Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

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Bronkhorst
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Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#1

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 11. Januar 2018, 17:06

Hallo liebe Hobbybrauer!

Ich plane ein Pils nach dem Vorbild eines Rothaus Tannenzäpfle zu brauen.

Ich werde 90% Pima und 10% Wiema schütten.
Bittern mit Perle und Aroma mit Tettnanger.
Ziel sind 12,4°P und 32IBU. Vergärgrad, scheinbar ~79%.

Ich bin mir nur unsicher, wie ich die Hopfengaben gestalte, sprich Anzahl und Aufteilung der Hopfenmenge.
Ziel ist eben ein schön aromatisches Bier mit der Intensität wie die Pilsner von Rothaus, oder aber auch Schönramer etc.
Ich möchte aber auch keine Hopfen Bombe im Sinne eines PA oder gar IPA.
Ich nutze Tettnanger zum ersten Mal und habe keine Ahnung wie intensiv der ist.

Vielleicht hat ja einer von euch gute Erfahrungen mit einem Pilsner Hopfenschema gemacht?!

Danke euch im voraus!

Jens

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chaos-black
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#2

Beitrag von chaos-black » Samstag 13. Januar 2018, 17:32

Um deinen Thread nochmal nach oben zu bringen - ich würde die Hopfengaben gut verteilen, das unterstützt komplexere Bittere und Aromen. 1/3 bei Kochbeginn, 1/3 ca 20-30min vor Kochbeginn und 1/3 in den letzten 5-10min. Angenommen du kochst 90min würde ich das z.B. so machen:
Eine Gabe Bitterhopfen bei Würzebruch (oder Aromahopfen in die Vorderwürze). Das ist das erste Drittel an IBU.
Eine Gabe Aromahopfen 30min vor Kochende, eine weitere 20min vor Kochende. Das ist zusammengenommen das zweite Drittel an IBU.
Eine Gabe Aromahopfen 10min vor Kochende, eine weitere 5 min vor Kochende. Die sind dann gemeinsam das letzte Drittel.

Dabei aber nicht vergessen, dass ich keins der Beispielbiere kenne.

Beste Grüße,
Alex

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t3k
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#3

Beitrag von t3k » Sonntag 14. Januar 2018, 12:16

Für solche Fälle würde ich immer die Kombination aus:

1) Infos von www.hopfen-der-Welt.de
Und 2) den Rezeptkalkulator von müggeland verwenden:
https://brauerei.mueggelland.de/rezeptkalkulator.html

1) gibt die die Infos über den Hopfen und die zu erwartenden Aromen
2) hat für viele hopfen den Anteil an Ölen hinterlegt und zeigt die in % an von welcher Hopfengabe du wieviel Aroma u wieviel Bittere erzeugst.

Das hilft mir zumindest immer wenn ich Hopfengaben ausknobele ;)

Cheers
T3K

SandraB
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#4

Beitrag von SandraB » Donnerstag 18. Januar 2018, 14:23

Hallo!

Ich habe mich zwar auch noch nicht an einem Bier in Tannenzäpfle-Art versucht, jedoch habe ich mich dazu schon mal belesen.
Die Brauerei selbst benutzt ja zweihäusigen Hopfen und größtenteils Aromahopfen.
Deshalb wäre ich sehr vorsichtig mit dem Bitterhopfen, damit sich die Mühe des Brauens auch auszahlt und das Ergebnis nicht zu bitter schmeckt :)

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#5

Beitrag von danieldee » Donnerstag 18. Januar 2018, 14:42

Hallo,

der Tettnanger hat halt schon ein ziemlich großen Eigengeschmack der nicht gerade üblich ist für ein Pils.
Geht bisl in die süßliche Richtung meiner Meinung nach.

Die Spalter Hopfen, Hersbrucker, Perle etc sind super Pilshopfen.

Klassische Hopfengaben werden so nach den IBUs aufgeteilt 50/20/30 jeweils zu Kochbeginn, letztes Drittel, kurz vor Flameout.

Das gibt eine harmonische Bittere.

Gruß Daniel
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#6

Beitrag von graf_drakeli » Mittwoch 24. Januar 2018, 22:45

ich bin persönlich bin ein großer Tettnangerfreund. Wir haben hier eine Privatbrauerei, die mit Tettnanger bei ihrem Pils arbeiten. Dadurch kam ich auf den Geschmack. Süßlich finde ich den nun überhaupt nicht, hat aber in der Tat einen eigenen Geschmack, der ein damit gebrautes Pils doch vom klassischem Standardpils postiv abhebt. Habe vor kurzem ein Pils mit überwiegend Tettnanger gebraut und auch überwiegend mit diesem gebittert. Erste Gabe komplett 90 Minuten mitgekocht. Kommt im Bekanntenkreis überall gut an.

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#7

Beitrag von Alt-Phex » Donnerstag 25. Januar 2018, 02:25

Also ich habe mal gelernt das man 70/30 aufteilt für ein harmonisches Hopfenaroma. Also 70% Bitterung und 30% Aromahopfung für die letzten 5-10min.

Bei Bieren wo ich das so angewandt habe hat das auch immer gut gepasst.
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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#8

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:12

Vielen Dank für eure Antworten, ich hatte schon gar nicht mehr an den Tröt gedacht!
Das hilft mir schon weiter.

Das Tannenzäpfle soll in erster Linie mit Tettnanger gehopft sein. Wenn dem so ist, mag ich diesen Hopfen und finde auch, dass er positiv heraus sticht.

Ich würde dann in etwa so vorgehen:
90' kochen
75' Perle 50% IBU
30' Perle (ggf. zusätzlich Tettnanger) 20% IBU
10' Tettnanger
0' Tettnanger zusammen mit der 10' Gabe 30% IBU

Was meint ihr dazu?

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#9

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:35

Das meiste davon find ich in Ordnung, nur ergibt die 75' Perle Gabe nicht so viel Sinn finde ich. Die Bittergabe kann man schon direkt nach Würzebruch (also bei 90') machen, das meiste Aroma davon wird ja eh verkocht. Dann sparst du dir vlt ein paar Gramm :D

Beste Grüße,
Alex

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#10

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:55

Der Würzebruch findet doch erst nach ca. 10-15' statt und nicht direkt zu Beginn des Kochens.

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#11

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 12:58

Ich zähle meine Kochzeit immer erst ab Würzebruch, dachte das muss so für die richtige IBU Berechnung?
Vielleicht kann ja ma einer der Profis was dazu sagen.

Beste Grüße,
Alex

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#12

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:46

Ne, die Isomerisierung der Alphasäure beginnt min ab 80°C, deswegen macht man die Whirlpoolhopfung auch bei <80°C, damit eben nicht mehr Bittere entsteht.

Jens
Zuletzt geändert von Bronkhorst am Donnerstag 25. Januar 2018, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#13

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:49

Das ist mir bewusst, aber wenn ich mich nicht täusche findet die Isomerisierung bei höheren Temperaturen schneller statt und beeinflusst dementsprechend die Kalkulation. Schmeisst du deinen Bitterhopfen also immer schon beim Aufheizen rein und lässt den Timer für Kochen ab dann zählen? Spricht ja nichts gegen Vorderwürzehopfung, aber Kochbeginn ist das in meinen Augen nicht.

Beste Grüße,
Alex

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#14

Beitrag von Bronkhorst » Donnerstag 25. Januar 2018, 14:56

Nein, ich habe von Whirlpoolhopfung und nicht Vorderwürzhopfung gesprochen.

Ich zähle den Beginn der Kochzeit sobald es anfängt zu Wallen. Warte also wie oben beschrieben 15' und gebe den Bitter hopfen dazu. Der meines Wissens dem Würzebruch sogar förderlich sein soll.

Jens

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#15

Beitrag von Boludo » Donnerstag 25. Januar 2018, 15:50

Es ist doch für die Berechnung vollkommen egal, wann der Hopfen zur Bitterung genau zugegeben wird. Nach 70 Minuten kochen passiert doch eh kaum noch was.
Und dass mit den 10% Abzug bei Vorderwürzehopfung ist auch so eine Sache. Die Berechnung ist dermaßen ungenau, dass es da auch nicht mehr drauf ankommt.
Die Tinseth Formel wurde übrigens mit Dolden gemacht, das ist dann auch noch mal was anderes als Pellets.
Ich glaube, die meisten würden sich ganz schön wundern, wenn sie ihre penibel errechneten Bittereinheiten mal nachmessen lassen würden.

Stefan

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Re: Welches Hopfenschema für ein aromatisches Pils?

#16

Beitrag von Blancblue » Donnerstag 25. Januar 2018, 18:45

Boludo hat geschrieben:
Donnerstag 25. Januar 2018, 15:50
Ich glaube, die meisten würden sich ganz schön wundern, wenn sie ihre penibel errechneten Bittereinheiten mal nachmessen lassen würden.
Eben - vor allem wenn man mit Aromahopfen arbeitet, gibts ordentliche Schwankungen. Und dann schmecken trotz gleicher IBU Zahl die Hopfen auch noch unterschiedlich bitter.... Ich finde dieses PDF von Adrian Forster immer wieder sehr lesenswert zu dem Thema (und Hopfen allgemein:

http://www.deutscher-hopfen.de/contents ... 202009.pdf
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.

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