Flaschengärung nach langer Fermentierung?

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Augenfeind
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Flaschengärung nach langer Fermentierung?

#1

Beitrag von Augenfeind » Sonntag 10. November 2019, 14:00

Hallo zusammen,

nun, wo ich endlich stolzer Besitzer eines Grainfather Conical Fermenters incl. Glycol-Kühler bin, kann ich auch untergärige Biere machen und stelle fest, dass die Rezepte allesamt von längeren Zeiten ausgehen, als ich sie für meine obergärigen Biere gewohnt bin.
Da finde ich zum Beispiel folgendes Rezept bei brew.grainfather.com: https://community.grainfather.com/recipes/9 - dort ist von 25 Tagen die Rede, die mit einer 2-tägigen Diacetylrast enden.
Anschließend soll das Bier noch 28 Tage bei 2°C gelagert werden.

Nun ist hier nirgendwo eine Information zu finden, wie sich das mit Flaschengärung verträgt, die ja sicherlich noch von vielen Hobbybrauern durchgeführt wird. Sollte man hier sein Bier nach der Diacetylrast, also nach 25 Tagen, mit Zuckergabe in Flaschen füllen und dann entsteht noch ausreichend CO2 während der 28 Tage bei 2°C? Das kann ich mir kaum vorstellen.
Oder kann man sogar noch nach den insgesamt 53 Tagen noch immer in Flaschen abfüllen und mit einer gewöhnlichen Zuckergabe ausreichend CO2 erhalten?

Was für Erfahrungen habt Ihr damit?

Viele Grüße,
Roman.
"Ein ernst zu nehmender Staat benötigt eine eigene Fluggesellschaft und ein eigenes Bier. Eine Fußballmannschaft oder Nuklearwaffen helfen, aber ein Bier ist Minimalvoraussetzung." (Frank Zappa)

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Re: Flaschengärung nach langer Fermentierung?

#2

Beitrag von Pivnice » Sonntag 10. November 2019, 14:52

zum Beispiel folgendes Rezept -> login für community.grainfather erforderlich
Flaschengärung: Schlauche nach der HG mit kurzer oder sogar ohne Diacetylrast
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... ng#p299574
https://braumagazin.de/article/bierfehler-diacetyl/
Erhö­hung der Gär­tem­pe­ra­tur am Ende der Gärung auf 14–16°C. Der tech­no­lo­gi­sche Zweck der Dia­ce­tyl­rast ist daher para­do­xer­wei­se zunächst die mög­lichst voll­stän­di­ge Bil­dung von Dia­ce­tyl aus 2‑Acetolactat.
Der Abbau durch die Hefe erfolgt dann par­al­lel, solan­ge die Hefe vital und in Schwe­be ist.


Zusammenfassung: Bier abfüllen und reifen
https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=212
11. Das Bier muss anschließend in der Flasche nachgären. Das geht am besten bei Raumtemperatur. Auch untergärige Biere kann man so nachgären lassen, dabei wird noch automatisch Diacetyl abgebaut. Geschmackliche Einbußen sind nicht zu erwarten, da Gärnebenprodukte hauptsächlich in der Angärphase entstehen.
Zuletzt geändert von Pivnice am Sonntag 10. November 2019, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
Hubert
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Re: Flaschengärung nach langer Fermentierung?

#3

Beitrag von Bierjunge » Sonntag 10. November 2019, 15:06

Sollte funktionieren; im amerikanischen ist die für unsere Begriffe vertauschte Reihenfolge von Reifung und Flaschengärung absolut üblich. Die Karbonierung könnte etwas länger dauern, belohnt wirst Du dafür mit wenig Geläger in der Flasche.
Wenn Du ganz sicher gehen möchtest, könntest Du zur Flaschengärung nochmal etwas frische Hefe dazugeben, aber wirklich nur ganz wenig. Laut Michael Zepf genügen ein paar Zehntausend Zellen.

Moritz

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Re: Flaschengärung nach langer Fermentierung?

#4

Beitrag von Augenfeind » Sonntag 10. November 2019, 15:14

Alles klar, vielen Dank für die Antworten! Es scheint also kein Problem zu sein. Jetzt wo ich hier schreibe fällt mir auch erst auf: Wenn die Hefe nach 1-2 Monaten bereits unbrauchbar wäre, könnte man ja auch schlecht aus Kaufbieren die Hefe hochziehen...
Manchmal benötigt man eben doch einen leichten Tritt ins Kleinhirn.
Und insbesondere auch Dank an @Pivnice dafür, dass Du Dich nicht auf "Schaust Du hier: [Link1], [Link2]" beschränkt hast. Manchmal erhält man hier solche Antworten, die nicht mehr sagen wollen als "Steht alles schon hier im Forum, benutz doch einfach die Suchfunktion!" - das stimmt für viele Fragen, ist aber oft nicht hilfreich, weil die verlinkten Threads so ellenlang sind, dass man lange recherchieren muss, um nicht nur die gesuchten Informationen zu finden, sondern auch um die für einen selbst richtigen von den falschen Meinungen zu trennen...
Manchmal denke ich man sollte ein Lexikon oder FAQ aus dem Forumswissen generieren. Habe ich auch schon mal mit angefangen, aber Junge, dazu braucht man wirklich enorm viel Freizeit.
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Re: Flaschengärung nach langer Fermentierung?

#5

Beitrag von Pivnice » Sonntag 10. November 2019, 15:24

Danke - Freut mich
Hier werden die Varianten A - F der "Maturation" beschrieben
http://braukaiser.com/wiki/index.php/Fe ... f_the_beer
http://braukaiser.com/wiki/index.php/Fe ... k_the_beer
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