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Brewferm Lager EVG

Verfasst: Samstag 3. November 2018, 23:30
von Hobbytrinker
Hallo zusammen,

dies ist mein erster Beitrag hier im Forum. Ich braue schon etwas länger und habe kürzlich dieses Forum entdeckt. Mein Brauwissen habe ich bisher aus einem alten Buch für Hobbybrauer bezogen, stoße hier und da allerdings so langsam an dessen inhaltliche Grenzen. Meine letzte Anschaffung war ein erstaunlich günstiges Refraktometer 0-32 Brix, mit dem ich die Gärung verfolgen möchte. Hierzu habe ich eine Frage.

Kurze Beschreibung meines aktuellen Sudes: Schüttung 50/50 Münchener und Pilsner Malz, insgesamt 4,6kg auf 15l Haupt- und 20l Nachguß. Rastzeiten bei gemessenen 53/63/72C waren 30/40/30 Min. Die Stammwürze habe ich mit dem Refraktometer in Brix mit 14,2 gemessen. Anstellwürze 20l. Als Hefe habe ich Brewferm Lager, 24g, in 30C Wasser gestreut, nach 10 Minuten gerührt und nach Abkühlung auf 25C der auf 12C abgekühlten Würze zugegeben. Nach 48 Stunden habe ich leichte Kräusen gesehen. Gärrohr vorhanden allerdings Gärrohrbewegung ist nicht feststellbar, da Behälter zu undicht - das ist aber schon länger so. Nach 10 und 14 Tagen genau habe ich mit einer Pipette eine Probe genommen und jeweils 8,2 Brix gemessen. Gärtemperatur 11,5 - 12,5C.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie nach der Zugabe von Hefe gespindelt/gemessen habe, sondern „hemdsärmlig“ nach Gefühl und ein paar Tagen ins Fass gefüllt - mit manchmal mehr, manchmal weniger CO2 gelebt. Hier habe ich nun über die Karbonisierung mit Zucker auf einen bestimmten Wert gelesen und würde das gerne ausprobieren. Meine Frage ist nun, ob die Gärung möglicherweise schon durch ist? Der scheinbare EVG, berechnet auf der Seite von fabier.de, wäre 69% und nach einer FAQ auf dieser Seite recht niedrig. Lebt man dann damit? Liegts an der Hefe? Bisher habe ich diese Hefe noch nie verwendet.

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 09:09
von Enfield
Guten Morgen! Und Willkommen im Forum! :Greets

Die Brewferm Lager vergärt normal irgendwo im mittleren 70 % Bereich (scheinbarer VG).

Zuerstmal sollte die Hefe die gleiche Temperatur haben wie die Würze beim Anstellen - zumindest annähernd. Pitchingrate war gut.

Hast Du gegen Ende der Gärung die Temperatur erhöht? Wenn nicht dann kann dir die Gärung stecken bleiben. Geh damit nochmal auf 15-16° C hoch. Wenn sich dann nach Berlin Woche nichts mehr getan hat, kannst Du abfüllen.

Liebe Grüße, Alex

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 10:30
von Hobbytrinker
Hallo,

das die Temperatur der Hefe annähernd die der Würze haben soll bevor sie hinzugefügt wird, hatte ich hier auch schonmal gelesen. Es war durch das Abkühlen schon spät geworden und ich wollte nicht bis zum nächsten Tag warten. In der Brewferm-Anleitung steht übrigens nichts davon, daher bin ich das „Risiko“ einfach eingegangen.

Danke für den Tipp! Die Kühlschranktemperatur habe ich soeben auf 16C eingestellt. Ist die Temperaturanhebung zum Ende der Gärung das normale Vorgehen für diese Hefe?

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 13:34
von Enfield
Die Temperatur am Ende anzuheben ist der normale Vorgang für JEDE Hefe! Ganz kurz: Die Hefe tut sich am Ende schwer, das Zeug zu fressen, was sie normale nicht anrühren würde, solange noch Maltose vorhanden ist. Darum macht man es ihr gegen Ende etwas bequemer und kommt ihr mit der Temperatur entgegen.

Das Angebot der Hefe auf Anstelltemperatur ist der Königsweg, aber kein kompletter Beinbruch. Ist die Differenz allerdings zu groß, kann man die Hefe schocken und sie tut dann erstmal gar nichts mehr...

LG

P.S. die Brewferm Lager macht übrigens kein reines untergäriges neutrales Bier sonder hat ein paar blumige und dezent fruchtige Aromen.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 21:59
von Hobbytrinker
Hallo Enfield,

kannst Du zufällig eine Quelle nennen, wo das Verhalten der Hefen bei Temperaturschwankungen (insbesondere schlagartigen Änderungen) beschrieben ist?

Ich hatte die Brewferm Lager aus keinem bestimmten Grund gekauft und mir über die geschmackliche Auswirkung keine Gedanken gemacht. Welche Hefe wäre denn z.B. für ein neutrales untergäriges Bier gut geeignet? In meinem Braubuch steht, dass untergäriges Bier eine Gärtemperatur von 0 - 4°C benötigt. Bei der Brewferm Lager steht nun, dass 12-15°C die ideale Temperatur ist. Welche Hefe käme für diese niedrigen Temperaturen in Betracht? Bisher habe ich ausschließlich obergärig gebraut!

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 23:47
von Alt-Phex
Hobbytrinker hat geschrieben: Sonntag 4. November 2018, 21:59 In meinem Braubuch steht, dass untergäriges Bier eine Gärtemperatur von 0 - 4°C benötigt. Bei der Brewferm Lager steht nun, dass 12-15°C die ideale Temperatur ist.
So niedrige Gärtemperaturen sind Quatsch. Guck nochmal nach, damit ist garantiert die Reife- bzw. Lagertemperatur gemeint.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Sonntag 4. November 2018, 23:55
von gulp
P.S. die Brewferm Lager macht übrigens kein reines untergäriges neutrales Bier sonder hat ein paar blumige und dezent fruchtige Aromen.
Vielleicht wenn man zu warm vergärt. Bei ordentlicher Gärführung, Anfangs 8-10° Raumtemperatur habe ich nichts dergleichen festgestellt.

Inzwischen bevorzuge ich aber die Diamond Lager.
Alt-Phex hat geschrieben: Sonntag 4. November 2018, 23:47
Hobbytrinker hat geschrieben: Sonntag 4. November 2018, 21:59 In meinem Braubuch steht, dass untergäriges Bier eine Gärtemperatur von 0 - 4°C benötigt. Bei der Brewferm Lager steht nun, dass 12-15°C die ideale Temperatur ist.
So niedrige Gärtemperaturen sind Quatsch. Guck nochmal nach, damit ist garantiert die Reife- bzw. Lagertemperatur gemeint.
Wie heißt denn das Buch? Auf welcher Seite steht das?

Gruß
Peter

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 00:07
von Hobbytrinker
Hallo,

das Buch in dem das steht, heißt „Bier aus eigenem Keller“ von Wolfgang Vogel. In Auflage 2 von 1984 steht auf Seite 88 geschrieben: „Der Gärbottich wird in einen günstig temperierten Raum gebracht, bei Obergärung sind 15C ideal, bis zu 20C sind akzeptabel. Bei Untergärung sollten 4 bis 0C angestrebt werden, aber knapp über 10C machen untergäriges Brauen nicht unmöglich.“

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 00:15
von gulp
Hmm, das steht tatsächlich so da. Natürlich ist das kompletter Unsinn! Besorg dir mal was aktuelles.

Der Brückelmeier ist momentan das Beste auf dem Markt: https://www.amazon.de/Bier-brauen-Grund ... 3800109271

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 00:48
von Alt-Phex
Ja, kauf dir das Buch vom Jan. Das sind die besten 50 EUR die du in dieses Hobby investieren kannst. Das andere schmeisst du dann ins Altpapier, wo es hingehört.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 00:51
von gulp
Alt-Phex hat geschrieben: Montag 5. November 2018, 00:48 Ja, kauf dir das Buch vom Jan. Das sind die besten 50 EUR die du in dieses Hobby investieren kannst. Das andere schmeisst du dann ins Altpapier, wo es hingehört.
Bist du verrückt, sowas schmeißt man nicht weg Bernd, das ist ein Stück Bierbraugeschichte, so habe ich damals in den 90ern angefangen mit dreifacher Dekoktion. :Greets

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 01:24
von DerDerDasBierBraut
Vermutlich haben sie 1984 einfach "eiskalt" drauf geschlaucht und in Kauf genommen, dass 90% der Zellen jämmerlich krepieren. Heute geht das wirklich anders :Wink
Problem an den "Profibüchern von damals" ist auch, dass sie sich sehr stark an der pilsbrauenden Industrie von früher orientiert haben und sich kaum noch auf die heutigen Gegebenheiten projektieren lassen. Vor allem nicht auf die Prozesse bei uns Hobbybrauern. In den alten Büchern findet man immer wieder interessante Sachen, aber auch viele Dinge, die man besser einfach ohne zu hinterfragen überliest.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 01:27
von Alt-Phex
Naja, OK. Nicht wegschmeissen, aber auch nicht an andere Anfänger weiter geben. Bei der oben aufgeführten fachlichen Kompetenz, kommen da garantiert auch Baumwollwindeln und ein Backofen vor.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 01:33
von Alt-Phex
Das Problem mit den "Profibüchern von damals" ist wohl eher das sie eben nicht von Profis geschrieben wurden. Die wussten es damals halt nicht besser, von daher mache ich da auch keinem Autor einen Vorwurf.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 01:36
von DerDerDasBierBraut
Stimmt, das sollte auch keine Degradierung sein. Wäre anmaßend. Das war damals einfach eine komplett andere Welt. Keine Hobbybrauer, hauptsächlich Industrie und das Geschriebene musste in die Welt von damals passen.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 01:43
von gulp
Backofen kommt vor, es wird aber auch erwähnt, dass sofortiges Ausspülen der Flaschen nach dem Trinken genügt. Der Backofen Unsinn kommt aber vermutlich von unserem Säulenheiligen Jean Pütz. Danach wurde halt abgeschrieben...https://www.youtube.com/watch?v=xF77j-VdTPc

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 06:45
von Enfield
@gulp: ja, wenn man "zu warm" vergärt bzw. so wie es auf der Packung als optimale Temperatur von 12-15° C empfohlen wird, ist die Hefe ziemlich fruchtig und blumig für eine untergärige. Bei 8-10° C würde ich aber auch die Anstellrate etwas erhöhen, bei 1 g/l braucht es doch sonst ewig zum Ankommen. Mit welcher Menge stellst Du an?

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 12:58
von gulp
Waren wohl drei Packerl auf 38 Liter. https://stixbraeu.de/brauerei-2/biab-od ... en-brautag

Gruß
Peter

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 14:05
von Hobbytrinker
Hallo,

@Jens: Bücher werden meistens so geschrieben, dass sie in Zeit und die Anforderungen der Menschen zu dieser passen. Ansonsten würden sie sich nicht verkaufen.

@Peter: Genaugenommen steht in dem Buch, dass die Flaschen sofort nach dem Entleeren mit heißem Wasser und vor dem Befüllen mit Eigenbräu noch mit kaltem Wasser gespült werden müssen. Alternativ schlägt der Autor auch Chemikalien oder sogar den Ofen mit 110C vor. Ich habe bisher immer nur nach erstem Vorschlag gespült und noch kein Pech gehabt, allerdings braue ich auch ziemlich selten.

Wo nochmals die Rede von krepierenden Hefezellen war: gibt es Erkenntnisse darüber, welche Temperaturdifferenz die Hefezellen vertragen? Möglicherweise mache ich bereits einen Fehler, indem ich die Hefetüten aus dem Kühlschrank nehme und sie in 30C warmes Wasser gebe. Das ist immerhin auch eine Temperaturdifferenz von 22C!

Mit der Brewferm Lager könnte ich also sogar mit 8-10C anstellen? Gibt es denn nun eine Hefe, die bei 0-4C funktioniert, wie in dem Buch beschrieben - oder hat sich der Autor geirrt? Einen Tippfehler schließe ich mal aus, da diese Temperatur an mehreren Stellen genannt ist.

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 14:50
von DerDerDasBierBraut
Hobbytrinker hat geschrieben: Montag 5. November 2018, 14:05 Wo nochmals die Rede von krepierenden Hefezellen war: gibt es Erkenntnisse darüber, welche Temperaturdifferenz die Hefezellen vertragen? Möglicherweise mache ich bereits einen Fehler, indem ich die Hefetüten aus dem Kühlschrank nehme und sie in 30C warmes Wasser gebe. Das ist immerhin auch eine Temperaturdifferenz von 22C!

Mit der Brewferm Lager könnte ich also sogar mit 8-10C anstellen? Gibt es denn nun eine Hefe, die bei 0-4C funktioniert, wie in dem Buch beschrieben - oder hat sich der Autor geirrt? Einen Tippfehler schließe ich mal aus, da diese Temperatur an mehreren Stellen genannt ist.
Das Rehydrieren bei 30°C ist kein Problem und sogar gut. Flüssighefen oder bereits rehydrierte Trockenhefen vertragen einen leichten Temperatursprung nach oben ebenfalls gut und werden durch diesen "positiven Temperaturschock" nach dem Pitchen in der Regel sogar schneller aktiv. Andersrum verhält es sich bei "Kälteschocks". Die Hefe toleriert es, wenn die Temperatur der Anstellwürze 1-2°C unter der Hefetemperatur liegt. Je größerer Differenz desto schlechter ist es für die Zellen. Das kann im besseren Fall zum verzögerten Angären führen, im schlechteren Fall zum Absterben vieler Zellen und hin zu schlechten Ausstoßvergärungsgraden.
Die meisten UG Hefen werden bei 0-4°C noch arbeiten, jedoch mit sehr langsamem Stoffwechsel.
Ob eine Gärung bei so kalten Temperaturen 1984 üblich war, oder der Autor schlecht geschätzt hat, müssen die alten Hasen beantworten.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 15:14
von Alt-Phex
0-4°C Gärtemperatur ist Blödsinn. Und das war auch 1984 schon so. Das sind aber übliche Lagerkeller Temperaturen, das hat der Autor wohl schlicht verwechselt.

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Montag 5. November 2018, 15:34
von ggansde
Moin,
erzählen denn die Pilsener Urquell Brauer nicht auch immer was von diesen niedrigen Temperaturen?
VG, Markus

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Samstag 10. November 2018, 22:21
von Hobbytrinker
Hallo,

ich habe heute, nach 6 Tagen bei 16C, nochmal eine Probe gezogen. Diese lag, wie auch schon vor einer Woche, bei 8,2 Brix. Es hat sich also nichts geändert. Genaugenommen ist das Jungbier nun erst 3 Tage bei 16C, ebenfalls 3 Tages hat es nämlich gedauert bis die Temperatur im Kühlschrank ohne Kühlung von 12C hochkam. Das Jungbier ist allerdings auch erstaunlich klar und die Hefe stark sedimentiert. Nunja, ich werde dann ins Fass schlauchen und in ein paar Wochen sehen was es geworden ist.

Grüße

Re: Brewferm Lager EVG

Verfasst: Freitag 23. November 2018, 22:16
von Hobbytrinker
Hallo,

kurzer Zwischenstand: ich habe vor 12 Tagen 16 Liter zusammen mit 82g Haushaltszucker ins NC-Fass geschlaucht. Anschließend habe ich direkt 2 bar CO2 aufgegeben, einen Tag später erneut und dann mein Manometer aufgesteckt. Der Druck ist relativ schnell (1-2 Tage) auf 0,6bar abgesunken und seit drei Tagen auf 0,7bar. Nach der Spundungstabelle, die ich jetzt leider nicht mehr wiedergefunden habe, müsste der Wert doch mindestens doppelt so hoch sein, oder?

Die Zuckergabe habe ich mit Fabier gerechnet. Als Randbedingung habe ich 16C und 4,5g/l CO2 angenommen. Das Jungbier war beim Schlauchen allerdings vollkommen schal, so schal wie noch nie ein Bier (bei mir) zuvor. Ich traue mir jedoch kein quantitatives Urteil über den CO2-Gehalt zu. Kann der Rest-CO2-Gehalt das Problem sein? Der Rechner berücksichtigt ja das theoretisch gelöste CO2 bei Gärtemperatur im Bier. Mein Bier war jedoch ziemlich lange auf der Hefe.

Grüße