Quetschen des Malzes Basics

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Quetschen des Malzes Basics

#1

Beitrag von Troubadix » Mittwoch 20. Mai 2020, 07:34

Hallo Zusammen,
für den Grainfather habe ich das Malz mit ca. 1,2mm gequetscht. Das ging wesentlich besser beim läutern als mit dem fertig geschroteten Malz vom Lieferanten. Nach der Grainfather-Ära werden die Karten neu gemischt. Mein Treberbett wird im 50L-Thermopot mit MattMill-Läuterblech anders aussehen. Jetzt stelle ich mir die Frage: welcher Quetsch-Grad ist wohl am geeignetsten? Vieles habe ich hier in unterschiedlichen Post`s gelesen. Manches einleuchtend (unter Berücksichtigung bereits gesammelter, eigener Erfahrung), manches bleibt fraglich. Unterschiedliches Malz = unterschiedliche Walzenabstände. So fein wie nötig, so grob wie möglich (oder so ähnlich). Alles gut soweit! Was mir abschließend fehlt ist eine gute zusammenhängende Erklärung oder Tabelle, wo die Basics zusammengefasst und schlüssig geschrieben stehen. Gibt es so etwas? Oder muss ich das Rad für mich neu erfinden..? :Smile
Viele Grüße
Troubadix

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Commander8x
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Re: Quetschen des Malzes Basics

#2

Beitrag von Commander8x » Mittwoch 20. Mai 2020, 10:21

Wie wärs damit:

Schrotzusammensetzung (Prof. Dr. Michael Eßlinger, TU Bergakademie Freiberg: Technologie der Bierherstellung , S.4)

Gruß Matthias
-----------------------------------------
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Re: Quetschen des Malzes Basics

#3

Beitrag von bwanapombe » Mittwoch 20. Mai 2020, 10:40

Hallo Troubadix,

ich benutze nie etwas anderes als eine Corona. Ich überprüfe die Einstellung der Quetsche zu Beginn jedes Mal und gehe rein nach "Augenmaß" vor. D.h. ich lasse das erste Schrot in die Hand fallen und schaue, ob alle Körner aufgebrochen sind. Dann vergrößere ich den Abstand stückweise, bis ganze Körner durchfallen und gehe dann einen Schritt zurück.

Besonders wenn ich mit hohem Weizenanteil braue, lege ich Priorität auf möglichst gut erhaltene Spelzen. Bei reiner Gerstenmalzschüttung probiere ich auch mal einen Ticken feiner zu schroten.

Um die Zusammensetzung zu ermitteln, bräuchte man entsprechende Laborsiebe.

Im Hobbybereich ist es sicher einfacher, die Ausbeute im Blick zu behalten und wenn sie nicht gefällt, beim nächsten Sud nachzusteuern (Schrot zu grob). Zu feines Schrot wird zuerst mit Läuterproblemen quittiert.

Um es kurz zu machen, Du wirst Dich wahrscheinlich vorsichtig rantasten wollen, sicherheitshalber erstmal grober auf intakte Spelzen optimiert.

Dirk
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Re: Quetschen des Malzes Basics

#4

Beitrag von Troubadix » Mittwoch 20. Mai 2020, 14:17

Commander8x hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 10:21
Wie wärs damit:

Schrotzusammensetzung (Prof. Dr. Michael Eßlinger, TU Bergakademie Freiberg: Technologie der Bierherstellung , S.4)

Gruß Matthias
Wow..sehr interessant! Danke für den Link!
Viele Grüße
Troubadix

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Re: Quetschen des Malzes Basics

#5

Beitrag von Troubadix » Mittwoch 20. Mai 2020, 14:27

bwanapombe hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 10:40
Hallo Troubadix,

ich benutze nie etwas anderes als eine Corona. Ich überprüfe die Einstellung der Quetsche zu Beginn jedes Mal und gehe rein nach "Augenmaß" vor. D.h. ich lasse das erste Schrot in die Hand fallen und schaue, ob alle Körner aufgebrochen sind. Dann vergrößere ich den Abstand stückweise, bis ganze Körner durchfallen und gehe dann einen Schritt zurück.

Besonders wenn ich mit hohem Weizenanteil braue, lege ich Priorität auf möglichst gut erhaltene Spelzen. Bei reiner Gerstenmalzschüttung probiere ich auch mal einen Ticken feiner zu schroten.

Um die Zusammensetzung zu ermitteln, bräuchte man entsprechende Laborsiebe.

Im Hobbybereich ist es sicher einfacher, die Ausbeute im Blick zu behalten und wenn sie nicht gefällt, beim nächsten Sud nachzusteuern (Schrot zu grob). Zu feines Schrot wird zuerst mit Läuterproblemen quittiert.

Um es kurz zu machen, Du wirst Dich wahrscheinlich vorsichtig rantasten wollen, sicherheitshalber erstmal grober auf intakte Spelzen optimiert.

Dirk
MMhh..OK, so ähnlich habe ich bereits befürchtet..vermutlich die allerbeste Variante dafür, nach Gefühl und mit gewonnener Erfahrung da ran zu gehen... DANN wären natürlich Bilder, die so einen entsprechenden Zustand bestmöglich zeigen, von großem Wert!
Viele Grüße
Troubadix

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Re: Quetschen des Malzes Basics

#6

Beitrag von Braufex » Mittwoch 20. Mai 2020, 15:04

Troubadix hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 14:27
DANN wären natürlich Bilder, die so einen entsprechenden Zustand bestmöglich zeigen, von großem Wert!
Servus Troubadix,
bei Speidel haben sie unter Tipps und Tricks recht gute Schrot-Bilder für 1,2 / 1,4 / 1,6 mm eingestellt:
https://www.speidels-braumeister.de/de/ ... ricks.html

Für meinen Braumeister_10 schrote ich mit 1,6 - 1,7mm und komme gut damit klar (SHA ca. 62-64%).
Habe keine Erfahrung mit dem Grainfather, ist aber ja auch ein Malzrohr-Automat.
Wichtig finde ich folgenden Satz:
Wenn ganze Körner beim Draufdrücken nicht zerbrechen, wurde zu grob geschrotet.
Ich habe nach dem Schroten viele ganze Körner, durch leichten(!) Druck mit Daumen und Zeigefinger zerbricht das Malz.
Die Spelzen sollten so gut wie möglich erhalten bleiben und es sollte wenig feines Mehl erzeugt werden.

Für meinen Einkocher schrote ich mit 1,4 - 1,5 mm, wobei ich schon überlege auf die gleiche Einstellung wie beim BM10 zu gehen.

Gruß Erwin

uli74
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Re: Quetschen des Malzes Basics

#7

Beitrag von uli74 » Mittwoch 20. Mai 2020, 20:55

Nun kann man aber den Anspruch eines Malzrohres nicht mit dem eines Läuterbodens/Lochblechs... vergleichen, die Beiden verhalten sich da viel robuster.

Wichtig ist mir (ich läutere mit einem Lochblech mir 2mm-Löchern), dass die Spelzen möglichst nicht zerrissen werden, gewerbliche Brauereien achten ausserdem auf den Mehl-, Grob- und Feingrießanteil. Als Hobbybrauer tut man sich damit etwas schwerer.

Meine Mühle ist generell auf 1,1mm Walzenabstand eingestellt, das funktioniert recht gut. Was meiner Meinung nach aber fast wichtiger ist als die auf 1/10 genaue Einstellung der Quetsche, ist die Art wie man Läutert. Da wird oft viel Potential verschenkt.
Gruss

Uli

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Re: Quetschen des Malzes Basics

#8

Beitrag von Matthias H » Mittwoch 20. Mai 2020, 22:57

Hallo,
ja, es gibt da sehr oft Unsicherheiten, da irgendwelche Empfehlungen selten auf alle Anwendungsfälle zutreffen.

Ich habe da mal was aufgeschrieben.

Zunächst muss man klären, wie welches Schrot eingesetzt und weiterverwendet werden soll. Danach wie ein Schrot erzeugt werden soll.

Anforderungen an das Schrotgut je nach:

Art des Maischeystems:
    • Zirkulationssystem (meist spezielles, eher grobes Schrot zur Funktion erforderlich)
    • oder druckloses Maischen (meist problemloses Maischen)
    Art des Läutersystems:
    • Läuterblech, Läuterboden (Schlitzbreite oder Lochdurchmesser), „Läuterhexe“, „Panzerschlauch“, Windel, „doppelter Oskar“, etc.
    • Läutern mittels Schwerkraft oder mit Unterdruck, z.B. mit Pumpen
    Zielsetzung: Ausbeute oder Läutergeschwindigkeit?

    Einflussfaktoren zur Schrotqualität vom Schrotgut:
    • Malz- oder Rohfruchtsorte
    • Qualität
    • Feuchte des Schrotguts
      Einflussfaktoren zur Schrotqualität vom Schrotvorgang:
      • Art der Zerkleinerung: Quetschen, Zerreiben, Zerschlagen
        • Bei drehenden „Malzmühlen“: Umfangsgeschwindigkeit s.u.
        • Walzenspalt, Scheibenabstand
        • Temperatur (durch Reibung)

        Einflussfaktoren zur Schrotqualität bei „Malzmühlen“ mit Walzen:
        • Walzendurchmesser: große Durchmesser vorteilhaft beim Einzug des Malzes
        • Walzenoberfläche: glatt oder flach kanneliert (sehr tiefgreifendes Zerkleinern), fein bis grob strukturiert (höherer Grobgriesanteil möglich, z.B. für Zirkulationssysteme)
        • Walzenspalt
        der ergibt individuell bei jeder Malzquetsche unterschiedlicher Walzenform auch unterschiedlich fraktioniertes Schrot.
        • Dauerhafter „Grip“ und/oder Synchronisation der Walzen (erforderlich bei kleineren Walzendurchmessern, vorteilhaft zum sicheren Einzug, Vermeidung von zerriebenen Körnern)
          • Umdrehungsgeschwindigkeit: Bei hohen Drehzahlen wird physikalisch bedingt meist mehr Mehl erzeugt.

          Im Hobbybrauerbereich stehen meist keine professionellen Schrotmühlen mit mehreren, oft sehr großen Walzen, z.B. mit kannelierter Oberfläche, Spelzenabtrennung, etc. zur Verfügung. Es gibt semiprofessionelle Geräte, z.B. von Fa. Sommer.
          Siebanalysen sind praktisch nur Profis möglich.
          Die Prozesssicherheit und das letzte Optimieren der Ausbeuten hat im Hobbybereich keine Systemrelevanz.
          Schrote mit Walzenspalten aus dem Lehrbuch (z.B. 0,6mm im letzten Walzenpaar) für professionelle Brauanlagen können im Hobbybereich nur schwer weiterverarbeitet werden.

          Fotografien von Malzschrot haben meist kaum Aussagekraft, weil sich das oberflächliche Bild des Malzschrots nach Rütteln der Probe vollkommen verändert.
          ich habe 1986 das erste Malz durch eine Küchenmaschine gejagt und die Maische mit einer Windel geläutert. Irgendwie kriegt mans hin.

          Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, Erfahrungen zu machen und zu sammeln:
          Für ein individuelles Idealschrot gibt es im Hobbybreich kein allgemeingültiges Patentrezept.
    Viele Grüße
    Matthias H

    Was lange gärt, wird endlich gut.
    Erfinder u. Entwickler des Läuterhexensystems
    und innovativer Malzschrotquetschen höchster Qualität

    Hausbräu seit 1986; MattMill seit 2006
    (Service und Fragen zur MattMill bitte nur per Mail)

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    Re: Quetschen des Malzes Basics

    #9

    Beitrag von Troubadix » Donnerstag 21. Mai 2020, 15:04

    Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Mein erster Sud mit der neuen Anlage wird ein dunkles Obergäriges werden. Mit Münchner dunkel Malz etwa 75%. Ich überlege, das Malz vor dem quetschen wieder zu befeuchten. Die Mühle werde ich testweise auf 1,1mm stellen und mir das geschrotete Malz ansehen. Je nach Läuterfähigkeit würde ich dann ggf. korrigieren. Ist das ein Plan?😏
    Viele Grüße
    Troubadix

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    Re: Quetschen des Malzes Basics

    #10

    Beitrag von bwanapombe » Donnerstag 21. Mai 2020, 15:13

    Klingt vernünftig. Ich würde aber schon mal beim Schroten schauen, ob ganze Körner durchgehen (bei 1.1 mm eher unwahrscheinlich) und wenn nötig gleich nachjustieren.

    Dirk
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    Re: Quetschen des Malzes Basics

    #11

    Beitrag von Matthias H » Donnerstag 21. Mai 2020, 15:54

    Hallo,
    das Theoretisieren mit Spaltmaßen bringt überhaupt nichts, wenn es keine deckungsgleichen Erfahrungswerte mit dem selben oder gleichen Setup unter gleichen Bedingungen gibt.
    Bei identischem Walzenspalt kommen bei verschiedenartigen Malzquetschen vollkommen andere Schrotzusammensetzungen heraus.
    Aus diesem und verschiedenen anderen Gründen ist es unerlässlich sich an das eigene Idealschrot für das eigene Setup heranzutasten.
    Man muss ja nicht gleich die ganze Schüttung durchlassen.
    Als Ausgangswert für einen ersten Versuch könnte irgendwas zw. 1,2 und 1,8mm, je nach Gesamtsystem, Läutersystem, Malzquetsche, Malz... dienen.
    Einfach selbst mal ausprobieren.
    Ein PiMa-korn hat übrigens ca. 2,5mm.
    Oberflächlich betrachtet intakt scheinende Körner nach dem Schroten können durchaus im Inneren geschrotet sein und nur noch von den Spelzen zusammen gehalten werden.
    Viele Grüße
    Matthias H

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    Re: Quetschen des Malzes Basics

    #12

    Beitrag von Bergbock » Donnerstag 21. Mai 2020, 15:58

    Also bei meinem Quetschbuddy gingen bei 1.2 mm beim Weizen doch etliche Körner durch. 1.6 oder 1.8 mm wären bei mir undenkbar.
    Allgemein muss ich eher bei minimalem Walzenabstand (0.8 - 0.9 mm) mahlen. Der Hersteller hat mir mitgeteilt, dass der ideale Walzenabstand auch sehr stark vom Antrieb abhängt. Wer high-speed mit Bohrmaschinenantrieb ran geht, braucht grössere Walzenabstände als jemand mit Handbetrieb auf der gleichen Mühle. War mir auch nicht bewusst aber seither gebe ich nichts mehr auf ideale Walzenabstandsvorgaben.

    Letzten Endes führt an der visuellen Beurteilung des Schrotes kein Weg vorbei.

    Frank

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    Re: Quetschen des Malzes Basics

    #13

    Beitrag von Troubadix » Donnerstag 21. Mai 2020, 20:23

    OK...visuelle Beurteilung hatte ich ja angekündigt. Sensibilisiert bin ja jetzt und werde testen, wie es so rauskommt. Ich habe bisher mit dem Akkuschrauber angetrieben mit langsamer Geschwindigkeit. Gemessen habe ich das nicht.. Der Drucktest ist sicherlich eine Möglichkeit, scheinbar geschlossene Spelzen zu testen. Mit dem Grainfather hatte ich eine Ausbeute von 58% (Durchschnitt).
    Viele Grüße
    Troubadix

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