Kaufbieranalytik: Stammwürze und Vergärungsgrad unbekannt
Verfasst: Montag 9. Februar 2026, 20:25
Hallo zusammen,
die ursprünglich vorhandene Stammwürze P aus einer unbekannten Bierprobe zu ermitteln ist für gewöhnlich Aufgabe einer aufwendigen und teuren Messtechnik. Seit wenigen Jahren gelingt die rückwirkende Stammwürzeermittlung auch dem Hobbybrauer:
In einer Bierprobe wird der Brixwert (Refraktometer) und der Extrakt scheinbar Es% (Spindel/Dichtemessgerät) bestimmt, ein Würze-Korrekturfaktor wird festlegt, eine Korrelationsfunktion für die Berechnung (Terrill, Gardner, Bonham, Novotný, ...) und ein passender Rechner wird ausgewählt, der mit den jetzt bekannten Eckdaten eine Bieranalyse mit Ergebnissen u.a. zur Stammwürze berechnet (gerne noch viele Ergebnisse mehr). Das wars.
Was hier schon auffällt:
Zu Berechnung einer Bieranalyse werden durchgängig mindestens zwei bekannte Werte benötigt und in den meisten Fällen ist einer dieser bekannten Parameter die Stammwürze, die wir uns (meistens) vor der Hefegabe notiert haben.
Fehlt die Information "Stammwürze", wie z.B. für ein "Kaufbier" oder für ein "habe ich vergessen zu gemessen", lässt sich kein Rechner mehr finden, der mit solch einer Lücke ad hoc umgehen kann.
Jedenfalls hatte ich neulich solch einen Kaufbiermoment.
Artig die Etiketten studiert und nur die Pflichtangabe Vol.-% gefunden, aber keine Information zur Stammwürze oder zum Vergärungsgrad.
Davon etwas angnervt habe ich mich hingesetzt und angefangen zu rechnen und mir war klar, dass es nur noch einen zusätzlichen Wert aus der Probe benötigt, Vol.-% ist vom Etikett bekannt, um eine Bieranalyse, incl. Stammwürze, rechnen zu können.
Der zusätzlich benötigte Wert war/ist die Dichte oder der Extrakt scheinbar Es% (Spindelwert), den eigentlich jeder mit seiner Spindel oder mit seinem Dichtemessgerät in einer Bierprobe bestimmen kann.
Zugegeben, ich hatte mir die Herleitung der Formel zur Berechnung der Stammwürze P aus Es% und Vol.-% nicht weiter aufregend vorgestellt, aber alleine die hantiererei mit den Dichten für Bier und Alkohol und mit den Ballingschen Attenuationsfaktoren machte schnell klar, dass sich ein schlankes Formelwerk für °P (Stammwürze) nicht so einfach aus dem Handgelenk schütteln liesse.
Die Formel hab' ich trotzdem hergeleitet und der erste Wurf war ein riesen Wurm, den wahrscheinlich nie jemand verwenden oder bedienen würde.
Das gesamte Entwurfsmuster hab ich mehrfach an ChatGPT durchgereicht und dringlich um Zusammenfassung und Vereinfachung gebeten.
Rausgekommen ist das hier ...
... und eine Seite mit Rechner, Quellenangaben, Erklärungen, Tücken und Beschreibungen habe ich gleich dazu gebaut und die Herleitung der Formel im Detail ist ebenfalls fast fertig.
Und was ist mit Brix-Werten oder Refraktometerablesungen. Geht das?
Ja.
Den Brix-Wert vom "Kaufbier" messen und den Erfassungswert Es% (AB) im Rechner so lange manipulieren, bis sich in der Ergebnisspalte BE der abgelesene Brixwert einstellt.
-> auf den Seiten ist das im Detail erklärt.
Ich habe ein wenig damit rumgespielt und ich fands dann doch ziemlich cool.
Vol.-% auf dem Etikett ablesen, Es% (spindeln) oder Brix messen und das wars. Der Rest wird berechnet, u.a die Stammwürze P.
Nachtrag vom 28.02.2026, #8 :
Die Herleitung der Formel von oben ist online verfügbar. Wer direkt einsteigen möchte, hier entlang.
Viel Spaß damit.
Gruß
Oli
die ursprünglich vorhandene Stammwürze P aus einer unbekannten Bierprobe zu ermitteln ist für gewöhnlich Aufgabe einer aufwendigen und teuren Messtechnik. Seit wenigen Jahren gelingt die rückwirkende Stammwürzeermittlung auch dem Hobbybrauer:
In einer Bierprobe wird der Brixwert (Refraktometer) und der Extrakt scheinbar Es% (Spindel/Dichtemessgerät) bestimmt, ein Würze-Korrekturfaktor wird festlegt, eine Korrelationsfunktion für die Berechnung (Terrill, Gardner, Bonham, Novotný, ...) und ein passender Rechner wird ausgewählt, der mit den jetzt bekannten Eckdaten eine Bieranalyse mit Ergebnissen u.a. zur Stammwürze berechnet (gerne noch viele Ergebnisse mehr). Das wars.
Was hier schon auffällt:
Zu Berechnung einer Bieranalyse werden durchgängig mindestens zwei bekannte Werte benötigt und in den meisten Fällen ist einer dieser bekannten Parameter die Stammwürze, die wir uns (meistens) vor der Hefegabe notiert haben.
Fehlt die Information "Stammwürze", wie z.B. für ein "Kaufbier" oder für ein "habe ich vergessen zu gemessen", lässt sich kein Rechner mehr finden, der mit solch einer Lücke ad hoc umgehen kann.
Jedenfalls hatte ich neulich solch einen Kaufbiermoment.
Artig die Etiketten studiert und nur die Pflichtangabe Vol.-% gefunden, aber keine Information zur Stammwürze oder zum Vergärungsgrad.
Davon etwas angnervt habe ich mich hingesetzt und angefangen zu rechnen und mir war klar, dass es nur noch einen zusätzlichen Wert aus der Probe benötigt, Vol.-% ist vom Etikett bekannt, um eine Bieranalyse, incl. Stammwürze, rechnen zu können.
Der zusätzlich benötigte Wert war/ist die Dichte oder der Extrakt scheinbar Es% (Spindelwert), den eigentlich jeder mit seiner Spindel oder mit seinem Dichtemessgerät in einer Bierprobe bestimmen kann.
Zugegeben, ich hatte mir die Herleitung der Formel zur Berechnung der Stammwürze P aus Es% und Vol.-% nicht weiter aufregend vorgestellt, aber alleine die hantiererei mit den Dichten für Bier und Alkohol und mit den Ballingschen Attenuationsfaktoren machte schnell klar, dass sich ein schlankes Formelwerk für °P (Stammwürze) nicht so einfach aus dem Handgelenk schütteln liesse.
Die Formel hab' ich trotzdem hergeleitet und der erste Wurf war ein riesen Wurm, den wahrscheinlich nie jemand verwenden oder bedienen würde.
Das gesamte Entwurfsmuster hab ich mehrfach an ChatGPT durchgereicht und dringlich um Zusammenfassung und Vereinfachung gebeten.
Rausgekommen ist das hier ...
... und eine Seite mit Rechner, Quellenangaben, Erklärungen, Tücken und Beschreibungen habe ich gleich dazu gebaut und die Herleitung der Formel im Detail ist ebenfalls fast fertig.
Und was ist mit Brix-Werten oder Refraktometerablesungen. Geht das?
Ja.
Den Brix-Wert vom "Kaufbier" messen und den Erfassungswert Es% (AB) im Rechner so lange manipulieren, bis sich in der Ergebnisspalte BE der abgelesene Brixwert einstellt.
-> auf den Seiten ist das im Detail erklärt.
Ich habe ein wenig damit rumgespielt und ich fands dann doch ziemlich cool.
Vol.-% auf dem Etikett ablesen, Es% (spindeln) oder Brix messen und das wars. Der Rest wird berechnet, u.a die Stammwürze P.
Nachtrag vom 28.02.2026, #8 :
Die Herleitung der Formel von oben ist online verfügbar. Wer direkt einsteigen möchte, hier entlang.
Viel Spaß damit.
Gruß
Oli