Offene Nachgärung

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Holger
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Offene Nachgärung

#1

Beitrag von Holger » Samstag 2. April 2016, 11:21

Bitte verhaut mich nicht, nur weil ich bei meinem ersten Sud schon was anderes mache will als allgemein bei uns hier in Deutschland gelehrt wird. :Angel

Ich möchte nach der Hauptgärung (läuft gerade) die Nachgärung gerne, nach Umschlauchen, auch offen in einem Gärbehälter machen, wie unsere amerikanischen Freunde es gerne tun. Danach möchte ich mit Zucker karbonisieren und in Flaschen füllen.

Meine Frage ist: muss ich dabei die Zuckermenge anders berechnen als es hier in den gängigen Rechnern vorgeschlagen wird? Vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit.

Nur als Anmerkung zu meiner Vorgehensweise die Nachgärung offen zu gestallten: ich halte diese Vorgehensweise irgendwie für schlüssig und richtig. Das was sich dann absetzt kann ich nochmals abziehen und erhoffe mir dadurch klareres Bier.

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Flothe
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Re: Offene Nachgärung

#2

Beitrag von Flothe » Samstag 2. April 2016, 11:26

Du meinst mit offen "Drucklos", also einfach im Gärfass mit Gärverschluss, oder mit geöffnetem Deckel?

Was du beschreibst würde ich als " Umschlauchen" auffassen. Der Begriff Nachgärung trifft das aber nicht ganz. Die NG findet erst in der Flasche statt, indem dort der zur Karbonisierung zugesetzte Zucker nachvergoren wird.

Umschlauchen indes ist ein gängiges Mittel um Schwebstoffe zu entfernen und kann noch mit diversen anderen Schönungstechiken kombiniert werden.

LG Florian

Jeder Tag ohne Bier ist ein Gesundheitsrisiko.
- Zitat: Hildegard von Bingen in ihrem Buch über Heilverfahren "Causae et Curae"

El Gordo

Re: Offene Nachgärung

#3

Beitrag von El Gordo » Samstag 2. April 2016, 11:26

Das ist dann keine Nachgärung sondern eine Reifung.
Solange da nicht Sauerstoff drankommt spricht nichts dagegen. Darum macht man das auch gerne im Glasballon da durch Kunststoff Sauerstoff diffundiert.
Kann dann nur sein, dass dann sehr wenig Hefe für die eigentliche Nachgärung in die Flasche kommt und es dann ewig dauert. Drum mache die Amis auch gerne Zwangscarbonisierung im Keg.

Stefan

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Re: Offene Nachgärung

#4

Beitrag von dingenz » Samstag 2. April 2016, 12:14

Nur nicht die Begriffe durcheinander bringen. :Smile
Die Amis reden gerne von primary und secondary fermentation. Dabei wird nach der starken, stürmischen Gärphase (primary) umgeschlaucht und bei niedrigen Temperaturen mit weniger Trub, toter Zellen, etc. weiter vergärt (secondary). Danach wird die Karbonisierung durchgeführt.
In Deutschland spricht man gerne von Hauptgärung und Nachgärung, wobei die Nachgärung häufig synonym zur Karbonisierung verstanden wird. Manchmal wird aber (imho fälschlicherweise) primary mit Hauptgärung und secondary mit Nachgärung übersetzt, was zu Missverständnissen führen kann.

Zu deiner Frage: Für die Berechnung der Zuckermengen zur Karbonisierung ist die maximale Temperatur der Würze während der Gärung oder falls höher die maximale Temperatur des Jungbieres entscheidend. Nicht kalkulierbare Abstriche musst du bei allen Prozessen machen, die dir CO2 austreiben (plätscherndes Umschlauchen, sehr enge Filter, etc.). :Drink
Viele Grüße
dingenz

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Re: Offene Nachgärung

#5

Beitrag von gulp » Samstag 2. April 2016, 12:26

Die "secondary" ist auch bei den Amis umstritten, einfach weil sich das Infektionsrisiko erhöht. Die Suppe einfach länger stehen lassen, hat den gleichen Effekt. Z.B. liegt die Notti nach 2 Wochen Hauptgärung wie Blei Im Gäreimer. Beim ersten Sud muss man sich das Leben nicht unnötig schwer machen :Grübel und danach auch nicht. :Bigsmile

Gruß
Peter
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Re: Offene Nachgärung

#6

Beitrag von Portativus » Mittwoch 30. Januar 2019, 00:10

interessanter thread! habe diesen gefunden weil ich auf der suche nach einer Umsetzungsfrage zum Champangerdoppelbockrezept bin. dort steht 2 wochen kalthopfung mit 50gr. in der flasche geht das ja eher schlecht :-? heisst das die brühe 2 wochen im bottich stehen lassen und dann in die gezuckerte Bügelflasche? oder wie ist das praktisch gemeint/umzusetzen?
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Re: Offene Nachgärung

#7

Beitrag von Bierwisch » Mittwoch 30. Januar 2019, 06:46

Wieso "Brühe"? Hast Du Dich eventuell im Forum vertan?

Kalthopfen / Stopfen kann man nach Abschluss der Hauptgärung im Gärgefäß, man kann vorher aber auch in ein anderes Gefäß umschlauchen, um einen Großteil des Trubs und der Hefe zu entfernen. Nach den zwei Wochen wird dann mit Zucker abgefüllt.

Der Sinn einer Kalthopfung für einen Doppelbock erschliesst sich mir aber nicht wirklich - wenn das Bier trinkfertig ist, dann ist von den Stopfaromen doch schon lange nichts mehr übrig.

Gruß
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Re: Offene Nachgärung

#8

Beitrag von Portativus » Freitag 1. Februar 2019, 00:15

entschuldige die saloppe schreibweise. ich denke ich bin im richtigen forum.

die im rezept angegebene lange zweiwöchige kalthopfung im Gärbottich fand ich auch ungewöhnlich.daher meine Nachfrage...
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Re: Offene Nachgärung

#9

Beitrag von afri » Freitag 1. Februar 2019, 21:31

Bierwisch hat geschrieben:
Mittwoch 30. Januar 2019, 06:46
Wieso "Brühe"?
Weil gulp in seinem letzten Beitrag von Suppe schrieb, schätze ich. Ist zwar schon zweidreiviertel Jahre her, aber so steht es geschrieben.
Achim
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