Das 35°C-Pils

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Das 35°C-Pils

#1

Beitrag von Bierjunge » Sonntag 10. März 2019, 17:59

In einem anderen Thread (W34/70 bei ~20° und kalt angestellt 8° -- Vergleich) flogen ja erst gerade regelrecht die Fetzen über den Einfluss der Gärtemeperatur bei untergäriger Hefe. Dazu passt geanz gut Folgendes:

Hier im Thread Die blödsten Braufehler hatte ich schon geschildert, wie ich mein für den HBCon-Wettbewerb in Romrod gedachtes Pils völlig verkackt hatte, indem ich es durch einen Bedienungsfehler des Thermostaten bei mindestens 35°C vergoren habe :crying. Ich wollte es schon wegkppen, habe es dann aber aus einer Laune heraus doch abgefüllt und eingereicht, nur um die Judges ein wenig zu necken :Devil und um zu sehen, wie klar der Fehler erkannt wird.

Heute habe ich die Bewertung bekommen: Mit 28 Punkten nach dem BJCP-Schema ein "gutes" Bier, und das "sehr gut" nur ganz knapp verfehlt. :Shocked
Ein Judge schreibt "Ein gutes Pils" (sic), bemerkt allerdings auch "zu fruchtig - Gärtemperatur kontrollieren".
Ein zweiter der vier Judges erkennt ebenfalls "zu fruchtig für ein Pils - zu warm vergoren?". Die beiden anderen erwähnen dies nicht.

Mein Fazit daraus: Mit 35°C natürlich ein krasses Extrembeispiel. Überraschenderweise ist es aber dennoch trinkbar, und offenbar gar nicht einmal schlecht. Gleichwohl kann man bei solcher Misshandlung eines Biers natürlich keine höheren Wertungen erwarten, und geschulte Verkoster (BJCP-Judges) schmecken dannauch klar die zu warme Vergärung heraus.

Moritz (noch ganz geflashed von Romrod)

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Re: Das 35°C-Pils

#2

Beitrag von chaos-black » Sonntag 10. März 2019, 18:09

Das ist sehr interessant - gut, dass du das Bier mal eingereicht hast :)
28 Punkte ist knapp die Hälfte der Maximalpunktzahl, in der Schule wäre das gerade so eine 4. Bei den BJCP Zetteln ist das in der Legende allerdings
0-13 Problematic
14-20 Fair
21-29 Good
30-37 Very Good
38-44 Excellent
45-50 Outstanding

Auch um die beteiligten Brauer nicht zu entmutigen. Denn selbst wenn das Bier voller Fruchtestern ist, gibts ja auch noch andere Dinge die gut sein können (Malzaromatik, Qualität der Bittere, Verhältnis Bittere/Süße, etc).
Good ist immernoch "Misses the mark on style and/or minor flaws"

Beste GRüße,
Alex
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Re: Das 35°C-Pils

#3

Beitrag von Boludo » Sonntag 10. März 2019, 18:14

Moritz, ich hab das Bier ja vermessen. Das war mit 6 EBC das hellste Pils, das wir hatten. Trotz Dekoktion. Vergärungsgrad war auch sehr gut. Da hast du schon einiges richtig gemacht.

Stefan

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Re: Das 35°C-Pils

#4

Beitrag von Bierjunge » Sonntag 10. März 2019, 18:16

Ich wage gar nicht daran zu denke, wie es womöglich abgeschnitten hätte, wenn mir dieser blöde Fehler nicht passiert wäre. :crying :crying :crying

Moritz

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Re: Das 35°C-Pils

#5

Beitrag von flying » Sonntag 10. März 2019, 18:26

Bei der Hälfte der Gärtemperatur hättest Du womöglich gewonnen, wärst aber hier immer noch gesteinigt worden... :Angel
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Re: Das 35°C-Pils

#6

Beitrag von Johnny H » Sonntag 10. März 2019, 18:29

Du hattest ja schon im anderen Thread Deine Bemühungen erläutert, möglichst alles richtig zu machen.

Man kann nun vielleicht davon ausgehen, dass wie Stefan schon angedeutet hat, viele andere Dinge (Sauerstoff, Wasser etc.) sehr gut gehändelt worden sind und nur ein Fehler gemacht wurde. Und im Umkehrschluss dazu: wahrscheinlich weisen viele andere Hobbybrauerbiere anstatt des einen großen eben eine Vielzahl kleiner Fehler auf, die sich in der Summe evtl. stärker auswirken.

Interessant ist es aber trotzdem! Vielleicht ist die Gärtemperatur bei UG unter bestimmten Voraussetzungen doch nur ein kleiner Faktor unter vielen anderen.

Probiert hätte ich das Bier natürlich auch gerne, habe aber auch nicht daran gedacht, danach zu fragen.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Das 35°C-Pils

#7

Beitrag von Alt-Phex » Sonntag 10. März 2019, 18:37

Ich war ja Judge im ersten Pils Flight. Und eigentlich hätten wir sehr viel härter urteilen müssen. Da war bei meiner Verkostungsrunde nicht viel gutes dabei. Eigentlich 0 Punkte weil Stil verfehlt. Kannste aber nicht machen.

Ich sag es ganz ehrlich, eigentlich wurden hier nur die nicht ganz so fiesen von den fiesen getrennt. Mit ein ein paar wenigen Bieren die zumindest in die richtige Richtung tendierten.
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Re: Das 35°C-Pils

#8

Beitrag von flying » Sonntag 10. März 2019, 18:46

Kann man machen und muss man machen! Ich hab mal Bier von mir zu einer Expertenkommission nach Polen geschickt und eine vernichtende Kritik bekommen. Ausführlich und detailliert. In jede Wunde wurde der Finger mit quälender Präzision gebohrt.Hab noch niemals mehr dabei gelernt und war dankbar...
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Re: Das 35°C-Pils

#9

Beitrag von Eowyn » Sonntag 10. März 2019, 19:31

flying hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 18:46
Kann man machen und muss man machen! Ich hab mal Bier von mir zu einer Expertenkommission nach Polen geschickt und eine vernichtende Kritik bekommen. Ausführlich und detailliert. In jede Wunde wurde der Finger mit quälender Präzision gebohrt.Hab noch niemals mehr dabei gelernt und war dankbar...
Stimme hier voll zu.
Der Amerikaner hier ist ja auch so super vorsichtig mit Kritik - aber mit "hey, that is fantastic" - blabla... kann ich nix anfangen.
Wenn ich mich nem Wettbewerb stelle oder was lernen will, dann brauche ich aufrichtige, offene, effiziente Kritik.
Effizient heißt für mich: kein sugar coating - klar ansagen was falsch ist, damit ich es besser machen kann.

Höflich sein und lieb, kann man wenn es "privat" ist. (imo)

Auf der anderen Seite find ich es aber auch löblich, dass niemandem der Spaß verdorben werden sollte.
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Re: Das 35°C-Pils

#10

Beitrag von afri » Sonntag 10. März 2019, 21:18

Alt-Phex hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 18:37
Und eigentlich hätten wir sehr viel härter urteilen müssen. Da war bei meiner Verkostungsrunde nicht viel gutes dabei. Eigentlich 0 Punkte weil Stil verfehlt. Kannste aber nicht machen.
Wie die anderen schon schruben, man ist gütig zu den Hobbyisten, das ist aber eigentlich grundverkehrt für die, die Kritik abkönnen und sich verbessern wollen.

Würde ich mein Lieblingsgebräu einreichen wollen, ich wüsste gar nicht, unter welcher Kat. ich das tun sollte. Es ist UG und vollmundig mit einer ordentlichen aber nicht zu heftigen Bittere, wird üblicherweise gestopft mit amerikanischen Zitrushopfen wie Cascade und hat meist zuviel Rezenz. Pils ist das nun gar nicht und also würde ich es nicht als solches bewerten lassen wollen.
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Re: Das 35°C-Pils

#11

Beitrag von Odin » Sonntag 10. März 2019, 21:59

Gemeinsam mit Alt Phex war ich auch im Pils Judging und auch den 2. Flight Pils habe ich verkostet. Somit habe ich jedes eingereichte Bier dieser Kategorie bewertet. Muss Bernd absolut zustimmen, was die Qualität der Biere betrifft. In der Kategorie waren sehr viele Kandidaten dabei, die wirklich komplett daneben lagen.

Als Hauptfehler konnte ich für mich feststellen, dass ganz viele Exemplare einfach nicht wirklich trocken/schlank/hochvergoren waren. Auch die Liebe zu C Hopfen war mehrfach zu erkennen. Von einigen Einreichern in dieser Kategorie, habe ich auch bereits die Info bekommen, dass sie wussten, dass ihr Bier nicht dem geforderten Stil entsprach. :Shocked

Dass solche Schlitzohren wie Bierjunge dabei sind, dass habe ich mir allerdings auch gedacht :Bigsmile Umso mehr freut es mich, dass ich den Hinweis mit der offensichtlich zu warem Vergärung geben konnte :Drink

Das Judging hat aber trotzdem viel Spass gemacht und ich habe mir bei jedem Bier Mühe gegeben fair zu bewerten. Deshalb habe ich auch immer versucht, entsprechende Kommentare in den jeweiligen Rubriken abzugeben.

Wenn gewünscht, dann im nächsten Jahr gerne wieder.

Gruß
Stefan
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Re: Das 35°C-Pils

#12

Beitrag von Odin » Sonntag 10. März 2019, 22:02

Odin hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 21:59
Gemeinsam mit Alt Phex war ich auch im Pils Judging und auch den 2. Flight Pils habe ich verkostet. Somit habe ich jedes eingereichte Bier dieser Kategorie bewertet. Muss Bernd absolut zustimmen, was die Qualität der Biere betrifft. In der Kategorie waren sehr viele Kandidaten dabei, die wirklich komplett daneben lagen.

Als Hauptfehler konnte ich für mich feststellen, dass ganz viele Exemplare einfach nicht wirklich trocken/schlank/hochvergoren waren. Auch die Liebe zu C Hopfen war mehrfach zu erkennen. Von einigen Einreichern in dieser Kategorie, habe ich auch bereits die Info bekommen, dass sie wussten, dass ihr Bier nicht dem geforderten Stil entsprach. :Shocked

Dass solche Schlitzohren wie Bierjunge dabei sind, dass habe ich mir allerdings auch gedacht :Bigsmile Umso mehr freut es mich, dass ich den Hinweis mit der offensichtlich zu warem Vergärung geben konnte :Drink (denke ich)

Das Judging hat aber trotzdem viel Spass gemacht und ich habe mir bei jedem Bier Mühe gegeben fair zu bewerten. Deshalb habe ich auch immer versucht, entsprechende Kommentare in den jeweiligen Rubriken abzugeben.

Wenn gewünscht, dann im nächsten Jahr gerne wieder.

Gruß
Stefan
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Re: Das 35°C-Pils

#13

Beitrag von Tozzi » Sonntag 10. März 2019, 22:04

Danke für das schöne Beispiel, Moritz!
Jan und Schloemi hatten dafür gesorgt, dass an jedem Tisch wenigstens ein (BJCP) erfahrener Juror saß.
Ich hatte die Ehre, zusammen mit Dave Carpenter verkosten zu dürfen.
Dein Ergebnis zeigt wirklich, dass Du ansonsten alles richtig gemacht hattest.

Wir hatten einen IPA "flight" und bei uns herrschte Einigkeit: Das größte Problem der Hobbybrauer ist nach wie vor die Oxidation.
>90% der eingereichten Biere hatten mehr oder weniger ausgeprägte Oxidation, was die weitere Bewertung dann sehr erschwert.
Sehr schade.
Ein Gärfehler präsentiert sich nicht unbedingt unmittelbar genauso arg.

@Achim:
Du könntest es, je nach Hopfung, als "Specialty IPA" (und auf UG hinweisen) oder neuerdings als X5 (provisional) New-Zealand Pilsner einreichen.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Das 35°C-Pils

#14

Beitrag von §11 » Montag 11. März 2019, 01:30

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Danke Moritz. Ich finde hier oben zeigt sich ja auch ganz gut das die „Verkostungsqualität“ echt hoch war.

Good= misses the mark on style and/ or minor flaws

Das trifft ja bei deinem Bier gut zu.

Was allerdings super spannend ist, dein Bier hast du mir ja dankenswerterweise auch für das BJCP Examen zur Verfügung gestellt. Dabei wurde es ebenfalls als „good“ bewertet. Finde ich sehr schön die Konsistenz zu sehen mit der scheinbar bewertet wurde.

Schöne Grüße

Jan
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Re: Das 35°C-Pils

#15

Beitrag von SchlatzPopatz » Montag 11. März 2019, 07:49

Ich hänge mich mal hier rein, da ich auch beim Pils Wettbewerb mitgemacht habe. Es würde aber auch zu "dümmste Braufehler" passen.
Ich war etwas geschockt über meine Bewertung, da stand sogar was von "Banane" und natürlich fruchtig und noch andere Fehlgeschmäcker. Ich konnte das anfangs überhaupt nicht nachvollziehen. Ich hatte am Freitag das Vergnügen mit Michael Zepf am Tisch zu sitzen und nach einem langen Gespräch traute ich mich dann auch ihm mal mein Pils vorzusetzen. Er fand es gut, fand keine Fehlgeschmäcker, meinte sogar, es könnte unter die ersten fünf kommen. Es entsprach durchaus dem Stil, eventuell etwas zu dunkel.
Als ich dann aber am Sonntag zuhause war, hatte ich die von der Jury übriggelassene Flasche mal probiert. Ich musste da jetzt dann doch der Jury absolut recht geben, das war alles andere als ein Pils.
Da ich nagelneue Flaschen verwendet hatte, konnte es an denen nicht liegen. Es blieb also nur der Bügelverschluss, der vermutlich gar nicht oder schlecht gereinigt ursprünglich von meinem bananigen Hefeweizen kam :Ahh Das Bier hatte ich schon am Sonntag per Gegendruck abgefüllt. Vermutlich hatten sich da Weissbierhefen eingeschmuggelt, anders kann ich mir das nicht erklären. Dummgelaufen.
Gruß aus Dresden
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Re: Das 35°C-Pils

#16

Beitrag von danieldee » Montag 11. März 2019, 07:58

SchlatzPopatz hat geschrieben:
Montag 11. März 2019, 07:49
Ich hänge mich mal hier rein, da ich auch beim Pils Wettbewerb mitgemacht habe. Es würde aber auch zu "dümmste Braufehler" passen.
Ich war etwas geschockt über meine Bewertung, da stand sogar was von "Banane" und natürlich fruchtig und noch andere Fehlgeschmäcker. Ich konnte das anfangs überhaupt nicht nachvollziehen. Ich hatte am Freitag das Vergnügen mit Michael Zepf am Tisch zu sitzen und nach einem langen Gespräch traute ich mich dann auch ihm mal mein Pils vorzusetzen. Er fand es gut, fand keine Fehlgeschmäcker, meinte sogar, es könnte unter die ersten fünf kommen. Es entsprach durchaus dem Stil, eventuell etwas zu dunkel.
Als ich dann aber am Sonntag zuhause war, hatte ich die von der Jury übriggelassene Flasche mal probiert. Ich musste da jetzt dann doch der Jury absolut recht geben, das war alles andere als ein Pils.
Da ich nagelneue Flaschen verwendet hatte, konnte es an denen nicht liegen. Es blieb also nur der Bügelverschluss, der vermutlich gar nicht oder schlecht gereinigt ursprünglich von meinem bananigen Hefeweizen kam :Ahh Das Bier hatte ich schon am Sonntag per Gegendruck abgefüllt. Vermutlich hatten sich da Weissbierhefen eingeschmuggelt, anders kann ich mir das nicht erklären. Dummgelaufen.
Wobei man aber auch fairerweise sagen muss, dass sich ja ein Weizenbock in der Pils Kategorie eingeschmuggelt hat, aber deines war es wahrscheinlich nicht :-)
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Re: Das 35°C-Pils

#17

Beitrag von SchlatzPopatz » Montag 11. März 2019, 08:07

dafür hatte es sicher zu weing Alkohol :Bigsmile
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Re: Das 35°C-Pils

#18

Beitrag von karlm » Montag 11. März 2019, 09:43

§11 hat geschrieben:
Montag 11. März 2019, 01:30
Was allerdings super spannend ist, dein Bier hast du mir ja dankenswerterweise auch für das BJCP Examen zur Verfügung gestellt.
Aha! Gut, dann kann ich vielleicht auch noch was dazu sagen, weil ich es dann während der Prüfung auch genießen durfte. Ich nehme also an, dass es das 5d German Pils war.

Dazu sagen muss man noch, dass das Bier erst im Plastikmessbecher gemischt wurde und dann aus Plastikbechern verkostet wurde. Da verliert man einiges.

Das war schon mit Abstand das schlechteste Bier von den 6, da waren wir uns alle einig, zumindest was die Leute betrifft, mit denen ich nach der Prüfung gesprochen habe. Bekommen hat es von mir 18 Punkte, das war echt nicht gut. Und würde im Feld "Fair" landen. So weit ich weiß, haben die Proctoren 20 Punkte verteilt (falls sie sich das später nicht nochmal anders überlegt haben). Das wäre ebenfalls "Fair". Das deckt sich dann doch nicht ganz so gut mit den 28 Punkten, die auf Moritz Bewertungsbogen gelandet sind.

Wobei die Namensgebung der Kategorien auch echt nett gemeint ist: "Bad" gibt es ja nicht, man ist recht freundlich und nennt das "Problematic". dann kommt schon "Fair" und "Good".

Nun ist man ja auch angehalten als BJCPler die Biere nicht "runterzumachen" sondern erst mal das Positive zu suchen. Was auch sinnvoll ist. Dazu haben wir noch festgestellt, untereinander, dass man sowieso viel zu freundlich bewertet. Man will ja auch keinem, der sich Mühe gegeben hat, an die Karre fahren. Um wirklich kritisches Feedback zu geben sollte man aber vermutlich hart aber fair sein und möglichst ausführlich seine Eindrücke beschreiben.

Wie dem auch sei, habe ich dann auch nach Punkten gesucht. Dabei fand ich, dass Geruch, Erscheinung ganz ok waren und das Mundgefühl so mittelprächtig, das gab dann 8 von 12, 2 von 3 und 3 von 5. Bei Geschmack und Gesamteindruck konnte ich dann aber nicht mehr so viel verteilen, 2 von 20 und 3 von 10. Gibt 18.

Also freiwillig würde ich das Bier nicht trinken. "Off flavors/aromas or major style deficiencies. Unpleasant." tfifft es da schon ganz gut.

Das mit dem "zu warm vergoren" habe ich habe nicht erraten (bin auch kein Experte). Für mich war es sehr pappig, schal. Ich hab das auf Oxidation geschoben, das war dann wohl falsch. Übung macht den Meister. Oder Grand Master V.

Cool, dass ihr ein "echtes" fehlerhaftes Bier gefunden habt. Das war sehr interessant!
Zuletzt geändert von karlm am Montag 11. März 2019, 10:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Das 35°C-Pils

#19

Beitrag von uli74 » Montag 11. März 2019, 09:47

afri hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 21:18
Alt-Phex hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 18:37
Und eigentlich hätten wir sehr viel härter urteilen müssen. Da war bei meiner Verkostungsrunde nicht viel gutes dabei. Eigentlich 0 Punkte weil Stil verfehlt. Kannste aber nicht machen.
Wie die anderen schon schruben, man ist gütig zu den Hobbyisten, das ist aber eigentlich grundverkehrt für die, die Kritik abkönnen und sich verbessern wollen.

Würde ich mein Lieblingsgebräu einreichen wollen, ich wüsste gar nicht, unter welcher Kat. ich das tun sollte. Es ist UG und vollmundig mit einer ordentlichen aber nicht zu heftigen Bittere, wird üblicherweise gestopft mit amerikanischen Zitrushopfen wie Cascade und hat meist zuviel Rezenz. Pils ist das nun gar nicht und also würde ich es nicht als solches bewerten lassen wollen.
Achim
Schruppten? Schraubten? Was Du hier geschrieben hast ist etwas unverständlich :P
Gruss

Uli

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Re: Das 35°C-Pils

#20

Beitrag von Bierjunge » Montag 11. März 2019, 10:35

Dabei hatte er eigentlich vor 2 1/2 Jahren schon versprochen gehabt, den Blödsinn bleiben zu lassen:
afri hat geschrieben:Wenn es der werten Userschaft hier misshagt, verzichte ich fortan auf solche Stilmittel aus der "Urzeit des Internet"
Moritz

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Re: Das 35°C-Pils

#21

Beitrag von Felix83 » Montag 11. März 2019, 10:38

Tozzi hat geschrieben:
Sonntag 10. März 2019, 22:04
Wir hatten einen IPA "flight" und bei uns herrschte Einigkeit: Das größte Problem der Hobbybrauer ist nach wie vor die Oxidation.
>90% der eingereichten Biere hatten mehr oder weniger ausgeprägte Oxidation, was die weitere Bewertung dann sehr erschwert.
Q.E.D.
Eigentlich müsste man das Bierbrauen für Neulinge rückwärts erklären und mit der Abfüllung als wichtigstes Element beginnen.
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Re: Das 35°C-Pils

#22

Beitrag von §11 » Montag 11. März 2019, 11:54

Würde ich mein Lieblingsgebräu einreichen wollen, ich wüsste gar nicht, unter welcher Kat. ich das tun sollte. Es ist UG und vollmundig mit einer ordentlichen aber nicht zu heftigen Bittere, wird üblicherweise gestopft mit amerikanischen Zitrushopfen wie Cascade und hat meist zuviel Rezenz. Pils ist das nun gar nicht und also würde ich es nicht als solches bewerten lassen wollen.
Das ist der Unterschied zwischen der Hedonik und Sensorik. Die Hedonik unterscheidet nach schmeckt gut oder eben nicht. Die Sensorik bewertet Eigenschaften gegen Kriterien und die braucht man eben. Beim Bier oft Bierstile. Aber genau aus diesem Grund hatten wir ja zum Beispiel den Publikumspreis. Hier entscheidet nämlich jeder selbst nach schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Also, nächstes Jahr mitkommen und beim Publikumspreis mitmachen :Wink
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Re: Das 35°C-Pils

#23

Beitrag von Vaninger » Montag 11. März 2019, 12:26

Hallo zusammen,

ich habe mir gestern mal meine vier unterschiedlichen Verkostungsbögen genauer angeschaut und doch einige Gemeinsamkeiten aber doch auch einige Unterschiede bei den Judges und ihren Verkostungseindrücken festgestellt. So genau weiß ich jetzt auch nicht, wie ich dran bin.

So steht z.B. dreimal schweflig bzw. einmal leicht muffig auf drei Bögen, was ich durchaus unterschreiben kann. Ein Judge scheibt aber phenolisch und gar nix von Schwefel. Dann steht dreimal schlank, einmal "zu viel Körper".

Ein Judge bescheinigt ein exzellentes Pils mit 40 Punkten, dann gibt es das Gegenteil mit 30 Punkten.

Es ist scheinbar gar nicht so einfach, als Judge das gleiche Bier zu verkosten. Stell ich mir aber selber auch schwer vor.

Trotzdem möchte ich allen Judges für die Rückmeldung und Bewertung danken und bin auch der Meinung, lieber etwas richtig bewerten und zu kritisieren als nur immer "ja, das passt schon" zu sagen.

In diesem Sinne weiter so...

Schöne Grüße
Daniel
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Re: Das 35°C-Pils

#24

Beitrag von thomsen » Montag 11. März 2019, 19:26

Zu den 28 Punkten für Moritz' nicht ganz gelungenes Pils: Ich habe auch den Eindruck, dass die Noten in der Kategorie Pils insgesamt recht wohlwollend ausgefallen sind. Wir hatten ein Pils im Wettbewerb, das über vier Bewertungen im Schnitt 41 Punkte erhalten hat (vom Odin/Stefan gab's offensichtlich immerhin 40 ;-)) Und dieses "exzellent" laut Schema hat jedenfalls nicht für die ersten drei Plätze gereicht. Zum Vergleich: Beim Sauerbier gab's für unsere 37 Punkte Rang drei.

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Re: Das 35°C-Pils

#25

Beitrag von Kurt » Montag 11. März 2019, 20:16

Das hängt auch mit dem (sich zufällig ergebenden) Niveau des entsprechden Flights zusammen. Im Mini BOS (Best of Show) der einzelnen Kategorien wurde dann nicht mehr auf die Punktzahl aus der Vorrunde geachtet. Alle Biere werden eingeschenkt und verkostet. Es wir nur noch die Reihenfolge festgelegt. Für diese Mini-BOS Runde wird dann natürlich auch eine neue Flasche Bier geöffnet.

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Re: Das 35°C-Pils

#26

Beitrag von thomsen » Montag 11. März 2019, 20:21

Ok, danke für die Erläuterung. Überhaupt gebt ihr Judges euch hier gerade große Mühe, den Wettbewerb auch nachträglich noch mal transparent und nachvollziehbar zu machen. Find ich wirklich stark, danke.

Gruß,
Markus

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Re: Das 35°C-Pils

#27

Beitrag von Bierbert » Dienstag 12. März 2019, 07:11

Ich bin echt begeistert von der Mühe und dem Herzblut, das Ihr investiert. :thumbup

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Re: Das 35°C-Pils

#28

Beitrag von Kolbäck » Dienstag 12. März 2019, 11:44

Danke, dass ich aus der Rest-Flasche probieren durfte - sehr interessant! Habe gerade nochmal nachgelesen, was du für Aufwand getrieben hattest - wow! Ich meinte auch, hinter den Estern ein tolles Bier zu schmecken.

Wie hattest du gemaischt für den hohen EVG ?

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