Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

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Prototyp_Brauer
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Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#1

Beitrag von Prototyp_Brauer » Dienstag 6. August 2019, 18:45

Liebe Hobbybrauer,

Am 14. Juli haben wir mit dem BM20+ und erstmals mit LOB-System ein (ungestopftes) Pale Ale gebraut. Am 21. Juli wurde mit dem Enolmatic (Vakuumabfüller) in 0.33l Flaschen abgefüllt. Dabei blieb ca. 1,5cm Luft bis zum Kronkorken. Anschliessend wurde per Pulverdosierer Haushaltszucker zur Nachgärung in die einzelnen Flaschen gegeben.

Auffällig war, dass das Bier beim Abfüllen trotz tiefer Temperatur (ca. 2°C) sehr stark geschäumt hat (bereits im Ansaugschlauch gab es eine starke Schaumentwicklung), entsprechend lang dauerte die Abfüllung auch. Wir dachten erst, das Vakuum würde das gebundene CO2 aus dem Bier ziehen.
Erst beim anschliessenden durchspühlen des Enolmatic mit Wasser und Reinigungslösung haben wir festgestellt, dass der Ansaugschlauch an einem Verbindungsstück Luft gezogen hatte, was zur starken Schaumentwicklung geführt hatte.

Am 4.8. wurde nach 2 Wochen Nachgärung bei Raumtemperatur und 1 Woche Reifung bei 4° die erste Flasche probiert: Geruchlich bisher unser bestes Bier, super fruchtig/hopfig. Geschmacklich bereits vielversprechend mit angenehmer Bittere.

Am 11.8. kam nach einer weiteren Woche Kaltreifung die Ernüchterung: Der Geruch hatte viel des fruchtig/hopfigen eingebüsst, Fehlgeruch war aber keiner vorhanden. Geschmacklich machte sich eine nachhängende, eher unangenehme Bittere bemerkbar, die ich als Eiweissbittere interpretiere.

Ich habe nun den dringenden Verdacht, dass der erhöhte Sauerstoffeintrag bei der Abfüllung zu einer schnellen Oxidation des Biers geführt hat. Der Enolmatic ist sicher an sich nicht der sauerstoffärmste Abfüller (das Bier läuft an der Flascheninnenwand nach unten), aber ich vermute die angesaugte Luft hat zu einem deutlich höheren Sauerstoffeintrag geführt.

Kann es sein, dass durch viel gelösten Sauerstoff ein Bier innerhalb von einer Woche Kaltreifung von "lecker, das wird unser bisher bestes Bier" zu "beinahe untrinkbar" (zumindest bei erhöhten Ansprüchen an das Selbstgebraute) wird?

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass wir eine sehr grosse Aromahopfengabe von ca. 5gr/L in den Whirlpool gegeben hatte. Hat das vielleicht einen Einfluss? Gestopft wurde das Bier wie gesagt nicht.


Danke für eure Hilfe,
Gruss Manuel

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Sura
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#2

Beitrag von Sura » Dienstag 6. August 2019, 18:56

Prototyp_Brauer hat geschrieben:
Dienstag 6. August 2019, 18:45
Kann es sein, dass durch viel gelösten Sauerstoff ein Bier innerhalb von einer Woche Kaltreifung von "lecker, das wird unser bisher bestes Bier" zu "beinahe untrinkbar" (zumindest bei erhöhten Ansprüchen an das Selbstgebraute) wird?
Das kann durchaus passieren. Mein erstes Pils war auch nur 2-3 Wochen ok. Da hatte ich noch nicht auf Sauerstoff geachtet, und mein Füllrohr hatte da auch immer etwas Luft gezogen.

edit:
Ich hab mir grade das Video angeschaut.... sah das bei euch auch so aus? :Shocked
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#3

Beitrag von Prototyp_Brauer » Dienstag 6. August 2019, 22:10

Hallo Sura, danke, dann hoffe ich wirklich dass es daran lag.

Im Prinzip sah das ähnlich aus, wir haben aber den Schlauch gekürzt, die tiefstmögliche Füllgeschwindigkeit und die höchstmögliche Füllmenge eingestellt. Geschäumt hat es aber viel mehr als im Video.
Ich habe letzten Dienstag wieder 4 kleine Testsude mit dem Enolmatic abgefüllt, habe diesmal aber die fehlerhafte Verbindung weggelassen. Und siehe da: Konnte problemlos abfüllen ohne Schaumentwicklung. Ich bin schon gespannt auf die erste Kostprobe.

Gruss Manuel

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#4

Beitrag von heizungsrohr » Dienstag 6. August 2019, 22:45

Das Gerät scheint mir typisch für den Weinbereich zu sein. Egal was passiert, gib einfach ordentlich Schwefel rein und alles wird gut. Für Bier sieht das eben aufgrund von Oxidation völlig ungeeignet aus.

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#5

Beitrag von irrwisch » Mittwoch 7. August 2019, 00:07

Ich frage mich wozu der Enolmatic überhaupt nen Vakuum zieht? Ist das nicht um Oxidation zu vermindern?

So wie das im Video aussieht wundert mich aber auch nix
Lauter Steckverbindungen die nicht wirklich dicht aussehen und dann plätschert das Zeug da runter.

Welchen Sinn hat da das Vakuum dann überhaupt?

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§11
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#6

Beitrag von §11 » Mittwoch 7. August 2019, 03:21

irrwisch hat geschrieben:
Mittwoch 7. August 2019, 00:07
Ich frage mich wozu der Enolmatic überhaupt nen Vakuum zieht? Ist das nicht um Oxidation zu vermindern?

So wie das im Video aussieht wundert mich aber auch nix
Lauter Steckverbindungen die nicht wirklich dicht aussehen und dann plätschert das Zeug da runter.

Welchen Sinn hat da das Vakuum dann überhaupt?
Luft aus Flasche pumpen und Wein strömt durch zweiten Schlauch nach. Für Bier nicht wirklich geeignet, weil die Erniedrigung des Drucks in der Flasche natürlich zwangsläufig zum Ausgasen des CO2 führt
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#7

Beitrag von Prototyp_Brauer » Mittwoch 7. August 2019, 18:32

Ich denke auch nicht, dass der Enolmatic ein super Gerät für sauerstoffarmes Abfüllen ist, im Gegenteil. Allerdings denke ich es macht einen grossen Unterschied, ob der Ansaugschlauch Luft zieht und es zu einer massiven Schaumentwicklung kommt, oder ob der Ansaugschlauch dicht ist.
Wie gesagt hatte ich bei der letzten Abfüllung nur eine minimale Schaumentwicklung in der Flasche, im Ansaugschlauch waren gar keine Blasen zu sehen. Um den benötigten Unterdruck möglichst gering zu halten haben wir den Schlauch gekürzt und für einen möglichst geringen Höhenunterschied zum Gärtank gesorgt. Zusätzlich wurde das Bier bei möglichst tiefer Temperatur abgefüllt. Ich glaube hier wurde kaum CO2 ausgegast da der Unterdruck sehr gering ausfällt. Die Abfüllung mit dichtem Ansaugschlauch sah dann ähnlich aus wie bei der Abfüllpistole Metall.

Ich werde in Zukunft mal ein paar Oxidationstests mit Klarglasflaschen durchführen, darunter auch der Vergleich von zwei Enolmatic-befüllten Flaschen, wobei eine vorher mit CO2 gespült wird. Wenn irgend möglich möchte ich beim Enolmatic bleiben, da die Handhabung einfach super praktisch ist. Ansonsten würde ich wohl über eine Blichmann Beergun nachdenken

Der Thread war aber eigentlich nicht gedacht um über den Enolmatic zu diskutieren (das gabs ja schon hier im Forum), sondern ich habe mich gefragt, ob dieser rapide Qualitätsverlust innerhalb von 1 Woche Kaltreifung tatsächlich vom O2-Eintrag bei der Abfüllung kommen kann.

Gruss Manuel

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#8

Beitrag von Prototyp_Brauer » Freitag 18. Oktober 2019, 00:13

Ein kleiner Nachtrag: Ich hatte die betroffenen Flaschen aus dem Kühlschrank genommen, bei Zimmertemperatur stehen lassen und vergessen. Diese Woche habe ich eine davon probiert und was soll ich sagen: Ist ein leckeres Bier geworden. Für mich waren keine Fehlaromen mehr erkennbar. Vielleicht lags doch nicht an Oxidation sondern schlichtweg an der fehlenden Geduld meinerseits...

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#9

Beitrag von Kellerbraeu » Freitag 18. Oktober 2019, 11:46

§11 hat geschrieben:
Mittwoch 7. August 2019, 03:21
irrwisch hat geschrieben:
Mittwoch 7. August 2019, 00:07
Ich frage mich wozu der Enolmatic überhaupt nen Vakuum zieht? Ist das nicht um Oxidation zu vermindern?

So wie das im Video aussieht wundert mich aber auch nix
Lauter Steckverbindungen die nicht wirklich dicht aussehen und dann plätschert das Zeug da runter.

Welchen Sinn hat da das Vakuum dann überhaupt?
Luft aus Flasche pumpen und Wein strömt durch zweiten Schlauch nach. Für Bier nicht wirklich geeignet, weil die Erniedrigung des Drucks in der Flasche natürlich zwangsläufig zum Ausgasen des CO2 führt
Jetzt kommt mir der Gedanke, ob die Ausgasung von etwas CO2 nicht auch Vorteile bringt?

Damit füllt sich der Raum über dem Jungbier mit CO2 und die 1,5 cm über der Flasche vor dem Verkorken sind mit ausgegastem CO2 und nicht mit Umgebungsluft wie bei der Abfüllpistole gefüllt.
#Manuell
bitte mache doch einmal einen Oxidationstest mit Klarglasflaschen! Wäre super interessant

Grüße Ulf

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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#10

Beitrag von afri » Freitag 18. Oktober 2019, 12:39

Kellerbraeu hat geschrieben:
Freitag 18. Oktober 2019, 11:46
bitte mache doch einmal einen Oxidationstest mit Klarglasflaschen! Wäre super interessant
Haben wir hier schon einige: https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... &start=150
Achim

PS gerade gestern habe ich beiden restlichen Flaschen meines jüngsten Oxidationstests verkostet, das waren die mit großem Kopfraum. Die Farbe hat sich seit den Fotos im August nicht mehr groß verändert, aber der Bodensatz war bei beiden dunkelbraun. Geschmeckt hat es auch nicht so richtig, aber das war es ja, was damit gezeigt werden sollte.
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#11

Beitrag von Kellerbraeu » Freitag 18. Oktober 2019, 12:58

Moin Achim,
den super Oxidationstest kenne ich.
Mich würde einmal interessieren

Abfüllpistole vs. Enolmatic

Das hast Du doch nicht getestet oder?

Grüße Ulf

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#12

Beitrag von olibaer » Freitag 18. Oktober 2019, 12:59

Kellerbraeu hat geschrieben:
Freitag 18. Oktober 2019, 11:46
Jetzt kommt mir der Gedanke, ob die Ausgasung von etwas CO2 nicht auch Vorteile bringt?
Damit füllt sich der Raum über dem Jungbier mit CO2 ....
Jetzt erst ? ;-)

Das ist grundsätzlich der Weg, um die letzten ml Luft aus dem Flaschenhals zu treiben.
Gerne auch in Kombination mit etwas "Überschäumen", was beim CO2-Austreiben aus dem Endprodukt ohnehin nicht ausbleibt.

Aber:
Wurde beim vorgelagerten Füllvorgang schon reichlich Luftsauerstoff ins Produkt "eingespült", rettet ein "Überschäumen" am Ende des Füllvorganges auch nicht mehr viel. Der Oxi-Ball liegt bereits im Spielfeld.
Gruss
Oli
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#13

Beitrag von afri » Freitag 18. Oktober 2019, 22:39

Kellerbraeu hat geschrieben:
Freitag 18. Oktober 2019, 12:58
Das hast Du doch nicht getestet oder?
Stimmt, ich habe eine selbstgefrickelte Abfüllpistole und bislang nurmehr den Sauerstoff über bewusstes Plätschern und/oder viel Kopfraum getestet. Wie sich zeigte, ist bereits das Grund genug, auf O2-arme Abfüllung zu achten. Feinheiten hebe ich mir für später auf.
Achim
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#14

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 18. Oktober 2019, 22:45

Der Enolmatic ist nicht zum Abfüllen von Bier geeignet. Mehr braucht man dazu eigentlich gar nicht sagen.
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Re: Pale Ale durch fehlerhafte Abfüllung schon durchoxidiert?

#15

Beitrag von Kraftwerk-Bräu » Samstag 19. Oktober 2019, 09:50

Mich würde mal interessieren wie viele hier außer dem Tread Ersteller eine Enolmatic haben ober bereits getestet haben. Da ja doch anscheinen einige "Experten" für das Gerät hier im Forum sind.
Ich selber habe das Gerät seit mehreren Jahren und habe damit mal grob geschätzt mehrere duzend Sude abgefüllt und bisher keine Probleme in punkto Oxidation damit gehabt.
Fakt ist das man nur drucklos vergärte Biere zur Flaschengärung damit Abfüllen kann. Für bereits aufkarbonisiertes Bier ist es nicht geeignet.
Wer also direkt ausm KEG karboniseirtes Bier abfüllen möchte wird um eine Beergun oder meiner Meinung nach um einen ordentlichen Gegendruckabfüller nicht herum kommen.
Ich selber fülle damit (meist Weizenbiere) bei +5°C direkt aus meinem SS Brewtec Unitank bzw. Chronical Brewmaster Edition ab und das hat bisher immer super funktioniert. Die gefürchtete Schaumparty ist bisher bei mir immer ausgeblieben.
Andere Abfüller (Beergun, Gegendruckabfüller & Co.) werden mit undichten Bierleitungen auch nicht funktionieren und Luft mit einziehen. Hat man ja schon oft genug hier im Forum darüber gelesen.
Wia da Herrgott vor vielen Jahr'n
erschaffen hat die Welt,
hat er am siebten Tag erst g'spannt,
dass do no etwas fehlt.
Und was do no abganga is,
dös wiss'ma ganz genau:
Dös is da schönste Fleck da Welt,
die schöne Holledau.

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