Druckanstieg als Indikator für Gäraktivität

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Shortbreaker
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Druckanstieg als Indikator für Gäraktivität

#1

Beitrag von Shortbreaker »

Hallo liebe Hobbybrauer,

ich habe derzeit ein Münchner Dunkles mit der S-189 in Gärung (seit 04.10.24) und seit drei Tagen lässt sich mittels Manometer kein Extraktabbau mehr feststellen. Ich habe mein Maischprogramm zwar schon eher in Richtung mehr Restsüße gehalten, aber bisher komme ich lediglich auf einen Vergärungsgrad von etwa 65%. Ich weiß zwar, dass mit dem Refraktometer da auch gut und gerne mal bis zu 5% Abweichung zur Messung mittels Spindel sein können, aber mir kommt die Gärung auch etwas schnell für ein UG vor.
Jetzt aber der eigentliche Punkt:
Ich habe die Temperatur nach 3 Tagen Gärung (kam nach etwa 24h bei 12°C an) langsam um 1°C steigen lassen und das Spundventil angesteckt und auf 0,3bar eingestellt. Bin dann auf Dienstreise und habe dann am Tag 6 das erste Mal eine Probe gemessen. Diese war bei ungefähr 7,4 Brix, was bei diesem Bier einen Extraktgehalt von etwa 4,2° ergibt. Seit dem hat sich der Extraktabbau lediglich im Rahmen der Ablesegenauigkeit des Refraktometers geändert. Allerdings habe ich die Gärung auf 15° kommen lassen und das Spundventil zugedreht. Der Druck stieg am 7. Tag dann noch bis knapp ein Bar an (zusammen mit der etwas höheren Temperatur) aber die Messung ergibt keinen Unterschied. Mittlerweile ist die Temperatur wieder etwas gefallen (derzeit 14.6°C laut Inkbird direkt am Fermzilla) aber der Druck steigt weiter sehr langsam an. Vorhin hatten wir dann schon 1,3bar.
Jetzt weiß ich natürlich, dass Bläschen aus dem Gärspund kein verläßlicher Indikator für eine beendete Gärung sind, aber wie sieht es mit dem Druck aus? Zumal der Fermzilla mit etwa 29l nur gut zur Hälfte gefüllt ist.
Und warum kann ich keinen Extraktabau messen? Kann es sein, dass meine Proben (werden ja beim Fermzilla von oben abgezogen) im Schlauch im inneren des Gärbehälters nicht so weiter gären wie der Rest und ich dadurch quasi immer die gleichen Proben messe?
Ich will jetzt auch nicht größere Mengen Bier nur zum Proben "verheizen" und wenn abgefüllt wird, wird ja eh noch einmal gespindelt. Kam mir beim letzten Bier aber schon so vor, weswegen ich das hier mal erfragen wollte.

Beste Grüße
Tobias
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maecki-maecki
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Re: Druckanstieg als Indikator für Gäraktivität

#2

Beitrag von maecki-maecki »

Den Fehler, nur das Bier im Schlauch zu messen hatte ich auch schon gemacht, seither lass ich immer zuerst ein kleines Glas raus zum wegschütten und messe erst das zweite Glas.

Und rein biochemisch: Solange der Druck steigt entsteht offensichtlich noch CO2 und die Gärung läuft noch, egal ob Du den Unterschied messen kannst oder nicht.

Generell könnte man mit dem Druck auch den Vergärgrad messen, aber wie Du schon selbst gemerkt hast, entsteht in der gesamten Gärung zuviel CO2 so dass man was ablassen MUSS und damit ist dann die Messung im Eimer…
Daumenregel dazu: „Each degree Plato yields 4.1 g/l or 2 volumes CO2“ (Quelle: braukaiser.com)


Mäcki
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Re: Druckanstieg als Indikator für Gäraktivität

#3

Beitrag von Shortbreaker »

Danke für deine Rückmeldung. Vielleicht sollte ich mal einen Druckstoß auf den Schlauch geben um ihn wieder mit CO2 frei zu pusten. Tatsächlich wird derzeit kein Druck abgeblasen, da ich den Spunddruck noch nicht erreicht habe. Wenn es weiter steigt, muss ich allerdings mal ablassen.
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Re: Druckanstieg als Indikator für Gäraktivität

#4

Beitrag von Shortbreaker »

Nachtrag:
nachdem du mich auf die Idee gebracht hattest, habe ich eben einen Gasstoß auf den Getränkeausgang des Fermzillas gegeben und damit den Schlauch leer gepustet. Dann habe ich das Gärfass leicht geschüttelt, kurz gewartet und dann die nächste Probe gezogen. Diese hat nun 7 Brix und damit bin ich irgendwo bei 67% Vergärgrad.
Gärungsfortschritt ist also wieder messbar. Mittlerweile ist auch der Spunddruck erreicht und ich kann beruhigt zuwarten.
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