1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

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1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

#1

Beitrag von Blindflansch » Sonntag 27. September 2020, 10:56

Hallo Braugemeinde,

ich hab mir vor ein Paar Wochen gedacht ich müsste auch mal eine Kveik - Hefe ausprobieren.
Da es draußen doch recht warm war, fand ich ein untergäriges bei Sommertemperaturen zu
fabrizieren recht interessant. Also hab ich mir die Oslo mal besorgt.
Da ich wissen wollte, wie 'reintönig' sowas tatsächlich sein kann (Lager-Style erwünscht)
habe ich nur PiMa & MüMa in der Schüttung, mit Magnum gebittert und dann ordentlich
Perle fürs Aroma.
Die Hefe hatte ich vorher einen schlampig hergestellten Starter fressen lassen, was auch
gut gelungen ist. Wenig Aktivität im Röhrchen, aber der Bodensatz wurde ungewohnt schnell mehr.

Beim Brautag kam dann die Hefe bei ca. 30°C zur Würze. Leider waren zu dem Zeitpunkt die
Außentemperaturen merklich abgerutscht, sodass ich die Temperatur im Raum auf 26°C ein-
gestellt habe und dann hab ich alles von Anstelltemperatur auf Raumtemperatur abfallen lassen.

Die Hefe war nach 3 Stunden merklich angekommen und hat in ca. 5-6 Tagen die 50 Liter
verarbeitet. Ich fand den Geruch während der Gärung aber für UG sehr fruchtig. Genau
wie bei einer zu warm geführten herkömmlichen UG-Hefe. Der erste Geschmackstest beim
Abfüllen ergab dann auch, dass ich der Meinung war, fruchtige Fremdnoten ganz dezent
wahrzunehmen, aber halt alles noch von einer ordentlichen Bittere überlagert.

Ich hab dann zwei CC-Kegs gefüllt und mit CO2 'beatmet', den Rest mit Zucker in Flaschen gefüllt
und warm stehen lassen. Das Abfüllen ist jetzt 1,5 Wochen her und ich vermute es dauert noch etwas,
da noch etwas zu süß und die 5g CO2 Pro Liter sind auch noch nicht erreicht (gefühlt).

Was mich aber erschreckt hat ist, dass die fehlerhaften Fruchtnoten doch in den Flaschen
stark hervortraten, nachdem die Bittere jetzt schon stark zurückgewichen ist.

Daher mal die Frage an die Kveik-Experten:

Wie rein vergärt die Oslo wirklich? Kann man damit Lager ähnliche Biere machen, oder hat man die
Fruchtaromen immer irgendwo mit dabei? Oder habe ich im Brauprozess vielleicht Fehler gemacht?

Es ist natürlich gut möglich, daß das alles noch besser wird, wenn die Reifung erst mal durch ist.
Aber im Moment bin ich nicht besonders angetan von dem Experiment.

Sagt mal was Ihr dazu denkt,

Carsten

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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#2

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 27. September 2020, 11:46

Ich habe schon Biere getrunken, die mit der Oslo vergoren wurden und die einen ziemlich reintönigen UG Charakter hatten. Nicht so reintönig, dass es für ein makelloses Pils gereicht hätte. Aber schon so, dass man ein mit der Oslo vergorenes IPL tatsächlich als untergärig einstufen würde.

Mir selbst ist das mit der Oslo noch nicht gelungen. (Erst 2 Versuche. Davon ein Totalausfall, an dem die Hefe wenig Schuld hatte).
"Da braut sich was zusammen ... "
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Jens

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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#3

Beitrag von Alt-Phex » Sonntag 27. September 2020, 14:02

Blindflansch hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 10:56
Was mich aber erschreckt hat ist, dass die fehlerhaften Fruchtnoten doch in den Flaschen
stark hervortraten, nachdem die Bittere jetzt schon stark zurückgewichen ist.
Willkommen im Club. Bei meinem "Oslo Lager" haben sich auch ordentliche Fruchtester gebildet. Die Bedingungen waren ähnlich wie bei dir. Bei 30°C angestellt, bei etwa 25°C Raumtemperatur vergoren und Nachgärung mit Zucker in der Flasche. Wie sieht es denn bei den zwangskarbonisierten Kegs aus, hast du da auch die fruchtigen Ester drin?
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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#4

Beitrag von Mehrbier » Sonntag 27. September 2020, 17:12

Ich habe ein ähnliches Experiment hinter mir. Ein Pilsrezept. Splitsud mit der Lutra und der Oslo. Jetzt Tag 12 der Nachgärung. HG bei 26 Grad verlief schleppend und dauerte 10 Tage. Die Lutra roch recht neutral, die Oslo eher fruchtig. Leider war der sEVG mit 74% niedriger als erhofft. Erste Verkostung war vorgestern. Karbonisierung war noch nicht ganz abgeschlossen. Die Lutra zeigte keine Frucht schmeckte aber irgendwie recht Obergärig. Die Oslo würde man tatsächlich einem ungeschulten Gaumen als Pils verkaufen können. Nur dezent fruchtig. Für den nächsten Versuch möchte ich gerne um die 80% sEVG erreichen und meinen Starter optimieren. Den genauen Versuchsaufbau des aktuellen Sudes schreibe ich noch in den Kveik Faden.
Gruß
Gerdi

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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#5

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 27. September 2020, 17:53

Für einen höheren EVG musst du vor allem die Sudhausarbeit anpassen. Rezepte von vor 5 Jahren vergären nicht mehr so hoch.
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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#6

Beitrag von gulp » Sonntag 27. September 2020, 18:01

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 17:53
Für einen höheren EVG musst du vor allem die Sudhausarbeit anpassen. Rezepte von vor 5 Jahren vergären nicht mehr so hoch.
Die mit Kombirast schon! :Bigsmile

Gruß
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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#7

Beitrag von Mehrbier » Sonntag 27. September 2020, 18:34

DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 17:53
Für einen höheren EVG musst du vor allem die Sudhausarbeit anpassen. Rezepte von vor 5 Jahren vergären nicht mehr so hoch.
Hatten die Malze zu der Zeit eine höhere diastatische Kraft?
Gruß
Gerdi

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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#8

Beitrag von DerDerDasBierBraut » Sonntag 27. September 2020, 18:44

Mehrbier hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 18:34
DerDerDasBierBraut hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 17:53
Für einen höheren EVG musst du vor allem die Sudhausarbeit anpassen. Rezepte von vor 5 Jahren vergären nicht mehr so hoch.
Hatten die Malze zu der Zeit eine höhere diastatische Kraft?
Nein. Eine niedrigere Verkleisterungstemperatur. https://hobbybrauer.de/forum/viewtopic. ... 96#p364396
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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#9

Beitrag von Blindflansch » Sonntag 27. September 2020, 21:33

Alt-Phex hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 14:02
Wie sieht es denn bei den zwangskarbonisierten Kegs aus, hast du da auch die fruchtigen Ester drin?
Hmm, ich habe eben mal eins in den Kühlschrank in der Bar verfrachtet und dort dauerhaft ans CO2 gehängt.
Dabei hab ich auch mal kurz probiert und muss sagen: Du hattest den richtigen Riecher. Das Bier ist völlig
ok. Also hat die Flaschenware die Nachgärung noch nicht beendet. Mal sehen wie das weiter geht.

Übrigens bin ich mir auch nicht sicher ob ich mit Oslo ein Pils versuchen würde, aber für ein dunkles Lager
kann man die scheinbar schon hernehmen.

Jetzt frag ich mich ehrlich gesagt nur noch eines:

Die gekaufte Oslo bestand aus recht hellen Flakes. Ich habe die Hefe natürlich geerntet und zu Trocken
versucht. Und zwar im Backofen. Dabei ist die Temperatur garantiert nie über 30°C gestiegen, aber die
Flakes sind viel dunkler geworden als die ursprüngliche Ware (hab noch einen Beutel zum Vergleich).
Die Hefe ist aber auch nicht kaputt, ich habe einen halben Teelöffel von meinem Trockengut auf knapp
1,5L Vitamalz gegeben und die geht schon wieder ab. Wie kann man den Farbunterschied erklären?

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Re: 1. Versuch verkveikt ???

#10

Beitrag von Alt-Phex » Montag 28. September 2020, 01:37

Blindflansch hat geschrieben:
Sonntag 27. September 2020, 21:33
Hmm, ich habe eben mal eins in den Kühlschrank in der Bar verfrachtet und dort dauerhaft ans CO2 gehängt.
Dabei hab ich auch mal kurz probiert und muss sagen: Du hattest den richtigen Riecher. Das Bier ist völlig
ok. Also hat die Flaschenware die Nachgärung noch nicht beendet. Mal sehen wie das weiter geht.
Also schmeckst du da keine fruchtigen Aromen/Ester raus? Das wäre zumindest mal ein Erklärungsansatz warum die bei manchen fruchtig wird (Flaschengärung) und bei anderen nicht (Zwangskarbo). Sehr interessant.

Über die Farbe der Flakes würde ich mir jetzt keine großen Sorgen machen. Kaufhefen werden i.d.R. nicht in Würze sondern auf Melasse vermehrt. Vieleicht hatten die auch ein anderes Trockungsverfahren oder die Zufärbung kommt von deinem Bier.

P.S.: ich war mal so frei den Threadtitel zu ergänzen. Wäre schön wenn sich mehr Leute mit Erfahrungsberichten dazu melden würden.
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Re: 1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

#11

Beitrag von Blindflansch » Montag 28. September 2020, 11:28

Das werden wir demnächst sehen! Ich habe gerade die Raumtemperatur in der Brauerei
wieder rauf gedreht um die Nachgärung zu beschleunigen.
Dem geb ich jetzt mal noch min. 1 Woche vor der nächsten Probe.
Und was da zum Schluss bei heraus kommt, werde ich berichten.

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Re: 1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

#12

Beitrag von Mehrbier » Sonntag 4. Oktober 2020, 21:41

Ich habe das fertige Oslo Pils nun verkostet und auch schon 5 Personen angeboten. Ich bin der einzige der eine leichte hintergründige Fruchtigkeit wahrnimmt. Kann also auch Einbildung sein. Allerdings ist es in der Flasche karbonisiert.

Bisher finden es alle samt mir aber sehr lecker.
Gruß
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Re: 1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

#13

Beitrag von Blindflansch » Sonntag 18. Oktober 2020, 22:28

Also nachdem ich gestern 3 Arbeitskollegen zu Besuch hatte, und die mal auf die Schnelle
15 Liter von dem Gebräu vernichtet haben muss ich sagen, dass das Resultat sehr trinkbar ist.
Allerdings ist auch beim Aufgesprudelten Bier im Fass eine leicht fruchtige Note von allen
wahrgenommen worden. Also für Pils scheint die Hefe nicht zu gebrauchen! Und das Bier aus der
Flaschengärung schmeckt wesentlich fruchtiger als die Fass-Version!

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Re: 1. Versuch verkveikt ??? (fruchtige Oslo)

#14

Beitrag von Alt-Phex » Montag 19. Oktober 2020, 01:09

Ich habe heute die Manometerflasche von meinem zweiten Oslobier gekillt. Frisch aus der Nachgärung und gut 24h gekühlt. Bei dem Bier hab ich Unmengen Cascade versenkt sodass die Fruchtaromen etwas überdeckt werden. Bei genauem hinschmecken sind sie aber da. Passen allerdings gut zum Cascade. Auch wieder ein sehr süffiges Bier das jetzt eigentlich schon gut trinkbar ist. Die Oslo macht schon leckere Biere, nur eben keine reintönigen Untergärigen.
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