Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

Alles, was mit dem Thema Historische Biere, Grut- bzw. Kräuterbiere, Gewürzbiere, aber auch mit Sake Brauen oder Brauen mit ungewöhnlichen Fermentationsarten zu tun hat
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Y-L
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Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#1

Beitrag von Y-L » Montag 1. November 2021, 22:36

Auf das Thema Steinbier wurde ich eher zufällig aufmerksam.
Ich sah mir unzählige Webseiten und Videos zum Thema an.
Die Idee fesselte mich, und ich überlegte 1-2 Wochen lang, ob & wie ich so ein Projekt umsetzten "würde".

Viele verwendeten Sandstein, Grauwacke, Basalt oder Diabas.
Die Leute vom Braumagazin haben erfolgreich Granit verwendet, der laut einiger Quellen aber auch ab ca. 580°C bersten kann...

Basalt ist mir beim Experimentieren mehrfach gebrochen. Granitsteine aus dem Garten hatten problemlos überlebt.

Also sicherheitshalber schon mal ein paar handliche Granitbrocken gekauft; Kantenlänge etwa 5-8cm.
Ebenso eine geeignete Grillzange, die beim Greifen nicht verbiegt und genug Grip verspricht.
Über die Größe der Steine, und die Art und Weise wie ich Sie in den Topf gebe,
habe ich mir ebenfalls lange den Kopf zerbrochen. Dazu aber später.

Da gutes Wetter angekündigt war, entschied ich mich spontan (von Heute auf Morgen) ein Steinbier zu brauen.
Um das Neuland zu erkunden, wollte ich mich mit einem 10L Probesud erstmal vorsichtig an die Materie herantasten.
Es ging mir dabei noch nicht darum, alles mit den Steinen zu erhitzen!

Eckdaten & Planung:
10L, 14°P, 23 IBU

70% Pilsener
20% Wiener
10% Münchner

Einmaischen auf der Induktionsplatte bei 68°C
1. Rast 64°C - 40 Minuten
Nächste Rast durch "Steine" erreichen.
2. Rast 74°C - 25 Minuten
Abmaischtemperatur durch "Steine" erreichen.
3. Rast 78°C - 5 Minuten

11g Perle VWH

Kochzeit: 60 Minuten (hier ggf. auch ein paar Mal die Steine reinhalten)
Nachisomisierungszeit: 15 Minuten.

Zuerst wurde das Feuer entzündet.
01 Basisfeuer.jpg
In der Zwischenzeit wurden schon mal die Platten und Töpfe aufgebaut.
04 Basis.jpeg
Der Granit wurde vorbereitet und in Position gebracht.
02 Granit.jpg
Um die Steine in die Töpfe zu geben, hatte ich extra für das Experimentierstadium ein von diesen Hänge-Obstkörben
aus Edelstahl gekauft; diese Dinger, wo drei Körbe übereinander mit Ketten verbunden sind.
Zwei Körbe raus, Steine rein, und fertig ist die "Tauchstation". Diese wurde an einem Besenstiel mit Loch eingehakt;
kann man später auf einem anderen Bild sehen.
03 Tauchvorrichtung.jpg
Für den Anfang kamen erstmal nur 5 Steine ins Feuer und wurden regelmäßig auf Temperatur geprüft.
Steine im Feuer.jpeg
Da mein Thermometer nur maximal 380°C messen kann, musste ich öfters die Temperatur prüfen.
Wenn ein Stein außerhalb der Skala war, war er "reif" für die "Tauchstation".
Das Erhitzen dauerte sehr unterschiedlich, je nachdem, wo die Steine im Feuer lagen.
Im Feuer wurden die Steine schnell schwarz, was aber nicht schlimm ist.
Der Ruß brennt später in der Glut wieder komplett runter, und der Stein wird wieder blitzeblank.
Temperatur Check.jpeg
Immer wenn die Steine zum Einsatz kamen, wurde der Topf auf einem Brett auf dem Boden positioniert.
05 Topf vorbereiten.jpg
Die Steine wurden anschließend wie beim Entenangeln in den Topf gegeben.
Nach der 1. Rast fing ich vorsichtig mit einem Stein an. Anschließend nahm ich nochmal zwei.
Die Temperatur stieg auf 69°C. Ich gab nochmal drei Steine dazu und erreichte 72°C.
Den Rest durfte die Induktionsplatte übernehmen, da nun alle Steine wieder in der Ladestation waren.
Bild

Nach der 2. Rast wurde nur ein Tauchgang mit allen 5 Steinen gemacht.
Wie durch ein Wunder kam ich sofort auf 77°C... in nur knapp 30 Sekunden! Was will man mehr?
Leider gibt es von diesen Tauchgängen keine weiteren Bilder, aber es gibt noch Videomaterial.
Dieses muss ich noch zusammenbasteln und werde es später verlinken.

Noch bevor das Läutern beendet war, wurde mit allen Steinen nochmal "vorgekocht".
Nach dem Läutern wurde der Rest von der Induktionsplatte übernommen, da das Feuer nicht mehr genug Power hatte.
Die Steine blieben während der gesamten Kochzeit im Topf.

Die fünf Steine wurden in den Gärtank für die Würze vorgelegt, da sie mit zur Hauptgärung sollten.
06 Steine vorlegen.jpeg
Nach dem Whirlpool wurde die Würze wegen möglicher Rückstände durch ein Filter abgelassen.
Aktiv runtergekühlt habe ich in diesem Fall also nicht.
Ab in den Gärtank.jpg
Eigentlich wollte ich das Bier untergärig mit der S-23 oder S-189 vergären. Aber nun viel mir wieder ein,
warum ursprünglich ein obergäriges Bier für diesen Tag geplant war...
Der Kühlschrank ist noch besetzt, und der Keller ist noch nicht kalt genug... :Ahh

Naja... hab mich dann für die US-05 entschieden, haben Anderen auch schon erfolgreich bei Steinbier verwendet.

Die Messung mit dem Refraktometer ergab 16,4 Brix... :Shocked
Muss wohl mit der neuen und feiner eingestellten Mühle zu tun haben....
Die tatsächliche Würzemenge konnte ich noch nicht korrekt bestimmen,
da die Steine das Gewicht und das Füllvolumen des Gärbehälters beeinflussen...

Werde mir das nach der Hauptgärung genauer ansehen, und dann entscheiden, wie weit ich runter verdünne.
Alles in allem bin ich mit dem Brautag aber sehr zufrieden! Trotz stümperhafter Improvisation keinerlei Katastrophen!

Kann mir jetzt schon vorstellen, das nochmal zu machen!

Nun heißt es erstmal abwarten, und mich wieder ins Video-Tool reindenken...
Über meine bewusste Auswahl der Steingröße und deren Anwendung werde ich später noch berichten!
Hier sehe ich nämlich das meiste Potential für Pleiten, Pech und Pannen.
Zuletzt geändert von Y-L am Montag 1. November 2021, 23:32, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#2

Beitrag von renzbräu » Montag 1. November 2021, 23:08

Sehr schöne Braudoku, die Lust auf das angekündigte Mehr macht :thumbup
Der hellbraune "Belag" auf den Steinen ist der karamellisierter Zucker von dem beim Steinbier die Rede ist?
Grüße
Johannes

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#3

Beitrag von Y-L » Montag 1. November 2021, 23:26

renzbräu hat geschrieben:
Montag 1. November 2021, 23:08
Der hellbraune "Belag" auf den Steinen ist der karamellisierter Zucker von dem beim Steinbier die Rede ist?
Richtig!
Wenn die Steine zurück ins Feuer kommen, duften sie schön karamellig.
Beim Rausholen schon wie in einer Bonbon-Fabrik. Sagenhaft!
Auch ein Grund, warum ich die Steine mit zur Gärung gab.
Die Hefe frisst den noch anhaftenden vergärbaren Zucker vom Stein runter.
Dabei soll sich wohl auch noch Karamell vom Stein lösen können, und Sein Aroma ins Bier abgeben.

Ich bin gespannt!

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#4

Beitrag von Johnny Eleven » Dienstag 2. November 2021, 13:08

Sehr schöne Doku, vielen Dank! Bin schon gespannt auf das Video.

Viele Grüße

Johannes
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#5

Beitrag von Y-L » Dienstag 2. November 2021, 19:17

Bevor ich mir Gedanken um die Steine machte, überlegte ich erstmal, auf welche Art und Weise ich die Steine in die Maische bzw. Würze gebe.

Mir sind bisher drei grundsätzliche Vorgehensweisen aufgefallen.

1. Plumpstechnik (das Versenken der Steine im Topf)

Dieses Verfahren empfinde ich persönlich als sehr stümperhaft und gerade für Anfänger als gänzlich ungeeignet.
Trotzdem gibt es unzählige Videos, in denen genau so vorgegangen wird?!?
Wenn die Steine nicht heiß genug sind, muss man immer wieder Steine nachlegen, die man vielleicht nicht vorrätig hat.
Die Füllhöhe steigt, und der Topf samt Inhalt wird immer schwerer. Falls der Topf noch bewegt werden muss, schlecht!
Es ist auch nicht klug, einen 10kg Stein mit dem Spaten aus dem Feuer zu pulen, um ihn dann in den Topf plumpsen zu lassen.
Wenn der Stein zu heiß ist, kann man ihn beim Überkochen nicht mehr herausfischen.

Der Vorteil liegt höchstens darin, dass der Stein schnell unter Wasser ist.
Bis auf den "Plumps" spritzt es bei der Gabe recht wenig an der Oberfläche.
Sollte der Stein bersten, dann unter Wasser.


2. Die Zangentechnik

Tennis- bis Volleyball große Steine werden mit geeigneter Zange aus dem Feuer geholt und kontrolliert eingetaucht.
Nachteil: Wenn einem der Stein aus der Zange rutscht, landet man bei Punkt 1.

Ansonsten ist hier der Vorteil, dass man schon eine gewisse Kontrolle über den Stein behält.
Man kann ihn gezielt und tief ins Malz drücken und ebenso zurück ins Feuer geben.
Beim langsamen Eintauchen sehe aber auch die Gefahr, dass man sich durch Spritzer verbrüht.
Sollte der Stein brechen, ist man sehr dicht am Geschehen.


3. Steine im Korb versenken.

Hier sind mir zwei Varianten bekannt.
A: Die Steine werden samt Korb erhitzt
B: Nur die Steine werden erhitzt und werden manuell in den Korb gelegt

Variante B schein mir als Anfänger die Beste zu sein.

Man kann die "Dosierung" elegant und schnell der Situation anpassen.
Die Steine können "relativ" sicher in den Topf gegeben werden. Es besteht keine Gefahr,
dass einem ein Stein verloren geht. Ist das Geflecht es Korbes sehr grob, kann man ihn durch
abwechselndes Absetzen und Anheben immer tiefer ins Malz einsinken lassen.
Natürlich ist es auch hier simpel, die Steine wieder zu entfernen und zurück ins Feuer zu geben.

Aber auch hier sollen die Nachteile nicht verschwiegen werden!

Es wird mehr Ausrüstung benötigt; ein passender Korb mit gitterartiger Struktur, der sich nahezu ungebremst versenken lässt!
Von feinmaschigen Sieben oder durchlöcherten Schüsseln sollte man die Finger lassen.
Die versinken zu langsam und der Sud kocht und spritzt ewig an den Steinen auf.
Ein Innenkorb vom Spargeltopf wäre auch eine Option gewesen.

Die Handhabung ist nicht ganz einfach. Je nach Beladung und Gewicht, werden die Lenkbewegungen sehr träge,
wodurch auch die Gefahr besteht, dass man irgendwo gegenschlägt und alle Neune abräumt.
Kann man (später) auch im Video erahnen.
Auch hier besteht Spritzgefahr! Gerade beim langsamen und vorsichtigem Herablassen.
Sollten Steine brechen, ist man bei dieser Variante vermutlich am weitesten weg.

Variante A wird interessant, wenn man den Bogen raus hat,
und weiß wie viele Steine man für welche Temperaturerhöhung brauch.
Somit könnte man z.B. vorgefertigte Körbe verwenden um gezielt die nächste Rasttemperatur anzusteuern.
Die Handhabung wird schneller und zum Teil sicherer, da man keine Steine mehr mit einer Zange aus dem Feuer fischen muss.

Da mir Sicherheit sehr wichtig ist, trug ich eine Schutzbrille und Schweißerhandschuhe.

Edit: Rechtschreibung
Zuletzt geändert von Y-L am Dienstag 2. November 2021, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#6

Beitrag von Y-L » Dienstag 2. November 2021, 19:26

War gerade im Keller, sieht gut aus...
Als ich nach der ersten Messung die Würze vom Refraktometer probierte,
waren schon alle erwarteten Aromen zu spüren!
Und der Duft aus dem Tank ist der Wahnsinn!
Gärung.jpg

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#7

Beitrag von olibaer » Dienstag 2. November 2021, 20:12

Hi Y-L,

schöne Doku und gut gebraut :thumbup

Zu Beginn meiner Karriere als Braumeister hatte ich reichlich Kontakt zum "Steinbier". In einem Zweigwerk wurde Steinbier regelmäßig hergestellt und ich habe tatsächlich ein Bild im Netz gefunden, das ein paar historische Einblicke(1998) in die Würzeproduktion erlaubt(und nein, ich bin nicht auf dem Bild):

Bild: Rauchenfels Steinbier
Quelle: gettyimages.de / picture alliance / Objektname:2382926.jpg

Im Hintergrund ist die Esse zu sehen. Auf der Esse liegen die Grauwackesteine . Die Buchenholzglut unterhalb wird mit einer Feuerlanze auf "Schmiedetemperatur" gebracht.

Im Vordergrund-Links ist ein Puffer-Bottich zu sehen, in den man die glühenden Grauwackesteine gelegt hat. Im Kreislauf wurde Würze aus der Pfanne entnommen, über die Steine gespült und dann wieder zurück in die Pfanne gepumpt. Den "brodelnden Effekt" kann man im Bild gut erkennen. Das ist auch der Moment der Karamellisierung(nimmt man an).

Die so behandelten Grauwackesteine wurden bis nach der Hauptgärung aufbehalten und nach der Hauptgärung in den Ziellagertank vorgelegt. Es folgte das "draufschlauchen". Die Steine verblieben über die gesamte Lagerdauer im Lagertank(6-8 Wochen). Über die Zeit wurde sämtliches am Stein anhaftendes Material vom Jungbier aufgenommen und landete auf diesem Weg in der Flasche.

Wie die Glut in der Esse ist der gesamte Prozess ein regelrechtes Feuerwerk(an Aufwand).
Ich finds' toll, dass du das durchgezogen hast und halt' uns auf dem Laufenden :thumbup
Gruss
Oli
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#8

Beitrag von Fe2O3 » Dienstag 2. November 2021, 21:37

Die Profis vom Landbrauhaus Hofstetten in Österreich wenden Variante 2 (Zangentechnik) an.
Hier ein Video davon:
https://www.youtube.com/watch?v=ZceGyDRjQ70

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#9

Beitrag von Y-L » Dienstag 2. November 2021, 23:15

olibaer hat geschrieben:
Dienstag 2. November 2021, 20:12
schöne Doku und gut gebraut :thumbup
[...]
Moin Oli!
Vielen Dank! :Smile
Mich würde sehr interessieren, wie hoch eure Stammwürze damals so war.
Was für Hefen habt ihr so genommen, und warum?

Wollte zuerst die hochvergärende CN36 verwenden, damit der pure Karamellgeschmack über bleibt.
War mir dann aber nicht mehr sicher, ob das zum Körper passt.
Hab mich zu Gunsten eines volleren Körpers dann doch dagegen entschieden, aber neugierig bin ich trotzdem.

Meine Auswahl der Technik, Steingrößen und Mengen resultieren fast ausschließlich aus den Beobachtungen
von Steinbier-Brau-Dokus. Ich möchte später auch noch erklären, warum ich die Steine genau so gewählt habe.

Aber vielleicht hast du ja auch schon einen Profi-Tip oder Faustformel,
wie man Steinmengen und -größen für eine Sud der Größe X grob bestimmen kann...?!?
:Wink

Das Video mit der Zangentechnik hatte ich auch entdeckt.
Fand es schon fast erschreckend und faszinierend zugleich,
wie routiniert und sicher er den Granitbrocken mit der Zange im Griff hat.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#10

Beitrag von Braubär23858 » Mittwoch 3. November 2021, 08:43

Sehe ich das richtig, dass die in Hofstetten die Würze normal kochen, dann abkühlen, in Granitbecken ablassen und dann erst die heißen Steine hinzutun? So 20 Steine auf geschätzt 150 Liter?
Danach logischerweise kühlen und anstellen?

Peter

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#11

Beitrag von Y-L » Mittwoch 3. November 2021, 09:53

@ Oli
Ich glaube der Link zu Esse ist nicht in Ordnung?!
Kannste da bitte mal kiggn?

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#12

Beitrag von olibaer » Mittwoch 3. November 2021, 18:07

Y-L hat geschrieben:
Mittwoch 3. November 2021, 09:53
@ Oli
Ich glaube der Link zu Esse ist nicht in Ordnung?!
Kannste da bitte mal kiggn?
Ist erledigt. Danke für den Hinweis.
Gruss
Oli
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#13

Beitrag von olibaer » Mittwoch 3. November 2021, 18:11

Y-L hat geschrieben:
Dienstag 2. November 2021, 23:15
Mich würde sehr interessieren, wie hoch eure Stammwürze damals so war.
Was für Hefen habt ihr so genommen, und warum?
Ich kann/darf dir da leider nicht weiterhelfen, aber schau mal, ich hab einen altes Halsetikett gefunden. Da steht so einiges drauf und damals war die Angabe der Stammwürze in ganzen Platograden noch Pflicht:

http://www.akustisch-nicht-verstanden.d ... enster-stb
Gruss
Oli
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#14

Beitrag von Y-L » Mittwoch 3. November 2021, 19:19

Danke für den Link, Oli!
:thumbsup

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#15

Beitrag von Y-L » Mittwoch 3. November 2021, 20:13

Kommen wir nun zu den Steinen...

Granit war für mich ja bereits klar, aber welche Steingrößen kommen in Frage bzw. sind praktikabel?

Tja, Ladies and Gentleman, ich glaube bei diesem Thema kommt es (vorerst) nicht zwingen auf die Größe an!
Das erste Zauberwort lautet "Volumen".

Ich sah mir meine 10L Probesud-Ausrüstung an...
Es ist ein 15L Topf... - "Check"
Hauptguss werden ca. 10L - "Check"
Es werden (aufgerundet) 3kg Malz verwendet. "Check"

Das "Maischevolumen" benötigt also in etwa 12,25 Liter (HG in Liter + 0,75 * Malz in Kg).
Bleibt ein Restvolumen von 2,75 Litern, was erstmal nicht schlecht klingt!
Wenns aber böse blubbert und zischt, benötige ich noch ein Reserve-Volumen damit nichts überkocht.
Also sicherheitshalber nochmal 1,0 bis 1,75 Liter als Überkoch-Reserve vom Volumen abziehen!
Bleiben nur noch poplige 1,0 - 1,75 Liter Restvolumen, den die Steine maximal für sich beanspruchen dürfen.

Klingt zwar erstmal nicht so viel, aber das ist genau DIE Information die wir brauchen!!!
Solange das Gesamtvolumen aller gleichzeitig verwendeten Steine (+ Tauchkorb?) dieses Restvolumen nicht überschreit,
ist es erstmal egal, ob man einen Großen, zwei Mittelgroße oder 4 bis 8 Kleine verwendet!

Ab jetzt kann man frei wählen, mit welchen Steingrößen und -mengen man dieses Volumen zusammenstellen möchte.

Im Garten sah ich mir nochmal die alten Granitbrocken an...
Ich prüfte ein paar Würfelförmige mit einer Kantenlänge von ca. 10cm.
Ein Würfel dieser Größe hat das Volumen von 10cm³ (1,0L), und eine Oberfläche von 600cm² (ca. 1x DIN A4)
Guter Anfang, ist aber für die Grillzange bereits zu schwer und zu breit.
Außerdem kann man mit nur einem Stein die Dosierung nicht variieren; geht nur ganz oder gar nicht.

Also lieber etwas kleiner Steine nehmen, und dafür ein paar mehr!
Im Baumarkt gab es die winzigen Pflastersteine mit der Kantenlänge von 5 bis 8 cm.

Ein idealer Würfel mit durchschnittlicher Kantenlänge (6,5cm) hätte hier ein Volumen von 0,27 Liter,
und eine Oberfläche von 253,5cm² (ca. 0,41 x DIN A4).

Vier dieser Durchschnittssteine haben somit ein Gesamtvolumen von akzeptierten 1,1 Litern,
und eine Oberfläche von 1014cm² (ca. 1,62x DIN A4).
Selbst mit sechs Steinen (1,65L, 1521cm², ca. 2,43 x DIN A4) würde ich mich noch innerhalb meines Restvolumens bewegen!

Dies sind natürlich nur Annährungswerte!
Die Steine sind geometrisch alles Andere als perfekt, und außerdem auch noch unterschiedlich groß.
Deshalb habe ich mich vorerst auch nur für fünf Steine entschieden.

Hab bei meinem Experiment nicht dran gedacht, das Volumen vorher genau zu bestimmen.
Wenn man die Steine mit zur Gärung geben möchte, sollte man sicherheitshalber deren Volumen bestimmen;
z.B. mit der Wasser-Methode. So kann man später auch die Würzemenge inklusive Steine genauer bestimmen.

Diese Herangehensweise sollte 1:1 auf andere Sudgrößen übertragbar sein.

EDIT: Satzbau korrigiert, Rechtschreibung
Zuletzt geändert von Y-L am Samstag 6. November 2021, 16:26, insgesamt 2-mal geändert.

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#16

Beitrag von olibaer » Mittwoch 3. November 2021, 20:30

Y-L hat geschrieben:
Mittwoch 3. November 2021, 19:19
Danke für den Link, Oli!
Gerne. Jetzt weißt du schon eine Menge:

Die Platograde sind bekannt(11,0 - 11,99), der Malzeinsatz zumindest in "Sorte", das Hopfenextrakt mit dabei war, obergärig vergoren wurde und das "in etwa" 4,9% ABV dabei herausgekommen sind.

Nimmt man im Mittel 11,5°P an und für ABV=5,0 lässt sich in sehr guter Näherung der Extrakt scheinbar Es rückrechnen und im Anschluß der Vergärungsgrad:

Es [%w/w] = P - (ABV x 1,88)
11,5 - (5 x 1,88) = 2,1

Vs[%] = (1 - Es/°P) x 100
(1 - 2,1/11,5) x 100 = 81,7


Jetzt fehlt nicht mehr viel :-)
Gruss
Oli
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#17

Beitrag von Y-L » Mittwoch 3. November 2021, 21:28

Ist gespeichert!!!! :thumbup
:Drink

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#18

Beitrag von BrauSachse » Donnerstag 4. November 2021, 20:35

Y-L hat geschrieben:
Montag 1. November 2021, 22:36
Kann mir jetzt schon vorstellen, das nochmal zu machen!
Danke für ausführlichen Bericht und die tollen Ideen, die du hier geteilt hast. Nachdem ich ein paar Berichte gelesen hatte, denke ich auch schon länger darüber nach, ein Steinbier zu brauen, und jetzt brauche ich das nur so nachzumachen. Besonders deine Erfahrungen im Umgang mit den heißen Steinen sind sehr hilfreich. An die kleinen Pflastersteine hatte ich gar nicht gedacht. Super :thumbup Ich war gedanklich immer mit Saunasteinen unterwegs. Die Steine dann mit in die Gärung zu geben, das finde ich auch eine coole Idee.

Vielen Dank nochmal - auch an Oli und viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#19

Beitrag von Y-L » Donnerstag 4. November 2021, 22:53

BrauSachse hat geschrieben:
Donnerstag 4. November 2021, 20:35
Ich war gedanklich immer mit Saunasteinen unterwegs.
Saunasteine (Diabas) waren bei mir auch in der engeren Auswahl.
Die gibts auch in unterschiedlichen Größen.
Online werden viele verkauft, aber die Qualität ist wohl sehr unterschiedlich.
Bei "Billigangeboten" ist oft zu lesen, das Käufer kein Diabas erhalten haben,
und/oder deren Steine beim Aufguss brachen. Ich bin auch Sauna Fan.
Meine Eltern hatte früher ein Hotel mit Saunalandschaft im Keller.
Unsere Steine sind nie gebrochen... waren aber auch um einiges teurer als die vom heutigen Online-Höker.

Für ein Experiment waren mir die Steine vom vertrauten Fachhändler aber zu teuer!
Hab aber auch gelesen, dass Viele problemlos Diabas verwenden.

Die Finnen benutzen (glaube ich) auch eine bestimmte Granitart in der Sauna...

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#20

Beitrag von SDAWIS » Freitag 5. November 2021, 08:28

Braubär23858 hat geschrieben:
Mittwoch 3. November 2021, 08:43
Sehe ich das richtig, dass die in Hofstetten die Würze normal kochen, dann abkühlen, in Granitbecken ablassen und dann erst die heißen Steine hinzutun? So 20 Steine auf geschätzt 150 Liter?
Danach logischerweise kühlen und anstellen?

Peter
Hallo Peter,
in Hofstetten wird die Würze im altem Sudhaus (1929) gebraut. Anschließend kommt sie sehr kalt in die Granit Bottiche wo dann die heißen Steine in die Würze getaucht werden und schließlich im Bottich bleiben. Die Temperatur steigt dabei auf die benötigte Anstelltemperatur. Danach wird erst die Hefe zugeben. Das Bier wird nur in der Kalten Jahreszeit gebraut da hier die Temperatur im Keller für die Gärung passt.

Klemens

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#21

Beitrag von tinoquell » Freitag 5. November 2021, 08:39

Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht und auch für die Teilhabe an deinen Planungen!
Das ist sehr interessant, ich glaube, ich wäre da viel naiver herangegangen - shame.

Ich finde solche "Experimente" unwahrscheinlich spannend, viel Erfolg!

Tino

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#22

Beitrag von DrFludribusVonZiesel » Freitag 5. November 2021, 18:44

Y-L hat geschrieben:
Mittwoch 3. November 2021, 20:13
Kommen wir nun zu den Steinen...

Ich prüfte ein paar Würfelförmige mit einer Kantenlänge von ca. 10cm.
Ein Würfel dieser Größe hat das Volumen von 10cm³ (1,0L), und eine Oberfläche von 600cm² (ca. 1x DIN A4)

Also lieber etwas kleiner Steine nehmen, und dafür ein paar mehr!

Vier dieser Durchschnittssteine haben somit ein Gesamtvolumen von akzeptierten 1,1 Litern,
und eine Oberfläche von 1014cm² (ca. 1,62x DIN A4).
Erstmal großes Lob und Danke, ist ein schöner Bericht geworden!

Du hast in deinen Ausführungen die Oberfläche berechnet und da kommt noch ein Faktor ins Spiel, der mMn sehr wichtig ist:

Wenn man eine Sauce aus Knochen macht und selbige anbrät, dann wird die Sauce umso besser, je kleiner die Knochen und das Gemüse geschnitten sind, da man mehr Fläche zum Anbraten und Rösten hat. Die Farbe wird außerdem auch kräftiger und dunkler (logisch).

Das selbe lässt sich auf die Steine übertragen: benutze ich einen Riesenstein, dann bringt dieser wenig Oberfläche mit und somit wenig Fläche, auf der Zucker karamellisieren kann. Doch genau darum gehts uns ja.

Somit sind kleine Steine auch dem Geschmack zuträglich und hier kann glaube ich gelten: je kleiner, desto besser. Irgendwo wirds natürlich ungünstig, Kieselsteinbier muss es dann auch nicht grad sein. Die Frage nach der Festigkeit stellt sich aber auch: bersten die kleinen evtl leichter?

Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, kleine Edelstahl Kugeln zu benutzen. Eine größere Oberfläche geht kaum und Splittergefahr besteht auch nicht. Die Rustikalität und Tradition ist allerdings nicht gegeben. :Bigsmile

Danke nochmal für die Inspiration, wird definitiv auch bald gebraut bei mir.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#23

Beitrag von Y-L » Freitag 5. November 2021, 20:33

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 18:44
Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, kleine Edelstahl Kugeln zu benutzen. Eine größere Oberfläche geht kaum und Splittergefahr besteht auch nicht. Die Rustikalität und Tradition ist allerdings nicht gegeben. :Bigsmile
Danke fürs Lob! :Smile
Ich bin mir noch nicht Sicher, in wie fern (oder bis zu welcher Grenze) die Steinoberflächen eine (optimale) Rolle spielt.
Fand es dennoch wichtig, diesem Parameter zu notieren und zu beachten.

Was deine Oberflächen-Theorie angeht, bin ich (fast) völlig deiner Meinung.

Größere Steine geben aber (wenn sie komplett durcherhitzt sind) länger Wärme ab.
Ich weiß nicht, ob das den Oberflächennachteil wieder ausgleichen könnte, da länger karamellisiert wird.
Bei Kugeln bin ich aber skeptisch. Viele Kugeln, ja ok.... aber ich glaube in Geometrie mal gelernt zu haben,
dass Kugeln maximales Volumen bei kleinster Oberflächen haben.
:Grübel

Stahl hatte ich auch schon überlegt, da vielerorts auch Stahl- oder Eisenkäfige für die Steine verwendet werden.
Und am Metall gibts ja auch eine Reaktion; wie beim Stacheln!

Ich dachte bei Metall eher an Edelstahleiswürfel... nur größer?!?
Oder Edelstahl-Halbzeug vom Dreher..., runde lebensmittelechte Stahlbolzen, 5cm in der Länge und Durchmesser.
Bestimmt gibts das auch größer und/oder quadratisch. Wäre zumindest für größere Sude attraktiv.
Man könnte die Dinger auch "faul" auf dem Gasgrill anfeuern...; was bei Steinen natürlich auch ginge.

Das Bier würde bei Gas zumindest keine rauchige Note bekommen; gibt ja genug Leute, die das nicht mögen...
Würde mich freuen, wenn sich das jemand traut auszuprobieren! Aber dann wäre es kein Steinbier mehr...
... eher "Hot-" oder "Heavy Metal" Bier... was auch cool klingt! Ein neuer Bierstil wäre geboren..., oder?

Was meinst du?

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#24

Beitrag von DrFludribusVonZiesel » Freitag 5. November 2021, 21:59

Die Abkühlung findet ganz sicher schneller statt, was aber ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Die Rasten können so besser eingehalten werden, ein ungewolltes Weiterheizen und Überschießen der gewünschten Temperatur, wie es bei größeren Steinen sicherlich passieren kann, ist weniger problematisch.

Bezüglich Weiterkaramellisieren könnte man einen einfachen Versuch machen: ein großer 10x10x10 oder 7x7x7 Stein wird in zb 5 Liter Würze gelegt, als Vergleich kleinere Steine mit dem selben Gewicht in ebenfalls 5l Würze. Anhand der Farbe kann man relativ leicht festellen, welche Methode mehr Karamell erzeugt.

Ich habe Granitbruch gefunden der 16-32mm DM hat, das im Vergleich zu einem 10cm3 Brocken wäre sehr interessant.

Wegen Stahlkugeln hab ich mich hier mal wegen einem anderen Einsatzgebiet umgesehen: https://www.kugelpompel.at/de/Handwerk_ ... 0-mm-14301
Ist jedoch recht teuer

Aufgrund fehlender Feuerstelle müsste ich mit einem Kugelgrill arbeiten oder vielleicht stelle ich eine Hobo-Tonne im Innenhof auf.

Als Bierstil könnte ich mir vorstellen Burned Balls of Steel Brew, mit entsprechendem Logo ohne Probleme das Wackenbier der nächsten Jahrzehnte.

Ein kurzer Ausflug noch in die Geschichte:
Laut Lars Marius Garshol war bis ins 17. Jhdt. Steinbier die gängigste Art, Maische zu erhitzen und dies ist auch mit vielen Brausteinen belegt, die zu dutzenden Kubikmetern unter Häusern gefunden wurden. Er erwähnt auch eine besondere geschmacksgebende Praktik aus Estland und Finnland, wo Roggenmehl auf die heißen Steine gestreut wurde, bevor sie in der Maische landeten. Wer wie ich die Kruste von dunklem Roggenbrot und diesen herrlichen Duft, der von geröstetem Roggenmehl ausgeht ebenso liebt, träumt sicherlich davon, das ins Bier zu bringen.

Weiters wäre das Brauen mit Steinen eine verdammt einfache Art, in großem Stil und mit einfachen Mitteln Bier herzustellen. Zwei große Holzfässer, ein Feuer, viele Steine und schon sind 200L fertiges Bier kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Primitiv und gut. :thumbup

Edit: Ha! Garshol erwähnt sogar "metal balls" bei einem Brauer auf der Insel Ruhnu in Estland. Dürfte sich also doch etabliert haben in den moderneren Zeiten (wo Metalle erschwinglich geworden sind, früher war ein Kupferkessel 3 Kühe wert...). New Style Metal Stone Beer

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#25

Beitrag von coyote77 » Freitag 5. November 2021, 22:17

Zufällig vorhin auf YouTube gefunden, passt hier rein: https://youtu.be/fKiL4Ijkpn4
Allerdings wird hier nur mit Steinen gekocht und anschließend vergoren.
Grüße, Andreas :Drink

Zum Biere drängt, am Biere hängt doch alles.
(Frei nach J. W. von Goethe)

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#26

Beitrag von BrauSachse » Freitag 5. November 2021, 22:57

Y-L hat geschrieben:
Donnerstag 4. November 2021, 22:53
BrauSachse hat geschrieben:
Donnerstag 4. November 2021, 20:35
Ich war gedanklich immer mit Saunasteinen unterwegs.
Saunasteine (Diabas) waren bei mir auch in der engeren Auswahl.

Für ein Experiment waren mir die Steine vom vertrauten Fachhändler aber zu teuer!
Hab aber auch gelesen, dass Viele problemlos Diabas verwenden.

Die Finnen benutzen (glaube ich) auch eine bestimmte Granitart in der Sauna...
Ich denke, dass die von dir verwendeten Granitwürfel durch die ungefähr gleiche Größe eine bessere Reproduzierbarkeit des Aufheizens und durch die Form eine bessere Handhabung ermöglichen. Deshalb werde ich auf jeden Fall diese Art Steine nutzen. Danke nochmals für die Anregung!

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 21:59
Aufgrund fehlender Feuerstelle müsste ich mit einem Kugelgrill arbeiten oder vielleicht stelle ich eine Hobo-Tonne im Innenhof auf.
Ich habe das auch mit dem Kugelgrill geplant. Vollgepackt mit Briketts sollte das gut funktionieren.

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 21:59
Als Bierstil könnte ich mir vorstellen Burned Balls of Steel Brew, mit entsprechendem Logo ohne Probleme das Wackenbier der nächsten Jahrzehnte.
:thumbsup

Viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#27

Beitrag von Y-L » Samstag 6. November 2021, 12:45

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 21:59
Ein kurzer Ausflug noch in die Geschichte:
Ich liebe Estland!
Roggenmehl auf die Steine...., okay?! :Grübel
Kann Mehl auf den Steinen überhaupt vorgeröstet werden? :Waa
Hätte gedacht, dass es gleich verkohlt oder verbrennt.

Für Esten evtl. aber garnicht so abwegig. Die lieben und leben Getreide.

Ein nationales estnisches Frühstücksgetränk ist z.B. Milch mit Kama. Kama eine Mischung aus Roggen-, Hafer-, Erbsen- und Gerstenmehl.
Es gleicht aber eher feinem Schrot. Wenn man es zu lange einweicht, schmeckt es wie pampiges Müsli oder Cornflakes.
Ich fand das Getränk etwas befremdlich, aber der Geschmack der in die Milch überging war sagenhaft!
Warum nicht auch im Bier!

BTW:
"Ma ei rääkima eesti. Ma olemed saksa."
Aussprache perfekt, Satzbau und Grammatik reden wir lieber nicht drüber, :redhead
aber der Este versteht was ich meine... :Bigsmile
Oled see mida jood! :Wink

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#28

Beitrag von Y-L » Samstag 6. November 2021, 14:50

Ich hab mal ein bisschen mit dem Videotool rumgespielt.

Oskarreif ist die Nummer zwar nicht, aber ich wollte auch kein Profi-Clip erstellen.
Deshalb auch völlig kommentarlos...
Ich hätte das Video auch kürzer schneiden können.
Es war mir aber wichtig, auch die Länge der Tauchgänge zu zeigen.

Nicht doll, wünsche Euch aber trotzdem viel Spaß und gute Unterhaltung!
:popdrink

https://youtu.be/260FOdbobwo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#29

Beitrag von BrauSachse » Samstag 6. November 2021, 21:50

Danke, das ist für diejenigen, die nachbrauen möchten, ideal. Coole Sache!! :thumbsup

Viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#30

Beitrag von renzbräu » Samstag 6. November 2021, 21:56

Schaut beeindruckend aus, wie das zusagt und blubbert. :thumbsup Granitpflastersteinchen hätte ich auch noch da - und die to brew Liste wird länger...
Grüße
Johannes

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#31

Beitrag von DrFludribusVonZiesel » Sonntag 7. November 2021, 18:12

Cooles Video! :thumbup
Y-L hat geschrieben:
Samstag 6. November 2021, 12:45
Roggenmehl auf die Steine...., okay?! :Grübel
Kann Mehl auf den Steinen überhaupt vorgeröstet werden? :Waa
Hätte gedacht, dass es gleich verkohlt oder verbrennt.
Ich hab nun bei Garshol zu den Rezepten vorgeblättert und da ist tatsächlich eines aus Russland dabei, wo die Schüttung zu 50% aus Roggenmalz und 50% RoggenMEHL besteht. Das Wasser für den HG wird gekocht und dann über die Schüttung (und Roggenstroh zum Läutern) gekippt, Temperaturangabe ist keine dabei. Währenddessen werden die Steine erhitzt und zur Maische gegeben, um sie zum Kochen zu bringen.

Wenn ich Steinbier mache, dann sollte auf jeden Fall auch Roggen in unterschiedlicher Form dabei sein, um diesen schönen gerösteten Roggengeschmack zu bekommen.

https://www.garshol.priv.no/blog/361.html

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#32

Beitrag von BrauSachse » Sonntag 7. November 2021, 18:27

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Sonntag 7. November 2021, 18:12
Wenn ich Steinbier mache, dann sollte auf jeden Fall auch Roggen in unterschiedlicher Form dabei sein, um diesen schönen gerösteten Roggengeschmack zu bekommen.
Kannst du beschreiben, wie der Roggengeschmack ist? Eher etwas brotig oder völlig anders? Ich habe davon noch keine Vorstellung. :redhead

Viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#33

Beitrag von DrFludribusVonZiesel » Sonntag 7. November 2021, 18:44

Kauf dir mal ein richtig gutes und frisches Roggenbrot (oder am besten selber backen), wo auf der Kruste noch einiges an Mehl ist. Der Geruch von diesem Mehl ist einer der fantastischsten, den ich kenne.

Ich habe früher (bin faul geworden) immer selbst Brot gebacken und auch wenn das Mehl eine Stunde bei über 200°C auf dem Brotstein war, hat es selten verbrannt gerochen, sondern meistens ganz dunkel geröstet und sehr reichhaltig getreidig, schwer zu beschreiben. Das ist der Geschmack/Geruch, den ich meine.

Roggenbier mag ich auch mal machen und da diesen Geschmack rauskitzeln. Wenn das sitzt, stelle ich es mir als sehr gute Grundlage für ein Steinbier vor. Denke, dass durch das Karamellisieren das ganze nochmal intensiver wird.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#34

Beitrag von BrauSachse » Sonntag 7. November 2021, 19:35

Danke, jetzt weiß ich, was gemeint ist. :Smile Wir backen unser Brot ausschließlich selbst, auch 100% Roggenvollkornbrot ohne Hefe und nur mit Sauerteig. Als Biergeschmack kann ich mir das nur schwer vorstellen, aber Versuch macht klug.

Viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#35

Beitrag von Y-L » Montag 15. November 2021, 21:52

Oha!
Seit Anfang letzter Woche wurde es überraschend schnell kalt im Keller.
Die Hauptgärung setzte sogar 3 Tage aus; die Kräusen hatten sich optisch auch nicht mehr verändert.
Die Messungen mit dem Refraktometer zeigten keinerlei Veränderungen.
Hatte den Pott ins wärmere Erdgeschoss gestellt und mit einem sterilen Löffel vorsichtig umgerührt.
24 Stunden später waren schon wieder 2 Brix weniger abzuslesen.

Hier der aktuelle Stand:
Heute Morgen genau 8 Brix gemessen.
Laut Refraktometer Rechner von MMuM, bin ich bei der Terrill-Formel bei einem sEVG von 78%.

Dauert nicht mehr lang... :Pulpfiction

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#36

Beitrag von Y-L » Freitag 19. November 2021, 18:05

Geschafft!
Das Steinbier wurde soeben abgefüllt!

Letztendlich waren 9 Liter Jungbier im Tank, mit 16,4°P und 6,8vol.% (Stein- und Hefevolumen schon abgezogen)

Zur Erinnerung, angepeilt waren 10L mit 14°P.
Mit 1.3L Wasser verdünnt, würde ich sogar auf die 14°P kommen, also doch eine relativ gute Punktlandung. :Smile
Aber die resultierenden 6.3vol.% waren mir für den ersten Versuch dann doch etwas zu "stark".
Außerdem würden da nochmal ca. 0.4vol.% durch die Karbonisierung drauf kommen. "Steinbock" war so nicht geplant.

Habe mich letztendlich für einen Mittelweg entschieden; irgendwo zwischen Altenmünster und Leikeim.
Unter Berücksichtigung der Verdünnung und Zuckergabe, komme ich nun auf:
12,2°P,
5,3vol.%
16 IBU

Die Steine waren schön mit Hefe bedeckt. Beim Waschen vielen mir ein paar Brösel auf.
Ich denke, es waren noch am Stein anhaftende Malzreste. Kleinere Abplatzungen kann aber nicht ganz ausschließen.
Die Steine sind jedenfalls annährend "schwarz" geblieben. Nach dem Waschen, hab ich mal an einen geleckt... :redhead
...keinerlei Restsüße, Karamellgeschmack oder sonstiger Duft mehr dran. Vorher dufteten die ja noch wie Bonbons...

Somit glaube ich, die Steine mit zur Hauptgärung zu geben, war eine gute Idee. Ich würde es zumindest wieder so machen!
Wenn die Steine getrocknet sind, gibts nochmal ein Bild von denen.

EDIT: Grammatik
Zuletzt geändert von Y-L am Freitag 19. November 2021, 23:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#37

Beitrag von BrauSachse » Freitag 19. November 2021, 21:40

Y-L hat geschrieben:
Freitag 19. November 2021, 18:05
Geschafft!
Das Steinbier wurde soeben abgefüllt!
Gut Sud! bzw. Nachgärung. :Bigsmile Nochmal danke für den Thread, das erleichtert mir das (Nach)Brauen enorm, besonders die Handhabung der Steine.
Y-L hat geschrieben:
Freitag 19. November 2021, 18:05
"Steinbock" war so nicht geplant.
Aus Marketingsicht wäre das ein geiler Name. :thumbsup
Y-L hat geschrieben:
Freitag 19. November 2021, 18:05
Nach dem Waschen hab ich mal an einen angeleckt... :redhead
...keinerlei Restsüße, Karamellgeschmack oder sonstiger Duft mehr dran. Vorher dufteten die ja noch wie Bonbons...
Kannst du noch sagen, wie du die Steine sauber bekommen hast? Einfach mit heißem Wasser abgespült? Oder könnte man die auch in der Spülmaschine waschen? :Grübel Aber das wäre wahrscheinlich zu viel des Guten, denn bei der nächsten Verwendung werden die Steine ohnehin wieder in der Glut sterilisiert. :Shocked

Viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#38

Beitrag von Y-L » Freitag 19. November 2021, 23:04

BrauSachse hat geschrieben:
Freitag 19. November 2021, 21:40

Kannst du noch sagen, wie du die Steine sauber bekommen hast? Einfach mit heißem Wasser abgespült? Oder könnte man die auch in der Spülmaschine waschen?
Hab die Steine einfach nur unter fließendem, lauwarmen Wasser oberflächlich abgespült.
Mir war es wichtig, deren Oberfläche mit bloßen Händen anzufassen und zu bewerten.
Gerade wegen der erwähnten "Brösel". Denke aber, die Brocken haben die Aktion ohne Probleme überstanden.
Ich werde die Steine morgen nochmal begutachten, und mit unbenutzten vergleichen.

Einen Stein habe ich zur Probe mal mit der Nagelbürste bearbeitet, hatte aber keinen Effekt.
Bei einem einzigen Stein hatte ich den Eindruck, dass das Spülwasser etwas dunkler wurde.
Vielleicht doch noch Reste von Rus dran?!
Falls ja, wird der beim nächsten "Glutbad" eh wieder runterbrennen.

Ich denke, beim nächsten Mal mache ich ein etwas größeres Feuer.
Meine Feuerschale ist groß genug für eine Feuer- und eine Glutseite.
Die Steine kommen dann immer nur in die Glut, und das Feuer sorgt ausschließlich für Glut-Nachschub.
So sollten die Steine generell frei von Rusanhaftungen bleiben.

Natursteine sollte man nicht mit chemischen Mitteln reinigen. Das Zeug kann in das Gefüge der Steine eindringen.
Wer schon mal Rotwein oder Spaghettisoße auf einen weißen unversiegelten Natursteintisch gekleckert hat, weiß was ich meine.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Zufärbung durch den Zucker den Stein deshalb permanent oberflächlich färbt.

Vielleicht bekommt man die Steine mit einer Ständerbohrmaschine und Rundbürstenaufsatz wieder hübsch.
Hat bei dem schwarzen Basaltgestein auch super funktioniert.
Danach waren die Dinger (wieder) grau, und der Siff der letzten 20.000 Jahre, über Tisch und Maschine verteilt...
:puzz

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#39

Beitrag von Olutmatkailijan » Samstag 20. November 2021, 02:14

Zur Wärme des Feuers und der Rußbildung: Man muss es nicht unbedingt größer machen. Man kann auch einfach mehr Luft rein pumpen. Siehe dieses Bild:
handventilator.jpg
Das ist ein Handventilator, welchen Schmiede verwenden. Das hat einen weiteren Vorteil: Rus tritt vor allem dann auf, wenn man nicht genug Luft in der Flamme hat (unvollständige Oxidation usw).
Eine sehr einfache Möglichkeit ist: Man nehme ein unverzinktes (!!!! WICHTIG - ZINKDÄMPFE NICHT GUT !!!) Metalrohr, und schließe fachmännischt mit Gaffa-Tape einen Haarfön an einem Ende an. Das andere Ende kommt in die Glut. Eine Handkurbel ist da jedoch besser, weil man so Luftzufuhr und damit die Wärme besser einstellen kann.
Ennen veljeltä vettä kuin vieraalta olutta!
Derzeitiges Projekt: Open Source Prozessanlagensteuerung über SocketIO/asyncio und GPIO. Wer Interesse hat mitzuhelfen (JavaScript/HTML5/Frontend) bitte per PM melden!

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#40

Beitrag von Y-L » Samstag 20. November 2021, 14:24

Olutmatkailijan hat geschrieben:
Samstag 20. November 2021, 02:14
Zur Wärme des Feuers und der Rußbildung: Man muss es nicht unbedingt größer machen. Man kann auch einfach mehr Luft rein pumpen.
Deine Idee gefällt mir! :thumbup
Ich hatte auch schon überlegt, wie ich mehr Luft ins Feuer bekomme.
Aber "Handarbeit" kommt nicht in Frage, da ich alleine braue, und nebenbei auch noch den Sud im Auge behalten muss.

Einen Luftstrom über Rohre hinzu zu geben, war auch schon eine Idee.
Muss aber alles Hitzefest und ggf. für Dauerbetrieb geeignet sein. Wieder mehr Ausrüstung und Aufwand :puzz
Ist mir "aktuell" zu Viel für etwas mehr Glut..., sagt der, der Steinbier machte.. :redhead
Zur Zeit sind ein paar Stücken Holz mehr, die faulere Lösung.

Weiß aber jetzt schon, dass ich beim nächsten Mal wieder über Deine Worte nachdenken werde! :Grübel

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#41

Beitrag von Braufex » Samstag 20. November 2021, 15:46

Y-L hat geschrieben:
Samstag 20. November 2021, 14:24
Muss aber alles Hitzefest und ggf. für Dauerbetrieb geeignet sein.
Heißluftgebläse mit regelbarer Temperatur.
Kannst Du dann auch kalt betreiben und kann die Hitze an der Stahldüse gut ab.
Evtl. noch mit regelbarer Gebläsestärke.
Wenn das ohne Heizung auf niedriger Gebläsestufe läuft, ist auch der Stromverbrauch erträglich.
Hab ich auch schon zum Anzünden meiner Briketts beim Grill erfolgreich benützt.

Gruß Erwin

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#42

Beitrag von Olutmatkailijan » Samstag 20. November 2021, 16:04

Ich empfehle für die Problemthematik "Luft in Feuer" einfach mal bei den Hobbyschmieden sich was abzuschauen. Wie gesagt, die billigste Variante ist ein Metalrohr mit "professionell" befestigtem Föhn. Wenn das Metalrohr lang genug ist, ist dies kein Problem.
Ein Heißluftgebläse geht auf bis 700C wenn ich mich nicht irre. Das dürfte problematisch werden. Deswegen meinte ich das Handgebläse, da man so die Temperatur besser einstellen kann. Andererseits kann man es auch einfach an eine Steckdose mit Schalter anbringen, damit man es schnell ein- und ausschalten kann.
Ennen veljeltä vettä kuin vieraalta olutta!
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#43

Beitrag von Y-L » Montag 29. November 2021, 22:17

Sehen wir uns im Nachhinein nochmal die Steine in Theorie und Praxis an.
Hält man sich einen Stein direkt vor die Nase, ist tatsächlich noch ein leichter Zwieback artiger Duft wahrnehmbar.
Hier nochmal der Vergleich; vorher und nachher.
IMG_20211125_171601.jpg
Vorher / Nachher
Das Gesamtgewicht der von mir verwendeten Steine beträgt fast genau 2kg.
IMG_20211125_211718.jpg
2kg
Um das reale Volumen der verwendeten Steine zu bestimmen, wurden sie in einen großen Messbecher versenkt, und dieser bis zur Unterkannte des Ausgusses gefüllt. Die Steine wurden entfernt, und die Waage mit aktuellem Gewicht auf „Null“ geeicht. Nun wurde wieder Wasser bis zur Unterkannte des Ausgusses nachgefüllt.
Wenn wir die Wärmeausdehnung von Wasser vernachlässigen und davon ausgehen, dass ein Liter Wasser auch einem Kilogramm Wasser entspricht, sollte das Gewicht des zusätzlichen Wassers somit in etwa 1:1 dem Volumen der Steine entsprechen.
Steine unter Wasser.jpg
unter Wasser
IMG_20211125_212651.jpg
Volumengewicht
Beim realen Gesamtvolumen bin ich sehr erstaunt, denn es beträgt nur 0,76 Liter.
Bei idealer Würfelform, hätten die Steine somit eine Kantenlänge von ca. 5,34cm gehabt.

Es lohnt sich also, das Volumen vor dem Tauchen einmal genau zu bestimmen.
Vom Volumen her, wäre bei mir sogar die doppelte Steinmenge noch im grünen Bereich gewesen.
Andererseits hätten dann aber auch schon 4kg am Haken gehangen.

Werde beim nächsten Steinbier mal die goldene Mitte ausprobieren.

Was die erwähnten Brösel angeht, kann man ein paar im Wasser erkennen.
Dies sind vermutlich lose Abplatzungen wie Quarz oder Glimmer.
IMG_20211125_213621.jpg
Brösel aus Stein

Bei einem der Steine hatte ich während der Tauchgänge ein Art Riss entdeckt.
Obwohl dieser gleich zwei Seiten durchzieht, ist der Stein bei weiteren Tauchgängen nicht gesprungen.
IMG_20211125_213142.jpg
IMG_20211125_213150.jpg

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#44

Beitrag von BrauSachse » Dienstag 30. November 2021, 14:10

Klasse, dass du hier noch so viele wertvolle Informationen teilst. :thumbup

Vielen Dank und viele Grüße
Tilo

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#45

Beitrag von tinoquell » Dienstag 30. November 2021, 14:44

BrauSachse hat geschrieben:
Dienstag 30. November 2021, 14:10
Klasse, dass du hier noch so viele wertvolle Informationen teilst. :thumbup

Vielen Dank und viele Grüße
Tilo
+1

vielen Dank, das ist wirklich interessant!

Tino

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#46

Beitrag von Olutmatkailijan » Samstag 4. Dezember 2021, 01:50

Heute gesehen: https://www.youtube.com/watch?v=tqMoVMGREiQ
Die Idee Honig mit reinzumachen ist wahrscheinlich auch bei Steinbier ganz interessant, um Karamellnoten reinzukriegen. Gerade war mir langweilig und ein anderer Nutzer hat gefragt, wie man Zeit rumkriegt.
Glaubst du, man kann ein Tongefäß mit solchen Steinen heizen? Irgendwie gefällt mir die Idee, mal eine lowest-tech Brauanlage aus Ton zu bauen :puzz
Wär mal eine Alternative Richtung zu dem was ich sonst so treibe...

Aber ich fürchte, die Tongefäße würden durch die Steine zerbersten. Außer, man macht sich ein Ding, auf das man die Steine auflegen kann, um sie dann sanft in das Gefäß abzulassen...

Es stellt sich mir weiterhin die Frage: Sind das die besten Steine? Granit hat wohl eine Wärmekapazität von 0,9 (kJ/KG)/k, bei Bimsstein wären es 1,05. Nur weiß ich nicht ob Bimsstein springt wenn man es so plötzlich abkühlt. Andererseits schwimmt er ja auf Wasser, also müsste man ihn irgendwie nach unten drücken in einem Korb...oder es gibt noch andere Eigenschaften, die dabei hinderlich sind... :Grübel

Nochmal zum Thema Luft: Wenn du nicht selber drehen willst, empfehle ich ein "Radialgebläße+Regler+Flansch". Protipp: Die Polen bieten das billiger an, ein entsprechendes Set mit Regler+Gebläse sind da 77€, dabei aber kein Flansch, was halt vorteilhaft ist außer man baut selber einen. Das gleiche habe ich für eine Esse zum schmieden verwendet. Geht gut, durch den Regler kannst du die Temperatur der Flamme einstellen (die maximal auf ca. 1300C heiß werden kann, brennstoffbedingt). Aber ein Rohr zu finden, das lang genug ist, günstig und unverzinkt und aus stahl besteht, ist tatsächlich eine Herausforderung.
Ennen veljeltä vettä kuin vieraalta olutta!
Derzeitiges Projekt: Open Source Prozessanlagensteuerung über SocketIO/asyncio und GPIO. Wer Interesse hat mitzuhelfen (JavaScript/HTML5/Frontend) bitte per PM melden!

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#47

Beitrag von Y-L » Samstag 4. Dezember 2021, 23:01

DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 21:59
Garshol erwähnt sogar "metal balls" bei einem Brauer auf der Insel Ruhnu in Estland. Dürfte sich also doch etabliert haben in den moderneren Zeiten (wo Metalle erschwinglich geworden sind, früher war ein Kupferkessel 3 Kühe wert...).
Metall statt Steine... :Grübel

Es lässt mir keine Ruh..., aber als 90er Jahre Metal-Fan, und Besucher des Dynamo Festivals 1995 in Eindhoven,
sehe ich es als meine Pflicht, die Umsetzbarkeit (auch im eigenen Interesse) zu prüfen... zumindest in der Theorie!

In der "Bucht" gibt es massive lebensmittelechte V2A Edelstahl-Würfel; 5cm³.

V2A wiegt pro 10cm³ (1 Liter Volumen) etwa 8kg.
10cm³ Granit hingegen, wiegen nur etwa 2,7kg. Die Edelstahl-Variante ist also ca. 3x schwerer.
Im kleineren Maßstab vielleicht sogar noch machbar, aber bei größeren Suden könnte es im wahrsten Sinne der Wortes schwer werden...
zumindest, wenn man alleine braut.

Beim Preis siehts jedoch düster aus.
Für 10cm³ Granit hab ich knapp 2,60€ im Baumarkt bezahlt.
Die würfelförmige Edelstahlvariante kostet bei gleichem Volumen bummelig 120€; zumindest in der "Bucht".
Kann jemand von Euch günstig massive lebensmittelechte Edelstahlwürfel oder -zylinder mit einer Kantenlänge um die 5cm anbieten? :Angel
Wenn man Metall- und Steinklötze gleichzeitig verwendet, vielleicht geht dann ja sogar doch ein...
DrFludribusVonZiesel hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 21:59
New Style Metal Stone Beer

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#48

Beitrag von Colindo » Sonntag 5. Dezember 2021, 10:54

Bei dreifachem Gewicht kannst du von einer ungefähr dreifachen Wärmekapazität ausgehen. Dann kann das Volumen auch dreimal kleiner sein, sonst heizt sich dein Sud mit der gleichen Anzahl Würfel viel mehr auf. Am besten recherchierst du mal die Wärmekapazität der beiden Materialien.
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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#49

Beitrag von dieck » Sonntag 5. Dezember 2021, 11:10

Aber muss man nicht auch die Oberfläche in Betracht ziehen für die Karamellisierung?
Die wäre ja bei Würfel in kleineren Volumen auch deutlich kleiner als die raue Oberfläche von Steinen.
20L-Klasse. Einkocher, Läuterhexe im Thermo, 3.5k Induktion, Brew Monk Edelstahl Gärfass, umgebaute Gefriertruhe als Gärschrank, NC-Kegs und Bügelflaschen.

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Re: Steinbier - Theorie und Praxis für Anfänger

#50

Beitrag von Colindo » Sonntag 5. Dezember 2021, 15:14

Das kann sein, das könnte man aber mit einer größeren Menge noch kleinerer Würfel kompensieren.
Auf Youtube: The British Pint

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