 2020, 19:18

Felix83 hat geschrieben:
Montag 30. November 2020, 18:58
Ist halt für die Leute ein wesentlich...wie soll ich sagen...glaubwürdigeres und interessanteres Konzept, wenn sie vorbeikommen und da ist dann auch wirklich ne kleine, von mir aus winzige Brauerei. Das ist authentisch. Und was du vor Ort ohne Zwischenhändler verkaufst hat eben eine wesentlich höhere Gewinnspanne.

Generell braucht man auf jedenfall ein Alleinstellungsmerkmal. Einfach mal das nächste mittelprächtige IPA rausfetzen für 3€ die 0,33er Flasche machen schon genug andere.
Da bin ich ganz bei dir. Aber das ist doch eine Sache der Kommunikation. Wenn ich direkt mit offen Karten spiele, dass das Bier bei Brauerei XY nach meinem Rezept gebraut wird, dann steht auch niemand vor der vermeintlichen Baruerei und wundert sich. Auch das kann man marketingtechnisch schön "ausmalen". Das sich das Bier besser verkauft nur weil es in der neuen Microbrauerei hergestellt wird und der bärtige, tatoowierte Hipster selber am Kessel steht halte ich für Unsinn.

Mit den Kunden die darauf Wert legen kannst du eh kein langfristiges Geschäft machen. Die sind nämlich sofort weg wenn du dich vergrößerst oder es wagst ein normales Bier, wie ein Pils oder Weizen, zu brauen. Dann bist du gleich ein Verräter der Craftrevolution und es geht dir ja nur um die Kohle.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#17

Beitrag von Felix83 » Montag 30. November 2020, 19:26

Ja, mit offenen Karten spielen, wäre eine gute Idee.
Vergiss aber den "Buy local" Gedanken nicht. Ich kanns nicht genau sagen, aber würde schätzen 40% meiner Kunden kommen aus der unmittelbaren Nähe und wollen neben dem Bier auch gerne lokale Unternehmen unterstützen, wo sie sehen wie es gemacht wird und sich mit den Machern unterhalten können. Das sind keine Craft Hipster. Die wollen eh nur jedes Bier einmal probieren und dann von der Liste abstreichen. Daher war bei mir auch von vorneherein klar: Aromastarke Biere, aber es muss dennoch eine hohe "Drinkability" haben und partytauglich sein (daher der Fokus auf Fässchen und Fässer mit Trockenkühlerzapfanlagen)

Man muss halt seine Nische finden. 480 hl im Jahr lokal zu verkaufen ist aber natürlich eine Hausnummer! Da würd ich zumindest einen Tap Room einbauen, was ne Gaststättenkonzession erfordert. Mann kann ja um 20 Uhr schließen, muss nicht gleich ne richtige Bar/Pub sein. Ein wenig Eventcharakter um die Leute anzulocken wäre auf jedenfall gut. Oder man bietet Growler Füllungen an am Wochenende. Dann muss man die Abfüllanlage nur einmal putzen pro Massenabfüllung. Egal wie. Irgendwas außergewöhnliches muss man bieten. Rampenverkauf jeden Samstag und dazu stellt man sich nen großen Holzbackofen hin und macht Flammkuchen/Pizza, was weiss ich....
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#18

Beitrag von §11 » Montag 30. November 2020, 21:08

Ich würde sagen Ihr beide widersprecht euch nicht mal. Es kommt sehr drauf wo die Reise hingehen soll.

Ein Prof. von mir hat immer gesagt "Bier braucht Heimat". Und genau das ist es ja im Grunde was Felix anspricht. Ich kenne ein paar sehr erfolgreiche Brauereien die bei sich "auf dem Kaff" eine Brauerei aufgemacht haben, wo es eben noch keine (oder keine mehr) gab. Genau das klappt, denn sie waren vorher bereits gut in den diversen Netzwerken wie Vereinen etc. etabliert. "Man kennt sie eben". Dann macht dieser Kreis den Anfang, in Kombination mit dem Lokalkolorit, kann das eine gute Kombination sein. Man muss allerdings natürlich auch klar sagen das "auf dem Kaff", die Betriebsstätte meisten für ein Appel und nen Ei zu haben ist, wenn man nicht jemanden kennt, der jemanden kennt.... Ich zum Beispiel kenne eine Brauerei die in einer alten Wirtschaft ist die lange still stand, eine andere in einer ehemaligen Bäckerei und eine in einer Metzgerei. Der Vorteil, hier ist meisten in der Basis bereits alles was es braucht um die Lokalität als Lebensmittelbetreib zu betreiben. Dau kommt das auf dem Land, wenn man aus der Gegend kommt, die Dienstwege oft sehr kurz sind und sogar Unterstützung aus der Politik kommen kann (eben Lokalpatriotismus, Tourismus, etc.).

Aber, das klappt eben nur im "Heimatort". Je nach Gegend kann das nämlich auch schnell zum Problem werden, wenn der "Zugezogene" einen auf Lokalbraurerei machen will. Auch da hab ich leider ein Beispiel erlebt.

Wenn man aber diesen Bezug nicht hat, dann ist das Problem das man ein entsprechendes Einzugsgebiet braucht. Auch die Verkehrsanbindung ist bei einem Taproom wichtig. Es gibt Studien wieviel mehr Bier je Sitzplatz in einer Gasthausbrauerei getrunken wird, gegenüber einer normalen Kneipe. Klingt zwar komisch, aber bei einer Gasthausbrauerei ist das Trinken ja praktisch eines der Leitthemen. Man will ja zum Beispiel mindestens alle Sorten mal probiert haben etc. Das heisst meist endet man mit der Standortauswahl in einem Ballungsraum und hier sind halt die Mieten entsprechend teuer.

Die Frage ist, was man will und die muss man sich am Anfang stellen. Soll es der Taproom/ die gasthausbrauerei werden, der die Rechnungen bezahlt, dann ist die eigene Brauerei unumgänglich. Sie ist Teil des Konzepts und oft der Inneneinrichtung. Soll es aber das Bier werden, das von Anfang an Deutschlandweit in der Flasche erhältlich ist, würde ich genau diesen Weg nicht gehen, sondern als Lohnsud bzw. kuckusbrauer anfagen.

Auch hier gibt es ja deutliche Unterschiede, die entsprechend auch kommuniziert werden können. Ich sehe z.B. einen Unterschied zwischen einem reinen Lohnsud, bei dem im schlimmsten Fall der Brauer sein Rezept per Email abgibt und die Brauerei noch nie von innen gesehen hat und einem Kuckuksbrauer, der sich bei einer anderen Brauerei einmietet um hier das eigene Bier zu brauen. Im letzteren Fall sehe ich kein Problem mit offnene Karten zu spielen und hier gibt es genug Beispiele die genau das erfolgreich gemacht haben (und kommuniziert) haben und Heute in der eigenen Brauerei brauen.

Jan
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#19

Beitrag von TheCK » Montag 30. November 2020, 21:29

Die Frage ist halt: hast du schon gesicherte Abnehmer für deine geplante Menge?

Als "Einheimischer" kenne ich zumindest einen Teil des Marktes der Klein- und Kleinstbrauereien in Wien. So wirklich gut davon leben kann wenn ich das richtig in Erinnerung habe aber keiner davon. Das sind alles mehr oder weniger "Hobby-Vergrößerungen", angeschlossene Gasthaus-Brauereien (die Brauerei wird quasi mitfinanziert) oder sie brauen tatsächlich mit Lohnsuden.

Ohne zugesicherte Abnehmer würde ich es in der Größenordnung zur Zeit nicht mal versuchen. Der Markt ist hier einfach schon extrem abgedeckt und du konkurrierst mit "eingesessenen" Kleinbrauereien gegen die du erst mal ankommen musst. Da gelingt nur mit viel Marketing und einem entsprechenden Image oder du bist schlicht und einfach besser zu günstigeren Preisen für den Endkunden. Das wird dir aber dann deine Kalkulation vielleicht dann über den Haufen werfen.
Hinter manchen "Kleinbrauereien" stecken auch Großkonzerne, da hast du wenn sie dich als Konkurrenz sehen vielleicht auch schlechte Karten weil sie einfach viel schneller und in größeren Mengen noch billiger anbieten können.

Alternativ kannst du dich in Nieschen setzen die jetzt noch nicht so abgedeckt sind, das wären z.B. Stouts und Sauerbiere. Da gibt es lokal noch recht wenig - die frage ist nur ob die Nachfrage da ist.

Zusammengefasst: eine Anfangskalkulation ist recht nett, bringt aber genau gar nichts wenn du die Marktanalyse und Absatzmöglichkeiten nicht auch mit berücksichtigst. Sind die von dir ausgerufenen Preise konkurrenzfähig und gibt es überhaupt genug Markt für die geplanten 480hl pro Jahr?
LG Chris

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#20

Beitrag von Birra_Barracuda » Dienstag 1. Dezember 2020, 08:37

aple16 hat geschrieben:
Samstag 28. November 2020, 15:16
Liebe Braufreunde,

mit erst 8 Monaten Brauerfahrung spiele ich bereits mit dem Gedanken meine Leidenschaft mittelfristig zum Beruf zu machen. Ich bin wahnsinnig, oder?

Folgende Werte wurden beim kurzen Brainstorming heute morgen angenommen:


• Brauanlage (Gärkeller, Abfüllanlage, Abzug, Kühlung etc.) : 40.000 €
ich denke hier an eine gasbefeuerte Polsinelli Anlage
• Miete für Betriebsstätte: 800 € / Monat
• Unternehmerlohn 45 € / h (81.000 € Brutto bei 120 Brautagen)
• Brautag Dauer: 15 Stunden
• 120 Brautage p/a mit durchschnittlichem Ausschlag von 4 hl (480 hl / Jahr)
• Strom, Wasser, Gas, Diverses: 150€ / Brautag
• Biersteuer pro hl: 18 € (bei angenommenen 15°P)
• Rohstoffe: 0,6 € / l
• Verpackung / Etikettierung: 1 € / 0,33 Flasche
• Abschreibung Anlagevermögen pro Brautag (auf 7 Jahre): 47,62 €


Nehmen wir einmal an diese (laienhaft) angenommenen Werte wären akkurat und es würden tatsächlich 480 hl p/a abgesetzt:

• Produktionskosten: 3,16 € / l
• Produktionskosten inkl. Verpackung: 1,70 € / 0,33 l

Hierfür gilt natürlich die Voraussetzung, dass auch tatsächlich 480 hl jährlich abgesetzt werden. Das wären 145.454 0,33er Flaschen oder 96.000 0,5er Flaschen pro Jahr. Oder 22 Kästen (0,5l) pro Tag (220 Verkaufstage) ab Hof etc.

Wenn man mal so tut als gäbe es keine Umsatzsteuer, keine Vertriebs- und Marketingkosten und was auch immer ich vergessen habe einzukalkulieren, dann würde ich sagen, dass das dennoch eine sehr knappe Geschichte ist. Also eine brotlose Kunst wie man so schön sagt. Aber eben Kunst.

Meine Fragen an euch:

- ist meine Rechnung ein kompletter Blödsinn?
- wie realistisch sind die angenommenen Werte?
- was habe ich alles nicht beachtet?
- gibt es profitable 5 hl Brauer unter euch oder kennt ihr welche?
- habt ihr Literaturvorschläge für mich?
- gibt es die Möglichkeit ins Pfandflaschensystem der Großbrauer einzusteigen und können dadurch die Kosten gedrückt werden?

Ich freue mich auf euren Input

Liebe Grüße aus Wien
Falls du dein Gedankenspiel noch weitertreiben möchtest, kannst du dir ja mal Anregung aus der Literatur holen z.B. aus Brewery Operations Manual von Tom Hennessy. Das beschreibt zwar die USA und nicht Europa, aber eine interessante Ergänzung wird es für dich wohl sein. :Drink

Schöne Grüße
Curt

Edit: ich lese hier gerne und aufmerksam mit. Das ist tatsächlich interessant, besonders an Tagen wo der 9-5 Job mal wieder nervt :redhead Und auf so etwas wie Lohnbrauen wäre ich selber nicht gekommen, obwohl ichs so häufig schon gesehen habe

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#21

Beitrag von flying » Dienstag 1. Dezember 2020, 16:38

Man sollte die Zeichen der Zeit nie vergessen. Es ist gut möglich, dass nach dem Ende der Pandemie ein "Run" auf alles einsetzt was gemeinschaftlichen Spaß mit reichlich Alkoholgenuss verspricht. Ich würde z. Z. in nichts investieren was man allein im stillen Kämmerlein genießen kann. In alles was der kommenden Party-und Genusssucht der ausgehungerten Bevölkerung huldigt könnte man schon mal den einen oder anderen Kreuzer investieren. Ich denke das kommende Frühjahr wird krass....?
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#22

Beitrag von aple16 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 00:06

WOW, vielen dank für eure hochinteressanten beiträge. ich bin zur zeit etwas kurz angebunden, werde aber in den nächsten tagen mich mit euren beiträgen auseinandersetzen und näher auf meine pläne eingehen. ich hatte bereits mit der zuständigen behörde sowie der wirtschaftskammer kontakt und kenne jetzt die auflagen was die lage und ausstattung der betriebsstätte angeht. wir sind auch gerade mit 2 österreichischen anlagenherstellern in kontakt und erwarten in den kommenden tagen ihre angebote. ich halte euch auf dem laufenden.

lg aus wien

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#23

Beitrag von Felix83 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 10:34

Die Osteuropäer sind da auch sehr fein, was Anlagenbau angeht, wenn man nicht das Chinazeugs will.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#24

Beitrag von Ladeberger » Donnerstag 3. Dezember 2020, 11:30

Felix83 hat geschrieben:
Donnerstag 3. Dezember 2020, 10:34
Die Osteuropäer sind da auch sehr fein, was Anlagenbau angeht, wenn man nicht das Chinazeugs will.
Ja. Wobei es hier eher auf eine Lieferantenbeziehung hinausläuft. Man sollte wissen, was man braucht. Ich finde Alex' Ansatz, erstmal bei österreichischen Anlagenbauern vorzusprechen, insofern sehr gut. Ein Anlagenbauer vor Ort kennt neben dem rechtlichen Rahmen normalerweise auch die lokalen Marktgegebenheiten sehr gut und kann stärker noch als langfristiger Partner und Berater fungieren. Sowas kann hinterher mehr Wert sein als der initial günstigere Bezug in Osteuropa oder gar Fernost.

So eine Entscheidung sollte meiner Meinung nach auch immer im Einklang mit dem eigenen Markenauftritt stehen. Es gibt nicht wenige Brauereien, klein und groß, die ihren Kunden das Gefühl von Regionalität und lokalem Zusammenhalt vermitteln wollen. Gepaart mit einer entsprechenden Preisgestaltung. In diesem Umfeld finde ich es dann etwas fragwürdig, wenn im Sudhaus die zusammengeschusterten Eigenimporte aus Fernost vorzufinden sind, bei denen nicht mal mehr eine Konstruktions- oder Planungsleistung im Inland ausgeführt wird.

Das sind dann häufig die gleichen Brauer, die sich beschweren, dass zu wenige Biertrinker 4 € für die Buddel lokal gebrautes Bier hinlegen wollen.

Gruß
Andy

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#25

Beitrag von Felix83 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 11:48

Die Qualität von dem Chinazeugs passt auch oft nicht. Hab schon beim Ali Tri-Clamp Sachen gekauft, die innen rau und verrostet waren. Richtig gruselig!
Zum anderen ist das mit den rechtlichen Rahmenvorgaben völlig richtig, dazu kommt noch, dass man einfach einen Ansprechpartner haben muss, wenn was komplexes kaputt geht. Mir ist bei meiner sehr guten Abfüllanlage schon zweimal was verreckt. Passiert. Das war dann aber auch innerhalb von 36 std. gelöst, dank deutschem Hersteller, den man sogar Samstags erreicht.

Die bekannten Osteuropäer haben aber schon richtig schöne ausgefuchste Sachen, die auch die Rahmenbedingungen erfüllen. Chinazeugs würd ich nie mehr kaufen.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#26

Beitrag von DevilsHole82 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 15:57

Mich würde mal interessieren, welche Erwartungen hat man an die Selbstständigkeit als Kleinbrauer. Möchte ich mich einfach nur selbst verwirklichen und betreibe das als Zubrot nebenher oder will ich langfristig gut davon leben können. Und vor allem in welchem Verhältnis von Einkommen und Zeitaufwand?

Nehme ich mich selbst mal, habe ich natürlich auch schon von der eigenen Brauerei mit angeschlossenen Taproom, Bar, Bistro o.ä. geträumt. Dann kommt aber schnell die Frage unter welchem Zeitaufwand schaffe ich es ein ähnliches Einkommen zu generieren, wie ich es momentan von meinem Masch.bau-Ingenieur-Gehalt gewohnt bin. Schaffe ich es überhaupt sämtliche Verbindlichkeiten (Darlehen Privathaus, Kind, Frau...) unter einen Hut zu bekommen? Bei meiner 40+ h Woche habe ich ja so schon kaum Zeit für Familie, Haus und Hobbies.
Dann noch nebenher was aufbauen? Sehe ich für mich als unmöglich an.

Bei Deiner Rechnung würde ich auch die Miete der Betriebsstätte als viel zu niedrig ansehen. Schaue ich mir mal die Pachten vom Gastrogewerbe bei uns in der Gegend - wohl gemerkt auf dem Land - an, dann ist man da schnell bei 1500-2000 €/Monat. Und das ist dann nur die Dorfkneipe. Die genau aus dem Grund ständig den Pächter wechselt, weil er damit nur grade so über die Runden kommt.
Ist ja auch verständlich. Wenn man sich davon noch nicht mal den Jahresurlaub an der Nordsee leisten kann, hätte ich auch keinen Bock 6 Tage die Woche mir bis spät abends die Beine hinterm Tresen in den Bauch zu stehen.
Gruß, Daniel

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#27

Beitrag von §11 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 18:23

DevilsHole82 hat geschrieben:
Donnerstag 3. Dezember 2020, 15:57
Mich würde mal interessieren, welche Erwartungen hat man an die Selbstständigkeit als Kleinbrauer. Möchte ich mich einfach nur selbst verwirklichen und betreibe das als Zubrot nebenher oder will ich langfristig gut davon leben können. Und vor allem in welchem Verhältnis von Einkommen und Zeitaufwand?

Nehme ich mich selbst mal, habe ich natürlich auch schon von der eigenen Brauerei mit angeschlossenen Taproom, Bar, Bistro o.ä. geträumt. Dann kommt aber schnell die Frage unter welchem Zeitaufwand schaffe ich es ein ähnliches Einkommen zu generieren, wie ich es momentan von meinem Masch.bau-Ingenieur-Gehalt gewohnt bin. Schaffe ich es überhaupt sämtliche Verbindlichkeiten (Darlehen Privathaus, Kind, Frau...) unter einen Hut zu bekommen? Bei meiner 40+ h Woche habe ich ja so schon kaum Zeit für Familie, Haus und Hobbies.
Dann noch nebenher was aufbauen? Sehe ich für mich als unmöglich an.

Bei Deiner Rechnung würde ich auch die Miete der Betriebsstätte als viel zu niedrig ansehen. Schaue ich mir mal die Pachten vom Gastrogewerbe bei uns in der Gegend - wohl gemerkt auf dem Land - an, dann ist man da schnell bei 1500-2000 €/Monat. Und das ist dann nur die Dorfkneipe. Die genau aus dem Grund ständig den Pächter wechselt, weil er damit nur grade so über die Runden kommt.
Ist ja auch verständlich. Wenn man sich davon noch nicht mal den Jahresurlaub an der Nordsee leisten kann, hätte ich auch keinen Bock 6 Tage die Woche mir bis spät abends die Beine hinterm Tresen in den Bauch zu stehen.
Gut gesagt, aber das ist eine sehr philosophische Frage, die sich allgemein nicht beantworten lässt. Das ist nämlich eine Frage nach dem Lebensmodell.
Um es auf den Punkt zu bringen, arbeite ich um zu leben oder lebe ich um zu arbeiten?

Es gibt Leute die gehen einem 9-5 Job nach, den sie hassen, in dem sie aber genug verdienen um sich dann im Hobby/ der Passion zu verwirklichen und es gibt eben die Leute die dem Grundsatz folgen "Do what you love" und die eventuelle Abstriche in Kauf nehmen, aber sich eben im Beruf verwirklichen.

Wie du schon sagst, der Eine will den Jahresurlaub an der Nordsee und hat keinen Bock sich 6 Tage die Woche hinterm Tresen die Beine in den Bauch zu stehen, der Andere braucht keinen Jahresurlaub wenn er sich 6 Tage die Woche hinter dem Tresen die Beine in den Bauch stehen darf um mit seinen Kunden zu agieren.

Ich glaube jeder Mensch hat das Bedürfnis etwas bleibendes zu schaffen. Der eine macht das unter Umständen in der Freizeit (schreibt zum Beispiel Brauerbücher), der Anderen macht diese Berufung zum Beruf.

Darauf eine Antwort zu finden ist wie abschliessend zu klären ob Rauchbier schmeckt oder nicht :Wink

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#28

Beitrag von Frudel » Donnerstag 3. Dezember 2020, 19:13

§11 hat geschrieben:
Donnerstag 3. Dezember 2020, 18:23


Gut gesagt, aber das ist eine sehr philosophische Frage, die sich allgemein nicht beantworten lässt. Das ist nämlich eine Frage nach dem Lebensmodell.
Um es auf den Punkt zu bringen, arbeite ich um zu leben oder lebe ich um zu arbeiten?

Es gibt Leute die gehen einem 9-5 Job nach, den sie hassen, in dem sie aber genug verdienen um sich dann im Hobby/ der Passion zu verwirklichen und es gibt eben die Leute die dem Grundsatz folgen "Do what you love" und die eventuelle Abstriche in Kauf nehmen, aber sich eben im Beruf verwirklichen.

Wie du schon sagst, der Eine will den Jahresurlaub an der Nordsee und hat keinen Bock sich 6 Tage die Woche hinterm Tresen die Beine in den Bauch zu stehen, der Andere braucht keinen Jahresurlaub wenn er sich 6 Tage die Woche hinter dem Tresen die Beine in den Bauch stehen darf um mit seinen Kunden zu agieren.

Ich glaube jeder Mensch hat das Bedürfnis etwas bleibendes zu schaffen. Der eine macht das unter Umständen in der Freizeit (schreibt zum Beispiel Brauerbücher), der Anderen macht diese Berufung zum Beruf.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#29

Beitrag von Brandergartenbier » Donnerstag 3. Dezember 2020, 21:03

Ich finde das unglaublich interessant und lese gerne mit. Vor allem finde ich es klasse wie hier verschiedene Ansätze aufgegriffen werden und das Thema sehr ernst genommen wird obwohl der Themenersteller selber sagt, dass er erst seit 8 Monaten in der Szene unterwegs ist.

Der Punkt mit dem Geld und leben ist relativ. Ich wusel zu Hause stundenlang im Garten rum und Rasenmähen mit Musik auf den Ohren und einem Bier ist wie Urlaub für mich.

Wenn ich könnte hätte ich einen Bauerhof, auf dem würde ich unter 14h am Tag nicht arbeiten. Das Gefühl sein eigener Chef zu sein und sich selber zu verwirklichen ist für die meisten ein Traum und wird es auch leider bleiben. Die Sicherheit die der "nine to five" Job gibt verspielt man heute nicht mal eben so (kommt aufs aktuelle Leben an). Corona hat allen gezeigt wie schnell der Traum auch aus sein kann.
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#30

Beitrag von §11 » Donnerstag 3. Dezember 2020, 21:37

Brandergartenbier hat geschrieben:
Donnerstag 3. Dezember 2020, 21:03
Ich finde das unglaublich interessant und lese gerne mit. Vor allem finde ich es klasse wie hier verschiedene Ansätze aufgegriffen werden und das Thema sehr ernst genommen wird obwohl der Themenersteller selber sagt, dass er erst seit 8 Monaten in der Szene unterwegs ist.

Es zeigen gerade wieder ein paar aktuelle Fälle das selbst Vollprofis, die seit langem im Geschäft sind Fehler machen.

Klar, brauen sollte man können. Ma besten auch so, das bei zwei Suden nach dem selben Rezept auch zweimal das gleiche Bier rauskommt. Aber auch hier sind wir wieder bei der Eingangsfrage. Wo soll die Reise hingehen?

Soll es eine Brauerei werden, die eine Nische bedient und hoch spezialisierte Biere braut, wie es zum Beispiel Schneeeule oder Flügge macht, werden 8 Monate und eine gute Idee nicht ausreichen. Soll es eine solide Gasthausbrauerei werden mit ein paar klassischen Sorten, sind 8 Monate viel.

Hier kommt auch das mit ins Spiel was Andy angesprochen hat. Es gibt Lieferanten die auf den Bereich Gasthausbrauereien spezialisiert sind (davon sind sogar welche in Österreich :Wink ). Das sind Vollprofis auf Ihrem Gebiet, die ein komplettes Konzept anbieten das eben auch das Anlernen des zukünftigen "Brauers" beinhaltet. Da reichen meist wenige Tage und der Anlagenbediener schafft es konstante Qualität zu brauen. Hier spielt auch sicherlich die Anlage und deren Automatisierungsgrad eine entscheidende Rolle. Das soll nicht heissen das es nicht möglich ist auf solchen Anlagen auch "Spezialbiere" zu brauen. Hier wachsen die Möglichkeiten tatsächlich mit dem Können des Brauers.

Man muss sich aber natürlich im Klaren sein das nicht jeder so wahnsinnig ist wie wir hier im Forum. Normalerweise kostet Know- How Geld und zwar nicht wenig. D.h. ein solches Konzept kann (und wird) nie preislich mit einer Anlage mithalten können die schön verpackt auf dem Hof steht und der Rest erledigt der Käufer.

Was ich für anfänglich wesenlich wichtiger halte als ein perfekter "Brauer" zu sein, der Jahrzenhnte Erfahrung mitbringt, ist es sich mit den entsprechenden Regelungen auszukennen. Hier kann (und wird) nämlich viel Geld verbrannt, wenn Etiketten eingestampft oder Sude weggekippt werden müssen, ganz zu Schweigen vom Imageverlust wenn man sein Produkt zurückrufen muss.

Und noch eins, was mir in dieser Diskussion manchmal zu kurz kommt. Ich bewundere jeden der diesen Schritt geht und wünsche jedem das Beste. Aber Ihr müsst euch auch bewusst sein das Ihr eine Verantwortung mittragt. Ich meine weder die Verantwortung euch, eurer Familie, evetl. Mitarbeitern oder dem Kunden gegenüber. Ihr tragt auch Mitverantwortung das das Thema Kleinbrauereien und auch Craftbier in Deutschland erfolgreich ist. Den Fernseh-Pils-Trinker, der nämlich als erstes Nicht-Fernseh-Pils euer Bier für den doppelten (bis zehnfachen) Preis probiert, verliert nicht nur Ihr als Kunden, wenn das Bier offensichtliche Fehler hat. Mit den teilweise übelst oxidierten Bieren, die für unverschämte Preise verkauft werden, schaden die entsprechenden Brauer nämlich der gesamten "Szene"

Gruss

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#31

Beitrag von uli74 » Freitag 4. Dezember 2020, 17:55

aple16 hat geschrieben:
Donnerstag 3. Dezember 2020, 00:06
WOW, vielen dank für eure hochinteressanten beiträge. ich bin zur zeit etwas kurz angebunden, werde aber in den nächsten tagen mich mit euren beiträgen auseinandersetzen und näher auf meine pläne eingehen. ich hatte bereits mit der zuständigen behörde sowie der wirtschaftskammer kontakt und kenne jetzt die auflagen was die lage und ausstattung der betriebsstätte angeht. wir sind auch gerade mit 2 österreichischen anlagenherstellern in kontakt und erwarten in den kommenden tagen ihre angebote. ich halte euch auf dem laufenden.

lg aus wien

alex
Hmm, sind in Wien die Grossbuchstaben knapp? Falls ja bin ich gerne bereit welche zu schicken. Die sind hier momentan recht günstig zu haben, kosten genausoviel wie die kleinen...
Gruss

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#32

Beitrag von Hobrau » Freitag 4. Dezember 2020, 23:09

Was hat das denn jetzt mit dem Thema.....?
Schöne Grüße
Chris :Greets

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#33

Beitrag von Sebasstian » Samstag 5. Dezember 2020, 09:46

Hobrau hat geschrieben:
Freitag 4. Dezember 2020, 23:09
Was hat das denn jetzt mit dem Thema.....?
Das war wohl einfach ein, wie ich finde, humorvoll eingekleideter Hinweis auf Forumsregel Nr. 15.
Grüße,
Sebastian

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#34

Beitrag von Ausgefunkelt » Mittwoch 9. Dezember 2020, 08:25

ich habe es gelöscht
Zuletzt geändert von Ausgefunkelt am Mittwoch 9. Dezember 2020, 09:14, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#35

Beitrag von hiasl » Mittwoch 9. Dezember 2020, 08:41

Ausgefunkelt hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 08:25
Moin
Ich greife mal das Thema auf. Ich hätte bock auf einen eigenen Bier/Getränke Markt. In diesem Markt sollen auch Verköstigungen,Schaubrauen,Events stattfinden können.

Betreibt jemand sowas von euch?

Viele Grüße aus Kirchhellen
Das wäre vielleicht was für ein eigenes Thema. Hat mit diesem Faden null gemeinsam...
Gruß
Matthias
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#36

Beitrag von Malzmagen » Mittwoch 9. Dezember 2020, 09:03

Ausgefunkelt hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 08:25
Moin
Ich greife mal das Thema auf. Ich hätte bock auf einen eigenen Bier/Getränke Markt. In diesem Markt sollen auch Verköstigungen,Schaubrauen,Events stattfinden können.

Betreibt jemand sowas von euch?

Viele Grüße aus Kirchhellen
Haben wir gerade genau so durchgeführt -> https://www.facebook.com/trinkkultur.badvilbel/
Die technische Planung, Rezepte und Prozesse habe ich dabei zu verantworten. :Greets
Für mehr Infos gerne PN.
Ist übrigens eine 5hl Anlage und damit durchaus passend für den Thread :Wink

Gruß
Christian

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#37

Beitrag von majobe » Mittwoch 9. Dezember 2020, 10:54

Hey, schicke Anlage und :thumbsup :thumbsup :thumbsup für Gärry und Gärda :-)
Kannst du mir bitte verraten wer der Hersteller der Anlage ist?

Danke!
Markus


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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#38

Beitrag von Malzmagen » Mittwoch 9. Dezember 2020, 13:59

Danke. Wenns gut läuft folgt Gärhart :Wink
Hersteller ist www.brewiks.com
Wir haben das Modell 500 PUB Pro.

Gruß
Christian

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#39

Beitrag von §11 » Mittwoch 9. Dezember 2020, 15:32

Malzmagen hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 13:59
Danke. Wenns gut läuft folgt Gärhart :Wink
Hersteller ist www.brewiks.com
Wir haben das Modell 500 PUB Pro.

Gruß
Christian
Mit den Namen würde ich aufpassen. Einige gibt es schon seit geraumer Zeit von der Brauerei zum schmierigen Lachs https://www.facebook.com/Hoachst/
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#40

Beitrag von hkpdererste » Mittwoch 9. Dezember 2020, 16:17

Wie Christian seinen Gärtank nennt wird der Konkurrenz wurscht sein, solange er das Bier hinterher nicht unter dem Namen vermarktet.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#41

Beitrag von §11 » Mittwoch 9. Dezember 2020, 16:58

hkpdererste hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 16:17
Wie Christian seinen Gärtank nennt wird der Konkurrenz wurscht sein, solange er das Bier hinterher nicht unter dem Namen vermarktet.
Das stimmt natürlich. Muss zur meiner Schande gestehen das ich dachte es geht um's Bier....
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#42

Beitrag von Malzmagen » Mittwoch 9. Dezember 2020, 17:28

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 15:32
Malzmagen hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 13:59
Danke. Wenns gut läuft folgt Gärhart :Wink
Hersteller ist www.brewiks.com
Wir haben das Modell 500 PUB Pro.

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:thumbsup es geht tatsächlich nur um den Namen des Gärtanks. Schmieriger Lachs ist aber auch ein Premiumname.
Vermarkten muss ich zum Glück nicht selbst ich muss :Ätsch nur brauen.

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#43

Beitrag von hiasl » Mittwoch 9. Dezember 2020, 17:47

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 15:32
Malzmagen hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 13:59
Danke. Wenns gut läuft folgt Gärhart :Wink
Hersteller ist www.brewiks.com
Wir haben das Modell 500 PUB Pro.

Gruß
Christian
Mit den Namen würde ich aufpassen. Einige gibt es schon seit geraumer Zeit von der Brauerei zum schmierigen Lachs https://www.facebook.com/Hoachst/

Gaerhard.jpg
Auch wenn es sich um den Gärtank handelt:
Die Marke "Gärhard" wurde jedoch gelöscht. Ist also nichts zu dem Namen eingetragen. Das Urheberrecht bleibt davon jedoch unberührt...
Gruß
Matthias
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#44

Beitrag von Malzmagen » Mittwoch 9. Dezember 2020, 17:56

Wird berücksichtigt

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#45

Beitrag von Räuber Hopfenstopf » Mittwoch 9. Dezember 2020, 18:31

brandergartenbier hat geschrieben:
Wenn ich könnte hätte ich einen Bauerhof, auf dem würde ich unter 14h am Tag nicht arbeiten. Das Gefühl sein eigener Chef zu sein und sich selber zu verwirklichen ist für die meisten ein Traum und wird es auch leider bleiben. Die Sicherheit die der "nine to five" Job gibt verspielt man heute nicht mal eben so (kommt aufs aktuelle Leben an).
Da gibt es eine ganze Reihe von Aspekten, die man mit etwas Abstand und ohne Euphorie und Emotionen bedenken muss. Ich habe über den Schritt der Selbstständigkeit nach dem Studium nachgedacht (in einem technischen Bereich), das dann verworfen und 10 Jahre als angestellter Ingenieur gearbeitet. Mehrere meiner Kommilitonen haben sich selbstständig gemacht und es hat auch geklappt. Vor sieben Jahren habe ich den Schritt dann doch gemacht, allerdings in einer völlig anderen Branche. Und eines meiner Hobbies zum Beruf gemacht. Regel Nr. 1: Du hast ab dem Moment ein Hobby weniger. Es ist dann Dein Beruf. Und nicht weniger nervig und anstrengend als andere. Und es macht nicht immer Spaß, wenn der Druck von außen kommt. Einige meiner Kollegen haben Probleme damit, sich in ihre Kunden zu versetzen. Du verkaufst das, was die Kunden wollen und nur bedingt das, was Du selbst ganz toll findest. Wenn Du falsch liegst, hast Du den Laden voll mit Sachen, die Dir gefallen. Nach dem 378. Sud "Helles" und wieder mal die Brauerei putzen wird das auch nicht spannender sein als jeder andere Job. Nicht jeder Mag IPA, Brett und Russian Imperial Stout.
Zweiter Aspekt: Man macht das eine ganze Weile. Zumindest wenn man nicht genug Geld hat, um mal eben ein paar Bündel zu verbrennen. Wenn Bill Gates eine Brauerei starten möchte, macht er das. Wenn er keinen Bock mehr hat, schreibt er 300.000 € Taschengeld ab. Wenn unsereiner investiert ist es wie in einer Ehe: Ohne viel Geld zu verlieren kommst Du da nicht wieder raus. Man muss sich im Klaren sein, dass das eine Liaison für mehr als 2 - 3 Jahre wird.
Dritter Aspekt: Freizeit ist Mangelware. Gerade bei Jobs, die einen stetigen Material- und Warenfluss bedingen. Ich versuche, einmal im Jahr für hoffentlich zwei Wochen aus dem Betrieb zu kommen. Das mag bei einer Ein-Mann-Brauerei einfacher sein, wenn das Bier im Lagertank ist (wir sind sechs, die bezahlt werden wollen). Aber es ist schwieriger als man denkt.
Die ganze Sache funktioniert nur mit nüchterner Betrachtung, völliger Abwesenheit von falscher Begeisterung und einer sauberen Kalkulation. Rücklagen für Krankheit, Beiträge für Renten- und Krankenversicherung, Rücklagen fürs Alter, Rücklagen für Ersatzinvestitionen. Da ist einiges zu bedenken. ERfahrung und fundiertes Fachwissen ist natürlich Grundvoraussetzung. Wenn man dreimal das gleiche macht, kommt auch dreimal das gleiche raus. Auch nachts um zwei.
Also leiber einmal zuviel nachdenken und gg. langsam steigern. Ein vernünftiger nine-to-five Job als background ist nicht verkehrt. Oder ein Start aus einer Teilzeitstelle mit entsprechend viel Freizeit. Hochskalieren geht immer irgendwie, runterkommen ist schwieriger.

Viel Erfolg!
Björn
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#46

Beitrag von §11 » Mittwoch 9. Dezember 2020, 18:51

Räuber Hopfenstopf hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 18:31
brandergartenbier hat geschrieben:
Wenn ich könnte hätte ich einen Bauerhof, auf dem würde ich unter 14h am Tag nicht arbeiten. Das Gefühl sein eigener Chef zu sein und sich selber zu verwirklichen ist für die meisten ein Traum und wird es auch leider bleiben. Die Sicherheit die der "nine to five" Job gibt verspielt man heute nicht mal eben so (kommt aufs aktuelle Leben an).
Es ist dann Dein Beruf. Und nicht weniger nervig und anstrengend als andere.

Nach dem 378. Sud "Helles" und wieder mal die Brauerei putzen wird das auch nicht spannender sein als jeder andere Job.

Zweiter Aspekt: Man macht das eine ganze Weile.


Viel Erfolg!
Björn
Und, aus dem Profilager kommend kann ich nur sagen das Brauer ein Knochenjob ist. Klar heute gibt es CIP, Kollege Steuerung und sonstige Hilsmittel und die Zeiten des Tankschlupfens sind in den meisten Brauereien vorbei, aber es ist harte Arbeit die oft in nicht idealer Körperhaltung in extremen Bedingungen (kalt und feucht im Keller - heiss im Sudhaus) Das heisst, wie sieht die langfristige Planung aus? Kann man den Job auch mit 50 oder 60 noch machen?

Gruss

Jan
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#47

Beitrag von hiasl » Mittwoch 9. Dezember 2020, 20:04

Malzmagen hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 17:56
Wird berücksichtigt
Ich meinte das nur als Antwort auf Jans Post. Du kannst deinen Gärtank nennen, wie du willst ;-)
Gruß
Matthias
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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#48

Beitrag von Brandergartenbier » Donnerstag 10. Dezember 2020, 09:04

Räuber Hopfenstopf hat geschrieben:
Mittwoch 9. Dezember 2020, 18:31
brandergartenbier hat geschrieben:
Wenn ich könnte hätte ich einen Bauerhof, auf dem würde ich unter 14h am Tag nicht arbeiten. Das Gefühl sein eigener Chef zu sein und sich selber zu verwirklichen ist für die meisten ein Traum und wird es auch leider bleiben. Die Sicherheit die der "nine to five" Job gibt verspielt man heute nicht mal eben so (kommt aufs aktuelle Leben an).
Da gibt es eine ganze Reihe von Aspekten, die man mit etwas Abstand und ohne Euphorie und Emotionen bedenken muss. Ich habe über den Schritt der Selbstständigkeit nach dem Studium nachgedacht (in einem technischen Bereich), das dann verworfen und 10 Jahre als angestellter Ingenieur gearbeitet. Mehrere meiner Kommilitonen haben sich selbstständig gemacht und es hat auch geklappt. Vor sieben Jahren habe ich den Schritt dann doch gemacht, allerdings in einer völlig anderen Branche. Und eines meiner Hobbies zum Beruf gemacht. Regel Nr. 1: Du hast ab dem Moment ein Hobby weniger. Es ist dann Dein Beruf. Und nicht weniger nervig und anstrengend als andere. Und es macht nicht immer Spaß, wenn der Druck von außen kommt.

Kann ich absolut bestätigen. Habe mit meinem Bruder ein Nebengewerbe aufgebaut ( aus einem Hobby (3D Druck) ) und ab da hat es aufgehört Spaß zu machen. Wir saßen 1 Jahr lang fast jeden Samstag zusammen und hatten Spaß beim Basteln, Tüfteln und Ideen sammeln. Mit unseren Berufen nach Hause kommen und ganz schnell Aufträge abwickeln, für unterm Strich ein paar Taler, um sich das Hobby etwas professioneller zu finanzieren hat uns dazu bewegt das sofort einzustellen. War aber auch nie unser Anreiz damit wirklich Geld zu verdienen.

Einige meiner Kollegen haben Probleme damit, sich in ihre Kunden zu versetzen. Du verkaufst das, was die Kunden wollen und nur bedingt das, was Du selbst ganz toll findest. Wenn Du falsch liegst, hast Du den Laden voll mit Sachen, die Dir gefallen. Nach dem 378. Sud "Helles" und wieder mal die Brauerei putzen wird das auch nicht spannender sein als jeder andere Job. Nicht jeder Mag IPA, Brett und Russian Imperial Stout.

Zumindest im Lebensmittelbereich wo sich noch weniger über Geschmack streiten lässt wird mal wohl oder übel immer das produzieren müssen was der Endverbraucher will, auch wenn man selber was anderes mag. Sehe da aber kein Problem drin, entweder man will Geld verdienen oder eben nicht.
Arbeit bleibt halt auch irgendwo Arbeit. Ich liebe Fußball, habe das gerne gespielt aber 3 mal die Woche zum Training ist auch irgendwann langweilig.... Ich arbeite sehr gerne, bin nie krank und es gibt genug Tage die ich so nicht bräuchte aber das ist auch einfach Einstellung, Erziehung und Disziplin. Ich bin erst 28 Jahre alt, aber nach 4 Jahren Abendschule mit Vollzeitstelle auf Schicht kann man mich nicht so leicht schocken wie viele andere die ich kenne. Belastbarkeit ist da wohl auch wichtig, ist heute in der BurnOut Welt so ein Thema.



Zweiter Aspekt: Man macht das eine ganze Weile. Zumindest wenn man nicht genug Geld hat, um mal eben ein paar Bündel zu verbrennen. Wenn Bill Gates eine Brauerei starten möchte, macht er das. Wenn er keinen Bock mehr hat, schreibt er 300.000 € Taschengeld ab. Wenn unsereiner investiert ist es wie in einer Ehe: Ohne viel Geld zu verlieren kommst Du da nicht wieder raus. Man muss sich im Klaren sein, dass das eine Liaison für mehr als 2 - 3 Jahre wird.
Dritter Aspekt: Freizeit ist Mangelware. Gerade bei Jobs, die einen stetigen Material- und Warenfluss bedingen. Ich versuche, einmal im Jahr für hoffentlich zwei Wochen aus dem Betrieb zu kommen. Das mag bei einer Ein-Mann-Brauerei einfacher sein, wenn das Bier im Lagertank ist (wir sind sechs, die bezahlt werden wollen). Aber es ist schwieriger als man denkt.

Finds cool, dass sich Leute hier einfinden die sowas tatsächlich machen. Das mit dem Urlaub ist natürlich nicht zu verachten. Mein Rasenmähen oder ein Sonntag in der Sauna sind für mich auch Urlaub, mein Bruder muss halt 4 mal im Jahr ans andere Ende der Welt. Jeder wie er kann und will.

Die ganze Sache funktioniert nur mit nüchterner Betrachtung, völliger Abwesenheit von falscher Begeisterung und einer sauberen Kalkulation. Rücklagen für Krankheit, Beiträge für Renten- und Krankenversicherung, Rücklagen fürs Alter, Rücklagen für Ersatzinvestitionen. Da ist einiges zu bedenken. ERfahrung und fundiertes Fachwissen ist natürlich Grundvoraussetzung. Wenn man dreimal das gleiche macht, kommt auch dreimal das gleiche raus. Auch nachts um zwei.
Also leiber einmal zuviel nachdenken und gg. langsam steigern. Ein vernünftiger nine-to-five Job als background ist nicht verkehrt. Oder ein Start aus einer Teilzeitstelle mit entsprechend viel Freizeit. Hochskalieren geht immer irgendwie, runterkommen ist
schwieriger.

Das so anzugehen wäre wohl das Beste.


Viel Erfolg!
Björn
Gruß Florian
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Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen!

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Re: [Gedankenspiel] Going Pro mit 5 hl Anlage

#49

Beitrag von §11 » Donnerstag 10. Dezember 2020, 16:01

By the way, ich finde, bis auf ein paar Ausrutscher, dieser Beitrag zeigt sehr eindrücklich warum ich das Forum so sehr schätze und warum, rein für mich, ein Format wie ein Forum, bei weitem nicht überholt ist. Hier schreiben viele Forenbewohner sehr ausgiebig und detailiert entweder was sie selbst an Erfahrung gemacht haben oder Aspekte, denen man durchaus Beachtung schenken sollte. Die typischen Killerphrasen und "Bullshit-Bingo- Schlagworte" sucht man vergeblich.

Weiter so

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