Nachguss aus dem Wasserhahn?

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Saufen-Hannover
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Nachguss aus dem Wasserhahn?

#1

Beitrag von Saufen-Hannover » Sonntag 6. Oktober 2019, 14:12

Hallo.

Bestehen Bedenken, wenn man den Nachguss aus dem Wasserhahn (60 Grad) nimmt?
Ich habe gelesen, dass das Wasser 75 Grad haben soll...

Viele Grüße
:)
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#2

Beitrag von DerDallmann » Sonntag 6. Oktober 2019, 14:16

Ist nicht optimal, aber auch kein Beinbruch. Funktioniert!
Mit freundlichen Grüßen,

Johst

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#3

Beitrag von Alt-Phex » Sonntag 6. Oktober 2019, 16:13

Kanst du ruhig so machen.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#4

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 6. Oktober 2019, 16:17

Geht. Hängt natürlich auch von den Wasserwerten und vom Bierstil ab.
Ein Pils würde ich zum Beispiel nicht unbedingt mit Nachgüssen mit bretthartem Wasser aus dem Hahn versauen.
"Da braut sich was zusammen ... "
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#5

Beitrag von Saufen-Hannover » Sonntag 6. Oktober 2019, 16:20

Ah, okay, danke!
Dann muss ich mir zunächst keinen Topf kaufen.

Es soll ein obergäriges werden. :)
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#6

Beitrag von JohnBest » Montag 7. Oktober 2019, 14:15

Welche Rolle spielt die Nachguss-Temperatur dabei? Welche Auswirkung auf den Geschmack bzw. Ausbeute gibt es wenn ich mit 20°C "warmen" Wasser den Nachguss laufen lasse?
Das ich eine längere Aufwärmzeit beim Würzekochen hab ist klar... aber ich dachte irgendwo gelesen zu haben das der Unterschied im Hobby bereich vernachlässigbar ist... ist natürlich Definitionssache bzw Anspruchssache...

In meinem Fall will ich aber kein Leitungswasser nehmen weil es ca 14° RA hat und verwende das aus dem Nachbardorf mit 4,7° RA. Und ein extra Kocher nur für den Nachguss will ich eigentlich vermeiden...

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#7

Beitrag von clmnsk » Montag 7. Oktober 2019, 14:46

JohnBest hat geschrieben:
Montag 7. Oktober 2019, 14:15
Welche Rolle spielt die Nachguss-Temperatur dabei? Welche Auswirkung auf den Geschmack bzw. Ausbeute gibt es wenn ich mit 20°C "warmen" Wasser den Nachguss laufen lasse?
Das ich eine längere Aufwärmzeit beim Würzekochen hab ist klar... aber ich dachte irgendwo gelesen zu haben das der Unterschied im Hobby bereich vernachlässigbar ist... ist natürlich Definitionssache bzw Anspruchssache...

In meinem Fall will ich aber kein Leitungswasser nehmen weil es ca 14° RA hat und verwende das aus dem Nachbardorf mit 4,7° RA. Und ein extra Kocher nur für den Nachguss will ich eigentlich vermeiden...
Die Viskosität ist höher bei der Abläutertemperatur, das erleichtert das läutern.
Ich braue auch nur mit Kessel + Thermobehälter und nehme entweder den Nachguss aus dem Hahn oder benutze meinen größten Kochtopf auf dem Herd und fülle den kontinuierlich wieder auf.
Grüße, Clemens
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#8

Beitrag von Sebasstian » Montag 7. Oktober 2019, 15:03

Hi zusammen,
nur so'n Gedanke...
Wäre es nicht ein guter Kompromiss, wenn man Batch-Sparge macht (sagen wir den NG in 2-3 Batches aufteilt) und vor jedem Batch Nachguss einen kleinen, unbeheizten Behälter mit heißem Wasser aus dem Hahn füllt (was der Hahn halt so hergibtan Temp.). Dann hätte man die Möglichkeit jeweils zB mit Milchsäure eine Basis-Wasserbehandlung zu machen um die RA einzustellen.
Nachteile:
- komplexere Wasserbehandlungen sind nur für Hauptguss möglich
- ich brauche trotzdem noch einen NG Behälter

Vorteile:
- der NG Behälter kann deutlich kleiner sein (~ 1/3)
- der Behälter kann unbeheizt sein
- Grundlegende Wasseraufbereitung ist trotzdem möglich im Vergleich zu 'direkt aus den Hahn'
Grüße,
Sebastian

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#9

Beitrag von Brauturm » Montag 7. Oktober 2019, 19:03

normalerweise heizt ein 100 l Cumulus/Speicher/Boiler auf 77¨Grad , ist regulierbar

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#10

Beitrag von Scheibelhund » Montag 7. Oktober 2019, 19:28

Ich mache den Nachguß seit jeher mit dem Warmwasser aus der Zentralheizung. Das hat dann gut 50° C. Wenn man das Wasser bis auf 77 ° erhitzen wollte hätte man laufend eine verkalkte Heizung.
Im Winter trink' ich und singe Lieder
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und kommt der Frühling, trink' ich wieder,
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#11

Beitrag von seriously » Dienstag 8. Oktober 2019, 11:28

Beinflussen Nachgüsse bei 60°C nicht auch die Aktivität der Enzyme? Wenn die Beta-Amylasen wieder starten weil die Temperatur fällt dürften doch einige längerkettige Zuckermoleküle konsumiert werden.

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#12

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 8. Oktober 2019, 11:43

Die Alphaamylase ist bei 78°C noch nicht denaturiert. Das ist auch so gewollt, damit auch noch die Stärke zerhackt wird, die ggf. noch beim Läutern in Lösung geht.
Bereits denaturierte Enzyme könnten durch einfaches Absenken der Temperatur auch nicht wieder reaktiviert werden. Einmal kaputt - endgültig kaputt.
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#13

Beitrag von Brauwolf » Dienstag 8. Oktober 2019, 12:51

clmnsk hat geschrieben:
Montag 7. Oktober 2019, 14:46
Die Viskosität ist höher bei der Abläutertemperatur, das erleichtert das läutern.
Ich braue auch nur mit Kessel + Thermobehälter und nehme entweder den Nachguss aus dem Hahn oder benutze meinen größten Kochtopf auf dem Herd und fülle den kontinuierlich wieder auf.
Die Viskosität der Würze sinkt bei steigender Temperatur (Zitat Wikipedia: "Je größer die Viskosität ist, desto dickflüssiger (weniger fließfähig) ist das Fluid; je niedriger die Viskosität, desto dünnflüssiger (fließfähiger) ist es"), warmes Wasser kann mehr Extrakt aufnehmen als kaltes.
Es geht einzig um die Erhöhung der Ausbeute und um Zeitersparnis, mehr nicht. Auf den Geschmack hat die Nachgusstemperatur keinen Einfluss, tote Enzyme werden auch nicht reanimiert.
Der Logik nach müsste dann Nachgusswasser mit 99° die beste Ausbeute bringen - im Prinzip ja, aber ab 80° werden Gerbstoffe aus den Spelzen gelöst, die man im Bier nicht haben will. Deshalb ist bei 78° Schluss. Und wenn das Nachgusswasser bloß lauwarm ist, macht das auch nichts.

Cheers, Ruthard
Wir haben alle den gleichen Himmel, aber nicht denselben Horizont.
Mein Blog: Brew24.com

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#14

Beitrag von fg100 » Dienstag 8. Oktober 2019, 12:53

Ich weiß jetzt nicht ob das einen Einfluss hat. Aber viele Warmwasserspeicher besitzen eine Opferanode aus Magnesium. Aus meinen bescheidenen Chemiekenntnissen folgere ich dass dadurch (viele ?) Magnesiumionen die momentan im Boiler "wandern" den Magnesiumanteil drastisch erhöhen. Müsste dann doch auch einen erhebliche Auswirkung auf das Bier haben.

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#15

Beitrag von hiasl » Dienstag 8. Oktober 2019, 13:26

fg100 hat geschrieben:
Dienstag 8. Oktober 2019, 12:53
Ich weiß jetzt nicht ob das einen Einfluss hat. Aber viele Warmwasserspeicher besitzen eine Opferanode aus Magnesium. Aus meinen bescheidenen Chemiekenntnissen folgere ich dass dadurch (viele ?) Magnesiumionen die momentan im Boiler "wandern" den Magnesiumanteil drastisch erhöhen. Müsste dann doch auch einen erhebliche Auswirkung auf das Bier haben.
Das ist halb so wild. Die Opferanode schützt ja nur den Stahlkessel vor Oxidation. Die tritt ansonsten durch den natürlichen Sauerstoffgehalt im Wasser auf. So eine Anode hält normalerweise ziemlich lange, denn sie wird nur dann gelöst, wenn Rost entstehen würde (Elektrochemische Spannungsreihe) und nicht durch den Wasserkontakt. Daher steigt der Magnesiumgehalt nicht merklich an.
Mehr vom Bier wissen, heißt: Mehr vom Bier haben!

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#16

Beitrag von fg100 » Dienstag 8. Oktober 2019, 13:39

hiasl hat geschrieben:
Dienstag 8. Oktober 2019, 13:26
Daher steigt der Magnesiumgehalt nicht merklich an.
Weißt du das (z.B. durch Überprüfung), oder vermutest du das?

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#17

Beitrag von seriously » Dienstag 8. Oktober 2019, 15:00

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Dienstag 8. Oktober 2019, 11:43
Die Alphaamylase ist bei 78°C noch nicht denaturiert. Das ist auch so gewollt, damit auch noch die Stärke zerhackt wird, die ggf. noch beim Läutern in Lösung geht.
Heißt das dass die Betaamylase denaturiert sind wenn die Maische mal auf 78°C war?
Diese ist ja für die kurzen Zuckerketten verantwortlich und dann bei den niedrigeren 60er Temperaturen aktiv.

Und was wenn vor dem Abläutern nie auf 78°C aufgeheizt wurde? (Was ja hier im Forum an vielen Stellen propagiert wird)

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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#18

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 8. Oktober 2019, 15:01

Ja, bei 78°C ist die Betaamylase zuverlässig hinüber.
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#19

Beitrag von Odin » Dienstag 8. Oktober 2019, 15:06

Vermutlich weiß er das. Habe ich jedenfalls auch so in Erinnerung.

Edith: Bezog sich auf die Opferanode.
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Re: Nachguss aus dem Wasserhahn?

#20

Beitrag von hiasl » Mittwoch 16. Oktober 2019, 12:22

fg100 hat geschrieben:
Dienstag 8. Oktober 2019, 13:39
hiasl hat geschrieben:
Dienstag 8. Oktober 2019, 13:26
Daher steigt der Magnesiumgehalt nicht merklich an.
Weißt du das (z.B. durch Überprüfung), oder vermutest du das?
Das ist Chemie. Der Stahlkessel ist normalerweise durch eine Schutzschicht (z.B. Emaille) geschützt. Für den Fall von Fehlstellen in diesem Schutz muss nun das Eisen vor Korrosion durch Sauerstoff zusätzlich elektrochemisch geschützt werden. Dabei gibt das Magnesium aufgrund seiner Position in der elektrochemischen Spannungsreihe Elektronen anstelle des Eisens ab und beugt somit dessen Korrosion vor, wobei der Sauerstoff mit dem Wasser zu OH- reagiert.
Nehmen wir also an, dass das kalt (~10 °C) einströmende Wasser 11,3 mg/l Sauerstoff gelöst hat (Sättigung bei 1013 mbar), dann betrüge im Falle der vollständigen Reaktion dieses Sauerstoffs die Zuhahme der Magnesiumionenkonzentration 17,0 mg/l. Das ist also worst case! Im Normalfall reagiert der Sauerstoff ja nicht vollständig, sondern wird durch die Erwärmung ausgetrieben oder mit dem fließenden Wasser weitergetragen, zudem ist die Reaktionsgeschwindigkeit konzentrationsabhängig, d.h. mit niedriger werdendem Sauerstoffgehalt sinkt diese ebenso. Außerdem gehen wir ja mal nicht davon aus, dass der Kessel unendlich viele Fehlstellen aufweist. Denn die sind ja die Grundvoraussetzung für die Abnutzung der Opferanode.

Edit: Korrektur, denn die Opferanode ist natürlich auch der Korrosion durch den Sauerstoff unterworfen. Ändert aber nichts am worst case Szenario.
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