Reinigung und Desinfektion von ZKGs

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DerDerDasBierBraut
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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#51

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 22. August 2018, 07:46

Ich habe einfach mal eine Petrischale aus dem Abfall geholt, mit dem Küchenlappen auf den Nährboden getupft und die Schale abgedeckt (aber ohne Labortape) auf die Kaffeemaschine gestellt. Ich denke da wird man nicht lange warten müssen bis sich was tut. :-)

PS: Das regelmäßige Wiederholen wäre im gewerblichen Umfeld oder bei Problemen definitiv sinnvoll. Das will ich mir zuhause jedoch ersparen. In der Gärung hatte ich seit 2016 genau zwei Infektionen, von denen ich das Wasser bei einer definitiv als Ursache ausschließen kann. Die rohe Anstellwürze (ohne Hefe, CO2 und Alkohol) ist in meinen Augen der wundeste Punkt. Sobald sich hier Infektionen häufen würden, wäre für mich ein neuer Test angesagt.
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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#52

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 22. August 2018, 11:32

Rolle Rückwärts. Der Nutzwert des Experiments beschränkt sich ausschließlich auf die Fingerfertigkeit beim Ausstreichen und beim "keimarmen Zutapen" der Petrischalen. Florian war so nett und hat mir gerade verständlich per PN erklärt, was Maxifranke in Post 19 angerissen hat. Nun ist mir klar, warum in den Schalen nichts gewachsen ist.
Florian hat geschrieben:Was mir zunächst auffällt, ist, dass du einen Vereinzelungsaussttrich vorgenommen hast. Das ist meiner Ansicht nach das Falsche vorgehen für das Ergebnis, das du erreichen möchtest. Durch das Ausstreichen mit der Impföse hast du ein sehr kleines Probenvolumen (irgendwas zwischen 1-10 µL schätze ich jetzt mal). Das ist natürlich günstig, wenn du aus einer dicht bewachsenen Kultur einzelne Kolonien erhalten möchtest.
In deinem Experiment möchtest du aber eigentlich möglichst viel Probe auf die Platte bringen. Üblicherweise kann eine Agarplatte sinnvoll mit 100 µL Probenvolumen beimpft werden. Dieses wird dann gleichmäßig mit einem geeigneten Spatel aus Glas oder Metall auf der gesamten Oberfläche verteilt.

Trinkwasser darf laut Trinkwasserverordnung nicht mehr als 100 CFU (colony forming units)/100 mL enthalten. Also gerade mal 1 CFU/mL. Das bedeutet also, selbst wenn 100 µL auf der Platte ausgestrichen werden, ist die wahrscheinlichkeit darauf eine einzige Kolonie zu finden nur 1:10. Hinzu kommen dann noch Einflüsse, wie z.B. ein nicht optimaler Nährboden, zu niedrige oder hohe Inkubationstemepratur, etc.
Gehen wir jetzt mal davon aus, dass du mit der Impföse 10 µL aussreichen kannst (vermutlich sinds weniger), dann müsstest du im Mittel satte 100 Platten präparieren, um am Ende auf einer davon eine einzige Kolonie zu finden.
Es wundert mich daher nicht, dass du keine einzige Kolonie auf deinen Platten findest.

Was deshalb gemacht wird, ist die Anzahl der potentiellen CFUs durch Aufkonzentrierung mittels Filtration zu erhöhen. Wenn man bspw. 100 mL Wasser mit einem 0,2 µm Filter auf 1 mL einengt, sollte dieser mL theoretisch schon 100 CFUs entahlten. Filtriert man einen Liter sinds 1000 CFUs, usw. Da kommt man dann in Bereiche, wo man dann auch bei 100 µL Probenvolumen sinnvolle Koloniezahlen (zwischen 30-100) bekommt.
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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#53

Beitrag von bobeye » Mittwoch 22. August 2018, 12:16

Faszinierend.

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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#54

Beitrag von Malzwein » Mittwoch 22. August 2018, 15:24

Als Laie verstehe ich das jetzt so: Im Trinkwasser sind so wenig Keime, dass es erheblichen Aufwand bedeutet, diese auf einem Nährmedium nachzuweisen. Warum soll jetzt ein mehr als theoretisches Risiko bestehen, damit gereinigte und desinfizierte ZKG's aus Edelstahl nachzuspülen?
Gruß Matthias

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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#55

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Montag 3. September 2018, 19:51

Auch wenn das Experiment mit dem Trinkwasser nichts getaucht hat... Die Gegenprobe bin ich euch trotzdem noch schuldig.
Ich habe den sauber anmutenden Küchenlappen 1x auf das Agar getupft und die Petrischale, wie zuvor, auf der Heizplatte des Kaffeemaschine bebrütet. Bereits beim Anheben des Deckels überkam mich vom Geruch der Probe ein krasser Würgereiz. Echt beeindruckend, wie "so wenig" Biofilm so übel riechen kann. Küchenlappen waren mir schon vorher umheimlich, aber jetzt habe ich noch ein ganzes Ende mehr Respekt vor den Dingern!
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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#56

Beitrag von Malzwein » Dienstag 4. September 2018, 08:12

Jetzt tupf mal einen durchschnittlichen Brauer dagegen, dann wissen wir endlich, wo die größte Keimquelle ist.
Gruß Matthias

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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#57

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 4. September 2018, 08:37

Malzwein hat geschrieben:
Dienstag 4. September 2018, 08:12
Jetzt tupf mal einen durchschnittlichen Brauer dagegen, dann wissen wir endlich, wo die größte Keimquelle ist.
Eigentlich gehören ja Tassen auf die Vorwärmplatte meiner Kaffeemaschine :Bigsmile
OK, eine Petrischale mach ich noch, aber dann gleich richtig.
Davon, dass Hände fast genauso böse sind wie Küchenlappen, gehe ich aus. Wovon ich nicht ausgehe, ist, dass unsere ganzen Sprühdesinfektionsmittel so viel bewirken wie wir uns wünschen. Also wird der Nährboden beim abschließenden Test gedrittelt und alle drei Flächen angegrabbelt. Ein Testfeld bleibt unbehandelt. Von den anderen besprühe ich nach 30 Minuten Wartezeit eins mit Isopropanol und eins mit Starsan. Das Ganze wird wieder 10 Tage bebrütet. Wird spannend, auf welchen Flächen dann ein kleiner Jens zu wachsen beginnt ...
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Re: Reinigung und Desinfektion von ZKGs

#58

Beitrag von uli74 » Mittwoch 5. September 2018, 07:44

Ich hab den Thread hier lange Zeit nicht gross beachtet, weil ich erstens kein ZKG habe und ich mit meinen Kegs noch nie irgendwelche negativen Erfahrungen in Sachen Haltbarkeit von Bier gemacht habe.

Jetzt hab ich das mal von Anfang an durchgelesen und ich muss sagen: Sapperlott Jens, alle Achtung! Deine Versuche find ich superinteressant. Echt geile Sache!

:thumbup :thumbup :thumbup
Gruss

Uli

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