Bitterung eines Imperial Russian Stout

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen.
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branch
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Bitterung eines Imperial Russian Stout

#1

Beitrag von branch » Dienstag 29. Januar 2019, 13:27

Hallo zusammen

Ich möchte mich auch mal an einem Imperial Russian Stout versuchen. Da ich noch immer mit dem 50l-Braumeister unterwegs bin, wende ich das Doppelmaischverfahren an.

Mein Ziel ist ein cremig bis öliges schwarzes Bier, mit deutlicher Malzsüsse (und all den wunderbaren Dörrobst- und Röstaromen), der aber eine ausgewogene Bittere entgegensteht.

Das Rezept für 48 Liter wird in etwa wie folgt aussehen (Ziel 24°P, ~10% vol und 65 IBU):

1. Schüttung
6.5 kg Pilsner
1.0 kg Münchner Typ I
1.0 kg Caraaroma
1.0 kg Gerstenflocken
1.0 kg Haferflocken

2. Schüttung
5.5 kg Pilsner
1.0 kg Münchner Typ I
1.0 kg Caraaroma
1.0 kg Gerstenflocken
1.0 kg Haferflocken
0.5 kg Carafa Spezial II
0.5 kg Röstgerste (15 Minuten)

Maischen: pro Schüttung je 1 Stunde Kombirast bei 68°C, abmaischen bei 76°C


Kochzeit: 2 Stunden

50 g Herkules (17.5%) 90 Minuten
100 g Brewers Gold (6.0%) 30 Minuten
10 g Irish Moss 15 Minuten
60 g East Kent Goldings (4.5%) 5 Minuten

Gärung mit 2 Wyeast 1084 Irish Ale (Starter 2l), bei 18°C

Meine Frage ist bloss, ob es hier eine offensichtliche Unausgewogenheit gibt. DIe meisten Rezepte, die hier oder bei MMuM gefunden habe, zielen auf eine deutlich tiefere Bittere (bis 55 IBU), während ich bei gewissen Kaufbieren über 80 oder gar 90 IBU gesehen habe. Der Bierstil sieht 50-100 IBU vor.

Der Müggelland-Kalkulator attestiert mit 214 EBC eine "etwas dunkle" Farbe. Dafür ist die Bittere dort etwas tiefer (60 IBU) als bei MMuM (65%).

Danke und Gruss
Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#2

Beitrag von bierhistoriker.org » Dienstag 29. Januar 2019, 14:03

Hallo Bruno,

beim Bittern würde ich auf jeden Fall Richtung des 3 - 4 fachen des Platowertes gehen -also rd. 75 - 100 IBU.
Die meistens Impis entwicken sich erst nach 1-2 Jahren wirklich grandios, und bis dahin ist ein großer Teil der Bitterkeit eh im Orkus verschwunden.

Persönlicher Tip zur "Brautechnik":
Ich braue mit dem BM20 seit fast 10 Jahren und liebe Imperial Stouts, käme aber niemals auf die Idee, dass mit dem BM umzusetzen.
Schaffe dir, wenn du den Stil öfter brauen möchtest, einen Thermoport an für Kombirast und degradiere den BM zum "Heisswasserknecht" für den Nachguss und zum Kochen - mach ich nur so bei Platobomben :Bigsmile

Cheers

Jürgen
PS: .... und schaffe Platz im Keller zum Lagern :Angel

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#3

Beitrag von branch » Dienstag 29. Januar 2019, 14:42

Hallo Jürgen

Danke dir für die Anregungen. Wenn die Bitterkeit nach einem Jahr weg ist, wird man dann nicht überwältigt von der Süsse?

Nein, werde den Stil voraussichtlich nicht häufig brauen, da die Nachfrage nach den anderen Stilen viel zu gross ist, sprich, ich werde gar nicht häufig dazu kommen.

Gruss, Bruno

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Kurt
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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#4

Beitrag von Kurt » Dienstag 29. Januar 2019, 17:40

Mir bereitet das Kilo Caraaroma mehr Kopfschmerzen als die letzten paar IBUs. Die 1084 vergärt auch nicht gerade hoch, das könnte bei 24 Plato recht mastig werden. Schon mal über Zucker in der Schüttung nachgedacht? Rohrohrzucker kann sehr geile Rumaromen bringen...

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#5

Beitrag von branch » Dienstag 29. Januar 2019, 17:43

Hallo Kurt

Rum möchte ich lieber nicht haben. Wenn schon könnte ich das Caraaroma teilweise ersetzen durch Pilsner.

Wobei: eines meiner Standardbiere ist ein Pale Ale mit einem Caraaroma-Gehalt von 10%. Von "Mastizität" kann da keine Rede sein. Die 1084 sollte auch in der Lage sein, 11-12% zu vergären.

Gruss, Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#6

Beitrag von HrXXLight » Dienstag 29. Januar 2019, 17:57

Ich habe Muscavudo in meinem RIS verwendet und die Aromen harmonisieren sehr gut. Hatte meins mit Columbus auf 85 IBU gebittert
Trinkbar: Dark Impact, Oatmeal Stout
Reifung: Diverse Russian Imperial Stout Rezepte mit Oak und Brett, Pale Ale mit Kveik

Planung: Norwegian Farmhouse Ale

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schlupf
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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#7

Beitrag von schlupf » Dienstag 29. Januar 2019, 20:50

branch hat geschrieben:
Dienstag 29. Januar 2019, 17:43
Wobei: eines meiner Standardbiere ist ein Pale Ale mit einem Caraaroma-Gehalt von 10%.
Wie funktioniert denn bitte ein Pale Ale mit 10% CaraAroma???

Das Zeug hat um und bei 400EBC.
Das kann höchstens ein Robust Black Pale Ale oder sowas sein.

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#8

Beitrag von branch » Dienstag 29. Januar 2019, 22:49

Hallo Schlupf

Habe etwas abgekürzt. Natürlich ist es ein Dark Pale Ale mit etwas über 40 EBC, also ein fast schon dunkelbraunes Bier.

Gruss, Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#9

Beitrag von heizungsrohr » Mittwoch 30. Januar 2019, 07:43

Also ein dunkles helles Ale? :Bigsmile

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#10

Beitrag von branch » Mittwoch 30. Januar 2019, 10:35

Genau. Oder hast du etwa noch nie einen stark Pigmentierten erbleichen sehen? :Smile

Mal abgesehen von etwas zu wenig Hopfen und der Angst um ein zu mastiges Bier scheint das Rezept aber wohl in Ordnung zu sein.

Gruss, Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#11

Beitrag von flamberger » Mittwoch 30. Januar 2019, 10:55

@branch

Ich bin ein Imp Fan und habe mit meinem Rezept auch schon den zweiten Platz an einem Wettbewerb belegt. Kann also nicht so verkehrt sein.
Das genaue Rezept möchte ich nicht verraten, aber ich vertrete die Meinung das die meisten Rezepte zu aufwendig sind was die Zutaten angeht.
Ich verwende gerademal vier Malzsorten und nur East Kent Hopfen. Mit 24° Plato und Kombirast wird das Bier von alleine sehr cremig.

Was die IBUs angeht sind eher 100 angesagt als 50. Meines hat gemäs dem kleinen Brauhelfer etwa 180 IBU`s (350g Hopfen bei 13kg Schüttung). Davon spürt man aber wenig im fertigen Bier. Klar zu beginn ist es wirklich bitter. Aber schon nach einem halben Jahr war die Bittere soweit runter, dass es schon fast süss wurde.

Wenn ich es ein drittes mal braue, dann werde ich aber noch Magnum Hopfen mit dazu nehmen. Ist billiger als der East Kent.

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#12

Beitrag von branch » Mittwoch 30. Januar 2019, 11:26

Hehe, ich habe ja auch nur 4 Malzsorten. Der Rest ist unvermälzt :Smile

Scherz beiseite: ich bin mit meinen "normalen" Bieren eher der Anhänger der Smash-Bewegung. Ich habe mit den einfachsten Rezepten meist die besten Resultate erzeugt. Für IRS habe ich bislang nichts einfacheres gefunden. Viele Rezepte, die man im Internet findet, sind sogar noch viel komplizierter, mit bis zu 12 Malzsorten, Sirupen, Zuckern, Flocken etc.

Prinzipiell habe ich eines meiner anderen Rezepte (Pils und Caraaroma) genommen, habe Carafa und Röstgerste für die Farbe und die Schoko- und Röstnoten dazugegeben, dann die Flocken für die Vollmundigkeit, plus das Münchner, weil mir das jemand als Tipp gegeben hat.

Insgesamt gibt's halt viele Stellschrauben, an denen man drehen kann. Ich denke, ich fang' jetzt einfach mal damit an, sammle meine Erfahrungen und passe dann das Rezept an. Die IBUs habe ich schon mal auf knapp 80 hochgeschraubt.

Danke und Gruss
Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#13

Beitrag von branch » Samstag 9. Februar 2019, 08:02

Naja ... habe das Rezept jetzt mal eingemaischt und bin nach dem Durchlauf der ersten Schüttung etwas ernüchtert. Der Braumeister ist ja nicht bekannt für Rekorde in der Ausbeute. Aber 52 Liter bei 9.4°P finde ich jetzt sehr niedrig.

Kommt das von den Flocken? Ist ein solch niedriges Resultat zu erwarten? Bei "normalen" Schüttungen erreiche ich bei gleicher Menge locker 12°P.

Aber riechen tut's bislang phänomenal. Wenn man den Deckel hebt, kommt erst das Röstaroma mit leichter Rauchnote entgegen. Sobald sich das verflüchtigt hat, steigen leise Kaffee- und Schokoladenoten in die Nase ... und sieht dabei noch aus, wie starker Kaffee :Smile

Gruss, Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#14

Beitrag von branch » Samstag 9. Februar 2019, 10:34

Zweite Schüttung ist abgemaischt und Hopfenkochen ist im Gang. Habe etwas mehr Nachguss verwendet, den ich jetzt wieder verkoche. So bin ich jetzt bei etwa 21.5°P (22+°B) gelandet (fast 50 Liter), was ich ganz ok für den BM50 finde. Damit lande ich dann bei 22.4°P auf 48 Liter. Ich werde hier vermutlich nicht mehr nachkorrigieren (z.B. Extrakt, Zucker) ... eher noch etwas mehr verdampfen lassen.

Ein Tipp für Nachahmer: schaut erst mal, was eure Messgeräte so hergeben. Ich hab das völlig verschwitzt :Mad2
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Es riecht hier im ganzen Haus wie in der Rösterei. Herrlich!

Gruss, Bruno

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#15

Beitrag von heizungsrohr » Samstag 9. Februar 2019, 10:42

Verdünn die Würze für die Spindel zur Hälfte mit Wasser, dann kannst du die Stammwürze bestimmen.

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#16

Beitrag von branch » Samstag 9. Februar 2019, 10:45

Ich Dusel. Darauf hätt' ich ja eigentlich selbst kommen müssen.

Danke dir für den Tipp.

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Re: Bitterung eines Imperial Russian Stout

#17

Beitrag von branch » Sonntag 17. Februar 2019, 10:19

Nach 8 Tagen Hauptgärung ist die Hefe jetzt sanft bei 11.2°P eingeschlummert (konstant bei 18°C). Da das erst gut 7% vol Alkohol entspricht, nehme ich nicht an, dass die Alkoholtoleranz der Hefe erreicht ist. Was ist eure Erfahrung, wie lange eine Platobombe in der Hauptgärung ist?

Ein anderes Problem: dieses Jungbier riecht nach praktisch nichts ausser etwas nach Hefe. Keine Malz-, Karamell-, Brot-, Röst-, Rauch- oder was auch immer für Aromen. Das ist auch, was ich in einem alten Thread (https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 64#p143403) mal zu beschreiben versucht habe. Blonde Biere, Pale Ales, IPAs kommen alle wunderbar im Braumeister. Alles Malzaromatische geht bei mir verloren ... mal hoffen, dass LOB was bringt.

Wie haben das andere Speidel-Brauer? Kriegt ihr Malzaromen in eure Biere?

Gruss, Bruno

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