NEIPA-Version des Lervig SUPERSONIC

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Rattertat
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NEIPA-Version des Lervig SUPERSONIC

#1

Beitrag von Rattertat » Donnerstag 4. Februar 2021, 11:41

Hallo zusammen,

ich plane meinen dritten Sud. Und jetzt soll es die erste Iteration des Bieres werden, das mich im Endeffekt überhaupt erst zum Brauen gebracht hat. Ich liebe das Supersonic von Lervig. Extrem hopfig, viel Citra, angenehmer Körper, angenehm bitter.
Ich habe es schon sehr oft getrunken und fand es immer gut, dachte mir aber bereits ein paar mal: Genau das, aber samtiger, runder, noch weniger bitter. Sprich: Eine NEIPA-Version von genau diesem Bier (ist ja ein DDH Imperial IPA), wäre für mich absolut perfekt.

Ich habe leider bisher kein vernünftig wirkendes Clone-Rezept gefunden, das ich als Anhaltspunkt nehmen könnte. (Wenn jemand eins kennt: gerne verlinken)

Was ich aber weiß sind einige Rahmendaten. In der Schüttung sind Golden Promise, Hafer und Weizen. Der Hopfen ist nicht ausschließlich Citra, sondern auch Enigma, Amarillo und Simcoe. Es wird aber als "more than double hopped with citra" beworben. Als Hefe ist die Vermont Ale WLP4000 im Einsatz. ABV hat es 8,5%, die IBU liegen bei 35 und die OG bei 19°Plato. Das sind die Werte, die ich online gefunden habe - ich hatte persönlich den Eindruck, dass es bitterer ist.

Ich habe in Beersmith bereits ein bisschen rumgespielt aber das ist noch nicht wirklich final, da sich mir da noch einige Fragen stellen. Ich denke es macht Sinn, dass ich zunächst die offenen Punkte kläre, bevor ich ein konkretes Rezept poste.

Ich schieße mal los...

1. Die Hefe. Kann mir jemand sagen, wo ich die WLP4000 bekommen kann? In deutschen Shops finde ich Sie nicht, Maltmiller scheint nicht nach Deutschland zu liefern und ein polnischer online Shop hat beim Checkout gestockt und wirkte daher mittel-seriös. :Wink

2. Hefeersatz. Ich hoffe ich bekomme die Hefe, wäre doof hier direkt einen Kompromiss zu machen, aber falls nicht: Sind die Juice (Imperial Yeast A38) oder die London Ale III (Wyeast 1318) ein adäquater Ersatz? Die Vermont Ale Hefe soll einen Steinfruchtgeschmack reinbringen, der super passt. Die Hefe soll zur haziness beitragen und vor allem fruchtige Geschmäcker, möglichst Richtung Pfirsich oder Mango, einbringen...

3. Schüttung und Maischen. Ich will gerne auf viel Körper gehen und doch auch einiges an Restsüße drinbehalten (ich dachte sogar zuerst an Lactose, aber das wird vielleicht die zweite Iteration). Ich dachte da grob an sowas wie 60-65% Golden Promise, 15% Weizenmalz, 15% Haferflocken, 5-10% Carahell und Kombirast bei 69°C mit dem Ziel eine OG von 19° Plato zu erreichen. Es wird oft von Anteilen der Schüttung gesprochen. Bei der Stammwürze kommen aber schon ein paar Kilo Schüttung zusammen (über 8kg für 20l) - ist da die absolute Menge der Haferflocken vielleicht kritisch? Sollte ich reduzieren? Ich will maximum Körper und Haze, aber funktionieren soll es ja dennoch. :Wink Gebraut wird mit BIAB.
Wie viel Cara gibt mir eine spürbare Restsüße, die aber noch ausgewogen ist in Anbetracht der massiven Hopfung?

Ich habe Null Erfahrung mit IPAs, Double IPAs oder NEIPAs (bin ja allgemein Anfänger beim brauen). Das Bier soll durch Hopfung und Trockenhopfung wirklich massiv nach Hopfen riechen und schmecken. Citra soll durchaus die Hauptrolle spielen aber die anderen Hopfen sollen zumindest im Geschmack, wenn schon nicht im Aroma, auch ihren Teil beitragen und zumindest nicht vollständig untergehen. Die Frage ist im Grunde immer: Wie viel ist zu viel? Wie mische ich die Hopfen, so dass ich erreiche was ich will?

Ich bin mir hier absolut unsicher, wie ich welchen Hopfen in welcher Menge einsetzen soll und würde mich sehr über Hilfe / Erfahrungswerte freuen!

Die Hopfengaben im Heißbereich sollen denke ich kurz vor Kochende (5 Minuten?) und im Whirlpool (<80°C? Hopstand bei 70°C? Dauer?) erfolgen, um auf Aroma zu setzen ohne zu viel Bittere zu bekommen. Gestopft werden soll dann massiv. So viel wie geht ohne dass es Hop Burn oder andere negative Folgen gibt. Aber welche Menge das wiederum ist, ist auch fraglich. Ich habe teilweise von Mengen von bis zu 37g/l gelesen (hier) aber das scheint wirklich extrem.

Ohne Ahnung zu haben, wäre meine erste die Idee die folgende: Ich dachte mir, dass ich Citra, Amarillo, Enigma und Simcoe alle auch im Heißbereich nutze, Citra hier aber eher untergeordnet (z. B. im Verhältnis 1:2:2:2 sowohl für's Kochen als auch im Whirlpool) und dass ich die Whirlpool-Menge höher ansetze, als die Kochmenge (z. B. 1,5:1). Da läge ich dann für z. B. 30 IBU bei einer Gesamtmenge von etwa 110g Hopfen zum Kochen und 165g im Hopstand bei 70°C.
Stopfen würde ich dann entweder ausschließlich mit Citra oder auch wieder mit einer Mischung. Ich würde da wie gesagt gerne sehr sehr hoch gehen, will aber natürlich keinen Burn. Ein Bier mit >8% ABV und einer ordentlichen Stammwürze, mit einiger Restsüße kann aber denke ich gut was vertragen. Kann ich da auf insgesamt 20g/l gehen oder ist das zu viel? Z. B. 150g für 10 Tage (Gabe bei Hochkräusen) und 250g für 5 Tage?

4. Anteile der Hopfensorten. Ich habe die Hopfen alle schon getrunken aber keinen davon (außer Citra im Cider) bisher genutzt. Ich kann nicht einschätzen, welcher wie intensiv ist und wie ich diese am besten mische. Ich weiß nur z. B., dass Citra sehr dominant ist. Ohne Erfahrung bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als alle Hopfen im gleichen Verhältnis einzusetzen, aber das ist vielleicht nicht das beste. Kann mir hier jemand helfen? (Als Beispiel: Mir würden Aussagen wie "Nimm mehr Enigma, der geht sonst unter! Doppelt so viel wie Simcoe!" sehr helfen) Gibt es dafür Anhaltspunkte? Mischen anhand von Alpha-Werten oder anderer Hopfen-Werte wie Öl-Anteil oder ähnliches?

5. Hopfenmengen. Es soll viel werden, es soll massiv werden aber es soll machbar bleiben. Setup ist wie gesagt BIAB und vergärt wird im Fermzilla. Komme ich mit ~275g im Topf und <=400g im Fermenter klar oder ist das zum Scheitern verurteilt? :Bigsmile

6. Kochdauer. Wenn ich den Hopfen nur 5 Minuten koche und ich es hazy will - koche ich dennoch 60 Minuten (wegen DMS oder aus anderen Gründen)? Oder kürzer?

7. Wasser. Man liest immer wieder, wie wichtig das Wasser für NEIPA ist und, dass Chlorid zur Vollmundigkeit beiträgt. Sind Werte von 100ppm SO4 und 150ppm Cl erstrebenswert? Oder sollte ich beim Chlorid noch höher gehen? Mein Ausgangswasser hat folgende Werte: Ca 67,5; Mg 4,3; Na 22,4; Cl 32,8; SO4 53,7. Durch Zugabe von 2,7g CaSO4, 5,2g CaCl und 2,3g NaCl könnte ich die Chlorid- und Sulfatwerte erreichen. Calcium läge dann bei 130ppm und Natrium bei 49,5ppm. Ist das okay oder sollte ich mit destilliertem Wasser verschneiden um die Werte besser anzupassen?

Ouh, ich glaube das war viel Text - ich hoffe dennoch, dass jemand Lust hat, sich das durchzulesen und würde mich freuen, wenn Ihr mir bei dem einen oder anderen Punkt weiterhelft. Vielen lieben Dank! :Drink

/edit: Punkt 1 und 2 haben sich im Grunde erledigt: Der Malt Miller liefert wieder und ich hab die WLP4000 bestellt.

rgimlo
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Re: NEIPA-Version des Lervig SUPERSONIC

#2

Beitrag von rgimlo » Sonntag 7. Februar 2021, 10:51

Moin moin,

was die Brauerfahrung angeht (Anzahl der Sude), bin ich auf einem ähnlichen Level.
Ich kann auch nicht so viel dazu beisteuern, aber ich fand es irgendwie schade, dass hier noch keine Antwort kam. Mich hätten die Vorschläge auch interessiert.
Also gib ich mal mein bestes dazu und es wird von Dritten korrigiert ^^

Also erst einmal: Das Bier kenne ich leider nicht. Von daher habe ich hier kein Anhaltspunkt. Vllt. postest du doch schon dein Vorab-Rezept. Dann gibt es da etwas mehr Diskussionsgrundlage?!

Zu 1-2) Immer wenn ich jetzt was über UK höre/lese, geht es um das Ganze Logistikchaos zwischen UK/EU. Bin gespannt, wann deine Hefe ankommt und ob sie zwischendurch nicht durchgefroren ist.
Ohne Dein edit hätte ich die Wyeasr 1318 vorgeschlagen. Die wird auch als "fruchtig" beschrieben und hat einen etwas niedrigeren Endvergärungsgrad. Das müsste ja deiner Idee entgegenkommen. Denn: Du möchtest das Rezept ja abwandeln und nicht 1:1 kopieren.

Zu 3) Also ich habe nun für mein Bier 10 % Carahell verwendet und hatte mehr erwartet. Das ist natürlich immer ein Zusammenspiel aller Faktoren, aber ich glaube, dass du mit 10 % nicht über das Ziel hinausschießt.
Ich habe noch nie BIAB gebraut, aber ich gehe davon aus, dass die Menge kein Problem ist, solange Du genug Wasser auf dein Malz geben kannst. Bei einem Verhältnis von 2.5 wird das ja dann ziemlich knapp. Wenn alles in den Topf passt, würde ich es versuchen. Ich kann mir aber vorstellen, dass die SHA/Efficiency mit so 'ner Pampe runtergeht.

Gegenfrage: Möchtest du denn die 19 ° Plato wirklich erreichen oder (Um es milder zu gestalten), da zumindest ein Stück runtergehen?

Hopfenmenge: 37 g/l wirkt wirklich etwas viel. Bei vielen Rezepten, die davon reden, extrem fruchtig zu sein, sehe ich so 7-8 g/l. Vielleicht startest du da einfach mit 10 g/l.

Wenn du komplett die Bittere bei 5 min vor dem Kochende einstellst, musst du aber sehr exakt mit der Dauer zum runterkühlen sein. Anonsten schießt Dir die Bitterkeit sehr schnell zu hoch oder zu niedrig. Das ist für Reproduzierbarkeit natürlich die Hölle.
Ich würde es zumindest halb/halb auf 30 min und 5 min aufteilen.
Die Whirlpool-Gabe bei 70 °C steuert ja theoretisch nichts oder sehr sehr wenig zu den IBUs bei.

zu 4) Auch dazu kann ich leider nichts fundiertes Beitragen. Wenn Citra ohnehin eine dominante Sorte ist, kannst du bestimmt auch beim Stopfen grob alle Hopfensorten zu gleichen Teilen einsetzen. Rein rechnerisch geht man ja beim Stopfen und Whirlpool nach dem Öl-Anteil (nicht die alpha-Werte).

zu 5) Beim Fermzilla kannst du die Feststoffe vor dem Abfüllen abscheiden? Dann sollte es ja keine Probleme bereiten. Das wirst du wohl nur mehr als einmal machen müssen.

zu 6) Ich würde die 60 min schon einhalten.

zu 7) Ich habe bei den Werten jetzt keine Ahnung, was die Restalkalität angeht. Ich glaube das reicht schon fast vollkommen aus. Ich würde höchstens noch den Chloridwert einstellen aber nicht auch noch das Sulfat. Bei 19 °Plato kommt von beiden ohnehin ohne Ende was ins Wasser.
Je nach Restalkalität, erwartetem pH würde ich ohnehin mit destilliertem Wasser verschneiden.

So, zu allem habe ich jetzt meine Meinung geschrieben, aber gerne höre auch ich mir die Kommentare der erfahreneren Brauer an :thumbup

Viele Grüße (auch aus dem jetzt verschneiten Münster),
rgimlo

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hopfenbär
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Re: NEIPA-Version des Lervig SUPERSONIC

#3

Beitrag von hopfenbär » Sonntag 7. Februar 2021, 11:19

Hi,

habe das Bier ein paar mal getrunken, aber kann mich nicht mehr genau erinnnern, hatte es aber ganz gut in Erinnerung.

1 Hefe: Die WLP4000 sollte die Conan Hefe sein... ImperialYeast 04_Barbarian ebenfalls, Lallmand "New England" ist eine getrocknete Variante davon.

3 Maischen: Ich würde die Restsüße nicht über Carahell einstellen, sondern eher mit dem Maischprogramm. Nocht etwas leichter machst du es dir wenn du eine Hefe nimmst die grundsätzlich etwas niedriger vergärt. Z.b die VerdantAle / LondonAle III / ImperialYeast Juice.

4 / 5 Hopfen: Wie füllst du den aus dem Fermzilla ab? Vergärst du unter Druck? Wenn du deine Version samtiger und weniger bitter willst würde ich keinesfalls mit 37g/l stopfen. Würde im WP 4-5g/l machen und beim stopfen max 10g/l.
Würde dir empfehlen ca. 4Tage zu Stopfen, nach dem 2-3ten den ColdCrash auf 0°C starten. War bei mir der größte Faktor gegen Hopburn.

Wenn du die einzelen Hopfen nicht einschätzen kannst, wird es schwer bewusst einen Mix zu erstellen. Würde über ein Single Hop IPA nachdenken. Z.b. Citra, wenn dir dann was fehlt braust dus nochmal und veränderst etwas. Ansonsten mach einfach 60/40 Citra/Simcoe ;-)

6: Trotzdem 60Minuten.

7: Am wichtigsten ist die Restalkalität, bzw der PH Wert beim Maischen.
Solum duri in hortum veniunt.

Vorstellung im alten Forum http://tinyurl.com/gob2p5g

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