Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

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Bieriges
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Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#1

Beitrag von Bieriges » Samstag 3. August 2019, 13:18

Hallo zusammen,

auch ich bin im Hafen der Familie seit mehr als einem Jahr angekommen und muss sagen: ich habe es in diesem einen Jahr nur einmal geschafft zu brauen :crying

Da nun das zweite Kind auf dem Weg ist und ich Bedenken habe, bald gar nicht mehr brauen zu können, hab ich mir gedacht ich muss die Brauzeit reduzieren um kürzere Zeitfenster auszunutzen.
Die Gründe sind mannigfaltig, aber darum soll es hier nicht gehen...
Sondern um die Möglichkeit einer Brauzeitverkürzung!

Bisher habe ich ganz klassisch mit einem Einkocher, Tauchsieder (zum schnelleren Aufheizen), Rührwerk & Inkbird (Automatisierung) und Kühlspirale -meist 10L Ausschlagvollumen- gebraut. Ein normaler Brautag mit Vorbereitung und saubermachen dauerte 8-10h (Ganz zu schweigen von den Stunden der Rezeptentwicklung..) Das ist mehr als ein normaler Arbeitstag :-(

Ich habe mir für den nächsten und alle folgendenden Sude einen zweiten Einkocher geholt um schon am Anfang die geläuterte Würze aufzuheizen, während der Rest der Würze am läutern ist.

Als zweite Zeitersparnis habe ich mir gedacht, man könnte auf die Nachgüsse verzichten. Ja, die SHA leidet, dann "kipp ich halt mehr Getreide rein" :Wink
Könnt ihr mir, für die Rezeptentwicklung sagen, um wie viel schlechter die SHA durch den Verzicht des Nachgusses wird?
Zum Verständnis: Mit wie viel Wasser muss ich einmaischen? Ich weiß was ungefähr am Flüssigkeit im Läuterbottich zurückbleibt (Totvolumen+Feuchtigkeit in der Maische), und ich weiß wie hoch meine Verdampfung während des Kochens ist. Dann wäre doch mein Einmaischvolumen=Gewünschtes Ausschlagvolumen+Restvolumen im Maischebottich+Verdampfungsvolumen. Oder habe ich einen Denkfehler?

Gäbe es, außer der Übernachtmaische" noch andere, weitere Zeitersparnismöglichkeiten?

Viele Grüße
Jo

KlausT
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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#2

Beitrag von KlausT » Samstag 3. August 2019, 13:27

Mach dir doch eine Liste, in die du einträgst, wie lange welche Aktion dauert. Dann überleg dir den zeitlichen Verlauf und welche Aktionen parallel laufen bzw. unabhängig voneinander vorbereitet werden können.
Es gibt auch Positionen, die du nicht beeinflussen kannst. Z. B. Kochzeit.
Das stellst du grafisch in einem Projektplan dar.
Mit dieser Info solltest du sofort herausfinden können, wo Potentzial besteht.
Gruß
Klaus

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#3

Beitrag von HrXXLight » Samstag 3. August 2019, 13:29

Bin auch 2 fächer Vater und das brauen leidet. Schau dir mal das Schnellbier bei MMuM an. Wird im Thermoport eingemacht, geläutert und gekocht. War mit saubermachen in 3,5-4h durch für 20l. Hab ich jetzt schon paar mal gemacht
Trinkbar: Dark Impact, Oatmeal Stout
Reifung: Diverse Russian Imperial Stout Rezepte mit Oak und Brett, Pale Ale mit Kveik

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#4

Beitrag von Bieriges » Samstag 3. August 2019, 13:31

KlausT hat geschrieben:
Samstag 3. August 2019, 13:27
Mach dir doch eine Liste, in die du einträgst, wie lange welche Aktion dauert. Dann überleg dir den zeitlichen Verlauf und welche Aktionen parallel laufen bzw. unabhängig voneinander vorbereitet werden können.
Es gibt auch Positionen, die du nicht beeinflussen kannst. Z. B. Kochzeit.
Das stellst du grafisch in einem Projektplan dar.
Mit dieser Info solltest du sofort herausfinden können, wo Potentzial besteht.
Gruß
Klaus
:thumbup
Genau das war mein Vorgehen. Deshalb bin ich auf diese zwei Punkte gekommen die ich mit einfachen Mitteln verbessern kann.

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#5

Beitrag von Beerkenauer » Samstag 3. August 2019, 13:35

Hallo Klaus

Ich bin familärbedingt auch eingeschränkt was das Brauen betrifft. Komme aber immerhin auf 6-8 Sude pro Jahr.
Um Zeit zu sparen heize ich das Wasser früh morgens per Zeitschaltuhr auf und gebe dann gg. 6h das Malz dazu.
Gesteuert wird mit einem Inkbird und umgebauter Hendi. So habe ich dann Zeit mit meiner Familie zu frühstücken.
Gg. 12h bin ich dann komplett fertig (inkl. Reinigung). So habe ich dann die 2te Tageshälfte Zeit für meine familiären Pflichten. :thumbsup

Du kannst aber auch mal hier schauen. Das sind Rezepte für einen verkürzten Brautag aus der Rubrik "Short and Shuddy" von Brülophy.

http://brulosophy.com/projects/short-shoddy/

Stefan

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#6

Beitrag von KlausT » Samstag 3. August 2019, 13:39

Das ist gut :)
Ich würde aus dem Bauch heraus 30% mehr Malz nehmen.
Oder den Nachguss einfach ohne Ruhezeiten durchkippen.

Was mir sonst noch einfällt:
1. Aufheizzeiten durch Isolierung verbessern
2. Malz fertig geschrotet beziehen


Gruß
Klaus

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#7

Beitrag von Sura » Samstag 3. August 2019, 14:04

- Bei mir fällt die Ausbeute von 65% auf ca. 50-55%. Muss man ausprobieren. Verdünnen kann man immer, also anfangs eher konservativ rechnen.
- BIAB kannst du auch noch machen. Dann spart man sich das läutern.
- Abends vorher aufbauen (komplett!) ist sicherlich die beste Ersparnis. Wassser kann man da auch schon aufkochen. Das vermindert gleichzeitig den Sauerstoff im Wasser. Die Abkühlzeit usw. muss man mal ausprobieren. Zeitschaltuhr finde ich ein Risiko.
- beim läutern aufheizen geht auch super. Wenn man eh weiss was rauskommt, dann geht das auch problemlos.
- kein Pilsener Malz nehmen. Dann braucht man nicht so auf DMS achten und kann die Kochzeit reduzieren.
- Abkühlen zumindest auf unter 80°C durch kaltes Wasser, und von 30°C auf Anstelltemperatur durch (vorbereites) Eiswasser.

"Schnellbier" kann man machen, aber letztendlich bin ich mir nicht so sicher, ob das auch ein "Stabilbier" ist. Sicher sollten die Enzyme innerhalb von 20min größtenteils durch sein.... aber ich weiss nicht.... Kombirast ist doch super ausreichend! Reicht perfekt zum Wäsche abnehmen, wieder aufhängen und das gleiche für die Geschirrspülmaschine.... du musst ja nicht immer am Topf stehen, du musst nur während der Wartezeiten "Familientätigkeiten" machen, und schon ist die Zeit sinnvoll genutzt und akzeptiert ;)
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#8

Beitrag von fg100 » Samstag 3. August 2019, 14:33

Ich mach das mit ähnlicher Ausstattung (zwei Einkocher, Tauchsieder damit es schneller zum kochen aufheizt, Rührwerk, Läuterfreund, Steuerung, Kühlspirale) wie du in etwa 4-4,5 Std.
Ich mache fast immer Kombirast, ohne Nachguss und 70min kochen.
Ohne Nachgüsse kannst du bei Stw um die 12P von 55% SHA ausgehen. Bei vollem Einkocher kommst du dann auf etwa 16l Bier.
Ich hab mir dazu eine Exel-Tabelle erstellt bei der ich nur noch die gewünschte Stammwürze und Kochzeit eingebe und dann die benötigte Malz und Wassermenge bekomme um den Einkocher randvoll zu bekommen.
Verdunstungsrate und Wassermenge die im Treber verbleibt dürften ja bei dir identisch sein. Klappt so auf den Punkt genau und am Ende passt Stammwürze und Menge wie vorgeplant.
Wenn du möchtest kann ich dir die Tabelle per PN zukommen lassen.
Grüße Franz

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#9

Beitrag von Micha Ale » Sonntag 4. August 2019, 11:05

Guude!
Ich bin ebenfalls 2facher Vater, und versuche, das meine Familie möglichst nicht drunter leidet.
Ich richte also alles auf Zeitersparnis aus.

-Am Vortag wird geschrotet und die Anlage bereitgestellt
-Ich mach BIAB, dadurch hab ich eine extrem miese Sudhausausbeute (ca 6Kg Malz für 20 liter Vollbier),
aber das spart RICHTIG Zeit.
-Ich mache Kombirast, nach 20 min mach ich die Jodprobe, die ist meist Positiv.
Nach spätestens weiteren 10 min eigentlich immer.
-Danach direkt abmaischen und rauf auf Kochtemperatur.
-Ich koche nur eine Stunde und passe die Hopfengaben entsprechend an.
-gekühlt wird über nacht, angestellt am nächsten Tag.

Nach 4 Stunden ist der Sud durch.
Noch n Tip, meine Töchter dürfen immer ne Tasse Würze abhaben, das LIEBEN sie.
Ausserdem dürfen sie die Hopfenfeen sein.
So freuen sich sich immer schon richtig aufs Brauen :)
Beste Grüsse,
Micha

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#10

Beitrag von Beerkenauer » Sonntag 4. August 2019, 11:32

Micha Ale hat geschrieben:
Sonntag 4. August 2019, 11:05
Guude!
Ich bin ebenfalls 2facher Vater, und versuche, das meine Familie möglichst nicht drunter leidet.
Ich richte also alles auf Zeitersparnis aus.

-Am Vortag wird geschrotet und die Anlage bereitgestellt
-Ich mach BIAB, dadurch hab ich eine extrem miese Sudhausausbeute (ca 6Kg Malz für 20 liter Vollbier),
aber das spart RICHTIG Zeit.
-Ich mache Kombirast, nach 20 min mach ich die Jodprobe, die ist meist Positiv.
Nach spätestens weiteren 10 min eigentlich immer.
-Danach direkt abmaischen und rauf auf Kochtemperatur.
-Ich koche nur eine Stunde und passe die Hopfengaben entsprechend an.
-gekühlt wird über nacht, angestellt am nächsten Tag.

Nach 4 Stunden ist der Sud durch.
Noch n Tip, meine Töchter dürfen immer ne Tasse Würze abhaben, das LIEBEN sie.
Ausserdem dürfen sie die Hopfenfeen sein.
So freuen sich sich immer schon richtig aufs Brauen :)
Beste Grüsse,
Micha
Und die Biere von Micha schmecken richtig gut :thumbsup kann also nicht so verkehrt sein die Methode :Bigsmile

Stefan

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#11

Beitrag von Sura » Sonntag 4. August 2019, 12:47

4h finde ich für das gekürzte maischen mit BIAB und eigentlich relativ lang.... :Grübel

Wenn ich mein einfaches "normales" Programm mache, dann dauert das nur ne halbe Stunde länger:
(die Zeiten sind krumm weil sie aus meinen Brauptotokoll kopiert sind.)
Brauprotokoll hat geschrieben: 15min für: Wasser, Schroten, Aufbauen
28min für: Wasser zum einmaischen anwärmen
75min für: Maischen
21min für: Läutern
97min für: Kochen inkl aufheizen
34min für: kühlen, Seihen und ansetzen
4h 30min, und da ist noch der Aufbau inkl. Malz und dem anwärmen des Wasser, Maischen inkl. einmaischen und Läuterrast, und ordentlichem läutern bei 1l/min dabei. Da ist noch viel(!) Platz zum optimieren. Nach dem ansetzen bin ich mit putzen übrigens auch schon komplett fertig.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#12

Beitrag von mavro » Sonntag 4. August 2019, 14:13

Ich war früher mal so mit 3 Std. Dabei

https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... ad#p185543

Es ginge sogar noch schneller, wenn man mittels Crunch-Eis nach dem Kochen auf 80 Grad runter kühlt, Whirlpool macht und ohne den monofilament Filter in den Gärbehälter abfüllt.
:thumbup
Viele Grüße, Andreas

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#13

Beitrag von DerDallmann » Montag 5. August 2019, 10:37

Ich braue aus Zeitgründen auch meistens BIAB + High Gravity. Durch HG wirds noch schneller, da man weniger Wasser aufheizen muss zum Kochen, das fehlende Wasser gebe ich dann zum Whirlpool dazu, das spart dann Zeit keim Kühlen.

Die Kombi mit der Platte (HIC3500, Metro) und dem großen Topf (Amihopfen Standardserie) ist nicht optimal, das ginge mit hochwertigerem Gerät noch besser/schneller. Ich brauche in der Regel so 2,5 Std. für 25l, 3,5 Std. wenn ich 50l mache.
Mit freundlichen Grüßen,

Johst

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#14

Beitrag von Boludo » Montag 5. August 2019, 12:28

Man sollte nie vergessen, dass es zb durch Läuterkatastrophen immer wieder zu extremen Verzögerungen kommen kann. Hat man dann noch Zeitdruck, wird es ganz übel. Ein Hobby soll ja auch irgendwie noch Spaß machen, und Brauen unter Zeitdruck ist einfach nicht schön.
Ich hab auch zwei Kinder und es ist meiner Meinung nach besser, sich ein wenig Freizeit herauszuhandeln. Man kann das ja für die Frau entsprechend wieder gut machen, indem man ihr auch mal einen freien Tag gönnt.

Stefan

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#15

Beitrag von Bierjunge » Montag 5. August 2019, 12:56

Boludo hat geschrieben:
Montag 5. August 2019, 12:28
Ein Hobby soll ja auch irgendwie noch Spaß machen, und Brauen unter Zeitdruck ist einfach nicht schön.
Wie Recht Du doch hast!
Ich möchte soweit gehen zu behaupten, kein Hobby macht unter Zeitdruck Spaß!
Egal ob Segeln, Motorradfahren, Bergsteigen, (beliebig fortzusetzen): Man will doch den Kopf freibekommen und sich mal völlig darin verlieren.
Wenn dann von Anfang an der Zeitdruck im Hinterkopf mit dabei ist, "ich hab doch versprochen, bis 16:00 wieder zurück zu sein, ui das könnte knapp werden, und wenn ich es nicht schaffe, werde ich angegruffelt", dann macht das doch überhaupt keine Freude mehr!

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#16

Beitrag von optimist » Montag 5. August 2019, 13:05

Servus Jo,

ich habe auch mal wegen Zeitgründen versucht eine Lösung zu finden. Mir kam ein Bericht hier im Forum vom Übernachtmaischen über den Weg. Vorraussetzung ist hier ein Thermobehälter. Ich hab das ausprobiert und beim Maischeprogramm gleich mal eine Dekoktionsstufe mit eingebaut, was ich noch nie zuvor gemacht habe. War also sehr interessant.

Naja, letzendlich habe ich am Freitag abend eingemaischt, maische gekocht, zugebrüht und Deckel drauf. Zusätzlich noch schön mit Decken und Jacken eingepackt, damit nicht zuviel Wärme verloren geht. Das hat im April stattgefunden und der Brauraum ist in meiner nichtbeheizten Garage. Es war also eine Kombirast die Nacht hindurch und am Samstag morgen um 07:00 hatte ich immer noch 60°C im Thermoport. Nachguss wurde bereits über Nacht mit Zeitschaltuhr auf Temperatur gebracht. Die Arbeiten am Samstag waren also in die Sudpfanne läutern, Nachgüsse geben, während des Hopfenkochens austrebern und putzen, ausschlagen, Würze kühlen und final putzen.

Ich habe um 11:00 Uhr angestellt und mit meiner Frau und Tochter einen Weißwurstfrühschoppen gemacht. :Drink

Herausgekommen ist eines der besten UG-Biere die ich je gebraut habe. Erst dieses WE habe ich wieder ein 15er Fass angestochen.
Dieses Rezept wird definitiv wieder mit diesem Verfahren gebraut.

Grüße
Stefan
Beer is the answer... but i can't remember the question! :Grübel

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#17

Beitrag von DerDallmann » Montag 5. August 2019, 13:21

Ich braue nicht unter Zeitdruck. Schnell fertig sein will ich trotzdem.
Mir macht aber grundsätzlich mehr das Trinken später Spaß, weniger das Brauen. :Bigsmile
Außerdem finde ich es angenehm, auch mal ganz spontan einen Brautermin einschieben zu können, ohne dass gleich der ganze Tag geblockt ist.
Mit freundlichen Grüßen,

Johst

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#18

Beitrag von olibaer » Montag 5. August 2019, 15:06

Bierjunge hat geschrieben:
Montag 5. August 2019, 12:56
Boludo hat geschrieben:
Montag 5. August 2019, 12:28
Ein Hobby soll ja auch irgendwie noch Spaß machen, und Brauen unter Zeitdruck ist einfach nicht schön.
Wie Recht Du doch hast!
Ich möchte soweit gehen zu behaupten, kein Hobby macht unter Zeitdruck Spaß!
Egal ob Segeln, Motorradfahren, Bergsteigen, (beliebig fortzusetzen): Man will doch den Kopf freibekommen und sich mal völlig darin verlieren.
Wenn dann von Anfang an der Zeitdruck im Hinterkopf mit dabei ist, "ich hab doch versprochen, bis 16:00 wieder zurück zu sein, ui das könnte knapp werden, und wenn ich es nicht schaffe, werde ich angegruffelt", dann macht das doch überhaupt keine Freude mehr!

Moritz
Da bin ich ganz nah bei Euch.

Trotzdem bleiben Prozessschritte, die den Hobbyisten im zeitlichen Verhalten ohnehin stetig annerven, teilweise wie regelrechte "Hobby-Killer" wirken:
  • langwierige Wasseraufbereitung, umständliches Schroten
  • lange Aufheizraten
  • Kapazitäten an Gefäßen- oder Heißwasser nicht zum Zeitpunkt verfügbar
  • ungeplant lange Läuterzeiten
  • lange Kühldauer
  • nachgelagerter Reinigungsaufwand
Im Vergleich zum Segeln, Motorradfahren oder Bergsteigen findet man Entsprechnungen z.B. für Staus auf der Autobahn, fehlender Wind beim Segeln oder für einen Bergsteiger, der 4 h langsam vor einem her klettert.

Die Dauer der Würzebereitung wird sich automatisch verkürzen wenn:
  • die Rohstoffe stetig verfügbar sind
  • die Anzahl der Töpfe beschränkt ist
  • die Anzahl der Manipulationen beschränkt ist
  • die Energiemengen zum Aufheizen/Kochen/Abkühlen zur Verfügung stehen
  • die Anlagenbauteile effizient gestaltet sind(Isolierung beim Heizen, grosse Flächen beim Kühlen, Läuterkonstruktion, Rühwerke,....)
  • die Rezepte auf die Anlage abgestimmt sind
Es spielt gar keine so große Rolle was man nach welchem Rezept und was man nach welchem Verfahren braut. Die Abstimmung muss passen und Erfahrunsgwerte mit der Anlage kommen on top. Letzteres kann einige Sude in Anspruch nehmen, macht aber sehr viel aus.
Gruss
Oli
_____________________________
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2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#19

Beitrag von contraste » Montag 5. August 2019, 17:27

Moin Jo (Bieriges),

es ist in obigen Beiträgen bereits ganz viel sinnvolles gesagt. so lassen sich mit Umstellung des Brauverfahrens einige Zeitparameter verkürzen. Aber die Physik läßt sich praktisch nicht umgehen:

1 Maischearbeit
Hier kanst du meiner Meinung nach nur Zeit einsparen, wenn du zu Malzextrakt (DME-brewing) wechselst. Solltest du dennoch weiterhin all-grain brauen wollen, so kannst du die Zeit allenfalls umnutzen oder gewinnen, indem du die Zeit der Maischearbeit anders verbringst, z.B. mit deinem Kindern. Diese gute Stunde verschaffst du dir z.B. mit einem Automaten, oder einem Kombirastverfahren - bzw. Übernachtmaische.

2 Läuterarbeit
Ja, hier läßt sich einiges an Zeit einsparen, wenn man einmal über den eigenen Schattten springt ("... habe ich immer so gemacht") und das klassische Läutern mit Hexe oder Blech über den Läuterhahn überdenkt. Bei 20 Litern HG (Hauptguß) braucht man so mit etwa 1 l/min Läutern etwa 20 Minuten plus 15 Minuten Nachguß (NG). Ich kann Sura, MichaAle, Jost(Dallmann) nur beipflichten. Solltest zu einem Malzsack wechseln (Brew-In-A-Bag, BIAB) verkürzt sich die Läuterarbeit auf unter 5 Minuten. Mit 20 Liter auch noch gut handelbar: Du ziehst den Sack aus der Würze und läßt ihn evtl über ein Sieb abtropfen, fertig. Nix mit Läuterkatastrophe. Den Hauptguß kannst du dann bereits direkt aufheizen.

Jedoch bin ich ganz und gar nicht bei dir, daß das Weglassen des Nachgusses (wie in deiner Überschrift postuliert) Zeit einspart! Ich vermute, daß du in deinem bisherigen Denkschemata des flying-sparge, des kontinuierlichen Aufbringen des Nachgusses etwas verhaftet bist. Ich selber mache z.B. BIAB mit batch-sparge, ich läuter sozusagen in zwei Chargen. Du hast ja mit dem Kauf des zweiten Einkochers bereits einen zweiten Sudkessel. Wenn du nun den Malzsack aus dem Maischebottich (HG) entnimmst und ihn direkt in den neuen zweiten Läuterbottich (das ganze NG-Wasser) mit Abmaischtemperstur legst, kannst du den HG bereits aufheizen, während der NG noch einmal durchgerührt ziehen/auslaugen kann. Hier reichen 5-10 Minuten. Dann kann auch hier der Malzsack entnommen werden. Im Gegensatz zum flying batch, wo du kontinuierlich messen mußt, hast du hier zwei Chargen mit unterschiedlicher Würzekonzentration. Deine Wunschwürze kannst du so ganz einfach über Mischkreuz per Volumina einstellen. Du brauchst also keinesfalls auf Sudhausausbeute zu verzichten.

3 Sudkessel
Ein schnelleres Aufheizen geht nur mit Leistungserhöhung. Das hast du ja mit Kauf des zweiten Kessels bereits angegangen. Doch denke ich, es ist falsch den kompletten Guß (NG+HG) in einem Kessel aufzuheizen.
Wenn dein bisheriger Kessel mit 20 Liter Volumina etwa 1°C/min schafft, so ist die Aufheizzeit bei nur dem HG mit lediglich ca 10-12L wesentlich kürzer. Es ist also sinnig, in zwei Kesseln gleichzeitig aufzuheizen, den HG sofort nach dem Läutern, den NG dann versetzt 5 Minuten später, um sie dann bei wallender Temperatur zusammenzuführen, da hier eine geringere Leistung reicht.

4 Whirlpool und kühlen
da habe ich obigen Ausführungen nichts hinzuzufügen.

soweit meine 2 pence,
allzeit gut Sud,
:Drink

joerch
Lehrling in der 20l-Klasse: 2 doppelwandige 30l Edelstahl-Pfannen als e-BIAB-HERMS + NC-Keg/GDA

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#20

Beitrag von Kolbäck » Montag 5. August 2019, 18:31

DerDallmann hat geschrieben:
Montag 5. August 2019, 10:37
Durch HG wirds noch schneller, da man weniger Wasser aufheizen muss zum Kochen, das fehlende Wasser gebe ich dann zum Whirlpool dazu, das spart dann Zeit keim Kühlen.
Ich mache auch fast immer high-gravity, v.a. weil bei mir die Sudpfanne der limitierende Faktor ist. Aber das schnellere Abkühlen weiß ich auch sehr zu schätzen! Ich rechne mir per Mischkreuz die Zieltemperatur vor dem Verdünnen aus und seihe bei dieser aus der Pfanne in den Gäreimer ab, wo das kalte Wasser vorgelegt ist. So behält man die höhere Temperaturdifferenz bis zum Ende des Kühlens, was es effektiver und schneller macht.
--
Viele Grüße, Thomas
Braudoku, Weißbier-Experimente

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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#21

Beitrag von Bieriges » Dienstag 6. August 2019, 06:43

Ersteinmal vielen Dank an Alle!
Ihr habt viele tolle und nützliche Tipps gegeben, auch das Allgemeine "überdenk doch mal"... :thumbup

Mein Vorgehen um Zeit zu sparen (oder auch mal einen Brautag nach Feierabend oder spontan einlegen zu können) wäre folgendes:

Malz konditionieren wie gehabt am Vortag genauso wie der gesamte Aufbau
  • Das Volumen an Ausschlagwasser inkl. Verdunstungsvolumen wird zu 2/3 beim HG verwendet
  • Gemaischt wird mittels BIAB (bei 10L ist das Händelbar) und Kombirast
  • Anschließend BAtch sparge mit dem restlichen 1/3 des Ausschlagvolumens +20% "Bonus", welches entsprechend nachgelegt wird. Parallel wird der HG zum kochen gebracht.
  • Kochdauer: 80min, Whirlpool und anschließendes Umschlauchen bei knapp <80°C über den Auslasshahn (also von unten) in den Edelstahlgärtank
  • Abkühlen ü.N. und am nächsten Tag Hefezugabe.
Alleine durch den Wegfall der Läuterruhe von 30 min und das Läutern von nochmals 30-60min, dem sofortigen Aufheizen der noch warmen/heißen Maische ohne klassisch zu läutern, und dem ü.N. kühlen spare ich mir vermutlich 3-3,5h. :thumbsup :thumbsup :thumbsup

Über Anmerkungen oder weitere Ideen bin ich gern zu haben...

Ich werde berichten...

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#22

Beitrag von DerDallmann » Dienstag 6. August 2019, 07:42

Kolbäck hat geschrieben:
Montag 5. August 2019, 18:31
Ich mache auch fast immer high-gravity, v.a. weil bei mir die Sudpfanne der limitierende Faktor ist. Aber das schnellere Abkühlen weiß ich auch sehr zu schätzen! Ich rechne mir per Mischkreuz die Zieltemperatur vor dem Verdünnen aus und seihe bei dieser aus der Pfanne in den Gäreimer ab, wo das kalte Wasser vorgelegt ist. So behält man die höhere Temperaturdifferenz bis zum Ende des Kühlens, was es effektiver und schneller macht.
Das probiere ich mal aus. Ich teile meine Sude zwar idR auf 2 Gäreimer auf, was dieses Vorgehen etwas umständlich macht, trotzdem danke für den Tipp.
Mit freundlichen Grüßen,

Johst

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#23

Beitrag von emjay2812 » Dienstag 6. August 2019, 08:17

Es gibt doch beim Brauen Zeitfenster. Mit einer guten Temperatursteuerung braucht man das Maischen nicht zu überwachen, ca. 70 Minuten gewonnen. Genauso kann man während des Hopfenkochen etwas anderes machen.

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#24

Beitrag von Bieriges » Dienstag 6. August 2019, 08:59

emjay2812 hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 08:17
Es gibt doch beim Brauen Zeitfenster. Mit einer guten Temperatursteuerung braucht man das Maischen nicht zu überwachen, ca. 70 Minuten gewonnen. Genauso kann man während des Hopfenkochen etwas anderes machen.
Es geht mir weniger um die freie Zeit während des Brauens sondern mehr um das schnellere fertigwerden am Brautag, besonders um zb. auch mal nach Feierabend brauen zu können
:Drink

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Ladeberger
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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#25

Beitrag von Ladeberger » Dienstag 6. August 2019, 10:08

Hallo Jo,
Bieriges hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 06:43
Malz konditionieren wie gehabt am Vortag genauso wie der gesamte Aufbau
Konditionierung am Abend vorher würde ich als wirkungslos bis kontraproduktiv bezeichnen. Die Konditionierung wird unmittelbar vor dem Schrotvorgang abgeschlossen, denn es ist eben gerade ein Gradient im Wassergehalt zwischen Spelze (⇑ 2-2,5%) und Korninnerem (⇑ max. 0,5%) erwünscht.
  • Das Volumen an Ausschlagwasser inkl. Verdunstungsvolumen wird zu 2/3 beim HG verwendet
  • Gemaischt wird mittels BIAB (bei 10L ist das Händelbar) und Kombirast
  • Anschließend BAtch sparge mit dem restlichen 1/3 des Ausschlagvolumens +20% "Bonus", welches entsprechend nachgelegt wird. Parallel wird der HG zum kochen gebracht.
Gerade wenn Zeit ein Faktor ist, sollte man sich ein Vorgehen zurechtlegen, bei dem am Ende die erwünschte Stammwürze herauskommt. Bei einer Vokabel wie "Bonus" habe ich die Befürchtung, dass dann um Mitternacht das Problem-Management rund um eine verfehlte Stammwürze anfängt.

Schau mal hier rein: http://www.brewrecipedeveloper.de/misc/ ... rdamp.html

Und dann hier rein: http://www.brewrecipedeveloper.de/misc/ ... ation.html
  • Kochdauer: 80min, Whirlpool und anschließendes Umschlauchen bei knapp <80°C über den Auslasshahn (also von unten) in den Edelstahlgärtank
  • Abkühlen ü.N. und am nächsten Tag Hefezugabe.
Das Übernachtabkühlen ist m.E. am falschen Ende gespart. Die thermische Belastung und das mikrobiologische Risiko gegenüber aktiver Kühlung ist enorm. Beispielsweise mit einem Plattenwärmetauscher lässt sich eine signifikante Abkühlung direkt beim Umschlauchen realisieren, es entsteht kaum Zeitverlust. Für die letzten paar Kelvin kann man sich auch gerne 1-2 kg Eis bevorraten, die nach alter Manier des "Eisschwimmers" zum Eisnatz gelangen. (Vgl. Museumsstück: https://www.hochholzer.com/de/shops/Dek ... -in-Kupfer)

Gruß
Andy

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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#26

Beitrag von Kolbäck » Dienstag 6. August 2019, 10:18

Ladeberger hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 10:08
Für die letzten paar Kelvin kann man sich auch gerne 1-2 kg Eis bevorraten, die nach alter Manier des "Eisschwimmers" zum Eisnatz gelangen. (Vgl. Museumsstück: https://www.hochholzer.com/de/shops/Dek ... -in-Kupfer)
Sehr schön, danke für die Inspiration! Jetzt weiß ich, wozu das 7L-Kupfer-Dings benutzt wird, das mir eine Tante neulich geschenkt hat. :thumbsup
(Bei UG dauern die letzten paar Grad nämlich auch mit meinem sehr kaltem Leitungswasser nervig lange.)
--
Viele Grüße, Thomas
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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#27

Beitrag von Bieriges » Dienstag 6. August 2019, 10:29

Hallo Andy,
Ladeberger hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 10:08
Hallo Jo,
Bieriges hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 06:43
Malz konditionieren wie gehabt am Vortag genauso wie der gesamte Aufbau
Konditionierung am Abend vorher würde ich als wirkungslos bis kontraproduktiv bezeichnen. Die Konditionierung wird unmittelbar vor dem Schrotvorgang abgeschlossen, denn es ist eben gerade ein Gradient im Wassergehalt zwischen Spelze (⇑ 2-2,5%) und Korninnerem (⇑ max. 0,5%) erwünscht.

Sorry, klar! Erst konditionieren und dann direkt Schroten, und das alles am Abend vorher, hatte ich vergessen zu schreiben. Das gehört für mich so zusammen, dass ich meist nur eins sage, das andere aber gleichzeitig meine :thumbup

  • Das Volumen an Ausschlagwasser inkl. Verdunstungsvolumen wird zu 2/3 beim HG verwendet
  • Gemaischt wird mittels BIAB (bei 10L ist das Händelbar) und Kombirast
  • Anschließend BAtch sparge mit dem restlichen 1/3 des Ausschlagvolumens +20% "Bonus", welches entsprechend nachgelegt wird. Parallel wird der HG zum kochen gebracht.
Gerade wenn Zeit ein Faktor ist, sollte man sich ein Vorgehen zurechtlegen, bei dem am Ende die erwünschte Stammwürze herauskommt. Bei einer Vokabel wie "Bonus" habe ich die Befürchtung, dass dann um Mitternacht das Problem-Management rund um eine verfehlte Stammwürze anfängt.

Ich glaube wir haben aneinander vorbei geredet.
Ich würde die Stw. des HG messen und die des NG (inkl. Bonus) über das Mischungskreuz kann man dann die benötigte Menge des NG nehmen um auf auf die gewünschte Stw (+Verdampfung) zu kommen.
Ich glaube, dass dieses Vorgehen (beonders beim allerersten Mal) besser ist, als am Ende zu wenig NG zu haben, und dann die StW wesentlich höher einzustellen, oder mit Wasser zu verdünnen.
By the way: den Rest des NG kann man zum Hefe hochpäppeln nutzen :Bigsmile

  • Kochdauer: 80min, Whirlpool und anschließendes Umschlauchen bei knapp <80°C über den Auslasshahn (also von unten) in den Edelstahlgärtank
  • Abkühlen ü.N. und am nächsten Tag Hefezugabe.
Das Übernachtabkühlen ist m.E. am falschen Ende gespart. Die thermische Belastung und das mikrobiologische Risiko gegenüber aktiver Kühlung ist enorm. Beispielsweise mit einem Plattenwärmetauscher lässt sich eine signifikante Abkühlung direkt beim Umschlauchen realisieren, es entsteht kaum Zeitverlust. Für die letzten paar Kelvin kann man sich auch gerne 1-2 kg Eis bevorraten, die nach alter Manier des "Eisschwimmers" zum Eisnatz gelangen. (Vgl. Museumsstück: https://www.hochholzer.com/de/shops/Dek ... -in-Kupfer)
Ja, da magst du Recht haben :Grübel :thumbup

Gruß und Dank
Jo

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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#28

Beitrag von DevilsHole82 » Dienstag 6. August 2019, 11:44

Bieriges hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 10:29
Sorry, klar! Erst konditionieren und dann direkt Schroten, und das alles am Abend vorher, hatte ich vergessen zu schreiben. Das gehört für mich so zusammen, dass ich meist nur eins sage, das andere aber gleichzeitig meine :thumbup
Moment, das ist so aber auch nicht sinnvoll. Die hohe Feuchtigkeit im Schrot schafft ein hervorragendes Milieu für allerlei Mikroorganismen. Das konditionierte Malze oder Schrot möchte ich nicht länger als zwei Stunden stehen lassen.

Wenn Du unbedingt am Tag vorher Schroten möchtest, würde ich auf Konditionieren verzichten.
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.

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Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?

#29

Beitrag von Ladeberger » Dienstag 6. August 2019, 11:55

Ja, geschrotetes und angefeuchtes Malz über Nacht stehen lassen ist eine weitere "Zeitoptimierung" aus der Kategorie: Viel Risiko für geringsten Nutzen. Neben der Mikrobiologie kommt auch hier wieder Oxidation ins Spiel.

Wenn das Malz abgewogen und die Schrotmühle aufgebaut ist, dann ist es doch innerhalb von einer Minute konditioniert und selbst mit den kleinsten Schrotmühlen in 5 min durchgelassen.

Gruß
Andy

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Re: 2-vessel-biab statt (Re: Brauzeitverkürzung: Keine Nachgüsse, was noch?)

#30

Beitrag von contraste » Dienstag 6. August 2019, 13:26

Bieriges hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 06:43
Anschließend Batch Sparge mit dem restlichen 1/3 des Ausschlagvolumens +20% "Bonus" ...
moin Jo, nocheinmal,

bei mir haben sich die Werte aus dem "kleinen Brauhelfer" (KBH) als real eintreffend bestätigt, trotz batch-sparging.
Ich würde daher auch eher plädieren, auf den +20% Bonus zu verzichten. Das hieße nur, die Würze zu früh zu verdünnen. Das kann man später immer noch mit abgekochtem Wasser erreichen.

Mahlen tue ich auch eher parallel zum Aufheizen des HG, das ist bei mir fast zeitlich ähnlich (obwohl ich in der 20l-Klasse unterwegs bin).

toi toi toi für deinen kommenden Sud.
:Drink

joerch
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