Eigene Wildhefen sammeln

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Eigene Wildhefen sammeln

#1

Beitrag von HrXXLight » Dienstag 30. Oktober 2018, 14:20

Durch die Kveikhefen angefuchst, habe ich mich in letzter Zeit noch ein wenig in die Bretthefen eingelesen und unter anderem auch in der Milk the Funk Gruppe auf FB angemeldet. Ich bin jetzt kein großer Fan von Sauerbieren, aber kein gewisser Funk und fruchtige Noten sind schon sehr interessant.

Durch die FB Gruppe bin ich auf einen User gestoßen, der ein sehr interessantes Projekt in Angriff genommen hat. Er hat im Frühjahr in eine Obstbamwiese diverse Gläser mit Würze aufgehängt, um darin Wildhefen zu sammeln. Hat jemand hier schon mal etwas dergleichen versucht? Könnte man, wenn man erfolgreich ist diese Hefen versuchsweise gleich zum brauen nehmen, oder wäre es ratsam einzelne Hefen zu Isolieren und auf Petrischale weiterzuzüchten?
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§11
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#2

Beitrag von §11 » Dienstag 30. Oktober 2018, 14:21

Im Grunde musst du sie ja vereinzeln, weil du ja nicht nur eine Hefe im Glas haben wirst und auch eine Menge “Begleitflora”
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#3

Beitrag von Kolbäck » Dienstag 30. Oktober 2018, 14:30

Ich habe damit selbst keine Erfahrung, aber bin neulich über dieses Video eines sehr informativen Vortrags gestolpert: https://www.youtube.com/watch?v=lgdqMsxGtMI

Der Kanal hat auch noch ein paar andere zum Thema.
Viele Grüße, Thomas
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#4

Beitrag von HrXXLight » Dienstag 30. Oktober 2018, 14:43

Kolbäck hat geschrieben:
Dienstag 30. Oktober 2018, 14:30
Ich habe damit selbst keine Erfahrung, aber bin neulich über dieses Video eines sehr informativen Vortrags gestolpert: https://www.youtube.com/watch?v=lgdqMsxGtMI

Der Kanal hat auch noch ein paar andere zum Thema.
Wow super danke. Das kannte ich noch nicht


§11 hat geschrieben:
Dienstag 30. Oktober 2018, 14:21
Im Grunde musst du sie ja vereinzeln, weil du ja nicht nur eine Hefe im Glas haben wirst und auch eine Menge “Begleitflora”
Wenn man eine schöne Mischung hat, würde ich diese auch nehmen, weil das Vereinzeln fordert dann wieder einiges mehr an Erfahrung und Equipment, was ich momentan nicht habe.
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#5

Beitrag von ctiedtke » Dienstag 30. Oktober 2018, 17:25

Ich wollte im Frühjahr ein Sauerbier aus meinem Sauerteig brauen. Ist leider Misslungen ist nicht sauer geworden :crying . Ist allerdings ein leichtes Bier geworden für den Sommer. Die Erntehefe steht bei mir im Kühlschrank. Auf jedenfall sind da Hefen drin wahrscheinlich ein wilder Mix aus dem was bei uns in der Wohnung alles so rumfliegt. Ich habe die Hefe allerdings noch nicht weitergeführt.
---
Gruß Christian

Bier ist nicht die schlechteste Variante um Wasser zu sich zu nehmen :Drink

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#6

Beitrag von Junior_gong » Dienstag 30. Oktober 2018, 18:04

Auf der folgenden Seite gibt es auch Infos zum Thema "Wildhefe" fangen. Hier gibt es auch z.B. den Saison House Blend vom ASB Autor.
https://bootlegbiology.com/
Ich hatte mich im Fruehjahr auch mal im Fangen versucht. Von 4 Mason Jars war ich bei einem erfolgreich, der Rest ging in Richtung Nagellack-Entferner. Der erfolgreiche Fang liegt aktuell auf NaCl und wartet auf einen Versuch mit einem 2L Sud.
IMG_20180801_065454_847.jpg
Wenn mein Equipment aufgerüstet ist (Mikroskop etc.) wird ein weiterer Versuch gestartet bzw. der Fang begutachtet . :Drink

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#7

Beitrag von HrXXLight » Dienstag 30. Oktober 2018, 18:27

Sehr cool
Welche Aromen hast du eingefangen @Junior_gong
Werde bei uns im Ort mal direkt bei nem Bekannten am Bienenstand versuchen etwas zu fangen und bei unserer Obstbaumwiese
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#8

Beitrag von Junior_gong » Dienstag 30. Oktober 2018, 21:34

@HrXXLight PH der erfolgreichen Probe ist von 4,5 auf 3,5 abgefallen. Geruch/Geschmack hatte ich als Fruchtig (Zestenaromen), phenolisch (erinnerte etwas an ein belgische Saison Hefe) notiert. Fazit: Nicht der Hammer aber sehr intressant :)

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#9

Beitrag von flying » Mittwoch 31. Oktober 2018, 05:26

Natürlich Habitate von Saccharomyces Cerevisia sollen Baumrinden sein. Eichen, Buchen, Linden und co.. Nadelbäume eher nicht. Interessanterweise wurde die Urform der untergärigen Hefe auf Baumgallen entdeckt. Gallen sind krankhafte Auswüchse auf Bäumen voller bitterer Gerbstoffe aber auch süßen Baumsaft. Ideal für kälteresistente Hefen.
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#10

Beitrag von seriously » Mittwoch 31. Oktober 2018, 09:23

Junior_gong hat geschrieben:
Dienstag 30. Oktober 2018, 18:04
Ich hatte mich im Fruehjahr auch mal im Fangen versucht. Von 4 Mason Jars war ich bei einem erfolgreich, der Rest ging in Richtung Nagellack-Entferner. Der erfolgreiche Fang liegt aktuell auf NaCl und wartet auf einen Versuch mit einem 2L Sud.
wie bist du beim "einfangen" vorgegangen?

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#11

Beitrag von Junior_gong » Mittwoch 31. Oktober 2018, 19:19

@seriously
8°P Wuerze mit DME hergestellt und mit Milchsäure auf ph 4,5 eingestellt. Wuerze auf 4 Mason Jars aufgeteilt. Stoffwindel abgekocht mit Haushaltsgummi fixiert und damit die Gläser verschlossen (siehe Bild oben). Gläser unter unterschiedliche Bäume bzw. Sträucher fuer eine Nacht gestellt.

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#12

Beitrag von seriously » Freitag 2. November 2018, 09:52

klingt super spannend!
Glaubst du es funktioniert auch indem man zB Trauben oder Äpfel aus dem Obstgarten für eine bestimmte Zeit in Würze "einlegt" um darauf zu spekulieren, dass sich die Hefe die auf den Früchten lebt, vermehrt?

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#13

Beitrag von HrXXLight » Freitag 2. November 2018, 14:35

Die Methode habe ich bei einigen Youtube Videos geshen
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#14

Beitrag von HrXXLight » Donnerstag 17. Oktober 2019, 21:24

Irgendwie hatte ich im Frühjahr keine Zeit um den Versuch anzugehen. Durch Zufall habe ich die letzten Tage noch ein paar Trauben gefunden und die mal in eine Starterwürze geworfen.
Dateianhänge
5168045A-8301-4E4D-A98A-E4AEFB6AEF03.jpeg
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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#15

Beitrag von emjay2812 » Freitag 18. Oktober 2019, 07:05

Auf Obst siedeln häufig Wildhefen. In meiner Region wird oft Apfelwein spontan vergoren.
Vielleicht Mal einen solchen Wein durchgären lassen und einen Süd mit der Hefe beimpfen. Oder ein Bier offen neben einen gärenden Most stellen

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#16

Beitrag von DevilsHole82 » Freitag 18. Oktober 2019, 08:02

Hier gibt es einen ähnlichen Thread:
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=24&t=7114
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#17

Beitrag von braustolz » Freitag 25. Oktober 2019, 09:40

Hallo zusammen, die o. g. Tests finde ich wirklich toll und spannend :thumbsup

Im Thema Hefe steckt ja unglaubliches Potential. Ich habe mir mal einige Artikel und Videos zur "Hefejagd" bei Weihenstephan angeschaut. Z.B.:
https://www.br.de/mediathek/video/die-a ... 00127798a9

Ich frage mich nur: Woher weiß ich, was ich mir da "eingefangen" habe? Welche Möglichkeiten gibt es im Hobbybereich wilde Hefen zu isolieren und näher zu bestimmen? Oder bleiben am Ende tatsächlich nur die Beobachtung des Gärverhaltens und der Geschmack zur Identifizierung?

Danke und Gruß
Roland

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#18

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Freitag 25. Oktober 2019, 10:26

Was du dir "eingefangen" hast ist nur im Genlabor bestimmbar.
Wildhefen, obergärige Hefen und untergärige Hefen lassen sich recht gut unter dem Mikroskop unterscheiden.
Einige Hefen haben eine ganz besondere Form (z.B. die Saccharomyces Ludwigii mit ihrer Kegel- bzw. Zitronenform) und sind untern Mikroskop auch leicht zu erkennen.
Wildhefen sind unterm Mikroskop oft größer oder "schrumpliger" als Saccharomyces cerevisiae, bzw. UG oder Weinhefen.
Ohne Mikroskop kann man Hefen von Bakterien und Schimmel auf dem Nährboden (Petrischale, Agar Plate) unterscheiden.
In der Petrischale könnte man Mischkulturen auch ausstreichen und vereinzeln. Darüber hinaus kann man mit etwas Glück Mischkulturen von Reinkulturen in der Petrischale unterscheiden, weil die Kolonien der einzelnen Hefestämme oft ein etwas anderes Aussehen haben (Farbton, Form, Glanz, "Pelz").

Nachdem man die Hefen selektiert hat kann man sie vermehren und ausprobieren.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Interesse an Flüssighefen ... ?

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Re: Eigene Wildhefen sammeln

#19

Beitrag von HrXXLight » Freitag 25. Oktober 2019, 13:21

Mir denke wäre eine professionelle Bestimmung zu teuer, weil ich kein Mikroskop besitze
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