Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

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Gewidder - Barmbek
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Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#1

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Mittwoch 3. Juni 2020, 17:24

Hallo zusammen,
ich habe unseren Weck-Einkochtopf in einen HLT (Hot Liquor Tank) umgebaut, um diesen für eine HERMS-Anlage nutzen zu können. Gerne möchte ich die Schritte und das Ergebnis mit Euch teilen.

Vorüberlegungen:
Bisher haben wir hauptsächlich in einem großen Kochtopf gebraut, der mittels Induktionskochplatte geheizt wurde, um die einzelnen Rasten zu fahren. Der Einkocher wurde nur genutzt, um den Nachguss (NG) zu erhitzen und vorzuhalten.

Zuletzt ist eine Ss Brewtech InfuSsion MashTun (https://www.ssbrewtech.com/collections/ ... n-mash-tun) hinzugekommen, so dass wir auch im Infusions-Verfahren gebraut haben. Dieses vorhandene Equipment bietet sich für den Aufbau eines 3-Kessel-HERMS an. Daher war die Überlegung, den Einkocher mit so wenigen Eingriffen wie möglich umzubauen, um auch weiterhin noch alle unsere Maischverfahren (direkte Erhitzung der Maische im Topf und Infusions-Verfahren) zu ermöglichen.

Des Weiteren haben wir nur eine Pumpe (https://www.blichmannengineering.com/ri ... -pump.html), so dass ich auf eine Whirlpool-Umwälzung im HLT verzichtet habe, um nicht noch eine zweite Pumpe anschaffen zu müssen.

Übersicht:
So sehen die Einzelteile aus:
01_Gesamtansicht - 2.JPG
Gesamtansicht
zu 1: An der rechten Seite des HLT, auf Höhe der Griffe (hier nicht im Bild) wird eine Tauchhülse für ein Thermometer eingesetzt. Das System besteht aus einer 50 mm Tauchhülse mit 1/2‘‘ Gewinde (https://www.amazon.de/gp/product/B07DXF ... UTF8&psc=1), einer Unterlegscheibe, einer Silikonflachdichtung und einer Mutter mit Silikonring-Dichtung (https://store.brewpi.com/mashing/kettle ... ut-1-2-bsp). Das Besondere an der letztgenannten Mutter ist die gefräste Nut auf der Innenseite der Mutter. Hierdurch wird der Silikonring umschlossen und dichtet beim Festziehen sehr gut ab. Man muss auch keine Sorgen haben, dass man durch zu festes Anziehen den Silikonring beschädigt oder dieser verrutscht. Ich habe im Vorwege mehrere Systeme ausprobiert und keines war richtig dicht. Dieses System kann ich aber guten Gewissens empfehlen.

zu 2: Das „Herzstück“ des HLT – die Edelstahlspirale. Durch diese Spirale fließt später die Maische und nimmt die Temperatur des Wassers im HLT an (Funktion eines Wärmetauschers). Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie man die Spirale durch die Wand des Topfes führen kann, ohne dass das ganze leckt. Häufig werden Kompressions-Verschraubungen verwendet. Wirklich überzeugt hat mich dies aber nicht. Ich bin dann bei brewpi.com auf die von mir verwendete Spirale gestoßen (https://store.brewpi.com/mashing/herms- ... 0cm-v2-bsp). Anfänglich war ich mir unsicher, ob die Verschraubungen auch komplett dicht werden, da ich mit anderen Systemen schon schlechte Erfahrungen gesammelt hatte. Um das Geld nicht zum Fenster rauszuschmeißen, habe ich mir daher zunächst den Bulkhead Fitting (siehe unten zu 3) bestellt, um zu testen, ob das System auch wirklich dicht ist. Dies war zum Glück der Fall!

zu 3: Der ursprüngliche Plastikhahn des Einkochtopfes wurde durch ein 1/2‘‘ Edelstahl-Kugelhahn mit Camlock-Fitting ersetzt. Verschraubt wird dieser Hahn mit einem Bulkhead-Fitting (https://store.brewpi.com/mashing/kettle ... it-1-2-bsp).

zu 4: Dies ist der Eingang in die HERMS-Spirale. Dieser erhält ebenfalls einen 1/2‘‘ Edelstahl-Kugelhahn nebst Camlock-Fitting.

zu 5: Am Ausgang der HERMS-Spirale sitzt der zweite Temperaturfühler. Hierzu wird eine 30 mm Tauchhülse mit 1/2‘‘ Gewinde (https://www.amazon.de/gp/product/B07DXN ... =UTF8&th=1) in ein 1/2‘‘ Edelstahl-T-Stück verschraubt. Der Abschluss bildet wieder ein Camlock-Fitting. Grundsätzlich könnte man hier auch eine 50 mm Tauchhülse verwenden (vielleicht mache ich das auch noch). Dann lässt sich die Tauchhülse jedoch nur in die „lange“ Seite des T-Stücks einschrauben. Mit einer 30 mm Tauchhülse ist man etwas flexibler.

Das fertige Ergebnis sieht so aus:
02_Außenansicht.jpg
Außenansicht
03_Innenansicht.jpg
Innenansicht
Die Maische fließt durch den unteren Eingang der HERMS-Spirale, zirkuliert in dieser und nimmt die Temperatur des Wassers im HLT an. Danach fließt die Maische am oberen Ende wieder heraus und wird zurück in die MashTun geführt. Im Betrieb muss der HLT zwei Aufgaben erfüllen. Zum einen muss der Hauptguss (HG) erwärmt werden. Hierfür ist es zweckmäßig, dass die Temperatur im HLT erfasst wird. Während der Zirkulation interessiert mich aber allein die Temperatur am Ausgang der HERMS-Spirale. An dieser Stelle dürfte jedoch keine präzise Messung der Temperatur des Wassers im HLT möglich sein, so dass der HG nicht zuverlässig auf Temperatur gebracht werden könnte, wenn ich nur hier messen würde. Es sind also zwei Messpunkte notwendig. Wie auf den Fotos gut zu sehen, kann der Temperaturfühler (siehe hierzu auch unten zum Thema „Temperatursteuerung“) in die jeweils benötigte Position umgesteckt werden.

Zusammenbau und Werkzeug:

Folgende Werkzeuge werden benötigt:
- Bohrmaschine
- HSS Bohrer
- Stufenbohrer (ggf. bis 22 mm)
- optional: Blechlocher 22 mm
- Schraubenschlüssel (32 mm für HERMS-Spirale)
- verstellbarer Schraubenschlüssel (verschiedene Weiten für Kugelhähne, Camlocks, Tauchhülsen)
- Teflontape

Der Zusammenbau ist relativ simpel und dürfte auch für Menschen ohne handwerkliches Geschick möglich sein. Insgesamt müssen 3 Löcher mit 22 mm Durchmesser gebohrt werden. Hierfür zunächst mit einem kleinen Metallbohrer (2 bis 3 mm) vorbohren und dann in 2 bis 3 mm Schritten größere Bohrer verwenden. Ab ca. 8 bis 10 mm Lochdurchmesser kann auf den Stufenbohrer oder wahlweise den Blechlocher umgestiegen werden. Sind die Löcher erst gebohrt, gibt es keinen Weg mehr zurück. Danach müssen die einzelnen Anschlüsse noch verschraubt werden. Hier ist bei der HERMS-Spirale besonders wichtig, mit einem 32 mm Maulschlüssel von der Innenseite des Topfes gegenzuhalten, wenn man auf der Außenseite die Mutter anschraubt. Edelstahl ist zwar relativ stabil, aber mit zu großem Zug würde man die HERMS-Spirale beschädigen. Die Gewinde noch ordentlich mit Teflontape umwickeln und dann ist auch alles garantiert dicht!

Temperatursteuerung:

Der Sinn und Zweck einer HERMS-Anlage ist die Maische auf eine bestimmte Temperatur zu bringen und sie dort zu halten. Ohne anständige Temperatursteuerung wäre eine solche Anlage somit witzlos. Der im Einkocher eingebaute Thermostat ist hierfür nicht zu gebrauchen. Die Genauigkeit kann man wahrscheinlich mit einer Temperaturmessung durch „Handauflegen“ vergleichen.

Ich habe mir daher folgende Steuerbox gebastelt:
04_Steuerbox - 1.JPG
Steuerbox
Im Wesentlichen sind in der Box zwei Inkbird PID ITC-100VH verbaut. Der mit „HLT“ bezeichnete PID steuert über ein Solid-State-Relay (SSR) eine Steckdose. Dies bedeutet, dass Strom nur fließt, wenn die eingestellte Zieltemperatur unterschritten wird. An die Steckdose wird der HLT angeschlossen, so dass dieser heizt, sobald die Steckdose mit Strom versorgt wird. Der mit „Mash“ bezeichnete PID ist nur mit einem Temperaturfühler verbunden, übernimmt also keine Steuerfunktion. Faktisch ist es damit nur ein Display, um die Temperatur des Temperaturfühlers anzuzeigen.
Als Temperaturfühler habe ich einen Kabelfühler (https://www.sensorshop24.de/kabelfuehle ... messer-6mm) und einen Einschraubtemperaturfühler (https://www.sensorshop24.de/einschraubt ... -2-gewinde) verwendet. Damit das Ganze portabel und flexibel ist, sind die Kabel mit XLR-Steckern verlötet, die mit den entsprechenden XLR-Buchsen in der Box verbunden werden können. Der Kabelfühler wird – je nach Bedarf – in die beiden Tauchhülsen im HLT gesteckt und misst entweder die Wassertemperatur im HLT (für die Erhitzung des HG und NG) oder die Maischetemperatur am Ausgang der HERMS-Spirale (während des Maischens). Für den Einschraubtemperaturfühler habe ich mich entschieden, da dieser eine 30 cm lange Metallspitze hat. Diesen Temperaturfühler nutze ich somit als einfaches Thermometer, z.B. in der MashTun.

Falls Interesse an dem „Innenleben“ der Steuerungsbox besteht, kann ich hiervon auch gerne Fotos posten.

Disclaimer: Ich bin mit keinem Anbieter der oben verwendeten Links geschäftlich oder privat verbunden. Die Links habe ich nur deshalb gepostet, da die Produkte mich persönlich überzeugt haben.

Viele Grüße :Drink
Lutz

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#2

Beitrag von Braufex » Mittwoch 3. Juni 2020, 19:57

Servus Lutz,
schaut sehr sauber und durchdacht aus :thumbup
Natürlich hätte ich erstens gerne einen Blick in die Steuerbox geworfen und zweitens evtl. auf die komplette Anlage, in die der Einkoch-HLT integriert ist.

Gruß Erwin

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#3

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Sonntag 7. Juni 2020, 15:33

Moin Erwin,

zunächst vielen Dank für das Kompliment! Einige Teile für die Gesamtanlage befinden sich noch auf dem Postwege von China nach Hamburg. Die Fotos des kompletten Setups werde ich noch einmal nachliefern. Gerne kann ich Dir meine Steuerbox im Detail vorstellen.

Hier zunächst einmal ein paar Detailbilder:
Steuerbox - Detail 1.jpg
Steuerbox - Detail 2.jpg
Steuerbox - Detail 3.jpg
Steuerbox - Detail 4.jpg
Steuerbox - Detail 5.jpg
Zum Aufbau:

Im unteren Bereich der Box sitzen die beiden XLR-Buchsen, an die die Temperaturfühler angeschlossen werden. Die Lötstellen habe ich zum Schutz noch mit Schrumpfschläuchen überzogen. Die PT100-Fühler sind in der Regel 3-adrig (zwei rote und eine schwarze Leitung).

Von dem Stromkabel werden Phase (braun) und Neutralleiter (blau) aufgesplittet und die beiden PID in Reihe geschaltet mit 230V versorgt. Die Erde (gelb/grün; auf den Fotos schlecht erkennbar) wird direkt an den Ausgang weitergeführt. Die Phase wird nach der Verteilerklemme zum SSR geführt und von dort weiter zum Ausgang. Der Neutralleiter wird – nach der Verteilerklemme – direkt zum Ausgang weitergeführt. Vom HLT-PID gehen noch zwei „Steuerleitungen“ zum SSR.

Wird die im HLT-PID eingestellte SOLL-Temperatur unterschritten (Modus: Heizen) schickt der HLT-PID ein Signal zum SSR, so dass der Kontakt geschlossen wird. Die Phase ist damit gebrückt und es fließt der Strom vom Eingang zum Ausgang. Wird die SOLL-Temperatur erreicht bzw. überschritten, steuert der HLT-PID erneut das SSR an und die Phase wird unterbrochen, so dass der Strom am Ausgang ausgeht. So kann der am Ausgang angeschlossene HLT präzise gesteuert werden.

Zur Veranschaulichung nachfolgendes Schema:
Steuerbox - Schema.jpg

Ich hoffe, dass ich die (Elektro)ingenieure in diesem Forum mit meiner etwas vereinfachten Darstellung und der (ggf.) falschen / fehlenden Verwendung von Fachausdrücken nicht zu sehr auf die Palme gebracht habe :redhead Allerdings eignet sich Windows Paint nicht wirklich zum Gestalten von Schaltplänen und ich würde mir auch nicht anmaßen nur annähernd zu verstehen, wie genau ein PID und SSR funktioniert. Bevor jemand diese Steuerbox nachbaut, sollte er sich vielleicht Rat von jemandem „vom Fach“ holen und zumindest die Leitungen alle mit einem Multimeter auf richtige Verdrahtung durchmessen, bevor die Box das erste Mal angeschlossen wird.

Viele Grüße,
Lutz

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#4

Beitrag von JackFrost » Sonntag 7. Juni 2020, 19:53

Gewidder - Barmbek hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2020, 15:33

Im unteren Bereich der Box sitzen die beiden XLR-Buchsen, an die die Temperaturfühler angeschlossen werden. Die Lötstellen habe ich zum Schutz noch mit Schrumpfschläuchen überzogen. Die PT100-Fühler sind in der Regel 3-adrig (zwei rote und eine schwarze Leitung).
Die gibt es 2-,3- und 4-Leiter Ausführung. Normal sind die beiden Farben weiss und rot, aber die gleichen Farben sind immer an der selben Seite.
4-Leiter kann man bei 3-Leiter einfach anschließen in dem man einen weissen oder einen roten nicht anschließt und den dann isoliert.
Wenn man hier den überschüssigen Draht parallel zum dritten anschließt wird eine zu hohe Temperatur gemessen!

2-Leiter geht auch, dann muss man halt eine Brücke setzen und hat nicht die Kompensation der Leitungslänge. Die gemessene Temperatur ist immer zu hoch. Oder man die Brücke hat die doppelte Länge wie die Kabellänge zum Sensor, dann passt es in etwa.

Wenn man also den "falschen" Sensor hat oder der eine nicht lieferbar ist, dann kann man sich leicht helfen. 4-Leiter ist dann aber besser als 3-Leiter.

Vorteil vom einem analogen Sensor wie dem PT100 ist, das man kann ganz einfach mit einem 100R Widerstand und einem 100R Poti einen Simulator bauen und schauen ob noch alles schaltet.

So ist die Steuerung schön gemacht. Wenn man eine Hutschiene drinnen hat kann man auch Reihenklemmen nehmen. Hat den Vorteil das bei der PE-Klemme gleich die Schiene mit geerdet wird. An die letzte kommt dann noch eine Abdeckung und gut ist.

Gruß JackFrost
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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#5

Beitrag von Braufex » Sonntag 7. Juni 2020, 21:48

Hallo Lutz,
danke für die Bilder und die gute, einfache Erklärung :thumbup
Hab jetzt sogar ich, als nicht-Elektriker, verstanden :Pulpfiction
Freu mich auf weitere Bilder der Gesamt-Anlage, wenn Sie angekommen und aufgebaut ist.
Werd mir zwar keine Herms-Anlage bauen, sowas ist aber immer interessant.

Gruß Erwin :Drink

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#6

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Montag 8. Juni 2020, 00:06

@JackFrost:

Das mit den Farben der PT100 Sonde ist natürlich richtig, meine Beschreibung bezog sich auf die von mir verwendeten Kabel zwischen XLR Buchse und PID. Dafür hatte das Baumarktregal rot und schwarz hergegeben :Wink

Reihenklemmen hatte ich auch kurz angedacht. Wäre dann sicherlich noch aufgeräumter in der Box. Für den Anfang wollte ich es aber etwas simpler halten und hatte mich daher für einfache Wago-Klemmen entschieden. Beim nächsten Projekt würde ich aber wohl auch zu den Reihenklemmen tendieren...

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#7

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Montag 8. Juni 2020, 11:43

@JackFrost (bzw. auch andere Fachkundige):

Dein Hinweis darauf, dass die Reihenklemmen auch gleichzeitig zum Erden der DIN-Schiene führen würden, hat mir zu Denken gegeben. Bisher wird bei mir die Erde ja komplett durch die Box vom Eingang bis zum Ausgang geführt, ohne dass Teile in der Box geerdet sind. Die PID haben schlichtweg auch keinen Anschluss für die Erde und in den mir bekannten Dokumentationen wird ein solcher Anschluss auch nicht vorgenommen :Grübel

Ich könnte allerdings problemlos von der Verteilerklemme-Erde eine Erde zur DIN-Schiene führen. Dies würde in der Visualisierung dann so aussehen:

Steuerbox - Detail 4 - mit zusätzlicher Erde.jpg

Wäre dies sinnvoll?

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#8

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Mittwoch 10. Juni 2020, 14:24

Moin, moin,

das Schöne an unserem Hobby ist ja, dass man jeden Tag dazulernt und man immer etwas verbessern kann!

Ich habe die Steuerbox im Hinblick auf die Betriebssicherheit noch etwas optimiert. Dadurch wird das Ganze zwar etwas unübersichtlicher, aber „safety first“!
Steuerbox - Detail 6.jpg
Bisher hatte ich die Erde komplett durch die Box durchgeführt. Dies hat dazu geführt, dass die Box selbst nicht geerdet war. Da diese Plastikboxen nicht leitfähig sind, dürfte dies relativ „risikoarm“ sein. Allerdings habe ich die DIN-Hutschiene geerdet. Zwar würde ich die Box nie öffnen, wenn sie an den Strom angeschlossen ist, aber schaden tut das erden der DIN-Hutschiene sicherlich nicht.

Entscheidender sind hier eher die XLR-Buchsen. Diese habe ein Gehäuse aus Metall und man fasst sie von außen an, auch dann, wenn Strom angeschlossen ist. Die XLR-Buchsen sind allerding nur mit dem „Low Voltage“ Bereich verbunden, so dass ich zunächst auch kein größeres Risiko gesehen habe. Sollte sich aber mal ein Kabel in der Box lösen oder es zu einer anderen Fehlfunktion kommen, würde eine Erdung der XLR-Buchsen eine erhöhte Sicherheit bringen. Daher habe ich beide XLR-Buchsen geerdet.

Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist der Aufbau eines „High Voltage“- und eines „Low Voltage“-Kreises. Die PID können entweder mit 230V oder 24V/12V angeschlossen werden. Sie verbrauchen relativ wenig Strom (im 24V/12V AC Betrieb gerade einmal 4VA), daher ist ein Anschluss an 230V unnötig. Der Anschluss an 230V ist allerdings einfacher, da man hier nur das Eingangsstromkabel aufsplitten muss. Ich habe jetzt aber nachträglich einen Transformator (230V auf 24V/12V mit insgesamt 10VA) eingebaut. Dadurch werden die PID lediglich mit 24V angeschlossen, welches die Risiken gefährlicher Stromschläge weiter minimiert.

Wie gesagt, etwas unübersichtlicher ist es trotzdem geworden. Anbei daher noch einmal ein überarbeitetes Schema:
Steuerbox - Schema - neu.jpg
Wenn Ihr noch Verbesserungsvorschläge / Kritik / Feedback habt, lasst es mich gerne wissen!

Viele Grüße,
Lutz

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#9

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Montag 15. Juni 2020, 10:31

Moin Erwin,

hier die versprochenen Bilder der Gesamtanlage. Die Bilder stammen vom Testlauf mit Leitungswasser. Die Anlage funktioniert aber so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Nichts leckt und über die Steuerbox lässt sich die Temperatur gut regeln. Auch die Zirkulation von der MashTun durch die HERMS-Spirale funktioniert einwandfrei! :thumbsup
HLT-Setup 1.jpg
HLT-Setup 2.jpg
HLT-Setup 3.jpg
HLT-Setup 4.jpg
HLT-Setup 5.jpg
Viele Grüße,
Lutz

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#10

Beitrag von TMT2018 » Montag 15. Juni 2020, 10:37

Ja sehr geil. Habe vor meine Einkocher auch als electric BIAB-System umzubauen.
Allerdings nicht als "Bag" sondern als "Basked" (Edelstahlkorb).
Als Steuerbox wird Deine Box Pate stehen :)
MFG Torben

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#11

Beitrag von Braufex » Montag 15. Juni 2020, 21:40

Servus Lutz,
danke für die Bilder, sieht gut aus. :thumbup
Ich wünsch Dir viel Erfolg bei Deinem ersten Brautag mit Deiner neuen HERMS-Anlage :Drink
Gruß Erwin

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#12

Beitrag von NordBrau » Freitag 24. Juli 2020, 19:20

Moin Lutz, ich finde du hast eine sehr schöne Idee und diese gut umgesetzt.
Ich habe neulich, ich weiß nicht mehr genau wo, gelesen,
dass es sinnvoll ist die Würze von oben nach unten durch den Hermscoil zu treiben. Laut Erklärung wird die Reibung verringert und es findet eine bessere Wärmeübertragung statt. Ich suche den link bei Gelegenheit mal raus.

Edit:
Hier ist der Link:
https://www.brewpi.com/what-is-ideal-he ... periments/

Lieben Gruß Yannick
Zuletzt geändert von NordBrau am Freitag 24. Juli 2020, 20:05, insgesamt 1-mal geändert.
:Drink :Mad2 :Pulpfiction :thumbsup :Fight

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#13

Beitrag von crafthardware » Freitag 24. Juli 2020, 19:55

Hey Lutz sehr schönes System, gut gemacht!
NordBrau hat geschrieben:
Freitag 24. Juli 2020, 19:20
dass es sinnvoll ist die Würze von oben nach unten durch den Hermscoil zu treiben.
Ich finde, zumindest wenn man innerhalb des HLT nicht rezirkuliert, ist es besser, durch der Spirale von unten nach oben zu pumpen. Dies nutzt mögliche Temperatur Schichtung in der HLT aus.
RDWHAHB!

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#14

Beitrag von fff » Mittwoch 23. September 2020, 23:46

Hi Lutz,

mich würde interessieren ob Deine Steuerbox gut funktioniert?

Kühlkörper am SSR, aber in geschlossenem Gehäuse ist mein Punkt.
Ich habe mich damals für Relais entschieden da ich die Befürchtung hatte, dass in einem dichten Gehäuse der nicht vorhandene Luftaustausch zu thermischen Problemen führt.

Grüße
Kurt

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#15

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Donnerstag 24. September 2020, 10:12

Moin Kurt,

bis jetzt habe ich keine Probleme. Auch nach einigen Stunden Betrieb hält sich die Temperatur innerhalb der Box (nicht gemessen, aber händisch gefühlt) in Grenzen. Zu bedenken ist hier aber, dass sich in der Box nur ein SSR befindet und an diesem ein Weck Einkochautomat mit 1,8 kW angeschlossen ist. Sobald dieser auf Temperatur ist, hält er diese relativ konstant, so dass hier nicht ständig geschaltet werden muss. Wenn man an die Box allerdings eine Hendi Platte mit 3,5 kW anschließt, könnte dies aber anders aussehen. Ggf. müsste man einen kleinen PC Lüfter nachrüsten, was jedoch problemlos möglich seien dürfte, da ich in der Box ja bereits 24V AC liegen habe.

Viele Grüße
Lutz

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#16

Beitrag von JackFrost » Donnerstag 24. September 2020, 10:33

Ein SSR hat einen Spannungsverlust von maximal 2V was eine
Verlustleistung von 32W bei 16 A macht.

Einfach eine 30 W Glühbirne mitten in das Gehäuse und dann schauen wie warm es wird.

Gruß JackFrost
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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#17

Beitrag von fff » Donnerstag 24. September 2020, 11:18

Moin Lutz!

An die Belüftung hatte ich auch gedacht, aber dann ist die coole Box auch nicht mehr so richtig wasserabweisend.
Danke für die Info!

Grüße
Kurt

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#18

Beitrag von D00m1n0 » Sonntag 3. Januar 2021, 09:26

Moin!

Wie zufrieden bist du mit dem Einkocher als HLT? Ich habe auch vor das übergangsweise zu realisieren, und würde mich über einen kurzen Bericht freuen.

Danke!

Grüße

Marc

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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#19

Beitrag von Gewidder - Barmbek » Montag 4. Januar 2021, 19:03

Moin Marc,

ehrlich gesagt funktioniert es genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Steuerung mit dem Inkbird PID hält die Temperatur sehr gut und durch das HERMS und den isolierten Maischebottich kann ich die Temperatur während der Rasten gut einhalten (habe dies während des Maischevorgangs mit mehreren unterschiedlichen Thermometern an verschiedenen Stellen überprüft).

Fehlt mir Etwas?
- Der Topf hat keine Skala und durch die HERMS-Coil kann man auch nicht einfach das Zylindermaß ausrechnen. Ich werde mir hier noch mal was basteln müssen. Wahrscheinlich stelle ich den HLT mal auf eine Waage und bastele mir einen Zollstock mit einem Litermaß.

- Ich habe bisher auf einen Whirlpoolanschluss verzichtet, da m.E. die Temperaturverteilung innerhalb des relativ kleinen Volumens ausreichend gleichmäßig ist. Die Maische strömt ja kontinuierlich durch die HERMS-Coil und der Temperaturfühler sitzt am Ausgang der HERMS-Coil und es kommt mir ja darauf an, welche Temperatur hier anliegt. Der Whirlpool wäre aber in den Heizphasen sicherlich ein nice to have; wäre aber problemlos nachrüstbar (dann bräuchte man noch eine zweite Pumpe).

Würde ich etwas anders machen?
- Derzeit fällt mir nichts ein, was ich anders machen würde.

Gibt es Limitierungen?
Ich braue Sude in der 20 - 30 Liter Klasse. Da ich das Wasser aus dem HLT noch als NG verwende, würde man mit der Größe des Einkochers sehr schnell an die Grenzen stoßen, wenn man größere Sude brauen möchte. Für diesen Fall könnte man die HERMS-Coil und die Anschlüsse einfach in einen größeren Topf installieren und diesen entweder mit einer Heizspirale oder einer Induktionskochplatte beheizen.

Wenn Du noch konkrete Fragen hast, poste dies einfach oder schicke mir eine PN.

Viele Grüße
Lutz

D00m1n0
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Re: Umbau eines Einkochtopfes zu einem HLT für eine HERMS-Anlage

#20

Beitrag von D00m1n0 » Dienstag 5. Januar 2021, 20:36

Hallo Lutz,

Vielen Dank!

Ich bin durch einen Zufall an einen 34l Topf gekommen und habe mir gestern dafür die Ausrüstung zum HLT besorgt. Bei geplant 30-40l Ausschlag dann wohl auch die bessere Wahl.

Statt einer fest verbauten HERMS Coil werde ich erstmal mit einem Eintauchkühler arbeiten, da der HLT auch ab und an mal für BIAB Sude herhalten wird.

Grüße

Marc

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