Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

Hier sollten Infos und Besprechungen über Fachliteratur der Brautechnik rein (incl. Onlinematerial).
Forumsregeln
Dieses Unterforum ist den Bücher- und Textnerds unter dem Hobbybrauern gewidmet. Hier können (Fach)Bücher, wissenschaftliche Artikel und besondere Blogposts verlinkt, zusammengefasst und besprochen bzw. darüber diskutiert werden.

Wenn ihr etwas vorstellt, wäre es super, wenn ihr auch eine Meinung dazu habt.

Fernsehsendungen, Zeitungsschnipsel (u.A. über 500 Jahre RHG) und allgemeine Webseitenvorstellungen ("Neues Bierratingportal") gehören eigentlich in das Subforum "Hobbybrauer Allgemein".
Antworten
Benutzeravatar
Kolbäck
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 938
Registriert: Montag 17. Oktober 2016, 14:47
Wohnort: Uppsala & Brüssel
Kontaktdaten:

Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#1

Beitrag von Kolbäck » Samstag 18. Juli 2020, 16:27

Lars Marius "Mr. Kveik" Garshol hat ein neues Buch veröffentlicht: Historical Brewing Techniques - The Lost Art of Farmhouse Brewing

Ich habe es, mit ein paar Unterbrechungen, über die letzten Monate gelesen und sehr genossen! Eine sichere Kaufempfehlung für alle, die es noch nicht haben! Auch wenn man nicht mit Kveik braut.
:thumbup

Die Kveik-Hefen kommen natürlich im Buch vor, aber nehmen nur einen kleinen Teil ein. Es geht mehr um Methoden, Prozesse und Zutaten abseits dessen, was heutzutage üblich ist. Garshol argumententiert, dass das Brauen auf Bauernhöfen eine parallele Schiene zur kommerziellen Brauerei darstellt, in der sich bis in die jüngere Vergangenheit Techniken erhalten haben, die größtenteils unter dem Radar geflogen sind.

Das ist für Hobbybrauer sehr relevant, weil die meisten von uns die Methoden der kommerziellen Brauereien imitieren. Die größere Bandbreite dessen, was noch so alles funktioniert und gutes Bier hervorbringt, lässt sich mit unseren Mitteln in kleiner Skala oft relativ einfach ausprobieren.

Geschichtliches, aber nicht viel über Antike oder Mittelalter, sondern vor allem 19. und 20. Jahrhundert. Denn vielerorts ist die Tradition erst vor weniger als hundert Jahren ausgestorben.

Fokus ist Skandinavien, in geringerem Maße das Baltikum. Landstriche, die relativ isoliert waren und wo Leute kaum Ressourcen übrig hatten, zwang sie, mit dem auszukommen, was man anbauen und selbst herstellen konnte.

Das Buch ist gut editiert, man merkt, dass da nur die Spitze des Eisbergs übrig blieb, trotz über 400 Seiten. Hohe Informationsdichte, nichts irrelevantes, genug Details zum Nachbrauen, inklusive Dosierungen aller seltsamen Zutaten. Dazu eine ordentliche Liste mit Rezepten, die jeweils den Prozess mit beschreiben.

Gediegene Arbeit an Archiven (wie oft wurde welche Methode oder Zutat wo benutzt, auf zahlreichen Karten dargestellt), und Reisen mit Interviews. Unterhaltsame Anekdoten von einzelnen Besuchen, aber immer ausgewählt, um einen bestimmten Aspekt zu illustrieren; immer kurz und prägnant nie abschweifend.

Hintergründe und Ausblick
http://www.garshol.priv.no/blog/402.html

Screenshot des Inhaltsverzeichnisses (von hier):
garshol_toc.png
Zuletzt geändert von Kolbäck am Samstag 18. Juli 2020, 17:35, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße, Thomas
Braudokus: Schwarzbier, Früchte, Sauer & Brett, Råøl/Kveik, Kveik-"Pils"

Benutzeravatar
Kolbäck
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 938
Registriert: Montag 17. Oktober 2016, 14:47
Wohnort: Uppsala & Brüssel
Kontaktdaten:

Re: Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#2

Beitrag von Kolbäck » Samstag 18. Juli 2020, 16:30

Huch, da habe ich etwas zu früh auf "Absenden" geklickt - na ja, das wichtigste ist gesagt meinerseits, glaube ich. 😅

:Drink
Viele Grüße, Thomas
Braudokus: Schwarzbier, Früchte, Sauer & Brett, Råøl/Kveik, Kveik-"Pils"

Benutzeravatar
muldengold
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1228
Registriert: Montag 25. Oktober 2010, 16:54

Re: Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#3

Beitrag von muldengold » Samstag 18. Juli 2020, 20:46

Danke für den Tipp! Klingt nach Rauch, Gagel und trüb-leckeren Bier getrunken von unseren bärtigen Vorfahren.

Benutzeravatar
Kolbäck
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 938
Registriert: Montag 17. Oktober 2016, 14:47
Wohnort: Uppsala & Brüssel
Kontaktdaten:

Re: Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#4

Beitrag von Kolbäck » Samstag 18. Juli 2020, 20:55

Ja - und nein. Dass alles Malz früher rauchig war, ist ein Gerücht, mit dem er aufräumt. Mälzen ist ausführlich behandelt, inklusive Skizzen/Fotos der Darren, Öfen oder dedizierten Hütten. Als Teaser hier die Kare, wo Malz wie getrocknet wurde:
IMG_20200718_205056640_HDR.jpg
Was die Kategorien genau bedeuten, steht im Buch... :Wink

:Greets
Viele Grüße, Thomas
Braudokus: Schwarzbier, Früchte, Sauer & Brett, Råøl/Kveik, Kveik-"Pils"

Benutzeravatar
Bierwisch
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 3448
Registriert: Dienstag 15. Mai 2012, 18:02
Wohnort: Thüringen

Re: Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#5

Beitrag von Bierwisch » Samstag 18. Juli 2020, 21:41

Absolute Empfehlung für alle, die sich für die Geschichte unseres Lieblingsgetränkes interessieren.
Beim Lesen wurde mir klar, wieviele Bierstile, Techniken, Zutaten und Hefen für immer verschwunden sind. Wir werden nie wissen, wie das Bier unserer Vorfahren geschmeckt haben und das finde ich sehr schade.
Der Klügere kippt nach!

Benutzeravatar
gulp
Moderator
Moderator
Beiträge: 9772
Registriert: Montag 20. Juli 2009, 21:57
Wohnort: Nürnberg
Kontaktdaten:

Re: Lars Marius Garshol - Historical Brewing Techniques, The Lost Art of Farmhouse Brewing

#6

Beitrag von gulp » Montag 20. Juli 2020, 08:54

Schöne Zusammenfassung, Thomas. :thumbup
Obwohl ich erst ~ 100 Seiten gelesen habe, kann ich jetzt schon sagen, dass das mein Bierbuch des Jahres 2020 sein wird, oder noch ist.
Ausführlicher kann man ein Thema kaum behandeln und das für mich wichtigste ist, dass der Garshol Humor hat und nicht mit Geschichte und Geschichten spart! :Bigsmile

Btw. Schade, dass solche Themen immer viel zu schnell hier untergehen, bei all der Automatisierung, Braumschinen, Sudhausausbeute und Resteverwertung. :Greets

Gruß
Peter
Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

https://biergrantler.de
https://stixbraeu.de

Antworten