Trübe Würze = Pale Ale Malz

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Erlenmeyer
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Trübe Würze = Pale Ale Malz

#1

Beitrag von Erlenmeyer » Donnerstag 16. Januar 2020, 19:19

Hallo,

seit einer Woche wurmt mich ein Sud, der von der Läuterwürze bis zum Jungbier nur trüb war bzw. ist. Es sollte ein banales "Trinkbier" werden, etwa ein Kölsch mit Geschmack oder ein Pale Ale oder sonst was obergäriges helles. Die Schüttung bestand ausschließlich aus Pale Ale Malz (PAM). Die Schrotung, Maischeführung, Hopfung und Kochung war "hundsgewöhnlich" und technisch unauffällig, Standard eben.

Beim Läutern ging es los: zunächst mehrmals vorschießen lassen, dann nochmal und doch nochmal, die Brühe wurde auch nach 30 Minuten nicht klarer. Langsam abgeläutert (2 Stunden) und die Nebelsuppe 90 Minuten gekocht. Die Hoffnung, daß hier eine zumindest teilweise Klärung stattfindet, erfüllte sich nicht.

Das Jungbier ist mittlerweile von der Hefe und befindet sich in der Kaltreifung. Das Ergebnis steht noch nicht fest und dennoch habe ich es gefunden. In einem Protokoll von 2013, ein SNPA, hatte ich unter "Auffälligkeiten" notiert: trübe Kochwürze, trübes Jungbier, Schüttung hier 98% PAM. In einem Protokoll zu einem Amarillo-Pale-Ale aus 2015 steht "Schaum sehr gut, jedoch opaleszent". Schüttungsanteil PAM 50%. Das Bier wird also trüb bleiben, ob es schmeckt oder nicht.

Hier im Forum stolperte ich über Martins bewunderswerte Versuchsreihe Eiweißtrübung und verschiedene Klärungsmitel (thread "Bierklärungsexperiment") und über den ersten Hinweis von Moritz (Braujunge) in Antwort 2. Den Vogel schoss wie fast immer Oli ab mit seinen großartigen Beiträgen zu Maris Otter und PAM im Vergleich zu Pilsner Malz. Vielen Dank.

Die Lehre: PAM kann Eiweißtrübungen in der Würze und im fertigen Bier hervorrufen, muß es aber nicht. Und da meine PAMe allesamt von Weyermann waren und hier Problemmalze von IREKS und Best genannt wurden, gehe ich davon aus, daß die Natur die Mälzereien ein wenig an der Nase herumführt und wir Hobbybrauer aufgrund unseres Nichtwissens allenfalls geringe Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Trübe Grüße

Hans

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#2

Beitrag von Birra_Barracuda » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:10

Sehr interessant. Mir ist gerade das gleiche mit 90% Pale 10% CaraPils passiert. 2 Wochen bei 0°C haben auch nicht geholfen...
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marsabba
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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#3

Beitrag von marsabba » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:27

Hallo,

ich habe seit obigem Thread die Finger vom PaleAle Malz gelassen und hatte seitdem Null Komma Null Probleme mit trübem Bier...

Martin

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Sura
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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#4

Beitrag von Sura » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:39

Da ich das Problem garnicht kenne.... wie sind denn die Calciumwerte und der Maische-pH gewesen?
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Erlenmeyer
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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#5

Beitrag von Erlenmeyer » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:55

Maische pH 5,3
Ca 10 mg/l

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#6

Beitrag von afri » Donnerstag 16. Januar 2020, 21:44

Neugierig gefragt: was genau ist schlimm an trüben Bieren, sollten sie gut schmecken? Ich selbst habe auch gern glanzfeine Biere im Glas, aber wenn sie es nicht sind, finde ich das absolut in Ordnung, wenn es sich um ein anständiges Bier handelt, das gut schmeckt und gut riecht.

Meine sind nach einem Jahr üblicherweise glanzfein (wenn man die Hefe nicht mit einschenkt), aber manchmal eben auch nicht. Ich kann gut damit leben, wenn mein Bier trüb ist, nicht aber wenn es unlecker ist (was zum Glück nicht so oft vorkommt).
Achim
Bier ist ein Stück Lebenskraft!

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#7

Beitrag von Birra_Barracuda » Donnerstag 16. Januar 2020, 22:10

Geschmacklich ist meins gut geworden. Ich hatte erst die neue Hefe in Verdacht.
Aber wenns dann doch Eiweiß sein sollte, trink ich eben eins von diesen "Kraftbieren", die jetzt in aller Munde sind (hehe)
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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#8

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Donnerstag 16. Januar 2020, 22:30

Erlenmeyer hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 19:19
die Nebelsuppe 90 Minuten gekocht. Die Hoffnung, daß hier eine zumindest teilweise Klärung stattfindet, erfüllte sich nicht.
Wäre noch hilfreich zu wissen was nach dem Kochen passiert ist. Hast du:
1. Nach Whirlpool heiss abgelassen oder
2. In der Pfanne abgekühlt und dann abgelassen?

Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#9

Beitrag von Sura » Donnerstag 16. Januar 2020, 22:53

Ich würde hier ganz einfach auf zu wenig Calcium tippen. Die Enzymatische Aktivität von Pale Ale ist manchmal auch etwas geringer als Pilsener. Sollte natürlich immer noch reichen. Der pH war eigentlich auch im besten Bereich. Trotzdem finde ich das Calcium weit unter dem was Allgemein empfohlen wird. (>50ppm)

edit:
Zusatzfrage: Hast du eine Eiweissrast gemacht? Wenn ja, wie lange?
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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#10

Beitrag von Erlenmeyer » Donnerstag 16. Januar 2020, 22:57

2. Mit dem Spiralkühler abgekühlt, den Liebig-Kühler und den Plattenkühler hab ich ausgemustert, bin halt "old-school".

... was genau ist schlimm an trüben Bieren ...

Mit dem Einwand habe ich gerechnet. Eine trübe Läuterwürze ist schlicht und ergreifend fehlerhaft, was auch immer der Grund ist. Und aus dem bug ein feature machen, das ist mir zu einfach.

Ganz nebenbei ist ein Bier, das klar sein soll, für mich nicht in Ordnung, wenn es trüb ist. Aber die Diskussion, was den Hobbybrauer glücklich oder unglücklich macht, ist müßig. Bier - so heißt es - wird´s immer. :Drink

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#11

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Donnerstag 16. Januar 2020, 23:05

Sind beim Kochen diese typischen großen Proteinflocken in der Würze rum geschwommen?
Falls nicht hat der Maische-pH vielleicht doch nicht gestimmt. Waren 5,3 "nur" errechnet oder auch gemessen? Nicht, dass dir bei den beiden Suden das Wasserwerk einen Streich gespielt hat.
Das Best Pale Malz benutze ich von Anfang an und hatte nie Probleme damit. Oder richtiger gesagt: Ich hatte damals, vor dem Beginn der Wasseraufbereitung, oft Probleme mit trüben Bieren, weil der Maische-pH oft viel zu hoch war. Aber das mit allen Basismalzen.
Seit der Maische pH stimmt habe ich beim Kochen diese großen Proteinflocken und keine Trübungsprobleme mehr.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Interesse an Flüssighefen ... ?

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#12

Beitrag von Erlenmeyer » Donnerstag 16. Januar 2020, 23:11

Ich würde hier ganz einfach auf zu wenig Calcium tippen.
Gut gemeinter Tipp. Nur habe ich mit meinem "Bügelwasser", das aus dem Wasserhahn kommt, mit keinem anderen Malz ein derartiges Problem gehabt. Oder andersrum: Hätte ich mit einer Calciumchloridzugabe beim Einmaischen das Problem mit PAM umgangen?

Dazu fehlt mir mein Brauerglaube.

Zur EW-Rast: eingemaischt bei 61°C, 10 Minuten fallen gelassen auf 57°C dann auf 63°C für 40 Minuten usw.

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Re: Trübe Würze = Pale Ale Malz

#13

Beitrag von Sura » Freitag 17. Januar 2020, 07:18

Naja, das ist jetzt nicht so ganz der sinnvolle Bereich einer Eiweissrast. Die Maltoserast finde ich etwas zu niedrig angesetzt, siehe die Diskussion über VKT. Hier ist natürlich auch irgendwo die Frage, welches Malz genommen wurde. Da gibt es deutliche Unterschiede.

Und mit dem Glauben ist das natürlich dir überlassen, aber da sich die Diskussion hier um dein Problem dreht und welche Gründe es haben kann, wird dir "Glauben" nicht wirklich weiterhelfen.
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