Seite 1 von 1

Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2022, 12:39
von Mats
Hallo liebe Braugemeinde,

ich fülle mittlerweile all meine Sude im KEG ab. Nun will ich aber ein Weizenbock brauen, welches ja klassischerweise in Flaschen abgefüllt wird.
Spricht was dagegen, wenn ich es trotzdem ins KEG abfülle oder soll ich lieber bei der Flaschenabfüllung bleiben? Hat die Abfüllung ins KEG irgendwelche Auswirkungen?

Gut Sud
Mats

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2022, 12:58
von Ladeberger
Die Nachgärung im Keg bringt keine Nachteile gegenüber einer Flaschengärung. Die Unterschiede in der Behältergeometrie sind zu gering, um einen signifikanten Einfluss auf die Nachbildung von Estern zu haben. Etwas anderes wäre es, wenn du im Keg zwangskarbonisieren möchtest. Hier verliert man dann schon etwas an Aromapotenzial.

Das Problem mit Weißbier im Keg ist ansonsten, dass du Probleme mit der Homogenität bekommen kannst. Die ersten Gläser sind Hefesuspension, nach einem halben Keg hast du dann irgendwann "Kristallweizen". Hier hilft es das Keg auf den Kopf zu stellen oder zu schütteln, aber das zu oft zu machen, ist qualitativ auch nicht ideal.

Was ich daher ganz gerne mache ist, das Weizen direkt aus der Gärung im ZKT heraus unter Gegendruck in Flaschen zu füllen.

Gruß
Andy

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2022, 16:29
von hattorihanspeter
Ladeberger hat geschrieben: Freitag 7. Oktober 2022, 12:58 Etwas anderes wäre es, wenn du im Keg zwangskarbonisieren möchtest. Hier verliert man dann schon etwas an Aromapotenzial.
Spannend, das war mir bisher nicht bewusst.
Auf was lässt sich das zurückführen?

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2022, 16:40
von Ladeberger
Letztlich verlängert man die Gärung damit um ein paar Tage, ergo mehr Zeit für die Hefe Ester zu produzieren. Im Gegensatz zur offenen Gärung können die entstandenen Aromastoffe im geschlossenen Gebinde auch nicht mehr ausgasen.

Gruß
Andy

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2022, 17:17
von hattorihanspeter
Danke, Letzteres erschließt sich mir.

Wie verlängert sich dadurch die Gärung?
Dachte, dass Kälte und CO2 für die Hefe nicht förderlich sind. Zwangskarbonisiering erfolgt ja in der Regel kalt.

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Samstag 8. Oktober 2022, 09:16
von Ladeberger
Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Nochmal: Durch eine warme Nachgärung mit Speise/Zucker(insb. Glucose) nach abgeschlossener Hauptgärung verlängert sich das Zeitfenster, in dem die Hefe intensiv stoffwechselt und damit Aromastoffe produzieren kann. Es ist aus meiner Sicht nahezu egal, ob das in einer Flasche oder einem Keg stattfindet. Das sind aus technologischer Sicht beides Fingerhüte.

Bei einer Zwangskarbonisierung hat man diese nachgelagerte Phase der Esterbildung nicht. Selbstverständlich heißt das nicht, dass zwangskarbonisiertes Weizen nicht gut schmecken könnte. Man kann das kompensieren, indem man auf eine erhöhte Esterproduktion bei der Hauptgärung hinarbeitet.

Gruß
Andy

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Sonntag 9. Oktober 2022, 08:46
von hattorihanspeter
In der Tat hatte ich Dich falsch verstanden.
Nachgärung (bei Raumtemperatur) kann ja auch, wie Du schreibst, im Keg stattfinden und dennoch eine Zwangskarbonisierung, ohne Verlust an Aromapotenzial, im Anschluss stattfinden.
Hatte es so gelesen, dass eine Zwangskarbonisierung grundlegend von Nachteil ist.

Re: Weizenbock ins KEG?

Verfasst: Montag 10. Oktober 2022, 21:15
von haefner
Du musst halt wie Andy oben schon schrieb das Keg immer vorher bzw. rechtzeitig verkehrt rum lagern.

Wir hatten im Verein ein größeres Fest und haben da mehrere 30l Fässer Weißbier einer größeren Brauerei gekauft und im Kühlwagen gelagert. Der Chef vom Großhandel hat uns angewiesen die Fässer bis zum Anstechen auf dem Kopf zu lagern und dann zu drehen. Hat sehr gut funktioniert und geschmacklich als auch optisch gepasst.

Gruß Micha