Kalkulation eines Brauvorganges

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Bierfreund Maidbronn
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Kalkulation eines Brauvorganges

#1

Beitrag von Bierfreund Maidbronn » Freitag 8. Mai 2015, 01:59

Hallo Zusammen,

wen es interessiert kann sich gerne an dem "Tröd" beteiligen, es geht um die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung eines Bieres. Was sind Kosten, die anfallen? Bitte postet eure Erfahrungen ... und Kostenhinweise! Ich sammle gerne alle Hinweise und mache daraus im Endeffekt eine Aufstellung, mit der man "kalkulieren" kann.

Natürlich fallen mir zig Kostenarten ein, von Einkauf, bis Energie über abgelaufene Schuhsohlen ein, doch mich interessieren eure Erfahrungen im Hobbybrau Bereich!

Grüße Basti
Der wirtschaftswissenschaftliche Begriff ›Durchlaufposten‹ wird nirgendwo klarer als bei einem Kasten Bier...

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Alt-Phex
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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#2

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 8. Mai 2015, 02:49

Dir geht es ja primär um das kommerzielle Brauen.

Das ist gar nicht so einfach zu kalkulieren, denn das hängt von vielen Faktoren ab die man eigentlich erst
berechnen kann wenn man all die anderen Parameter kennt.

Miete, Nebenkosten, Strom, Energie, Abwasser, Abfall, Versicherungen, Lohnkosten, Steuern, Buchhaltung,
Steuerberater, Verbrauchsmaterial, Verschleissteile, Rücklagen für Reparaturen... usw.

Dazu kommen die Rohstoff-Kosten die je nach Rezept deutlich variieren können.
Ein 100% Pilsener Sud mit moderaten 25IBU und Bitter/Aroma Hopfen wird deutlich
günstiger sein als ein 60IBU IPA mit diversen Amihopfen und Stopforgie.

Zeit ist auch ein Kostenfaktor, wie lange muss dein Bier lagern bis es verkauft werden kann ?

Anschaffungskosten für die Brauanlage, die müssen prozentual auf den Liter Bier für x Jahre
aufgerechnet werden. Kann man kommerziell wiederrum von der Steuer abziehen.

Marketing und Vertrieb, eines der wichtigsten Kriterien, neben einer vernünftigen Buchhaltung
und Steuerberatung. Wenn man weder Grafikdesigner noch Steuerberater/BWLer ist, sollte man
diese Punkte Profis überlassen.

Rechne mal mit mind. 2,00 EUR / Liter Herstellungskosten und guck was dabei rauskommt.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Bierfreund Maidbronn
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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#3

Beitrag von Bierfreund Maidbronn » Freitag 8. Mai 2015, 03:42

Hallo Alt-Phex,

ich denke in einer Hobby-Brauerei sind 2€ je Lier eher eine positive Annahme ... inkl. aller Kosten ... eher mehr

im Profi Bereich gebe ich dir recht, je größer die Brauerei desto geringer der Hektoliter-Preis ...

Deswegen frage ich, was habt Ihr für Kosten je Sud ...
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Brauling
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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#4

Beitrag von Brauling » Freitag 8. Mai 2015, 08:38

Mhh, um eine genaue Berechnung aufzustellen musst halt auch ungefähr den monatlichen Absatz wissen um die laufenden Kosten auf den Liter umzurechnen.

Gehen wir mal von 300L/Monat für 3€/L aus.

Auf den Liter bezogen:
Umsatz: 3€

Wareneinsatz für ein P12 ohne stopfen etc.= 0,45€
Bierseuer (ermäßigt) = 0,06€
Energiekosten= 0,45€

Damit bin ich bei 2,04€ Brutto-Gewinn.

Das entspräche Netto (-30% Einkommenssteuer) grob 1,42€/L.

Auf 300L pro Monat werden dann noch die laufenden Kosten umgelegt:

IHK (aufgerundet) = 10€
Haftpflicht = 25€
Versicherung = 30€
andere lfd. Kosten = 50€

Laufende Kosten gesamt : 115€ /300 = 0,38€/L

Das wären dann ein Gewinn von 1,04€/L.


Meine Rechnung mag stümperhaft sein, aber ich habe versucht alles zu berücksichtigen was es zu berücksichtigen gibt.
Ich gehe allerdings davon aus, dass das ganze in den eigenen vier Wänden (Garage,Keller) stattfindet, so dass keine Miete anfällt.
Auch das Marketing habe ich Kostentechnisch außen vor gelassen , da ich mal behaupte dass eine Brauerei dieser "Größe" von Werbung durch Mundpropaganda lebt und bei passender Qualität ein Selbstläufer ist. Ein einfaches Marketing durch diverse soziale Medien und/oder einer einfachen Homepage ist denk ausreichend.
Auch die Kredittilgung habe ich nicht berücksichtigt, dass muss sich halt jeder selbst ausrechnen...

Wenn ich das ein oder andere vergessen hab (besonders bei den laufenden Betriebskosten) ergänzt bzw. berichtigt mich gerne. Die rechnung stellt nur meine eigene "kleine" Kalkulation dar, auf die ich keinerlei Gewähr gebe.

Für mich selbst kann ichs mir tatsächlich nur vorstellen ohne Miete und ohne Kredittilgung :Pulpfiction ... Muss ich wohl die Brauerei aus der Portotasche zahlen .. sind ja sowieso nur Peanuts :puzz

Greetz Andy

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#5

Beitrag von Malzwein » Freitag 8. Mai 2015, 09:59

Was ist mit:
  • Schwund (Kostproben, Verderben, Mißgeschicken, Fehlsude, im Haltbarkeitszeitfenster nicht abgesetzt)
  • Vertrieb (Transport ist teuer)
  • Wartung und Ersatzbeschaffungen (Fast nichts hält ewig)
  • Kühlung (ein erheblicher Kostenfaktor)
Dann bleiben - die Rechnung ungeprüft fortgesetzt - vielleicht 100€ für 4 Brautage auf einer 100l Anlage.

Annahmen wie "bei passender Qualität ein Selbstläufer" sind zwar wünschenswert, aber bar jeder Realität. Warum etwas läuft, kann viele Ursachen haben. Qualität steht da leider nicht unbedingt an erster Stelle. Allgemein ist das am Lebensmittelmarkt zu beobachten, bei "Craft-Bier" in und um Berlin kann ich das direkt erleben.
Gruß Matthias

Jep, Bier wird´s immer... meist auch trinkbar und manchmal ist es richtig gut! :P

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Brauling
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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#6

Beitrag von Brauling » Freitag 8. Mai 2015, 10:30

Stimmt Schwund etc. habe ich ignoriert :Bigsmile

Stimmt Vertrieb ist teuer, deswegen Verkauf nur ab Rampe.

Die Kühlung hatte ich eigentlich schon in die Energiekosten mit einberechnet:

Stromkosten für den Brauvorgang :
Maischen - 0,04 €
Kochen - 0,03 €
Kühlung (im Idealfall ein isolierter ZKT für 300L ) - 0,25 €
Wasser (großzügig 10L/1L Bier) - 0,10€

Sind Gesamt 0,43€ pro Liter Bier.
Wahrscheinlich sind dann zuvor kalkulierte 0,45€ etwas knapp... durch Kühlschränke und andere Elektrogeräte fallen bestimmt monatlich nochmal mindestens 30€ an, die umgelegt werden müssen.

Die Anlage muss natürlich dementsprechend ausgelegt sein. 4 mal im Monat zu brauen ist für ein Nebenerwerb schon sehr sportlich.

Die Sache mit dem Selbstläufer war natürlich etwas lapidar ausgedrückt... natürlich muss man sein Bier anpreisen, aber ich bin der Meinung, dass dafür im ländlichen Raum keine hohen Kosten entstehen.
Werbung kann über soziale Medien, kleinere Homepage, Zeitungsberichte oder Events geschehen ohne dass man einen hohen Kostenfaktor hat. Kommt halt immer drauf an wieviel Bier man verkaufen will, oder besser muss.

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Malzwein
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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#7

Beitrag von Malzwein » Freitag 8. Mai 2015, 10:57

Meine Külschränke im Keller (Zwei Standgeräte und ein Zapfkhülschrank) brauchen jeweils ca 0,5 Kwh am Tag. Neben Gärung und Kaltreifung sollte m.E. auch die Lagerung mit Kühlung bedient werden können. Zumindest Sommerhitze ist für mein Bier merklich nicht gut.

Für den Absatz ist es wichtig, ein Klientel zu finden. In Berlin z.B. gibt es genug "Hipster", die jede trübe Bierplörre für 10€/l für gut befinden. Die Mehrheit der Bevölkerung steht auf billig und "unbitter", die holt sich bekanntermaßen die Industrie.

Der Genießer, der sich ein paar mal im Monat eine Flasche gutes (und teures) Bier leistet ist ja grundsätzlich "unser" Kunde, aber wie viele gibt es und wie oft kommen die in einer ländlichen Region? Wo doch jetzt auch Atlantic Ale & Co für unter 2€/l im Getränkemarkt zu finden sind. Aber selbst eine Marktanalyse kann nur tendenziell Antworten geben. Vielleicht sind hochpreisige Hopfenbomben der Renner oder einfache und günstige Hausbiere im direkten Ausschank. Gut, wenn man dann zum Start nicht zu viel Kapital gebunden hat.
Gruß Matthias

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#8

Beitrag von prueegg » Freitag 8. Mai 2015, 11:15

Nicht zu vergessen sind die Gerätschaften.
Vieles kann man als initiale Anschaffung verstehen, aber wenn man diese extra dafür anschaffen muss, dann will man diese ja auch irgendwann amortisiert haben.

Einen gekühlte ZKT würde ich mir auf jeden Fall nicht so ohne weiteres "nur" für das Hobby leisten.

Dann braucht es vielleicht noch die eine oder andere Anpassung der Räumlichkeiten, damit man von wegen Hygiene die gesetzlichen Vorschriften einhält. Sowas braucht mal als Hobbybrauer nicht. Auch das würde ich gerne amortisiert wissen.

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#9

Beitrag von Hasebier » Freitag 8. Mai 2015, 20:44

Salute,

also wenn ich die Abschreibung mit einberechne, dann kommen da nochmal "locker" 11ct Abschreibung dazu pro Liter, d.h.

400,-/Jahr bei AK 2.400,- und 6 Jahren ND ... wobei die 2.400,- bei der Menge [3,6hl pro Jahr] noch untere Kante sein dürften

bezogen auf EUR 10.800 Umsatz (300x3x12) sind das 3,7% = EUR 0,11 pro Liter

Die Realität wird aber wohl höher liegen bei der (kleinen) Grösse ... schätze die Abschreibung so bei ca. EUR 0,20/Liter

Beste Grüsse
Hasebier
http://www.hasebier.de (aber auch bei'm zuckrigen fazebuch)

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#10

Beitrag von blub24 » Freitag 8. Mai 2015, 21:53

Brauling hat geschrieben: Ich gehe allerdings davon aus, dass das ganze in den eigenen vier Wänden (Garage,Keller) stattfindet, so dass keine Miete anfällt.
Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Lebensmittelaufsicht reagiert, wenn ich sie durch unsere Waschküche oder die Garage führe. :thumbdown

Grüße,

Nikolas
Der Geschmack der mich an den meisten Bieren stört ist der der fehlt.

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#11

Beitrag von Sto Lat » Freitag 8. Mai 2015, 22:19

Ich finde, du solltest Parameter vorgeben, damit es vergleichbar bleibt.
Main Equipment für die Hobbybrauerei rechne ich nicht für die Herstellung. Wenn ich folgende Parameter nehme:

- Strom
- Wasser
- Malz
- Hopfen
- Hefe
- Reinigungsmittel
- Desinfektionsmittel
- Neuinvestitionen (Verschleißteile, Flaschen)

und von allen diesen Ausgaben den Jahresdurchschnitt nehme, komme ich auf 1,50€/Liter was 75 Cent je Bier wären (basierend auf 12 Monate/2014, neuer BM50 nicht mitgerechnet). Aber selbst das Doppelte fände ich noch ok. Mein Bier ist einfach besser als das aus dem Kaufhaus. Für 75 Cent bekäme ich hierzulande nur Müll.
Wenn ich Miete oder Löhne zahlen müsste, wäre es einfach viel zu teuer.

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Re: Kalkulation eines Brauvorganges

#12

Beitrag von Brauling » Samstag 9. Mai 2015, 20:28

nikolas,
dass die Räume (sei es Garage, Keller oder Dachstuhl) den Anforderungen der Lebensmittelkontrolle und Gewerbeaufsicht etc. entsprechen sollten, dürfte doch eigentlich klar sein.
Dachte das brauch ich nicht noch extra erwähnen.

Greetz Andy

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