Gärung verbessern... mit Musik?

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chaos-black
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Gärung verbessern... mit Musik?

#1

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 10. Dezember 2020, 22:24

Hey Leute,
ich bin gerade im Homebrewing Reddit über diesen interessanten Artikel gestolpert: https://link.springer.com/article/10.11 ... 1715020125

Dem Abstract zufolge, wurde durch Musik die Vermehrungsrate um bis zu 40% gesteigert und der Stoffwechsel von Hefen und Bakterien beeinflusst.

Vlt findet das ja jemand so interessant, dass er sich den ganzen Artikel gönnt?

Beste Grüße,
Alex
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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afri
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#2

Beitrag von afri » Donnerstag 10. Dezember 2020, 23:15

Vermutlich nicht. Hatten wir das nicht bereits, Bier mit Mozart oder mit AC/DC im Vergleich? Ich meine mich dunkel zu erinnern.
Achim
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§11
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#3

Beitrag von §11 » Freitag 11. Dezember 2020, 00:25

Unertl Mühldorf hat das gemacht (als sie noch produziert haben)
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

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Mellatzer
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#4

Beitrag von Mellatzer » Freitag 11. Dezember 2020, 06:52

chaos-black hat geschrieben:
Donnerstag 10. Dezember 2020, 22:24
Hey Leute,
ich bin gerade im Homebrewing Reddit über diesen interessanten Artikel gestolpert: https://link.springer.com/article/10.11 ... 1715020125

Dem Abstract zufolge, wurde durch Musik die Vermehrungsrate um bis zu 40% gesteigert und der Stoffwechsel von Hefen und Bakterien beeinflusst.

Vlt findet das ja jemand so interessant, dass er sich den ganzen Artikel gönnt?

Beste Grüße,
Alex
Also ich finde das schon interessant. Leider steht nichts genaues drin, nur dass klassische indische Ragas abgespielt wurden:
"The present study aimed at investigating effect of one kind of Indian classical music (raag Kirwani) on microbial growth and production of certain industrially important and/or bioactive metabolites."

Das Untersuchungssetting war folgendermaßen:
"Inoculum of test organism from its activated culture was prepared in sterile normal saline and was standardized to 0.5 McFarland turbidity standard. The tubes with growth medium after inoculation was put into a glass chamber (Merck, 225 × 225 × 125 cm). A speaker was placed in this glass chamber at a distance of 15 cm from the inoculated test tubes/flasks (Fig. 1), from which the sound was delivered (sound delivery was provided throughout the period of incubation). This glass chamber was covered with a glass lid, and multiple layers of cloth and paper were used to cover the lid. This was done to prevent any possible leakage of sound from the chamber, and also to avoid any possible interference from external sound."

Das Ergebnis ist schon spannend:
"This study has found bacteria (gram-positive as well as gram-negative) and yeast to be influenced in a significant way by audible sound applied in form of music. Music could influence microbial growth, production of important metabolites (prodigiosin, violacein, and alcohol), antibiotic susceptibility, efflux rate of cephalosporin degradation products, and intracellular concentration of calcium, potassium and protein in the test organisms."

Danke für den Hinweis, Alex.
Schöne Grüße aus dem verschneiten Westallgäu, Jörg

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#5

Beitrag von DevilsHole82 » Freitag 11. Dezember 2020, 06:58

Da gibt es doch auch den offiziellen Wacken Bäcker, Name leider vergessen, der sein Brot beim Gären mit Heavy Metal beschallt. Das soll auch positiv wirken.
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#6

Beitrag von HubertBräu » Freitag 11. Dezember 2020, 07:28

Genau .. man muss nur ganz fest dran glauben :Bigsmile
Ich braue am Wochenende ein Münchner Dunkles .. das werde ich dann mal mit Cannibal Corpse beschallen :Drink

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#7

Beitrag von TheCK » Freitag 11. Dezember 2020, 08:22

Vorsicht bei solchen Experimenten! Hatten wir hier nicht gerade letztens einen Thread dass die Wacken-Biere irgendwie sauer schmeckten? :P
LG Chris

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#8

Beitrag von afri » Freitag 11. Dezember 2020, 09:14

Hmm, was da wohl rauskommt, wenn man Chemical Brothers als Schallquelle nimmt, oder Art of Noise?
Achim
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#9

Beitrag von DevilsHole82 » Freitag 11. Dezember 2020, 09:45

afri hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 09:14
... wenn man Chemical Brothers als Schallquelle nimmt...
Mit Sicherheit nur Gutes :Bigsmile
Wer sie mal Live gesehen hat weiß welche Energie und Euphorie freigesetzt wird.
Gruß, Daniel

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#10

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Freitag 11. Dezember 2020, 09:45

Klingt faszinierend. Ich sehe aber nicht, dass Nullprobe und beschallte Probe den gleichen Lichtverhältnissen ausgesetzt waren. Das hätte bewusst sichergestellt werden müssen, weil die beschallte Probe in einem schalldicht verpackten Kasten stand. Auch Dunkelheit fördert die Zellvermehrung (https://www.eesom.com/frauenheilkunde/g ... e-tripper/). Das Ergebnis könnte daher durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse beeinflusst wurden sein.

Falls die Erkenntnis mit der Beschallung stimmt, dann sollte man überall wo Raag Kirwani gespielt wird Warnhinweise aufstellen, damit Leute mit Gonorrhoe oder anderen bakteriellen Infektionen bewusst fern bleiben und sich vor Verschlimmerung der Infektion schützen können. :Wink
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#11

Beitrag von Mellatzer » Freitag 11. Dezember 2020, 10:00

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 09:45
Klingt faszinierend. Ich sehe aber nicht, dass Nullprobe und beschallte Probe den gleichen Lichtverhältnissen ausgesetzt waren. Das hätte bewusst sichergestellt werden müssen, weil die beschallte Probe in einem schalldicht verpackten Kasten stand. Auch Dunkelheit fördert die Zellvermehrung (https://www.eesom.com/frauenheilkunde/g ... e-tripper/). Das Ergebnis könnte daher durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse beeinflusst wurden sein.

Falls die Erkenntnis mit der Beschallung stimmt, dann sollte man überall wo Raag Kirwani gespielt wird Warnhinweise aufstellen, damit Leute mit Gonorrhoe oder anderen bakteriellen Infektionen bewusst fern bleiben und sich vor Verschlimmerung der Infektion schützen können. :Wink
:Bigsmile :Bigsmile :Bigsmile

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#12

Beitrag von manno_matze » Freitag 11. Dezember 2020, 10:33

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 09:45
Klingt faszinierend. Ich sehe aber nicht, dass Nullprobe und beschallte Probe den gleichen Lichtverhältnissen ausgesetzt waren. Das hätte bewusst sichergestellt werden müssen, weil die beschallte Probe in einem schalldicht verpackten Kasten stand.
Laut Abbildung waren sie gleichen Vorraussetzungen ausgesetzt. Aber:
"microbial growth inside a growth vessel can be affected by external physical factors including sound, as such physical signals can be transmitted through barriers like plastic or glass."
Wer sagt, dass die Kontrollzelle ausreichend von der Versuchszelle abgeschirmt war, wenn die kleinen Scheißerle zur Mukke durch Becherglas und Reagenzglas abhotten können? :Wink Ohne das Ganze zerpflücken zu wollen, aber bspw. diese Art der dreifach-Ausführung langt nicht für den Statistiktest, der jedes Mal p<0.0001 hatte.

Unbewiesene Hypothese: Die Musik hat auf den Brauer einen viel größeren Einfluss :Bigsmile
LG
Matze
:Drink

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#13

Beitrag von manno_matze » Freitag 11. Dezember 2020, 10:34

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 09:45

Falls die Erkenntnis mit der Beschallung stimmt, dann sollte man überall wo Raag Kirwani gespielt wird Warnhinweise aufstellen, damit Leute mit Gonorrhoe oder anderen bakteriellen Infektionen bewusst fern bleiben und sich vor Verschlimmerung der Infektion schützen können. :Wink
:thumbsup :thumbsup
LG
Matze
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#14

Beitrag von benu1956 » Freitag 11. Dezember 2020, 11:26

Moin,

Steht im volltext denn etwas zu Saccharomyces cerevisiae? Im abstract wird der gar nicht als untersuchter Organismus genannt.

Lg benu

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#15

Beitrag von Mellatzer » Freitag 11. Dezember 2020, 11:57

benu1956 hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 11:26
Moin,

Steht im volltext denn etwas zu Saccharomyces cerevisiae? Im abstract wird der gar nicht als untersuchter Organismus genannt.

Lg benu
Voilá!
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Commander8x
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#16

Beitrag von Commander8x » Freitag 11. Dezember 2020, 13:30

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Freitag 11. Dezember 2020, 09:45
Klingt faszinierend. Ich sehe aber nicht, dass Nullprobe und beschallte Probe den gleichen Lichtverhältnissen ausgesetzt waren. Das hätte bewusst sichergestellt werden müssen, weil die beschallte Probe in einem schalldicht verpackten Kasten stand. Auch Dunkelheit fördert die Zellvermehrung (https://www.eesom.com/frauenheilkunde/g ... e-tripper/). Das Ergebnis könnte daher durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse beeinflusst wurden sein.
So sah der Versuchsaufbau aus:
noise.jpg
noise.jpg (72.43 KiB) 615 mal betrachtet

Falls jemand den Artikel im Original lesen mag, bitte PN.

Die meisten kommerziellen Gärbehälter sind innen dunkel, da aus Edelstahl. Witzische Kommentare zuhauf, Jungs... :Ahh

Gruß Matthias
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#17

Beitrag von TheCK » Freitag 11. Dezember 2020, 16:34

Als (fast schon neurotisch) auf der Suche nach Erklärungen und Zusammenhängen springt mir hier gleich wieder eine Frage ins Auge: ist die Ursache für die gemessene (beobachtete? angenommene? gezählte?) Zellvermehrung die Musik oder könnte es auch an elektomagnetischen Schwingungen der Spule im aktiven Lautsprecher gelegen haben? Soweit ich das aus der Skizze erkennen kann sind nämlich hier mindestens zwei Parameter unterschiedlich da die linke Kammer nicht nur keine Schallwellen sondern auch keine aktive Elektronik beinhaltet.

Auf jeden Fall ein interessantes Experiment, da kann man sicher noch viele spannende Dinge erforschen!
LG Chris

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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#18

Beitrag von bwanapombe » Freitag 11. Dezember 2020, 16:43

Oder: Lag es gar nicht an der Musik, sondern an den Schallwellen.

Dirk
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Flothe
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Re: Gärung verbessern... mit Musik?

#19

Beitrag von Flothe » Freitag 11. Dezember 2020, 18:04

Hallo,

Mich wundert es jetzt nicht so sehr, dass eine Impulsquelle (Lautsprecher) die Zellvermehrung stimuliert. So wie der Versuchsaufbau aussieht, wurden die Proben ja nicht weiter bewegt während der Inkubation.

LG Florian

Jeder Tag ohne Bier ist ein Gesundheitsrisiko.
- Zitat: Hildegard von Bingen in ihrem Buch über Heilverfahren "Causae et Curae"

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