Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

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Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#1

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Donnerstag 6. Juni 2019, 11:18

Hallo ans Forum,
finde in allen möglichen Informationsquellen keine kurze Antwort auf folgende Frage :
Was ist der Unterschied, wenn man im Infusionsverfahren mit 62°/72° oder 62°/67°/72° arbeitet?

Danke schonmal, Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#2

Beitrag von Ladeberger » Donnerstag 6. Juni 2019, 11:45

Während sich 62 °C am Temperaturoptimum der β-Amylase und 72 °C am Temperaturoptimum der α-Amylase orientiert, stellt die eingeschobene Rast bei 67 °C einen Kompromiss im Toleranzbereich beider Enzyme dar. Da α-Amylase auch Substrat für die β-Amylase bereitstellt, erhöht sich der Anteil vergärbarer Zucker; eine ausreichend hohe Restaktivität der β-Amylase vorausgesetzt.

Gegenüber einem unmittelbaren "Durchheizen" von 62 °C auf 72 °C kann daher der Endvergärungsgrad der Würze erhöht werden.

Gruß
Andy

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#3

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Donnerstag 6. Juni 2019, 13:27

Danke Andy, jetzt hab ichs kapiert. Ist ja klar: Wenn gleichzeitig Maltose und längerkettige Moleküle entstehen erhöht sich zwangsläufig der Anteil der Maltose!

Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#4

Beitrag von Unbewegter Beweger » Donnerstag 6. Juni 2019, 20:09

Hallo Dieter,
wenn du dir bei der ausreichenden Beta-Amylase-Aktivität nicht sicher bist, kannst du auch einen Enzym-Booster zu dieser Rast geben. Einfach eine Hand Pilsener Malz einen Tag vor dem Brautag in etwas Wasser geben und bei der Rast zugeben. Eigentlich machen das einige standardmäßig bei der Verzuckerung, aber bei der Zwischenrast sollte das ja auch funktionieren.
Liebe Grüße, Sven

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#5

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Donnerstag 6. Juni 2019, 22:33

Unbewegter Beweger hat geschrieben:
Donnerstag 6. Juni 2019, 20:09
Einfach eine Hand Pilsener Malz einen Tag vor dem Brautag in etwas Wasser geben und bei der Rast zugeben.

Danke für den Hinweis, das mache ich morgen. Kann ja auf keinen Fall schaden!

Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#6

Beitrag von §11 » Freitag 7. Juni 2019, 01:50

Was ist der Unterschied zwischen schmoren und Braten? Das Verfahren muss zum Bier passen.
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#7

Beitrag von Eowyn » Freitag 7. Juni 2019, 04:03

§11 hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 01:50
Was ist der Unterschied zwischen schmoren und Braten? Das Verfahren muss zum Bier passen.
Mir versuchen meine Jungs im local HBS immer auszureden, dass ich mit mehreren Rasten oder Dekotion arbeiten will und egal was ich braue, kommen die immer mit:

die Malze sind alle so hoch modifiziert, dass man mit einer Kombirast bei 154°F nix falsch macht.

Den Satz von dir werde ich denen nächstes mal um die Ohren hauen (!)


Wenn ich bis dahin nicht vergesse, was schmoren auf amerikanisch heißt (lol)
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#8

Beitrag von VolT Bräu » Freitag 7. Juni 2019, 08:24

§11 hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 01:50
Was ist der Unterschied zwischen schmoren und Braten? Das Verfahren muss zum Bier passen.
Der Spruch funktioniert aber besser wenn jemand fragt: "Was ist besser?". :Smile
Den Unterschied in der Wirkung zu verstehen ist ja Voraussetzung um einschätzen zu können ob es passt.
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#9

Beitrag von Malzwein » Freitag 7. Juni 2019, 14:33

§11 hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 01:50
Was ist der Unterschied zwischen schmoren und Braten? Das Verfahren muss zum Bier passen.
Schmoren ist ein kombiniertes Garverfahren, mit trockener Hitze anbraten, ablöschen und mit feuchter Hitze - abgedeckt - garen. Ein Schnitzel in der Pfanne wird gebraten. Man kann natürlich auch im Ofen braten, das könnte aber auch backen sein, das ist nicht präzise definiert.

Ich behaupte aber mal, dass die Temperaturen der Kombirast überschätzt werden. Dazu gab es doch schon einige Versuche?
Gruß Matthias

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#10

Beitrag von Boludo » Freitag 7. Juni 2019, 15:42

Nicht zu vergessen der technologische Vorteil einer Kombirast.
Wenn man einen gut isolieren Behältern hat, kann man einfach das Malz im warmen Wasser vermischen, Deckel drauf und nach einer Stunde abmaischen. Ganz ohne Rührwerk und Sauerstoffeintrag.
Aber es paßt wirklich nicht zu jedem Bier. Hefeweizen zb würde ich so nie machen.

Stefan

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#11

Beitrag von Bunauster » Freitag 7. Juni 2019, 16:10

Wenn ich es richtig verstanden habe, verzeiht die Kombirast jedoch weniger Fehler bei der IST-Temperatur.
Während bei getrennter Maltoserast / Verzuckerungsrast Temperaturschwankungen von +/- 2K gut verkraftet werden können (jeweils anderes Enzym nicht aktiv), wird bei der Kombirast bereits bei Temperaturschwankungen von 1 K die jeweilige Enzymaktivität der Würze beeinflusst.

Ich persönlich trau mir und meinem System die konstante Temperaturhaltung über alle Schichten der Würze hinweg nicht zu.

Viele Grüße
Christian

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#12

Beitrag von §11 » Freitag 7. Juni 2019, 17:54

Malzwein hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 14:33
§11 hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 01:50
Was ist der Unterschied zwischen schmoren und Braten? Das Verfahren muss zum Bier passen.
Schmoren ist ein kombiniertes Garverfahren, mit trockener Hitze anbraten, ablöschen und mit feuchter Hitze - abgedeckt - garen. Ein Schnitzel in der Pfanne wird gebraten. Man kann natürlich auch im Ofen braten, das könnte aber auch backen sein, das ist nicht präzise definiert.

Ich behaupte aber mal, dass die Temperaturen der Kombirast überschätzt werden. Dazu gab es doch schon einige Versuche?
Also würdest du ein Schnitzel nicht schmoren?

Genauso unpräzise ist halt die Frage nach Vor- und Nachteilen eines Maischverfahrens. Es muss zum Bier passen. Ich würde ein IPA niemals mit Dekoktion brauen, während ich ein Weißbier oder ein Münchner Dunkel nicht mit Kombirast machen würde. Das Verfahren muss zum gewünschten Ergebnis passen. Es gibt Gründe warum sich unterschiedliche Maischverfahren entwickelt haben. Bei der single Infusion Mash, wie die Kombirast richtiger weiße heißt, war das vor allem Brennstoffmangel. Im Grunde haben sich dann daraus Bierstile entwickelt.
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#13

Beitrag von VolT Bräu » Freitag 7. Juni 2019, 18:16

Ich habe die Frage und die Antwort von Ladeberger auch erst ein paar mal lesen müssen - durch den Begriff "Kombirast" habe ich mich in die Irre führen lassen wie einige andere glaube ich auch...
Es ging ursprünglich überhaupt nicht um Kombirast vs. klassische Rasten, sondern lediglich um die Frage welchen Unterschied es macht, wenn man eine Zwischenrast auf Kombirast-Temperatur einschiebt.
Das finde ich eine sehr gute Frage, die eigentlich auch in Post #2 bereits erschöpfend beantwortet wurde.
(nicht, dass ich euch die weitere Diskussion madig machen möchte... Just saying)
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#14

Beitrag von olibaer » Freitag 7. Juni 2019, 20:38

VolT Bräu hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 18:16
Das finde ich eine sehr gute Frage, die eigentlich auch in Post #2 bereits erschöpfend beantwortet wurde.
So schauts' aus :thumbup

Vielleicht noch zwei Aspekte dazu:
Der stetige Anstieg der Verkleisterungstemperatur verlangt ohnehin, dass die Maltoserast am obersten Ende des Temperaturniveaus der ß-Amylase gehalten wird(64-65°C). Das gap zwischen Alpha- und Betaamylase bzgl. Wechselwirkung, wird hier schon zwangsgesteuert kleiner.

Intelligente Steuerungen heizen zwischen 63°C und 70°C nicht mit 1°C/min auf, sondern mit 0,5°C/min, wenn die Synergieeffekte von Alpha- und ß-Amylase im Rezepturkontext angefragt sind. Ein kritisches Element für jemanden, der Rezepte deuten möchte:
Der technologische Kunstgriff steckt nicht mehr klassisch in der Rast, sondern in der Ausgestaltung der Aufheizphase :Wink
Gruss
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#15

Beitrag von hopfenbär » Freitag 7. Juni 2019, 23:34

olibaer hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 20:38
Vielleicht noch zwei Aspekte dazu:
Der stetige Anstieg der Verkleisterungstemperatur verlangt ohnehin, dass die Maltoserast am obersten Ende des Temperaturniveaus der ß-Amylase gehalten wird(64-65°C).
Was meinst du mit "stetiger Anstieg der Verkleisterungstemperatur"? Von Jahr zu Jahr? Sorry steh da gerade auf dem Schlauch..


@ §11 Was sind die hauptsächlichen Nachteile die sich bei einem hellen Weißbier (nicht nelkig) mit 1Stufiger Infusion im Vergleich zu mehrstufiger ergeben?
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#16

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Samstag 8. Juni 2019, 00:29

hopfenbär hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 23:34
Was meinst du mit "stetiger Anstieg der Verkleisterungstemperatur"? Von Jahr zu Jahr? Sorry steh da gerade auf dem Schlauch..
Ich lass mal Brian antworten. Hoffe das ist OK. https://youtu.be/UZQ_YugI9jM
"Da braut sich was zusammen ... "
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#17

Beitrag von gulp » Samstag 8. Juni 2019, 01:11

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Samstag 8. Juni 2019, 00:29
hopfenbär hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 23:34
Was meinst du mit "stetiger Anstieg der Verkleisterungstemperatur"? Von Jahr zu Jahr? Sorry steh da gerade auf dem Schlauch..
Ich lass mal Brian antworten. Hoffe das ist OK. https://youtu.be/UZQ_YugI9jM
Etwa 2:19, so ist also die Gerste ein Malz, das halt mal durchschnittlich, unterschiedliche Verkleisterungstemperaturen mit sich bringt, und das kann von Ernte zu Ernte...

Gut sicherlich, man kann ja mall Unsinn reden, aber der hatte ja Zeit das zu korrigieren...

Gruß
Peter, überzeugter Kombiraster, der, wenn nötig auch mal Dekoktion anwendet.


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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#18

Beitrag von hopfenbär » Samstag 8. Juni 2019, 08:09

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Samstag 8. Juni 2019, 00:29
hopfenbär hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 23:34
Was meinst du mit "stetiger Anstieg der Verkleisterungstemperatur"? Von Jahr zu Jahr? Sorry steh da gerade auf dem Schlauch..
Ich lass mal Brian antworten. Hoffe das ist OK. https://youtu.be/UZQ_YugI9jM
Okay danke... Aber wird jetz nicht explizit genannt das sie stetig steigen, bzw könnte doch auch mal eine ernte drin sein wo sie wieder niedriger ist oder? Oder liegt das an neuen Züchtungen bzw Veränderungen im Anbau?
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#19

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Samstag 8. Juni 2019, 09:32

Ja, es könnte auch mal eine Ernte dabei sein, die etwas früher verkleistert. Aber im Großen und Ganzen steigt die Verkleisterungstemperatur seit einigen Jahren an.
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#20

Beitrag von Ladeberger » Samstag 8. Juni 2019, 09:46

Abschließend geklärt scheint der Grund für tendenziell steigende Verkleistungstemperaturen (VKT) nicht, es besteht jedoch ein starker Zusammenhang zu heißen und trockenen Wetterbedingungen, insbesondere zur Abreife. Bei einem milderen Sommer wären daher auch wieder niedrigere VKT möglich. Da trockene Sommer für die Zukunft jedoch häufiger zu erwarten sind und noch extremer ausfallen könnten, schadet es auch als Hobbybrauer nicht, sich rund um diese Problemstellungen ein technologisches Repertoire anzuschaffen. Stichworte: Höhere Maltoserasttemperatur, 67/68 °C Zwischenrast, verminderte Aufheizraten (s.o.), echte oder angedeutete Dekoktion.

Durch die schnellere Inaktivierung der β-Amylase bei höheren Maltoserasttemperaturen, sollte dieses kleinere Zeitfenster auch effizient genutzt werden. Stichworte hierzu: Malz- und Schrotqualität, Enzymschonung, pH-Kontrolle, Genauigkeit der Temperaturmessung/-regelung, Homogenität der Maische.

Gruß
Andy

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#21

Beitrag von olibaer » Samstag 8. Juni 2019, 10:50

Hi Hopfenbär,
hopfenbär hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 23:34
Was meinst du mit "stetiger Anstieg der Verkleisterungstemperatur"? Von Jahr zu Jahr? Sorry steh da gerade auf dem Schlauch..
Meint allgemein, dass die Verkleisterungstemperatur für stärkeführende Früchte in den letzten Jahren tendentiell angestiegen ist.
Meint für uns Brauer, dass sich die Jahrgänge häufen innerhalb derer die Verkleisterungstemperatur oberhalb des Temperaturoptimus der ß-Amlylase liegt, teilweise oberhalb der beginnenden und massiven Schwächung der ß-Amylase bei 65°C.

Zum Thema Verkleisterung haben wir hier schon ein paar Runden gedreht und andere taten das auch. Hier ein paar Verweise zum Schmökern:
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 50#p336450
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 54#p177854
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 51#p157051
http://braukaiser.com/wiki/index.php?ti ... Conversion

Die unten benannte Quelle [1] ist zusätzlich zum empfehlen. Sie ist zugänglich und auf den ersten 3 Seiten (Punkt 1: Einleitung und Motivation) findet sich erklärt und grafisch dargestellt, worum es bei "Verkleisterung" geht und welche Probleme durch erhöhte "Verkleisterungstemperaturen" auftreten können.
Eben da findest du auch Antworten bzgl. der Abhängigkeiten vom Jahrgang und der Provenienz. Andi geht ja weiter unten nochmals darauf ein.

Ein "ausgedachtes" Beispiel nach dem Motto "was wäre wenn":
Einer maischt bei 67°C eine Stunde, macht eine Kombirast. Ein anderer durchquert die Bereiche zwischen 62°C und 72°C in 30 min in anderer Art und Weise, hat aber einen um 10% höheren EVG als der Kombirastler - bei sonst identischen Voraussetzungen.

Neben vielen anderen Faktoren, spielt auch hier die VKT eine Rolle und ganz so fiktiv ist das Beispiel gar nicht.
Das Problem an der Sache: der Brauer neigt bzgl. Vergärungsgrade gerne reflexartig dazu, dem Hefestamm derartige Schwankungen anzulasten, was zu weiterern Diskussionen führt.


gulp hat geschrieben:
Samstag 8. Juni 2019, 01:11
Peter, überzeugter Kombiraster, der, wenn nötig auch mal Dekoktion anwendet.
Gut so und keine Einwände. Begleitend dazu bin ich aber auch froh, dass die Diskussionen wie etwa "bei 66,5°C wirds Pfurzztrocken, bei 67,5°C wirds Pappsüß" allmählich abklingen :Wink





Quellen:
[1] Dissertationsschrift: Doktor-Ingenieur, Schüll, Florian Andreas: Einfluss spezifischer Eigenschaften der Stärke auf den Brauprozess, Technische Universität München, 2012
Gruss
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#22

Beitrag von Malzwein » Samstag 8. Juni 2019, 11:21

Mich interessiert ehrlich gesagt nur, welchen Unterschied 10 durchschnittliche Hobbybrauer wirklich schmecken. Andere Parameter als der real existierende Geschmack, die vielleicht für den Profi oder die Industrie wichtig sind (z.B. Ausbeute, geringe Unterschiede EVG), sind mir ziemlich egal.

Vielleicht wäre das für das nächste MDHBT eine Interessante Aufgabe: die gleichen Zutaten, aber unterschiedliche Brauverfahren. Ein vergleich über alle Hobbybrauer ist natürlich (fast) sinnlos, weil immer unterschiedlich Zutaten - sei es nur das Wasser - und unterschiedliche Gärbedingungen gegeben sind. Aber gleiche Braustube zwei Verfahren von einigen Brauern wären vielleicht schon aussagekräftig.
Gruß Matthias

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#23

Beitrag von olibaer » Samstag 8. Juni 2019, 12:33

Malzwein hat geschrieben:
Samstag 8. Juni 2019, 11:21
Mich interessiert ehrlich gesagt nur, welchen Unterschied 10 durchschnittliche Hobbybrauer wirklich schmecken. Andere Parameter als der real existierende Geschmack, die vielleicht für den Profi oder die Industrie wichtig sind (z.B. Ausbeute, geringe Unterschiede EVG), sind mir ziemlich egal.
Du möchtest die Prozesskontrolle, die Rohstoffwertung, das Rezeptmanagement, die Softwarelösungen, die Steuerungsansätze - eigentlich alles was sich die Szene über die Jahre erarbeitet hat, wieder gänzlich dem Zufall überlassen und dich im Nachgang über "Geschmack" unterhalten ?

Weder sinnvoll noch hilfreich - für keinen der aus Wasser, Malz und Hopfen Bier herstellen möchte. Mit diesem oder ähnlichen Gedankenmustern landen wir wieder bei Jan Pütz und bei der Babywindel.
Weiter lässt sich nicht wegdiskutieren, dass eine nicht erreichte Ausbeute oder ein nicht erreichter Vergärungsgrad die Hobbybrauer durchaus beschäftigt. Oft nicht wegen des Wareneinsatzes, sondern eher wegen eines nicht erreichen von Stammwürzewerten oder eines Würzevolumens - schliesslich hängt u.a. die Hopfengabe und die Speisegabe an diesen Zielvorgaben: Stichwort: Qualität.

Ich hatte gehofft, dass wir uns(erfahrene Hobbybrauer) verstärkt z.B. Themen wie "Geschmackstabiltät von Hopfen-gestopften Bieren" widmen könnten. Dein Lösungsansatz lässt uns wieder bei Adam und Eva beginnen. Wie ich finde, kein guter Plan.

Du selbst bist doch immer der, der alles hinerfragt und kritisch beäugt, was in die threads gepinselt wird - immer mehr und alles genauer wissen möchte. Du findest mich etwas verwundert.
Gruss
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#24

Beitrag von Malzwein » Samstag 8. Juni 2019, 13:28

Wer sagt denn was von Zufall? Wenn "Prozesskontrolle, die Rohstoffwertung, das Rezeptmanagement, die Softwarelösungen, die Steuerungsansätze" mir dabei helfen, dass das was hinten raus kommt schmeckt und (nahezu) so wird wie erwartet, dann werde ich einen Teufel tun und das ignorieren. Wenn dies Dinge für mich (und andere) Durchschnittstrinker nur wenig sensorisch erkennbaren Einfluss auf das Ergebnis haben und zum Selbstzweck werden, dann weg damit.

Die sensorischen Grenzen sind sicher individuell unterschiedlich und ich gehöre da nicht zu den hellsten Kerzen auf der Hobbybrauertorte, aber ich lehne mich (mal wieder) weit vor und behaupte, dass vieles hier im Detail diskutierte, sicher messbaren Einfluss auf das Ergebnis hat, aber ebenso vieles sensorisch von den meisten Hobbybrauern nicht oder nur ansatzweise wahrgenommen wird. Sei es Unerfahrenheit, mangelndes Training oder individuelles sensorisches Unvermögen.

Im Übrigen habe ich ausdrücklich von meinem Interesse geschrieben. Ich hoffe, dass ich mit meinen sehr bescheidenen Ansprüchen hier noch mitspielen darf... :Bigsmile
Gruß Matthias

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#25

Beitrag von olibaer » Samstag 8. Juni 2019, 14:06

Malzwein hat geschrieben:
Samstag 8. Juni 2019, 13:28
Im Übrigen habe ich ausdrücklich von meinem Interesse geschrieben. Ich hoffe, dass ich mit meinen sehr bescheidenen Ansprüchen hier noch mitspielen darf... :Bigsmile
Jetzt komm, aber klar, darum ging es auch nie.
Die Sicht auf die Dinge ist eben verschieden und gehört in diesem Umfeld unbedingt dazu. Wir "raufen" uns halt aus, schade nur, dass kein Tisch mit kaltem Bier darauf in der Mitte steht :Wink
Gruss
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#26

Beitrag von Seed7 » Sonntag 9. Juni 2019, 13:43

olibaer hat geschrieben:
Freitag 7. Juni 2019, 20:38
Vielleicht noch zwei Aspekte dazu:
[...] Das gap zwischen Alpha- und Betaamylase bzgl. Wechselwirkung, wird hier schon zwangsgesteuert kleiner.

Intelligente Steuerungen heizen zwischen 63°C und 70°C nicht mit 1°C/min auf, sondern mit 0,5°C/min, wenn die Synergieeffekte von Alpha- und ß-Amylase im Rezepturkontext angefragt sind. [...]
Na dann, warum noch aufheizen? Kombirast @63-66°C und dann heiss ausspülen, aber nicht schon gleich mit dem kochen anfangen.

Ingo
"Wabi-Sabi" braucht das Bier.

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#27

Beitrag von braupaddler » Sonntag 9. Juni 2019, 14:45

Hallo, sehr interessantes Thema. Möchte euch mal meine Vorgehensweise vorstellen und die Erkenntnisse daraus.
Ich braue in alten Wurstkesseln eigentlich immer helles Lagerbier. Am Anfang fuhr ich Rasten von 45 min Maltoserast , 20 min Verzuckerung , hoch auf 78 und abmaischen.
Mittlerweile maische ich bei 58 Grad ein , stelle den Brenner auf niedrigste Stufe und wärme (heizen kann man das nicht nennen ☺) das Ganze über einen Zeitraum von 2 Stunden auf 78 Grad auf.
Am Anfang muss ich etwas korrigieren um die Geschwindigkeit richtig anzupassen, dann passt es aber.
Der Rührer läuft langsam die ganze Zeit mit.
Vom Geschmack kann ich keinen Unterschied zu meiner früheren Fahrweise mit Rasten feststellen, aber ich muss auch dazu sagen , das ich nicht so der Feinschmecker bin der alle Nuancen aus dem fertigen Bier herausschmecken kann 😢.

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#28

Beitrag von bwanapombe » Dienstag 11. Juni 2019, 11:15

Hallo braupaddler,

was war denn Anlaß oder Beweggrund, Dein Verfahren umzustellen?

Dirk

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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#29

Beitrag von danieldee » Dienstag 11. Juni 2019, 12:32

bwanapombe hat geschrieben:
Dienstag 11. Juni 2019, 11:15
Hallo braupaddler,

was war denn Anlaß oder Beweggrund, Dein Verfahren umzustellen?

Dirk
Sagt doch schon das Setup. Mit Wurstkesseln die Temperatur halten ist nicht so einfach. Da über/unterschwingt man schnell!
Ich plädiere bei Wurstkesseln für Dekoktion :thumbup
"Bier ist der überzeugende Beweis dafür,
dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will"
Benjamin Franklin

braupaddler
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Re: Vor- bzw. Nachteil der Kombirast

#30

Beitrag von braupaddler » Dienstag 11. Juni 2019, 14:06

Hallo, hatte sich so ergeben, im Winter musste ich während den Rasten öfter mal zwischenheizen da die Maische abkühlte, auch dauerte es manchmal ziemlich lange um von 64 Grad auf 72 hochzuheizen da ich immer 100 Liter braue.
So bin ich auf die Idee gekommen .Wenn der Brenner mal richtig eingestellt ist muss ich auf nichts mehr achten , nur noch warten bis die 78 Grad erreicht sind .
Im Idealfall nach etwa 2 h.

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