Bierklärungsexperiment

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marsabba
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Bierklärungsexperiment

#1

Beitrag von marsabba » Sonntag 5. November 2017, 16:43

Hallo,
seit einigen Monaten sind alle meine Biere erschreckend trüb. Nachdem ich früher keine Probleme hatte , jedes Bier klar zu bekommen, hat sich da wohl irgend was geändert...
Kandidaten sind:
* Ich verwende *kein* Irish Moss beim Hopfenkochen mehr (dachte das ist nicht nötig)
* Ich habe meine RO Anlage durch einen Vollentsalzer ersetzt (sauer/stark Basisch)
* Unser Wasserwerk mischt dem Leitungswasser was bei um die Leitungen zu "entrosten"
* Anderes Malz eingekauft
Neben der Ursachenforschung wollte ich auch herausfinden, welches Schönungsmittel in meinem Fall die besten Ergebnisse erzielt.
Deshalb dieses Experiment:

Setup:
Ausgangsbier ist ein englisches Mild Ale , 13 °P, moderat gehopft, Ringwood Hefe (stark sedimentierend), seit ca. einem Monat im Keg bei 10 Grad.
Bier ordentlich gerührt damit das CO2 entweicht, dann je 100 ml in 6 Gläser gefüllt.
Von jeden Schönungsmittel wurden 0.5g in 50ml Wasser eingerührt, dann davon 5ml in die Gläser gefüllt und eingerührt. Das sollte ungefähr 5g Schönungsmittel auf 10 l Bier entsprechen.
Probe 1: Irish Moss in kochendes Wasser gerührt, dann ohne Feststoffe ins Bier
Probe 2: Gelatine in warmes Wasser gerührt
Probe 3: Agar Agar in warmes Wasser gerührt
Probe 4: Kieselsol in warmes Wasser gerührt
Probe 5: Bentonit in warmes Wasser gerührt (Emulsion)
Probe 6: Keine Schönung, Vergleichsprobe

Die Proben wurden direkt in den Kühlschrank gestellt.
Nach 6 Stunden zeigte sich folgendes Bild (links=Probe 1, Rechtes=Probe 6)
ubersicht.jpg
Probe 1: Gute Klärung, Flockenbildung, Bier deutlich klarer
IM.jpg
Probe 2: Fast so gute Klärung wie Probe 1
Gelatine.jpg
Probe 3: Auch irgendeine Art von Klärung, aber eher eine Entfärbung.
Agar.jpg
Probe 4: Beste Klärung von allen Problem, besser als Probe 1
Kieselsol.jpg
Probe 5: Minimale Klärung, Bodensatz kommt eher vom Benonit selbst
Bentonit.jpg

Probe 6: Keine Klärung
Gegenprobe.jpg
Mal schauen wie das Ergebnis nach 24 Stunden ist...

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Re: Bierklärungsexperiment

#2

Beitrag von Bierjunge » Sonntag 5. November 2017, 17:45

Interessantes Experiment! :thumbup

Du hast alles mit der selben Schüttung gemaischt, oder?
Nicht dass ich Deine Mühe schlechtreden wollte, ganz im Gegenteil. Aber folgenden potenziellen Einfluss wirst Du damit noch nicht auflösen können:
marsabba hat geschrieben:
Sonntag 5. November 2017, 16:43
Kandidaten sind:
(...)
* Anderes Malz eingekauft
Ich werde nämlich gerade sehr hellhörig bei
marsabba hat geschrieben:
Sonntag 5. November 2017, 16:43
Ausgangsbier ist ein englisches Mild Ale
Was für Malz hast Du verwendet?
Denn ich hatte selber einmal den Effekt, dass (ganz wie bei Dir) alle meine Biere plötzlich unerklärlich trübe waren, solnge ich einen Sack Pale Ale Malz (von Best Malz) in Verwendung hatte. Nachdem er aufgebraucht war, und ich (wieder) mit Wiener Malz (von Weyermann) braute, war der Spuk wieder vorbei.
Siehe z.B. auch hier:
Schrot/Malz und Eiweißtrübung - hobbybrauer.de

Moritz

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Re: Bierklärungsexperiment

#3

Beitrag von marsabba » Sonntag 5. November 2017, 18:52

Hauptbestandteil war hier Pale Ale Malz von der Ireks. Vorher habe ich hauptsächlich Malze von der Klostermalz verwendet.
Nachdem ich immer Sackweise kaufe und nicht sooo viel Braue liegt da auch noch ein Jahr dazwischen, also Ernte 2015 vs. Ernte 2016 oder vielleicht auch schon 2017.
Ich will jetzt hier aber keine wilden Behauptungen aufstellen über die Qualität verschiedener Malze; ich bin mir sicher, das jede Mälzerei hier in D ihr Handwerk versteht und einwandfreie Produkte liefert; das muss aber nicht heissen das man die Malze verschiedener Jahrgänge/Mälzereien einfach austauschen kann ohne an den Prozessparametern zu drehen (Stichwort Eiweisrast).

Grüße
Martin

PS: Du wolltest sicher das hier verlinken

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Re: Bierklärungsexperiment

#4

Beitrag von marsabba » Sonntag 5. November 2017, 19:09

Hier eine Probe nach der Zugabe von etwas Natronlauge . Absolut klar im vergleich zur linken originalprobe.
Also simple Eiweistrübung.
MitLauge.jpg
Ach ja: Nach Zugabe von Jod tritt keine Schwarzfärbung auf.

@Bierjunge & Olibaer: Vielen Dank für die Info !
Zuletzt geändert von marsabba am Sonntag 5. November 2017, 19:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bierklärungsexperiment

#5

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 5. November 2017, 19:16

Sehr schön Martin. Ich denke jetzt wird es für mich auch Zeit mal Kieselsol zu testen.

Würdest du am Ende des Klärungsversuches bitte auch noch ein paar Worte zur Stabilität des Bodensatzes der einzelnen Proben schreiben?

Den Eiweißtest mit Natronlauge kannte ich auch noch nicht. Einfach und effektiv. :thumbup
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
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"Alkoholfreies Bier??? ..."
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Viele Grüße
Jens

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Re: Bierklärungsexperiment

#6

Beitrag von Johnny H » Sonntag 5. November 2017, 19:41

Interessant!

Ich hatte auch zeitweilig Probleme mit trüben Suden, die ich auf das verwendete Maris Otter-Malz geschoben habe. Ich habe immer noch was übrig von der in Verdacht stehenden Charge und, wie es der Zufall will, heute das erste Mal seit längerer Zeit mal wieder obergärig damit gebraut. Ich werde berichten, wobei ich mittlerweile mein Verhältnis HG/NG verändert habe und auch etwas kälter anschwänze, was die Gerbstoffauslaugung vielleicht etwas reduziert.

Hier der ursprüngliche Thread bzw. ein paar Lösungsansätze:
viewtopic.php?p=153578#p153578
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
(E. Jalowetz, Pilsner Bier im Lichte von Praxis und Wissenschaft, 1930)

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Re: Bierklärungsexperiment

#7

Beitrag von marsabba » Montag 6. November 2017, 20:57

So,
hier die Ergebnisse nach 36 Stunden. Überraschenderweise sind sie anders als nach 6 Stunden erwartet...
Irish Moss:
Klärung +
Sediment kompakt, Grobflockig.
1-IM.jpg
Gelatine:
Klärung: ++
Sediment kompakt, Grobflockig.
2-Gel.jpg
Agar Agar:
Klärung ++ (Bestes Ergebnis)
Sediment: Voluminös, feinflockig
3-Agar.jpg
Kieselsol:
Klärung +
Sediment: Kompakt, Feinflockig
(Leider schon geschüttelt bevor Bild gemacht wurde :Mad2 )
4-Kieselsol.jpg
Bentonit:
Klärung: 0
Sediment: Kompakt, Feinflockig.
5-Bent.jpg
Und hier nochmal die ersten 4 nach dem Aufschütteln:
Schuetteln.jpg
Als letzter Test: Todesmutige Geschmacksprobe
Ergebnis: Alle gleich, kein Unterschied feststellbar.

Mein Fazit so weit:
Ich werde in Zukunft wieder mit Irish Moss beim Würzekochen und Gelatine beim Cold Crash arbeiten.
RHG hin oder her, mit diesen beiden gesundheitlich unbedenklichen Zutaten ist ein klares Bier wesentlich warscheinlicher zu erreichen, auch bei diversen unwägbarkeiten beim Brauprozess und den Zutaten.

Morgen wird das ganze mit einem Rye IPA wiederholt...

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Re: Bierklärungsexperiment

#8

Beitrag von Bronkhorst » Montag 6. November 2017, 22:10

Schönes Experiment, danke dafür!
Ich frage mich warum du planst Gelatine statt Agar Agar in Zukunft zu verwenden? Wo das Ergebnis bei Agar Agar doch besser ist!

Gruß
Jens

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Re: Bierklärungsexperiment

#9

Beitrag von Mjoelnir » Montag 6. November 2017, 22:14

Bei Agaragar hast du ja fast 1/5 Bodensatz. Ist ja verrückt.
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Grüße
Daniel

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Re: Bierklärungsexperiment

#10

Beitrag von marsabba » Montag 6. November 2017, 22:32

Ganz genau. Der Bodensatz ist erschreckend gross und "fluffig". Die hohen Verluste beim Abziehen und das leichte Aufwirbeln möchte ich nicht haben...

Grüße
Martin

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Re: Bierklärungsexperiment

#11

Beitrag von danieldee » Dienstag 7. November 2017, 08:17

Agar Agar ist halt trotzdem günstig und leicht zu haben. Wieviel würdest du da nehmen Martin?
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dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will"
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Re: Bierklärungsexperiment

#12

Beitrag von Mjoelnir » Dienstag 7. November 2017, 10:11

Gelatine ist doch noch günstiger als Agaragar
"Hey you, beer me, beer me for always...beer us together"
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Grüße
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Re: Bierklärungsexperiment

#13

Beitrag von pottate » Dienstag 7. November 2017, 10:19

Tolles Expirement! Endlich eine schöne pragmatische Gegenüberstellung.
Das ist nachvollziehbar! Ein Hoch auf die Alge.

Werde mir Gelantine auch mal in den Bestand holen und testen.

Vielen Dank!

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Re: Bierklärungsexperiment

#14

Beitrag von danieldee » Dienstag 7. November 2017, 10:35

Mjoelnir hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 10:11
Gelatine ist doch noch günstiger als Agaragar
Das Ergebnis aber nicht so gut
"Bier ist der überzeugende Beweis dafür,
dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will"
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Re: Bierklärungsexperiment

#15

Beitrag von Mjoelnir » Dienstag 7. November 2017, 10:59

Also zumindest bei Martins Experiment ist ersichtlich, dass Agaragar nicht zu einem kompakten Sediment führt. Bringt doch nichts, wenn man 1/5 oder mehr seiner Bieres nicht trinken kann, weil man da so ein lockeres Sediment rumschwirren hat. Kann natürlich gut sein, dass sich das mit der Zeit kompaktiert.
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Re: Bierklärungsexperiment

#16

Beitrag von Gimplbrauer » Dienstag 7. November 2017, 11:40

Mein Fazit so weit:
Ich werde in Zukunft wieder mit Irish Moss beim Würzekochen und Gelatine beim Cold Crash arbeiten.
RHG hin oder her, mit diesen beiden gesundheitlich unbedenklichen Zutaten ist ein klares Bier wesentlich warscheinlicher zu erreichen, auch bei diversen unwägbarkeiten beim Brauprozess und den Zutaten.
Das sehe ich genau so.

Selbereiner macht zur Klärung regelmäßig folgendes:
Irisch Moss, 10 Minuten vor Kochende: 2 g / 10 Liter Würze
Biersol , nach der HG: 5 ml / 10L Jungbier
Ca. 24 Std nach der Biersol-Gabe: Gelatine mit 1g / 10L Jungbier
Cold crash nur dann wenn eine Breitseite notwendig sein sollte.

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Re: Bierklärungsexperiment

#17

Beitrag von jemo » Dienstag 7. November 2017, 12:12

Mir reicht eigentlich die Klärung mit Irish Moss, da dann geschätzte 90% der Trubstoffe gebunden werden. Für die letzten 10% noch Gelantine einsetzen, das isses mir nicht wert. Muß natürlich jeder selbst wissen.
Derzeit auf Glycerin: W177,208; WLP001,002,007,011,029,400,530,565,4000; Wyeast1084,1272,3068; Z043; Framgarden; Tomcat
Gerne Tausch, kein Verkauf, nix für lau.
Viele Grüße, Jens

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Re: Bierklärungsexperiment

#18

Beitrag von Sura » Dienstag 7. November 2017, 12:13

Nach meinen Erfahrungen ergibt Gelatine kein festes Sediment! Wie es im Verglich zu den anderen Schönungsmitteln ist kann ich nicht beurteilen, aber es ist keinesfalls fester als ohne Gelatine.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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Re: Bierklärungsexperiment

#19

Beitrag von danieldee » Dienstag 7. November 2017, 12:44

Mjoelnir hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 10:59
Also zumindest bei Martins Experiment ist ersichtlich, dass Agaragar nicht zu einem kompakten Sediment führt. Bringt doch nichts, wenn man 1/5 oder mehr seiner Bieres nicht trinken kann, weil man da so ein lockeres Sediment rumschwirren hat. Kann natürlich gut sein, dass sich das mit der Zeit kompaktiert.
Das kannst du doch gerne für dich machen. Ich möchte Agar Agar ausprobieren, da ich bei Gelatine auch kein kompaktes Sediment habe. Und wer sagt denn eigentlich dass es 1/5 Sediment ist? Kann man von einem EInmachglas auf einen Gäreimer schließen? Ich denke nicht.

Ich habe den Fermentasaurus und da kann ich wunderbar den Trub abscheiden.

Also nochmal Martin, wieviel pro HL nimmt man da?

Danke und Gruß Daniel
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Re: Bierklärungsexperiment

#20

Beitrag von chaos-black » Dienstag 7. November 2017, 13:36

Dankeschön für dieses Experiment Martin :)
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

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Re: Bierklärungsexperiment

#21

Beitrag von nrtn » Dienstag 7. November 2017, 14:15

Ich hatte ein bisschen Sorgen, dass der Algengeschmack beim Agar Agar durchkommt, aber wenn dem nicht so ist scheint das ja mit Blick auf die Veganerverträglichkeit, Sedimentation, den Methanhaushalt des Planeten und von Preis/Vergügbarkeit her klar der Gewinner zu sein. Lässt sich ja immernoch kompbinieren (IM+Kieselsol+Agar Agar)...

Grüße,
Richard

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Re: Bierklärungsexperiment

#22

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 7. November 2017, 14:21

nrtn hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 14:15
Lässt sich ja immernoch kompbinieren (IM+Kieselsol+Agar Agar)...
Am durchsichtigsten ist das Bierglas, wenn es wieder leer ist :Bigsmile
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
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Re: Bierklärungsexperiment

#23

Beitrag von nrtn » Dienstag 7. November 2017, 15:18

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 14:21
nrtn hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 14:15
Lässt sich ja immernoch kompbinieren (IM+Kieselsol+Agar Agar)...
Am durchsichtigsten ist das Bierglas, wenn es wieder leer ist :Bigsmile
Ist auch mit Abstand die günstigste Klärungsmethode..

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Re: Bierklärungsexperiment

#24

Beitrag von marsabba » Dienstag 7. November 2017, 20:05

Agar Agar ist halt trotzdem günstig und leicht zu haben. Wieviel würdest du da nehmen Martin?
ich habe bei allen Mitteln jeweils 5g auf 10 L verwendet. Evtl geht aber auch weniger.
Ob sich der Schmodder nach weiteren Tagen noch besser absetzt wäre auszuprobieren...

Grüße
Martin

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Re: Bierklärungsexperiment

#25

Beitrag von marsabba » Dienstag 7. November 2017, 20:23

So,
wie angedroht hier der zweite Teil mit einer neuen Klärungsherausforderung.
Diesmal wurde ein Rye IPA (10% Roggenmalz, Tonnenweise Stopfhopfen nach der Hauptgärung, Bier seit 3 Wochen im Keg bei 10 Grad) versucht zu klären.
Klärungsmittelzugabe wie beim ersten Versuch, so dass hochgerechnet 5g/10l verwendet wurden.

Die Natronlauge-Gabe zeigt nur eine minimale Klärung -> hier haben wir es wohl nicht nur mit Eiweistrübung zu tun.
mit-natronlauge.jpg
Und so sind die Ergebnisse nach 24 Stunden :
Probe 1 - Irish Moss
Klärung: ++, Kompaktes, grobflockiges Sediment
1-IM.jpg
Probe 2: Gelatine
Klärung: +, Kompaktes, eher feines Sediment
2-Gel.jpg
Probe 3: Agar Agar
Klärung: ++, allerdings setzt sich das sediment erst minimal ab, das dauert sicher noch ein paar Tage.
3-Agar.jpg
Probe 4: KieselSol
Klärung: ++, Kompaktes, grobflockiges Sediment
4-Kieselsol.jpg
Probe 5: Bentonit
Klärung: 0, Kompaktes, feinflockiges Sediment
5-Bentonit.jpg
Probe 6: Gegenprobe
6-Gegenprobe.jpg
Hier nochmal in der Übersicht (links=probe 1)
Ubersicht.jpg
Fazit: Auch hier erweist sich Agar als bestes , aber schwer zu handhabendes Klärungsmittel. Irish Moss und Kieselsol klären aber auch ganz ordentlich vor der eher enttäuschenden Gelatine.

Was ich gelernt habe:
Bei allen Bieren mit Irish Moss (Würzekochen) und Gelatine (cold crash) klären. Bei Hopfenlastigen Bieren evtl auch noch mit KieselSOl (soll ja eh immer in Kombination mit Gelatine verwendet werden zwecks kompletter Ausfällung).


Grüße
Martin

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Re: Bierklärungsexperiment

#26

Beitrag von Fle4 » Dienstag 7. November 2017, 20:31

Vielen Dank für deine Mühe. :thumbup

Grüße Flo
Draft beer, not people.

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Re: Bierklärungsexperiment

#27

Beitrag von Tozzi » Dienstag 7. November 2017, 21:41

Super Experiment, danke Martin! :Drink
Das bestätigt mich darin, auch weiterhin Irish Moss zu verwenden.
Viele Grüße aus München
Stephan

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Re: Bierklärungsexperiment

#28

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Dienstag 7. November 2017, 21:55

Wirklich, Hut ab! Die Versuchsreihe hat einen echten Mehrwert für mich. Besonders, dass auch der zweite Fall mit der Hopfentrübung beleuchtet wurde.

Während der HG bleibe ich auch beim Irish Moss. Das bindet das Eiweiß gut und kompakt.
Bei kaltgehopften Bieren teste ich ab jetzt 1-2 Tage vor dem Abfüllen ein Schluck Kieselsol. Das "wattige" Eiweißsediment des Kieselsols wird sich hoffentlich in Grenzen halten, weil das meiste Eiweiß zuvor bereits durch das IM gebunden wurde. Die Hopfentrübung fängt das Kieselsol dafür wieder gut und kompakt ein.

Danke Martin.
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Re: Bierklärungsexperiment

#29

Beitrag von olibaer » Dienstag 7. November 2017, 22:58

Hallo Martin,

toller Versuch - ich steh' auf sowas :-)

Vielleicht noch eine Anmerkung zum Einsatz von Kieselsol bei einer u.a. hier festgestellten Eiweißtrübung(dein Test mit Natronlauge):

Kieselsol spielt sein ganzes Können immer dann aus, wenn eine Dosage im Kaltbereich erfolgt (0-5°C):
  • erst kühlen
  • dann Notwendigkeit feststellen
  • dosieren ja/nein
Die Affinität Kieselsol zu kältelabilen Einweiß ist in diesem Umfeld enorm. Geringe Einsatzmengen führen zu unglaublichen Kläreffekten im Überstand - und begleitend zu sehr dichten Trubdepots im Sediment.

Was ich jetzt ein wenig bedenklich finde ist, dass deine mehrwertige Versuchsreihe jetz im "Was und wieviel endet " und nicht im "woher kommt das". Du selbst hattest den richtigen Ansatz schon auf der Zunge. Zitat, du selbst:

"[...]ich bin mir sicher, das jede Mälzerei hier in D ihr Handwerk versteht und einwandfreie Produkte liefert; das muss aber nicht heissen das man die Malze verschiedener Jahrgänge/Mälzereien einfach austauschen kann ohne an den Prozessparametern zu drehen"

Genau. Aber: in seiner reinen Natur trifft das natürlich auf jede Malzcharge in den üblichen Abgrenzungen zu:
  • Jahrgang
  • Provenienz
  • Rohfruchtsorte
  • Verarbeitung

Ist "immer so", stellt sich aber trotzdem die Frage, wie es ausgerechnet ein PaleAleMalz, dass sich in seiner Proteolyse kaum von einem PilsnerMalz unterscheiden lässt, immer wieder mit seinen teils geringen Schüttungsanteilen auf die "Blacklist" der ungewollten Eiweißtrübungen schafft(nicht nur hier im Forum) - das ist der eigentlich spannende Teil rund um die festgestellte Ergebnislage.

Zu ermitteln, welches Schönungsmittel ich als Hobbybrauer in welcher Konzentration im Heiß-/Kaltbereich zu dosieren habe ist langweilig und flankierend ergibt sich aus den breit gefächerten (subjektiven) Erfahrungswerten ein Ergebnisbild, dass droht noch mehr lose Enden in einen Wissenshaushalts zu transferieren, der noch gar nicht vorhanden ist(auch bei mir nicht).

Ich würde mir eine "rohstofflastige" Diskussion rund um PaleAle und MarisOtter wünschen, nicht um Schönungsmittel ... ist ja bald Weihnachten.

Nicht ungewollt ein wenig provokant ;-)
Gruss
Oli
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Re: Bierklärungsexperiment

#30

Beitrag von danieldee » Mittwoch 8. November 2017, 06:56

marsabba hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 20:05
Agar Agar ist halt trotzdem günstig und leicht zu haben. Wieviel würdest du da nehmen Martin?
ich habe bei allen Mitteln jeweils 5g auf 10 L verwendet. Evtl geht aber auch weniger.
Ob sich der Schmodder nach weiteren Tagen noch besser absetzt wäre auszuprobieren...

Grüße
Martin
Martin welches Agar Agar verwendest du?
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Re: Bierklärungsexperiment

#31

Beitrag von marsabba » Mittwoch 8. November 2017, 08:15

@Daniel: Ich glaube es war das hier

@Olibaer: Richtig, mein Experiment war sehr pragmatisch-zielorientiert.
Ursachenforschung ist für den gewöhnlichen Hobbybrauer doch sehr schwer, ohne Labor und ohne genaue Malzanalysen ( Alle öffentlich zugänglichen Malzanalysen die ich kenne sind ein Witz und so breit gefasst das sie wertlos sind).

Die hochinteressante Frage die du einwirfst, warum gerade das PaleAle oft auffällt. kann meines Erachtens wohl nur jemand vom Fach beantworten... du hast da nicht zufällig noch ein paar Hinweise ? :Smile

Ideal wäre es, wenn wir direkt von den grossen Mälzereien regelmässig eine für den Hobbybrauer aufbereitete Malzanalyse bekämen in der Art "2017er Malz : Eiweisrast min 10 min, nicht unter 62 Grad maischen" oder so...


Grüße
Martin

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Re: Bierklärungsexperiment

#32

Beitrag von danieldee » Mittwoch 8. November 2017, 08:20

marsabba hat geschrieben:
Mittwoch 8. November 2017, 08:15
Die hochinteressante Frage die du einwirfst, warum gerade das PaleAle oft auffällt. kann meines Erachtens wohl nur jemand vom Fach beantworten... du hast da nicht zufällig noch ein paar Hinweise ? :Smile
Schreib doch den Matthias (hiasl) an, wenn es der nicht weiß dann keiner!
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Re: Bierklärungsexperiment

#33

Beitrag von olibaer » Donnerstag 9. November 2017, 00:02

Hallo Martin,
marsabba hat geschrieben:
Mittwoch 8. November 2017, 08:15
@Olibaer: Richtig, mein Experiment war sehr pragmatisch-zielorientiert
Eben. Deswegen fand ich deinen Beitrag ja so toll.
marsabba hat geschrieben:
Mittwoch 8. November 2017, 08:15
Ursachenforschung ist für den gewöhnlichen Hobbybrauer doch sehr schwer, ohne Labor und ohne genaue Malzanalysen ( Alle öffentlich zugänglichen Malzanalysen die ich kenne sind ein Witz und so breit gefasst das sie wertlos sind).
Ist mir klar. Die "genauen" Malzanalysen hatte ich für den Jahrgang 2017 aber musterhaft für einen Lieferanten verlinkt und mit welcher Parametersammlung ein Brauer alltäglich als "Malzanalyse" umzugehen hat ebenfalls: siehe Post #29 :
- verlinkter Beitragstext "unterscheiden"
- verlinkter Beitragstext "Proteolyse"

marsabba hat geschrieben:
Mittwoch 8. November 2017, 08:15
Ideal wäre es, wenn wir direkt von den grossen Mälzereien regelmässig eine für den Hobbybrauer aufbereitete Malzanalyse bekämen in der Art "2017er Malz : Eiweisrast min 10 min, nicht unter 62 Grad maischen" oder so...
Naja, wenn man für das kg Malz künftig 10 Euro bezahlen möchte ... und überhaupt hat der Mälzer keinen Bezug zu Deiner Rezeptur, respektive in welchen Schüttungsverhältnissen du deine Rohstoffe verbraust. Die Begleitumstände, z.B. deine Wasserqualität, kennt er auch nicht. Ich denke das ist so eine Sache, die man sich im Überschwang einfach mal so "zusammenträumt" ;-)
marsabba hat geschrieben:
Mittwoch 8. November 2017, 08:15
Die hochinteressante Frage die du einwirfst, warum gerade das PaleAle oft auffällt. kann meines Erachtens wohl nur jemand vom Fach beantworten... du hast da nicht zufällig noch ein paar Hinweise ?
Habe ich schon. Ich schau mir mal meine wichtigsten Rohstoffe "analytisch" nebeneinander an. Links Pilsner, rechts PaleAle:
MalzanalysenPilsUndPaleAle.png
Quelle: Produktbeschreibungen Weyermann

... für alles weitere sollte man diesen Artikel mal' gelesen haben !

Betrachtet man die Rohstoffanalysen nur "eiweißseitig", also genau an der Stelle, die uns die Trübungsprobleme augenscheinlich machen fällt auf, dass es nahezu keinen Unterschied gibt. Verlockt zu der Erkenntnis: "alles gut".

Dehnt man seinen Blickwinkel in Richtung Cytolyse(Viskosität, Friabilmeterwerte, Verzuckerungszeit, ...) etwas weiter aus, kommen dann doch deutliche Unterschiede zum Vorschein.

Als Brauer geht man jetzt her und versucht aus der Erkenntnis "normale Eiweißlösung" und "mäßiger Cytolyse" einen Zusammenhang für eine übermäßige Eiweißtrübung zu finden und in einem letzten Schritt, wie man solch einem unangenehmen Erscheinungsbild präventiv entgegen wirken kann. Übrigens eine ganz "normale" Anforderung, die RHG-Brauer im Alltag stetig und ständig bedienen müssen ;-)

Was man jetzt je Einzelfall, ohne den Einsatz von "Schönungsmitteln" und womöglich noch RHG-Konform tun&versuchen kann, reicht im Beitragsumfang in Richtung Dissertation - schon alleine ohne den ganz besonderen Umstand, dass wir Hobbybrauer mit begrenzten Möglichkeiten sind.

Tun kann man trotzdem was' und für gewöhnlich fängt man immer ganz von vorne an - bei der Rezeptur:
"Wenn ich meine Teilschüttung PaleAle von 20% auf 40% erhöhe, bringt mir das Vorteile fürs "Ale", oder wirds dadurch nur trüber ohne weiteren Mehrwert ?" ;-)

... natürlich gibts' noch andere für den Hobbybrauer gebrauchsfähige Bordmittel - oft Banalitäten:
  • besteht die Möglichkeit meine Spezialmale gesondert zu behandeln(-> fraktioniert einmaischen, Gussführung, ...)
  • habe ich meine pH-Werte im Griff ?
  • rühre ich wie wild oder drehe ich den Whirpool schonend an ?
  • wie sieht meine Anstelltechnik aus - vielleicht angstbehaftet immer zu warm ?
  • habe ich die Würze- und Bierbereitung als Ausscheidungsprozess begriffen und lebe das zeitnah wo immer es geht ?
  • usw...viele, viele Rädchen

Wenn ich ein bereits bekanntes, identifiziertes und immer wieder kehrendes Problem vor mir habe, muss ich halt tun - nicht einfach blindlings produzieren, um dann im finalen Augenschein aus einem Ungemach wieder ein "schick" zu machen - herrje:

Frage: "Dein Hobbybrauerbier schmeckt lecker und ist nicht so ekelhaft trüb wie die anderen - wie haste dass denn gemacht?"
Antwort: "AgarAgar 2g/l, Kieselsol 5g/l, ...."

Bitte nicht.
Gruss
Oli
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Re: Bierklärungsexperiment

#34

Beitrag von Bierjunge » Donnerstag 9. November 2017, 07:20

Mal wieder ein echtes Oli-Posting: :goodpost:
Maximal verdichtet, wissenschaftlich fundiert und es wert, mit höchster Konzentration gelesen zu werden.

Ich nehme für mich daraus mit, dass ich mit meiner (bislang gänzlich unmethodischen) Beobachtung, dass bestimmte Chargen von Pale Ale Malz bei ansonsten gleichem Maischprogramm zu deutlich stärkerer Eiweißtrübung führen können, keine hysterische Einbildung zu sein scheint.
Und dass es die Malzanalysen verdienen, künftig genauer gelesen zu werden. Die entsprechenden Lesehilfe hast Du in den verlinkten Beiträgen ja bereits geliefert.

Danke Oli, wieder ein Rätsel weniger.

Moritz

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Re: Bierklärungsexperiment

#35

Beitrag von marsabba » Donnerstag 9. November 2017, 08:35

Morgen,
leider wird mir immer weniger klar.
Vergleiche ich die Ireks PaleAle Spezifikation mit obigen Weyermännern, so sehe ich nur, das das Ireks Pale Ale in allen Parametern gleichauf mit dem Weiermann Pale&Pilsner Malzen ist, und bei Viskosität/Friabilimeter tendenziell eher besser. Da passt doch was nicht zusammen ??? Spätestens jetzt hätte ich das Malz auf der Suche nach Ursachen für mein trübes Bier ausgeklammert.

Unabhängig davon werde ich natürlich versuchen, die von dir beschriebenen hobbybrauertauglichen Massnahmen für ein klareres Bier zu berücksichtigen, auch wenn das ein langer Weg werden wird; zur Not kann mans ja noch im Keg schönen.

Und für diese unnötige Spitze entschuldige ich mich schon im Voraus:
Frage: "Dein Hobbybrauerbier schmeckt lecker und ist nicht so ekelhaft trüb wie die anderen - wie haste dass denn gemacht?"
Antwort: "AgarAgar 2g/l, Kieselsol 5g/l, ...."
Antwort: "PVPP, dann Filtration" klingt auch nicht besser :Greets

Viele Grüße
Martin

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Re: Bierklärungsexperiment

#36

Beitrag von Tiexel » Donnerstag 9. November 2017, 09:11

Ehrlich gesagt kann ich als Hobbybrauer mit Informationen bez. der Rohstoffeinflüsse nicht viel i.d.Praxis anfangen. Eine fundierte Problembeschreibung (mit Ursachen die außerhalb meines Einflussbereiches liegen) sowie Hinweise auf eine Vielzahl von Stellschrauben für Hobbybrauer (in welche Richtung soll ich die eigentlich drehen?) bringen mich leider nicht weiter.
Trotzdem, vielen Dank für die interessanten Informationen und den Erkenntnisgewinn:
Mangels praktikablen und wirksamen Alternativen werde ich als Hobbybrauer wohl Agar Agar, Kieselsol und wie sie alle heißen, weiterhin treu bleiben.
Wie gärt es Dir?
Ich hopfe gut.

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Re: Bierklärungsexperiment

#37

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Donnerstag 9. November 2017, 09:12

Zu den vermeidbaren Trübungsanteilen gibt es auch einen tollen Artikel im Braumagazin.
http://braumagazin.de/article/bierfehle ... rtruebung/
Oli, worauf du hinaus willst ist auch klar. Dein Post regt mal wieder zum Überdenken des kompletten eigenen Brauprozesses von der Rezeptentwicklung bis zum Anstellen an.

Trotzdem bleiben immer unvermeidbare Trübungsanteile durch Eiweiß oder Hopfenbestandteile im Jungbier zurück, die dort meistens nicht hingehören. Die unschöne Optik mal außen vor gelassen. Die Hefetrübung lasse ich mal außen vor, weil Diese meiner Meinung nach entweder gewollt im Bier verbleibt oder durch Ungeduld im Glas landet.
Deshalb filtriert die Industrie mit PVPP oder Crosspure und wir Hobbybrauer versuchen die Trübung mit "Sedimentationshilfsmitteln" wie Kälte+Zeit, Irish Moss, Gelatine, Kieselsol oder Agar Agar an den Kragen zu gehen. Irgendwie muss man sie so gut es geht eliminieren, damit das Bier am Ende nicht breit schmeckt und es nicht nach ein paar Wochen geschmacklich komplett kippt.
Das präventive Hinzugeben von Klärungsmitteln finde ich im Hobbybrauerbereich deshalb genauso gut und richtig. In der Industrie wird auch immer filtriert und stabilisiert. Es geht letztendlich in beiden Fällen darum, dass man am Ende ein möglichst klares Bier im Glas hat, das wie erwartet schmeckt und das nicht in Windeseile altert.

Edit: Satzbau
Zuletzt geändert von DerDerDasBierBraut am Donnerstag 9. November 2017, 10:44, insgesamt 1-mal geändert.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens

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Re: Bierklärungsexperiment

#38

Beitrag von bobeye » Donnerstag 9. November 2017, 09:44

danieldee hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 12:44
Mjoelnir hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 10:59
Also zumindest bei Martins Experiment ist ersichtlich, dass Agaragar nicht zu einem kompakten Sediment führt. Bringt doch nichts, wenn man 1/5 oder mehr seiner Bieres nicht trinken kann, weil man da so ein lockeres Sediment rumschwirren hat. Kann natürlich gut sein, dass sich das mit der Zeit kompaktiert.
Das kannst du doch gerne für dich machen. Ich möchte Agar Agar ausprobieren, da ich bei Gelatine auch kein kompaktes Sediment habe. Und wer sagt denn eigentlich dass es 1/5 Sediment ist? Kann man von einem EInmachglas auf einen Gäreimer schließen? Ich denke nicht.

Ich habe den Fermentasaurus und da kann ich wunderbar den Trub abscheiden.

Also nochmal Martin, wieviel pro HL nimmt man da?

Danke und Gruß Daniel
Ich hab da eine Frage zum Klären in einem Unitank. Wann und wie würde mann denn da das Klärungsmittel zugeben, wenn schon Druck aufgebaut ist über den Trub-Ablass, oder bevor man Druck aufbaut rein damit, aufkarbonisieren, absetzen lassen und Trub ablassen?

LG
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Re: Bierklärungsexperiment

#39

Beitrag von karlm » Donnerstag 9. November 2017, 12:26

Mein Senf:
Vielen Dank für die Versuchsreihe und die ausführliche Darstellung der Ergebnisse und die damit verbundene Mühe. :thumbup Ich bin sicher, dass ich hier mal wieder reingucken werde, wenn ich mich mal mit Schönungsmitteln beschäftigen werde.

Allerdings steht mir gar nicht der Sinn danach mir irgendwelches Zeugs ins Bier zu kippen. Egal wie natürlich das ist. Warum auch? Meine Biere werden klar (genug). Mehr als einen ordentlichen Brauprozess, einen Coldcrash und ein wenig Zeit brauche ich dafür nicht.
Falls ich mal ein leckeres kristallklares Bier möchte, dann gehe ich gerade zum Getränkedealer meines Vertrauens.

Ich weiß aber nicht, ob diese meine Meinung jetzt hierher gehört, immerhin geht es hier um die Experimente von Martin und nicht darum, ob man Schönungsmittel benutzen sollte oder nicht. Im Zweifelsfalle meinen Kommentar ignorieren.
Gruß, Philipp
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Re: Bierklärungsexperiment

#40

Beitrag von danieldee » Donnerstag 9. November 2017, 13:00

bobeye hat geschrieben:
Donnerstag 9. November 2017, 09:44
danieldee hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 12:44
Mjoelnir hat geschrieben:
Dienstag 7. November 2017, 10:59
Also zumindest bei Martins Experiment ist ersichtlich, dass Agaragar nicht zu einem kompakten Sediment führt. Bringt doch nichts, wenn man 1/5 oder mehr seiner Bieres nicht trinken kann, weil man da so ein lockeres Sediment rumschwirren hat. Kann natürlich gut sein, dass sich das mit der Zeit kompaktiert.
Das kannst du doch gerne für dich machen. Ich möchte Agar Agar ausprobieren, da ich bei Gelatine auch kein kompaktes Sediment habe. Und wer sagt denn eigentlich dass es 1/5 Sediment ist? Kann man von einem EInmachglas auf einen Gäreimer schließen? Ich denke nicht.

Ich habe den Fermentasaurus und da kann ich wunderbar den Trub abscheiden.

Also nochmal Martin, wieviel pro HL nimmt man da?

Danke und Gruß Daniel
Ich hab da eine Frage zum Klären in einem Unitank. Wann und wie würde mann denn da das Klärungsmittel zugeben, wenn schon Druck aufgebaut ist über den Trub-Ablass, oder bevor man Druck aufbaut rein damit, aufkarbonisieren, absetzen lassen und Trub ablassen?

LG
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Re: Bierklärungsexperiment

#41

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 9. November 2017, 14:52

karlm hat geschrieben:
Donnerstag 9. November 2017, 12:26
Allerdings steht mir gar nicht der Sinn danach mir irgendwelches Zeugs ins Bier zu kippen. Egal wie natürlich das ist. Warum auch? Meine Biere werden klar (genug). Mehr als einen ordentlichen Brauprozess, einen Coldcrash und ein wenig Zeit brauche ich dafür nicht.
Ach, oft brauche ich das Bier auch nicht total super klar. Wenn ich aber z.B. ein Red Ale mache und will dass die Farbe gut rüber kommt, dann gibts bei mir auf jeden Fall Irish Moss und einen Cold Crash.
Ich finds als vegetarier nur wichtig, dass mir gesagt wird, wenn mit Gelatine geklärt wird.

Beste Grüße,
Alex
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Re: Bierklärungsexperiment

#42

Beitrag von DevilsHole82 » Donnerstag 9. November 2017, 14:58

chaos-black hat geschrieben:
Donnerstag 9. November 2017, 14:52

Ich finds als vegetarier nur wichtig, dass mir gesagt wird, wenn mit Gelatine geklärt wird.

Beste Grüße,
Alex
[sarkasmus]

Die Frage ist, wieviel Gelatine ist im Bier, wenn man im Secondary klärt und über dem Bodensatz abzieht?
Für mich als Nicht-Kunststoffesser wäre es auch wichtig, dass mich die Bierindustrie darüber aufklärt, dass im Bier PVPP sein könnte. :Wink

[/sarkasmus]
Zuletzt geändert von DevilsHole82 am Donnerstag 9. November 2017, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß, Daniel

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Re: Bierklärungsexperiment

#43

Beitrag von bobeye » Donnerstag 9. November 2017, 14:59

Super danke,

Ich finde diesen Thread ebenfalls sehr aufschlussreich. Ungeachtet davon, ob man es selbst sich als Aufgabe gemacht hat ein klares Bier herzustellen. Aber ich finde das gebotene ist eine gute Ausgangsbasis für Leute die zb. mit der Klärung ihres Bieres nicht zufrieden sind und nach Optionen suchen das zu ändern.

Danke dafür!

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Re: Bierklärungsexperiment

#44

Beitrag von olibaer » Freitag 10. November 2017, 09:16

Hallo Jens, hallo zusammen,

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Donnerstag 9. November 2017, 09:12
[...] Deshalb filtriert die Industrie mit PVPP oder Crosspure [...] In der Industrie wird auch immer filtriert und stabilisiert[...] Das präventive Hinzugeben von Klärungsmitteln finde ich im Hobbybrauerbereich deshalb genauso gut und richtig [...]
Das würde ich so nicht unterschreiben.

Gerade PVPP verwenden die wenigsten und die Gründe hierführ sind vielschichtig. Hier habe ich mich über dieses Thema schon mal ausgelassen. Tendentiell kann man davon ausgehen, dass jeder bestrebt ist die Filtrationskosten so gering wie möglich zu halten, überschreiten sie doch in bestimmten Konstellationen die bis zu diesem Prozessschritt insgesamt aufgelaufen Herstellkosten(€/hl).

Längst geht man also den Weg, dass vorgelagert so gearbeitet wird, dass "hinten"(-> Filration) kein Problem mehr ankommt und ein vergleichbares Vorgehen würde ich auch uns Hobbybrauern anraten. Deswegen mein Ratschlag von Präventivhandlungen mit Zusätzen abzusehen und die Präventivhandlungen besser auf den Beginn der Vorgänge zu richten.

Mir ist klar, dass wir nur begrenzte Mittel zur Verfügung haben und dass es manchmal auch für uns Sinn macht Zusätze zu geben:
So wie das Beispiel hier im Themenstrang mit dem RedAle oder das Beispiel von Moritz, wo ein klar ausgemachtes Trübungsproblem einen Trinkgenuss verhindert(....dieser eine Sack Malz).

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Donnerstag 9. November 2017, 09:12
Irgendwie muss man sie so gut es geht eliminieren, damit das Bier am Ende nicht breit schmeckt und es nicht nach ein paar Wochen geschmacklich komplett kippt
Im Vergleich zu einer "klaren Probe" enthält eine Probe mit einer massiven Hefetrübung auch mehr Hefe - mit den bekannten Folgen für den Geschmack(->Hefebittere), wohingegen eine massive Eiweißtrübung nicht bedeuten muss, dass gegenüber einer "klaren Probe" auch mehr Eiweiß enthalten ist. Das Eiweiß ist in den Proben nur unterschiedlich gelößt.

Dem schliesst sich an, dass eine "klare Probe" zwar "Eiweißbitter" schmecken kann, nicht aber klassisch "Hefebitter".
Im visuellen Kontakt zum Produkt und in einer extremen Ausprägung wirken nachtürlich beide Trübungsbildner gleichermaßen störend. Einer Hefetrübung lastet in diesem Umfeld zusätzlich an, dass sie auch noch als "brockig" oder "klumpig" daher kommen kann, was dann irgend wann mal gar nicht mehr geht - auch nicht in Keller- oder Weißbieren(-> mit ein Grund warum Weißbiere heuzutage eher eiweiß- anstatt hefetrüb sind.
Gruss
Oli
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Re: Bierklärungsexperiment

#45

Beitrag von muldengold » Freitag 10. November 2017, 09:39

Oli: Du schreibst weiter oben, dass die Art und Weise des Andrehens des Whirlpools einen Einfluss auf die Trübung hat. Das klingt für mich jetzt ein wenig nach Hokuspokus, aber mir ist tatsächlich auch aufgefallen, dass die Würze nach dem Whirlpool gelegentlich sehr trüb ins Gärfass läuft - trüber als ich sie während des Kochens beurteilt hätte. Ich hatte das allerdings bisher immer auf hohe späte bzw. Whirlpool-Hopfengaben geschoben. Die Trübung ist sehr stabil und setzt sich erst nach Wochen wenn überhaupt ab. Ich hatte dieses Phänomen sogar schon mal bei Verwendung von Irish Moss (10 min vor Kochende, etwa 5g/20 L). Gibt es diesen Effekt wirklich? Wenn ja, wie relevant würdest Du ihn im Gesamtkonzert der anderen Faktoren einschätzen und wie drehe ich dann richtig? Dank dir!

Sandro

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Re: Bierklärungsexperiment

#46

Beitrag von Bierjunge » Freitag 10. November 2017, 11:11

Über genau diese Zeile war auch ich zunächst gestolpert. Es erscheint mir aber einleuchtend, dass man durch zu affektiertes Gerühre beim Whirlpool den Heißtrub, der nach ordentlicher Kochung bereits großflockig ausgefällt war, wieder zerrupft und womöglich Stoffe, die bereits abgeschieden waren, wieder neu in Lösung bringt. Narziß beurteilt übrigens den Whirlpool gegenüber älteren Verfahren zur Heißtrubabscheidung wie Kühlschiff oder Setzbottich keinesfalls als generell überlegen und spricht sogar von einer "Whirlpoolfähigkeit" der Würze, die gegeben sein müsse.
Ich nehme daraus mit, dass auch hier "weniger manchmal mehr" sein kann, und dass ein behutsames und schonendes Andrehen vollkommen genügt. Bei meiner 60 l-Pfanne genügt selbst das, dass die Würze bis zu einer Viertelstunde lang auskreiselt.
Von der zusätzlichen Oxidationsgefahr (hot side aeration), wenn man bis zum rauschenden Strudel wie wild rührt, einmal ganz abgesehen.

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Re: Bierklärungsexperiment

#47

Beitrag von karlm » Freitag 10. November 2017, 11:29

--> In diesem Zusammenhang bin ich weiterhin ein großer Fan des gar keinen Whirlpool machen und direkt in der Pfanne kühlen. Gar nichts wieder aufwirbeln, einfach direkt sezten lassen. Der Heißtrub scheint einen Teil des Kühltrubs "mit runter zu reissen". Da gabs auch mal eine wunderbare Diskussion hier im Forum, durch die ich mich habe zu dieser Technik inspirieren lassen. Gibt wunderbar klare Biere. Einen Versuch wäre es vielleicht wert.
Gruß, Philipp
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Re: Bierklärungsexperiment

#48

Beitrag von cosmophobia » Freitag 10. November 2017, 11:40

Schönes Experiment, ich habe auch gerne klare Biere.

Interessant könnte noch Chitosan sein.

Zum Thema Whirlpool: Ich mache keinen, kippe einfach nach Kochende alles ins Gärfass. :Angel Habe gegenüber Whirlpool + Filter keine Qualitätseinbußen festegestellt. Jetzt aber schnell weg.. :Bigsmile

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Re: Bierklärungsexperiment

#49

Beitrag von Alt-Phex » Freitag 10. November 2017, 17:06

Ich gehöre ja zu den bekennenden "Schönungsmittel-Verweigerern", weil ich das schlicht weg nicht brauche und auch so klares Bier bekomme. Von einer gesunden Aversion gewisse Dinge ins Bier zu schmeissen, die da nicht reingehören, mal ganz abgesehen. Aber ich habe in dem Zusammenhang gerade eine interessante Beobachtung gemacht.

Normalerweise bekomme ich mit der US05 immer wunderbar klare Biere mit festem Bodensatz hin, was andere da immer für Probleme mit haben konnte ich nie verstehen. Das war bei mir nach den zwei Wochen Nachgärung (Flasche) meistens schon sehr gut geklärt. Jetzt habe ich aber beim letzten Sud mal 1g/L Haferflocken mitgemaischt - wollte mal sehen was an dem Schaum so toll und anders sein soll - und siehe da, das Bier klärt sich nicht (oder nur sehr, sehr langsam). Hat zwar noch ein paar Wochen Zeit aber die stärke der Trübung ist äußerst ungewöhnlich. Einfache Schüttung aus PiMa, MüMA & Cara. 10min Eiweißrast wurde auch gehalten.

Daher mal die ganz einfache Frage, ob die die Probleme mit trübem Bier haben, immer schön Haferflocken mitmaischen ?
Und ob die die Schaumprobleme haben, die sie damit bekämpfen wollen, beim kochen den Eiweißbruch abschöpfen ?
"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"

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Re: Bierklärungsexperiment

#50

Beitrag von Sura » Samstag 11. November 2017, 08:19

muldengold hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 09:39
Oli: Du schreibst weiter oben, dass die Art und Weise des Andrehens des Whirlpools einen Einfluss auf die Trübung hat. Das klingt für mich jetzt ein wenig nach Hokuspokus, aber mir ist tatsächlich auch aufgefallen, dass die Würze nach dem Whirlpool gelegentlich sehr trüb ins Gärfass läuft [....]
Wer nach dem Whirlpool Probleme mit unklarer Würze hat, kann ja mal zum kochen die Läuterhexe mit in den Kochtopf einbauen. (Ich binde sie fast die gesamte Kochzeit hoch, damit sie beim kochen nicht stört.) Ich kühle dann nach dem Flame Out in der Pfanne bis runter auf Anstelltemperatur, und der gesamte Schmodder deckt die Spirale komplett ab und bildet einen Filter.

Das Ergebnis ist wunderbar klare Würze vom Anfang bis zum Ende :thumbup
_DSCF0309.JPG
(Das Bild ist von einem Sud in welchem zusätzlich noch Kürbis war und ich die Spirale deswegen das erstemal eingebaut hatte. Hat sich aber danach auch bei anderen Suden bewährt!)
_DSCF0309.JPG (26.52 KiB) 4132 mal betrachtet
.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)

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