Wenn ich mal gross bin, dann...

Hier können Braubegeisterte ihre selbstgebastelten Heimbrauanlagen in Bild und "Ton" vorstellen.
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Chico Veira
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Registriert: Samstag 24. Januar 2026, 15:37

Wenn ich mal gross bin, dann...

#1

Beitrag von Chico Veira »

Maischetopf.jpg
...sollen die Rezepte immer gleich schmecken.
(oder wenigstens so aehnlich)

Einen herzlichen Gruss aus São Paulo, Brasilien und
ein riesengrosses DANKESCHOEN an diese fantastische Gemeinschaft!
(Mein bürgerlicher Name lautet Frank)
Schon etwa 2009, als mich das Brauen zum ersten Mal packte, gabt Ihr mir so ziemlich alles an die Hand was ich brauchte, um gleich Anfangs gute Resultate zu erhaschen.
Damals hatte ich etwas Zeit über, aber leider auch ziemlich wenig Geld. Gut, der Durst war riesig, und ich stemmte 50 Liter, komplett manuell mit einem fetten Gaskocher, und hatte zum Schluss so 14 Kaesten Bier zuhause gestapelt. Da aber jeder Brautag so mühsam war das ich Ihn in 3 unterteilte und trotzdem einfach am Ende total fix und fertig war, kam innerhalb eines Jahres das Hobby der Faulheit zum Erliegen.
Schleppen, Reinigen, auch das Lagern, wie ich schon sagte, 240 Bierflaschen, einen 60 Liter Topf, das ganze Geruempel... und, wenn das Bier mal nicht so gut geworden ist musst du es ja trotzdem trinken...

Damals stand eines fuer mich fest: sollte ich je nochmal anfangen, dann: automatisieren bis der Arzt kommt, und nur kleine Mengen, das wuerde meine Freude am Projekt - und auch den Platz, laenger aufrecht erhalten.

Also, habe ich mein zweites erstes Projekt so aufgezogen das die Wiederholbarkeit an erster Stelle steht. Platz und Muehe sind schon jetzt sehr angenehm, ich habe das dritte mal gebraut und bin sehr begeistert! Es wird noch sehr viel an den Geraetschaften gebastelt, ich habe also vor diesen Eintrag immer wieder zu aktualisiseren.
Isolierung.jpg
Die Anlage besteht also im Kern aus:
Brautag.jpg
1x Induktionskochfeld 2000W
1x Induktionskochtopf 9,6L, sehr gut isoliert in eine Holzkiste und Styropor,
1x Ruehrwerk stufenlos einstellbare Geschwindigkeit, da feile ich auch noch dran herum
2x Temperaturmesspunkte um die Verteilung besser zu beobachten)
1x Wasserkocher 1600W, 1,8L fürs Nachgiessen
1x Lebensmittelwasserpumpe 6L/ Min, (zum Sauberpumpen vor dem Abläutern oder auch für das Nachgusswasser)
1x Alurohr mit Schlitze zum Läutern

1x Milchkanne 6L zum Gären
Gärung.jpeg
1x Milchkanne 20L Kühlwasser (2 Tage vor dem Brauen auf 2°C runter kühlen)
1x Isokiste zum aktiven Abkühlen (Den Topf mit 5L Würze ist in 20 Min auf 25°C)
akt Kühlung.jpg
Zum Servieren probiere ich schon mit Zapfhahn, 2 Liter Edelstahl mini Keg und Co2 herum. Es soll auch schoen aussehen...
Faesser.jpg
Nun komme ich leider noch auf eine seeeeehr geringe Ausbeute, zur Zeit nur etwa um die 35%. Dabei hatte ich eigentlich, wegen dem Rührwerk und die super Temperaturkontrolle, tierisch hohe Erwartungen, ich wuerde gleich alle Rekorde schlagen... aber Pustekuchen.

Ich freue mich also schon so richtig, nachdem ich die Fotos hochladen konnte, mich mit Euch im dafür vorgesehenen Forum darüber zu unterhalten woran das liegen könnte.
Und natuerlich freue ich mich ueber Eure Beitraege, ich find das Fachsimpeln echt toll, auch wenn ich dann und wann auch einfach mal darauf losmache weil ich kein Bock mehr auf Teorie habe.

Meine aktuelle Stielrichtung ist das Alt Bier. Ich habe die ersten 3 Versuche mit 2 verschiedenen Rezepten gebraut, eines habe ich mit Manus selbst entwickelt, und das Kupfer-Alt von Mundegold kommt jetzt zum 2. Mal dran.
Das werde ich auch die naechsten Monate regelmässig so tun. Somit erwarte ich das mein Eintrag zu Weihnachten 2026 schon ganz anders aussehen wird wie er heute beginnt.
Aber ich bin schon sehr glücklich, das ich mich nach all den Jahren endlich hier auch mal vorstellen kann, und hoffentlich irgendwann auch mal etwas beitragen kann um mich für die Hilfe zu revanchieren.
Vielleicht fühlen auch andere, das die schöne Töpfe nicht immer angebohrt werden müssen. Oder die Sehnsucht, einfach mal ein kleines bisschen Bier zu brauen, ohne sich über den Platz zu sorgen.
Zu Nano Labs, oder Pico Anlagen gibt es ja kaum Vorschläge (oder besser- ich habe keine gefunden), mal sehen wie Eure Reaktion darauf ist.
Somit gut Sud,
Euer Frank
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Schrot.jpg
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slimcase
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#2

Beitrag von slimcase »

Faszinierend so kleine Anlagen.

Wozu die Pumpe beim Nachguss? Kannst du den nicht einfach so drüber kippen?

Meiner Erfahrung nach ist die Geschwindigkeit vom Rührwerk nicht entscheidend. Hast du ein Schwallblech verbaut? Ich konnte zudem besser Ergebnisse erzielen (gefühlt) durch Rührpausen in den Rasten. Mein Rührwerk rüht in den Rasten immer 30 Sekunden gefolgt von 60 Sekunden pause und dann von vorn.

Allzeit gut Sud
Lieben Gruß
Danilo
------------
Meine Hardware:
AiO Brausteuerung
AiO Gärschrank
Flaschenspüler aus Kupfer
YATO 3,5kW Induktionsplatte
HENDI 3500 Induktionsplatte
50/70 Liter Pfanne von Brauhardware
Kühlspirale Twin 20
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#3

Beitrag von jojo5 »

@Chico Veira: von wo beziehst du denn dein Malz in Brasilien? Evtl. ist es schon Überlagert/falsch gelagert?
Deine 35% Ausbeute bezieht sich auf "Sudhauausbeute" oder doch auf die "Brewhouse Efficiency". Wie rechnest du diese bzw. mit welchem Tool?
Passt dein PH Wert in der Maische?(ggf. Sauermalz hinzufügen)

Alles in allem sehr spannend und mutig, vermutlich ist die Hobbybrauerdichte in Brasilien nicht sehr hoch! :Bigsmile
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Barney Gumble
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#4

Beitrag von Barney Gumble »

Meine Frage bei Miniatisierung ist immer, wie viel kürzer wird der Brautag? Ich habe mit 50 L angefangen und nicht aufgegeben, meine 10 L Töpfe (aber alles beides ziemlich manuell), erbringen max. 2 Stunden (8 auf 6) Zeitersparnis. Wenn Du einfach mit der großen Anlage früher zuviel für den Durst produziert hast, verstehe ich es, ist bei mir auch der Grund warum max. 3 mal im Jahr ein 'Großer' Brautag ansteht
Als ich von den schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich es sofort auf - das Lesen! (frei nach Henry Youngman)
Wenn ich nicht gleich antworte, liege ich unterm Zapfhahn :Bigsmile
Chico Veira
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#5

Beitrag von Chico Veira »

Hallo, und danke schon mal fuer die Anregungen.
Es gibt Malz aus Brasilien, Argentinien, und aus Belgien, die kaufe ich bevorzugt momentan:
Malz.jpg
Bei der Ankunft riecht das Malz richtig gut, und sieht gut aus. und was die Szene angeht gibt's seit etwa zwei Jahrzehnten gesteigerte Aktivitaeten, aber die gehen alle in eine Geschmacksrichtung die mir nicht passt (Sehr bittere Citrusnoten) oder sie moegen Indian Pale, Stout, und so weiter. Ich denke aber das das Malz recht frisch ist (natuerlich nicht mit D-Land zu vergleichen, nach einem Jahr gelagert kann ich mir das allerdings auch gut vorstellen. Dann sollte man aber so Mehlwuermer, oder wenigstens die Loecher sehen, es vielleicht riechen oder fuehlen koennen).

Zur Zeit nutze ich einfach die Rezeptur bei MMuM, das KupferAlt von Muldengold, und sehe ja, das ich mit 1,2kg normalerweise 5 Liter hinbekommen sollte. Hab das letzte mal 1,5kg genommen und 200gr Zucker nachgeschuettet, um auf 16 Brix zu kommen (Gemessen vor dem Kochen).
Das Messen immer gleicher Werte faellt mir nicht schwer, Refraktor und Spindel stimmen ueberein und ich hab noch nicht einmal "komische" Werte oder Abweichungen gehabt.
Ruehrwerk.jpg
Im Moment ist das Paddle bei 3,6 Liter Anstellwasser noch zu gross - zu hoch, also nehme ich mehr Anstellwasser. Die Bewegung funktioniert sehr gut, auch die Temperaturstabilitaet ist sehr gut.

Ich gehe dazu ueber die Malzmenge dementsprechend einzustellen, das sind aber eben statt 1,2kg schnell 2kg oder 2,5kg.
Ich finde den Geschmack dann ja toll, aber das Lernen soll ja bei meiner Anlage im Vordergrund stehen, auch die zukuenftige Automatisierung. Ich bin gespannt ob ich das Induktionskochfeld mit einem Raspberry so umbauen kann das ich die Bedienfelder weiterhin verwenden kann, das ist aber ein Ding fuer die lange Zukunft.

Es geht nun auch in die zweite Runde, also, da ich 2 mal die Woche brauen moechte und eine Gaehrfuehrung bei Altbieren so wichtig zu sein scheint ueberlege ich mir bereits Hacks, wie man das am besten Stufenweise ausbaut. Die Anschaffungen sollen halt so gestaltet werden das sie flexieble Braumengen und -weisen unterstuetzen. Wenn das Umruehren bei guter Waermeisolation nur bei den Aufwaermfasen wichtig ist, dann schmeisse ich die ganze Ruehrautomatik auch einfach wieder weg, oder beginne damit Malzrohre zu testen...

Die Speisepumpe ist einmal zum Sauberlaufen des Suds durch den Treiberkuchen vor dem Laeutern, fuers Einlaufen des Nachgusses und weil ich ja so gerne alles ausprobiere, wie man weiter automatisiert.
Es soll mich ja fuer ein paar Jahre beschaeftigen. Ich spiele auch mit dem Gedanken eine art NanoDoubleVessel zu bauen.

Ich benutze dieses Mineralwasser:
| Stoff | Wert (mg/L) | Stoff | Wert (mg/L) |
| ---------- | ----------- | --------- | ----------- |
| Bikarbonat | 38,53 | Chlorid | 2,21 |
| Silizium | 8,720 | Sulfat | 1,39 |
| Kalzium | 6,340 | Barium | 0,125 |
| Nitrat | 3,95 | Phosphat | 0,06 |
| Magnesium | 3,480 | Fluorid | 0,05 |
| Natrium | 2,910 | Strontium | 0,020 |
| Kalium | 2,340 | | |
PH ist 6,6

Ich freue mich auf weitere Tips, und auch die Fragen. Natuerlich kann ich heute nicht viele Beantworten, aber sie geben mir ja weitere Inputs, wie zum Beispiel die Frage nach dem Schwallblech. Was sagt Ihr zu dem Wasser?
MFG Frank
Chico Veira
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#6

Beitrag von Chico Veira »

Danke, Barney! Das ist ja genau was das Lernen fuer mich viel effektiver macht:
wenigstens ein bis zwei mal im Monat brauen duerfen. Die Zeit moechte ich nicht verkuerzen. Das Hantieren, Basteln, Ausprobieren, Einkaufen, Lagern, Stapeln, bei so einer Frequenz, und sehr gerne alleine!, REINIGEN... und dann servieren, das zeigt mir bereits von Anfang an das ich mich da auf dem richtigen Weg befinde. Und nach ein paar Monaten hat man ja vieles wieder vergessen.

Ich finde die Brauautomaten super, die sind aber alle fuer 20 Liter aufwaerts. Wenn ich genuegend Abnehmer finde- vielleicht schon sehr bald, kommt auch einer, keine Frage. Ich kann aber die Biere so am besten ausprobieren, bevor sie "in Produktion gehen".
Auch und obwohl mich das kleine Equipment fast so teuer kam wie ein Brauautomat sah es meine Frau schon mal nicht gleich als Invasion. Das huebsche Kochfeld und der schoene Topf hat Ihr gut gefallen... :-)
Ich moechte die naechsten Monate viele unterschiedliche Verfahren ausprobieren, und als ich vor 15 Jahren auf so schmerzhafte Weise erfahren musste was passiert wenn dir die Flaschen nach und nach Platzen, oder das etwa ein Geschmack wie Plastik (wahrscheinlich Probleme beim Laeutern gehabt) mal eben 40 Liter Sud zunichte gemacht haben, kam mir diese Idee.

Diese Groesse macht einfach spass, und beim Brauen schau ich mir einen Film an, oder hoere Musik, der Tag ist schnell rum, und alle haben gewonnen...
jojo5
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#7

Beitrag von jojo5 »

Ich hab dein Wasser sowie Malz(Münchner ~EBC 20) mal im Wasserrechner von MMuM eingegeben. Der "errechnete" PH Wert 5,4 passt eigentlich gut.(kein Sauermalz nötig)
https://www.maischemalzundmehr.de/index ... m5=0&mf5=0

Evtl. verlierst du die Sudhausausbeute beim Läutern.
Chico Veira
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Re: Wenn ich mal gross bin, dann...

#8

Beitrag von Chico Veira »

Ueber das Messe stellte ich eine Frage in dem Treat "Geringe SHA";
waehrend der Maltoserast sollte ich schon auf 16 Brix oder mehr kommen, aber ich messe nicht mehr als 14, also erhoehte ich die temperatur von 62° auf 65° und haengte noch 15 minuten dran, ging aber nur ganz wenig hoch, da bin ich dann in die Verzuckerung gegangen und mich schon mit dem Zucker angefreundet.
Gut, ich mach mal ein, zwei Monate weiter und werde auch mal das brasilianische und argentienische Malz ausprobieren. Ansonsten erst mal akzeptieren.
Ich bedanke mich fuer die Wasseranalyse, das hatte ich schon auf dem Schirm, bisher jedoch nur 2 KI's gefragt, die meinten fuer Altbier waere das gut.
Ich wollte nach dem Sommer auch mit der Chemie und genaueren Rechnugen beginnen, um auch das besser zu verstehen.

Wenn das Produkt tatsaechlich Schuld sein soll muss ich schauen wie ich den Geschmack richtig einstellen kann. Denn zuviel Gewicht sollte der Malzgeschmack ja auch nicht bekommen. Da kommt mir der Haushaltszucker zwar entgegen, ich hatte nur immer die Befuerchtung der Kater sei mit Raffinadezucker vielleicht schlimmer? Weiss nicht, wenn ich das lokale Zeug hier trinke ist der Kater am naechsten Tag immer schlimm, und der brasilianischen Brauerei sagt man im Grunde nach sie nehmen nur Mais und Zucker...
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