FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

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FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#1

Beitrag von Ladeberger » Montag 31. Oktober 2016, 12:45

Problem: Hefe kommt nicht an / stockende Gärung / hoher Restextrakt / niedriger Vergärungsgrad

Zur allgemeinen Rezeptberatung bitte hier entlang: viewtopic.php?f=17&t=10974
Bezüglichen Abfüllen bitte hier entlang: viewtopic.php?f=7&t=212

Vor dem Posten: Die häufigsten Fragen

Bis wann sollte Hefe ankommen? Wie sieht das aus?
Obergärige Hefe sollte < 6h bis max 8h nach Zugabe ankommen. Untergärige Hefe (und <16°C angestellte Obergärige) optimal <8h und max. 12h. Vertretbar ist in beiden Fällen alles < 24h. Bis hier hin ist noch kein Grund zur Panik geboten. In dieser sog. Lag-Phase bereitet sie sich durch Aufnahme von Nährstoffen auf die anschließende Vermehrungsphase vor. Das Ankommen äußerst sich zunächst durch kleine Schauminseln, die dann binnen weniger Stunden eine flächendeckende, weiße Schicht bilden.

Was sind die Ursachen für spät ankommende Hefe und was kann man dagegen unternehmen?
Kommt Hefe später als in den vorgenannten Zeiträumen an, kann dies liegen an:
- zu wenig aktive Hefe
- Kälteschock (zB.: nach Hefegabe wird noch gekühlt, Hefetemperatur mehr als 3°C wärmer als Würzetemperatur)
- zu niedrige Anstelltemperatur für diesen Hefestamm
- extrem saure Würze (pH: <3,6)
- extrem hohe Stammwürze verbunden mit osmotischen Druck-empfindlichen Hefen.
- zu geringe Belüftung (<4,5ppm O2)

Rettungsmaßnahmen:
Wiederholtes, kräftiges Belüften des Sudes, sofern
- der Sud nach 24h noch nicht angekommen ist, d.h. noch keine Gäranzeichen erkennbar sind
- eine Infektion duch die Belüftung unwahrscheinlich ist (z.B. saubere Räumlichkeiten, Pumpe mit Sterilluftfilter, O2 aus der Flasche)
- nach 24h der VGs noch < 5 % ist

Bis wann sollte der Sud durchgegoren sein?
Da die Zutaten und Rahmenbedingungen im Hobbybrauen so unterschiedlich sind, kann man hier keine pauschale Aussage machen. Skeptisch werden sollte man wohl bei Suden, die über zwei Wochen für die Hauptgärung eines Vollbieres benötigen oder "Turbo-Gärungen", bei bereits nach < 48h ab Anstellen abgeschlossen sind. In beiden Situationen hat man wohl die Hefegabe in die eine oder andere Richtung überreizt.

Was ist der Endvergärungsgrad (EVG)?
Der Endvergärungsgrad (EVG) einer Normalwürze liegt bei etwa 80-85 % Vergärungsgrad scheinbar (VGs). Er ist bereits durch den Anteil vergärbarer Zucker festgelegt und damit von der Gärung unabhängig. Der EVG lässt sich durch die Rohstoffauswahl (z.B. Karamellmalze ↓, Zucker ↑) und durch die Sudhausarbeit, hier mit Einschränkungen v.a. die Maischearbeit/Rastenführung, beeinflussen. Möchte man den EVG der eigenen Würze kennen, muss eine Schnellvergärungsprobe (SVP) mit dem selben Hefestamm angefertigt werden. Ansonsten ist der EVG unbekannt.

Es gibt einige wenige Hefen, die den Dreifachzucker Maltotriose nicht verstoffwechseln können und auch solche, die keine Maltose verwerten können (S. ludwigii). Diese haben daher einen um ca. 10 % niedrigeren Vergärungsgrad oder im Falle der S. ludwigii einen VGs von 12-15 %.

Welchen Restextrakt / Vergärungsgrad sollte mein Bier haben?
Vom EVG abzugrenzen ist der Vergärungsgrad, den mein Bier de facto am Ende der Gärung hat und damit von der Gärung durch die Hefe abhängt. Dieser wird auch als Ausstoßvergärungsgrad (AVG) bezeichnet. Im Idealfall sind EVG und AVG gleich. Jede Abweichung hiervon bedeutet, dass Zucker nicht vergoren wurden, die der eingesetzte Hefestamm eigentlich hätte vergären können und müssen. Dies weist auf einen suboptimalen Verlauf der Gärung hin. Wer eine derartige Abweichung feststellt, kann sich umgehend den Prozessen rund um die Gärung zuwenden.

Die meisten werden insbesondere bei obergärigen Bieren mangels SVP keinen EVG bestimmen können. Schauen wir uns daher als grobe Orientierung direkt den AVG / VGs zum Ende der Gärung an:
≥ 80 %: Alles richtig gemacht!
75-79 %: Wenn über Rohstoffe/Maischearbeit angepeilt und nicht mehr sensorisch süß: Alles i.O.
70-74 %: Werden bestenfalls erklärbar, wenn mit > 10 % Karamellmalz gearbeitet wurde und es eine auf Dextrine betonte Rastenführung beim Maischen gab. Ansonsten ein Hinweis daruaf, dass die Hefe nicht an die letzten vergärbaren Zucker kommt.
< 70 %: Wahrscheinlich Probleme bei der Umstellung auf schwieriger zu vergärende Zucker (v.a. bei gut 50 % VGs).

Ich habe wohl eine Gärstockung, an was liegt das?
Dies soll kein Hefemanagement-Thread werden, daher nur in Kürze. Die Ursachen liegen wahlweise in:
- Zu wenig aktive Hefe
-- Trocken obergärig min. 0,5 g/l, UG 1-1,5 g/l;
-- Flüssig siehe: http://braumagazin.de/article/hefebank-weihenstephan/ oder http://www.mrmalty.com/calc/calc.html oder http://www.brewersfriend.com/yeast-pitc ... alculator/
- Hefe in schlechter Qualität (alt, oxidiert, ausgezehrt, Temperaturschock, kein/ungeeigneter Starter)
- Für den Stamm ungünstige Gärungsbedingungen (Temperatur, Nährstoffangebot, Hemmstoffe)
- Generell Umstellungsphasen auf komplizierter Zucker, klassische Stockungen bei 50-52 %VGs und bei 70-75 % VGs
- Zu große Temperaturschankungen während der Gärung
- Zu geringe Konvektion

Die genaue Ursache lässt sich besser im Einzelfall klären, hierfür bitte unten aufgeführten Leitfaden verwenden.

Ich stelle gleich eine Anfrage. Ist vor dem Eintrudeln der ersten Antworten schon etwas zu tun?
Im Grunde sind wir hier sehr fix und eine gezielte Hilfe ist immer am besten. Aber grundsätzlich ist es bei Gärstockungen nie verkehrt, die Hefe zunächst mal wieder in Schwebe zu bringen (Aufrühren, Schütteln des Gärbottichs). Außerdem das Wärmerstellen des Gärbottichs, falls die Raumtemperatur/Gärtemperatur am unteren Ende der Herstellerangaben liegt. Auch etwas Traubenzucker soll Gärungen schon wieder in Schwung gebracht haben. Generell kann man für solche Notfälle auch ein Päckchen Trockenhefe bereithalten oder ggf. bestellen.

Schnelle und gezielte Hilfe

Zur Diagnosestellung benötigen wir mindestens folgende Angaben:
- Datum der Hefegabe
- Ausschlag (Liter Kaltwürze)
- Stammwürze
- Verwendeter Hefestamm
- Bei Trockenhefe: Wurde nach Packungsanleitung rehydriert?
- Bei Flüssighefe:
-- Bitte MHD der Flüssighefe (White Labs) bzw. Produktionsdatum (Wyeast) angeben
-- Wurde ein Starter gemacht? Wenn ja: mit wieviel Würze, bei welcher Konzentration? Gerührt, gelegentlich geschüttelt oder komplett unbewegt?
-- Wurde die Würze kräftig belüftet?
- Verwendete Hefemenge: Anzahl Päckchen, Smackpacks, Röhrchen, etc.
- Anstelltemperatur: Temperatur der Würze (nicht: Raum) zum Zeitpunkt der Hefegabe
-- Falls zutreffend: Differenz zwischen Hefetemperatur und Würzetemperatur bei Anstellen (Temperaturschock)
- Aktuelle Raumtemperatur oder bei aktiver Kühlung die Gärtemperatur

Bei Gärstockungen zusätzlich:
- Aktueller Restextrakt und verwendetes Messinstrument. Bitte Werte "wie abgelesen" angeben, um Rechenfehler auszuschließen. Auf korrekte Temperatur der Messung (meist 20 °C) und Kalibrierung achten (Refraktometer mit Wasser auf 0%Brix).
- Verwendete Schüttung
- Rastenführung beim Maischen

EDIT (31.10.): Korrektur der empfehlenswerten Zeiten für das Ankommen und neue Frage/Antwort "Was sind die Ursachen für spät ankommende Hefe?". Danke an Ulrich für diese Ergänzungen!
EDIT (03.11.): Weitere Ergänzungen durch Ulrich!

Gruß
Andy
Zuletzt geändert von Ladeberger am Donnerstag 3. November 2016, 15:51, insgesamt 4-mal geändert.
Grund: korrigiert/ergänzt

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#2

Beitrag von newnoise » Montag 12. Dezember 2016, 10:05

Hallo,

vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Leitfaden! Ich habe eine Frage dazu (aus gegebenem Anlass ...).
Sowohl für Fehlgeschmäcker als auch für Gärstockung können zu hohe Temperaturschwankungen während der Gärung schuld sein. Nun stellt sich mir die Frage: was ist zu hoch? 2°C? 4°C? Wenn man eine Solltemperatur von 20°C hat, ist es schlimmer wenn man zwischen 18°C und 22°C hin und her pendelt oder bspw. zwischen 20°C und 24°C?
Dies wird sicherlich maßgeblich von der Hefe abhängen (mein letztes ist mit US-05 angesetzt worden), aber kann man dazu auch generell ein paar Aussagen treffen?

Ich überlege gerade ganz konkret ob ich einen Gärschrank anschaffen sollte, da ich jetzt mehrfach Probleme mit dem Gärverlauf hatte.

Danke
Tom

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#3

Beitrag von Brauladi » Mittwoch 18. Januar 2017, 09:48

Tolle Zusammenfassung mit guten Hinweisen und Tipps. Danke Andy.

Hans Dieter

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#4

Beitrag von Bründel Bräu » Montag 10. Juli 2017, 16:45

Hallo Andy,

Habe deinen Thread zufällig entdeckt und finde ihn echt Top, danke dafür. Hätte nur eine Frage:

Du sagst das die Hefe nicht mehr als 3 Grad wärmer sein sollte wie die Würze. Nun Mangroves Jack hat ein schönes PDF gemacht wo beschrieben wird wie die Hefe rehydriert werden soll. Obergärig bei 30-35 Grad und untergärig bei 20-25 Grad. Habe diese bis jetzt auch immer so gemacht und habe meistens etwas längere Zeit bis die Hefen ankommen. Denkst du die von Mangroves Jack haben keinen Plan? Danke für diene Auskunft.

Mattias

https://cdn.shopify.com/s/files/1/0195/ ... 1183846214

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#5

Beitrag von Ladeberger » Montag 10. Juli 2017, 17:13

Hallo Mattias,

die Temperaturangaben von MJ für die Rehydrierung stimmen schon, man muss die Hefe danach aber langsam auf Anstelltemperatur, d.h. die Temperatur der Würze, bringen. Am einfachsten durch Abwarten, die kleinen Mengen kühlen recht schnell aus. Oder durch schrittweise Zugabe von kalter Würze im Abstand von einigen Minuten.

Gruß
Andy

paul8610
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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#6

Beitrag von paul8610 » Freitag 15. September 2017, 10:23

Hallo,

Ich habe am Samstag den Versuch angefangen, mein erstes Bier selbst zu brauen. Nun aber Frage ich mich, woran man merkt, wann der Gärprozess fertig ist. Das (Weizen)Bier steht nun 6 Tage im Keller, und riecht schon gut nach Bier. Sehr viel gärt auch nicht mehr, da das Gährrohr jetzt aufgehört hat zu blubbern.
Soll ich es jetzt schon abfüllen? Und wie lange sollten die Flaschen dann "reifen"? Instrumente um Restextrakte, Grad Plato usw. zu analysieren, habe ich für den ersten Versuch noch garnicht besorgt.
IMG_20170915_100258.jpg
So sieht es aus, das braune obendrauf ist nur der Rest von den Hopfenpellets

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#7

Beitrag von beercan » Freitag 15. September 2017, 10:34

Hallo,
Instrumente um Restextrakte, Grad Plato usw. zu analysieren, habe ich für den ersten Versuch noch garnicht besorgt
Das solltest du aber schnellstmöglich (so eine Spindel kostet ja nicht die Welt)...ansonsten ist das Ganze ein Glücksspiel. Wenn das Gärröhrchen keine Aktivität mehr anzeigt, heißt das noch lange nicht, dass die Gärung auch durch ist. lass das ganze noch stehn und besorg dir eine Spindel so kannst du wenigstens den aktuellen Wert messen.

Gruß
Durst wird durch Bier erst schön!

http://rb-homebrewery.jimdo.com/ noch in Arbeit.

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#8

Beitrag von DevilsHole82 » Freitag 15. September 2017, 10:39

paul8610 hat geschrieben:
Freitag 15. September 2017, 10:23
Soll ich es jetzt schon abfüllen? Und wie lange sollten die Flaschen dann "reifen"?
Bei diesen Fragen sollte eigentlich eine automatische Forenregel ausgeführt werden und diesen Link posten :P :
Zusammenfassung: Bier abfüllen und reifen
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#9

Beitrag von Mjoelnir » Freitag 15. September 2017, 10:41

paul8610 hat geschrieben:
Freitag 15. September 2017, 10:23
Hallo,

Ich habe am Samstag den Versuch angefangen, mein erstes Bier selbst zu brauen. Nun aber Frage ich mich, woran man merkt, wann der Gärprozess fertig ist. Das (Weizen)Bier steht nun 6 Tage im Keller, und riecht schon gut nach Bier. Sehr viel gärt auch nicht mehr, da das Gährrohr jetzt aufgehört hat zu blubbern.
Soll ich es jetzt schon abfüllen? Und wie lange sollten die Flaschen dann "reifen"? Instrumente um Restextrakte, Grad Plato usw. zu analysieren, habe ich für den ersten Versuch noch garnicht besorgt.
Ja nun, das ist sehr schlecht. Bier brauen ohne die notwendige Ausrüstung und eine Spindel oder ein Refraktometer zählen definitiv dazu, auch wenn einige am Anfang das übersehen. Ich verspreche dir, dass dein Bier auch nicht wie das aus deinem Rezept sein wird, da du dir Stammwürze nicht gemessen und angepasst hast.

Um deine Fragen zu beantworten musst du nur die Suchfunktion hier im Forum bemühen, auch wenn das 2 Minuten mehr Zeit kostet als hier eine Frage zu stellen.

Ohne Spindel weißt du nicht wann dein Bier ausgegoren ist. Lass den Eimer jetzt noch 2 Woche stehen, dann kannst du abfüllen und am besten bis dahin nicht mehr öffnen. Das Gärröhrchen ist übrigens kein sicheres Indiz für eine abgeschlossene Gärung, da sie zum stocken gekommen sein kann oder der Eimer könnte undicht sein und und und...

Wegen der Reifung: ist das ein ganz normales Weizen? Dann ca 4-6 Wochen ab Ende Nachgärung. Ist aber nur ein grober Wert. Kommt halt aufs Bier an...
Ist jetzt wirklich nicht böse gemeint, aber das zeigt auch dass du dir noch nicht so viel durchgelesen hast hier. Nicht mal den Thread unter dem du schreibst. Denn da steht eindeutig, dass zu so einer Frage auch ein Rezept gehört.

Das sollte keine Standpauke sein, aber einige Fragen lassen sich echt gut vermeiden durch die Suchfunktion und wir können dir besser helfen, wenn du uns entsprechende Informationen zur Verfügung stellst.

Grüße
Daniel
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Grüße
Daniel

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schlupf
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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#10

Beitrag von schlupf » Freitag 15. September 2017, 11:37

Hallo,

Bitte nicht übel nehmen, aber tut das Not, das hier in dem FAQ Thread zu diskutieren?

Viele Grüße,
Sebastian

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#11

Beitrag von gulp » Freitag 15. September 2017, 11:51

schlupf hat geschrieben:
Freitag 15. September 2017, 11:37
Hallo,

Bitte nicht übel nehmen, aber tut das Not, das hier in dem FAQ Thread zu diskutieren?

Viele Grüße,
Sebastian
Richtig, diskutiert das bitte in einem eigenen Thread! :Greets

Gruß
Peter
Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#12

Beitrag von Andi119 » Montag 4. Dezember 2017, 16:47

Hallo!

Vielen Dank für die Zusammenfassung.

Ich habe auch das Problem (bei unserem ersten Sud), dass die Gärung beinahe stehen bleibt.


- Es sollte ein Kölsch werden.
- Stammwürze nach dem Abkühlen 12Grad (soweit in Ordnung)
- Hefegabe für ca. 38L Würze 2 Packungen Fermentis S-33 also 22 Gramm
- Die Hefe wurde vorher in abgekochten und heruntergekültem Wasser bei ca. 27 Grad rehydriert. Wasser:Hefe 10:1
- Dann der Würze beigemengt. (Temperatur ca. 25 Grad) Würze wurde vorher kräftig aufgeschlagen.
- Die Gärung hat nach einer Stunde bereits eingesetzt.
- Einen Tag später (ca. 36 Stunden) war der Restextrakt auf 5 Grad Plato herunten. (Dienstag 28.11.)
- Am Dienstag nach 36 Stunden haben wir das Gärfass in den Keller getragen und seit dem steht es bei ca. 18 Grad.
- Seit dem tut sich ganz wenig. Gestern , 3.12. war der Restextrakt auf 4,6 Grad. Am Gärrohr ist ganz wenig Betrieb erkennbar.
- Vor ein paar tagen habe ich eine Schnellgärprobe entnommen, diese ist auf 4,2 Grad bei ca, 24 Grad raumteperatur


Was kann passiert sein?

1. Bei der Maltoserast (40 Minute) ist die Temperatur der Maschine (Klarstein) für längere Zeit über 66 Grad gewesen. Laut Rezept sollten es 63 sein. Ist es wahrscheinlich, dass nicht genug vergärbarer Zucker entstanden ist?

2. War die Würze vielleicht noch zu warm? ist es besser die Hefegabe bei niedriger Temperatur zu starten?

3. Der Temperaturbereich sollte für die Hefe passen... lt Angaben sollte sie zwischen 12 und 25 Grad arbeiten.

4. Vielleicht gibt es bessere Hefen für ein Helles obergäriges Bier mit 12Grad Stammwürze und gewünschten Alkoholgehalt? Im Rezept wäre die Wyeast für Kölschbier drin war aber leider nicht erhältlich.


Habt ihr irgendwelche Lösungsvorschläge?

1. Einfach lange Warten?
2. Wärmer stellen?
3. Würze aufrühren?
4. Andere Hefe nachkippen?


Vielen Dank!

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#13

Beitrag von Boludo » Montag 4. Dezember 2017, 16:56

Hallo Andi,

herzlich willkommen!
Dieser Thread dient eigentlich nicht zur Einzelfallberatung, sondern soll nur aufzeigen, welche Informationen dafür notwendig sind.
Zu Deinem Fall:
Die S-33 kann normalerweise keine Maltotriose verstoffwechseln und daher sind deine 65% scheinbarer Vergärungsgrad das, was man erwarten kann.
Das ist eigentlich auch keine richtige Kölsch Hefe, sondern eine englische.
Ich würde das jetzt noch ein paar Tage wärmer stellen und wenn nichts mehr geht, kannst du abfüllen.
Dazu kannst Du das mal durchlesen:
viewtopic.php?f=7&t=212
Viel Erfolg!

Stefan

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#14

Beitrag von herolde » Donnerstag 26. April 2018, 13:36

Hallo,
ich hätte eine allgemeine Frage zum Thema Nachgärung: Gibt es da ein bestimmtes Verhältnis in dem die Nachgärung zur Hauptgärung stehen sollte? Ich kenne die Angabe 5 - 7 Tage bei der gleichen Temperatur der Hauptgärung. Aber das bezieht sich in meinem Buch auf eine Hauptgärung bei obergärigem Bier von 2 - 3 Tagen (20° Raumtemperatur). Da ich bei den nächsten Suden etwas kühler vergären wollte, wird sich das wohl verlängern und entsprechend müsste die Nachgärung angepasst werden. Gibt es da eine Faustformel? Ich habe den Verdacht, dass bei dem einen oder anderen Bier von mir, die Nachgärung etwas zu lange war und daher das Bier etwas leer geschmeckt hat. Daher wollte ich diesen Punkt etwas optimieren.
Vielen Dank für eure Tipps,
Erik

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#15

Beitrag von Alt-Phex » Donnerstag 26. April 2018, 14:31

Pauschale Zeitangaben zur Gärdauer sind Unsinn. Schmeiss das Buch weg, scheint nichts zu taugen. Wie lange eine Nachgärung dauert kann dir niemand verbindlich beantworten, das hängt von vielen Faktoren ab. Es kann in einer Woche fertig sein oder auch mal 3-4 Wochen dauern. Ein Manometer gibt hier Auskunft über den Druckaufbau. Ist der Zieldruck erreicht und steigt nicht weiter ist die Nachgärung beendet. Das Bier kommt ur Klatreifung in den Kühlschrank.

Eine zu lange Nachgärung ist nicht möglich, wenn kein Zucker mehr vorhanden ist gärt auch nichts mehr. Der leere Geschmack hat andere Ursachen, z.b Overpitching.

Lies dir bitte aufmerksam folgendes durch und halte dich da dran, egal was abweichend in deinem komischen Buch steht.
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=212
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#16

Beitrag von herolde » Freitag 27. April 2018, 09:08

Vielen Dank für die prompte Antwort. Also kann man sagen, lieber etwas zu lang als zu kurz nachgären lassen und das Ganze mit dem Gärspund überwachen.

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#17

Beitrag von herolde » Freitag 27. April 2018, 09:27

Hallo Alt-Phex,
eine Frage hätte ich noch: Wenn ich jetzt mit einer obergärigen Hefe im unteren Temperaturbereich arbeiten möchte, sollte ich dann trotzdem etwas wärmer anstellen, damit die Gärung schnell genug anspringt, also z.B. die Hefe hat einen Bereich von 14 - 22°C, mein Keller hat 16°C. Ich würde dann bei 20°C anstellen, die Hauptgärung bei 16°C laufen lassen und die Nachgärung wieder etwas wärmer. Macht das Sinn? Danke und Gruß, Erik

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#18

Beitrag von Ladeberger » Freitag 27. April 2018, 09:37

Hallo Erik,
Also kann man sagen, lieber etwas zu lang als zu kurz nachgären lassen und das Ganze mit dem Gärspund überwachen.
die Nachgärung kannst du gar nicht an einem Gärspund überwachen, da sie im geschlossenen Gebinde abläuft. Es sei dem du meinst einen Spunddruckregler wie die Kellerfee von Barby+Kühner, dann ja.

"Lieber zu lang als zu kurz" ist in Hinblick auf die Gefahr einer unvollständige Karbonisierung schon richtig, aber idealerweise läuft die Nachgärung eben kurz und knackig ab. Daher kann ich wie Bernd nur zu einer Überwachung der Nachgärung raten. Danach kommt das Bier schnellstmöglich in die Kälte.
[...] bei 20°C anstellen, die Hauptgärung bei 16°C laufen lassen und die Nachgärung wieder etwas wärmer. Macht das Sinn?
Eher weniger. Die temperatursensibelste Phase ist eben gerade der Beginn der Gärung. Die Nachgärung kann man etwas wärmer halten, muss man aber nicht.

Gruß
Andy

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Re: FAQ & Anfragen zu Problemen rund um den Gärungsverlauf

#19

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 27. April 2018, 13:14

Auch bei obergärigen Hefen ist ein kühleres Anstellen von Vorteil, so wie Andy schon sagt.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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