Optimaler Endvergärungsgrad

SpaceMarder
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 120
Registriert: Mittwoch 10. Juni 2020, 09:20
Wohnort: Remscheid
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#51

Beitrag von SpaceMarder » Sonntag 23. August 2020, 07:40

@Peter/gulp: Kein Problem, dass Du alles wissen solltest, schließlich hast Du mich ja auch immer beraten. Also folgenden Werte habe ich gemessen: Würzespindel zeigte einen Wert von 1.010 und das Refraktometer zeigte einen Wert von 6,5 Grad Plato und die Temperatur des Jungbieres: unglaubliche 27,8 Grad! Sorry, hatte keine Möglichkeit zur Kühlung. Ich muss mir was dabei einfallen lassen. Geruch des Bieres war okay und der Geschmack war auch nicht auffällig.

Werde heute morgen mal los ins Lager, eine Messung durchführen und ggf. dann abfüllen.

Gruß
Klaus :Drink

P.S.: Dir und den Mitlesern noch einen schönen Sonntag.

Benutzeravatar
gulp
Moderator
Moderator
Beiträge: 9769
Registriert: Montag 20. Juli 2009, 21:57
Wohnort: Nürnberg
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#52

Beitrag von gulp » Sonntag 23. August 2020, 16:14

Servus Klaus, 1.010 gravity sind ~2,5 P. Bei 28° ~ 3 P. Ergibt einen sEVG von etwa 77 %. Kannst also abfüllen.
Ich arbeite ja lieber mit einer Plato Spindel. :Greets

:Drink
Gruß
Peter
Ein Bayer ohne Bier ist ein gefährlich Thier!

https://biergrantler.de
https://stixbraeu.de

Stopfer
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 49
Registriert: Montag 13. Januar 2020, 10:29
Wohnort: Hamburg

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#53

Beitrag von Stopfer » Sonntag 23. August 2020, 16:30

SpaceMarder hat geschrieben:
Sonntag 23. August 2020, 07:40
@Peter/gulp: Kein Problem, dass Du alles wissen solltest, schließlich hast Du mich ja auch immer beraten. Also folgenden Werte habe ich gemessen: Würzespindel zeigte einen Wert von 1.010 und das Refraktometer zeigte einen Wert von 6,5 Grad Plato und die Temperatur des Jungbieres: unglaubliche 27,8 Grad! Sorry, hatte keine Möglichkeit zur Kühlung. Ich muss mir was dabei einfallen lassen. Geruch des Bieres war okay und der Geschmack war auch nicht auffällig.

Werde heute morgen mal los ins Lager, eine Messung durchführen und ggf. dann abfüllen.

Gruß
Klaus :Drink

P.S.: Dir und den Mitlesern noch einen schönen Sonntag.
Moin Klaus,

Hier übrigens die Umrechnung, um dein Plato-Refraktometer für die Endvergärung zu nutzen:

Du musst erst in Brix umrechnen, weil die Skala nur verschoben ist, du aber immernoch die Lichtbrechung abliest.
Dann kannst du die Vergarung nach Brix berechnen, wobei der Alkoholfehler korrigiert wird.
Screenshot_20200823_162736.jpg
VG,
Christopher

Benutzeravatar
bierfaristo
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 446
Registriert: Freitag 4. November 2016, 19:44

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#54

Beitrag von bierfaristo » Sonntag 23. August 2020, 16:47

Das glaube ich nicht. Der Link des Refraktometers zeigt in der Beschreibung die Einheit % und nicht °Plato wie in der Beschreibung steht. Ist aber letztendlich auch egal, was für eine Einheit da steht.
Ein Refraktometer misst den Beechungsindex und muss bei einer 0% m/m Saccharoselösung 0 anzeigen und bei einer 10% m/m Saccharoselösung 10 anzeigen, unabhängig von der Einheit. Dementsprechend muss in den Berechnungstools Brix eingegeben werden und nichts umgerechnet werden.

Christian
Fühle mich oft unverstanden, bin vermutlich ein Genie.

SpaceMarder
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 120
Registriert: Mittwoch 10. Juni 2020, 09:20
Wohnort: Remscheid
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#55

Beitrag von SpaceMarder » Mittwoch 26. August 2020, 11:07

@Christopher/Stopfer: Vielen Dank für Deinen Hinweis, aber diese Quelle war mir schon bekannt und wird von mir auch rege benutzt!

@Peter/Gulp: Peter, ich gebe Dir einmal die Daten, die ich vorab gemachte habe, als ich die Flaschenabfüllung begonnen habe:
Das war am Sonntag, den 22.8.20: Temperatur des Jungbieres: 23,4 ° C; Refraktometer 6,4 Grad.

Da ich es versäumt habe, die Speise zu sichern, musste ich eine Karbonisierung mit Zucker einleiten. http://fabier.de/biercalcs.html Demnach waren das 7,5 Gramm Zucker je Liter. Mit einem Abfüllröhrchen habe ich dann das Jungbier abgefüllt und auf einer Flasche ein Manometer angebracht, um einen erhöhten Flaschendruck zu vermeiden. Heute, bei einer Raumtemperatur von 21,6 Grad zeigt das Manometer fast 2 bar Druck!

Das scheint mir soweit in Ordnung. Frage: Nirgends wo habe ich gelesen, wie lange denn die Karbonisierung dauern soll. Wann wäre denn dann diese Phase beendet? Der Brautag war am 20.7.20, also vor über 4 Wochen. Ferner beschäftige ich mich im Moment auch mit der Frage der Oxidation und der Alterung des Bieres. Ein echt eigenes Thema! Neben den vielen Hinweisen von Jan's Buch habe ich auch noch folgende Quelle gelesen:https://braumagazin.de/article/oxidatio ... ralterung/ Mir wird dabei schlecht, fallen mir da auch meine gemachten Fehler auf, wie z.B. das Versäumnis, die Deckenbildung mit einem sterilen Löffel abgeschöpft zu haben. Nah ja, ist mein 2. Sud, der 3. ist schon in Planung.

Sorry im übrigen für die verspätete Berichterstattung, aber im Moment habe ich sehr viele Baustellen. Kaum Zeit diese fristgemäß beantworten zu können.

Gruß Klaus

Übrigens, bei den neuen Werten komme ich auf folgenden Endvergärungsgrad:
Stammwürze: 13 ° Plato = 13,5 Brix; Jungbier: 6,4 ° Plato = 6,76 Brix:
Restplato 2,7 ° Plato; Tatsächlicher: 4,6 % Restextrakt; scheinbarer EVG= 80%; Alkohol: 4,4 bzw. 5,6 % Vol %.

Benutzeravatar
hiasl
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 1429
Registriert: Samstag 9. Juni 2007, 12:03
Wohnort: Kulmbach
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#56

Beitrag von hiasl » Mittwoch 26. August 2020, 15:42

SpaceMarder hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2020, 11:07
Stammwürze: 13 ° Plato = 13,5 Brix; Jungbier: 6,4 ° Plato = 6,76 Brix:
Restplato 2,7 ° Plato
Was zeigt dein Refraktometer? Plato oder Brix?
Wenn es Brix zeigt, dann kannst du unvergorene Würze in Plato umrechnen, wenn du einen entsprechenden Faktor kennst (Spindel als Vergleich, bei mit ist das überraschend sogar der Faktor 1).
Wenn es Plato zeigt, sollte es den gleichen Wert bei unvergorener Würze anzeigen, wie eine Spindel. Wenn nicht, dann ist die Skala nicht Plato.

Bei vergorener Würze kann man den ursprünglich ermittelten Faktor Brix/Plato nicht mehr anwenden. Eine Umrechnung Plato/Brix ist also nicht mehr möglich. Einzig kann man mit einer Näherungsformel (das machen die ganzen Rechner im Netz) den Alkoholfehler herausrechnen und so auf den scheinbaren Restextrakt kommen. Zeigt dein Refraktometer Plato, kannst du also den dazugehörigen Brix-Wert nicht mit dem obigen Faktor ermitteln (ich würde ihn einfach vernachlässigen).

Im Übrigen glaube ich nicht, dass es "Plato-Refraktometer" wirklich gibt. Ich habe bisher nur welche mit einer "%"-Skala gesehen und gefunden. Manche Anbieter schreiben Plato in die Beschreibung, obwohl es eigentlich Brix-Refraktometer sind. Ist ja auch logisch, da der gemeinsame Bezugspunkt eine Saccharoselösung ist. Von daher halte ich die Umrechnung von Plato in Brix bei einem Refraktometer für Unfug.
Gruß
Matthias
-----------------------------------------------------------------------------------------
Mehr vom Bier wissen, heißt: Mehr vom Bier haben!

SpaceMarder
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 120
Registriert: Mittwoch 10. Juni 2020, 09:20
Wohnort: Remscheid
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#57

Beitrag von SpaceMarder » Dienstag 8. September 2020, 08:39

Moin zusammen!

Tut mir wirklich Leid, dass ich mich erst jetzt zurück melde. Zur Zeit bin ich beruflich stark involviert und zu allem Überfluss habe ich mir noch ein Rippenbruch eingehandelt. Was soll's, es geht immer weiter. Also, was ist nun der Grund warum ich mich noch einmal melde?

Ich wollte mich ganz einfach noch an allen Lesern wenden und herzlich bedanken, das Ihr mich so bravourös mit Euren Beiträgen unterstützt habt. Letzten Sonntag habe ich eine Flasche meines 2. Sudes aufgemacht und das war einfach super! Kein Gushing, das Bier perlte im Glas wunderbar und es war einfach gut im Geschmack und es war so süffig, wie es sich meiner Ansicht nach für einem obergärigen Bier nach kölscher Art gehörte.

Für mein 2. Sud bin ich wirklich sehr zufrieden, denn die Stammwürze von 13% habe ich voll getroffen, den Alkoholgehalt, den Endvergärungsgrad ebenfalls. Sicherlich, dennoch habe ich bei diesem Sud ein paar Fehler gemacht, aber wer ist am Anfang denn schon perfekt? Hauptsache, mir macht das Experimentieren und Brauen Spaß! Mein 3. Sud ist schon in Planung, der aber sehr wahrscheinlich eine eigene Kreation eines obergärigen Bieres wird. Was den Erfolg des 3. Sudes angeht, bin ich sehr optimistisch, denn ich hab ja auch eine gute Lektüre zum Nachschlagen: Jan's Buch und dies tolle Forum hier!

Okay, meine lieben Hobbybrauer: nochmals herzlichen Dank für Eure Unterstützung. Ich hätte ja noch sehr viel zu berichten, habe aber leider kaum Zeit aus vorgenannten Gründen. Euch allen eine erfolgreiche Woche.

Gruß
Klaus/SpaceMarder :Drink

Fips
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 25
Registriert: Montag 25. Februar 2019, 17:07

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#58

Beitrag von Fips » Dienstag 29. Dezember 2020, 16:21

hiasl hat geschrieben:
Mittwoch 26. August 2020, 15:42


Was zeigt dein Refraktometer? Plato oder Brix?
[...]
Wenn es Plato zeigt, sollte es den gleichen Wert bei unvergorener Würze anzeigen, wie eine Spindel. Wenn nicht, dann ist die Skala nicht Plato.

[...]
Im Übrigen glaube ich nicht, dass es "Plato-Refraktometer" wirklich gibt. Ich habe bisher nur welche mit einer "%"-Skala gesehen und gefunden. Manche Anbieter schreiben Plato in die Beschreibung, obwohl es eigentlich Brix-Refraktometer sind. Ist ja auch logisch, da der gemeinsame Bezugspunkt eine Saccharoselösung ist. Von daher halte ich die Umrechnung von Plato in Brix bei einem Refraktometer für Unfug.
Der Unterschied zwischen Brix und Plato ist meines Wissens nach die entsprechende Referenztemperatur (20 °C vs. 17.5 °C), die zu einer geringfügigen Streckung bzw. Stauchung der jeweiligen Skala führt. Der Brechungsindex an sich ist Dimensionslos und wird auf die entsprechende Skala projiziert. So gesehen kann es also wohl tatsächlich Plato und Brix Refraktometer geben, wobei der Unterschied bei den von uns verwendeten Geräten in der Messgenauigkeit untergeht
Und sobald Alkohol in der zu messenden Lösung vorhanden ist, ist genau genommen eh beides quatsch.

Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1949
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#59

Beitrag von rakader » Mittwoch 10. Februar 2021, 23:46

§11 hat geschrieben:
Donnerstag 30. Juli 2020, 18:50
Ich hatte, in Vorbereitung zu meinem Buch, einige Diskussionen mit Tobias Fischborn von Lallemand. Sie verwenden eine "Standardwürze" die einem internen Laborstandard entspricht.

Das ganze Thema VG ist etwas schwammig (der Meinung ist übrigen Tobias auch). Es gibt eine alte Definition was etwa "hoher VG" bedeutet. Diese ist aber heute nicht mehr anwendbar. Es scheint sich, wahrscheinlich teils technologisch bedingt, wohl aber auch durch den veränderten Konsumentengeschmack, der VG insgesamt nach oben bewegt zu haben.

So ist laut dieser Definition von Lintner aus dem Jahr 1883:
Ein tatsächlicher VG von <50 niedrig
Zwischen 50-60 mittel
und ab 60 hoch

Diese Definition verschwindet ab den etwa 1950ern langsam aus der Literatur.

Heute gibt es keine Definition mehr, aber es sieht so aus eine würde eine um 10% nach oben verschobene Lintner Tabelle heute ganz gut passen.

Gruss

Jan
Dazu eine Frage, weil es in einem anderen Thread Unklarheiten gibt: Die Angaben der Hersteller auf den Hefetüten ist doch der traditionelle sEVG? Er wird der Einfachkeit halber als EVG angegeben.
---
Viele Grüße / Regards
Radulph Kader
Rezepte, Tipps und Stories von Malte by Stubby Hobbs
Neu: Serie Brauzucker selber machen
"Wenn wir noch aufstehen können, bleiben wir da. Wenn wir nimmer aufstehen können, gehn wir heim."

Benutzeravatar
DerDerDasBierBraut
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 7696
Registriert: Donnerstag 2. Juni 2016, 20:51
Wohnort: Ahrensburg

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#60

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Donnerstag 11. Februar 2021, 00:22

Ohne Kontext wird immer und überall der scheinbare Vergärungsgrad angegeben und verwendet.
Der tatsächliche Vergärungsgrad kommt bei komplexeren Berechnungen vom Balling ins Spiel.
Man kann das am Wort Gä'h'rung unterscheiden. Mit "h" >> Balling >> Vergährungsgrad kontextabhängig "tatsächlich" oder "scheinbar".
Ohne Kontext oder ohne 'h' >> ist immer der scheinbare Vergärungsgrad gemeint.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Benutzeravatar
Alt-Phex
Moderator
Moderator
Beiträge: 8964
Registriert: Mittwoch 1. Februar 2012, 01:05
Wohnort: Düsseldorf

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#61

Beitrag von Alt-Phex » Donnerstag 11. Februar 2021, 01:58

Da aber jeder zweite Anfänger Gärung mit "h" schreibt nutzt das wenig :P
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1949
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#62

Beitrag von rakader » Donnerstag 11. Februar 2021, 07:06

Danke Jens. Der Kontext mit "h" ist mir allerdings nicht klar. Gährung gibt es nicht. Vielleicht finden wir noch eine Eselsbrücke... :Smile
---
Viele Grüße / Regards
Radulph Kader
Rezepte, Tipps und Stories von Malte by Stubby Hobbs
Neu: Serie Brauzucker selber machen
"Wenn wir noch aufstehen können, bleiben wir da. Wenn wir nimmer aufstehen können, gehn wir heim."

Benutzeravatar
DerDerDasBierBraut
HBCon Supporter
HBCon Supporter
Beiträge: 7696
Registriert: Donnerstag 2. Juni 2016, 20:51
Wohnort: Ahrensburg

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#63

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Donnerstag 11. Februar 2021, 07:53

Das 'h' spielt auf "Das Taschenbuch der Gährungschemie" von Balling an.
https://www.amazon.de/s?k=Carl+J.+R.+Ba ... nb_sb_noss
Zuletzt geändert von DerDerDasBierBraut am Donnerstag 11. Februar 2021, 16:59, insgesamt 1-mal geändert.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

Benutzeravatar
renzbräu
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 287
Registriert: Montag 27. Juli 2020, 17:32
Wohnort: Bamberg

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#64

Beitrag von renzbräu » Donnerstag 11. Februar 2021, 14:41

  • Karl Josef Napoleon Balling (* 21. April 1805; † 17. März 1868 in Prag)
  • 1880 - Konrad Duden: Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache – Nach den neuen preußischen und bayerischen Regeln.
  • 1901-1903 - verbindliche Festlegung der Rechtschreibregeln.
Also hat Balling Gährung geschrieben weil er es konnte. :P
Gott gebe Glück und Segen drein!
Johannes

Bottichmaischer und Spaß dabei!

Benutzeravatar
§11
Moderator
Moderator
Beiträge: 7773
Registriert: Freitag 30. Oktober 2015, 08:24

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#65

Beitrag von §11 » Donnerstag 11. Februar 2021, 17:15

rakader hat geschrieben:
Mittwoch 10. Februar 2021, 23:46
§11 hat geschrieben:
Donnerstag 30. Juli 2020, 18:50
Ich hatte, in Vorbereitung zu meinem Buch, einige Diskussionen mit Tobias Fischborn von Lallemand. Sie verwenden eine "Standardwürze" die einem internen Laborstandard entspricht.

Das ganze Thema VG ist etwas schwammig (der Meinung ist übrigen Tobias auch). Es gibt eine alte Definition was etwa "hoher VG" bedeutet. Diese ist aber heute nicht mehr anwendbar. Es scheint sich, wahrscheinlich teils technologisch bedingt, wohl aber auch durch den veränderten Konsumentengeschmack, der VG insgesamt nach oben bewegt zu haben.

So ist laut dieser Definition von Lintner aus dem Jahr 1883:
Ein tatsächlicher VG von <50 niedrig
Zwischen 50-60 mittel
und ab 60 hoch

Diese Definition verschwindet ab den etwa 1950ern langsam aus der Literatur.

Heute gibt es keine Definition mehr, aber es sieht so aus eine würde eine um 10% nach oben verschobene Lintner Tabelle heute ganz gut passen.

Gruss

Jan
Dazu eine Frage, weil es in einem anderen Thread Unklarheiten gibt: Die Angaben der Hersteller auf den Hefetäten ist doch der traditionelle sEVG? Er wird der Einfachkeit halber als EVG angegeben.
Ja. In diesem Zusammenhang sogar richtig angewandt. Bei der Begriflichkeit des EVG liegt nämlich der Teufel im Detail und wird leider in 95% der Fälle falsch angewandt. Der EVG ist nämlich nur richtig wenn im Labor, also unter Idealbedingungen, bestimmt wird.

Die Aussage "mein Sud hat einen EVG von X% erreicht" oder "ich stehe jetzt bei einem EVG von X, lann ich abfüllen" ist sachlich falsch, da es sich beim VG der im Sud bestimmt wird, maximal um den Ausstossvergärungsgrad handelt, der meist hinter dem EVG zurück bleibt.

Aber da kämpfe ich gegen Windmühlen

Gruss

Jan
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

Benutzeravatar
olibaer
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2422
Registriert: Dienstag 6. April 2004, 00:49
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#66

Beitrag von olibaer » Freitag 12. Februar 2021, 13:44

§11 hat geschrieben:
Donnerstag 11. Februar 2021, 17:15
AVG-EVG: Aber da kämpfe ich gegen Windmühlen
Wen Du dich schon in Richtung "VG-Quichotte" aufmachst, nimm doch das °P als Ergebniseinheit einer Spindelprobe in Bier oder Jungbier gleich mit in den Kampf auf. Hier erwartet ein ganzer Windpark deinen Lanzenstich ;-)
Gruss
Oli
_____________________________
http://www.brewrecipedeveloper.de

Brauwasser - bitte hier entlang
Gärschwierigkeiten - bitte hier entlang
Grundlagen Karbonisierung - bitte hier entlang
Rezeptberatung anfragen - bitte hier entlang

Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1949
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#67

Beitrag von rakader » Freitag 12. Februar 2021, 13:50

olibaer hat geschrieben:
Freitag 12. Februar 2021, 13:44
§11 hat geschrieben:
Donnerstag 11. Februar 2021, 17:15
AVG-EVG: Aber da kämpfe ich gegen Windmühlen
Wen Du dich schon in Richtung "VG-Quichotte" aufmachst, nimm doch das °P als Ergebniseinheit einer Spindelprobe in Bier oder Jungbier gleich mit in den Kampf auf. Hier erwartet ein ganzer Windpark deinen Lanzenstich ;-)
Dann geht doch mal in den Galopp und klärt Neugierige ohne zu viel Abkürzungen auf: Was hat es mit dem Ausstossvergärungsgrad auf sich?
Ich fand nur das hierzu, wenig erschöpfend: https://www.mug-mikrobrauerei.ch/glossa ... echnologie
Ich sehe bei den vielen Arten von Vergärungsgraden ehrlich gesagt kein Land:
http://www.brewrecipedeveloper.de/misc/ ... grade.html
---
Viele Grüße / Regards
Radulph Kader
Rezepte, Tipps und Stories von Malte by Stubby Hobbs
Neu: Serie Brauzucker selber machen
"Wenn wir noch aufstehen können, bleiben wir da. Wenn wir nimmer aufstehen können, gehn wir heim."

Benutzeravatar
Ladeberger
Moderator
Moderator
Beiträge: 6391
Registriert: Dienstag 20. November 2012, 18:29

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#68

Beitrag von Ladeberger » Freitag 12. Februar 2021, 15:24

Im Grunde steht bei Oli alles, aber ich versuch's mal in eigenen Worten.

Der Ausstoßvergärungsgrad (AVG) beschreibt den scheinbaren Vergärungsgrad (VGs) zum Zeitpunkt des Ausstoßes; also einem Zeitpunkt, an dem das Bier im weitesten Sinne "verkaufsreif" konditioniert ist. Vulgo: Das Bier ist fertig und geht so raus. Zur Bestimmung des AVG muss sich das Bier nicht notwendigerweise im finalen Gebinde befinden, aber in einem Zustand sein, an dem sich im Extraktgefüge nichts mehr ändert.

Der Endvergärungsgrad (EVG) ist der im Labor mittels Vergärung mit Betriebshefe ermittelte, maximale VGs der Würze. Er wird bei uns mittels Schnellvergärungsprobe ermittelt. Dieser Wert ist also in der Würze fixiert, ganz unabhängig davon was im Gärkeller dann passiert. Eine Würzecharge hat folglich genau einen EVG. Genau wie eine Würze nur einen Stammwürzegehalt (°P) hat. Hat man den EVG nicht ermittelt, bleibt er unbekannt.

In der Regel möchte der Brauer den AVG möglichst nahe am EVG halten, also alles vergären, was zu vergären geht. Der AVG eines Bieres muss aber nicht immer dessen EVG entsprechen, kleine Differenzen sind möglich, vertretbar und werden teilweise sogar angestrebt. Die Differenz AVG zu EVG ist z.B. eine der Möglichkeiten, die Biere im Sortiment weiter zu differenzieren.

Zu hohe und unerwünschte Differenzen deuten aber auf Probleme im Bereich Hefemanagement, Anstelltechnik und Gärführung hin.

Würde man diese Bezeichnungen als Hobbybrauer von Anfang an internalisieren, fielen meines Erachtens sehr viele Unsicherheiten und Beratungsanlässe rund um den Gärverlauf und den ermittelten Vergärungsgrad weg.

Gruß
Andy

P.S.
Man liest im Forum in letzter Zeit häufiger vom "sEVG". Ich denke das ist nicht per se falsch, solange der EVG und nicht der AVG gemeint ist. Es ist im Grunde aber überflüssig, da der AVG und EVG Konzepte aus der betrieblichen Praxis sind, in denen immer mit den scheinbaren Werten gearbeitet wird. Insofern trägt es m.E. eher zur Verwirrung bei oder erweckt beim Anfänger den fatalen Eindruck, dass "scheinbar" eine Vorstufe (=gärt noch) zu "wahr" (=fertig gegoren) ist.

Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1949
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#69

Beitrag von rakader » Freitag 12. Februar 2021, 15:39

Ladeberger hat geschrieben:
Freitag 12. Februar 2021, 15:24
[toll erklärt]

P.S.
Man liest im Forum in letzter Zeit häufiger vom "sEVG". Ich denke das ist nicht per se falsch, solange der EVG und nicht der AVG gemeint ist. Es ist im Grunde aber überflüssig, da der AVG und EVG Konzepte aus der betrieblichen Praxis sind, in denen immer mit den scheinbaren Werten gearbeitet wird. Insofern trägt es m.E. eher zur Verwirrung bei oder erweckt beim Anfänger den fatalen Eindruck, dass "scheinbar" eine Vorstufe (=gärt noch) zu "wahr" (=fertig gegoren) ist.
Lieber Andy, vielen herzlichen Dank. Damit habe ich es verstanden. Olis Ausführungen sind mir (oft) zu komprimiert und zu technisch, wenn man nicht einen entsprechenden Hintergrund hat.

Ich fragte genau wegen des Begriffs sEVG. Den verwende ich und finde ihn nach Deinen Ausführungen praxistauglich. Ich engagiere mich beim Kleinen Brauhelfer, und da war gerade die Diskussion, ob tEVG oder sEVG in der Praxis wichtiger ist. Ich meine eben sEVG - und meine damit den AVG: der Brauer vergleicht den Vergärungsgrad auf der Hefetüte mit seinem Jungbier und leitet daraus ab, wie gut seine Hefe arbeitet. (Hefehersteller wie Wyeast oder WLP sprechen in ihren Datenblättern auch von "scheinbarer Endvergärungsgrad" - daran orientieren sich die Leute.) tEVG ist für mich der VG zur Berechnung des Alkoholgehaltes, also der EVG im Labor.

Die Problematik ist die, dass der AVG als Begriff korrekt, aber nahezu unbekannt ist. (Ich habe im Zuge dieses Threads zum ersten Mal davon gehört.) Man würde also bei Verwendung, wie Du auch anmerkst, Verwirrung stiften. Aber gut, man kann es in der Doku erklären.

Viele Grüße
Radulph
---
Viele Grüße / Regards
Radulph Kader
Rezepte, Tipps und Stories von Malte by Stubby Hobbs
Neu: Serie Brauzucker selber machen
"Wenn wir noch aufstehen können, bleiben wir da. Wenn wir nimmer aufstehen können, gehn wir heim."

Benutzeravatar
§11
Moderator
Moderator
Beiträge: 7773
Registriert: Freitag 30. Oktober 2015, 08:24

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#70

Beitrag von §11 » Freitag 12. Februar 2021, 16:48

Hefehersteller wie Wyeast oder WLP sprechen in ihren Datenblättern auch von "scheinbarer Endvergärungsgrad" - daran orientieren sich die Leute.
Da ist er auch richtig, weil dieser VG im Labor unter Laborbedingungen ermittelt wurde. Der Ausdruck EVG ist aber eben genau nur da richtig.

Der Unterschied ist einfach erklaert. Der EVG wird meist mit der Schnellvergaerprobe mitbestimmt oder nach MEBAK (2.8.1. - 2.8.3.). Dabei wird Hefe in einem absoluten Ueberschuss gegeben und bei Raumtemperatur auf dem Magnetruehrer vergoren. Diesen VG erreicht man in der Regel unter Betriebsbedingungen im Keller aber nicht.

Gruss

Jan
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

Benutzeravatar
§11
Moderator
Moderator
Beiträge: 7773
Registriert: Freitag 30. Oktober 2015, 08:24

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#71

Beitrag von §11 » Freitag 12. Februar 2021, 16:59

rakader hat geschrieben:
Freitag 12. Februar 2021, 15:39


Die Problematik ist die, dass der AVG als Begriff korrekt, aber nahezu unbekannt ist. (Ich habe im Zuge dieses Threads zum ersten Mal davon gehört.) Man würde also bei Verwendung, wie Du auch anmerkst, Verwirrung stiften. Aber gut, man kann es in der Doku erklären.

Viele Grüße
Radulph
Das sehe ich anders. Durch die konsequente falsche Nutzung bereits anders vorbelegter Fachausdruecke sorgt man eben genau dafuer das der "Hobbyist" verloren ist, wenn er auf "Profi-Wissen" zurueckgreift, weil er ploetzlich nur noch Bahnhof versteht. Die Brauersprache ist recht "bildreich" aber sie ist auch sehr präzise und beschreibt, in den aller meisten Faellen, genau einen Zustand. Spreche ich von EVGs, muss ich meinem Gegenueber nicht erklaeren wo und wann dieser gemessen wurde. Spreche ich von Bruch- und Staubhefe weiss mein Gegenueber das ich von UG Hefe spreche. Nutze ich diese Begriffe willkuerlich, muss ich sie "normieren" bevor ich Wissen nutze das auf diesen "normierten" Begriffen basiert und genau das fuehrt immer wieder zu Problemen (bestes Beispiel, die unsaegliche Diskussion um SHA und Brew House Efficiency, hier sind 1/3 der Angaben im Netz schlichtweg durcheinander gewuerfelt).

Gruss

Jan
„porro bibitur!“
Die Seite zum Buch "Bier brauen" https://www.jan-bruecklmeier.com/
Die Seite zur HBCon https://heimbrauconvention.de/
https://headlessbrewer.wordpress.com/

Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1949
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Optimaler Endvergärungsgrad

#72

Beitrag von rakader » Freitag 12. Februar 2021, 17:03

Da hast Du sicher recht und ich habe gerade bei Begrifflichkeiten von Dir und einigen anderen viel dazu gelernt, z.B. die Namen der Rasten. Es ist ein Henne-Ei-Problem. Ich kann schon verstehen, dass den Fachleuten da manchmal die Hutschnur platzt. Wir Nicht-studierten Nicht-Brauingenieure sind aber lernwillig :Bigsmile

Grüße
Radulph
---
Viele Grüße / Regards
Radulph Kader
Rezepte, Tipps und Stories von Malte by Stubby Hobbs
Neu: Serie Brauzucker selber machen
"Wenn wir noch aufstehen können, bleiben wir da. Wenn wir nimmer aufstehen können, gehn wir heim."

Antworten