Hand aufs Herz (Wasser)

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Hand aufs Herz (Wasser)

#1

Beitrag von Spid3rpig » Dienstag 23. März 2021, 17:44

Hallo,
ich und mein Mitbewohner haben jetzt angefangen mit brauen und unser erstes Bier (IPA) war recht gut und alles hat soweit gepasst.
Wasser ist laut unseren wasserwerten: Siehe Anhang

Wir wollten jetzt mal wissen ob das Wasser wirklich sooo wichtig ist beim Bierbrauen oder eher die letzten 5% der Qualität ausmacht und ob wir vorerst einfach unser Wasser, Wasser sein lassen :)
Hätte gerne eure Meinung gehört zum Thema Brauwasser, musthave oder "nur" für die Königsdisziplin.

Gruß Moritz
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Brauwolf
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#2

Beitrag von Brauwolf » Dienstag 23. März 2021, 17:54

Wir wollten jetzt mal wissen ob das Wasser wirklich sooo wichtig ist beim Bierbrauen
Ja und nein. Wenn du das Wasser trinken darfst, kannst damit auch brauen - schlimmstenfalls wirst du das Bier alleine trinken. Wenn du in einem Wettbewerb mit einem Pils vordere Plätze belegen willst, wirst du nicht um ein optimiertes Brauwasser umhin kommen.

Mit den Werten aus deinem Bild kann ein Brauer nichts anfangen. Es fehlen Angaben zu HCO3, Calcium, Magnesium, Sulfat, Chlorid und Natrium. Dein Trinkwasserversorger kann und muss das liefern.

Cheers, Ruthard
Wir haben alle den gleichen Himmel, aber nicht denselben Horizont.
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#3

Beitrag von Spid3rpig » Dienstag 23. März 2021, 18:14

sowas?
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#4

Beitrag von Spid3rpig » Dienstag 23. März 2021, 18:14


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§11
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#5

Beitrag von §11 » Dienstag 23. März 2021, 18:17

Lass mich mal anders rum fragen.

Nehmen wir 1l Bier. Dann sind dann braucht man zum Brauen etwa 0,25g Hopfen, 0,5g Hefe, 180g Malz und 917,75g Wasser. Ein Liter fertiges Bier enthält grob 50ml Alkohol, 30ml Extrakt und 920ml Wasser. Warum sollte also Wasser, das bei weitem den grössten Anteil hat, die geringste Rolle spielen
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#6

Beitrag von Sebasstian » Dienstag 23. März 2021, 19:46

§11 hat geschrieben:
Dienstag 23. März 2021, 18:17
Lass mich mal anders rum fragen.

Nehmen wir 1l Bier. Dann sind dann braucht man zum Brauen etwa 0,25g Hopfen, 0,5g Hefe, 180g Malz und 917,75g Wasser. Ein Liter fertiges Bier enthält grob 50ml Alkohol, 30ml Extrakt und 920ml Wasser. Warum sollte also Wasser, das bei weitem den grössten Anteil hat, die geringste Rolle spielen
... weil wiederum in 920ml nicht-idealem Wasser direkt ausm Hahn und 920ml perfekt auf den Bierstil abgestimmtem Brauwasser der allergrößte Anteil identisch ist? :Wink
Spitzfindigkeit beiseite, ich stimme dir schon grundsätzlich zu. Ich bereite auch mein Brauwasser auf, ausgehend vom VE-Wasser und halte das für wichtig für beste Ergebnisse. Aber so groß wie deine etwas überspitzte Herleitung vermuten lässt ist der Einfluss dann wohl doch nicht würde ich sagen.
Um ein paar Aspekte für die Bier-Qualität mal in der Priorität zu sortieren werfe ich mal folgenden Vorschlag in den Ring:
1. Gärführung
2. Oxidationsvermeidung im Kaltbereich
3. Rohstoffauswahl inkl. Wasser
4. Würzebereitung inkl. Rasten, Gussführung, Läutertechnik, Kochdauer etc.
5. ....
....
x. Brauhardware und Automatisierung

Keine Wahrheit (davon gibt's nie nur eine), nur meine Gedanken dazu hier und jetzt.

Edit: Interessanterweise wird von Einsteigern in der Regel diese Liste genau andersrum abgearbeitet. :Grübel
Grüße,
Sebastian

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#7

Beitrag von toaster » Dienstag 23. März 2021, 21:30

Ich habe zu Beginn auch einfach mit dem vorhandenen Wasser gebraut. Das funktioniert ganz gut.

Aber: die Wasseraufbereitung und eine temperaturgesteuerte Gärführung waren die grössten „gamechanger“ welche mein Bier besser werden liessen.

Beim Wasser vertrete ich den Ansatz, dass es gar nicht so wichtig ist, dass man alle chemischen Prozesse und Parameter verstehen muss (auch wenn es interessant ist). Vielmehr würde ich einfach das Brun Water Excel runterladen, Milchsäure, Calciumchlorid und Epson Salt (Magnesiumsulfat MgSO₄) kaufen. Kostet wenig Geld und du kannst damit viel erreichen. Vorausgesetzt allerdings, dass dein Wasser nicht übermässig hart ist. In diesem Fall müsstes du nich Verdünnen oder Entsalzen.

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#8

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 23. März 2021, 23:48

Mit MgSO4 würde ich sehr sparsam umgehen. Eigentlich würde ich sogar darauf verzichten. Das Zeug heißt nicht umsonst Bittersalz.
Zuletzt geändert von bierfaristo am Mittwoch 24. März 2021, 10:00, insgesamt 1-mal geändert.
Fühle mich oft unverstanden, bin vermutlich ein Genie.

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#9

Beitrag von toaster » Mittwoch 24. März 2021, 08:57

Für das Dosieren verwende ich ja gerade das Brun Water damit die Menge eben stimmt.

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#10

Beitrag von Spittyman » Mittwoch 24. März 2021, 09:16

Ich sage mal so, ich finde schon, dass es beim Wasser an sich deutliche Unterschiede gibt. Das beste Wasser, welches ich jemals trinken durfte, war das Leitungswasser in Völs am Schlern in Südtirol - sowas von frisch und lecker, unfassbar. Osmosewasser z.B. schmeckt furchtbar leer und auch Tee damit schmeckt mir nicht so gut, wenn es sich z.B. um Früchtetees handelt. Beim Brauen habe ich auch schon mein Wasser eingestellt, wobei ich nie den direkten Vergleich hatte, da ich bisher kein Rezept zwei Mal gebraut habe und schon gar nicht kurz hintereinander. Zumal behaupte ich mal, dass mein Geschmacksgedächtnis nicht so gut ist, als dass ich da große Vergleiche nach längeren Zeiträumen ziehen könnte. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass ich z.B. einen deutlichen Unterschied hinsichtlich des Chlorids schmecke. Diesbezüglich habe ich mal einen Test gemacht und ein Bier nachträglich damit behandelt und dann verglichen, hier merkt man den Unterschied schon. Ansonsten kann ich für mich nur soweit resümieren, als dass mir das Wasser noch keinen Sud versaut hat, Hefe und Hopfen allerdings schon.
Menschen, die bestimmte Biere aufgrund ihrer Herkunft, Brauart oder Farbe als "Hundepisse" bezeichnen, tun mir leid. :thumbdown Es lebe der Geschmack und die Vielfalt in jederlei Hinsicht! :Bigsmile

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#11

Beitrag von Boludo » Mittwoch 24. März 2021, 09:34

Wer mal so wie ich als Anfänger mit sodaalkalischem Wasser aus der Enthärtungsanlage gebraut hat weiß, wie sehr man ein Bier mit dem falschen Wasser ruinieren kann.
Es gibt ein paar Glückliche, bei denen bestes Brauwasser aus der Leitung kommt. Das ist aber die Ausnahme und nicht die Regel.
Mit meinem Leitungswasser kann man höchstens ein Hefeweizen brauen, das wars dann aber schon. Es lohnt sich immer, einen Blick auf die Wasserwerte zu werfen. Und ganz so kompliziert ist es auch nicht, wenn man sich mal ein wenig eingelesen hat.
Der Unterschied kann gewaltig sein.

Stefan

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#12

Beitrag von Bergbock » Mittwoch 24. März 2021, 10:06

Da kann ich Boludo (Stefan) nur zustimmen.
Das Wasserthema klingt für chemisch Unbefleckte anfänglich furchtbar kompliziert, ist es aber letztlich gar nicht.
Ich habe zuhause Wasser mit 15 °dH Gesamthärte, 12 °dH davon temporäre Härte.
Ich praktiziere 2 Methoden um mein Brauwasser zu bekommen:

a) Vollentsalzer (Mischbett) mit anschliessendem Verschneiden von E-Wasser und Leitungswasser auf das gewünschte Niveau, meist etwa 4 - 5 °dH gesamt.
b) Versetzen des Leitungswassers mit CaO bzw Ca(OH)2, damit komme ich auf etwa 3 - 4 °dH Gesamthärte runter.

Meist enthält die Schüttung noch 2% Sauermalz, so habe ich auch für die Restalkalität sehr gute Werte.
Alles kein Hexenwerk.

Frank

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#13

Beitrag von nPlusEins » Mittwoch 24. März 2021, 10:28

So schlecht sieht doch das Wasser gar nicht aus. Es ist zudem recht Calcium und Chloridarm, also kann man je nach Bierstiel schon mit Aufsalzen alleine recht weit kommen (Calciumsulfat und Calciumchlorid, evtl. etwas Kochsalz).

Oder einfach zunächst mal nur eine Sauermalzgabe zur Anpassung der Restalkalitat mit einplanen. Das reicht für den Anfang auch aus.

Johanson
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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#14

Beitrag von Johanson » Mittwoch 24. März 2021, 10:30

Ich bin der gleichen Meinung wie Sebasstian weiter oben hier im Thread. Wasser hat einen großen Einfluss auf den Geschmack des Bieres. Mein persönliches Aha-Erlebnis hatte ich noch bevor ich jemals ein Bier gebraut habe: Mit Kaffee. Der Kaffee, der mir zuhause ein Hochgenuss in Reinform war, hat an einem anderen Ort mit extrem weichen Wasser komplett anders, und zwar schlechter geschmeckt.

Ich bin nun kein Wasser-Guru, dafür beschäftige ich mich auch noch nicht lang genug mit dem Thema. Aber von dem was ich bisher weiß, würde ich zu deinem Wasser sagen: Das ist zum Brauen schonmal ganz in Ordnung! Nicht zu hart und kein wichtiger Wert geht irgendwo durch die Decke.

Wenn du möchtest, kannst du mit wenig Aufwand noch etwas Feintuning betreiben. Konkret würde mir einfallen
- Für einen optimalen Maische-pH (vor allem bei hellen Schüttungen) mit Milchsäure die Restalkalität senken
- Für hopfenbetonte Biere mit CaSo4 (Braugips) den Sulfatanteil erhöhen
- Für malzbetonte Biere mit CaCl den Chloridanteil erhöhen
- Oder generell mit beides gering dosiert einsetzen um insgesamt die Vollmundigkeit zu erhöhen

Zum Einlesen in das Thema empfehle ich diesen Artikel https://braumagazin.de/article/von-der- ... rauwasser/
Bei der genauen Berechnung leistet der Wasserrechner von Schlupf hier aus dem Forum (https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?t=11831) sehr gute Dienste.

tl;dr: Wasserqualität macht viel aus. Kannst du bei deinem Wasser mit wenig Aufwand noch verbessern.

Viele Grüße
Hendrik

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Re: Hand aufs Herz (Wasser)

#15

Beitrag von Frommersbraeu » Mittwoch 24. März 2021, 19:48

Hallo Moritz,

ich bin da voll und ganz bei Ruthard, JA und NEIN.
Falls du, wie von ihm beschrieben ein Pils machen möchtest und hast kein super weiches tschechisches Wasser zur Hand, dann wird's unangenehm Bitter. Solange du dich auf regionale Stile konzentrieren kannst, dann sollte das aber hin hauen. Die Braumeister vor Ort haben, zumindest früher, das Bier dem Wasser angepasst. Nicht umsonst war das klassische Münchner Bier dunkel und malzig während im Norden eher hopfige Pilsner dominierten.
Brauen ist wie ein Überraschungsei:
Spiel, Spaß und Scho.. ach ne Bier!
:Drink

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