Kahmhaut wieder weg?

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hauti123
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Kahmhaut wieder weg?

#1

Beitrag von hauti123 » Montag 18. September 2017, 16:14

Hallo zusammen,

Ich habe das erste mal bei mir etwas beobachtet, das ich für eine Kahmhaut halte. Zuerst wollte ich mit dem Zeug gleich mal unsere Kläranlage fordern, hab mir dann aber nach ein wenig Recherche gedacht, wurscht, ab ins KEG und schau mer mal. Nachdem ich nicht gleich zum schlauchen gekommen bin ist dann der Kübel noch ein paar Tage gestanden und nachdem ich dann endlich Zeit hatte war das was ich für Kahmhaut gehalten habe auf einmal wieder verschwunden :Grübel (siehe Fotos)

Das Bier war im Prinzip ein unspektakuläres Helles, Brauvorgang war zum Schluss etwas hektisch. Nach dem Kochen abgekühlt aber nicht endgültig auf Anstelltemperatur sondern schon drüber (genau weiß ich's leider nimmer). Angestellt erst am nächsten Tag mit einem Packerl Danstar Windsor rehydriert auf ~22l. So wie das gelaufen ist, würd's mich nicht wundern, wenn ich mir da was eingefangen habe, weil das Bier vermutlich auch relativ lange in einem Temperaturbereich war, der eher zur Züchtung als zur Vernichtung von Würzefeinden nützlich ist.

Was mich halt ziemlich verunsichert ist, daß das Zeug wieder verschwunden ist? Wo ist das hin? Ich habe jetzt mal mit Zucker für die Nachgärung in KEG mit Spundapparat geschlaucht. Dort lass ich's erstmal. Mich würde aber schon interessieren was da los war bzw. was da im Bier noch los sein könnte. Mir ist beim schlauchen aufgefallen, daß im Gäreimer immer noch vereinzelt Blasen aufgestiegen sind. Irgendwas hat da noch gearbeitet.

Vom Geschmack war das Jungbier jetzt nicht besonders gut (kantige Bittere, ist aber auch viel Hopfen drin) aber mir ist kein besonders abnormer Geschmack aufgefallen.

Ich weiß, Ferndiagnosen sind bei sowas viel Hefesatzleserei, aber vlt. hat gibt's ja den einen oder anderen Hinweis.

Vielen Dank!

lg hauti
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Kahmhaut 1
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Kahmhaut wieder weg !?!

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Sura
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#2

Beitrag von Sura » Montag 18. September 2017, 16:40

hauti123 hat geschrieben:
Montag 18. September 2017, 16:14
Was mich halt ziemlich verunsichert ist, daß das Zeug wieder verschwunden ist? Wo ist das hin? Ich habe jetzt mal mit Zucker für die Nachgärung in KEG mit Spundapparat geschlaucht. Dort lass ich's erstmal. Mich würde aber schon interessieren was da los war bzw. was da im Bier noch los sein könnte. Mir ist beim schlauchen aufgefallen, daß im Gäreimer immer noch vereinzelt Blasen aufgestiegen sind. Irgendwas hat da noch gearbeitet.
Das ist eigentlich mal ein schönes Beispiel, warum die empfohlene Möglichkeit unter einer Kahmhaut (oder unter irgendwas anderem was unbekannterweise auf dem Jungbier schwimmt) abzuziehen, und das später mal trinken zu wollen: Du hast keine Ahnung was das wirklich ist, und hast auch keine Ahnung wieviel von dem mitten im Bier schwimmt.

Ein Sud der sich nicht so entwickelt wie es zu erwarten ist, gehört komplett ins Klo, und das Gärfass ordentlich desinfiziert oder weggeschmissen.
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#3

Beitrag von hauti123 » Montag 18. September 2017, 16:53

Ich habe das jetzt eigentlich auch mehr aus Neugier als aus Neid/Sparsamkeit/Schade-drum aufgehoben. Und ich werde das Bier auch niemanden zu trinken geben. Höchstens einem Brau-Buddy der daran beteiligt war und bei dem mglw. die Neugier auch größer ist als die Angst vor Montezumas Rache. Aber der weiß eh schon, was ihn da erwarten würde :-)

Aber den Hinweis bzgl. Gärfass werde ich mir zu Herzen nehmen. Das wird getauscht. Ich fürchte auch bei noch so gründlicher Reinigung bleibt doch ein Rest-Risiko(speziell ihm Hahn).

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#4

Beitrag von hyper472 » Montag 18. September 2017, 17:01

Ab damit zu den Kanalratten, da schließe ich mich Kai an. Auch wenns weh tut (ist mir gerade erst passiert).
Allerdings glaube ich, dass der Bottich nach einer Runde im Intensiv-Spülgang der SpüMa wieder sauber sein dürfte.
Den Hahn ersetzt Du aber besser durch einen Blindstopfen und ziehst künftig von oben ab.
Viele Grüße, Henning
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Hildegard von Bingen (1098-1179)

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#5

Beitrag von haefner » Montag 18. September 2017, 17:04

Ich denke den Hahn könntest Du mit abkochen noch am ehesten sterilisieren. Bei der Materialstruktur des Fasses wird's allerdings nicht so einfach. Mein Keg hätte ich damit jetzt nicht befüllt.

Rein Interessehalber : Wie schmeckt es denn jetzt, und wie hat es vorher geschmeckt? Ich hatte auf nem Apfelmost eine Kahmhaut, konnte man nicht mehr retten und schmeckte total oxidiert und wässrig weil die Kahmhefe da einiges verstoffwechselt.

Schade drum.

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#6

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Montag 18. September 2017, 17:21

Zu der Idee, das Bier aus Neugierde zu verkosten, habe ich keine richtige Meinung. Es ist eben genau das Problem, dass niemand weiß, was dort im Gäreimer gelebt und die Haut verursacht hat. Von manchen Giften braucht ein Mensch nicht viel. Beispiel Borelliose, bei der eine Kleinstmenge Zeckensabber ein Leben lang für Probleme sorgt. Nicht jedes Experiment endet glimpflicherweise auf dem Thron.

Aber mal was anderes. Wie viel Zeit lag zwischen den „Haut da“ und „Haut weg“ Fotos? Das gibt zu denken. Das mögliche Verschwinden einer Kahmhaut wäre ein Punkt, lange Zeiten nach der HG im Gäreimer zu vermeiden.
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#7

Beitrag von hauti123 » Montag 18. September 2017, 20:18

Der Gedanke, daß es vlt. gar nicht so klug war ein KEG damit zu kontaminieren ist mir auch schon gekommen, leider zu spät :-) Ist eh immer dasselbe, erst denken, dann handeln... Aber jetzt is wurscht ich lass mal und riech dann mal rein. Bin auch gespannt was das dann am Ende an Restextrakt hat. Vlt. sagt das auch noch was aus... Mal schauen wieviel da weggeknuspert wird.

Den Geschmack kann ich jetzt gar nicht so richtig beschreiben, es hat eine sehr harsche Bitterkeit, was ich aber eher auf Rezept und Wasser zurückführe. War einiges an Hopfen und der Nachguss war unbehandelt (bei ~14°dH). Ansonsten hat's jetzt nicht komisch geschmeckt, aber gut war's halt auch nicht. Aber den Eindruck hab ich beim Jungbier schon öfter gehabt und hinten raus war's dann durchaus trinkbar. Ist sicher auch psychologisch. Wenns einem schon ein wenig graust beim kosten wirds halt eher kein Lieblingsbier mehr werden :-) In der Nase habe ich etwas Gemüse wahrgenommen.

Die Kahmhaut Fotos sind vom 10.9. 19:45, die ohne vom 17.9 20:30, war also ziemlich genau eine Woche dazwischen. Nach den ersten Fotos sie aber schon noch 2-3 Tage zu sehen (hab leider nicht mitgeschrieben/geknipst). Ich hab mir schon überlegt, ob ich sowas vlt. früher schon mal gehabt habe aber einfach nicht bemerkt. Bei diesem Brau- und Gärvorgang habe ich zum ersten Mal einen easyDens in Verwendung gehabt und deshalb viel öfter als früher mal reingspechtelt und Proben entnommen. Spritze hab ich zwar immer mit aussen TM70 desinfiziert, aber einmal ist mir aus einer größeren Spritze auf Grund des CO2 Drucks in der Probe ein wenig was zurückgespritzt. Ausserdem ist durch das Proben entnehmen sicher die CO2 Decke gestört worden (und Kahmhaut wird ja m.W. durch Sauerstoff begünstigt).

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#8

Beitrag von Malzwein » Dienstag 19. September 2017, 13:47

Ehrlich gesagt ist doch über Kahmhaut nur wenig bekannt. Zu glauben, dass das schädlich ist, ist genauso haltlos, wie es pauschal als unbedenklich zu erklären. Fehlaromen sollen häufiger sein, das genauer zu untersuchen wäre sicher interessant.

Eine Vergiftung durch Botulismus - und das ist wirklich gefährlich - wird meist durch verdorbenes Fleisch oder nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufen, die Erreger können aber auch in Honig sein. Wachstum der bösen Bakteriums wird durch Pökeln und Hitzesterilisation verhindert. Gibt es einen Zusammenhang mit Bier? Ist Bier etwa eingekochtes Gemüse?

Letztlich muss jeder selber Entscheiden, aber ich sehe eigentlich kein nachweisbares Risiko, wenn ich auch selber skeptisch auf eine Kahmhaut blicken würde. Aber irgendwoher muss das Kilo Bakterien im Darm ja herkommen (bzw. seine Widerstandskraft erhalten) :Wink
Gruß Matthias

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#9

Beitrag von tauroplu » Dienstag 19. September 2017, 14:07

Ich melde mich jetzt dochmal dazu. Ich weiß von bestimmten Hefen, dass sie während der Gärung (besonders zum Ende hin) eine kahmhautähnliche Schicht produzieren. Nach vollständigem Abschluss der Gärung verschwindet die aber wieder.
Wenn ich mir die Fotos anschaue, dann vermag ich kaum zu glauben, dass es sich um eine Kahmhaut handelt. Eine einmal gebildete Kahmhaut verschwindet eigentlich nicht wieder, sonder prägt sich immer weiter aus. Und im Zusammenhang mit Kahmhaut das Botulinusbakterium ins Spiel zu bringen, empfinde ich etwas über das Ziel hinausgeschossen. Na, klar, lieber einmal zu vorsichtig als die eigene Gesundheit zu gefährden, aber die Kirche sollte man schon im Dorf lassen.
Beste Grüße
Michael

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#10

Beitrag von tbln » Dienstag 19. September 2017, 14:24

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Montag 18. September 2017, 17:21
Zu der Idee, das Bier aus Neugierde zu verkosten, habe ich keine richtige Meinung. Es ist eben genau das Problem, dass niemand weiß, was dort im Gäreimer gelebt und die Haut verursacht hat. Von manchen Giften braucht ein Mensch nicht viel. Beispiel Borelliose, bei der eine Kleinstmenge Zeckensabber ein Leben lang für Probleme sorgt. Nicht jedes Experiment endet glimpflicherweise auf dem Thron.
Ich kann mich da Matthias nur anschließen. Tritt eine Kahmhaut auf, ist das sicherlich bei Verwendung von Reinzuchthefen eher nicht gewollt und kann zu Geschmacksabweichungen und evtl. Gushing führen. Mich würde nur mal interessieren welches Gift außer Alkohol von welchem Organismus in Bier gebildet werden soll. Den Vergleich mit bakteriellen Infektionen wie Borreliose finde ich ansonsten hanebüchen. Die Kombination von Alkoholgehalt, Hopfen und ph-Wert hält relativ viel in Schach (z.B.Growth and Survival of Foodborne Pathogens in Beer oder Bacteria in brewing: The good, the bad and the ugly).

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#11

Beitrag von Butterbrot » Dienstag 19. September 2017, 15:54

Klar ist man lieber zu vorsichtig und trinkt nichts, dessen Entstehung unbekannt ist, aber das ist jetzt auch kein Atommüll. Es gibt da draußen eine ganze Menge von Leuten, die ohne Reinzuchtkulturen verschiedenste Lebensmittel vergären und die Gärung allein durch die Zusammensetzung des Mediums (z.B. Salzgehalt) und die Anfangsbedingungen kontrollieren. Das ist deshalb nicht immer komplett unbedenklich und manch einer geht vielleicht auch zu locker mit Schimmel etc. um, aber es handelt sich dabei um essentielle Techniken der Haltbarmachung (und oft auch der physiologischen Aufwertung), die die Menschheit seit Jahrtausenden praktiziert und das großteils sicher unter hygienisch ungleich bedenklicheren Bedingungen. Diese Techniken hätten sich überhaupt nicht durchsetzen können, wenn ein ohne Reinzuchtlactobazillus hergestelltes Sauerkraut sofort tödlich wäre.

Es ist richtig, zu warnen und sowas nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist auch richtig, dass man sowas als Warnsignal von Kontrollverlust deuten sollte und dass man zusehen muss, ebendiese Kontrolle wiederzugewinnen. Aber das ist dennoch kein Grund zur Hysterie. Ein alkoholisches Getränk mit Hopfenölen und niedrigem pH-Wert liefert immer noch wenig Nährboden für die bösen Jungs. In den meisten Fällen wird sich ein Verderb irgendwie olfaktorisch bemerkbar machen. Würde ich deswegen jemandem raten, das Zeug dennoch zu trinken? Eher nicht.

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#12

Beitrag von Malzwein » Dienstag 19. September 2017, 18:26

Vielleicht etwas, was in eine ähnliche Richtung geht: Das Mindesthaltbarkeitsdatum. Hier wird gerade die letzte Zeit immer wieder betont, dass wir uns viel mehr auf unsere sensorischen Eindrücke verlassen sollen und können, als sklavisch das Datum als Wegwerfpflicht zu betrachten. Warum nicht bei einer Kahmhaut so sehen?

Trinkt ihr Frischmilch, die 14 Tage über MDH ist und die Packung sich schon leicht wölbt? Oder Mozarella mit 14 Tage? Bierschinken 23 Tage? Fleischsalat mit Mayonnaise (!) 12 Tage? Oder Eier 9 Tage? Alles in einem Test laborgeprüft vollkommen unbedenklich (ARD Buffet vom 19.9.2017).
Gruß Matthias

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#13

Beitrag von Chrissi_Chris » Dienstag 19. September 2017, 18:47

Ich weiß auch nicht wieso es in letzter Zeit immer wieder diese Diskussionen gibt mit Infektion darunter wegschlauchen oder abfüllen etc..

Ich sehe da überhaupt keine Diskussionsbasis, denn wenn etwas schlecht ist Bzw infiziert dann stellt sich mir gar keine Frage wie ich es noch retten kann.

Bier ist ein Genussmittel und das möchte ich auch abends gemütlich auf dem Sofa genießen und nicht so eine gammel plörre trinken.

Jeder wie er möchte aber dann bitte nicht unwissende in Mitleidenschaft ziehen, sondern im dunklen Kämmerchen einschließen und den Sud alleine trinken.

LG Chris

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#14

Beitrag von gulp » Dienstag 19. September 2017, 18:51

Von Ladeberger:
Auch qualitativ gestaltet sich die Lage wenig rosig, da der Biofilm in der Praxis immer auch Stoffwechselprodukte an das Bier abgeben wird. Da es sich nicht um selektierte Kulturen handelt, wird das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle zu fortschreitenden Beeinträchtigungen des Bieres führen. Neben dem bereits genannten Essigstich kommen auch häufig phenolische Fehltöne durch Wildhefen vor. Diese können sich in medizinischen, unangenehm krautig-gewürzartigen Aromen und einer harten, langanhaltenden Bittere äußern.

4. Zusammenfassung

Kahmhaut ist ein Biofilm, der sich aus einer Vielzahl auch gleichzeitig auftretender Mikroorganismen zusammensetzt und immer auf die Präsenz von Sauerstoff an der Grenzfläche angewiesen ist. Da dies mit fortschreitender Verweildauer im Gärbottich kaum zu vermeiden ist, sollte das Bier nach Abschluss der Hauptgärung zügig zur Nachgärung überführt werden. Gesundheitliche Gefahren sind zwar eher abstrakt, aber möglich. Qualitativ weisen Biere nach Ausbildung einer unerwünschten Kahmhaut häufig Fehltöne auf.
Quelle hier: http://braumagazin.de/article/bierfehle ... -kahmhaut/

Ich hoffe ja nur, dass ihr von echter Kahmhaut abgezogene Brühe keinen Leuten anbietet, denn das wäre das Letzte.
Im vorliegenden Fall war das aber vermutlich was Anderes. Wenn das unauffällig riecht und schmeckt und nichts mehr zu sehen ist würde ich wohl abfüllen und noch 11x testen, bevor ich es jemanden anbieten würde. :Greets

Gruß
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#15

Beitrag von Sura » Dienstag 19. September 2017, 18:52

.... So wie ihr hier Äpfel mit Birnen verglichen werden, hat das schon was von Pippi Langstrumpf: "ich mach mir die Welt widdiwiddiwie sie mir gefällt"

Wenn bei der Herstellung eines Lebensmittels etwas nicht läuft wie erwartet und dabei definitiv ekelig aussieht, gehört es in den Müll! Das ist auch keine Hysterie, das ist einfach so. Nur weil ein Roquefort blau schimmeln und nach Schweißfüßen stinkt (und ich das auch so will und erwarte!), Ist das gleiche doch nicht beim Bier, Kaffee oder Kinderpunsch auch ok?

Bietet ihr auch Schimmelmarmelade beim Brunch mit Freunden an?
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#16

Beitrag von Malzwein » Dienstag 19. September 2017, 20:31

Gesundheitliche Gefahren sind zwar eher abstrakt, aber möglich. Qualitativ weisen Biere nach Ausbildung einer unerwünschten Kahmhaut häufig Fehltöne auf.
Im selben Artikel steht auch:
Kahmhaut auf Bier ist wissenschaftlich kaum erforscht, weshalb die genaue Identität der Mikroorganismen unbekannt ist. Verbindliche Aussagen über die gesundheitlichen Auswirkungen auf das Endprodukt sind daher kaum möglich. Auch wenn in der jüngeren Vergangenheit keine Fälle von Lebensmittelvergiftung durch Bier dokumentiert sind, sind grundsätzlich humanpathogene Keime in Bier (und in Würze ohnehin!) überlebensfähig
...und dabei definitiv ekelig aussieht...
Kräuse kann auch ganz schön ekelig aussehen kann und erst der Hefeschlamm. Subjektiver geht es wohl nicht mehr. Aber letztlich ist auch das persönliche Empfinden auf Basis eines sensorischen Eindrucks und nur das kann ich zur Bewertung heranziehen. Ich sage jetzt mal ganz ketzerisch: Fakten sehe ich keine, weder für das eine, noch das andere, außer, dass keine wie auch immer geartete (Lebensmittel-) Vergiftung durch Bier jenseits von Alkohol belegt ist. Fakt ist aber, dass Kahmhaut ein "Fehler" im Sinne einer reinen Vergärung ist, durch den Geschmacksbeeinträchtigungen möglich sind.

Wilde Hefen können Kahmhaut ausbilden. Wer glaubt eigentlich, dass in seiner Umgebung keine wilden Hefen zu finden sind? Und Hefen mit Schimmel zu vergleichen ist echt wie das mit den Äpfel und Birnen.
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#17

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 19. September 2017, 21:25

Ok, Schwamm drüber. Soll jeder machen wie er will. Als wirklich interessanten Fakt nehme ich mit, dass sich eine vermeidliche Kahmhaut innerhalb der normalen HG Zeit von 2 Wochen bilden und zurückbilden kann, und dass man u.U. gar nicht mitbekommt, dass sie da war. Das erschreckt mich ein bisschen ....
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#18

Beitrag von Sura » Dienstag 19. September 2017, 21:49

Und sicher ist es ein direkter Vergleich von Schimmelmarmelade und Kahmhaut ein Schlechter. Allerdings ist noch weiter weg, ein Ignorieren der Kahmhaut mit dem Zustand von bis dahin einwandfrei verpacktem Lebensmittel zu vergleichen. Kräusen und Hefeschlamm, welche vollkommen normal und erwartet sind, mit dem unerwarteten Auftreten einer Kahmhaut zu vergleichen und gleichzusetzen, daß ist dann aber schon wieder ein wenig Pippi Langstrumpf.....

Und es mag ja Hefen geben die Merkwürdiges ausbilden. Hab ich zwar noch nicht gesehen oder ähnliches, aber seis drum. Die Windsor ist aber ja eher eine der häufiger gebrauchten Hefen. Hätte dann ja schon das eine oder andere mal auffallen sollen. Wobei ich auch nicht wirklich irgendwo mal davon gelesen zu haben das irgendeine Ale-Hefe ein Pellicle bilden würde und das vollkommen normal sei. Falls du da trotzdem Infos hast, Michael, gerne her damit. Ich lerne gerne dazu!

Egal.... für mich ist das ansonsten hier an dieser Stelle durch. Ich kann nur hoffen, das ihr so einen Kram nicht irgendjemanden, z.b. auf sowas wie der Camba, anbietet.....
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#19

Beitrag von afri » Dienstag 19. September 2017, 22:25

Sura hat geschrieben:
Dienstag 19. September 2017, 21:49
Ich kann nur hoffen, das ihr so einen Kram nicht irgendjemanden, z.b. auf sowas wie der Camba, anbietet.....
Warum eigentlich nicht? Wenn etwas gammelig riecht, schmeckt oder ist, dann fällt es gerade dem Besucher (m/w) einer solchen Veranstaltung besonders auf. Kaum jemand wird Bier (oder sonstige Lebensmittel) mit Genuss verknuspern, wenn es komisch erscheint. Und genau das brächte einen Brauer doch dazu, sein Vorgehen zu hinterfragen, denn kaum etwas bringt einen eher zur Einsicht, als ein von vielen nicht gemochtes Bier.

Umbringen wird es ihn oder sie sicherlich nicht, aber eine solche Rückmeldung sollte schon Wirkung zeigen.
Achim (war das jetzt schon ketzerisch oder leichtfertig?)
Bier ist ein Stück Lebenskraft!

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#20

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 19. September 2017, 23:12

Er will das Produkt doch nur mit seinem eingeweihten Braubuddy verkosten und nicht an Dritte weitergeben.
Soweit unverständlich aber im Endeffekt vernünftig.
Falls die Beiden am Ende rumlaufen wie Blinky von den Simpsons, dann war es halt das minimale Risiko, dass irgendwas ganz doll schief gehen könnte.

Jens
(Der den Jungs für einen ehrlichen Post während der "Magenverstimmung" sogar ein Zepter schnitzen würde.) :Bigsmile
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#21

Beitrag von schnapsbrenner » Dienstag 19. September 2017, 23:20

Moin

wer ein Aquarium sich eigen nennt, ich habe keins, kann da über mitreden das ein Kahmhaut, nicht einfach zu entfernen ist, weil diese immer wieder kommt.
Wie geschrotetes Malz sehr schlecht auf Bilder zu beurteilen ist, würde ich noch vorsichtiger sein mit der Beurteilung von Schimmel, Kahmhaut usw.

Kahmhaut wird gebildet durch Kahmhefen, oder Kammhefen zu dieser Familien gehört auch der Florhefe, sehr willkommen in der Sherryherstellung.

Kahmhaut wird in der Essigherstellung, freundlicher weise Essigmutter genannt.

Aus der Weinanbau:
Kahmhefen sind aerobe Hefen, die Alkohol und organische Säuren, also Bestandteile des Weins, verstoffwechseln. Sie können sich an der Grenzschicht zwischen Wein und Luft bilden.

Ich habe mal auf ein Bier einen Kahmhaut gehabt, diese kam auch beim unter der Kahmhaut abziehen, immer wieder, habe selbst probeweise Flaschen abgefüllt, alle mit Kahmhaut.

Resumé
Es ist nicht immer wo nach es aussieht.

VG
Offizieller Partner von Speidel, Brouwland, Wyeast , Whitelabs, Weyermann.
http://www.schnapsbrenner.eu

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#22

Beitrag von hauti123 » Dienstag 19. September 2017, 23:29

Das Zeug bekommt ausser mir wenn überhaupt nur mein Braukollege zu kosten der an der Herstellung beteiligt war, wenn er drum bittet. Der weiß was Sache ist und kann das selbst entscheiden. Und die Idee war ja auch nicht sich das Klump schön zu saufen, sondern nur mal vorsichtig dran nippen. . Vlt. hilfts ja beim Kosten vorher und nachher einen doppelten Schotten um Schützenhilfe zu bitten :Angel

@Jens: Ich melde mich ggf. vom Thron :Bigsmile wobei mir grundsätzlich schon lieber wäre wenn du dir die Arbeit sparen kannst :Wink

Seit versichert das ich das keinem Unbedarften unterjubeln werde. Was du nicht willst das man dir tut... usw. Ich glaube ehrlich gesagt sowieso nicht dran dass das schon rein geschmacklich wirklich trinkbar wird, von den Risiken mal abgesehen. Und Bier vor dem mir selber graust geb ich nicht raus, das zerstört nur die Reputation.

Aber für mich nehme ich mir mit: nichts genaues weiß man nicht, die Wahrscheinlichkeit für schädliches Zeug ist durch das Milieu eher gering aber es bleibt ein Risiko zumal eigentlich auch unklar ist was das war, wahrscheinlich sogar keine Kahmhaut. Nach Schimmel hats für mich auch nicht ausgesehen, kein Pelz.

Hat jemand Erfahrung mit Laboranalysen für so einen Fall. Mit was muss man da ungefähr an Kosten rechnen? Auf den Webseiten der Labors bei uns im Umkreis (Raum Linz OÖ) find ich keine Preise. Vlt. ließen sich da ein paar Fakten feststellen lassen. Ich fürchte aber das das recht teuer ist.

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#23

Beitrag von Malzwein » Mittwoch 20. September 2017, 06:34

Wie erkannt man eigentlich mit einem ZKG ob sich Kahmhaut eingenistet hat?
Gruß Matthias

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Re: Kahmhaut wieder weg?

#24

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 20. September 2017, 07:53

Da schlaucht man routinemäßig drunter weg :Bigsmile
duck und weg ... :Angel
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#25

Beitrag von gulp » Mittwoch 20. September 2017, 07:57

Malzwein hat geschrieben:
Mittwoch 20. September 2017, 06:34
Wie erkannt man eigentlich mit einem ZKG ob sich Kahmhaut eingenistet hat?
Am Geschmack.

Gruß
Peter
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Re: Kahmhaut wieder weg?

#26

Beitrag von cyme » Mittwoch 20. September 2017, 09:28

tauroplu hat geschrieben:
Dienstag 19. September 2017, 14:07
Und im Zusammenhang mit Kahmhaut das Botulinusbakterium ins Spiel zu bringen, empfinde ich etwas über das Ziel hinausgeschossen. Na, klar, lieber einmal zu vorsichtig als die eigene Gesundheit zu gefährden, aber die Kirche sollte man schon im Dorf lassen.
Ja, man sollte bei den Fakten bleiben. Clostridium Botulinum wächst nur bei einem pH-Wert >4,5, weshalb es in Bier nicht gedeiht. In Würze hingegen schon! Das ist ein Grund, warum man auf ein schnelles Ankommen der Gärung achten und Speise nicht lange aufbewahren sollte.

Abgesehen davon, bildet es auch keine Kahmhaut und auch sonst sind mir keine sichtbaren Anzeichen bekannt (bei Konserven spricht man vom ausgebeulten Deckel, aber den bekommt man mit Gärspund nicht). Falls C.B. in Bier wachsen würde, dann würde wegschütten bei Kahmhaut einen auch nicht davor schützen.

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