rakader hat geschrieben: Mittwoch 8. Dezember 2021, 18:49
Nun frage ich mich, ob es Weiterentwicklungen gibt? Am besten wäre ein Tool, mit dem man wie im Screenshot von Mike die Öle pro Rezept aufgeschlüsselt nebeneinander stellen kann. Weiß jemand mehr oder hat etwas zur Hand?
Cheers und Grüße
Radulph
Der Wunsch Erfahrung durch Tools und Formeln zu ersetzen ist wohl so alt wie die Menschheit und, zugegeben, sehr spannend und verlockend.
Es gibt einen sehr interessanten Ansatz, der allerding, wie Oli so schön schreibt, seine Schwierigkeit in der Rohdatenlage haben dürfte. Die Idee ist das Gesamtöl des Hopfen per GC weiter in bestimmte Markersubstanzen zu zerlegen. Von einigen dieser Markersubstanzen kennt man nicht nur deren sensorische Eigenschaft, man kennt auch deren Stabilität im Brauprozess.
So weit so gut, aber was macht man nun damit?
Man nutzt diese diese Erkenntnis um den Einfluss von Hopfenmischungen vorhersagen zu können. Wird z.B. ein Hopfen mit hohem Geraniolgehalt mit einem anderem Hopfen mit hohem Geraniolgehalt verwendet, ergibt sich ein eher eindimensionales Aromaprofil. Das haben sensorische Versuche dann auch bestätigt.
Wird auf der anderen Seite z.B. ein Hopfen mit hohem Geraniolgehalt mit einem Hopfen mit hohem Linaloolgehalt gemischt, ergibt sich ein komplexes Aromaprofil. Ein Beispiel ist Nugget und Simcoe, die hervorragend zusammenpassen.
Durch die Stabilität dieser Markersubstanzen im Brauprozess lässt sich zudem eine Aussage treffen, welcher Zugabezeitpunkt besser geeignet ist. Centennial ist z.B. sehr reich an stabilen Substanzen und eignet sich daher zum Beispiel auch als Aromagabe im Sudhaus, im Whirlpool oder zum Stopfen während der Gärung. Letzteres vor allem weil diese Substanzen auch Ausgangsprodukte der Biotranformation sind. Cascade, auf der anderen Seite, ist relativ arm an stabilen Substanzen und wird deshalb besser zum Stopfen nach der Gärung eingesetzt. Auch hier wurde die These durch sensorische Versuche untermauert.
YCH hat dazu auch komplexere Versuche gemacht. So wurden mehrere Singlehop Biere gebraut und die fertigen Biere verschnitten. Gleichzeitig wurde ein Bier gebraut bei dem die Hopfen aus den Singlehop Bieren im gleichen Verhältnis eingesetzt wurden, allerding eben klassisch im Brauprozess. Ein geschultes Sensorikpanel konnte signifikante Unterschiede feststellen.
Unter anderem auf diesen Erkentnissen beruhen manche vorgefertigte Hopfenmischungen.
Nur, und hier schließt sich der Kreis, ist man nicht gerade ein Hopfenhaus, steht einem weder die Analytik zur Verfügung, noch kommt man ohne weiteres an die Daten. Einige sind veröffentlich, allerdings immer nur zu ein paar wenigen Hopfen. D.h. „man“ müsste sich die Daten in diversen Arbeiten zusammensuchen.
Gruss
Jan