Hefe Wiederverwenden

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Hefe Wiederverwenden

#1

Beitrag von Schullebernd » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:04

Guten Morgen,
gestern habe ich das erste Mal Hefe geerntet. Es ist die WY2308 Munich Lager aus einem 45L Sud für mein Zwickl.
Im Braumagazin stand, man soll den Schmodder vom Boden einfach aufschwenken und in einen sterilisierten Behälter geben.
Das sieht jetzt so bei mir aus:
5939E12B-D36C-4B3D-8337-BBEE5B3B0571.jpeg
5939E12B-D36C-4B3D-8337-BBEE5B3B0571.jpeg (61.88 KiB) 1312 mal betrachtet
Wenn ich am Wochenende gleich wieder Braue, meint ihr ich Sollte die Hefe vorher waschen und lieber nochmal einen Starter damit ansetzen oder einfach rein damit?

Hopfen ist nicht viel drin, nur ein paar Hopfenharz-Ablagerungen kann ich erkennen!
Gruß Bernd
Die Weisheit verfolgt mich, doch ich bin schneller!

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Re: Hefe Wiederverwenden

#2

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:08

Moin Bernd,

da isses wieder, das Hefewaschen. Verrückt, wie schnell sich die Themen manchmal wiederholen.
Streiche bitte das "Waschen" aus Deinen Gedanken, damit machst Du mehr kaputt als es dienlich ist.
Du kannst die geerntete Hefe so reingeben, allerdings brauchst Du nicht den kompletten Bodensatz dazu - das ist definitiv zuviel.

Schau Dir mal MrMalty an, dort kannst Du recht gut die benötigte Menge errechnen.

VG Peter

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Re: Hefe Wiederverwenden

#3

Beitrag von Bernstein » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:11

Hallo,
einfach das (Rest-)bier, dass sich oben absetzen wird, abschütten und die Hefe wiederverwenden. Allerdings würde ich schon ähnliche Bierstile damit brauen - also nicht unbedingt ein Helles nach einem Rauchbier. Faustformel: 1 Liter dickbreiige Hefe auf 1 HL Würze beim UG.
Gruss, Matthias

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Re: Hefe Wiederverwenden

#4

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:15

Bernstein hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:11
also nicht unbedingt ein Helles nach einem Rauchbier.
Was so nicht stimmt. Ich hab definitiv die Hefe (W105) von einem Rauchbier mit 95% Rauchmalz in der Schüttung für ein Münchner Helles benutzt und zwar ohne dass ich einen Starter mit der Hefe gemacht habe - sondern geerntet und die benötigte Menge direkt wieder mit dem Hellen benutzt. Von Rauch war in dem Hellen 0.0 zu spüren.

Worauf man achten sollte: kommt man mit einem Platohammer um die Ecke, ist die Hefe eigentlich kaputt. Mit dieser braucht man nicht mehr viel anzustellen. Man kann auch locker geerntete Hefe eines dunklen Bieres in einem Hellen versenken. Die geringe Menge geht im Grundrauschen unter.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#5

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:22

beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:15
Bernstein hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:11
also nicht unbedingt ein Helles nach einem Rauchbier.
Was so nicht stimmt. Ich hab definitiv die Hefe (W105) von einem Rauchbier mit 95% Rauchmalz in der Schüttung für ein Münchner Helles benutzt und zwar ohne dass ich einen Starter mit der Hefe gemacht habe - sondern geerntet und die benötigte Menge direkt wieder mit dem Hellen benutzt. Von Rauch war in dem Hellen 0.0 zu spüren.
Aha.
Interessanterweise hat das "Schlenkerla Helles Lager", das ohne Rauchmalz gebraut wird, nur durch die Verwendung der Schlenkerla-Betriebshefe einen zwar leichten, aber durchaus wahrnehmbaren Rauchgeschmack:
https://www.schlenkerla.de/rauchbier/sorten/sorten.html

Moritz

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Re: Hefe Wiederverwenden

#6

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:30

Bierjunge hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:22
beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:15
Bernstein hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:11
also nicht unbedingt ein Helles nach einem Rauchbier.
Was so nicht stimmt. Ich hab definitiv die Hefe (W105) von einem Rauchbier mit 95% Rauchmalz in der Schüttung für ein Münchner Helles benutzt und zwar ohne dass ich einen Starter mit der Hefe gemacht habe - sondern geerntet und die benötigte Menge direkt wieder mit dem Hellen benutzt. Von Rauch war in dem Hellen 0.0 zu spüren.
Aha.
Interessanterweise hat das "Schlenkerla Helles Lager", das ohne Rauchmalz gebraut wird, nur durch die Verwendung der Schlenkerla-Betriebshefe einen zwar leichten, aber durchaus wahrnehmbaren Rauchgeschmack:
https://www.schlenkerla.de/rauchbier/sorten/sorten.html

Moritz
Hi Moritz,

ja, ich kenne das Bier und auch Deine Aussage. Ich kann das so aber nicht bestätigen. Ich denke allerdings auch, dass die geringe Menge Hefe, die wir als Hobbybrauer nutzen, nicht im Verhältnis zu dem steht, was in dieser Brauerei passiert. Ausserdem hab ich z.B. einen gereinigten Gäreimer genommen, in dem nie zuvor etwas mit Rauchmalz drin war. Das alles spielte mir wahrscheinlich in die Karten.
Und ganz ehrlich: wohl war mir damals bei der Sache nicht. Aber dem Mutigen gehört die Welt ;-)

VG Peter

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Re: Hefe Wiederverwenden

#7

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:34

beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:30
ja, ich kenne das Bier und auch Deine Aussage. Ich kann das so aber nicht bestätigen. (...) Das alles spielte mir wahrscheinlich in die Karten.
Ich hatte mich lediglich durch Dein kategorisches "Was so nicht stimmt" genötigt gesehen zu reagieren.
Hättest Du stattdessen z.B. geschrieben "was nicht zwingend so sein musss", wäre ja alles in Ordnung gewesen.

Moritz

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Re: Hefe Wiederverwenden

#8

Beitrag von gerold » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:36

Hi,

Ich hab das auch schon gemacht, einfach so verendet, wie lange würdet ihr die Hefe so aufbewahren und ab wann eine andere Lagerung empfehlen? Ich braue so ca einmal im Monat und hätte die Hefe dann zwei bis drei Monate im Kühlschrank. Bei einem direktem Sud ein monat später ist die Hefe ja gerade fertig im Gärbehälter

Grüße Gerold
"Die einzige stabile Währung ist alkoholische Gärung" Marc Uwe Kling aus Neues vom Känguru

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Re: Hefe Wiederverwenden

#9

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:37

Bierjunge hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:34
beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:30
ja, ich kenne das Bier und auch Deine Aussage. Ich kann das so aber nicht bestätigen. (...) Das alles spielte mir wahrscheinlich in die Karten.
Ich hatte mich lediglich durch Dein kategorisches "Was so nicht stimmt" genötigt gesehen zu reagieren.
Hättest Du stattdessen z.B. geschrieben "was nicht zwingend so sein musss", wäre ja alles in Ordnung gewesen.

Moritz
Und ich hatte lediglich Deine Aussage als "richtig, das kenne ich auch so" gesehen und auch so reagiert.
Peter

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Re: Hefe Wiederverwenden

#10

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:39

gerold hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:36
Hi,

Ich hab das auch schon gemacht, einfach so verendet, wie lange würdet ihr die Hefe so aufbewahren und ab wann eine andere Lagerung empfehlen? Ich braue so ca einmal im Monat und hätte die Hefe dann zwei bis drei Monate im Kühlschrank. Bei einem direktem Sud ein monat später ist die Hefe ja gerade fertig im Gärbehälter

Grüße Gerold
Wenn Du die Hefe einen Monat lang im Kühlschrank gelagert hast, mach einen Starter daraus. Dann bist Du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
VG Peter

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Re: Hefe Wiederverwenden

#11

Beitrag von Boludo » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:48

Gut belüften ist bei so was sehr wichtig. Und Achtung, auch Hefe eines ausgegorenen Bieres kann im Glas noch ordentlich Druck aufbauen. Das kann eine riesen Sauerei geben!

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Re: Hefe Wiederverwenden

#12

Beitrag von FloNRW » Donnerstag 18. Juni 2020, 08:56

Wenn ich am selben Tag abfülle und neu brau. Dann kann ich den neuen Sud doch einfach auf die Hefe des vorherigen geben. Habe ich dann nicht zu viel Hefe im Gärbottich? Sollte man lieber nach dem Abfüllen die Hefe in einen sterilisierten Behälter geben den Gärbottich säubern und eine geringere Menge geernteter Hefe dem neuen Sud zugeben?
Mit Biersinnlichen Grüßen
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Re: Hefe Wiederverwenden

#13

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 18. Juni 2020, 09:16

FloNRW hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:56
Wenn ich am selben Tag abfülle und neu brau. Dann kann ich den neuen Sud doch einfach auf die Hefe des vorherigen geben.
Das wird äußerst kontrovers diskutiert. Hatten wir erst hier:
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 0&p=379644
Sollte man lieber nach dem Abfüllen die Hefe in einen sterilisierten Behälter geben den Gärbottich säubern und eine geringere Menge geernteter Hefe dem neuen Sud zugeben?
So wäre es jedenfalls die lehrbuchmäßigere und hygienisch unbedenklichere Variante. :thumbup

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Re: Hefe Wiederverwenden

#14

Beitrag von Schullebernd » Donnerstag 18. Juni 2020, 09:54

Danke für eure sehr schnellen Antworten. Ich hatte die Hefe in 12.4°P Würze und bei 8-12°C vergoren. Verwenden möchte ich sie für genau dasselbe Bier noch einmal.

Dann schaue ich jetzt mal, wieviel Hefe ich für die neuen 50L davon brauche. Bin gespannt wieviel schneller die Gärung jetzt läuft.
Man sagt ja, dass die Hefe in zweiter Führung noch besser funktionieren soll!
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#15

Beitrag von Schullebernd » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:27

BTW: Heute Morgen sah das ganze dann schon so aus (ca.12h später)
D8BF95DF-A653-4858-8D01-407F73153B1A.jpeg
Edit: Der Deckel ist nur locker zugeschraubt, CO2 sollte ordentlich entweichen können!
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#16

Beitrag von hiasl » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:30

beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:30
Ich denke allerdings auch, dass die geringe Menge Hefe, die wir als Hobbybrauer nutzen, nicht im Verhältnis zu dem steht, was in dieser Brauerei passiert.
Nun ja, am Verhältnis von Anstellwürze zu Hefe ändert sich doch eigentlich nichts, oder?
Mehr vom Bier wissen, heißt: Mehr vom Bier haben!

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Re: Hefe Wiederverwenden

#17

Beitrag von bierhistoriker.org » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:30

beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:08
da isses wieder, das Hefewaschen. Verrückt, wie schnell sich die Themen manchmal wiederholen.
Streiche bitte das "Waschen" aus Deinen Gedanken, damit machst Du mehr kaputt als es dienlich ist.
Du kannst die geerntete Hefe so reingeben, allerdings brauchst Du nicht den kompletten Bodensatz dazu - das ist definitiv zuviel.
Ein Hoch auf absolutistische Aussagen!
Die Fakten:
Ca. 85% des "Bodensatzes" sind "Hefe-Leichen", halbtote Hefe, ausgefällte Trubstoffe und wirklich eklige Hopfenreste.
Wenn man ohne Korrektur die Menge "yeast slurry" nach Mr.Malty zugrunde legt, wird man im Zweifel "underpitchen", da es ja nicht "yeast slurry" sondern in Wahrheit "yeast and garbage" ist.
Nur mal so als Denkanregung :Greets

cheers

Jürgen
PS: Ich wasche Hefe, die ich wiederverwenden möchte, seit 8 Jahren ohne einen Ausfall!
Hobbybrauerstammtisch Köln und Umgebung: https://www.facebook.com/groups/KoelnerHobbybrauer/
Kölner Bierhistoriker eV : http://koelnerbierhistoriker.org/
BJCP Deutschland (Facebook-Gruppe): https://www.facebook.com/groups/625748487884003/

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Re: Hefe Wiederverwenden

#18

Beitrag von beryll » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:33

bierhistoriker.org hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:30
PS: Ich wasche Hefe, die ich wiederverwenden möchte, seit 8 Jahren ohne einen Ausfall!
Glückwunsch... Ich wasche meine Hefe seit 5 Jahren nicht und auch dies ohne Ausfall. Und da wären wieder die unterschiedlichen Wege, die zum Erfolg führen.

VG Peter

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Re: Hefe Wiederverwenden

#19

Beitrag von TheCK » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:44

bierhistoriker.org hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:30
Ca. 85% des "Bodensatzes" sind "Hefe-Leichen", halbtote Hefe, ausgefällte Trubstoffe und wirklich eklige Hopfenreste.
Wenn man ohne Korrektur die Menge "yeast slurry" nach Mr.Malty zugrunde legt, wird man im Zweifel "underpitchen", da es ja nicht "yeast slurry" sondern in Wahrheit "yeast and garbage" ist.
Nur mal so als Denkanregung :Greets
Mal so zum Verständnis: Wäre es dann nicht zielführender, den Bodensatz gar nicht direkt zu nutzen sondern zuerst mit einer kleinen Menge Würze oder Nährmedium (z.B. volumenmäßig 1:1) "anzustellen" und dann nur die aktiv gärende Flüssigkeit weiterzunutzen? Dort sollten ja dann weder "garbage" noch tote Zellen enthalten sein. Ist natürlich mehr Aufwand und wäre nur sinnvoll, wenn es wirklich etwas bringen würde.
LG Chris

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Re: Hefe Wiederverwenden

#20

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:52

TheCK hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:44
Mal so zum Verständnis: Wäre es dann nicht zielführender, den Bodensatz gar nicht direkt zu nutzen sondern zuerst mit einer kleinen Menge Würze oder Nährmedium (z.B. volumenmäßig 1:1) "anzustellen" und dann nur die aktiv gärende Flüssigkeit weiterzunutzen? Dort sollten ja dann weder "garbage" noch tote Zellen enthalten sein. Ist natürlich mehr Aufwand und wäre nur sinnvoll, wenn es wirklich etwas bringen würde.
Ja, das bringt etwas! Denn das ist ziemlich genau das, was als "Starter" bezeichnet wird. Dazu findest Du beliebig viel Information hier im Forum oder auch unter Der ideale Starter.
Nur Deine genanntes 1:1-Verhältnis ist noch nicht ganz optimal.

Moritz

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Re: Hefe Wiederverwenden

#21

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 18. Juni 2020, 10:56

Hallo Jürgen,
bierhistoriker.org hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:30
Die Fakten:
Ca. 85% des "Bodensatzes" sind "Hefe-Leichen", halbtote Hefe, ausgefällte Trubstoffe und wirklich eklige Hopfenreste.
Wenn wir schon bei den Fakten sind: Ich frage mich sehr, welches die physikalischen Parameter sind, in denen sich lebendige, halbtote und tote Hefezellen unterscheiden, so dass die durch eine Waschung getrennt werden könnten. :Grübel

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Re: Hefe Wiederverwenden

#22

Beitrag von hiasl » Donnerstag 18. Juni 2020, 11:00

https://mediatum.ub.tum.de/doc/668371/668371.pdf
Also nach dieser Dissertation ist der Zeitpunkt der Hefeernte (ug) von entscheidender Bedeutung. Nach 5 Tagen hat die Erntehefe wohl den besten Gestamtzustand. Der Schlechteste wurde nach 219 h (~ 9 d) mit einem Totanteil von trotzdem < 10 % festgestellt. Beim direkten Weiterführen, denke ich, gibt es wohl keine Probleme. Wer super Hefe haben will, muss möglichst früh ernten (z.B. ZKG). Bei der Nachgärung im Tank/Fass kann man sich ja angwöhnen, spätestens nach ~9 Tagen zu schlauchen. Dann kann man den Bodensatz sich gut weiternutzen. Bei kalter Lagerung (2 °C) beschränkt sich die Diss leider auf die Brauerei-Praxis --> mehrere Tage (1 Woche) kein Problem. Über diesen Zeitraum hinaus ist ein Starter sicher nicht nachteilig.
Mehr vom Bier wissen, heißt: Mehr vom Bier haben!

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Re: Hefe Wiederverwenden

#23

Beitrag von TheCK » Donnerstag 18. Juni 2020, 11:16

Bierjunge hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:52
TheCK hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 10:44
Mal so zum Verständnis: Wäre es dann nicht zielführender, den Bodensatz gar nicht direkt zu nutzen sondern zuerst mit einer kleinen Menge Würze oder Nährmedium (z.B. volumenmäßig 1:1) "anzustellen" und dann nur die aktiv gärende Flüssigkeit weiterzunutzen? Dort sollten ja dann weder "garbage" noch tote Zellen enthalten sein. Ist natürlich mehr Aufwand und wäre nur sinnvoll, wenn es wirklich etwas bringen würde.
Ja, das bringt etwas! Denn das ist ziemlich genau das, was als "Starter" bezeichnet wird. Dazu findest Du beliebig viel Information hier im Forum oder auch unter Der ideale Starter.
Nur Deine genanntes 1:1-Verhältnis ist noch nicht ganz optimal.

Moritz
OK, unter "Starter" stellte ich mir eher die gezielte Vermehrung einer (zu kleinen) Hefemenge auf eine zum Anstellen sinnvolle Größenordnung und nicht das "Säubern und Wiederbeleben" eines Bodensatzes vor. Aber ja, das Prinzip scheint das Selbe zu sein. Danke für den Link, werde ich mir demnächst mal genauer durchlesen!
LG Chris

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Re: Hefe Wiederverwenden

#24

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 16:44

Nur um es nochmal abzuschließen. Es scheint funktioniert zu haben. Gestern haben wir gebraut und abends habe ich 3 EL von der Hefe aus dem Glas (die oberste Schicht habe ich weggeschüttet) in die 45l 18°C Würze gegeben. Das ganze ist innerhalb von 10h auf ca. 10°C (außen) heruntergekühlt worden.
Das Foto ist von heute morgen:
206FC07E-FA82-4EBF-B710-A73922629E5F.jpeg
206FC07E-FA82-4EBF-B710-A73922629E5F.jpeg (35.86 KiB) 769 mal betrachtet
Gerade eben habe ich mal nachgeschaut und siehe da:
AEDE9469-CC91-4618-AFCC-6CDB6A6825DD.jpeg
AEDE9469-CC91-4618-AFCC-6CDB6A6825DD.jpeg (107.67 KiB) 769 mal betrachtet
Jetzt bleibt alles schön zu für die nächsten 3 Wochen bei 8°C (außen)

Danke für die helfenden Worte!
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#25

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 18:50

Drei Esslöffel scheint mir extrem wenig bei der Temperatur.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#26

Beitrag von VolT Bräu » Montag 29. Juni 2020, 19:15

Bierjunge hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:22
beryll hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:15
Bernstein hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juni 2020, 08:11
also nicht unbedingt ein Helles nach einem Rauchbier.
Was so nicht stimmt. Ich hab definitiv die Hefe (W105) von einem Rauchbier mit 95% Rauchmalz in der Schüttung für ein Münchner Helles benutzt und zwar ohne dass ich einen Starter mit der Hefe gemacht habe - sondern geerntet und die benötigte Menge direkt wieder mit dem Hellen benutzt. Von Rauch war in dem Hellen 0.0 zu spüren.
Aha.
Interessanterweise hat das "Schlenkerla Helles Lager", das ohne Rauchmalz gebraut wird, nur durch die Verwendung der Schlenkerla-Betriebshefe einen zwar leichten, aber durchaus wahrnehmbaren Rauchgeschmack:
https://www.schlenkerla.de/rauchbier/sorten/sorten.html

Moritz
Sorry, dass ich die Nebendiskussion noch mal hochhole...
Könnte es sein, dass der Geschmack durch die Anlage eingebracht wird und nicht (überwiegend) durch die Hefe?
Ich habe mal von einer Brennerei gehört, dass sie nachdem sie peated gebrannt haben mehrere Durchläufe (incl. Reinigung) benötigen um den Geschmack wieder ganz raus zu bekommen. Die Konzentrationen sind beim Whisky sicher nochmal um einiges höher, daher finde ich es plausibel, dass das im Hobbymaßstab nicht so stark durchschlägt. Wenn Jahrzehnte überwiegend Rauchbier durch die Anlage und Tanks läuft, könnte das schon wieder anders aussehen.
Jetzt mal Bier bei die Fische!

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Re: Hefe Wiederverwenden

#27

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 19:40

Boludo hat geschrieben:
Montag 29. Juni 2020, 18:50
Drei Esslöffel scheint mir extrem wenig bei der Temperatur.
Also drei sehr Gehäufte. Ich habe auch kurz überlegt, ob ich noch mehr hineingebe, aber das war so dickes Zeug und anscheinend noch sehr aktiv (man hat es richtig knistern gehört beim Herauslöffeln - schwer zu beschreiben) und es hat sehr gut gerochen. Vom Bauchgefühl her kam sie mir noch recht vital vor, aber das kann man natürlich schwer sagen.
Auf jeden Fall ist sie jetzt schon richtig angekommen und geht ihrer Arbeit nach. Und nach 12-16h so eine Aktivität scheint mir recht gut!

Was wäre denn schlimmer underpitchen oder overpitchen?
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#28

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 20:02

Underpitching ist schlimmer. Vor allem hast du zu warm angestellt.
Ich hätte kalt bei 10 Grad angestellt und mindestens die Hälfte der Hefe genommen.
Kann mir kaum vorstellen, dass das so kalt mit so wenig Hefe rasch durchgärt. Da müssten jetzt schon Kräusen drauf sein und keine Mini Hefe Inselchen.
Und eine Gärung die sich viele Wochen vor sich hin quält schmeckt man.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#29

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 20:21

Auch eine Erkenntnis! Mir kam das schon recht flott für meine Verhältnisse vor.
Ich könnte jetzt den Rest der Hefe auch noch hinzugeben! Den habe ich noch. Meinst du das würde was bringen?

Jetzt habe ich (gerade eben) die Guckluke nochmal aufgeschraubt und ein Foto geschossen:
92844573-FE20-411C-B8BB-25701EA01FA0.jpeg
92844573-FE20-411C-B8BB-25701EA01FA0.jpeg (61.82 KiB) 676 mal betrachtet
Sieht dann jetzt so aus!
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#30

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 20:40

Das sind keine Kräusen. Da geht nix.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#31

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 20:42

Boludo hat geschrieben:
Montag 29. Juni 2020, 20:40
Das sind keine Kräusen. Da geht nix.
Also doch den Rest dazu geben?
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#32

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 21:03

Ja, falls der noch fit ist. 8 Grad ist schon auch sportlich kalt. Hast du belüftet?

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Re: Hefe Wiederverwenden

#33

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 21:25

Ok, schon geschehen! Hat noch immer sehr gut gerochen.
Ja, habe die Würze vor der Hinzugabe der Hefe ordentlich belüftet (also gestern Abend, jetzt natürlich nicht mehr, sondern nur leicht umgerührt).
Zur Temperatur: Ich habe das Fass im Kühlschrank stehen und steuere mit einem Inkbird. Der Temperaturfühler sitzt unten an der Fass-Außenwand. Wenn er unten 8°C hat zeigt mein zweites Thermometer oben (auf dem Fassdeckel) ca.11-12°C an.
Ich vermute mal, dass die Würze dann so im Schnitt 9-10°C haben wird.

Danke schon mal, für die Tipps!
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#34

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 22:17

Wird schon werden. Viel Erfolg!
Untergärig ist halt immer ein bisschen anspruchsvoller.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#35

Beitrag von hyper472 » Montag 29. Juni 2020, 22:31

Boludo hat geschrieben:
Montag 29. Juni 2020, 22:17
Untergärig ist halt immer ein bisschen anspruchsvoller.
"Zickiger" sage ich.
Hat mir, in Verbindung mit meiner schicken Lederschürze, den schönen Beinamen "Untergärnix" eingebracht...
Was kann man - mehr als bei og-Hefe - tun, um die untergärigen Diven bei Laune zu halten?

Viele Grüße, Henning
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Re: Hefe Wiederverwenden

#36

Beitrag von Boludo » Montag 29. Juni 2020, 22:41

hyper472 hat geschrieben:
Montag 29. Juni 2020, 22:31

Was kann man - mehr als bei og-Hefe - tun, um die untergärigen Diven bei Laune zu halten?

Viele Grüße, Henning
Man braucht viel vitale Hefe. Und da scheitern die meisten von uns häufig, inklusive mir.
Am besten holt man sich Hefe von einer Brauerei.
Oder man investiert ein bisschen in Equipment und lernt einen vernünftigen Starter zu machen.

Stefan

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Re: Hefe Wiederverwenden

#37

Beitrag von Alt-Phex » Montag 29. Juni 2020, 22:56

Genau, die richtige Menge vitaler Hefe und am besten noch etwas mehr. Und vorallem nicht von warm nach kalt gehen, das mögen unsere Schlauchpilze gar nicht, egal ob OG oder UG. Zuwenig Hefe, dann bei ~20°C anstellen und in den Kühlschrank mit 8°C stellen ist halt wenig zielführend.
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Re: Hefe Wiederverwenden

#38

Beitrag von Schullebernd » Montag 29. Juni 2020, 23:09

Ich sehe schon es wird doch mal Zeit für gescheites Starter-Equipment und der Umstellung von warm anstellen und dann abkühlen auf erst abkühlen und dann anstellen.

Mein Gedanke war immer: Wenn man die Hefe in etwas wärmere Würze gibt, fühlt sie sich wohl und vermehrt sich erst einmal. Wenn man dann aber zeitgleich anfängt, herunterzukühlen, hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine gut vermehrte Hefe, die dann aber hauptsächlich bei kalten Temperaturen vergärt - wie gesagt, so war meine Denkweise bisher. Und Ja, die Gärung hat schon immer so 4-5 Wochen gedauert. Geschmacklich aber fand ich es sehr sehr lecker.

Ich werde es beim nächsten Mal auf jeden Fall anders machen.

Weiß jemand, was mit der Hefe passiert, die warm angestellt wurde und dann heruntergekühlt wird. Funktioniert diese dann „anders“ als Hefe, die sich unter kalten Bedingungen vermehrt hat?
Soviel ich weiß, stellt man den Starter jetzt auch nicht gerade bei kalten Temperaturen her, oder?
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#39

Beitrag von Boludo » Dienstag 30. Juni 2020, 04:59

Schullebernd hat geschrieben:
Montag 29. Juni 2020, 23:09
Ich sehe schon es wird doch mal Zeit für gescheites Starter-Equipment und der Umstellung von warm anstellen und dann abkühlen auf erst abkühlen und dann anstellen.

Mein Gedanke war immer: Wenn man die Hefe in etwas wärmere Würze gibt, fühlt sie sich wohl und vermehrt sich erst einmal. Wenn man dann aber zeitgleich anfängt, herunterzukühlen, hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine gut vermehrte Hefe, die dann aber hauptsächlich bei kalten Temperaturen vergärt - wie gesagt, so war meine Denkweise bisher. Und Ja, die Gärung hat schon immer so 4-5 Wochen gedauert. Geschmacklich aber fand ich es sehr sehr lecker.

Ich werde es beim nächsten Mal auf jeden Fall anders machen.

Weiß jemand, was mit der Hefe passiert, die warm angestellt wurde und dann heruntergekühlt wird. Funktioniert diese dann „anders“ als Hefe, die sich unter kalten Bedingungen vermehrt hat?
Soviel ich weiß, stellt man den Starter jetzt auch nicht gerade bei kalten Temperaturen her, oder?
Das wurde hier schon mehrfach hoch und runter gebetet.
Die Fehlaromen eines zu warm vergorenes untergärigen Bieres entstehen in der Angärphase. Im Verlauf der Gärung kann es dann gerne etwas wärmer werden, das macht kaum was aus. Entscheidend ist die Phase, in der sich die Hefe auf den Weg macht. Hier werden Stoffe erzeugt, die später die Fehlaromen erzeugen.
Daher kühlt man die Würze auf etwas unterhalb der gewünschten Gärtemperatur, stellt an und lässt dann langsam auf die Zieltemperatur kommen. Wenn ca 50% des Extrakts vergoren sind dann kann man ein paar Grad wärmer werden. Und die Flaschengärung kann man dann bei Raumtemperatur machen, dann baut sich gleich noch Diacetyl ab.

Beim Starter ist es etwas anderes. Da will man schnell viel Hefe erzeugen und da spielt das Aroma keine wirkliche Rolle.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#40

Beitrag von Schullebernd » Dienstag 30. Juni 2020, 09:36

Das mit den Fehlaromen durch zu warmes anstellen ist klar. Das wurde tatsächlich schon häufig diskutiert.
Meine Frage bezog sich auf Phex Aussagen, dass es die Hefe von warm zu kalt nicht mag. Ich rede dabei nicht von „man gebe warme Hefe in kalte Würze“, sondern „man gebe warme Hefe im warme Würze und kühle sie dann herunter“.
Gruß Bernd
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Re: Hefe Wiederverwenden

#41

Beitrag von Augenfeind » Dienstag 30. Juni 2020, 09:47

Schullebernd hat geschrieben:
Dienstag 30. Juni 2020, 09:36
Das mit den Fehlaromen durch zu warmes anstellen ist klar. Das wurde tatsächlich schon häufig diskutiert.
Meine Frage bezog sich auf Phex Aussagen, dass es die Hefe von warm zu kalt nicht mag. Ich rede dabei nicht von „man gebe warme Hefe in kalte Würze“, sondern „man gebe warme Hefe im warme Würze und kühle sie dann herunter“.
Das frage ich mich auch - aber ich vermute mal, dass es darum geht, die niedrigste Temperatur, bei der man vergären will (z.B. wegen der Fehlaromen), von Anfang an einzustellen, um auch die eventuell kurze Zeit des Abkühlens in der Würze noch zu vermeiden.

Sprich: Wenn man bei 10°C vergären will, ist es nur ein Nachteil, wenn man bei 12 oder 14°C anstellt um dann auf 10°C runterzukühlen - das ist Verschwendung von Geschmackspotenzial. Wenn man hingegen vorhat, aus welchen Gründen auch immer bei 14°C zu vergären, dann kann man das tun, sollte aber eben auch nicht bei 18°C anstellen, sondern gleich bei 14°C.

Ansonsten: Im Hefe-Buch "Yeast" der "Brewing Elements Series" (und nicht nur da) heißt es im Übrigen, dass die Hefe das Aroma in der Regel in den ersten 2-4 Tagen erzeugt. Anschließend hat die Temperatur keinen Einfluss mehr auf das Aroma durch die Hefe.
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Re: Hefe Wiederverwenden

#42

Beitrag von bwanapombe » Dienstag 30. Juni 2020, 10:34

Ich habe es mal so gelernt: Der Stoffwechsel der Hefe verlangsamt sich bei sinkenden Temperaturen, und beschleunigt sich bei steigenden Temperaturen.

Was der Brauer erreichen will, ist aber ein "Sofortstart". Wenn er jetzt die angestellte Würze kühlt verlangsamt die Hefe ihren Stoffwechsel, d.h. Gärung und vor allem die Vermehrung verläuft langesamer. Verzögerte Gärung heißt dann auch verzögerte Konkurrenzabwehr (durch verzögerte CO2-, Alkoholbildung und einhergendem pH-Sturz).

Deshalb lieber die Hefe vor dem Anstellen etwas tiefer kühlen, als beim oder nach dem Anstellen.

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Re: Hefe Wiederverwenden

#43

Beitrag von Alt-Phex » Dienstag 30. Juni 2020, 21:52

Stellt euch einfach mal vor ihr seid euch grade schön am vermehren und im Anschluss wartet ein reichhaltiges All-You-Can Buffet auf euch. Dann dreht plötzlich jemand die Temperatur runter. Da würde euch auch alles vergehen. Der Hefe geht es dabei nicht anders und stellt, wie schon erwähnt, die Arbeit ein. Oder zumindest verlangsamt sie ihren Stoffwechsel. Das kann dann wiederrum zu Gärstörungen oder Stockungen führen.

Kurz gesagt: die Hefe wird gestresst. Und gestresste Hefe führt wiederum zu Fehlaromen. Durch das warme Anstellen und spätere runterkühlen ist der Drops also längst gelutscht. Danach kann man noch so lange kalt rumgären, die Fehlaromen hat man sich schon längst ins Bier gebracht.

Auch obergärige Hefen lieber kälter anstellen und auf Temperatur kommen lassen.
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Re: Hefe Wiederverwenden

#44

Beitrag von hyper472 » Dienstag 30. Juni 2020, 23:07

Alt-Phex hat geschrieben:
Dienstag 30. Juni 2020, 21:52
Stellt euch einfach mal vor ihr seid euch grade schön am vermehren und im Anschluss wartet ein reichhaltiges All-You-Can Buffet auf euch. Dann dreht plötzlich jemand die Temperatur runter. Da würde euch auch alles vergehen. ... Kurz gesagt: die Hefe wird gestresst.
Du lässt Dich beim Vermehren durch reduzierte Temperatur stressen?
Ich frage für einen Freund...
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Re: Hefe Wiederverwenden

#45

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 1. Juli 2020, 01:34

Ja! ich antworte für einen Freund ;-)
Eigentlich Jain, denn von den x Milliarden Zellen werden sich definitiv etliche vermehren. Nur langsamer eben ...

PS:
Die guten und die bösen Biester haben im ersten Step nur fressen und Vermehren im "Kopf". Alles Andere sind nachrangige Widrigkeiten.

Mythos (zum Beispiel): "Bier kalt lagern, dann vermehrt sich kein Lactobacillus".
Kritische Frage: "Warum zum Kuckuck kann denn Milch im Kühlschrank sauer werden?".
Antwort: "Weil die Biester am Ende doch fressen, bevor sie verhungern oder sich 'vital' ihrem Schicksal hingeben".

PS2: Gleiches gilt für jede Art von erwünschten oder unerwünschten Mikroorganismen im Gurkenglas mit einer Erntehefe. Solange was zu fressen da ist werden sie sich mehr oder weniger schnell fortpflanzen, und in absehbarer Zeit nicht verschwinden.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
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Viele Grüße
Jens

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