Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

Hier kommen Infos hin, wenn es darum geht, Reisen zum Thema Bier zu unternehmen.
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Johnny H
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Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#1

Beitrag von Johnny H » Montag 28. August 2017, 16:55

Hallo zusammen,

durch eine Pilgerreise in Norwegen bin ich ein wenig auf den Geschmack gekommen und möchte in nächster Zeit ein wenig die nähere Umgebung Berlins und Brandenburg durchwandern. Mitte September bietet sich dazu eine gute Gelegenheit, und um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden suche ich noch ein paar Entscheidungshilfen.

Geplant ist, für ein bis drei Tage zu wandern und dann jeweils am Ende des Tages irgendwo zu übernachten und nach Möglichkeit auch gutes Bier zu trinken. Zur Wahl stehen bisher die folgenden Wanderrouten bzw. Teile davon inklusive des Besuchs der folgenden Brauhäuser:

1) Der Wunderblutweg als Teil des Jakobswegs in Brandenburg,
Hier besteht z.B. die Möglichkeit, ca. von Fehrbellin nach Bad Wilnsack zu wandern bzw. gleich nach Wittenberge oder auch weiter durch die Brandenburgische Elbtalaue. In Wittenberge gibt es die Alte Ölmühle, die zumindest bei Volker/Brunnenbräu nicht schlecht wegkommt (im Angebot befinden sich Pils, Spezial und Dunkles).

2) Der 66-Seen-Weg rund um Berlin
Hier ist eine Strecke rund um Wandlitz angedacht, also z.B. von Wensickendorf nach Wendlow mit Aufenthalt in Wandlitz. Dort gibt es das Rialto Wandlitz bzw. Gottfried Bräu. Laut Karte scheint es zumindest ein paar saisonale Spezialitäten zu geben

3) Der Fernwanderweg E11 in Brandenburg bzw. im östlichen Berlin
Hier böte(n) sich eine oder mehrere Etappen am Rand Berlins an, also z.B. eine Wanderung von Friedrichshagen nach Altlandsberg mit Besuch des Schlossguts Altlandsberg. Die Bier- und Speisekarte ist hier zumindest im Moment nicht lesbar.

Gibt es zu diesen Wanderwegen und zu den erwähnten Brauereien irgendwelche Tipps und Erfahrungswerte? Auch andere Wander- und Biertipps in der Gegend um Berlin nehme ich gerne auf.

Edit: sprachliche Präzision / Rechtschreibung
Zuletzt geändert von Johnny H am Montag 28. August 2017, 17:58, insgesamt 1-mal geändert.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#2

Beitrag von flying » Montag 28. August 2017, 17:16

Hi Tilo,

interessantes Thema. Auch für andere Gegenden. Wie löst ihr das logistisch? Fahrt ihr irgendwo hin, lauft eure 10 km, zischt dann ein paar Bierchen und lasst euch dann wieder nach Hause fahren?
Sorry, ich hab jetzt mal die Mehrzahl benutzt. Vielleicht willst Du ja auch alleine wandern? Ich mache auch gerne Touren durch schöne Gegenden zu Fuss oder per Rad aber irgendwie hacken sich die beiden Hobbys immer gegenseitig...

m.f.g
René
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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#3

Beitrag von Johnny H » Montag 28. August 2017, 17:28

Hi René,

Mehrzahl stimmt schon.

Zumindest der Wunderblutweg (Option 1) ist eine Pilgerstrecke, d.h. einfache Übernachtungsmöglichkeiten sollte es da schon geben, auch wenn Wittenberge nicht auf der Pilgerstrecke liegt. In Altlandsberg (Option 3) kann man auch übernachten.

Gegebenenfalls also mit dem Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln an den Ausgangspunkt fahren und dann vom Endpunkt wieder zurück. Option 3 würde quasi vor unserer Haustür beginnen - da ginge also fast eine eintägige Tour. Option 1 wäre dann sicher etwas länger und nicht in einem Tag zu machen.

Ich bin kürzlich in Norwegen im Schnitt knappe 20 km pro Tag mit dem Rucksack gewandert. Leider musste ich dann aber nach acht Tagen aufgeben, weil mein Schienbein nicht mehr mitgespielt hat und sich auch nach mehreren Tagen nicht beruhigen wollte. 20 km am Tag inklusive Gepäck sind also recht hart, zumindest am Anfang sowie ununterbrochen über einen längeren Zeitraum, aber 15 km mit Pause schafft man m.E. gut. So gesehen würden wir ein bis drei Tage wandern, entweder ohne Übernachtung oder eben mit bis zu zwei ÜN.

Gruß, Tilo

Edit: umformuliert / sprachliche Präzision
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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#4

Beitrag von Johnny H » Samstag 9. September 2017, 13:59

Johnny H hat geschrieben:
Montag 28. August 2017, 16:55
[...]
3) Der Fernwanderweg E11 in Brandenburg bzw. im östlichen Berlin
Hier böte(n) sich eine oder mehrere Etappen am Rand Berlins an, also z.B. eine Wanderung von Friedrichshagen nach Altlandsberg mit Besuch des Schlossguts Altlandsberg. Die Bier- und Speisekarte ist hier zumindest im Moment nicht lesbar.
Hier sind wir mittlerweile die Etappe von Friedrichshagen nach Altlandsberg gelaufen. Das waren insgesamt geschätzte 20 Kilometer. Der Wanderweg hat sich dabei durchaus gelohnt, wobei meiner Erachtens ohne GPS-Daten oder ordentliche Karten wenig zu machen gewesen wäre, denn wir haben auf der gesamten Strecke nicht durchweg ausreichend E11-Schilder vorgefunden (blauer Streifen flankiert von zwei weißen Streifen). Landschaftlich geht es dabei durch schöne Gegenden wie z.B. das Erpetal und hübsche Dorfsiedlungen mit Storchennestern, aber auch oft durch modernere Wohngebiete (Hoppegarten, Neuenhagen) oder auch durch stärker befahrene Gegenden am Rande Berlins.

Zum wichtigsten für dieses Forum: das Essen im Brau- und Brennhaus Altlandsberg war sehr lecker - ich habe eine große Portion sehr zarten Schweinebraten mit Kartoffel-Gemüse-Stampf und fast schwarzer und äußerst leckerer Biersoße gegessen. Das Bier konnte aber leider u.E. nicht mit dem hervorragenden Essen mithalten: das Helle mit leichtem Diacetyl-Fehlgeschmack und von der Bittere irgendwo unentschieden zwischen Pils und Hellem, das Cupfer als Wiener Lager zwar handwerklich ok und ohne Fehler aber eher etwas langweilig und für mich mit zu unspezifischer Malznote. Fazit also: Essen hervorragend, Bier so la-la.

Logistisch war es für uns einfach: von zuhause loslaufen und von Altlandsberg mit dem öffentlichen Nahverkehr zurück.

Nächste Woche laufen wir evtl. einen Teil des Wunderblutwegs. Logistisch werden wir das vermutlich so handhaben, dass wir mit der Regionalbahn morgens an einen Startpunkt (Glöwen) außerhalb der Pilgerroute fahren, von dort aus loslaufen, spätnachmittags bzw. am frühen Abend schön in Wittenberge essen und dann wieder mit der Regionalbahn nach Hause zurückfahren. Übernachtung scheidet leider zeitlich und u.a. auch deswegen aus, weil am Zieltag mehrere Hotels bereits ausgebucht sind.

Edit: den letzten Satz präzisiert, da missverständlich
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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#5

Beitrag von Johnny H » Donnerstag 14. September 2017, 14:40

2. Wanderung
Den Wunderblutweg bzw. einen Teil davon haben wir verschoben. Ohne Übernachtung lohnt sich das nicht aufgrund des langen Anfahrtswegs. Kommt aber noch.

Also sind wir diesmal einen Teil der 6. Etappe des E11-Fernwegs von Caputh nach Potsdam gelaufen.

Dieser Weg ist durchaus lohnenswert, sowohl landschaftlich als auch in Bezug auf Bier! Caputh ist schon mal ganz hübsch - es gibt dort ein kleinen Schlösschen. Weiterhin befindet sich dort ein ehemaliges Sommerhaus von Albert Einstein. Der Wanderweg (auf dieser Etappe übrigens fast überall hervorragend ausgeschildert) führt direkt daran vorbei.

Nach Caputh führt die Strecke dann meist durch den Wald bzw. am Templiner See vorbei. Wir hatten uns den Dienstag für unsere Wanderung ausgeguckt, und an diesem Tag ist leider das Forsthaus Templin mit großem Biergarten nicht geöffnet. Wir wussten das vorher, konnten aber nur den Dienstag einrichten.

Relativ schnell ist man dann in Potsdam, wo wir die Meierei besucht haben. Dort waren die Biere gut bis sehr gut. Ein Taster-Tray bestehend aus Hellem (ausgewogen mit dezenter Aromahopfennote), Weizen (wunderbar frisch, vollmundig und mit dezentem Nelkegeschmack), Potsdamer Weißen (schön milchsauer und frisch) sowie ein saisonales Spezialbier (Neumondbier, 5,9%, schön malzig, mir persönlich etwas zu süß aber dennoch gut) hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der Entscheid fiel bei mir danach aufs Weizen und auf eine Weiße, und die waren auch in größerer Menge beide sehr gut.

Das Essen war zwar nicht herausragend aber dennoch gut (solide klassische Brauhausküche). Wir haben beide ein leckeres Schnitzel mit Kartoffelsalat gegessen und sind am frühen Abend wohlgesättigt und mit ein paar leckeren Bierchen im Bauch zufrieden wieder heimgefahren.

Fazit: absolut lohnenswerte Strecke, gutes Essen und prima Bier! Gerne wieder!
Zuletzt geändert von Johnny H am Freitag 15. September 2017, 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg gesucht

#6

Beitrag von Berliner » Donnerstag 14. September 2017, 15:02

Dass man wie in Templin Dienstags vor verschlossenen Türen steht, ist eher ungewöhnlich.
Wir haben uns aufgrund wiederholter schlechter Erfahrungen darauf geeinigt, eine Brandenburg-Tour niemals Montags zu beginnen. Selbst Hotels und Pensionen nehmen manchmal Montags keine Gäste auf, und Gaststätten sind fast komplett zu. Rainald Grebe hat zumindest bezüglich des Wochenanfangs Recht: "nimm dir Essen mit, wir fahr'n nach Brandenburg" - und pack auch ein Bier ein.
Gruß vom Berliner

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Re: Bierwandertipps für das nördliche Berlin und angrenzendes Brandenburg

#7

Beitrag von Johnny H » Sonntag 12. August 2018, 09:58

Johnny H hat geschrieben:
Montag 28. August 2017, 16:55
2) Der 66-Seen-Weg rund um Berlin
Als Teil dieses Wanderwegs (Teile von Etappe 7 und 8) sind wir gestern von Erkner über Fangschleuse nach Hangeldorf gelaufen und haben dort die Regionalbahn für das letzte Stück nach Fürstenwalde genommen.

Erkner ist u.a. dafür bekannt, dass dort die Wiege des Kunststoffzeitalters stand. Vor etwas über 100 Jahren entwickelte Leo Hendrik Baekeland dort den Werkstoff Bakelit. Dieses Phenolharz war der erste industriell gefertigte vollsynthetische Kunststoff. In Erkner werden auch heute noch Phenolharze produziert, und zu DDR-Zeiten wurden dort die Gießharze für Trabant-Karosserien hergestellt.

Der Wanderweg führt die meiste Zeit durch das Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet und damit durch den Wald. Auf dem ersten Teil der Strecke in den Nähe des Wupatzsees haben wir uns trotz GPS-Route und Kennzeichnung (blauer Punkt auf weißem Grund) ein wenig vertan, aber später wurde es dann besser. Oft läuft man an der Löcknitz entlang, die sich in dem Gebiet in mehrere ruhig fließende Seiten- und Nebenarme aufspaltet, und man überquert diese auch mehrfach. Der Wald ist ruhig, und neben den in Brandenburg üblichen Birken und Kiefern sind auch erstaunlich viele Eichen zu sehen. An einer Stelle führt der Weg über eine Schafweide. Eine wirklich schöne Waldgegend!

Für die Strecke von Erkner bis nach Hangelsdorf haben wir etwa 4 1/2 Stunden gebraucht, wovon wir die letzten 4,5 km ein wenig hetzen mussten, weil die Regionalbahn nur 1x pro Stunde fährt. Dieser letzte Teil der Strecke ist auch landschaftlich etwas weniger interessant: der Waldweg ist schnurgerade.

In Fürstenwalde waren wir dann im kleinen aber gemütlichen Zunfthaus 383. Dort wird das Fürstenwalder Rathausbräu sowie Radeberger und Krusovice Dunkel ausgeschenkt. Das Rathausbräu ist eine Art Helles, hat mir aber nicht besonders gut geschmeckt. Es hätte durchaus noch ein paar mehr IBUs vertragen können und hatte m.E. auch Alterungsnoten. Meine Wahl danach fiel auf das Krusovice Dunkel. Das war eher ein Fehler, denn davon habe ich die Hälfte stehen lassen: wässrig, sprittig, metallisch!

Das Essen war aber recht gut: für mich gab es ein saftiges Schnitzel mit Pfifferlingen, und für meine Liebste Matjeshering mit Bratkartoffeln. Beides lecker!

Wir waren dann leider zu spät dran und auch zu müde für das kleine Brauereimuseum, wo m.W. auch das Rathausbier gebraut wird. Mit Regionalbahn und S-Bahn waren wir dann in etwa 30 Minuten ab Fürstenwalde wieder zuhause in Friedrichshagen.

Fazit: die Wanderstrecke durch das Naturschutzgebiet und den Wald ist sehr schön, das Essen war gut, das Bier fand ich leider nicht so toll.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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