Thema "hop burn": Fachartikel?

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berlindave
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Thema "hop burn": Fachartikel?

#1

Beitrag von berlindave » Freitag 7. Dezember 2018, 23:26

Hallo Experten,

folgende Überlegung treibt mich im Moment um:

"Hop burn" ist ja im Moment ein gängiger Modebegriff, (fast) alle verwenden ihn; jeder, der ihn verwendet, scheint genau zu wissen, worum es geht.
Aber wenn man versucht, fundierte Fachartikel darüber (Definition, Auftreten, Varianzen, Entstehung, Vermeidung, sonstige Hintergründe) zu finden: Fehlanzeige.
Oder habe ich nur nicht gut genug gesucht? Was sind Eure Tipps in dieser Richtung?

Für Hinweise jeder Art besten Dank im Voraus!

Beste Grüße

Dave

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hopfenbär
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Re: Thema "hop burn": Fachartikel?

#2

Beitrag von hopfenbär » Samstag 8. Dezember 2018, 00:59

Hallo,

bin kein Experte aber kann meine Erfahrungen gerne mit dir teilen.

Für mich unterscheidet sich "hopburn" von der "normalen" bittere in dem er extrem Bitter ist (brennt) und nicht so schnell verschwindet.(unangenehme Bitter kann natürlich auch anders entstehen)
Ich vergleich es gerne mit der Bitter wenn man auf ein Hopfenpellet beißt.

Meiner Meinung nach kommt der burn von hopfenpartikeln die in der Schwebe sind.

Ich hatte das Problem ab und zu und habe mich immer gefragt wie es den genau ausgelöst wirt. Mittlerweile funktioniert für mich am besten ein ColdCrash nach dem Hopfenstopfen. Ich kühle auf 2-3°C und halte die Temperatur für mindstens 2Tage. Dann drücke ich das Bier runter vom Hopfen in eine neues Fass.

Funktioniert für mich wunderbar. Stopfe in der Regel mit 15-20g/l und habe seit dem keinen Hopburn mehr.
Solum duri in hortum veniunt.

Vorstellung im alten Forum http://tinyurl.com/gob2p5g

Dr.Edelherb

Re: Thema "hop burn": Fachartikel?

#3

Beitrag von Dr.Edelherb » Samstag 8. Dezember 2018, 01:01

hopfenbär hat geschrieben:
Samstag 8. Dezember 2018, 00:59
Stopfe in der Regel mit 15-20g/l und habe seit dem keinen Hopburn mehr.
:Shocked

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Re: Thema "hop burn": Fachartikel?

#4

Beitrag von bierhistoriker.org » Samstag 8. Dezember 2018, 09:35

Hallo,

interessantes Thema!

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen kann man m.E. aus dem sensorischen Bereich ableiten:

Der Oxford Companion to beer von Garret Oliver ( gehört in jeden (Hobby-)Brauerhaushalt :Bigsmile ) definiert Bitterkeit wie folgt:

"Bitterness is one of four individual tastes that are sensed by different areas of the human tongue. The others are sweet, sour, and salty, which require no explanation, but bitterness is often confused with the physical sensations of burning and astringency or dryness."
Da taucht das"Brennen" in diesem Zusammenhang auf :Greets

Bitterkeit wird hauptsächlich im hinteren Bereich des Mundraumes festgestellt bzw. retronasal.
Im "Fratzenbuch" wird dieses Thema gerade parallel diskutiert und einige beschreiben den hopburn als Brennen in der Speiseröhre.

Also "unwissenschaftliche" Ursachen für den hopburn:
- "überdosierung" von Hopfen allgemein
- verbliebenes Hopfensediment im Bier
- Hoher Rest-Hefeanteil im Bier ( wer schon mal den Hefebodensatz eines stark gehopften + gestopften Biers separat probiert hat, weiss, was ich
meine...)

Alles zusammen erzeugt beim "Nutzer" ein extremes Bitterkeitsgfühl, das der Körper als "Brennen" interpretiert.

Just my 2 cents

Cheers


Jürgen
PS: Bitterkeit ist für den Körper ein Warnsignal, das auf Gift hinweist. Es gibt m.E. keine angenehme oder unangenehme Bitterkeit, sondern nur eine erträgliche oder unerträgliche Bitterkeit, abhängig von Kulturkreis, Gewöhnung usw., also höchst inividuell und somit wissenschaftlich kaum zu packen .... :Bigsmile

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§11
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Re: Thema "hop burn": Fachartikel?

#5

Beitrag von §11 » Samstag 8. Dezember 2018, 15:27

Moin,

Es gibt da wohl in der Tat wenig Literatur zum Thema „Hop Burn“. Das glaube ich liegt aber eher daran das der Begriff noch keinen Einzug in die Fachwelt gefunden hat.

Es gibt einige neuere Artikel die sich mit den Geschmacksempfindungen in Zusammenhang mit Hopfen beschäftigen. Interessant ist zum Beispiel der Artikel Modification of perceived beer bitterness intensity, character and temporal profile by hop aroma extract aus Food Research International. Der legt nämlich nahe, das unsere Vorstellung das Hopfenbittere nur durch die Bitterrezeptoren wahrgenommen wird, so nicht stimmt. Sondern viel mehr eine Kombination aus verschiedenen Mechanismen ist. Dabei wurden Versuche mit Hopfenaromen gemacht die mit und ohne Nasenclips verkostet wurden. Auch mit Nasenclip, also ohne retronasale Wahrnehmung, wird das hopfenaromatische Bier aber anders wahrgenommen.

Gruß

Jan

https://www.sciencedirect.com/science/a ... via%3Dihub
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

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