Rahmenbedingungen für Leichtbier

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Rahmenbedingungen für Leichtbier

#1

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 13:37

Hallo zusammen,

Ich möchte vermehrt Leichtbiere Brauen und habe mich dazu im alten und im neuen Forum schlau gemacht.

Wie immer gibt es viele Wege, die zum Ziel führen.

Aber möchte gerne Mal die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für ein Leichtbier auflisten, die anzuwenden sind bzw. Mit denen man nichts falsch machen kann und gerne Eure Meinung dazu hören:

1. Weniger Schüttung im Verhältnis zu Vollbier (80%) und Nutzung von karamalzen für die vollmundigkeit
2. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
3. Höhere RastTemperaturen, um mehr Dextrine zu erhalten bei ca. 73 Grad Celsius, entweder durch Springmaische oder dahin noch heizen und dann idealerweise Kombirast
4. geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. S33 o.a.
5. Geringere Karbonisierung bei der Flaschengärung

Was meint ihr?

Grüße Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#2

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 14:56

Ach ja, und das Ganze möchte ich gerne auf ganz normale Rezepte anwenden, um auf diese Art und Weise zu einem Leichtbier zu gelangen, da es nur sehr wenige Leichtbierrezepte bswp. bei MMuM oder woanders gibt...

Jemand Erfahren auf dem Gebiet und kann mir eine Rückmeldung geben, ob ich die Punkte alle in Ordnung sind und ob ich Leichtbiere so aus Vollbierrepten erhalten kann?
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#3

Beitrag von chaos-black » Sonntag 22. Januar 2017, 16:03

Du solltest auch die IBU reduzieren, wenn du die Stammwürze verringerst. Die Bittere schmeckt man stärker, wenn sie ihren Gegenspieler verliert.
1. und 2. klingen sinnvoll, 3. und 4. kann ich leider nicht bewerten und 5. würde ich widersprechen. Nimm lieber noch etwas weniger Stammwürze als die Kohlensäure zu opfern. Wäre zumindest mein Ansatz (ich mag mein Bier i.d.R. spritzig). Erfahrungen dazu habe ich aber auch nicht.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#4

Beitrag von Enfield » Sonntag 22. Januar 2017, 16:22

Ich braue gerne Leichtbiere und habe schon viel in die Richtung experimentiert.
Neben der Hefewahl ist es auch noch möglich, einen Teil der hellen Basismalze durch Carapils zu ersetzen (bis zu 30 %). CaraHell gibt dafür zu viel Geschmack.

P.s. Benutzt Speise zur Karbonisierung, das spart dir auch noch mal Alkohol. Und verdünnt nicht den Körper. :Drink

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#5

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 17:00

OK, also dann der aktualisierte "Leichtbier-Masterplan": :thumbsup


1. Weniger Schüttung im Verhältnis zu Vollbier (80%)
2. Nutzung von etwas Karamalzen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht
3. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils
4. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
5. Höhere Rasttemperaturen, um mehr Dextrine zu erhalten bei ca. 73 Grad Celsius, entweder durch Springmaische oder dahin noch heizen und dann idealerweise Kombirast 60 min. bei 73 Grad
6. geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. S33 o.a.
7. Normale Karbonisierung bei der Flaschengärung von der Menge her
8. Karbonisierung mit Speise statt mit Zucker
9. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten

Wer hat noch Leichtbier-Erfahrung? :Greets

Hat vlt. Einer Rezepte?

(Bei MMuM gibt es ja nicht mal ein Leichtbier, es fängt dort erst so bei 3% alc. an...)

Grüße Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#6

Beitrag von Bilbobreu » Sonntag 22. Januar 2017, 17:15

Moin,
warum Ziffer 1? :Grübel
Bei meinen Leichtbierversuchen (Grätzer und englisches Mild jeweils mit 9°P) hab ich die gleiche Schüttung wie immer, nur mehr Wasser und folglich mehr Bier im Vergleich zu Vollbier :P .
Die anderen Punkte kann ich bestätigen.

Gruß
Stefan

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#7

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 17:29

Du hast Recht, denn Schüttung - Wassermenge - Plato stehen ja im Verhältnis. Insofern ist Pkt. 1 überflüssung - also:

1. Nutzung von etwas Karamalzen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht
2. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils
3. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
4. Höhere Rasttemperaturen, um mehr Dextrine zu erhalten bei ca. 73 Grad Celsius, entweder durch Springmaische oder dahin noch heizen und dann idealerweise Kombirast 60 min. bei 73 Grad
5. geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. S33 o.a.
6. Normale Karbonisierung bei der Flaschengärung von der Menge her
7. Karbonisierung mit Speise statt mit Zucker
8. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten

Gibt es noch weitere Optionen, um den Alkoholgehalt zu reduzieren und geschmacklich eine hohe Qualität zu erhalten?

Grüße Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#8

Beitrag von Enfield » Sonntag 22. Januar 2017, 17:31

Wieviel Alkoholgehalt strebst Du circa an? Meine Leichtbiere haben meist so zwischen 3 und 3,4 % bei 9-10° Plato und einen VGs von 60-65 %.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#9

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 17:33

2,5-3% wäre schon schön
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#10

Beitrag von Enfield » Sonntag 22. Januar 2017, 17:39

Taste dich langsam ran mit 3 % am Anfang. Ich habe die Erfahrung gemacht dass eine zu geringe Stammwürze trotz aller Gegenmaßnahmen schnell dünn und leer schmeckt. Der Alkohol ist leider auch Geschmacksträger.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#11

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 17:47

Hättest Du vlt. ein Rezept (was nicht bei MMuM steht), womit ich mich (als Anfänger mit ein paar normalen Suden) herantasten könnte?
Dann würde ich damit einfach mal loslegen und Erfahrungen sammeln?
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#12

Beitrag von Enfield » Sonntag 22. Januar 2017, 18:48

Hast ne PN ;-)

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#13

Beitrag von t3k » Sonntag 22. Januar 2017, 18:56

Randy M. Empfiehlt in seinem Buch etwas Salz zu zugeben. Ein Teelöffel/20L kurz vor kochende soweit ich mich erinnere. Das soll als geschmacksverstärker wirken.

Gruß
T3K

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#14

Beitrag von cyme » Sonntag 22. Januar 2017, 19:55

Nicht unbedingt anfängertauglich, aber wenn du Biere mit niedrigem Alkoholgehalt brauen willst, der Hefestamm WSL-17 wäre auch eine Überlegung wert.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#15

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 20:48

t3k hat geschrieben:Randy M. Empfiehlt in seinem Buch etwas Salz zu zugeben. Ein Teelöffel/20L kurz vor kochende soweit ich mich erinnere. Das soll als geschmacksverstärker wirken.

Gruß
T3K

Normales Kochsalz nehme ich an?....

mmhh...Jemand schon Mal probiert?
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#16

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 20:49

Enfield hat geschrieben:Hast ne PN ;-)

Merci :Greets
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#17

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 20:56

cyme hat geschrieben:Nicht unbedingt anfängertauglich, aber wenn du Biere mit niedrigem Alkoholgehalt brauen willst, der Hefestamm WSL-17 wäre auch eine Überlegung wert.
Sehr interessant :thumbup

Ich habe mir Mal das dazu durchgelesen

...
viewtopic.php?f=7&t=2402

Und traue mich da noch nicht dann, da fehlt es mir an Erfahrung.

Aber ist bei mir in den Lesezeichen

LG Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#18

Beitrag von tacitus » Sonntag 22. Januar 2017, 20:59

Hmmmm, liest sich alles interessant,.. :Grübel
Rezept wäre toll, ich möchte sowas mal ausprobieren
Tacitus
Saluto Romano
:Wink

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#19

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 21:11

tacitus hat geschrieben:Hmmmm, liest sich alles interessant,.. :Grübel
Rezept wäre toll, ich möchte sowas mal ausprobieren
Ja, Rezepte sind Mangelware. Ein paar Tipps/Rezepte gibt es hier im Forum von Einigen. :thumbup

Aber deshalb ja auch zusätzlich zu Rezepten mein Versuch, anhand der aufgelisteten Rahmenbedingungen die Möglichkeit zu schaffen, aus ganz normalen MMuM-Vollbierrezepten ein geschmackvoller Leichtbier zu zaubern... :Pulpfiction
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#20

Beitrag von mavro » Sonntag 22. Januar 2017, 21:27

Habe Mal die Liste aufgrund weitere Informationen ergänzt...

Danke Max und Flo!


1. Nutzung von etwas Karamalzen oder auch Rohfruchtanteilen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht
2. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils
3. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
4. Längere Verzuckerungsrast (also ca. 72-73 Grad), um mehr Dextrine zu erhalten, entweder durch Springmaische oder dahin noch heizen
5. Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top,
6. Normale Karbonisierung bei der Flaschengärung von der Menge her aber Karbonisierung mit Speise statt mit Zucker
7. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten
8. Optional: Gabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 20 Liter aus Geschmacksgründen
9. Ausgangsvollbier ist bereits eines, das hat schon einen niedrigeren Alkoholgehalt hat
https://brauerei.mueggelland.de/biertypen.html

10. Tipp von Erfahreneren, als ich: nicht alle Parameter gleichzeitig anpassen, sondern langsam heran tasten
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#21

Beitrag von chaos-black » Montag 23. Januar 2017, 09:35

Es gibt teilweise auch fertige Rezepte bei Brewdog. Da war sogar ein sehr leichtes IPA im diy dog Buch. Und das Gibt's dort kostenlos zum Download.

Vlt hat das ja noch mehr Inspiration.
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#22

Beitrag von Enfield » Montag 23. Januar 2017, 09:46

Wo gibt's denn das Buch zum Download oder hast Du einen konkreten Titel? Ich denke mal, die werden ein Session IPA gebraut haben, oder?

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#23

Beitrag von chaos-black » Montag 23. Januar 2017, 10:04

Ich weiß nicht mehr wie das Rezept genau heißt, Die brewdogs haben ja auch oft nicht ganz naheliegende Namen. Das Buch heißt "DIY Dog" und müsste auf deren Webseite sein. Hat bestimmt ca 200 Rezepte.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#24

Beitrag von philipp » Montag 23. Januar 2017, 10:14

Nanny State IPA AFAIR
Der Porter, den man in London gemeiniglich Bier zu nennen pflegt, ist unter den Malz-Getränken das vollkommenste.
http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/h ... ew/1817246

Im alten Forum als 'rattenfurz' bekannt gewesen.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#25

Beitrag von Enfield » Montag 23. Januar 2017, 10:20

Danke, hab mir das Büchlein grade runtergeladen!

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#26

Beitrag von Bierwisch » Montag 23. Januar 2017, 10:37

Nanny State ist aber alles andere als ein Leichtbier, es ist mit 0,5vol% ein alkoholfreies (und für mich absolut untrinkbar, dafür eignet es sich aber hervorragend, um geschmacksarme Industriebiere mit Hopfenaromen zu pimpen).

Ich bin auch auf der Suche nach einem guten Leichtbierrezept und bin dabei bei Berliner Weiße gelandet Das ist leider nichts für jeden, aber ich liebe dieses Bier mittlerweile inständig!
Stammwürze liegt bei 7P oder sogar darunter und das Bier hat trotzdem einen ordentlichen Körper. Vermutlich kommt das von der Säure und dem erhöhten CO2-Gehalt.

Außerdem habe ich bei meinem Standardbier (einem Sierra Nevada PA-Klon) die Schüttung entsprechend verringert, um mit einer Stammwürze von 9°P bei 4 vol% zu landen. Das Ergebnis ist dann zwar kein Pale Ale mehr, schmeckt aber immer noch vollmundig und verträgt eine ordentliche Hopfung bis knapp unter 40 IBU. Die Schüttung ist denkbar einfach 95% PiMA und 5% CaraHell. Ich raste eine Stunde im Thermoport bei 68°C und koche eine Stunde (VWH mit einem Aromahopfen der Wahl, Bitterhopfung nach Würzebruch, Whirlpoolhopfung bei knapp unter 90°C).
Das ganze vergäre ich am Liebsten mit der Notti oder der BRY97.

Viel weiter runter werde ich mit der Stammwürze nicht mehr gehen, da es dann ohne kaschierende Maßnahmen (Salz und übermäßig viel unvergärbarer Extrakt) zu dünn wird.

Ein super Beispiel für ein gelungenes "Leichtbier" ist das Summer Ale von der Camba Bavaria.

Gruß,
Bierwisch
Der Klügere kippt nach!

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#27

Beitrag von nacron » Montag 23. Januar 2017, 10:55

Was ich bei mir gerne mache 7%+ Haferflocken, Weizen oder Dinkelanteil 20%+, Gepuffter Weizen (Torrefied Wheat) 5%+ mit in die Schüttung aufnehmen.
Was auch gut funktioniert sind Englische Biere mit wenig Karbonisierung (max. 2 g/l CO2) da kommt das Malz dann schön raus.
Ein anderer Weg sind Hefen die viel Glycerol Produzieren z.B. 3711 oder London Ale 3, ein Saison Schankbier mit 3-4 % find ich einfach nur genial!

Cheers
Benedikt
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#28

Beitrag von Alt-Phex » Montag 23. Januar 2017, 11:18

Bißchen Rauchmalz kann auch nicht Schaden, wenn man das mag.
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#29

Beitrag von mavro » Montag 23. Januar 2017, 13:12

Hi

klingt alles sehr lecker :Bigsmile

Für die Liste der Punkte, die die Erzeugung eines Leichtbieres begünstigen, waren neue Punkte dabei.
- Die "White Labs WLP013 London Ale" vergärt nicht ganz so hoch und würde sich in den Punkt "5. Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top" einreihen
- Rauchmalz, andere Malzsorten mit aufgenommen.
- Und noch ein paar Links eingefügt

1. Nutzung von Karamalzen oder auch Rohfruchtflocken/-anteilen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.
2. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils
3. Einsatz von anderen Malzen wie bspw. Weizen- oder auch Dinkelmalz oder auch Rauchmalz, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.
4. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
5. Längere Verzuckerungsrast (also ca. 72-73 Grad), um mehr Dextrine zu erhalten, entweder durch Springmaische oder dahin noch heizen
6. Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top oder auch flüssige wie bspw. die White Labs WLP013 London Ale
7. Normale Karbonisierung bei der Flaschengärung von der Menge her aber Karbonisierung mit Speise statt mit Zucker
8. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten
9. Optional: Gabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 20 Liter aus Geschmacksgründen
10. Ausgangsvollbier ist bereits eines, das hat schon einen niedrigeren Alkoholgehalt hat
https://brauerei.mueggelland.de/biertypen.html
11. Tipp: Nicht alle Parameter gleichzeitig anpassen, sondern langsam heran tasten
12. Mögliche Rezeptquellen:
Buchdownload: https://www.brewdog.com/diydog
MMuM - sortiert nach "Alkohol" aufsteigend: http://maischemalzundmehr.de/index.php? ... uche=Suche

VG, Andreas
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#30

Beitrag von Enfield » Montag 23. Januar 2017, 13:21

Ich finde deine Zusammenfassung hier super! So hat jeder gleichen einen Überblick, wenn er mal ein Leichtbier brauen will! :thumbsup

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#31

Beitrag von Killa-Bräu » Montag 23. Januar 2017, 13:33

Ja, dem muss ich beipflichten. Sehr gute Zusammenfassung und für mich sehr hilfreich , da ich auch ein leichtes Saunabier brauen will.

Herzlichen Dank dafür
Da Killa
"Eher soll die Welt verderben, als ein Bayer am Durste sterben"

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#32

Beitrag von mavro » Montag 23. Januar 2017, 13:57

Danke ebenso.

Bin um jeden Punkt bzw. jede tatsächlich gemachte Brauerfahrung dankbar.
Viele Grüße, Andreas

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#33

Beitrag von Kurt » Montag 23. Januar 2017, 14:48

Ich kann englische Bitter als durchaus gute leichte Biere empfehlen. Die englischen Hefen sind per se oft nicht sehr hochvergärend und die Malze relativ geschmacksintensiv. Ein 4 Vol.-% Bitter schmeckt keineswegs leer. Ich empfehle dabei allerdings zurückhaltend zu karbonisieren - kommt einfach besser. Ebenfalls ein sehr gutes leichteres Rezept ist das Centennial Blonde.

Für weniger als 4 Vol.-% kann man auch recht gut mit Springmaische arbeiten. Dabei wird durch zubrühen einer großen Menge heißen Wassers die Maltoserast übersprungen und direkt verzuckert.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#34

Beitrag von liuto » Montag 23. Januar 2017, 15:12

Ich trinke gerade meinen zweiten Sud vom Ordinary Bitter aus MMuM, der hat knapp über 3% und schmeckt hervorragend. EVG nur 65% (bei mir knapp darunter), nicht mehr als 4g/l CO2 und vor allem nicht zu kalt trinken. 12°-16°, nicht weniger.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#35

Beitrag von Ulrich » Montag 23. Januar 2017, 16:10

Um noch einmal die WSL-17 ins Spiel zu bringen, habe ich noch ein paar Informationen aus der Praxis.
- eine "normale" Gerstemmalzwürze wird von Der WSL-17 zu 12 - 15% vergoren.
1.) 2-3 Vol% Alk. ; es wird nur soviel Malz verwendet (Stammwürze: 3,5 - 6,0%), wie geschmacklich erwünscht, der Alkoholgehalt wird dann durch Zucker (in der Würzepfanne oder erst in der Nachgärung zugegeben, bzw die benötigte Zuckermenge für die Karbonisierung wird für die Abfüllung in Flasche "aufgehoben".

2.) komplizierter (aber vieleicht deshalb auch interessanter) => Maltaseverfahren.
Durch das Maltaseverfahren kann der V° auf >45% angehoben werden. => Aus Maltose wird Glycose (Glycosegehalt von ca. 6% auf bis zu 40%) => mehr vergärbarer Zucker für WSL-17
Eine vorherbestimmbare Menge an Maltose und Maltotriose kann für den Geschmack beibehalten werden.

3.) eine Kombi aus 1 und 2

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#36

Beitrag von mavro » Montag 23. Januar 2017, 17:11

Hi,

@Ulrich: Das ist bestimmt ein charmanter Weg, um zum Ziel zu kommen mit der Spezialhefe "WSL-17". Aber ich persönlich bin von meinem Erfahrungs- und Kenntnisstand her zurzeit noch überfordert damit. Vlt. sollte dafür ein eigener Thread eröffnet werden?

Ich würde gerne mit einfachen "Bordmitteln" zu einem Leichtbier zu kommen. Ich habe Eure Hinweise weiter eingebaut und leicht aktualisiert:

1. Nutzung von Karamalzen oder auch Rohfruchtflocken/-anteilen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.

2. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils

3. Einsatz von anderen Malzen wie bspw. Weizen- oder auch Dinkelmalz oder auch Rauchmalz, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.

4. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)

5. Längere Verzuckerungsrast (also ca. 72-73 Grad), um mehr Dextrine zu erhalten:
- Entweder durch Springmaische oder indem man von der Maltoserast auf die Verzuckerungsrast zügig hochheizt.
- Die Verzuckerungsrast aber nicht zu lange halten (Empfehlung ca. 30 min.).

6. Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top oder auch flüssige wie bspw. die White Labs WLP013 London Ale
Siehe auch Detailansicht der Hefen: https://brauerei.mueggelland.de/hefe.html

7. Karbonisierung bei 4 g/L CO2 bei Flaschengärung und wenn möglich mit Speise statt mit Zucker

8. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten

9. Optional: Gabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 20 Liter aus Geschmacksgründen

10. Ausgangsvollbier ist bereits eines, das hat schon einen niedrigeren Alkoholgehalt hat, bspw. English Bitte oder Mild
Siehe zur Orientierung von Biertypen und deren Alkoholgehalt auch hier:
https://brauerei.mueggelland.de/biertypen.html

11. Tipp: Nicht alle Parameter gleichzeitig anpassen, sondern langsam heran tasten

12. Mögliche Rezeptquellen:
Buchdownload: https://www.brewdog.com/diydog
MMuM - sortiert nach "Alkohol" aufsteigend: http://maischemalzundmehr.de/index.php? ... uche=Suche
https://byo.com/light-ale?limitstart=0

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#37

Beitrag von flying » Montag 23. Januar 2017, 17:22

70% Weizenmalz und 30% Roggenmalz auf 7 Plato. Wegen der höheren Viskosität wirken solche Biere vom Mundgefühl her wie ein P 12. Wegen der Läuterproblematik entsprechen dünn maischen und läutern auf vielleicht 5 Plato und dann auf 7 Plato einkochen.
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#38

Beitrag von Goofy » Montag 23. Januar 2017, 17:45

flying hat geschrieben:70% Weizenmalz und 30% Roggenmalz
Hallo,

ganz ohne Spelzen läutern, klappt das?

Viele Grüße
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#39

Beitrag von flying » Montag 23. Januar 2017, 17:49

Wenns dünn genug ist..

100% Weizen klappt schon mal. Stephan/bilbobräu ist da der Grätzer- Experte.
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#40

Beitrag von respect » Montag 23. Januar 2017, 19:41

Da möchte ich die Wolke 7 ins Speil bringen!
http://www.maischemalzundmehr.de/index. ... riff=wolke

Hab ich schon 4x gemacht (mit leichten Änderungen in Schüttung und Hopfen). Immer ein spitze Bier & wirklich nicht leicht als leicht erkennbar.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#41

Beitrag von liuto » Montag 23. Januar 2017, 20:04

Das sieht doch prima aus, danke, respect. Ich werde immer mehr ein Fan von Leichtbieren. So etwas kann man einfach nicht kaufen.

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#42

Beitrag von t3k » Montag 23. Januar 2017, 21:28

Nicht ohne Umzug jedenfalls ;)
In Schweden hat jedes Bier welches im Supermarkt verkauft wird max. 3.5%vol.

Cheers
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#43

Beitrag von Bilbobreu » Montag 23. Januar 2017, 23:12

flying hat geschrieben:Wenns dünn genug ist..

100% Weizen klappt schon mal. Stephan/bilbobräu ist da der Grätzer- Experte.
Vielleicht ist es an der Zeit, diesen Thread mal mit ein paar Querverwiesen zum Grätzer anzureichern.
Der Thread, der alles zur Rezeptur mit vielen Feinheiten von verschiedenen Experten zusammenfasst, findet sich hier:
viewtopic.php?f=24&t=1568&p=21709&hilit ... zer#p21709

Zu ergänzen ist dazu vielleicht noch, dass ich damals mein erstes Grätzer gebraut habe. Inzwischen weiß ich, dass mein Grätzer auch so schmeckt, wie ein typisches Grätzer schmecken soll. Grätzer ist seit etwa anderthalb Jahren mein Standardbier und wird immer wieder gebraut.

Zum läutern einer Schüttung von 100 % Weizen-Eichenrauch-Malz kann ich nach verschiedenen Versuchen sagen, dass es mit dem Halo-Ring von Polsinelli super funktioniert (viewtopic.php?f=4&t=8595&p=129022&hilit ... er#p129022). Es funktioniert auch mit den meisten anderen Systemen, wenn man drei Hinwiese beherzigt:
1. Noch langsamer läutern als sonst. Hier ist viel Geduld gefragt. Ich habe für 25 l auch schon mal über 2 Stunden gebraucht.
2. Rautenförmiges Aufschneiden des Trebers mit einem langen Messer ist meistens hilfreich.
3. Positive Effekte von zusätzlichen Dinkelspelzen würde ich nach den dazu gelesenen Berichten eher nicht erwarten. Hab es aber selber nicht ausprobiert.

Und zum Schluss noch ein Tipp, der Grätzerexperten wahrscheinlich schaudern lässt. Das Raucharoma passt super zu Wacholderbeeren. Ich empfehle Stopfen nach der Hauptgärung mit 2-3 g Wacholderbeeren pro Liter für 5 Tage.

Prost
Stefan

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#44

Beitrag von flying » Montag 23. Januar 2017, 23:40

Ja klar oder Weidenrinde, wenn historisch korrekt sein soll...

off topic off..
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#45

Beitrag von mavro » Dienstag 24. Januar 2017, 08:24

Hi,

ok, das Grätzer Bier ist natürlich eine ganz besondere Sache und schmeckt bestimmt auch sehr lecker. Ich habe der Eingangsintension folgend "mit Bordmitteln vom gängigen Vollbier zum schmackhaften Leichtbier" keine weiteren Rahmenbedingungen ableiten können, das es sich bei Grätzer um eine Besonderheit handelt. Ich habe aber einen weiteren Pkt. aufgemacht "Besondere Verfahren", damit das Thema nicht unter den Tisch fällt. :thumbup

1. Nutzung von Karamalzen oder auch Rohfruchtflocken/-anteilen für die Vollmundigkeit, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.

2. Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils

3. Einsatz von anderen Malzen wie bspw. Weizen- oder auch Dinkelmalz oder auch Rauchmalz, falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht.

4. Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)

5. Längere Verzuckerungsrast (also ca. 72-73 Grad), um mehr Dextrine zu erhalten:
- Entweder durch Springmaische oder indem man von der Maltoserast auf die Verzuckerungsrast zügig hochheizt.
- Die Verzuckerungsrast aber nicht zu lange halten (Empfehlung ca. 30 min.).

6. Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top oder auch flüssige wie bspw. die White Labs WLP013 London Ale
Siehe auch Detailansicht der Hefen: https://brauerei.mueggelland.de/hefe.html

7. Karbonisierung bei 4 g/L CO2 bei Flaschengärung und wenn möglich mit Speise statt mit Zucker

8. Geringere Bitterhhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten

9. Optional: Gabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 20 Liter aus Geschmacksgründen

10. Ausgangsvollbier ist bereits eines, das hat schon einen niedrigeren Alkoholgehalt hat, bspw. English Bitte oder Mild
Siehe zur Orientierung von Biertypen und deren Alkoholgehalt auch hier:
https://brauerei.mueggelland.de/biertypen.html

11. Tipp: Nicht alle Parameter gleichzeitig anpassen, sondern langsam heran tasten

12. Rezepte:
- Buchdownload: https://www.brewdog.com/diydog
- MMuM - sortiert nach "Alkohol" aufsteigend: http://maischemalzundmehr.de/index.php? ... uche=Suche
- https://byo.com/light-ale?limitstart=0
- Suche hier sowie im alten Forum

13. Besondere Verfahren
Spezialhefe WSL-17 für alkoholfreies Bier
viewtopic.php?f=24&t=1568&p=21709&hilit ... zer#p21456


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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#46

Beitrag von Ursus007 » Dienstag 24. Januar 2017, 09:31

1.
Hab ich's überlesen oder hat es noch keiner in diesem Beitragsfaden geschrieben: Stopfen, wenn's gewünscht ist. Bringt auch Geschmäcker rein, ohne am Alk.-Gehalt zu drehen.
Bestes Beispiel: Das ü.NN von Kehrwieder. Zwar ein Alk.-freies (0,4%), aber das schmeckt wirklich klasse, will heißen sehr hopfig, aber nicht leer oder dünn.

2.
Um mich vorher zu versichern: Ist die Frage hier im Rahmen des RHG? Wenn man's nicht so genau nimmt, bringt Milchzucker auch Süße und Vollmundigkeit, wird aber nicht vergoren. Siehe Milkshake Stout, welches ich auch schon mit Erfolg hergestellt habe.

Ursus
Aus der Kehle dringt ein Schrei:
Schütt's nei, schütt's nei!

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#47

Beitrag von nacron » Dienstag 24. Januar 2017, 09:45

Oder auch Milkshake IPA :) siehe Tired Hands und Omnipollo.
Weitere verrückte Möglichkeiten sind einfach Wasser durch Hafermilch ersetzen :D oder das Bier auf Holz ausbauen denn Tanine erhöhen ebenfalls das Mundgefühl.
Mein Blog: Wilder Wald

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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#48

Beitrag von mavro » Dienstag 24. Januar 2017, 10:51

Hi,

was man hier alles lernt, ist ja echt interessant :thumbsup

Ich habe das Hopfenstopfen und die Lactose mal mit aufgenommen, da es ja einfache und verbreitete Optionen sind.
Das mit dem Holzausbau klingt für mich sehr speziell. Habe mal einen Punkt "Experimentierfreude" mit aufgenommen:

Ich habe die Liste mal etwas strukturiert:

1) Eingangsvoraussetzungen
a) Ausgangsvollbier ist bereits eines, das hat schon einen niedrigeren Alkoholgehalt hat, bspw. English Bitte oder Mild
Siehe zur Orientierung von Biertypen und deren Alkoholgehalt auch hier:
https://brauerei.mueggelland.de/biertypen.html
b) Nicht alle Parameter gleichzeitig anpassen, sondern langsam herantasten

2) Reduziert ausschließlich den Alkoholgehalt
a) Karbonisierung bei 4 g/L CO2 bei Flaschengärung

3) Reduziert den Alkoholgehalt und wirkt auf den Geschmack (falls im Rezept vorgesehen und dem Biertyp angebracht)
a) Schüttung
i) Weniger Plato im Verhältnis zu Vollbier (8-10 Grad)
ii) Ersetzen von bis zu 30% der Basismalze durch Carapils
iii) Einsatz von Karamalzen
iv) Einsatz Rohfruchtflocken/-anteilen
v) Einsatz von anderen Malzen wie bspw. Weizen- oder auch Dinkelmalz oder auch Rauchmalz
vi) Milchzucker (Lactosepulver) bringt Süße und Vollmundigkeit

b) Hefe/Gärung
i) Geringerer EVG durch passende Hefe wie bspw. Safbrew S-33, Danstar Windsor Ale, Brewferm Top oder auch flüssige wie bspw. die White Labs WLP013 London Ale
Siehe auch Detailansicht der Hefen: https://brauerei.mueggelland.de/hefe.html
ii) Nachgärung in Flaschen/Fass bei Gabe von Speise statt Zucker

c) Ablauf
i) Längere Verzuckerungsrast (also ca. 72-73 Grad), um mehr Dextrine zu erhalten Entweder durch Springmaische oder indem man von der Maltoserast auf die Verzuckerungsrast zügig hochheizt. Die Verzuckerungsrast aber nicht zu lange halten (Empfehlung ca. 30 min.).

4) Wirkt ausschließlich auf den Geschmack
a) Geringere Bitterhopfung, um einen geringeren IBU-Wert im Vergleich zum Vollbier zu erhalten
b) Hopfenstopfen bringt Geschmack und Aroma
c) Gabe von 1 Teelöffel Kochsalz auf 20 Liter

5) Rezepte
a) Buchdownload: https://www.brewdog.com/diydog
b) MMuM - sortiert nach "Alkohol" aufsteigend
c) https://byo.com/light-ale?limitstart=0
d) Suche hier sowie im alten Forum

6) Besondere Verfahren/Experimentierfreude
a) Spezialhefe WSL-17 für alkoholfreies Bier
b) Grätzerbier
c) Bier im Holzfass ausbauen



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Rahmenbedingungen für Leichtbier - angewendet

#49

Beitrag von mavro » Dienstag 24. Januar 2017, 21:51

Sooo...ich wage mich nun mal zurück in die Realität und würde aufbauend auf der Liste gerne folgendes brauen.

Was meint Ihr?

Mildes, helles, frisches, fruchtiges, citrusartiges Leichtbier
20 l Ausschlagwürze, Plato 8-10 Grad, EBC 6, IBU 20, Alc. 3% vol.
Einkocher, BIAB, Sudausbeute 50%

Schüttung (4 Kg)
- PiMa 60%
- Carapils 25%
- Carahell 10%
- Haferflocken 5%

Maischeplan:
- 30 min. bei 65 Grad
- 30 min. bei 73 Grad

Hopfen (Menge entspr. IBU)

- Citra 60 min. - 65% Bitter
- Citra 30 min. - 20% Bitter
- Cascade 10 min. - 10% Bitter
- Cascade 5 min. - 5% Bitter

Hefe: S-33

Hopfenstopfen: 4 g/l Cascade

Viele Grüße,

Andreas
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Re: Rahmenbedingungen für Leichtbier

#50

Beitrag von t3k » Mittwoch 25. Januar 2017, 16:28

Moin,

Sieht doch ganz gut aus für den ersten Versuch. Und der macht ja bekannter Weise "Kluch" ;)

Ich persönlich würde aber die Maltoserast verkürzen, oder ga weg lassen. Bei den gut gelösten Malzen heut zu Tage ist häufig bereits nach 20 alles gelaufen.

Ich bin für Leichtbiere ein Fan vom Springmaische verfahren.

Cheers
T3K

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