Nachgärung / Karbonisierung

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Nachgärung / Karbonisierung

#1

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 09:00

Hallo zusammen

mein erster Sud und ein paar Fragen, was falsch gewesen sein könnte:

Bier: Belgisch American Saison
Sud gekocht mit Speidel Braumeister nach Rezept:

50 Grad - 10min einmaischen
66 Grad - 50 min maltoserast
78 Grad - 10 min läuterrast
60 min Hopfenkochen

Stammwürze: 14 Plato (Spindel)
Hauptgärung: 8 Tage
Restextrakt nach Hauptgärung mit 8 (Spindel) eigentlich viel zu hoch
Hefe: flüssig wyeast 3724
Karbonisierung mit 1l Speise
Jungbier waren 14.5 Liter (plus die Speise)

Abgefüllt mit Flaschenmanometer, bereit regelmässig Bügelflaschen Druck abzulassen, aber nach 2 Tagen ist der Druck gerade mal knapp über 1.4bar und steigt nur noch sehr langsam. Also weit weg von Flaschenbombe.

Mit Suchfunktion hab ich gefunden möglicher Fehler, Hauptgärung war noch noch fertig, aber da passt nicht dazu dass die Nachgärung in den Flaschen recht normal und gemächlich verläuft?

Was könnte noch falsch gewesen sein?

Geschmack vom Jungbier war gut, fruchtig, leichte Bitterhopfennote.

Danke.

Alex

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#2

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 7. August 2019, 09:32

axe hat geschrieben:
Mittwoch 7. August 2019, 09:00
...
Abgefüllt mit Flaschenmanometer, bereit regelmässig Bügelflaschen Druck abzulassen, aber nach 2 Tagen ist der Druck gerade mal knapp über 1.4bar und steigt nur noch sehr langsam.
...

...
Was könnte noch falsch gewesen sein?
...
Die Ungeduld beißt wie ein kleiner gelangweilter Zwegköter am Hosenbein?!?
Lass mal 2 Wochen stehen, behalte dabei das Monometer im Blick und dann ab in den Kühlschrank mit dem Bier.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#3

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 09:40

Ja stimmmt, Ungeduld beisst tatsächlich, könnte an der Unterhopfung in mir liegen ;)
Klar, jetzt bleiben die Flaschen erstmal stehen mit Monitoring des Manometers.
Worst case wird es halt ein light beer mit bissel wenig Alk und etwas weniger co2 - aber immer noch besser als ein oettinger :)

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#4

Beitrag von emjay2812 » Mittwoch 7. August 2019, 10:05

Es gibt keine pauschalen Aussagen wie: "Die Hauptgärung dauert 8 Tage". Um den Zeitpunkt festzustellen wann die Hauptgärung beendet ist, nimmt man die sogenannte Schnellvergärprobe. Einfach einen Messkolben mit Jungbier füllen und an einem warmen Ort paralell zur Hauptgärung vergären lassen.

Beispiel: Die Probe bleibt bei einem Wert von 3°P stehen, und das stabil über zwei - drei Tage. Dann misst man den Extrakt des Jungbieres im Gärbottich. Ist dieser auch bei 3°P kann man sicher sein, dass die Gärung beendet ist. Ich warte dann sicherheitshalber immer noch einen Tag bis zur Abfüllung ab.

Ich karbonisiere immer mit Traubenzuckerlösung, dass ist für mich persönlicher einfacher.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#5

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 10:12

Schnellvergärprobe funktioniert aber was ich hier im Forum gelesen hab nur für untergärig. Bei obergärig dauert es genausolang wie die Hauptgärung. Mein Sud / Hefe ist obergärig.

Was mich halt irritiert ist dass mit den abgefüllten 8 Plato auch in den Flaschen nicht viel passiert. Was ich hier gelesen hab wäre das ein Wert wo man sehr schnell bei Flaschenbombe landen wurde. Naja, werd mal zwei Wochen warten und schauen was bei rauskommt.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#6

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 7. August 2019, 10:28

Irgendwas ist schief gelaufen und das Bier hätte zu diesem Zeitpunkt niemals abgefüllt werden dürfen. So viel ist sicher.
Wie gesagt. Behalte die Manometer gut im Auge. 8°P Restextrakt ist kein Spaß!

Die Schnellvergärprobe funktioniert sowohl für OG als auch für UG.
Man stellt sie wärmer und sorgt dafür, dass die Hefe gut in Schwebe bleibt (z.B. Magnetrührer, Konvektion oder Schwenken). Dann ist die Probe definitiv vor dem Sud ausgegoren.
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#7

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 10:40

Gibt es eine Empfehlung / Richtwert ab wann man mal etwas Druck ablassen sollte aus den Flaschen? das Flaschenmanometer geht bis 4 bar und zeigt aktuell 1.4 bar.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#8

Beitrag von fsb » Mittwoch 7. August 2019, 10:43

Ich habe erst mit einem einzigen selbstgebrauten Saison Erfahrung. Da habe ich festgestellt, dass meine Hefe (Lallemand Belle Saison) zwar zügig loslegte, dann aber bei 25 °C noch sehr lange sehr langsam weiterarbeitete [1]. Ich hatte gut zwei Wochen gebraucht. Auch in der Beschreibung Deiner Hefe [2] steht: "Fermentation will finish, given time and warm temperatures. Warm fermentation temperatures, at least 90°F (32°C), or the use of a secondary strain can accelerate attenuation."

Also würde ich auch empfehlen: Das nächste Mal mehr Geduld bei der Hauptgärung. Und dieses Mal unbedingt das Manometer im Auge behalten. Und zumindest jetzt bitte wirklich Geduld haben, bevor die Flaschen von Raumtemperatur in einen Kühlschrank kommen.

[1] https://frankensteiner.familie-steinber ... Saison.svg
[2] https://wyeastlab.com/yeast-strain/belgian-saison
Zuletzt geändert von fsb am Mittwoch 7. August 2019, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#9

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 10:47

Danke. Ja beim nächsten mal werd ich mehr Geduld mit der Hauptgärung haben und jetzt regelmässig Manometer kontrollieren. Denke sollte es über 3 bar gehen werde ich mal intervenieren und vorsichtig Druck ablassen.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#10

Beitrag von Boludo » Mittwoch 7. August 2019, 13:24

Ich würde alles zurück in den Gärbehälter geben und kontrolliert zu Ende vergären lassen. Dann mit Zucker aufspeisen und zur Strafe noch mal abfüllen.
Frage: Warum hast du nach 8 Tagen abgefüllt?

Stefan

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#11

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 13:48

Weil sich im Gärbottich nichts mehr getan hatte - ist halt 1. Sud-Lerneffekt. Bin mehr der Typ nur durch Probieren und Fehler lernt man :thumbsup
Ganz blind bin ich aber trotzdem nicht ans Werk gegangen und viele Anleitungen und Hilfestellungen im Vorfeld angeschaut. Da es nur 15 Liter waren schau ich jetzt mal was bei rauskommt und beim nächsten Sud werden die Fehler korrigiert.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#12

Beitrag von fsb » Mittwoch 7. August 2019, 14:05

Das mit dem "im Gärbottich tut sich nix mehr" ist aus meiner Erfahrung gerade am Anfang (habe selbst erst 18 Monate dieses Hobby) gar nicht so leicht zu beurteilen. Wenn's im Gärröhrchen nicht mehr blubbert, könnte ganz einfach auch eine kleine Undichtigkeit bestehen oder eine Temperaturveränderung eine Gäraktivität ungefähr ausgleichen. Wirklich sicher ist da eigentlich nur die Methode möglichst genauer Messungen und das, wie so viele Anleitungen es empfehlen, über einen Zeitraum von drei Tagen. Nur wenn über so lange Zeit der Restextrakt nicht mehr sinkt, kannst Du recht sicher sein, dass Du abfüllen kannst. Richtig und wichtig ist auch immer wieder der Tipp: GEDULD!! (ich weiß, das ist gar nicht so einfach).

Dazu kommt nun gerade bei einer Saisonhefe diese sehr lange sehr langsam weiter verlaufende sehr geringe Aktivität. Deine Hefe gilt als einigermaßen hoch vergärend und ich nehme an, dass Du auch eine Saison-typische Schüttung hattest (kein bis wenig Cara*). Und wenn die 66°C Rast nicht deutlich wärmer war, dann sollte ausgehend von 14°P bei 8 GG% noch LANGE nicht Schluss sein.

Aus Problemen und Fehlern zu lernen, hilft oft. Da stimme ich Dir vollkommen zu. Nur sollten wir unbedingt vermeiden, dass es Verletzte gibt!

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#13

Beitrag von HrXXLight » Mittwoch 7. August 2019, 14:16

Mein Saison mit de Belle Saison lief nach 8-10 Tagen auch sehr sehr schleppend und blieb bei 7°P stehen. Habe die Hefe dann nochmal leicht aufgewirbelt und alles nochmal wärmer gestellt und siehe da, nach fast 4 Wochen hatte sie dann alles weggeknabbert.
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#14

Beitrag von axe » Mittwoch 7. August 2019, 14:19

Danke für die ausführlichen Infos. Ja, dementsprechend werd ich die Flaschen bzw. Manometer gut beobachten und frühzeitig genug intervenieren sollte sich da noch was bewegen Richtung zu hoher Druck. Aber da es neue Flaschen sind und die wohl 10bar aushalten sollten, müsste ich auf der sicheren Seite sein wenn ich ab 3bar leicht öffne und Druck ablasse.

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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#15

Beitrag von HrXXLight » Mittwoch 7. August 2019, 14:27

Wieso schüttest du nicht wieder alles zurück und lässt es ausgären? Ist zwar etwas Aufwand aber bestimmt tressfreier
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#16

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Mittwoch 7. August 2019, 15:42

Zurückschütten ist wirklich der beste Rat. Es ist nicht auszuschließen, dass die Gärung in den Flaschen ohne Manometer einfach ein paar Tage vorher wieder einsetzt. Und mit dem aktuellen Restextrakt kommst du spielend über 10 bar.
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#17

Beitrag von afri » Mittwoch 7. August 2019, 15:48

Kleine überschlägige Beispielrechnung: 8°P statt 3°P macht eine Differenz von 5°P, also knapp 51g Extrakt pro Liter. Daraus entstehen rund 25g CO2 neben dem Alkohol, das macht bei 7° Biertemperatur gute 9bar in der Flasche, bei 20° würden über 14bar entstehen, wenn die Flaschen nicht vorher platzen (und das werden sie).

Würde ich nicht empfehlen, das auszuprobieren, sei bitte vorsichtig.
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Re: Nachgärung / Karbonisierung

#18

Beitrag von bierfaristo » Mittwoch 7. August 2019, 16:08

Alternative zum Umschütten wäre das Ausgären in der Flasche. Dazu die geöffneten Flaschen zB mit mit IsoProp behandelten Küchenpapier abdecken und mit Gummi fixieren.

Vorteil:
- (vermutlich) weniger Aufwand
- weniger Oxidation

Nachteil:
- evtl zu wenig Platz
- mehr Geläger
Fühle mich oft unverstanden, bin vermutlich ein Genie.

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