Schaumbildung fast nicht da

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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Rooney
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Schaumbildung fast nicht da

#1

Beitrag von Rooney » Donnerstag 21. Mai 2020, 11:14

Hallo,
ich habe zum ersten Mal einen Sud aufgesetzt. Ich habe folgende Zutaten verwendet:

Malz: Brewferm Pils 900g
Hopfen: Hallertau Hersbrucker 11,43g / Irish Moos 1g
Hefe: Saflager S-189 3g

Das Rezept habe ich einmal empfohlen bekommen für den Anfang. Ich habe in der Zwischenzeit auch nachgelesen, dass die Hefe wahrlich nicht wirklich optimal für den Anfang ist. Die Rezeptur soll 5 Liter Bier ergeben.

Das Bier ist nach der Reife fertig. Ich habe gestern die erste Flasche geöffnet und das Bier wirft beim eingießen sehr viele Blasen. Der Schaum baut sich auf und fällt binnen weniger Sekunden wieder zusammen.
Ich habe das Ganze mit einem Einkochautomaten gebraut.

Meine Frage ist für die Zukunft, welche Braufehler ich hier begangen habe?
Ist schon sehr deprimierend, wenn man nach der ganzen Zeit so ein Erzeugnis hat.
Gibt es auch irgendwo Rezepturen für Anfänger? Das nächste Mal möchte ich gerne ein obergäriges Bier brauen.

Ich bin über jeden Tipp und Hilfe dankbar.

bwanapombe
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#2

Beitrag von bwanapombe » Donnerstag 21. Mai 2020, 11:39

Hallo Rooney,

das "Malz" kenne ich nicht. Deshalb sage ich zum Brauprozeß mal nichts. Schwacher Schaum kann aber auch schon von der Reinigung der Behälter, einschließlich des Trinkglases kommen.

Fett und Spülmittel sind tödlich, das dürfte allgemein bekannt sein. Beim Maischebrauen hilft oft der Zusatz von Weizenmalz oder Haferflocken.

Ob schwacher Schaum jetzt typisch für Extraktbrauen, weiß ich nicht, wie gesagt mangels Erfahrung.

Dirk
Stay thirsty!

Rooney
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#3

Beitrag von Rooney » Donnerstag 21. Mai 2020, 11:45

Hi,
danke für die Rückmeldung.
Ich würde die Reinigung einmal als Ursache ausschließen. Ich habe die Flaschen gewaschen, anschließend noch einmal abgekocht.

Der Tipp mit dem Weizenmalz und den Haferflocken finde ich sehr interessant. Ich habe das beschriebene Rezept in einer Literatur gefunden. Hier wurde beim Maischen Maisflocken hinzugefügt. Erzeugen diese einen ähnlichen Effekt wie Haferflocken oder Weizenmalz?

integrator
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#4

Beitrag von integrator » Donnerstag 21. Mai 2020, 11:59

Da du dein Brauvorgang nicht beschrieben hast kann man auch nicht klären ob du Fehler gemacht hast.
Ich würde bei groben und schnell zerfallen Schaum aber nicht deprimiert sein. Auch wenn das Auge mittrinkt ist es wichtig das es schmeckt.
Wenn mehr Schaum gewünscht ist kann man auch Spitzmalz nehmen.
Ich :Drink du ... läuft.

Unbewegter Beweger
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#5

Beitrag von Unbewegter Beweger » Donnerstag 21. Mai 2020, 12:08

Hi Rooney,
Mais bringt eher eine gewisse Süße mit ins Bier.
Für Schaum kannst du wie oben beschrieben Spitzmalz oder Rohfrucht (also unvermähltes Getreide) nehmen. Ich würde aber statt Haferflocken lieber Gerstenflocken nehmen, weil die einen geringeren Fettanteil haben.
Am Ende können deine Schaumprobleme von allen möglichen Dingen kommen. Wenn du deinen Prozess nicht ausführlich beschreibst, wird man dir nicht spezifisch helfen können.
Liebe Grüße, Sven

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#6

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 21. Mai 2020, 12:11

...und als Tip um bei kommenden Suden Problemen vorzubeugen, du hast das Irish Moss ziemlich hoch dosiert (das kann auch mal zu Gärproblemen führen).
Als Faustregel gilt 0,1g Irish Moss pro Liter Würze. Ich gehe aber nicht davon aus, dass du aus 900g Malz 10L Würze produziert hast, sondern eher 5L.

Schaumstabilität kann an SEHR vielen Faktoren hängen. Von den Proteinen und Fetten der verwendeten Getreide und Malze über das gefahrene Maische- und Kochprogramm, bis hin zur Karbonisierung, Lagertemperatur und schlussendlich dem Reinigungsmittel der Gläser.

Zu den meisten der genannten Aspekte äußerst du dich noch nicht.

Du fragst nach Maisflocken. Diese haben oftmals einen deutlich höheren Fettgehalt, als andere Getreidearten. Dies hat einen schaumnegativen Effekt. Weizen und Hafer sind bekannt für den erhöhten Proteingehalt, aber gerade bei letzterem sollte man bei den Inhaltsstoffen den Fettgehalt überprüfen.
Neben alternativen Getreidearten kannst du die Schüttungsstellschraube auch durch Caramalze drehen.

Ich würde dir jetzt allerdings nicht dazu raten, dieses Rezept weiter zu verfeinern. Es ist gerade für ein Einsteiger nicht besonders einfach untergärig zu vergären und gute Resultate zu erhalten - außer natürlich du steigst sofort mit temperaturkontrollierter Gärführung (bis runter auf 8°C) ein.
Meine Empfehlung wäre, einfach mit erprobten anfängerfreundlicheren Rezepten zu arbeiten. Dafür hat Maischemalzundmehr eine ganze Kategorie: https://www.maischemalzundmehr.de/index ... uche=Suche

Beste Grüße,
Alex
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#7

Beitrag von fff » Donnerstag 21. Mai 2020, 13:53

Ich habe immer einen deutlichen Unterschied, zwischen 3 Wochen Kaltlagerung und 8 Wochen Kaltlagerung - je länger, je besser ist auch der Schaum.

Eines der größeren Probleme ist aber auch der Klarspüler aus der Spülmaschine, in der Gastronomie wird für Gläser kein Klarspüler verwendet.

Grüße
Kurt

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#8

Beitrag von AxelS » Donnerstag 21. Mai 2020, 15:58

Rooney hat geschrieben:
Donnerstag 21. Mai 2020, 11:14

Gibt es auch irgendwo Rezepturen für Anfänger? Das nächste Mal möchte ich gerne ein obergäriges Bier brauen.
Hallo Rooney,

guck doch mal bei den einschlägigen Händlern (brauen.de, hopfen&mehr, ...) nach einem Starterset, bestehend aus einer geschroteten Malzmischung, einem Beutel Hefe und Hopfen. Alles ist richtig portioniert und der Erfolg damit auf jeden Fall trinkbar. Ich habe damit zu Anfang jedenfalls sehr gute Ergebnisse erziehlt. Diese Startersets sind sehr gut geeignet, sich mit dem Brauvorgang als solches zu beschäftigen. Wenn man dann ein paar Sude durch hat, geht es dann ans fine-tuning... (und ans Equipment-kaufen :Wink )

:Drink
Axel
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#9

Beitrag von Juergen_Mueller » Donnerstag 21. Mai 2020, 18:30

Hallo Rooney,

vorab, ich bin selber noch Einsteiger und habe etwa 12 Sude hinter mir.
Dein Problem hatte ich bei meinem ersten Sud ebenfalls. Ich habe es damals auf eine unzureichende Abtrennung des Heißtrubs von der Anstellwürze geschoben. Ich hatte einen großen Teil dieses Schmodders mit in die Gärflasche gegeben um die empfohlene Standhöhe der Würze zu erreichen. Beim Hopfenkochen war deutlich mehr Wasser verdampft, als ich erwartet hatte. Damals hatte ich noch nicht die Ausschlagmenge gemessen/berechnet.
Seit dieser Enttäuschung achte ich jetzt penibel auf eine saubere Trennung und habe seitdem echt tolle Schäume, beim Hefeweizen auch ohne den Einsatz von Caramalzen.

Gruß
Jürgen

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#10

Beitrag von SaltCityBrew » Donnerstag 21. Mai 2020, 18:56

Hallo Rooney,
wie du dein Schaumproblem beschreibst kommt mir bekannt vor. Frage: Was bedeutet bei dir "nach der Reife fertig "??
Dein Bier sollte min. 6 bis 8 Wochen bei ca. 5°C reifen (untergärig). So mache ich es. Wenn das Bier nicht ausreichent lange und kalt gelagert wird, kommt es zumindest bei mir immer zu dem von dir genannten Phänomen: Viele große Blasen die zu grobporigem Schaum werden, welcher schnell zusammenfällt. Dies ist meine persönliche Erfahrung. Ob du evtl Fehler beim Brauen gemacht hast wird dir wohl niemand beantworten können, da du deinen Brauprozess nicht weiter erläutert hast.
Gruß, Dennis
"Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken"
(Martin Luther)

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#11

Beitrag von schwarzwaldbrauer » Donnerstag 21. Mai 2020, 22:50

Hallo Rooney,
die Diskussion hat schon auf einige Spuren geführt. Hier eine weitere:
Ein ähnliches Schaumproblem hatte ich bei einem ug Hellen, das ich bei 55° eingemaischt und bei 57° dann 10 Minuten gerastet habe.
Seither maische ich bei 60° ein. Dann fällt die Temperatur auf ca. 56°, der Einkocher ist auf voller Leistung und heizt in geringsmöglicher Zeit auf die nächste Zieltemperatur.
Grüßle Dieter
Brau, schau wem.

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#12

Beitrag von sebschilling » Freitag 22. Mai 2020, 11:35

Also ich hatte bisher auch immer Schaumprobleme bei meinen Bieren. Seit ich das Irish Moss weglasse, hat sich das erheblich gebessert. Man braucht dann zwar etwas mehr Geduld, bis sich das Bier von selbst klärt, aber es lohnt sich, wie ich finde...

Rooney
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#13

Beitrag von Rooney » Freitag 22. Mai 2020, 16:34

Hallo,
vielen Dank für die ganzen Tipps.
:thumbsup

Ich habe nach den Angaben des Rezeptes gebraut.

Einmaischen bei 70°C
Maltoserast 67°C (60 min)
Abmaischen bei 75°C

Die Würze habe ich bei 85°C gekocht. Hier habe ich zu Beginn 2/3 des Hopfens beigefügt und den Rest dann 15 Minuten vor Ende.
Danach habe ich es schnell runtergekühlt auf unter 20°C. Die Gärung war bei ca. 12°C.

Geschmacklich ist es okay, aber es ist nicht der gewünschte Erfolg.

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Re: Schaumbildung fast nicht da

#14

Beitrag von Unbewegter Beweger » Freitag 22. Mai 2020, 16:38

Hallo Rooney,
ich habe jetzt nichts weiter beizutragen, aber dein Wasser kocht sicherlich nicht bei 85 Grad, oder :Wink

Rooney
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Re: Schaumbildung fast nicht da

#15

Beitrag von Rooney » Montag 25. Mai 2020, 10:07

Hallo,

Oh man, ja wie gesagt habe stumpf nach Rezept gearbeitet :Ahh
Da standen halt diese 85°C.

Wäre ich vorab einmal auf das Forum aufmerksam geworden. Bin etwas naiv an das Ganze herangetreten merke ich wohl.

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