Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

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Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#1

Beitrag von Schoki » Sonntag 13. September 2020, 12:15

Mahlzeit,

eigentlich hatte ich gehofft, dass ich das ganze über Google und die Suchfunktion klären kann, aber ich nerve euch jetzt trotzdem mit einem neuen Thread.

Mein erster Sud gärt gerade vor sich hin - mittlerweile seit zwei Wochen. Ich bin jetzt seit Montag bei einem Restextrakt von 4,5°P und obwohl das Gärröhrchen mehrmals pro Minute vor sich hin blubbert, will es einfach nicht weniger werden. Dazu kommt, dass ich zum Zeitpunkt des Anstellens noch keine Spindel zum Messen der Stammwürze hatte. Die Frage ist jetzt, ob ich abfüllen kann ohne Flaschenbomben zu riskieren. Hier noch ein paar Eckdaten zum Bier:

Red Ale (nach Rezept von brauanleitung.com)

Ziel Stammwürze: 13,5°P - wie gesagt leider nicht gemessen

3,5kg Pale Ale Malz
0,5kg Münchner Malz
250g Carared
200g Melanoidinmalz
50g Chocolate Malz

Kombirast bei 68°C für 90 Minuten.

Ein Päckchen S-04 auf geplante 20l (es wurden aber eher um die 17l). Angestellt bei 25°C Würzetemperatur (vielleicht etwas hoch :redhead ).

Die ersten drei Tage war die Gärung sehr stürmisch, danach wurde es sehr schnell weniger. 4 Tage nach Anstellen war ich bei 5°P, von Tag 7 bis 14 dann bei 4,5°P. Die Raumtemperatur lag relativ konstant bei ca. 20°C mit kurzen Schwankungen durchs Lüften.

Was ich schon ausprobiert habe: Eimer schwenken. Das führte dann für einen Tag zu etwas schnellerem Blubbern und ist jetzt wieder im Leerlauf. Trotzdem war keine Änderung des Restextrakts messbar.
Zuletzt geändert von Schoki am Montag 14. September 2020, 12:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#2

Beitrag von muldengold » Montag 14. September 2020, 11:11

Hi Schoki

ich denke dein Sud ist durch. Was da aufsteigt ist im Hefekuchen gebundenes CO2, irgendwann wird das auch aufhören ist aber kein Zeichen aktiver Gärung. Wie hoch der Endvergärungsgrad bei unbekannter Stammwürze ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

VG

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#3

Beitrag von Johnny Eleven » Montag 14. September 2020, 12:42

Hallo,

Du meinst als Hefe wohl die "S-04". Bei der ist ein Einstellen der Arbeit bzw. ein Einschlafen offensichtlich kein ganz unbekanntes Phänomen. Siehe mal hier: https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?t=24036 und https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?t=15652

Bei mir war es mit der S-04 genauso, das Bier ist trotz zwischenzeitlicher Sorgen aber super geworden (siehe hier https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 37#p389637). Nach 2 Wochen HG war der Restextrakt konstant, geblubbert hat es aber weiterhin in Abständen. Ich habe dann abgefüllt, weil mir der recht niedrige sEVG von 67% durch das Maischschema und die verwendeten Malze erklärbar schien, aber nach 2 Wochen Flaschengärung hatte ich bei der probeweise geöffneten Falsche zunächst mit etwas (langsamem) Gushing zu kämpfen, was sich dann nach zwei Wochen im Kühlschrank aber komplett gegeben hat. Die S-04 scheint mir etwas "tricky", aber das Bier war ziemlich schnell sehr trinkbar. Trotzdem habe ich seitdem vor dieser Hefe etwas "Respekt".

Geschwenkt hast Du ja schon. Ich würde vorsorglich noch wenige Tage warten, bevor Du abfüllst, und dann für die Nachgärung zur Kontrolle einen Flaschenmanometer an einer Flasche anbringen, wenn Du eines hast.

Viele Grüße

Johannes
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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#4

Beitrag von Schoki » Montag 14. September 2020, 13:07

Danke für die Antworten. Natürlich meinte ich S-04 (fies, dass es S-04 und US-05 gibt), hab das korrigiert. Das mit dem CO2 aus dem Hefekuchen klingt plausibel.

Ich hab mich jetzt dazu entschieden, abzufüllen und ein paar 100ml noch parallel vor sich hin gären zu lassen. Falls sich da noch was tut, würde ich dann entlüften. Ich seh schon, dass ein Flaschenmanometer eine gute Investition für die Nerven wäre. Ich werde berichten, wie es ausgeht.

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#5

Beitrag von E6903 » Montag 14. September 2020, 13:31

Hallo.

Ich habe ein ähnliches Problem. Beim Brauen eines Doppelbock die Würze auf zwei Gärbehälter aufgeteilt (kunststoff und edelstahl). Beides mit der Nottingham angestellt, im Kunststoffbehälter blubbert er auch nach nun 2 Wochen noch ca 1x/Min, im Edelstahlbehälter war nach 2 Tagen keine Aktivität mehr zu sehen. Allerdings sind beide Behälter von 16.2°P auf nun 8.4°P runter, was anstatt die angepeilten 7.9% momentan 6%Vol ausmacht. Kann ich mit leben, ist aber verwunderlich.

Werde das diese Woche durch konstantes Messen mit Refraktometer beobachten und evtl am Wochenende abfüllen.

LG Marco
Was, wenn Adam ein Bier, statt des Apfels genommen hätte? :Grübel
:Drink

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#6

Beitrag von Johnny Eleven » Montag 14. September 2020, 14:33

Schoki hat geschrieben:
Montag 14. September 2020, 13:07
Ich seh schon, dass ein Flaschenmanometer eine gute Investition für die Nerven wäre.
Definitiv!

Dein Plan scheint mir gut.

Und ja, berichte unbedingt mal, wie es weitergegangen ist. Das interessiert mich, da ich mir damals auch einige Sorgen gemacht habe.

Viele Grüße

Johannes
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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#7

Beitrag von Schoki » Freitag 18. September 2020, 13:20

Zwischenbericht: In der Probe hat sich quasi nichts mehr getan. Jetzt kommt aber leider das nächste Problem. Ich habe einige Flaschen probehalber geöffnet (nächstes Mal kommt ein Manometer dran...) und hatte zwar ein eher verhaltenes Zischen aber nach einigen Sekunden teilweise Gushing in Verbindung mit einem unangenehmen chemischen Geruch (aber eher "dumpf" und nicht medizinisch-stechend) - Plastik oder Gummi trifft es vielleicht einigermaßen? Das Jungbier roch sehr gut. Hab ich mir da beim Abfüllen noch was eingefangen oder gibt sich sowas mit der Reifung?

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#8

Beitrag von Johnny Eleven » Freitag 18. September 2020, 13:39

Hallo,

das Gushing-Problem beim Öffnen einer ungekühlten Flasche nach der Nachgärung hatte ich bei der S-04 neulich auch, hat sich aber nach kalter Lagerung (2 Wochen im Kühlschrank) gegeben (s.o. #3).

Einen solchen Geruch habe ich aber nicht wahrgenommen, dazu kann ich leider nichts sagen.

Viele Grüße

Johannes
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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#9

Beitrag von Brandergartenbier » Freitag 18. September 2020, 14:06

Schoki hat geschrieben:
Montag 14. September 2020, 13:07
Ich seh schon, dass ein Flaschenmanometer eine gute Investition für die Nerven wäre. Ich werde berichten, wie es ausgeht.
Habe mir eben aus einem Bügelverschluss selber eins gebaut, ich hab es einfach nicht eingesehen dafür wieder so viel Geld und Lieferzeit in Kauf zu nehmen. Manometer hatte ich noch eins.

Einfach den Kunststoffstopfen einer Bügelflasche von unten schräg anbohren und dann oben das passende Gewinde relativ nah am Rand geschnitten.
Gruß Florian
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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#10

Beitrag von Schoki » Freitag 18. September 2020, 14:59

Das ist ja nochmal einfacher als die Varianten, die man hier sonst so sieht. Da bräuchte ich nur noch das passende Werkzeug :Grübel Und das hält auch vernünftig dicht?

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#11

Beitrag von Juergen_Mueller » Freitag 18. September 2020, 15:33

muldengold hat geschrieben:
Montag 14. September 2020, 11:11
Was da aufsteigt ist im Hefekuchen gebundenes CO2
Dazu möchte ich mal mein jüngstes Erlebnis schildern.
Seit drei Tagen hab ich eine Schnellvergärprobe mit ca. 180ml und 12,7°P. angestellt. Oben drauf hatte ich nur etwa 10 Krümel Fermentis S-04 gestreut. Das Ganze in ein abgekochtes Marmeladenglas und mit dem Schraubdeckel verschlossen.
Nach ca. 14 Stunden bildete sich die erste, kleine Schauminsel, dann wurde es schnell mehr. Nach 3 Stunden war das Hochkräusenstadium erreicht. Als ich jetzt erstmals den Deckel löste, war schon ein merklicher Druck auf dem Glas.
Seitdem schwenke ich das Glas öfter und entlüfte es dabei.
Kurz: Unglaublich, welcher Druck durch die Gärung entsteht. :Shocked Mir ist es nicht möglich, das Glas leicht zu schütteln, ohne das mir die Sauerei auf die Pfoten spritzt. Wohlgemerkt, das Glas ist halbvoll.
Der Vergärgrad liegt derzeit bei 60-67%, je nach Formel. Also warte ich noch ab, ich denke der Brixwert fällt noch von 8 auf 7. Mal schauen.
Gruß Jürgen

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#12

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Freitag 18. September 2020, 18:08

Brandergartenbier hat geschrieben:
Freitag 18. September 2020, 14:06

Einfach den Kunststoffstopfen einer Bügelflasche von unten schräg anbohren und dann oben das passende Gewinde relativ nah am Rand geschnitten.
Hi Florian,
kannst du das bitte Mal fotografieren?

Danke und Gruß Dieter

Edith: hat sich erledigt durch Lesen eines andern Threads.
Brau, schau wem.

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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#13

Beitrag von Brandergartenbier » Freitag 18. September 2020, 18:40

https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... ead#unread

Ich habe ein Gewinde rein geschnitten und weil ich bei Druck auch sehr vorsichtig bin alles nochmal verklebt. Da es aber Leute gibt die so etwas mit einer Heizklebepistole machen mache ich mir keine Sorgen :Greets
Gruß Florian
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Re: Restextrakt konstant (hoch) trotz Blubbern

#14

Beitrag von Schoki » Montag 21. September 2020, 21:29

Nächster Zwischenbericht: Laut Probeflasche scheint die Nachgärung gut gelaufen zu sein, gekühlt dann auch ohne Gushing. Das Fehlaroma wird weniger, sodass ich nicht von einem Infekt, sondern eher von irgendwelchen Neben-/Zwischenprodukten der Nachgärung ausgehe. Den restlichen Flaschen gebe ich dann noch etwas Zeit zum Reifen, in der Hoffnung, dass es nochmal runder wird. Trinkbar ist es aber schon geworden und Flaschenbomben hab ich auch keine. Eigentlich eine gute Bilanz für den ersten Sud.

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