Mein Bier schmeckt mir nicht...

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bierfaristo
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Mein Bier schmeckt mir nicht...

#1

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 24. Januar 2017, 11:18

...oder, wie erkenne und identifiziere ich Fehlaromen...
...oder, wie schmecken eigentlich Hefen?

Hallo zusammen,

ich stehe gerade an einem Punkt, an dem ich nicht so recht weiter weiß bzw. meine Brauerkarriere schneller vorbei sein könnte, als sie angefangen hat. Dazu ein kurzer Rückblick auf meine Brauerhistorie. Da ich erst 4 Sude gebraut habe, davon 3 abgefüllt, wird das ganze durchaus übersichtlich.

Einschub: Ich bin kein großer Verköstiger, ich kann (in der Küche) Aromen stimmig kombinieren, kann sie aber nicht wirklich benennen. Mein Geschmack / meine Wahrnehmung ist recht digital: schmeckt mir, schmeckt mir nicht.
  • Angefangen habe ich mit einem SNPA nach MMUM, vergoren mit der US-05 bei ca. 20°C RT. Dabei wild gerührt und vermutlich noch einige mir unbekannte Fehler eingebaut. Das Bier hat mir und den meisten anderen Verkostern sehr gut geschmeckt. Aber der erste Sud zählt ja wohl nicht.
  • Als zweites folgte ein Anfängerweizen, ebenfalls nach MMUM. Da das Hefe-Strippen nicht so recht geklappt hat bzw. ich zu spät angefangen habe, musste ich auf eine Trockenhefe zurückgreifen, die Danstar Munich Wheat. Das Ergebnis war für mich nahezu untrinkbar, wobei anderen Testern das Bier durchaus zugesagt hatte (einer hat an einem WE fast einen kompletten Kasten geleert). Ich kann den Geschmack nicht wirklich beschreiben, eine Mischung aus fruchtig(?) und stechend. Später erst habe ich mich über die Hefe näher informiert und musste feststellen, dass die Hefe nicht unbedingt die besten Hefeweizen hervorbringt (dafür hatte ich ein sehr klares Bier :Ahh ). Da ich auch bei sehr hoher Temperatur vergoren habe, habe ich das als lesson learned abgehakt.
  • Sud #3 ist ein SMaSH aus Pale Ale Malz und Cascade, selbes Maischprogramm wie beim SNPA. Ich habe den Sud aufgeteilt und zur Hälfte mit US05 und mit S04 bei 17°C RT vergoren. Am Ende der HG habe ich das Bier wärmer gestellt, die Gärung war aber durch. Zu Beginn habe ich keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Bieren gemerkt, beide für mich schmackhaft. Nach meiner Geschmackswahrnehmung: Bier, schmeckt mir.
    Jetzt nach 4 Wochen nach Ende der NG, kann ich das mit der S04 vergorenen Hefe kaum noch genießen. Bier, schmeckt mir nicht.
    Meiner Meinung nach der selbe Geschmack wie bei meinem Weizen, nur nicht ganz so ausgeprägt.
  • Zu Sud 4 kann ich noch nichts sagen. Wie Sud 3, aber mit Citra. Befindet sich noch im Gäreimer
Nun sehe ich folgende Möglichkeiten, die den Geschmack erklären könnten.
  1. Infektion:
    Eine Infektion kann ich zwar nicht ausschließen, aber ich habe sehr auf Sauberkeit geachtet, den Deckel während der Gärung erst nach einer Woche geöffnet. Prinzipiell habe ich alle Sude im Kaltbereich im wesentlichen in Ruhe gelassen. Da ich aber weder Kühlspirale noch sonstige Kühlmöglichkeit habe, muss ich aber über Nacht abkühlen lassen.
  2. Fehlaromen durch Probleme beim Maischen/Läutern
    Ich weiß nicht genau, ob hier Fehler auftreten, die den Geschmack beeinflussen. Ich habe bei den ersten Suden sehr viel gerührt, später weniger. Die Rasten habe ich mit +-1°C ziemlich gut gehalten/getroffen.
  3. Fehlaromen durch Probleme bei der Gärung:
    Da habe ich es bei dem Weizen bestimmt übertrieben. Die Raumtemperatur lag mitunter über 24°C. Bei den anderen Suden konstant bei ca. 17°C. Allerdings habe ich die NG (Zucker) bei ca 22°C RT durchgeführt.
  4. Sudhausgeschmack:
    Meine größte Angst: Ich hoffe, der Mikrokosmos in meiner Küche und meinem Keller führt nicht zu diesem Geschmack.
  5. Geschmack der Hefe / kein Fehlaroma
    Meine größte Hoffnung: Ich habe keine Fehlaromen, sondern die S04 produziert Aromen, die mir nicht schmecken
Nach langer Einleitung:
Prinzipiell würde ich gerne mehr über (Fehl-)Aromen lernen, die Seminare, die ich gefunden habe, sind mir aber zu teuer und/oder zu weit weg. Ich hab zwar bei Doemens oder bei der Müggelland-Brauerei Beschreibungen gefunden, die helfen mir aber leider nicht wirklich weiter, allein die Beschreibung von Katze und Cassis für das selbe Aroma ist für mir nicht hilfreich. Kennt jemand ein gutes Geschmacksseminar im Rhein-Main-Gebiet?
Auch bei Doemens habe ich das (Fehl-)Aromen-Probierset gefunden. Kennt das jemand? Ist das sinnvoll? Ich weiß nicht ob ich an die 100€ ausgeben will, um den Geschmack von Stinktier kennen zu lernen.
Was ist der sinnvollste Weg den Eigengeschmack von Hefen kennenzulernen? Wollte schon 10% Zuckerlösung mit der S04 ansetzen, musste dann aber feststellen, dass ich keine mehr habe. Wobei, im Gäreimer ist noch welche... Macht sowas Sinn? Bekomme ich damit den Hefeeigengeschmack? Oder kann mir jemand ein Kaufbier nennen, dass mit der S04 vergoren ist bzw. das den "typisch englischen fruchtig-estrigen" Geschmack aufweist?
Habe ich in meiner Aufzählung Ursachen für Fehlaromen vergessen? Ich fänd es sehr schade das Brauen aufgeben zu müssen, weil das Ergebnis nicht passt.

Danke fürs Lesen und Helfen. Ich kann wohl nur lange Texte. :puzz

Christian

P.S. Falls ich im falschen Forenbereich bin, mea culpa. Einfach verschieben.
Fühle mich oft unverstanden, bin vermutlich ein Genie.

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#2

Beitrag von ggansde » Dienstag 24. Januar 2017, 11:23

Moin,
Kennt jemand ein gutes Geschmacksseminar im Rhein-Main-Gebiet?
Für den Anfang würde es der monatliche HB-Stammtisch Rhein-Main tun. Dort könnte man zumindest mal die gröbsten Fehlaromen eingrenzen.
VG, Markus
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#3

Beitrag von chaos-black » Dienstag 24. Januar 2017, 11:33

Ui, das klingt nach einem starken Frustrationspotenzial. Aber du bist ja zum Glück nicht alleine, sondern hast hier viele Leute die dir helfen wollen und es ist sicher möglich (auch wenn Ferndiagnose immer eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt)
Besondere interessant finde ich was du zu deinem dritten Sud geschrieben hast, nämlich dass er sich von schmackhaft zu "untrinkbar" in 4 Wochen nach Abfüllen verändert hat. Ich bin jetzt kein Spezialist, das klingt für mich aber nach 2 Möglichkeiten. Entweder, du hast irgendwie Teile der unliebsamen Weizenhefe verschleppt und die hat nun doch noch irgendwas beigetragen was dir besonders missfällt. Oder, und das klingt für mich bei einer so stark wahrgenommenen Geschmacksveränderung nach Abfüllung sogar noch wahrscheinlicher, du hast dir etwas eingefangen und das verstoffwechselt auch Sachen, die die Hefe übrig gelassen hat. Ich hatte auch mal soetwas, bei mir war es eine Infektion mit irgendwas, das Säure produziert. Es hatte sich bei mir im Plastikgäreimer in kleinen Kratzern eingenistet und fortan, als das Bier in Flaschen war, ekligen Geschmack und Säure beigetragen. Dieser Geschmack wurde stärker je älter die Flaschen wurden. Außerdem war Gushing die Folge, da diese Organismen wohl auch irgendwie Gase produziert haben, die den Druck in der Flasche erhöht haben.
Ich würde dir empfehlen nochmal alle möglichen Infektionsquellen durchzugehen (auch die grundsätzlichen wie: mit kratziger SChwammseite Plastikgäreimer bearbeitet, Proben aus dem Gärhahn, ausreichende Flaschenreinigung, etc etc.) Da solltest du ggf. einiges über die SuFu finden.
War der S04 Sud im gleichen Gäreimer wie das Weizen? Wie hat sich das US-05 Bier entwickelt?

Beste Grüße,
Alex
Zuletzt geändert von chaos-black am Dienstag 24. Januar 2017, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Sura
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#4

Beitrag von Sura » Dienstag 24. Januar 2017, 11:46

Ich kann dich verstehen. Ich habe auch meine Biere gehabt die ich nicht mochte. Bei mir hat sich allerdings C-Hopfen als ein "Übeltäter" rausgestellt. Die S-04 hatte ich auch mal im Verdacht, musste meine Meinung ab revidieren. Ich habe mal einen Sud gemacht mit einem Standartrezept: PaleAle und n bischen Carahell, und das dann in 5 Behälter aufgeteilt und in allen eine andere Hefe: viewtopic.php?f=7&t=10318 (in Post 22 steht dann das Ergebnis)
Werde ich nochmal so wiederholen, nur mit anderen Hefen und kälterer Temperatur. Meine Erkenntnis aus dem Experiment ist, das man mit Hefe viel mehr kaputtmachen und/oder retten kann wie mit Hopfen oder Malz.

Maischen/Läutern... da kann man eigentlich nur dann Mist bauen wenn man das Wasser komplett ignoriert. Den Fehler merkt man aber meistens an kratzigen, harschen Nebengeschmäckern.
Sudhausgeschmack mag sein, aber mal im ernst: Wie oft brauen wir denn? ich glaube nicht daran das sich von einem Vorgang den man alle paar Wochen ausführt und ansonsten die Räume sauber hält und wie immer benutzt ein Geschmack ausbilden kann.

Ansonsten finde ich das mit den Fehlaromen echt Feinarbeit, teilweise auf hohem Niveau. Ich mag auch eines meiner Biere nicht (mehr). Meine Frau schmeckt keinen Unterschied zu dem was vor 4 Wochen war. Ich rätsel nun bei jeder Flasche wie das zustandegekommen ist und was ich dagegen machen könnte, und manchmal glaube ich auch, daß eine Erwartungshaltung schon das Ergebnis verfälscht. (Erster Sud, immer toll ...)

Ein Fehlaromenseminar ist durchaus sinnvoll, aber suche dir Mitstreiter. Ich hab das in Berlin mitgemacht und kann es empfehlen. Und 500ml Milchsäurefehlgeschmack reicht für 10 Mitgeniesser ganz locker....

Probier Hefen durch, du wirst dich sowas von wundern...... :)

Gruß,
Kai
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#5

Beitrag von der_dennis » Dienstag 24. Januar 2017, 12:48

Servus Chrisitan,
Da ich erst 4 Sude gebraut habe, davon 3 abgefüllt, wird das ganze durchaus übersichtlich.
Da liegt der Fehler :Greets Brauen ist, anders als oft dargestellt, nicht einfach. Trinkbares herstellen kann fast jeder aber Bier, das wirklich schmeckt ist schon eine andere Hausnummer. Gehen wir deine Sude mal durch:

1) Hat dir und den Verkostern geschmeckt. Passt doch? Klar zählt der erste Sud! Das erste Bier und keine Infektion ist schon mal ein riesen Erfolg! Und wenn es dann noch schmeckt, wunderbar!
2) Dein Kumpel hat an einem Wochenende eine Kiste geleert? Scheint doch zu schmecken! Ist halt Geschmackssache wenn es dir nicht schmeckt bzw. nicht so wie du es dir vorgestellt hast. Im Übrigen würde ich am Anfang keine Hefe strippen, vor allem nicht beim zweiten Sud.
3) Die S04 schmeckt mir auch nicht. Überhaupt nicht. Hab viel Biere damit gemacht und es irgendwann aufgegeben.

Ich stand vor nicht allzu langer Zeit an genau dem selben Punkt wie du. Alle Tester sind "begeistert" und trinken das Bier und einem selbst schmeckt es überhaupt nicht. Abhilfe war bei mir echt die Anschaffung eines Kühlschrank mit dem ich die Gärtemperatur steuern kann, dann das erste "richtige" Untergärige. War schon eine Offenbarung, der Unterschied zwischen warm vergorener US-05 und kalter W34/70. Ich hatte vorher bei allen OG Bieren auch einen ganz "ekligen", hefigen Beigeschmack, seit ich alles gesteuert vergäre hat sich das gelegt. Das wäre meine erste Empfehlung für dich.
Zu den Hefen: Die muss man natürlich der Situation entsprechend nutzen. Beim Smash zb will man, anders als beim Hefeweizen, keinen Geschmack seitens der Hefe. Darum würde ich sowas entweder mit der US-05 oder der 34/70 machen, beides am unteren Ende des Temperaturbereichs starten und dann nach einer Zeit wärmer werden lassen.

Womit wird das vierte Bier denn grad vergoren?

Um die Hefen kennenzulernen habe ich etwas Würze in vier Gläser aufgeteilt und dann in jeden Becher eine andere Hefe gegeben: 34/70, US05, S04 und S33. Abgedeckt, stehen lassen und nach einer Zeit dran riechen. Ich empfand nur die ersten beiden als angenehm und seit dem benutz ich nur noch die zwei bei neutralen Bieren.

Lange Rede kurzer Sinn: Dranbleiben und an der Gärung arbeiten. Wird schon.
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#6

Beitrag von inem » Dienstag 24. Januar 2017, 12:55

Sura hat geschrieben: Sudhausgeschmack mag sein, aber mal im ernst: Wie oft brauen wir denn? ich glaube nicht daran das sich von einem Vorgang den man alle paar Wochen ausführt und ansonsten die Räume sauber hält und wie immer benutzt ein Geschmack ausbilden kann.
Vor allem aber ist es gerade bei einem Anfänger unwahrscheinlich, das Ganze muss sich erst mal ausbilden.

Mich macht vor allem stutizg, dass das Bier mit der S04 erst schmeckte und dann nicht mehr. Ich hatte das mit einigen Bieren, dass sie mit der Zeit einen penetranten Autolysegeschmack ausbildeten. Viele haben ihn nicht bemerkt, für mich war das aber untrinkbar. Einige mochten das Bier und sobald sie aber erst mal drauf aufmerksam gemacht wurden, bekamen sie es auch nicht mehr hinunter. Da war eindeutig zu lange auf der Hefe stehen lassen das Problem, was hier im Forum aber immer wieder heruntergespielt wird.

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#7

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 24. Januar 2017, 12:57

Erstmal Danke für die Tipps und die Anteilnahme. :Smile

Frust ist natürlich da, aber nachdem ich das alles aufgeschrieben und gelesen habe, erscheint es bur noch halb so wild. Bevor ich aber Zeit und Geld verbrenne, würde ich gerne den Hintergrund für den Geschmack bekommen.
chaos-black hat geschrieben:...
Besondere interessant finde ich was du zu deinem dritten Sud geschrieben hast, nämlich dass er sich von schmackhaft zu "untrinkbar" in 4 Wochen nach Abfüllen verändert hat.
...
Untrinkbar ist relativ, aber mir schmeckt es halt nicht und ich bin letztendlich die einzige Person die hierfür zählt.
chaos-black hat geschrieben:...
War der S04 Sud im gleichen Gäreimer wie das Weizen? Wie hat sich das US-05 Bier entwickelt?
...
Möglich, aber ich weiß es nicht. Das US-05-Bier schmeckt mir nach wie vor.
Allerdings habe ich keine Kühlmöglichkeit, d.h. ich lagere bei ca 17°C. Die Hopfenaromen sind bei beiden Bieren schon deutlich weniger wahrnehmbar. Möglicherweise tritt jetzt halt der Geschmack der Gärprodukte in den Vordergrund.
Sura hat geschrieben:...
Maischen/Läutern... da kann man eigentlich nur dann Mist bauen wenn man das Wasser komplett ignoriert. Den Fehler merkt man aber meistens an kratzigen, harschen Nebengeschmäckern.
...
Hatte ich auch so verstanden Mein Wasser scheint einigermaßen brauchbar. Meine Restalkalität von ~6°dH habe ich mittels Michsäure auf ~0°DH gebracht.
der_dennis hat geschrieben:...
Womit wird das vierte Bier denn grad vergoren?

Um die Hefen kennenzulernen habe ich etwas Würze in vier Gläser aufgeteilt und dann in jeden Becher eine andere Hefe gegeben: 34/70, US05, S04 und S33. Abgedeckt, stehen lassen und nach einer Zeit dran riechen. Ich empfand nur die ersten beiden als angenehm und seit dem benutz ich nur noch die zwei bei neutralen Bieren.

Lange Rede kurzer Sinn: Dranbleiben und an der Gärung arbeiten. Wird schon.
Ebenfalls US-05 und S-04.
Das mit den verschiedenen Hefen in Würze werde ich mal versuchen.

Christian
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#8

Beitrag von Alt-Phex » Dienstag 24. Januar 2017, 13:08

Allerdings habe ich keine Kühlmöglichkeit, d.h. ich lagere bei ca 17°C.
Das heisst dein Bier bekommt keine Kaltreifung/Lagerung ?

Dann kauf dir mal einen Kühlschrank und lass es dort für
2-3 Wochen reifen bis du es trinkst. Könnte dein Problem
schon lösen. Bier braucht kälte, besonders unser unfiltriertes.

Wenn das so warm steht wird aus "Reifung" schnell "Alterung".
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#9

Beitrag von Chrissi_Chris » Dienstag 24. Januar 2017, 13:12

Alt-Phex hat geschrieben:
Dann kauf dir mal einen Kühlschrank und lass es dort für
2-3 Wochen reifen bis du es trinkst..
Ich habe mir extra für die Kaltreifung bei Ebay Kleinanzeigen in der Umgebung einen guten gebrauchten sehr großen Kühlschrank gekauft für 15€.

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#10

Beitrag von Bierokrat » Dienstag 24. Januar 2017, 13:40

Chrissi_Chris hat geschrieben:Ich habe mir extra für die Kaltreifung bei Ebay Kleinanzeigen in der Umgebung einen guten gebrauchten sehr großen Kühlschrank gekauft für 15€.
Ist aber auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn das so ne alte Vorweltkriegsgurke ist, frisst sie übers Jahr verteilt schnell soviel Strom, dass sich auch ein neueres Modell gelohnt hätte.
Außer du hattest schön Glück und hast nen halbwegs Energieeffizienten ergattert.
Prost!

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#11

Beitrag von Bierwisch » Dienstag 24. Januar 2017, 13:45

Das ist noch zu früh, um die Flinte ins Korn zu werfen.

Den größten Einfluss auf den Geschmack hat nunmal die Hefe und die Gärführung, sowie das Wasser. Da sich das aber nur mit ziemlichem Aufwand beeinflussen läßt, konzentrieren sich Hobbybrauer gerne auf Dinge, die sich gut steuern lassen und basteln sich Rührwerke, Temperatursteuerungen, Kühler und vieles mehr. Leider hat die ganze Technik nur zu einem sehr kleinen Teil Einfluss auf den Biergeschmack.
Der resultiert zum allergrößten Teil aus der eingesetzten Hefe, die bildet nämlich abhängig von Temperatur und Nährstoffen jede Menge Aromen, die dann im fertigen Bier für Überraschungen sorgen können.

Daher kann ich Dir für den Anfang nur empfehlen, obergärige und neutrale Hefen (ich mag die Notti und die BRY97) zu verwenden. Die sind fast nicht totzukriegen, vergären bei moderaten Temperaturen (17 - 20°C) sehr unauffällig und erreichen ordentliche Vergärgrade (bis über 80%).
Natürlich gibt es noch dutzende andere Kandidaten...

Ich braue übrigens auch manchmal Biere, die mir so überhaupt gar nicht schmecken, aber zum Glück habe ich keinen Mangel an Mittrinkern, die sich über fette IPAs oder pappsüße Böcke freuen und das Zeug schneller vernichten als man gucken kann.

Gruß,
Bierwisch
Der Klügere kippt nach!

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#12

Beitrag von Chrissi_Chris » Dienstag 24. Januar 2017, 13:47

Bierokrat hat geschrieben:Wenn das so ne alte Vorweltkriegsgurke ist, frisst sie übers Jahr verteilt schnell soviel Strom, dass sich auch ein neueres Modell gelohnt hätte.
Außer du hattest schön Glück und hast nen halbwegs Energieeffizienten ergattert.
Da stimme ich dir voll und ganz zu, natürlich habe ich darauf geachtet, Es ist kein A+++ aber auch kein Stromfresser von Kriegszeiten.


LG Chris

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#13

Beitrag von Killa-Bräu » Dienstag 24. Januar 2017, 15:12

Hallo Christian, ich hatte auch mal ein Weizen, das einen stechenden für mich untrinkbaren Nachgeschmack hatte. Zur Sicherheit lies ich es meinen Freund, einen Braumeister, der hauptsächlich Weizenbier mag, verkosten.
Der fand es gut und es schmeckte ihm. Er konnte diesen Nachgeschmack nicht feststellen, den ich herausschmeckte.
Er erklärte mir das manche Menschen für gewisse Aromen geschmacksblind sind und manche eben sehr empfindlich auf jene reagieren.

Also nicht verzagen und weitermachen, das wird schon :thumbsup :thumbup

Herzliche Grüße
Da Killa
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#14

Beitrag von flying » Dienstag 24. Januar 2017, 16:52

...meine Wahrnehmung ist recht digital: schmeckt mir, schmeckt mir nicht.
erst mal ein bisschen klugscheißen. Digital bedeutet in etwa "in Ziffern". Du meinst sicher dein Geschmsck ist eher binärer Natur.. :Greets


Es ist natürlich das Wichtigste sich ein Bier zu brauen was dem persönlichen Geschmack entspricht. Wozu der Aufwand für Bier die einem selber nicht schmecken oder nur anderen?
Deshalb solltest Du zuerst Deine Lieblingssorte und deinen persönlichen Geschmack eruieren. Auch Profibiere polarisieren. Der eine findet dieses oder jenes Pils oder Weizen untrinkbar und das andere findet er spitzenmäßig obwohl beide mit Sicherheit nach allen Regeln der Kunst fehlerfrei gebraut wurden.
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#15

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 24. Januar 2017, 18:18

Ein Kühlschrank wäre auch die nächste geplante Investition. Aber genau diese Investition scheue ich zur Zeit, da ich diese nur tätigen will, wenn es sich für mich lohnt weiter zu brauen.
flying hat geschrieben:...
Es ist natürlich das Wichtigste sich ein Bier zu brauen was dem persönlichen Geschmack entspricht. Wozu der Aufwand für Bier die einem selber nicht schmecken oder nur anderen?
Deshalb solltest Du zuerst Deine Lieblingssorte und deinen persönlichen Geschmack eruieren. Auch Profibiere polarisieren. Der eine findet dieses oder jenes Pils oder Weizen untrinkbar und das andere findet er spitzenmäßig obwohl beide mit Sicherheit nach allen Regeln der Kunst fehlerfrei gebraut wurden.
Das versuche ich ja herauszufinden. Mein Ziel ist aber nicht irgendein Kaufbier nachzubrauen. Dann kann ich es auch kaufen. Um den Geschmack zu bewerten muss ich aber wissen ob mir ein Bier trotz Fehler schmeckt oder weil es keinen Fehler aufweist. Oder eben ob es mir nicht schmeckt obwohl es fehlerfrei ist oder weil es Fehlaromen hat.
flying hat geschrieben:...
erst mal ein bisschen klugscheißen. Digital bedeutet in etwa "in Ziffern". Du meinst sicher dein Geschmsck ist eher binärer Natur.. :Greets
...
Weiß nicht, ob ich mich auf die Diskussion einlassen würde. :Grübel Dem Namen nach magst du Recht haben (den Finger außen vor lassend), aber ich würde digital u.a. mit (wert-)diskret definieren. Und dazu passt schmeckt mir, schmeckt mir nicht durchaus.
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#16

Beitrag von hyper472 » Dienstag 24. Januar 2017, 18:35

Gib Deinem Bier noch mehr Zeit. Am Anfang der Hauptgärung produziert manche Hefe - gerade bei ungünstigen Tempaturen - diverse Aromen, die sie dann später nach der Nachgärung nochmal zu sich nimmt. Da kann sich der Geschmack nochmal deutlich ändern.
Ist mir mal passiert, da hatte ich die Hefe in eine viel zu warme Würze gegeben. Das Bier wollte ich eigentlich wegschütten und habe es nur noch aufgehoben, um es zwei Bekannte kosten zu lassen. Die habe ich aber erst Wochen später getroffen und bis dahin war das Zeug richtig lecker!
Wegschütten kannst Du es in 4-6 Wochen immer noch.
Viele Grüße, Henning
"Das Bier aber macht das Fleisch des Menschen fett und gibt seinem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den guten Saft des Getreides."
Hildegard von Bingen (1098-1179)

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#17

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 7. März 2017, 21:59

Kurze Rückmeldung, um das Ganze hier zu einem (zum Glück versöhnlichen) Abschluss zu bringen. Mein Bier schmeckt mir, wobei da durchaus noch Luft nach oben ist. Was mir nicht schmeckt, sind gewisse Aromen, die von der S04 produziert werden, sich mit der Zeit aber wieder etwas abbauen. Freunde werden diese Hefe und ich aber nicht mehr.

Christian
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#18

Beitrag von der_dennis » Dienstag 7. März 2017, 22:31

Meine Rede! Kann die S-04 auch absolut nicht mehr haben
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#19

Beitrag von hyper472 » Dienstag 7. März 2017, 23:02

bierfaristo hat geschrieben:Kurze Rückmeldung, um das Ganze hier zu einem (zum Glück versöhnlichen) Abschluss zu bringen. Mein Bier schmeckt mir, wobei da durchaus noch Luft nach oben ist. Was mir nicht schmeckt, sind gewisse Aromen, die von der S04 produziert werden, sich mit der Zeit aber wieder etwas abbauen. Freunde werden diese Hefe und ich aber nicht mehr.

Christian
Wenn die Aromen wieder abgebaut werden (nicht von sich selber übrigens, sondern von der Hefe), sind sie möglicherweise Fehlaromen, die die Hefe am Anfang der Gärung nach falscher Temperatur von Hefe und/oder Würze produziert hat. Versuche mal, Hefe, Würze und Gärkeller bei der gleichen Temperatur (oder in der genannten Reihenfolge leicht ansteigend) zu haben.
Damit haben sich diese Fehlaromen bei mir erledigt.
Viele Grüße, Henning
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#20

Beitrag von bierfaristo » Dienstag 7. März 2017, 23:08

Werde das nächste mal verstärkt darauf achten. Da ich aber Splitsude mit US05 und S04 hatte und das Bier mit der US05 geschmacklich unauffällig war, schiebe ich es mal auf die S04.
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#21

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 8. März 2017, 00:33

Ich mag die S-04 ganz gerne, muss halt zum Bier passen. Aber jeder hat einen anderen Geschmack,
ich kann z.b. mit der hochgelobten Nottingham nicht so viel anfagen. Das muss man halt für sich
rausfinden und sein Bier mit der Hefe brauen die einem am meisten zusagt.
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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#22

Beitrag von emjay2812 » Mittwoch 8. März 2017, 07:08

Ich würde mir ein einfaches Rezept heraussuchen, z. B. Ein helles Ale.
Wenn die Möglichkeit besteht den Sud aufteilen und mit verschiedenen Hefen vergären.
Dann schmeckt man sofort, welche Hefe einem zusagt. Oder dieses Bier jedes mal mit einer anderen Hefe vegären.

Ich hatte einmal die Danstar Windsor, dass war über haupt nicht mein Geschmack.

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Re: Mein Bier schmeckt mir nicht...

#23

Beitrag von cyme » Mittwoch 8. März 2017, 08:23

emjay2812 hat geschrieben:Wenn die Möglichkeit besteht den Sud aufteilen und mit verschiedenen Hefen vergären.
Dann schmeckt man sofort, welche Hefe einem zusagt. Oder dieses Bier jedes mal mit einer anderen Hefe vegären.
Das kann ich nur unterschreiben. So kann man sehr schnell feststellen, welche Aromen von der Hefe kommen und welche nicht.

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