Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

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Luxi3
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Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#1

Beitrag von Luxi3 » Dienstag 23. Februar 2021, 19:34

Einen wunderschönen Abend :Greets ,

Ich arbeite beruflich in einem Labor und habe Zugang zu einer sehr genauen Flüssigkeitsbestimmung(HPLC), habe bereits meine Erfahrungen und Werte der Gärung bei meinen ersten Sud im Forum geteilt(siehe Märzen Reifung).

Ich bin eher Fan von Bieren zwischen 4,8-5,2% Alkoholgehalt.
Mein erstes Bier hatte 5,52% Alkoholgehalt(Jungbier!) und durch die Zuckerzugabe kommen wahrscheinlich noch ca.0,4% hinzu, was leider nicht so ganz meinen Vorstellungen entspricht.

Deshalb will Ich bei meinen nächsten Bier auf die Zuckerzugabe verzichten und grünschlauchen.(außerdem habe Ich die Stammwürze bei meinen zweiten Sud niedriger angesetzt)

Nun stellt sich die Frage, bei welchen Restzuckergehalt Ich abfüllen kann.

Ich vergäre ein untergäriges Lager mit der w34/70 aus zweiter Führung bei 11°C, Schnellgärprobe habe Ich gestern Abend angesetzt(gebraut wurde am Sonntag Nachmittag)
Da die Schnellgärprobe noch nicht durch ist nehmen wir einfach mal die Werte vom letzten Sud (nur mal rein rechnerisch :thumbsup )
Stammwürze 9,57% Gesamtzucker....nach fast 4 Wochen Hauptgärung waren dann noch 0,74% Restzucker im Jungbier

Bei welchen Restzuckergehalt musste ich abfüllen wenn ich eine Karbonisierung von 4,9-5,0 g/L CO2 ? (Hauptgärung bei 11°C)

Karbonisierung mit Traubenzucker laut Onlinerechner wären für 4,9 g/L CO2 5,7g auf einen Liter entsprechen 0,57%
0,57% + 0,74% Restzucker(von der Hefe nicht mehr vergärbar) =1,31%

Heißt das wenn Ich 1,31% Zucker messe, wäre der perfekte Zeitpunkt zum füllen oder bin Ich hier am Holzweg? :Waa
Sind die 5,7g Glukose(vom Karbonisierungsrechner) mit dem Restzucker im Jungbier (Hauptsächlich Maltotriose und Maltose) vergleichbar, da ja auch rechnerisch unterschiede zwischen Haushaltszucker und Glukose gemacht wird.

Fragen über Fragen :puzz
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#2

Beitrag von Frommersbraeu » Dienstag 23. Februar 2021, 19:49

Hi Luxi,
immer diese Laborratten :P
Dein Beitrag mit dem schönen Chromatogram fand ich ne coole Sache und damit hast du definitiv das perfekte Werkzeug für ein Grünschlauchen. :thumbsup
So jetzt kommt das ABER: echt nur zu empfehlen wenn du dein System (Würze + Hefe) sehr gut kennst und selbst dann solltest du Spunden. Sonst kann das auch nach hinten losgehen. :achtung
Wenn du keinen Zucker nutzen willst, dann kann ich dir nur zu Speise raten. Völlig Stressfrei (Abfüllen muss nicht Stunden genau passieren) und sicher. Ich nutze immer Wein Säcke (Bag in Box Nachfüllpaket) und friere mir rund 10% Würze ein. Nach der Gärung kurz die Speisemenge berechnen und rein in die Flaschen.
Brauen ist wie ein Überraschungsei:
Spiel, Spaß und Scho.. ach ne Bier!
:Drink

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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#3

Beitrag von Luxi3 » Dienstag 23. Februar 2021, 20:02

Auch keine schlechte Idee :Smile

Dennoch würde mir das grünschlauchen noch besser gefallen
Wie ist das bei dir mit dem Bodensatz bei der Speisezugabe? Hat man da viel im fertigen Bier? :Smile
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#4

Beitrag von Braufex » Dienstag 23. Februar 2021, 20:09

Schau mal auf die Müggelland-Seite, da kannst Du Dir den Zeitpunkt fürs Grünschlauchen berechnen lassen:
https://brauerei.mueggelland.de/karbonisierung.html

Gruß Erwin

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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#5

Beitrag von Luxi3 » Dienstag 23. Februar 2021, 20:27

Braufex hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 20:09
Schau mal auf die Müggelland-Seite, da kannst Du Dir den Zeitpunkt fürs Grünschlauchen berechnen lassen:
https://brauerei.mueggelland.de/karbonisierung.html

Gruß Erwin
Dazu müsste Ich aber wieder spindeln oder die brix umrechnen was natürlich nicht so genau wäre, was ja hauptsächlich der Grund ist warum viele Speise oder Zucker geben(und wegen der Arbeit des täglichen messens)

Trozdem danke Erwin! :thumbsup

Es scheitert leider daran das es keine direkten Zuckerwerte gibt :Grübel
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#6

Beitrag von Braufex » Dienstag 23. Februar 2021, 21:07

Luxi3 hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 20:27
Dazu müsste Ich aber wieder spindeln oder die brix umrechnen was natürlich nicht so genau wäre, was ja hauptsächlich der Grund ist warum viele Speise oder Zucker geben(und wegen der Arbeit des täglichen messens)
Hast Du in der Arbeit evtl. einen Biegeschwinger um die SG zu messen?
Dann könntest Du mit der Konvertierungs-Tabelle einfach umrechnen.
https://hobbybrauer.de/forum/wiki/doku. ... g_sg_plato

Kennst Du die Beiträge von Oli (olibaer) im Braumagazin schon?
Könnten vielleicht für Dich auch interessant sein:
Dichte, Brauer und Extraktangaben
Dichte, Brauer und Extraktangaben II

Gruß Erwin

Edit: hilft Dir allerdings alles nicht weiter, wenn Du den Grünschlauch-Zeitpunkt aus Deinen gemessenen Zuckergehalten berechnen willst ... :redhead

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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#7

Beitrag von Luxi3 » Dienstag 23. Februar 2021, 21:49

Alles vorhanden :Smile
Screenshot_20210223-214421_Gallery.jpg
Muss Ich mir mal genauer anschauen. Ich glaube aber, das auch hier die Dichte keine genau Angabe geben kann fürs rechtzeitige Abfüllen(zumindest nicht so genau wie über den Zuckergehalt, da hier auch Alkohol im Spiel ist der den Wert verfälscht wie beim Refraktometer) :Grübel

Aber danke für die tollen Ansätze, auf dich kann man sich hier verlassen Erwin! :Smile
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#8

Beitrag von afri » Dienstag 23. Februar 2021, 21:59

Grünschlauchen ist eine romantisch korrekte Sache, aber ist man 24/7 bereit zum Abfüllen? Ich wäre es nicht, denn es kommt durchaus schon auf die Stunde an, wenn der Restextrakt die Grenze X durchbricht. Ich nehme meine bewährte Speise und habe einige Tage Zeit, mir die Abfüllung zurecht zu planen. Zucker dito.
Achim
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#9

Beitrag von olibaer » Mittwoch 24. Februar 2021, 00:23

Hallo zusammen,

wenn du Präzisonsmesstechnik(DMA 35) an der Hand hast und offensichtlich das Regelwerk von Balling kennst, verstehe ich deine Frage nicht.
Du musst zeitnah Istzustände ermitteln und ad hoc darauf reagieren können. Es gilt:

1 g vergärbare Extraktmenge = 0,463 g CO2

2 ct - that's it - whatever. Es gibt verschieden davon keine Geheimnisse!
Gruss
Oli
_____________________________
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Gärschwierigkeiten - bitte hier entlang
Grundlagen Karbonisierung - bitte hier entlang
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#10

Beitrag von Luxi3 » Mittwoch 24. Februar 2021, 14:28

Danke Oli,

Heißt das wenn Ich 1,32g/100ml Restextrakt messe, wäre der perfekte Zeitpunkt zum abfüllen.
Da ja durch die Hauptgärung schon 2,2g/l Co2 gebunden sind.

Also 2,7g/l Co2= 0,27g/100ml + 0,74g/100ml nicht vergärbare Zucker = 1,32g/100ml
Screenshot_20210224-080815_Chrome.jpg
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#11

Beitrag von Commander8x » Mittwoch 24. Februar 2021, 15:49

Machst Du die Nachgärung in der Flasche oder im Keg? Vielleicht habe ich das überlesen.

Gruß Matthias
-----------------------------------------
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#12

Beitrag von Luxi3 » Mittwoch 24. Februar 2021, 16:16

Mach Ich in halbe Liter Bügelflaschen

Lg Franz
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#13

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 24. Februar 2021, 16:28

Grünschlauchen in Flaschen halte ich für eine ganz schlechte Idee. Wenn der Zeitpunkt oder die Berechnung nicht stimmt hat man schnell überkarbonisiertes Bier oder es zerlegt einem sogar die Flaschen. Und solange die Gärung noch nicht beendet ist befindet sich auch noch sehr viel Hefe und Trubstoffe in Schwebe. Das landet dann alles mit in der Flasche.

In einem Keg mit Spundventil kann man den Druck einstellen und auch gefahrlos früher grünschlauchen. Das mehr an Bodensatz lässt sich abschiessen und/oder das Bier in ein zweites Keg umdrücken.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#14

Beitrag von Luxi3 » Mittwoch 24. Februar 2021, 16:40

Alt-Phex hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 16:28
Grünschlauchen in Flaschen halte ich für eine ganz schlechte Idee. Wenn der Zeitpunkt oder die Berechnung nicht stimmt hat man schnell überkarbonisiertes Bier oder es zerlegt einem sogar die Flaschen. Und solange die Gärung noch nicht beendet ist befindet sich auch noch sehr viel Hefe und Trubstoffe in Schwebe. Das landet dann alles mit in der Flasche.

In einem Keg mit Spundventil kann man den Druck einstellen und auch gefahrlos früher grünschlauchen. Das mehr an Bodensatz lässt sich abschiessen und/oder das Bier in ein zweites Keg umdrücken.
Dann werd Ich entweder beim Traubenzucker bleiben oder mir die Speisemethode näher anschauen :Grübel

Danke für den Input! :thumbup
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Re: Grünschlauchen mittels genauem Zuckergehalt

#15

Beitrag von Alt-Phex » Mittwoch 24. Februar 2021, 17:55

Luxi3 hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 16:40
Dann werd Ich entweder beim Traubenzucker bleiben oder mir die Speisemethode näher anschauen :Grübel
Speise ist halt auch sehr unpraktisch. Einzig sichere Aufbewahrungsmethode ist einfrieren. Wieviel du davon tatsächlich brauchst weißt du erst wenn das Bier endvergoren ist usw. Für Flaschengärung ist und bleibt Zucker das einfachste und unkomplizierteste.
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