Mittelalterliches Bier

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Mittelalterliches Bier

#1

Beitrag von Zwergen Bräu » Sonntag 16. Februar 2020, 01:02

Prostal zum Gruß

Hallo zusammen,

Ein paar Freunde und ich haben vor ein paar Jahren Spaß und freude am Mittelalter Hobby gefunden. Haben auch seit längerer Zeit eine eigene Lager Gruppe - >das nur als Info Teil für die Frage...

Wir arbeiten stetig daran unser Rahmen Programm für unserer mittelalter Lager Tage zu verbessern, erweitern und zu optimieren um den Besuchern auch etwas bieten zu können . Jetzt nun meine Frage wir haben uns überlegt auf Lager am mittelalter Markt Bier zu brauen bzw zu erstellen.

Das Produkt soll eine Form oder Art eines mittelalterlichen Bieres sein also nur natürliche Rohstoffe und Kessel sowie Feuer. Also nicht modernes.

Ich trinke selber mit leidenschaft gerne ein Bier aber habe mich mit dem herstellen selbst noch nicht beschäftigt.

Nun meine Frage: ist es möglich wenn man davon ausgeht man besorgt die nötigen Rohstoffe hat Wasser und Feuer... Ein mittelalterliches rohbier zu brauen? Und was benötigt man dafür? Ihr könnt davon ausgehen das dieses Bier keine Reifung außer von einer Nacht oder ein paar Stunden haben wird... Geht um erstem Sinne darum den Leuten so etwas näher zu bringen und das sie so ein ich nenne es mal urbier probieren (urbier deshalb weil nicht mit modernem bier vergleichbar.) und ob jemand ein Rezept für so ca. 5 Liter Bräu sud für den gegeben anlass hat oder Anhaltspunkte

Danke für eure Mühen

Grüße vom Zwerg

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Re: Mittelalterliches Bier

#2

Beitrag von Barney Gumble » Sonntag 16. Februar 2020, 07:26

Eine Würze die nur eine Nacht 'reift', ist ein süßes Hopfensäftchen, tut mir leid aber ein Bier braucht
(Und das war schon im MA so) ein bisschen mehr Zeit. Warum braut Ihr nicht vor auf dem vorhergehenden Lager und schenkt es dann aus und braut parallel rezeptgleich für das nächste?
Auf das Euch die Schwerter nicht ins Bier fallen mögen
:Wink
Prost

VG
Shlomo
Als ich von den schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich es sofort auf - das Lesen! (frei nach Henry Youngman) :Drink
Wenn ich nicht gleich antworte, liege ich unterm Zapfhahn :Bigsmile

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Re: Mittelalterliches Bier

#3

Beitrag von Malzwein » Sonntag 16. Februar 2020, 07:27

Bier wird's nimmer, wenn ihr keine Zeit habt, denn die Gärung dauert ein paar Tage. Aber eine Würze ist mit einfachsten Mitteln herzustellen. Was der mittelalterliche Brauer an Teil generstionsalter Erfahrung mitbrachte, muss halt Google, Mathematik und der Handel liefern.

Feuer unterm Wasserkessel und ein Holzfass, um die Maische anzusetzen sind recht einfach. Um halbwegs den richtigen Temperaturbereich zu treffen, helfen einfache - vorher durchgeführte - Rechnungen. Zwei Scheffel kochendes und ein Scheffel kaltes Wasser mit zwei Scheffeln Malz vermischen in etwa, geläutert wird durch Stroh. Könnte etwas werden. Interessant wäre vielleicht noch Brotbier.

Als Rohstoff würde ich zwar fertiges Malz verwenden, aber statt Hopfenpellets historisch verwendete Kräuter wie Gagel. Da wissen andere mehr.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut!

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Re: Mittelalterliches Bier

#4

Beitrag von tinoquell » Sonntag 16. Februar 2020, 08:03

Guten Morgen,

ich bin kein Mittelalterexperte, habe aber mit einem guten Freund einmal am Johannes - Gaudium in Forst teilgenommen und dort (halbwegs) mittelalterlich Bier gebraut. Einige Erfahrungen:
Selbst als Hobbybrauer mit 15 Jahren im Hobby war es für mich sehr schwer, mit den -überaus interessierten- Leuten zu reden und trotzdem den Brauprozess auf offenem Feuer halbwegs im Blick zu behalten. Ich hatte mich daher für eine Kesselinfusion (bitte hier suchen) entschieden, da man hier nur heißes Wasser und keine Maische auf dem Feuer hat (siehe auch Kommentar von Malzwein). Im Rückblick kommt es bei solchen Veranstaltungen nicht darauf an, das perfekte Bier zu brauen, sondern eher eine gute Show abzuliefern. Rohstoffe in alten Eimern oder Tongefäßen ausstellen, Läutern über Stroh oder Wacholderzweigen und richtig lange Würzekochen um den guten Duft zu verbreiten. Ich habe von einigen Schaubrauern gehöhrt, die die Maische nach solchen Tagen einfach dem Erdboden übergeben. Ich selbst hatte damals die Würze am Abend angestellt und am zweiten Tag das schön überweißte Jungbier, bereits etwas prickelnd und noch sehr süß, zur Verkostung angeboten. Das lief sehr gut.
Bei jedem Schaubrauen wird dich jeder Besucher fragen, ob er auch was probieren kann. Am ersten Tag konnten sie allenfalls mal ein paar Tropfen aus der Maische "löffeln".

Ich wünsche euch viel Erfolg!
Tino

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Re: Mittelalterliches Bier

#5

Beitrag von Fe2O3 » Sonntag 16. Februar 2020, 11:19

Ich kann mich nur Shlomo anschließen:
Ein übernachtfertiges Bier hat es wohl nicht einmal im Mittelalter gegeben. Für die Show ist es natürlich toll, wenn direkt vor Ort gebraut wird - aber für das Verkosten wäre es sicher sinnvoll, ein paar Wochen zuvor bereits das "später fertige" Bier einzubrauen, um es auf dem Markt ausschenken zu können, bevor es komplett sauer geworden ist (saures Bier gehörte im Mittelalter dazu).

Wenn es euch nicht um eine pseudo-mittelalterliche Show, sondern um ein einigermaßen authentisches Erlebnis geht, solltet ihr/solltest du dich vielleicht in das Thema "Bierbrauen im Mittelalter" einarbeiten. Mit "Malz in einen über Feuer erhitzten Wasserkessel schütten" ist es nicht gegeben. Als Literatur kann ich " Beer in the Middle Ages and the Renaissance" von Richard W. Unger (2004) empfehlen - aber auch im Internet findet sich einiges.

Zu Malzweins Input - hopfenfreies (Gruit-)Bier - wäre noch hinzuzufügen, dass ihr bei richtig mittelalterlichem Bier auf einen hohen Anteil (klappt vllt sogar 100%?) Rauchmalz und dunklen Malzen zurückgreifen solltet, da der Großteil des Malzes im Mittelalter - vor der Erfindung der Heißluftdarre im frühen 19. Jahrhundert - über Feuer/im Rauch getrocknet wurde. Wahrscheinlich wird alleine durch dein Einsatz eines gewissen Prozentsatzes Rauchmalz euer Bier (ob authentisch oder nicht) zu einem ungewöhnlichen Erlebnis für die Besucher.

lG
Martin

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Re: Mittelalterliches Bier

#6

Beitrag von gulp » Sonntag 16. Februar 2020, 14:39

Der einzige Stilbruch ist die Zugabe von Bierhefe.
warum soll das ein Stilbruch sein? Auch im Mittelalter hat man mit Hefe gearbeitet.

Gruß
Peter
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Re: Mittelalterliches Bier

#7

Beitrag von flying » Sonntag 16. Februar 2020, 15:06

Was meinst Du woher die ganzen Namen wie Heffner, Gestner, Germer, Barmer, Bärmer usw. kommen? Aus dem 19. Jahrhundert eher nicht. Die Hefeexperten waren schon im Mittelalter Profis!

...wie auch der Rest des Brauens im Mittelalter mehr was für Profis war und nicht für Marktgaukler (ist nicht böse gemeint :Drink ).
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Re: Mittelalterliches Bier

#8

Beitrag von Beerkenauer » Sonntag 16. Februar 2020, 15:48

gulp hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 14:39
Der einzige Stilbruch ist die Zugabe von Bierhefe.
warum soll das ein Stilbruch sein? Auch im Mittelalter hat man mit Hefe gearbeitet.

Gruß
Peter
Im Mittelalter wusste man noch nix von der Existens der Hefe.
Daher steht doch auch im Original „Reinheitsgebot“ nur was von Wasser, Gerste u Hopfen. Die Hefe kam erst viel später dazu.
Die Biere damals sind spontan vergoren bzw. Ist die Hefe in Gärkeller vorhanden gewesen.


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Re: Mittelalterliches Bier

#9

Beitrag von gulp » Sonntag 16. Februar 2020, 16:00

Beerkenauer hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 15:48
gulp hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 14:39
Der einzige Stilbruch ist die Zugabe von Bierhefe.
warum soll das ein Stilbruch sein? Auch im Mittelalter hat man mit Hefe gearbeitet.

Gruß
Peter
Im Mittelalter wusste man noch nix von der Existens der Hefe.
Daher steht doch auch im Original „Reinheitsgebot“ nur was von Wasser, Gerste u Hopfen. Die Hefe kam erst viel später dazu.
Die Biere damals sind spontan vergoren bzw. Ist die Hefe in Gärkeller vorhanden gewesen.


Stefan
Aha, soso is des... dann gehts z.B.hier wohl um eine andere Hefe: http://www.hartbrunner.de/fakten/d_fakten.php?id=3229

Gruß
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Re: Mittelalterliches Bier

#10

Beitrag von §11 » Sonntag 16. Februar 2020, 16:12

Das die Hefe unbekannt ist wussten zumindest die Münchner und die Bamberger nicht (achso, die Londoner auch nicht)

Im der Bamberger Ungeldordnung von 1498 steht Hefe als Bierzutat drin.

Und nu?
„porro bibitur!“
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Re: Mittelalterliches Bier

#11

Beitrag von Fe2O3 » Sonntag 16. Februar 2020, 17:17

Um bei der aktuellen Diskussion zu schlichten:
gemeint war mit dem Silbruch sicher die REINZUCHT-Hefe.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die auch unter Heffnern im Mittelalter unbekannt war ;)

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Re: Mittelalterliches Bier

#12

Beitrag von Beerkenauer » Sonntag 16. Februar 2020, 17:22

§11 hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 16:12
Das die Hefe unbekannt ist wussten zumindest die Münchner und die Bamberger nicht (achso, die Londoner auch nicht)

Im der Bamberger Ungeldordnung von 1498 steht Hefe als Bierzutat drin.

Und nu?
Jan da kennst Du Dich sicherlich besser aus als ich. :Drink
Ich denke, dass sich unsere Aussagen nicht widersprechen. Hefe war im Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert) nicht bekannt bzw. wie die Hefe arbeitet.
Die von Euch erwähnten Daten sind ausgehendes Mittelalter und somit nicht in Widerspruch zu dem was ich geschrieben habe.

https://www.brauer-bund.de/index.php?id ... 8b6e145d3a

Ich lasse mich aber gerne korrigieren.
Stefan

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Re: Mittelalterliches Bier

#13

Beitrag von §11 » Sonntag 16. Februar 2020, 17:31

Beerkenauer hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 17:22
§11 hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 16:12
Das die Hefe unbekannt ist wussten zumindest die Münchner und die Bamberger nicht (achso, die Londoner auch nicht)

Im der Bamberger Ungeldordnung von 1498 steht Hefe als Bierzutat drin.

Und nu?
Jan da kennst Du Dich sicherlich besser aus als ich. :Drink
Ich denke, dass sich unsere Aussagen nicht widersprechen. Hefe war im Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert) nicht bekannt bzw. wie die Hefe arbeitet.
Die von Euch erwähnten Daten sind ausgehendes Mittelalter und somit nicht in Widerspruch zu dem was ich geschrieben habe.

https://www.brauer-bund.de/index.php?id ... 8b6e145d3a

Ich lasse mich aber gerne korrigieren.
Stefan
Das wird immer gerne angeführt das die Hefe nicht bekannt war und folglich nicht im Reinheitsgebot steht. Aber, als eines der Beispiele, ist ja die Ungeldordnung vor der bayerischen Landordnung von 1516 entstanden. Sie war also sehr wohl bekannt, könnte also auch 1516 auftauchen.

Wie du sagst, war die Funktion nicht bekannt. Man wusste aber sehr wohl das sie für die Gärung wichtig war. Genau so ging man davon aus das Hefe spontan während der Gärung entsteht und genau so muss man meiner Meinung nach die Landordnung von 1516 lesen. Es sind Zutaten die in die Brauerei eingebracht wurden, deshalb auch Gerste und nicht Gerstenmalz.

Aber das wird jetzt extrem OT

Gruß

Jan
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Re: Mittelalterliches Bier

#14

Beitrag von flying » Sonntag 16. Februar 2020, 17:48

Das die Funktion nicht bekannt war würde ich nicht sagen? Man benutzte im Mittelalter, nachgewiesenermaßen ab dem 15. Jahrhundert den Begriff "Ferment", abgeleitet vom lateinischen "fervimento" . Das ist ein zusammengesetzes Wort aus "fervere" (sieden, wallen, brausen) und "ment" (Werkzeug, Mittel). Wörtlich also "Gärungsmittel".
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Re: Mittelalterliches Bier

#15

Beitrag von §11 » Sonntag 16. Februar 2020, 18:24

flying hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 17:48
Das die Funktion nicht bekannt war würde ich nicht sagen? Man benutzte im Mittelalter, nachgewiesenermaßen ab dem 15. Jahrhundert den Begriff "Ferment", abgeleitet vom lateinischen "fervimento" . Das ist ein zusammengesetzes Wort aus "fervere" (sieden, wallen, brausen) und "ment" (Werkzeug, Mittel). Wörtlich also "Gärungsmittel".
Ich hab mich wohl ungenau ausgedrückt. Man wusste, wie ich ja auch geschrieben habe, das man Hefe für die Gärung braucht. Man kannte aber wahrscheinlich den Embden- Meyerhof- Parnas Pathway noch nicht :thumbsup

Pasteur und Liebig stritten sich noch in den 1850ern ob die Gärung eine Lebensäußerung ist (Pasteur) oder rein chemischer Natur (Liebig)
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Re: Mittelalterliches Bier

#16

Beitrag von flying » Sonntag 16. Februar 2020, 18:46

Jo klar, der Embden- Meyerhof- Parnas Weg wurde von den damals führenden Wissenschaftlern, den Alchimisten, noch Transmutation genannt.
Ein Ferment beschleunigt die Transmutation eines Stoffes. Also wird aus Würze Bier und aus Most wird Wein. Darüber hinaus glaubte man auch mittels transmutierenden Ferment den Stein der Weisen zu machen oder aus Stroh Gold zu spinnen...
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Re: Mittelalterliches Bier

#17

Beitrag von Malzwein » Sonntag 16. Februar 2020, 18:52

Thema verfehlt, sechs setzen ... :Greets

Jeder "Mittelaltermarkt" ist ein einziger Stilbruch und es gibt dort dutzende Dinge zu sehen, die mit dem Mittelalter so viel gemein haben wie ein Grainfather mit mittelalterlicher Handwerkskunst. Nichtsdestotrotz kann man ein schönes Mittelaltergefühl vermitteln, wenn über einem Feuer ein Topf hängt und etwas ähnliches wie "Bier" herauskommt, was es in irgendeiner Form damals unstrittiger Weise gegeben hat.

Ich bin übrigens der Ansicht, dass egal wie das Bier damals gemacht wurde, es vermutlich geschmacklich wenig mit dem zu tun hat, was wir heute Bier nennen.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut!

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Re: Mittelalterliches Bier

#18

Beitrag von flying » Sonntag 16. Februar 2020, 19:06

Ich hoffe doch, dass unser Mittelalter-Freund auch aus unseren Abschweifungen etwas mitnehmen kann..? So könnte man doch effektvoll als Alchimist bei Zugabe der Hefe die Transmutation der Würze zu Bier beschwören und wäre dabei vermutlich sehr stilsicher :Drink

Ich hab aber noch einen Tipp fürs Läutern. Das kann man auch sehr gut mit einer Schicht groben Kies.
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Re: Mittelalterliches Bier

#19

Beitrag von Beerkenauer » Sonntag 16. Februar 2020, 19:12

flying hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 19:06
Ich hoffe doch, dass unser Mittelalter-Freund auch aus unseren Abschweifungen etwas mitnehmen kann..? So könnte man doch effektvoll als Alchimist bei Zugabe der Hefe die Transmutation der Würze zu Bier beschwören und wäre dabei vermutlich sehr stilsicher :Drink

Ich hab aber noch einen Tipp fürs Läutern. Das kann man auch sehr gut mit einer Schicht groben Kies.
:thumbsup, das hoffe ich auch. Ich habe auf alle Fälle wieder was gelernt heute. Dafür liebe ich das Forum :thumbup

Gruß

Stefan

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Re: Mittelalterliches Bier

#20

Beitrag von gulp » Sonntag 16. Februar 2020, 19:35

Hier https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... ig#p142588 Antwort 12

könnt ihr nochmal nachlesen, dass es schon 1500 vor Christus Hefeberufe gab.

Gruß
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Re: Mittelalterliches Bier

#21

Beitrag von olibaer » Sonntag 16. Februar 2020, 19:48

Alles wurscht,

wichtig wäre zunächst gewesen, dass das Feuer unter dem Kessel brennt ;-)
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Gruss
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Re: Mittelalterliches Bier

#22

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 16. Februar 2020, 20:55

olibaer hat geschrieben:
Sonntag 16. Februar 2020, 19:48
Alles wurscht,

wichtig wäre zunächst gewesen, dass das Feuer unter dem Kessel brennt ;-)
Ne Ne. Das Feuer darf noch nicht brennen. Erst muss er das restliche Feuerholz per Wirlpool zum Kegel drehen und aus dem Kessel fischen. :Wink
16-02-_2020_20-52-44.jpg
"Da braut sich was zusammen ... "
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Re: Mittelalterliches Bier

#23

Beitrag von Ladeberger » Sonntag 16. Februar 2020, 21:11

Das dürfte Teil der traditionellen Maischkrücke sein, wie du sie z.B. hier in stilisierter Form siehst:
Maischegabel.png
Fundort: Ist mir entfallen.

Gruß
Andy

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Re: Mittelalterliches Bier

#24

Beitrag von Fe2O3 » Sonntag 16. Februar 2020, 22:01

Da es im mittelalter noch kein feuer gab, konnte man den whirlpool so sehr andrehen wie man wollte, ihne sich Gedanken über den Arbeitsschutz zu machen
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Re: Mittelalterliches Bier

#25

Beitrag von afri » Sonntag 16. Februar 2020, 22:06

Ihr vergesst ein entscheidendes Detail: Der Heffner muss noch die Worte "Gott gib Glück und Segen drein" sprechen, sonst wird's nix mit dem Bier, ob mittelaterlich oder modern genossen.
Achim
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Re: Mittelalterliches Bier

#26

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 16. Februar 2020, 22:12

Üelu, nicht den Kopf hängen lassen. Alles nur Spaß. :Angel
Beim Burgfest in Neustadt-Glewe muss ich auch jedes Jahr routinemäßig beim Bierbrauerzelt vorbei und schauen was er gerade schönes maischt und welche fertigen Bierchen er hinter dem Zelt stapelt. Meistens p...warm und ordentlich Lichtgeschmack, aber probieren muss man sie trotzdem immer wieder :-).
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
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Re: Mittelalterliches Bier

#27

Beitrag von schlupf » Montag 17. Februar 2020, 12:22

Moin,

Ich hätte nur nochmal einen kleinen Einwurf zur Idee, ein Bier nach einer Nacht zu testen.
Es ist natürlich klar, dass in der Kürze der Zeit keine klassische Gärung und Reifung ablaufen kann, aber es gab historisch doch auch diverse Beispiele, dass Jungbier während der aktiven Gärung schon verkauft und auch genossen wurde. Als Beispiel würde mir spontan der sogenannte Puparsch einfallen, das gab's aber, glaube ich, auch unter anderen Bezeichnungen öfter.
In Verbindung mit einer Kveik und wenn man früh morgens am ersten Tag mit dem Brauen anfängt, hätte man am zweiten Tag immerhin schon was zum ausschenken. Und Gärendes muss nicht zwingend schlimm schmecken, siehe Federweißer...

Nur so'ne Idee...
Viele Grüße
Sebastian

Zwergen Bräu
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Re: Mittelalterliches Bier

#28

Beitrag von Zwergen Bräu » Montag 17. Februar 2020, 18:26

Danke danke für eure zahlreichen Beiträge 🎉 wollte da jetzt nicht so ne wilde Diskussion los treten aber schön zu lesen dasan gesittet diskutieren und auch konstruktiv sachen zum thema beigetragen werden. Meine Essenz aus dem ganzen ist das man es nach der kurzen reife noch nicht Bier im Sinne schimpft weil die Reifung fehlt und man so etwas wie ich oben gelesen habe eigentlich vorbereiten kann so 4 Wochen vorher und nur am Markt direkt den anfangs Prozess nach stellt oder halt eben ein so genanntes Jungbier Braut. Ich danke für die vielen Tipps 😊🙃

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Re: Mittelalterliches Bier

#29

Beitrag von ubu » Montag 17. Februar 2020, 18:45

Zur Erläuterung:
In deinem im Eingangspost geschilderten Fall fehlt nicht die Reifung Sondern die Gärung.
Im ersten Schritt erstellt ihr aus heißem Wasser und Getreide die sogenannte Würze.
Diese enthält den Zucker das durch das heiße Wasser aus dem Getreide gelöst wurde.

Diese Würze ist das Ergebnisse deines ersten Brautages.

Jetzt hast du erstmal Ruhe und die Hefe fängt an zu arbeiten und wandelt den Zucker in Alkohol um.
Die einen Hefen sind schnell, die anderen eher nicht.

Aber keine verwandelt dir innerhalb eines halben Tages deine Würze zu Bier. Das braucht schon 2 Tage bis eine Woche.
Am ersten Tag hast du eher einen süßen Malzaufguss, der auch ganz gut schmecken kann.
Gruß
Uwe

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Re: Mittelalterliches Bier

#30

Beitrag von Sebasstian » Montag 17. Februar 2020, 20:11

.. und nach der Gärung hast du dann erst Jungbier. Dieses kann man grade so als Bier bezeichnen und trinken. Das ist dann nach ca. einer Woche das von dir auch als "Rohbier" bezeichnete Getränk. Dann erst kommt die Reifung. Danach heißt es dann mit Recht Bier und ist meistens vielfach besser als das Jungbier.
Meine Meinung: Würze am Brautag verkosten ist witzlos.
Grüße,
Sebastian

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Re: Mittelalterliches Bier

#31

Beitrag von afri » Montag 17. Februar 2020, 22:12

hb9cjs hat geschrieben:
Montag 17. Februar 2020, 21:17
So dämliche und vom eigentlichen Thema abschweifende Reaktionen erlebt man selten und sind völlig unnötig.
Welche genau wären das in deinen Augen gewesen? Da habe ich schon mehrfach noch dämlichere gelesen, als es hier der Fall wäre.

Im Gegentum erhält man in genau diesem Forum mehrheitlich zielführende und erhellende Antworten; in manchem Motorradforum bekommst du auf die Frage nach Öl oder Reifen einschneidend beklopptere Antworten, als es hier jemals der Fall war, also bitte präzisiere bitte deinen Unmut.
Achim
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Re: Mittelalterliches Bier

#32

Beitrag von tinoquell » Dienstag 18. Februar 2020, 07:49

Sebasstian hat geschrieben:
Montag 17. Februar 2020, 20:11
Meine Meinung: Würze am Brautag verkosten ist witzlos.
Meine Meinung: Die meisten Besucher, die aus der Maische bzw. von der Würze kosten sind sehr überrascht über das Zuckerwasser und man kommt darüber sehr gut ins Gespräch! Bier verkosten kann ich überall. :Greets

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Re: Mittelalterliches Bier

#33

Beitrag von Gasflasche » Dienstag 18. Februar 2020, 13:02

@Zwergen Bräu:
wie lange geht denn der Markt? Falls das ganze über mehrere Tage geht, eröffnet das in meinen Augen durchaus vielleicht noch Möglichkeiten. Die Hefe wie Brewferm Top ist durchaus in der Lage innerhalb von 36 Stunden einiges zu verrichten. Dass man damit noch kein fertiges Bier hat ist klar, aber ich denke mir halt folgendes: Bier hat schon jeder getrunken. Bier "im Werdegang" dagegen fast keiner.. Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Braugang? Das erste mal frische Würze zu trinken? Das erste Schockerlebnis, wie komisch Jungbier schmeckt?
Die Idee eines Erlebnisses ist doch - so denkt allerdings mein Geist - was neues zu "erleben"?

EDIT: ich sehe gerade, dass der Inhalt meines Beitrags sich teilweise stark mit dem von tinoquell überschneidet.. Sorry tinoquell :Wink

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Re: Mittelalterliches Bier

#34

Beitrag von Shoegazer » Dienstag 18. Februar 2020, 14:14

Ich bringe hier auch einmal die Kveik ins Spiel.

Schnell gemacht, schnell vergoren und auch in Zwischenstadien genießbar ;)

Und näher am Original, als Reinzuchthefen...

Vllt. drei Sude ansetzen, einen vier Tage vorher, einen zwei Tage vor Beginn des Marktes und einen vor Ort produzieren.
Und dann für 10 Taler eine Bierprobe anbieten...
Beste Grüße aus Bonn, Henning

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So braue ich und so braue ich auch :Wink

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Re: Mittelalterliches Bier

#35

Beitrag von Kleinenhainer » Dienstag 18. Februar 2020, 17:13

Wo wir hier schon über so viele Dinge abweichend der Frage sprechen...

In frischer Gärung befindliches Jungbier kann ähnlich dem Federweißen bei einigen Leuten erstaunliche Verdauungsphänomene hervorrufen.
Und sicherlich sind nicht alle Marktbesucher erstens an Bierhefe in größeren Mengen und dann auch noch in hochaktiver Phase gewöhnt wie so ein enthusiastischer Hobbybrauer, der gerne mal das Jungbier in der Nachgärung sprich vor der Klärung probiert (soll bei einigen von uns ja täglich vorkommen..). Das kann man dann auch nicht unbedingt mit Weißbier vergleichen. Nur bevor sich der eine oder andere Besucher ne Halbe angegorenes Jungbier vereinnahmt.
Da ist die Würze vielleicht doch besser zum Probieren geeignet.

Jetzt aber bitte keine OT- Riesendiskussion. War nur aus der Erfahrung wenn man die Schwiegermutter mal Jungbier probieren läßt. Und sie 2 Tage danach erzählt, dass sie Federweißen auch nicht verträgt, auch ohne Zwiebelkuchen nicht.

Thomas

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Re: Mittelalterliches Bier

#36

Beitrag von schlupf » Dienstag 18. Februar 2020, 17:16

Kleinenhainer hat geschrieben:
Dienstag 18. Februar 2020, 17:13
In frischer Gärung befindliches Jungbier kann ähnlich dem Federweißen bei einigen Leuten erstaunliche Verdauungsphänomene hervorrufen.
Deswegen hieß es wohl auch Puparsch-Knall...

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Re: Mittelalterliches Bier

#37

Beitrag von Boludo » Dienstag 18. Februar 2020, 18:05

Wenn man mit irgendwelchen Tricks und Hefen arbeitet, die damals nicht verwendet wurden dann ist das doch alles nur eine riesen Show ohne jeglichen Bezug zu dem, was damals wirklich gebraut wurde. Dann kann man sich auch gleich als Hobbit verkleiden oder sonst was machen was cool aussieht, aber nichts mit dem Thema zu tun hat.
Dass man die Biere von damals nicht 1:1 mit heutigen Rohstoffen nachbrauen kann, ist mir schon klar. Aber man kann sich ja zumindest Mühe geben.
Meiner Ansicht nach war dem TE nicht klar, dass man am Brautag kein Bier sondern Würze herstellt. Was übrigens eine weit verbreitete Vorstellung ist.

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Re: Mittelalterliches Bier

#38

Beitrag von Bierjunge » Dienstag 18. Februar 2020, 18:30

Boludo hat geschrieben:
Dienstag 18. Februar 2020, 18:05
Meiner Ansicht nach war dem TE nicht klar, dass man am Brautag kein Bier sondern Würze herstellt.
Womit er sich freilich die Frage gefallen lassen müsste, ob er überhaupt ein geeigneter Kandidat wäre, der Öffentlichkeit das Bierbrauen vorzuführen und nahezubringen, und ob er sich und dem Publikum damit einen Gefallen täte. Oder ob es sich dann nicht schon fast zwangsläufig in pseudomittelalterlichem Klamauk erschöpft.

Moritz

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Re: Mittelalterliches Bier

#39

Beitrag von Kleinenhainer » Dienstag 18. Februar 2020, 20:14

ok, ich glaube die Bedenken sind alle so ziemlich abgearbeitet.

Ich denke ob mittelalterlich oder frühneuzeitlich oder nur 100 Jahre alte Biere und Braumethoden kann man heute aufgrund der anderen Rohstoffe, unserer Ansprüche, der Lagerung damals und heute, den Geschmäckern und letztlich der heute fehlenden historischen Hefe (ok, da soll es ja manchmal Ausnahmen geben) schlecht nachahmen. Viele Hobbybrauer jagen aber ja eben diesen alten Stilen nach, was ich sehr interessant finde.

Aber wenn das hier irgendwie zielführend werden soll, könnten wir ja mal Gedanken zum mittelalterlichen Brauen anreißen und damit den Braufunken bei Zwergenbräu zünden.

Spontan wäre das erste ohne große Recherche was mir einfällt so was wie Vorderwürzebier, Dünnbier aus dem Nachlauf, Bottichmaischen, Dekoktion, Gagel, Grutbier... Vielleicht hat einer der historisch bewanderten Mitstreiter da ein paar Links zum Einlesen?

Thomas

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Re: Mittelalterliches Bier

#40

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 18. Februar 2020, 20:37

"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Interesse an Flüssighefen ... ? Aus Zeitgründen derzeit kein Hefeversand.

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Re: Mittelalterliches Bier

#41

Beitrag von bierhistoriker.org » Dienstag 18. Februar 2020, 20:46

Bierjunge hat geschrieben:
Dienstag 18. Februar 2020, 18:30
Oder ob es sich dann nicht schon fast zwangsläufig in pseudomittelalterlichem Klamauk erschöpft.

Moritz
Lieber Moritz,

auf den Punkt gebracht!

"Das Mittelalter" ist eine Zeitperiode von mehr als 900 Jahren, da muss man sich schon konkret überlegen, welche Phase man da darstellen will, sonst macht man den "Hampelmann".

Cheers

Jürgen
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Re: Mittelalterliches Bier

#42

Beitrag von Malzwein » Dienstag 18. Februar 2020, 22:08

Hallo? "pseudomittelalterlichem Klamauk"? Was ist den ein Mittelaltermarkt anderes? Mir ist nicht bekannt, dass davon diese berühmt dafür sind Archäologiestudenten als Bildungsort zu dienen. Ich kann in der Frage auch nicht erkennen, dass nach historisch wissenschaftlich korrekten Methoden der Bierherstellung im Mittelalter gefragt wurde.

Trozdem kann und darf man dort zeigen, wie mit einfachen, althergebrachtem nachempfunden Methoden etwas wie Bier brauen kann.

@Zwergen Bräu: Wenn du wissen möchtest, wie in etwa so etwas aussehen kann, kannst du dich gerne melden. Garantiert unhistorisch und unautentisch, aber sicher unterhaltsam und ein wenig lehrreich.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut!

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Re: Mittelalterliches Bier

#43

Beitrag von Kellerbraeu » Mittwoch 19. Februar 2020, 12:01

So haben wir das realisiert :Smile

http://hofferbert-ebstorf.de/Klosterfest%202017.html


Grüße Ulf

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Re: Mittelalterliches Bier

#44

Beitrag von Gasflasche » Mittwoch 19. Februar 2020, 12:14

Kellerbraeu hat geschrieben:
Mittwoch 19. Februar 2020, 12:01
So haben wir das realisiert :Smile

http://hofferbert-ebstorf.de/Klosterfest%202017.html


Grüße Ulf
Sieht schon cool aus und alles, aber hättest du auch ein bisschen Hintergrund-Info? :Grübel

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Re: Mittelalterliches Bier

#45

Beitrag von Kellerbraeu » Mittwoch 19. Februar 2020, 12:23

schau mal hier
https://www.hausgebraut.de/index.php?pa ... Zeiten_230


2021 wird wieder ein Klosterfest organisiert!
Was haben wir bis jetzt gelernt!
Beide Biere sind 2017 nichts geworden (verschiedene Gründe :crying )
Wir werden auch 2021 wieder ein Schaubrauen veranstalten und den Schwerpunkt auf Schau und Info geben.
Die vielen interessierten Blicke und Fragen lassen einen geordneten Brautag immer in weite Ferne rücken.
Lieber nur so tuen als ob und die Besucher informieren. Dann fällt es nicht so schwer, 70 Liter Würze bei Nacht in den Gülle zu kippen :Ahh
Bei den sehr vielen Besuchern hat nicht einer gefragt, ob wir das Bier, welches zum Ausschank kam gerade gebraut haben.
Ich denke das bekommt Ihr auch erklärt.

Grüße
Ulf

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Re: Mittelalterliches Bier

#46

Beitrag von Felix83 » Mittwoch 19. Februar 2020, 15:06

Eben. Warum nicht die "ich hab da mal was vorbereitet" Nummer, wie in den Kochshows? Da wird ja auch nicht gewartet, bis der Braten nach 3 Stunden aus dem Ofen kommt.

Einfach vor Ort was brauen, vielleicht auch die Würze verkosten, aber dann das fertige Bier anbieten, das genau so zu einem früheren Zeitpunkt gemacht wurde?
When you don't know what you are doing, anything is possible. - Tony Magee

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Re: Mittelalterliches Bier

#47

Beitrag von Kleinenhainer » Mittwoch 19. Februar 2020, 20:18

schlupf hat geschrieben:
Dienstag 18. Februar 2020, 17:16
Kleinenhainer hat geschrieben:
Dienstag 18. Februar 2020, 17:13
In frischer Gärung befindliches Jungbier kann ähnlich dem Federweißen bei einigen Leuten erstaunliche Verdauungsphänomene hervorrufen.
Deswegen hieß es wohl auch Puparsch-Knall...
Ich komme den ganzen Tag nicht drüber weg :Smile

Wie unsere Altvorderen so komplexe biologische oder biochemische Zusammenhänge in einem einzigen eingängigem Schlagwort zusammenfassen konnten!

Ich glaub ich geh in den Keller und zwickel mir mein "the farmer and stockbreeders pale ale" nach 10 Tagen Nachgärung! :Drink

Thomas

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Re: Mittelalterliches Bier

#48

Beitrag von Commander8x » Donnerstag 20. Februar 2020, 16:05

Kann man sogar kaufen: Pubarschknall von der Brauerei Lüdde, Wernigerode.

Ich weiß nicht wie´s schmeckt, denn der Gastraum war sehr voll und die Bedienung hat nicht dergleichen getan - da hat meine Frau die rote Karte gezogen....

Gruß Matthias
-----------------------------------------
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Re: Mittelalterliches Bier

#49

Beitrag von flying » Donnerstag 20. Februar 2020, 18:26

Man muss ja nicht alles authentisch nachbrauen, nur weil es historisch korrekt ist. Das Pubarschknall war künstlich gesüßtes Dünn/Einfachbier.
Ich kenne Rezepte um 1920 die verwendeten ca. 15 g Dulcin pro hL bei ca. 3 Grad Plato. Dulcin war ein künstlicher Süßstoff auf Harnstoffbasis, ca. 250 x süßer als Zucker. Geiles Zeuch mit reinem Süßgeschmack, nur leider gesundheitsschädlich wie man erst später feststellte. Sogar krebserregend. Ab 1950 verboten.
Da verzichte ich doch lieber auf den Knall aus dem Pubarsch...
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(John Ciardi)

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Re: Mittelalterliches Bier

#50

Beitrag von Zwergen Bräu » Donnerstag 20. Februar 2020, 18:53

Huch ich komm ja gar nicht mehr mit mit nachlesen muss ich mir freitag abend alles mal bei nem guten Bier zu Gemüte führen wow ihr seid echt Spitze allein beim überfliegen einige interessante Antworten gelesen 🙃☺️

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