Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

Antworten
Benutzeravatar
chaos-black
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2734
Registriert: Dienstag 10. Juli 2012, 21:38
Wohnort: Berlin/Göttingen
Kontaktdaten:

Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#1

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 3. Januar 2019, 10:51

Hallo Leute,
ich mache gerade meine ersten Gehversuche im Selbervermälzen und habe dabei aber noch ein paar Unsicherheiten. Ich gehe nach Jans Anleitung nach dem Kapitel Praxis: Malz - Do it yourself Seite 288f. im Brücklmeier vor, vermälze aber Weizen. Dabei folge ich Jans Studentenbudenbeispiel und mache 4 Stunden Nassweiche gefolgt von 20 Stunden Trockenweiche.
Die dritte Nassweiche ist nun fast 20 Stunden her und erst jetzt beginnt das Malz zu greifen. Sollte ich noch eine vierte Nassweiche einlegen? In Jans Beispiel greift das Malz nämlich schon vor der dritten und eigentlich letzten Nassweiche.

Außerdem würde ich mich über Erfahrungswerte freuen wie die lang Zeitspanne sein kann, bis der Blattkeim die erforderlichen ca 3/4 des Korns erreicht. Darüber hinaus wüsste ich gern wie lang ich wohl in etwa den Ofen blockieren werde wenn ich 1kg Malz bei ca 40°C darin trocknen möchte. Abschließend noch eine letzte Frage: Ist der Schritt der Erhöhung der Temperatur auf 120-130°C nach der Trocknung nötig wenn ich ohnehin nur helles Basismalz herstellen möchte?

Beste Grüße,
Alex
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

Benutzeravatar
tinoquell
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1828
Registriert: Mittwoch 14. Juli 2004, 15:23
Wohnort: Kirchberg /Sa

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#2

Beitrag von tinoquell » Donnerstag 3. Januar 2019, 12:15

Hallo Alex,

hast du zufällig das Malz gewogen?
Ich habe gerade den Kunze nicht zur Hand (und den Brücklemeier noch nicht im Regal, vielleicht gibt es diese Angaben auch dort): Hier steht, auf welchen Wassergehalt das Malz beim Keimen gebracht werden sollte (irgendwas zwischen 40 und 50 % ausgehend von vielleicht max. 10% im Ausgangsmalz). Ich hatte damals so lange / oft geweicht, bis ich die gewünschte Gewichtszunahme hatte.

Das Keimen hat bei mir damals recht lange gedauert, ich meine so an die 4 Tage bei ca. 12 °C.

Darren war ein Geduldsspiel. 1 kg Malz ergibt ein ganz respektables Volumen an Keimlingen so dass du mehrere Bleche benötigen wirst. Rechne mal, dass der Ofen 6 - 10 Stunden blockiert ist. Außerdem roch es bei meinen Versuchen nicht besonders lecker, am besten zu planst das ein, wenn niemand weiter in der Wohnung ist :redhead .

Auf 120 Grad würde ich nicht gehen, PiMa wird wenn ich mich recht erinnere bei ca 90 °C abgedarrt. Das würde ich aber schon für 1-2 Stunden (oder wie lange schreibt Jan?) tun. Aber Vorsicht, wirklich erst wenn die Keimlinge richtig trocken sind (am besten kosten / zerbeißen). Ich habe aus Ungeduld auch schon mal Glasmalz gehabt.

Viel Erfolg! Cooler Versuch! :thumbup

Benutzeravatar
chaos-black
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2734
Registriert: Dienstag 10. Juli 2012, 21:38
Wohnort: Berlin/Göttingen
Kontaktdaten:

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#3

Beitrag von chaos-black » Donnerstag 3. Januar 2019, 13:14

Leider hab ich es nicht gewogen, auf die Idee kam ich erst als ich nach Tag 2 bei Youtube ein paar Tutorials gesehen habe, in denen Leute das empfehlen. Jans Praxistip dazu ist wirklich sehr kurz, vielleicht findet sowas ja den Weg in eine zukünftige Auflage? *hüstl* :)
Während des Keimens benässt man den Haufen auch, oder? Das kommt in der Kurzanleitung nämlich auch nicht vor, bei Youtube hingegen schon. 6-10 Stunden ist ja echt ne Hausnummer. Hast du dazu den Ofen mit nem Kochlöffel offen gehalten damit der Dampf abziehen kann?
Eine Dauer zum Abdarren nennt Jan nicht, die Anleitung ist aber auch nicht für einen spezifischen Typ Malz. Man soll es je nach Wunsch darren.

Danke für die Tips!
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

Benutzeravatar
Hopfenprinz
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 448
Registriert: Sonntag 27. Dezember 2015, 20:33
Wohnort: 29313 Hambühren

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#4

Beitrag von Hopfenprinz » Donnerstag 3. Januar 2019, 16:34

Frohes neues Jahr!

Ich habe von letzter Ernte etwas zweizeilige Sommergerste bekommen. Die lagerte nun schon einige Wochen bei mir rum und aufgrund der freien Tage habe ich mal 7 Kg davon abgewogen und gemälzt. Leider fehlte mir etwas die Zeit, um mich mit dem Thema Mälzen vertraut zu machen habe es bei einigen Youtube-Anleitungen belassen. Die Gerste habe ich einen Tag komplett gewässert, dann sind die Körner etwa voll aufgequollen (ca. 18°C). Einen weiteren Tag habe ich zwei mal mit klarem Wasser gespült, durchgemischt und jeweils ablaufen lassen. Darauf bildeten sich bereits Keime und "Wurzeln".
20190101_145945.jpg
Besonders angenehm roch das nicht, so leicht säuerlich, dass man sich schon mal fragt, ob das alles so richtig ist...Das Malz habe ich die letzten zwei Tage auf Backblechen und Pappen vor und auf dem Kaminofen gedarrt. Immer unter regelmäßigem Wenden und Durchtauschen der Bleche (Pappen). Alles recht aufwendig, mit einer vernünftigen Darre sicherlich viel einfacher! Dabei habe ich versucht, das Malz nicht zu warm werden zu lassen - so, dass man es noch gut "anfassen" kann, also max. 50°C. Bei der Menge mit meinen bescheidenen Mitteln ist mir das nicht immer gelungen. Mir zunehmender Trocknung roch und schmeckte das Malz immer besser und hatte gestern noch ein Restgewicht von 6,4 Kg.

Nun überlege ich, das Malz zeitnah zu verbrauen. Bei dem ganzen Aufwand (...man muss ja alles mal gemacht haben...) bin ich schon recht neugierig, ob und wie das Zeug zum Bierbrauen taugt, zumal ich gerade aktive UG Hefe zur Hand habe.
Grüße - André

„Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.“
(Benjamin Franklin)

Benutzeravatar
tinoquell
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1828
Registriert: Mittwoch 14. Juli 2004, 15:23
Wohnort: Kirchberg /Sa

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#5

Beitrag von tinoquell » Freitag 4. Januar 2019, 06:52

Guten Morgen,

ja, ich hatte beim Schwelken einen Kochlöffel in die Backofentür geklemmt und zusätzlich wie der Hopfenprinz ab und an "umgerührt".
Geruchlich war die keimende Gerste zunächst wie im Lehrbuch angenehm nach grünen Gurken, später und vor allem beim Darren aber dann etwas, naja, muffig.

Nur der Vollständigkeit halber, weil ich jetzt auch den Kunze bei der Hand habe:

- Weichgrad: helles Malz 42 - 44%, dunkles Malz 44-47% (ausgehend von 12- max.15% Wassergehalt der Rohgerste)
- Keimtemperatur: hell 17-18°C, dunkel 22-25°C
- Blattkeim beim Abdarren: hell 2/3 bis 3/4 Kornlänge, dunkel 3/4 - 1
- Abdarrtemperatur: hell: 80-85°C, dunkel 105-110 °C

Grüße Tino

Benutzeravatar
Hopfenprinz
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 448
Registriert: Sonntag 27. Dezember 2015, 20:33
Wohnort: 29313 Hambühren

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#6

Beitrag von Hopfenprinz » Freitag 4. Januar 2019, 11:55

Ich habe mein oben beschriebenes Malz vorhin geschrotet. Was für eine Quälerei - alle Körner sehr zäh und hart. Mit der Bohrmaschine an der Corona ging gar nichts! Musste alles sehr mühsam per Hand durchgekurbelt werden. Eben habe ich eingemaischt.
Grüße - André

„Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.“
(Benjamin Franklin)

Benutzeravatar
tinoquell
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1828
Registriert: Mittwoch 14. Juli 2004, 15:23
Wohnort: Kirchberg /Sa

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#7

Beitrag von tinoquell » Freitag 4. Januar 2019, 12:24

Hallo,

oh, das klingt etwas nach Glasmalz.
Kannst du jetzt sofort eine Jodprobe machen um zu sehen, dass du "gelöste" Stärke im Sud hast?
Wir hatten nämlich mal einen nach einer Stunde "jodnormalen" Sud, der aber wahrscheinlich nie richtige / verzuckerbare Stärke beinhaltete.

Viel Erfolg :thumbup

Benutzeravatar
Hopfenprinz
Posting Senior
Posting Senior
Beiträge: 448
Registriert: Sonntag 27. Dezember 2015, 20:33
Wohnort: 29313 Hambühren

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#8

Beitrag von Hopfenprinz » Freitag 4. Januar 2019, 12:35

Ich bin jetzt am Ende der ersten Rast bei 62°C, Jodprobe ist negativ.

30 min später: Projekt abgebrochen. Nach Aufheizen auf 74° - Abmaischen. Es kommt eine trübe Flüssigkeit mit 12 brix.

Es deutet tatsächlich auf Glasmalz hin. Die Maische ist mit der Zeit auch immer "dicker" geworden. Viel Arbeit für nix (wird unter "Erfahrung" verbucht).
Grüße - André

„Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.“
(Benjamin Franklin)

Benutzeravatar
chaos-black
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2734
Registriert: Dienstag 10. Juli 2012, 21:38
Wohnort: Berlin/Göttingen
Kontaktdaten:

Re: Selbst vermälzen - erster Versuch mit Fragen

#9

Beitrag von chaos-black » Freitag 4. Januar 2019, 13:25

Hat hier zufällig schon jemand das Malting At Home Buch von Brewing Beer The Hard Way ( https://brewingbeerthehardway.wordpress.com/ ) ausprobiert? Sieht ziemlich interessant aus, auch mit Rezepten für bestimmte Malzsorten. Ich erwäge gerade mir das Buch dafür zu besorgen und Erfahrungswerte wären natürlich toll :)
Meine Hobbybrauerei: http://brauerei-flaschenpost.de/ (gerade offline)

Antworten