Weingläser, Glasseminar etc.

Hier kommt alles rein, was woanders keinen Platz hat.
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Johnny H
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Weingläser, Glasseminar etc.

#1

Beitrag von Johnny H »

Ich bin seit etwa 14 Tagen ein wenig am Herumsuchen bezüglich neuer Weingläser, weil uns in letzter Zeit einige kaputtgegangen sind.

Eigentlich verwende ich schon wieder zu viel Zeit darauf, weil wir sowieso eher selten Wein trinken, aber im Zuge der Suche bin ich jetzt darauf gestoßen, dass der Glashersteller Riedel gerade eine Art "Welttournee" macht (z.B. USA, D/A/CH, diverse skandinavische Länder usw.), um seine Weingläser in Seminaren vorzustellen (RIEDEL Wine Glass Experience).

RIEDEL EVENTS

Bei mir vor Ort in Graz ist Mitte Oktober auch eines, und ich habe mich heute nach ein paar Tage Überlegung angemeldet. Das ist zwar mit 135€ nicht gerade billig, aber man erhält ein Verkostungsset aus vier verschiedenen Weinverkostungsgläsern zum Mitnehmen, das ich sicherlich auch für Bier brauchen kann. Und wenn ich dazu noch zusätzlich was lerne über Sensorik, was ich noch nicht weiß, dann schadet das sicherlich nicht. Zumal ich über Weinaromen und -fehler nicht soooo viel weiß.

Ganz generell scheint mir bei Weingläsern aber ein gewisser Exzess vorzuherrschen, was verschiedene Glasformen betrifft. Riedel legt z.B. eigene Glasformen für einzelne Rebsorten (!!) auf, was mir persönlich recht überzogen erscheint. Kaufen werde ich da also sicherlich nichts, zumal Riedel im Vergleich zu anderen Herstellern (z.B. Schott Zwiesel) eher teuer erscheint.

Vielleicht interessiert sich ja jemand von Euch auch für so ein Seminar oder hat mal was Ähnliches besucht und Gedanken dazu. Und wenn jemand einen guten Tipp hat für ein universelles Weinglas hat, dann danke ich auch dafür (von einem Weinprofi habe ich gestern bereits den Tipp bekommen, dass dieser meist ein mehr oder weniger generisches Rotwein-/Wasserglas von Schott Zwiesel für alle Weintypen (inkl. Champagner) verwendet).

Edit: noch eine Kleinigkeit ergänzt
Zuletzt geändert von Johnny H am Freitag 20. September 2024, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#2

Beitrag von Pivnice »

Hubert
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#3

Beitrag von Pivnice »

Hubert
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#4

Beitrag von Johnny H »

Danke für die Tipps, Hubert.
Pivnice hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 14:06 [...]
Brauchsch Untertitele ?
Die kann man tatsächlich zu dem Video anschalten. Durchaus sinnvoll, zumindest für mich! :Bigsmile

Der Gewinner in dem Blick-Test (Josephinenhütte Nr. 2) ist mit 60€ pro Glas natürlich schon eine Hausnummer! Insbesondere wenn man sich berechtigte Sorgen um dessen Lebensdauer machen muss: es ist zwar nicht gerade so, dass ich jede Woche ein Glas zerdeppere, aber ein paar pro Jahr sind es schon!

Da ist das Spiegelau-Glas für ca. 23€/Glas vermutlich eine vernünftigere Variante (und immer noch teuer genug!). Wir haben auch zwei Spiegelau-Biertulpen von, glaube ich, der 1. HBCON, aus denen ich gerne trinke und die jetzt schon einige Jahre halten. Ich glaube, eines hat sogar schon einen Sturz auf einen Laminatboden überlebt.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#5

Beitrag von Pivnice »

Ein Blick-Leser kommentierte:
Die meisten der getesteten Gläser werden wohl nie einen Wein spüren, der teurer ist als das Glas selbst.

Außer meinem eigenen Bier trinke ich gern Pinot Noir - in Österreich Blauburgunder genannnt.
Es sind wie bei dir in letzter Zeit einige Gläser zerbrochen.
Beim nächsten Ikeabesuch kaufe ich
https://www.ikea.com/de/de/p/dyrgrip-ro ... s-20309300
4,99 € das Glas. Der Pinot kostet mehr :Bigsmile
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#6

Beitrag von Johnny H »

Pivnice hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 19:13 [...]
Außer meinem eigenen Bier trinke ich gern Pinot Noir - in Österreich Blauburgunder genannnt.
Es sind wie bei dir in letzter Zeit einige Gläser zerbrochen.
Beim nächsten Ikeabesuch kaufe ich
[für]
4,99 € das Glas. Der Pinot kostet mehr :Bigsmile
Genau genommen frage ich mich auch, ob es ein solches Glas nicht auch tut.

"Blauburgunder" habe ich hier tatsächlich noch nie gelesen. Der Pinot Noir heißt zumindest hier im Süden m.W. ganz oft - Pinot Noir. :Bigsmile
IMG_20240526_220629.jpg
Die Steiermark ist aber eher ein Weißwein- und Rosé-Land (Schilcher), von daher achte ich da nicht so drauf. Der obige war ein Geschenk für jemand anderes aus einem Weinladen und stammt aus dem Burgenland. In der Steiermark wird Rotwein gefühlt eher nur als Beiwerk angebaut (z.B. Zweigelt oder Blauer Wildbacher).

In Ba-Wü ist der Pinot Noir übrigens m.W. der Spätburgunder.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#7

Beitrag von Pivnice »

Hubert
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#8

Beitrag von Johnny H »

Pivnice hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 20:30 [...]
https://www.ardmediathek.de/video/markt ... zIwMTc3OTQ
"Die Neigungswinkel des Glases entsprechen den Neigungswinkeln der Erde. Das soll laut Hersteller das Geschmackserlebnis verbessern." :Grübel

Fancy Schmancy Pantsy!

Schon interessant, welche Blüten da das Bedürfnis zur Entwicklung eines USPs (Unique Selling Point) treibt.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#9

Beitrag von Pivnice »

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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#10

Beitrag von emjay2812 »

Weingläser werden zum Teil extremst überdesignt. Da gibt es Regelrechte Philosophien.

Braucht man nicht. Ein gutes Allroundglas wie das Taste von Zwiesel ist für Rotwein und Weißwein gut geeignet. Wird bei Weinproben und Weinfesten eingesetzt.
Das sagt dir ein Weinkenner von der Mosel.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#11

Beitrag von Johnny H »

emjay2812 hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 21:55 [...]
Ein gutes Allroundglas wie das Taste von Zwiesel ist für Rotwein und Weißwein gut geeignet. Wird bei Weinproben und Weinfesten eingesetzt.
Das sagt dir ein Weinkenner von der Mosel.
Danke für den Tipp! Das Taste von Zwiesel war, glaube ich, auch das, was ich in #1 bereits erwähnt hatte bzw. was mir empfohlen wurde. Das ist auch recht preiswert (Nachtrag: es war ein nicht namentlich benanntes Rot/Wasser-Kombiglas, also vielleicht doch eher das "Classico").
Pivnice hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 21:12 Marketing-Gschichtln
emjay2812 hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 21:55 Weingläser werden zum Teil extremst überdesignt. Da gibt es Regelrechte Philosophien.
Es gab hier im Forum schon recht emotionale, aber auch sehr lesenswert-informative Debatten (z.B. hier) darüber, wie weit eine Differenzierung bei Biergläsern für optimalen Trinkgenuss gehen sollte und ob nicht doch schon recht viel Schaum in der Entwicklung steckt.

Nach dem, was ich in den letzten Tage gesehen habe, scheint mir diese Spirale bei Wein nochmal um einige Umrundungen weitergedreht zu sein...

Edit: oben noch was nachgetragen
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#12

Beitrag von Johnny H »

Johnny H hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 13:29 [...]
Bei mir vor Ort in Graz ist Mitte Oktober auch eines, und ich habe mich heute nach ein paar Tage Überlegung angemeldet. Das ist zwar mit 135€ nicht gerade billig, aber man erhält ein Verkostungsset aus vier verschiedenen Weinverkostungsgläsern zum Mitnehmen, das ich sicherlich auch für Bier brauchen kann. Und wenn ich dazu noch zusätzlich was lerne über Sensorik, was ich noch nicht weiß, dann schadet das sicherlich nicht. Zumal ich über Weinaromen und -fehler nicht soooo viel weiß.
[...]
Ich habe mittlerweile das Eintrittsticket erhalten für das Seminar am 17.Oktober.

Auffallend an der Veranstaltung ist schon mal das hier:
Um ein optimales Genusserlebniss zu ermöglichen, wird der Raum auf 16°C temperiert sein. Bitte berücksichtigen Sie dies in Ihrer Kleiderwahl.
Das ergibt natürlich Sinn für mich im Sinne einer konsistenten Verkostung, kenne ich aber so bisher von keiner Bierveranstaltung. Kann jemand kommentieren, ob das z.B. bei größeren Wettbewerben (European Beer Star oder World Beer Awards) ähnlich ist? Oder überhaupt irgendwo bei Bier? Werden da die Räume irgendwie temperiert, oder ist das jetzt nur hier so und nicht mal bei Weinwettbewerben?

Das stellt ja auch ein wenig logistische bzw. technische Anforderungen, die nicht überall als selbstverständlich vorausgesetzt werden können. Vor allem, wenn Wettbewerbe etwas größer sind, besteht ja eventuell nicht mal die Möglichkeit, größere Mengen an Wettbewerbsbier konsistent (also nicht nur einfach "kalt") zu kühlen. Wobei es der Biersensorik zweifellos zuträglich ist, die Biere nicht kalt zu verkosten.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#13

Beitrag von rakader »

Johnny H hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 13:29 Und wenn jemand einen guten Tipp hat für ein universelles Weinglas hat, dann danke ich auch dafür (von einem Weinprofi habe ich gestern bereits den Tipp bekommen, dass dieser meist ein mehr oder weniger generisches Rotwein-/Wasserglas von Schott Zwiesel für alle Weintypen (inkl. Champagner) verwendet).
Meines Erachtens gibt es kein universelles Weinglas. Einen alten Grand Cru trinke ich idealerweise aus einem Ballonkelch mit gut und gerne 800 ml Fassungsvermögen, einen Rudea aus Valladolid aus einem schlanken, konisch zulaufenden Glas. Ein No-go sind lediglich die Kristallgläser von Oma und ähnlich dickwandige Humpen. Bein Weinverkostungen bei Winzern ist ein Glastyp oft der Fall, auf Seminaren habe ich es noch nie erlebt. Bei Winzern hat das einen Grund: Der Wein muss erst eingelagert werden und der Winzer möchte etwas übers Potenzial erfahren.

Edit: Die Gläser von Riedel holen mich nicht von den Socken, am ehesten noch das linke. Das mit der Temperatur ist aber hochprofessionell - da wird der Weinkeller simuliert. Blauburgunder wird übrigens in Österreich leichter gekeltert und ausgebaut als in seiner Stammregion Burgund. Kann man nur bedingt vergleichen. Eine Ausnahme dürfte in Deutschland der Kaiserstuhl oder einige Regionen in der Pfalz wie Deidesheim sein.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#14

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Mittwoch 9. Oktober 2024, 19:22
Johnny H hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 13:29 Und wenn jemand einen guten Tipp hat für ein universelles Weinglas hat, dann danke ich auch dafür (von einem Weinprofi habe ich gestern bereits den Tipp bekommen, dass dieser meist ein mehr oder weniger generisches Rotwein-/Wasserglas von Schott Zwiesel für alle Weintypen (inkl. Champagner) verwendet).
Meines Erachtens gibt es kein universelles Weinglas. [...]
Die Frage ist so gemeint, dass ich einen guten Kompromiss suche für ein Allround-Glas, das sich für sehr viele oder die meisten Weinsorten eignet. Also etwas in der Art eines Teku-Glases für Wein.

Natürlich kann man immer optimieren und sich eine ganze Palette an rebsortenspezifischen Gläsern anschaffen, aber dazu habe ich erstens (auch dank zahlreicher und vielleicht schon zu viel verschiedener Biergläser) nicht den Platz und trinken wir zweitens auch nicht regelmäßig genug Wein. Und drittens überbewertet aus meiner Sicht eine so starke Fokussierung auf das Glas die Vorgänge im Mund- und Rachenraum und verschleiert, dass das meiste (und wichtigste) bei der Sensorik im Kopf stattfindet.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#15

Beitrag von rakader »

Hi, ich höre mich mal in meinen Weinbars und dem Weinhändler/Erzeugerabverkauf (Wachau) fünf Häuser weiter. Gehe mit Deiner Conclusio: Überbewertet. Bekommst PM.

Edit: Ich habe 6 Glastypen. Das ist too much. 4 reichen. Namen habe ich mir leider nie gemerkt, immer im Fachhandel nach Probe oder beim Seminar gekauft.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#16

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Mittwoch 9. Oktober 2024, 20:44 Hi, ich höre mich mal in meinen Weinbars und dem Weinhändler/Erzeugerabverkauf (Wachau) fünf Häuser weiter. Gehe mit Deiner Conclusio: Überbewertet. Bekommst PM.
Danke.

Mir hat ein erfahrener Weinsommelier erzählt, ich hatte es weiter oben in #1 bereits erwähnt, er würde grundsätzlich nur ein einziges Glas für alles verwenden, wenn er professiell verkostet, und auch meist sonst (nicht zuletzt aus pragmatischen Gründen - Spülmaschinentauglichkeit usw.). Er nimmt diesen Glastyp auch mit, wenn er als Preisrichter tätig ist.

Ich bin jedenfalls gespannt, was ich zum Thema nächste Woche mitnehmen kann.
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#17

Beitrag von rakader »

Johnny H hat geschrieben: Mittwoch 9. Oktober 2024, 23:30
Mir hat ein erfahrener Weinsommelier erzählt, ich hatte es weiter oben in #1 bereits erwähnt, er würde grundsätzlich nur ein einziges Glas für alles verwenden, wenn er professiell verkostet, und auch meist sonst (nicht zuletzt aus pragmatischen Gründen - Spülmaschinentauglichkeit usw.). Er nimmt diesen Glastyp auch mit, wenn er als Preisrichter tätig ist.

Ich bin jedenfalls gespannt, was ich zum Thema nächste Woche mitnehmen kann.
Da ist schon etwas dran. Wenn ich mit meinem Spezi wandern gehe, nimmt er immer ein paar Boliden mit und packt auch immer zwei Gläser ein - weil es in unseren Pensionen vorkommt, Wein in Wasser-/Senfgläsern zu reichen.

Viel Spaß und Erkenntnis beim Seminar. Ich melde mich.

Radulph
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#18

Beitrag von Johnny H »

Danke.

@schloemi macht das übrigens beim Bier bzw. bei professionellen Verkostungen ähnlich, bzw. vor einigen Jahren hat er das so gemacht. Er benutzt dazu immer die gleichen Gläser, m.W. das gleiche Modell, mit denen er auch bei Doemens gelernt hat.

Er hatte damals bei einem Fehlaromenseminar dazu einen Koffer mit selbstgemachter Schaumstoffeinlage dabei. Das hat er auch für mich sehr schlüssig begründet damals.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#19

Beitrag von Johnny H »

So, hier ein Bericht über das Seminar.

Über den temperierten Raum (16°C) habe ich ja bereits weiter oben geschrieben. Auch sonst war das Ganze recht groß und professionell aufgezogen: 80 Teilnehmer (es hätten wahrscheinlich sogar noch mehr reingepasst), zentral mitten in der Stadt in einem größeren Veranstaltungsort mit Bühne und Leinwand. Garderobe, Aperitif usw. Nun gut, die Steiermark ist eben vor allem eine Wein- und keine Biergegend. Dauer des Seminars ohne den "Vorspann" mit Getränk ca. 1 1/2 Stunden.

IMG_20241017_185201_edited.jpeg
IMG_20241017_185233_edited.jpeg

Vortragender war Christian Kraus, der Geschäftsführer über alle Marken der Fa. Riedel (inkl. Spiegelau und Nachtmann). Der eigentlich vorgesehene Firmenleiter Max Riedel war kurzfristig erkrankt.

Zunächst gab es einen Überblick über die Firmengeschichte und die heutige Aufstellung. 1756 gegründet in Böhmen nordöstlich von Prag. Nach dem 2. Weltkrieg Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei und fast ein wenig zufällig die Neuansiedlung in Kufstein/Tirol (Tiroler Glashütte GmbH), um dort eine stillgelegte Glashütte wiederzubeleben. 2004 wurden Spiegelau und Nachtmann in Deutschland übernommen.

In Tirol werden auch heute noch Gläser mundgefertigt, in Deutschland auch viel maschinell. Heute produziert die Firma ca. 60M Gläser p.a.

Das heutige Design der Weingläser mit Kelch, Stiel und Bdenplatte ist offenbar gar nicht mal so alt und besteht erst seit den 50er Jahren. Davor waren die Gläser eher klein und ähnelten betr. Design eher den im Bild sichtbaren Plastikbechern. Auch Römergläser dürfte noch fast jeder kennen. Die Erweiterung der Gläser nach oben erfolgte - typischerweise - nach außen. Heute spricht man eher vom "Weinerlebnis" - was bedeutet, dass dieser nicht nur Begleitung zum Essen ist, sondern geschmacklich besonders herausgestellt und erfahren wird, was wiederum etwas höhere Anforderungen an das Glas stellt.

Das vorgestellte Glasdesign namens "Veloce" beruht zu großen Teilen auf den Schwierigkeiten der Firma, geeigneten Nachwuchs zu finden. Der Beruf des Glasbläsers stirbt langsam aus, und das neue Design basiert auf konsequentem Feintuning der maschinellen Ausrüstung.

Aber nun zur Verkostung, die professionell und straff organisiert geleitet und geführt wurde.

IMG_20241017_190118_edited.jpeg
Weine (l.n.r.): Riesling, Chardonnay, Spätburgunder, Merlot
Gläser (l.n.r.): Riesling, Chardonnay, Spätburgunder, Bordeaux

Zunächst wird der Riesling (Probe A) auf Glas 1 (Riesling-Glas) und 2 (Chardonnay-Glas) verteilt und nach Benetzung der Glasinnenseite über "Rollen" und Schwenken des Glases in der Hand jeweils "errochen". Hier fallen schon deutliche Unterschiede auf: im sich nach oben verjüngenden Riesling-Glas 1 nimmt man deutliche und intensive Fruchtaromen wahr, auch etwas Mineralität, im Chardonnay-Glas verlieren sich diese Aromen eindeutig. Dann wird verkostet: aus Glas 1 fließt der Wein zentrisch auf die Zungenspitze und von dort nach hinten. Deutliche und sehr intensive Fruchtaromen werden wahrgenommen. Aus Glas 2 ganz anders: der Wein fließt viel breiter in den Mund, unter die Zunge, und er benetzt auch die Zungenränder viel stärker. Der Wein wirkt etwas säuerlich, auch etwas bitter, und die Fruchtaromen sind deutlich weniger intensiv. Das ist schon mal sehr erstaunlich. Es wird auch auf der Bühne demonstriert, dass bei Trinken aus Glas 1 sich der Kopf automatisch ein wenig nach hinten neigt, was den zentralen Flüssigkeitsstrom nach hinten beschleunigt, während bei Glas 2 der Kopf in einer mehr oder weniger geraden Position verbleibt.

Glas 2 betont also über den breiten Fluss auf die Zungenränder u.a. die Säure stärker (was dem sowieso schon recht sauren Riesling eher weniger bekommt), Glas 1 eher die süßen und (dadurch assoziativ?) die fruchtigen Noten.

Weiter geht es mit dem eichenfassgereiften Chardonnay (Probe B). Im Plastikbecher riecht er etwas holzig. Er wird auf die Gläser 1 (Riesling), 2 (Chardonnay) und 3 (Spätburgunder) verteilt.

Erst wieder erriechen:
Glas 2: schöne Holzfassnoten, Eiche, evtl. Honig. Hier kommen nun die Fassaromen recht deutlich und angenehm zu Geltung - ganz anders als die fruchtigen Noten im Riesling aus dem selben Glas! Erstaunlich!
Glas 1: Geruch wirkt etwas leerer

Dann trinken:
Glas 2: Wein fließt breit in den Mund und dabei auch unter die Zunge. Angenehmer, wärmender, balancierter Eindruck.
Glas 1: Wein fließt wieder zentraler, hat weniger Fülle, dafür mehr Mineralität
Glas 3: der Wein wirkt sauer und etwas leer
Also auch hier wieder deutliche Unterschiede.

====================================
Erzählerischer Einschub: als die Rebsorte Sauvignon Blanc vor einigen Jahren deutlich an Popularität gewann, hat Riedel zeitgleich in Österreich und Neuseeland zwei Veranstaltungen mit zahlreichen Winzern durchgeführt. Dabei wurden von einer hohen Anzahl an verschiedenen Winzern (in NZ über 60) eine hohe Anzahl an Gläsern (in AT knapp 20), auch von anderen Herstellern, durchgetestet. Über Elimination (d.h. nach jeder Verkostung mussten die ungeeignesten Gläser entfernt werden) wurde dabei über mehrere Runden das beste Glas ausgewählt. Sowohl in NZ als auch AT wurde dabei das gleiche Glas ausgesucht!
=================================

Es folgt der Spätburgunder (Probe C). Aus dem Plastikbecher riecht dieser für mich schon etwas tanninig/adstringierend (wie kann das sein??), ansonsten leer und wenig Frucht.

Der Wein wird aufgeteilt auf die Gläser 2 (Chardonnay), 3 (Spätburgunder) und 4 (Bordeaux)

Wieder wird erst "errochen":
Glas 3: Fruchtig, vor allem Kirsche, angenehm
Glas 4: eher langweiliger Geruch
Glas 2: auch eher leerer Geruch

Dann trinken:
Glas 3: schmeckt/riecht nach Holz, Tannin und fruchtig, Wein fließt mittig auf die Zungenspitze, diese hebt sich dabei und bewegt sich leicht nach vorne
Glas 4: Wein hat wenig Fülle, schmeckt "hart" und etwas sauer. Der qualitativ schlechtere Eindruck ist auch insofern bemerkenswert, als dass dieses Glas (oder Bordeaux-Gläser dieser Form generell, da bin ich mir jetzt nicht sicher, wie die Aussage des Referenten gemeint war) das bestverkaufteste Glas (von Riedel?) ist
Glas 2: nochmals etwas saurer durch das "breite" Strömen des Weins in den Mund -> Verstärkung des Säureeindrucks, ähnlich wie beim Test des Rieslings

Also wieder deutliche Unterschiede!
========================================
Nun folgt der Merlot (Probe D) als Vertreter für Bordeaux-artige Weine.

Um ihn zu belüften, wird zunächst die gesamte Probe in Glas 1 gegeben:

Geruch und Geschmack: würzig, etwas alkoholisch, etwas scharf

Verbleibender Wein kommt nun in Glas 2. Wenig Geruch, Wein schmeckt eher unangenehm.

Verbleibender Wein wird nun in Glas 3 überführt. "Pilziger" Geruch, Wein schmeckt etwas bitter.

Nun Glas 4. Geruch wird besser, etwas fruchtig (Waldfrüchte). Beim Trinken breites Einströmen und deutlich mehr Balance.

========================================

Zusammenfassung: es ist relativ eindeutig, dass die Glasform den ersten Eindruck des Weins signifikant beeinflusst. Die genannten Einflussfaktoren wie Glasform / Randdurchmesser, was beides die Ansammlung flüchtiger Aromen im Kopfraum des Glases und damit die orthonasale Wahrnehmung beeinflusst, sowie das Fließen des Weins in den Mund und die Benetzung der Zunge, was die Wahrnehmung der Grundgeschmäcker über die statistisch leicht unterschiedlich verteilten Geschmackspapillen in unterschiedlichen Zungenbereichen beeinflusst, sind nachvollziehbar und werden zumindest subjektiv bestätigt.

Erstaunlich ist dennoch der subjektiv große qualitative Unterschied im Geschmackseindruck des selben Weines zwischen einzelnen Gläsern. Oft reicht der Eindruck nicht nur von "ein bisschen besser" zu "ein bisschen schlechter", sondern eher von "toller Wein" zu "recht unbalanciert". Das ist durchaus bemerkenswert, obwohl ich die Unterschiede zwischen einzelnen Gläsern auch für Bier kenne.

Auch geruchlich nimmt man die gleichen Weine aus unterschiedlichen Gläsern teilweise sehr unterschiedlich wahr. Auch das kennt man vom Bier.

Ein paar weitere Gedanken dazu:
(folgende zwei Absätze inhaltlich leicht editiert)

Der Referent hob an einer Stelle ganz besonders auf die Wichtigkeit des ersten Eindrucks des Weines ab. Man solle sich bei Weinverkostungen in Winzereien nicht leiten von Winzern, die einem raten, auf dem Wein "rumzukauen" oder "ihn im Mund von der einen Seite zur anderen fließen zu lassen". Er sagte, er hielte von dieser Praxis gar nichts.

Diesbezüglich überlege ich an dieser Stelle mal laut, ob sich die auch von mir als deutlich wahrgenommenen Unterschiede zwischen den Gläsern tatsächlich vor allem beim ersten Eindruck des Weins stark auswirken, sich aber mit fortgeschrittenem Trinken mindestens teilweise wieder etwas angleichen. Meine Überlegung bzw. Begründung dafür wäre, dass flüchtige Aromen auch retronasal wahrgenommen werden. Wird also Schluck um Schluck eines Weins genommen, dann reichern sich irgendwann die flüchtigen Aromen im Mund- und Rachenraum an und werden auch bzw. verstärkt retronasal wahrgenommen. Der Wein wird außerdem erwärmt im Mund, was die Aromen leichter austreibt. All das passiert mehr oder weniger unabhängig von der Glasform, aber der Effekt sollte sich zumindest etwas verstärken, wenn man mehr von einem bestimmten Wein trinkt. Ebenso natürlich, wenn man auf dem Wein "rumkaut".

Da das Seminar zügig und straff geführt bzw. geleitet wurde und ich außerdem nebenher noch Notizen gemacht habe, hatte ich keine Zeit, nebenher bzw. während zeitlicher Leerräume noch etwas mehr zu testen, aber ich hatte zumindest ein wenig den Eindruck, dass sich die zunächst geruchlich (orthonasal) sehr unterschiedlichen Eindrücke zwischen den einzelnen Gläsern ein wenig angleichen, wenn man die Gläser länger stehen lässt. Eigentlich kann das ja auch nicht anders sein - ansonsten würden Wettbewerbe und Bewertungen einzelner Weine ständig völlig unterschiedlich ausfallen und wenig Nachvollziehbarkeit aufweisen.

Dennoch bleibt: das Fließverhalten des Weines in den Mund und die Glasform und damit Aromaanreicherung im Glas bleibt ja mehr oder weniger gleich, unabhängig davon, wie lange man trinkt - bzw. unterschiedlich zwsichen unterschiedlichen Gläsern, egal, wie lange man daraus trinkt!

Was auch noch dazukommt: das waren gestern sehr hochwertige Weine, zwischen 23 und 68€ die Flasche. Da kann man aus einem sehr guten Wein vermutlich viel rausholen und ihn andersherum schnell unbalanciert schmecken lassen, aber ob man einen schlechten Wein andersherum durch ein gutes Glas retten kann? Oder einen flachen Wein komplexer machen? Da würde ich doch Zweifel anmelden, aber vielleicht probiere ich es mal aus.

IMG_20241017_203508_edited.jpeg


Und zur Subjektivität des Verkostens ganz generell: auch ich als durchaus erfahrener Verkoster von Bier aber eher nicht von Wein bin gerade in einem solchen Szenario sicher nicht davor gefeit, auf die generelle Manipulierbarkeit und Subjektivität des menschlichen Gehirns bei der Aromaempfindung reinzufallen. Bei Wein dann sicher mehr als bei Bier, aber das gilt generell. Wenn man von einem erfahrenen Verkoster also gesagt bekommt, dieser Wein schnmeckt so und so, dann bin auch ich zumindest teilweise geneigt, zuzustimmen. Zur generellen Subjektivität und Manipulierbarkeit des Geschmacksempfindens steht sehr viel in den Büchern von Hanns Hatt und Regine Dee. Zum Beispiel kann sogar die Raumbeleuchtung das Empfinden eines Weins beeinflussen, vom sonstigen Effekten von Set, Setting und Konditionierung nicht zu reden.

Fazit: ich bin sehr froh, dass ich an diesem Seminar teilgenommen habe. Es war sehr eine interessante Erfahrung, und die hochwertigen, aber doch sehr etherischen und zerbrechlich wirkenden Verkostungsgläser werde ich sicher auch für Bier verwenden. Ich bin auch sicher, dass unterschiedliche Gläser das Geschmacksempfinden stark beeinflussen können - andersherum spielen bei der Geschmacksempfindung über die Physik und Physiologie hinausgehende Dinge wie Subjektivität, Manipulierbarkeit sowie die damit verbundenen Begriffe wie Set, Setting und Konditionierung eine große Rolle. Letzteres sollte man gedanklich nie unter den Tisch fallen lassen.

Edit: Text oben bzgl. meiner Gedanken zum Thema "retronasale Wahrnehmung" ein wenig umformuliert, um ein eventuelles Missverständnis (#20/21) auszuräumen
Zuletzt geändert von Johnny H am Freitag 18. Oktober 2024, 21:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#20

Beitrag von rakader »

Vielen Dank für diesen sehr erkenntnisreichen Bericht. Insbesondere die Verkostung bei Chardonnay und Riesling ist für mich sehr aufschlussreich; mir ist gerade Chardonnay zu oft zu säurebetont, so dass ich ihn inzwischen meide. Die Vermutung leigt nach Deinem Bericht nahe, dass es am Glas liegt.

Den Vergleich mit den Winzern in AT und NZ finde ich bestätigend. Es gibt bei Wein weltweite Qualitätskriterien. Bei meinen Verkostungen bei Winzern in NZ gab es allerdings immer drei Gläser.

Eine kleine Korrektur zum Bordeaux: Ein reinsortiger Merlot ist nicht der typischste Wein für die Region, sondern ein Cuvée. Bordeauxweine sind so gut wie immer Verschnitte aus Cabernet und Merlot, gefolgt von meist noch einer dritten Sorte wie Cabernet Franc. Seltener Petit Verdot oder Malbec. Der Grund ist wohl, dass Merlot sehr schwer ist, der Verschnitt wird dagegen vielschichtiger.

Ich bin Dir noch was schuldig: Meine Erzeuger-Weinhandlung nebenan hat wegen Krankheit derzeit geschlossen. Ich habe es aber wegen der Gläser auf dem Schirm.

Viele Grüße
Radulph

Edit: Interessant was Dein Seminarleiter zum retonasalen Erleben ausgeführt hat. Manche Gewissheiten werden mit Wissenszuwachs auf den Kopf gestellt. Wird so bei der nächsten Verkostung gemacht.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#21

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Freitag 18. Oktober 2024, 20:38 Vielen Dank für diesen sehr erkenntnisreichen Bericht. Insbesondere die Verkostung bei Chardonnay und Riesling ist für mich sehr aufschlussreich; mir ist gerade Chardonnay zu oft zu säurebetont, so dass ich ihn inzwischen meide. Die Vermutung leigt nach Deinem Bericht nahe, dass es am Glas liegt.
Gut möglich. Der Referent meinte aber auch: es gäbe vier Sorten von Wein: weiß, rot, schmeckt mir, schmeckt mir nicht! :Bigsmile

Der Unterschied war aber trotzdem sehr profund! Das war schon beeindruckend.
Ich bin Dir noch was schuldig: Meine Erzeuger-Weinhandlung nebenan hat wegen Krankheit derzeit geschlossen. Ich habe es aber wegen der Gläser auf dem Schirm.
Passt schon. Hat keine Eile. Aber danke.
Edit: Interessant was Dein Seminarleiter zum retonasalen Erleben ausgeführt hat. Manche Gewissheiten werden mit Wissenszuwachs auf den Kopf gestellt. Wird so bei der nächsten Verkostung gemacht.
Alles, was da oben zur "retronasalen Wahrnehmung" steht, stammt aus meinem Kopf bzw. meiner "Feder". Vielleicht habe ich das nicht eindeutig formuliert bzw. ich schreibe mal oben den Text diesbezüglich etwas um, um das klarer zu machen. Begriffe wie "retronasale" oder "orthonasale" Wahrnehmung fielen gar nicht. Auch das Aromaempfinden über den Rachenraum als solches wurde nicht konkret thematisiert. Er hat aber sehr klar die Wichtigkeit des ersten Eindrucks aus seiner Sicht thematisiert.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#22

Beitrag von rakader »

Johnny H hat geschrieben: Freitag 18. Oktober 2024, 21:16 Alles, was da oben zur "retronasalen Wahrnehmung" steht, stammt aus meinem Kopf bzw. meiner "Feder". Vielleicht habe ich das nicht eindeutig formuliert bzw. ich schreibe mal oben den Text diesbezüglich etwas um, um das klarer zu machen. Begriffe wie "retronasale" oder "orthonasale" Wahrnehmung fielen gar nicht. Auch das Aromaempfinden über den Rachenraum als solches wurde nicht konkret thematisiert. Er hat aber sehr klar die Wichtigkeit des ersten Eindrucks aus seiner Sicht thematisiert.
Ich habe zu schnell gelesen, Flüchtigkeitsfehler, sorry. Aufhänger war für mich
Der Referent hob an einer Stelle ganz besonders auf die Wichtigkeit des ersten Eindrucks des Weines ab. Man solle sich bei Weinverkostungen in Winzereien nicht leiten von Winzern, die einem raten, auf dem Wein "rumzukauen" oder "ihn im Mund von der einen Seite zur anderen fließen zu lassen". Er sagte, er hielte von dieser Praxis gar nichts.
Ich habe es gerade mit Kauen und Bewegen gelernt. (Bei Harry Potter Wutschen und Wedeln) :Smile
Deine Überlegungen sind jedenfalls sehr schlüssig. Werden wir hier diskutieren.

Gruß
Radulph
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#23

Beitrag von emjay2812 »

Das klingt alles sehr interessant, und auch ich als Weinkenner weiß, das ein Wein aus verschiedenen Gläsern anders schmecken kann.

ABER: Restaurants haben max. zwei Gläser im Angebot: Rotwein und Weißwein. Egal ob der Rotwein jetzt ein Bordeaux oder ein italienischer ist. Oder ob man einen französischen Chablis oder einen Riesling von der Mosel ordert.

Selbst bei gehobeneren Winzern das gleiche. Ich kenne keinen Winzer, der ein "Rieslingglas", ein "Chardonnayglas" etc zur Weinprobe reicht.

Auch nicht bei großen Weinverkostungen, wo es für alle Wein ein universelles Glas gibt - egal ob von einem Winzerverband oder einer regionalen Weinvermarktung.

Oder auf Weinfesten, wo jeder Winzer mittlerweile eigene Gläser hat. Da gibt es zum Rotwein das gleiche wie zum Weißwein.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#24

Beitrag von rakader »

emjay2812 hat geschrieben: Samstag 19. Oktober 2024, 08:19 ABER: Restaurants haben max. zwei Gläser im Angebot: Rotwein und Weißwein. Egal ob der Rotwein jetzt ein Bordeaux oder ein italienischer ist. Oder ob man einen französischen Chablis oder einen Riesling von der Mosel ordert.
Das kannst Du nicht generalisieren. Ich habe einige Jahre als Restaurant- und Hoteltester für Zeitschriften und Reiseanbieter gearbeitet und dabei öfter drei, manchmal sogar vier Gläser erlebt. Das kommt sehr auf die Klasse an und die Trinktradition an. Wenn sich der Weinstil drastisch ändert, werden die Gläser zudem ausgetauscht. Ein Leading Hotel of the World in der Karibik mag unterschiedliche Gläser auffahren, ein Leading Hotel im irischen Schloss nur zwei. Wenn nötig, ist besserer Stil heute ein aufgeräumter Tisch, es wird lieber neu eingedeckt.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#25

Beitrag von emjay2812 »

Gut, ich habe noch nie in super Luxus-Hotels/Restaurant residiert, und spreche hier eher von "normalen" Restaurants in Weinregionen (Pfalz/Rheinhessen/Mosel/Kaiserstuhl etc.), aber auch von Winzergenossenschaften/Straußwirtschaften/gehobenen Winzernhöfen.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#26

Beitrag von Johnny H »

emjay2812 hat geschrieben: Samstag 19. Oktober 2024, 08:19 Das klingt alles sehr interessant, und auch ich als Weinkenner weiß, das ein Wein aus verschiedenen Gläsern anders schmecken kann.

ABER: Restaurants haben max. zwei Gläser im Angebot: Rotwein und Weißwein. Egal ob der Rotwein jetzt ein Bordeaux oder ein italienischer ist. Oder ob man einen französischen Chablis oder einen Riesling von der Mosel ordert.

[...]
Nachdem ich jetzt nochmal darüber geschlafen habe: ich denke schon, dass die teils großen Unterschiede, die ich geschmeckt habe, real sind: unterschiedliches Fließverhalten in den Mund und im Mund -> Unterschiede in der gustatorischen Wahrnehmung (Zunge), unterschiedlicher Kopfraum im Glas -> Unterschiede in der orthonasalen Wahrnehmung (riechen am Glas). Vieles ist physiologisch/physikalisch nachvollziehbar bzw. deckt sich mit dem, was ich bisher darüber gelernt habe.

Aber: ich glaube auch, dass sich mit fortschreitendem Trinken die Unterschiede wenigstens teilweise wieder egalisieren. Der Wein benetzt mit der Zeit die gesamte Zunge und Teile des Rachens und Mundraums und verbleibt dort einige Zeit. Er wird im Mund teilweise warm und flüchtige Aromastoffe dampfen aus und dringen hintenrum (retronasal) in den Rachenraum und von dort zum Geruchsnerv vor. Überall werden Oberflächen mit Aromastoffen benetzt. Jeder kennt ja das Gefühl, dass nach Genuss von Speisen oder Getränken der Geschmack "im Mund hängenbleibt", manchmal sogar über Stunden. Dieser Vorgang läuft meines Erachtens mit der Zeit immer und wahrscheinlich größtenteils unabhängig ab von der Glasform, hat aber trotzdem großen Einfluss auf die Wahrnehmung der Aromen und damit auf einen Teil des sensorischen Gesamteindrucks aus gustatorischer (Geschmack), ortho-/retronasaler (Geruch) und haptischer (trigeminaler) Wahrnehmung.

Vielleicht kann man es also sprachlich so umschreiben, dass mit einem zum Wein (oder Bier) passenden Glas der Wein (oder das Bier) schneller oder angenehmer "aufgeschlossen wird" bzw. "seine Geheimnisse schneller preisgibt", während man andersherum (also mit einem weniger geeigneten Glas) sich den Wein (oder das Bier) geschmacklich erst ein wenig "erarbeiten" muss, das Endergebnis aber zumindest doch ähnlich und vergleichbar ist?

Es kann ja auch gar nicht anders sein. Ansonsten wären ja Weine oder meinetwegen auch Biere in ihrer Bewertung völlig abhängig von der Glasform, was jeden Wettbewerb oder jeden halbwegs neutralen Geschmacksbericht völlig ad absurdum führen würde.

Für die Gastronomie bedeutet das vielleicht, dass man abwägen muss zwischen einer "Gut genug / Allround"-Rohrzange und einem "Maximalkomfortschlüssel, der nicht erst eingestellt werden muss"?

Das sind die sprachlichen Bilder, die mir jetzt dazu einfallen.

Und damit bleibt ja der gleichermaßen komplexe wie signifikante psychologische Einfluss von Set, Setting, Konditionierung usw. noch komplett außen vor. Den darf man keinesfalls unterschätzen!

All das gilt selbstverständlich auch für Biere bzw. spezielle Sommeliergläser.

PS: obiges habe ich mehr oder weniger so ein paar Posts weiter oben schon geschrieben, aber so wie in diesem Post ausgedrückt passt es gedanklich besser in meinen Kopf.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#27

Beitrag von rakader »

Was mir gerade noch einfällt: Ich durfte den Koch von Frankreichs Trüffelrestaurant Nr.1 im Périgord ein paar Wochen begleiten. Das Périgord ist eine Nebenregion des Bordeaux. Dort wurde streng darauf geachtet, die Gläser an die Region des Weines und ihre Weinsorten anzupassen. Wenn wir nur mal den Roten vergleichen, gilt in vielen Restaurants Frankreichs die Regel:

Bordeauxglas: Dieses relativ hohe Glas mit Tulpenform eignet sich gut für die tanninhaltigen Rotweine der Region Bordeaux. Die Zwiesel-Classico sind solche Gläser.
Burgunderglas: Dieses breitere Glas wird aufgrund seiner abgerundeten Form auch „Ballon“ genannt und verjüngt sich nach oben hin. Es eignet sich perfekt für Burgunderweine, insbesondere Pinot Noir.

Nebebei: Probiert unbedingt eine Flasche Bergerac, solltet ihr die in einem deutschen Geschäft entdecken. Kommt nicht an die Qualität eines großen Bordeaux heran, hat aber ein besseres Preis-Leistungsverhältnis. Eignet sich hervorragend zu Ente. Gilt auch für einen spanischen Montsant statt eines Priorat. Das sind aus meinem Gedächtnis Weine, wo das Glas einen Unterschied macht (gilt auch für einen Kaiserstühler Pinot Noir, wenn man ihn denn bekommt).
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#28

Beitrag von rakader »

Statt einem Edit:
Ich bin Fan des Ballonglases, weil ich komplexe Weine europäischer Tradition bevorzuge. Meines Erachtens entwickeln sich dort Weine am besten. Die haben den größten Kopfraum, ideal wenn es um komplexe geht, wo die Frucht betont werden muss. Diese Gläser sind dünnwandiger und haben ein besseres Fließverhalten, wie von @Johnny beschrieben. Leider gehen die immer nur sehr schnell kaputt.

Leider ist meine Weinliteratur Opfer eines Wasserschadens geworden. Eine sehr gute Übersicht habe ich aber im Netz gefunden - ist vermutlich unabhängiger als die Empfehlungen aus Österreich, wo meinem Eindruck nach der Kelch regionstypisch eindeutig bevorzugt wird

Die Leute dort empfehlen 3 bis 5 Gläsertypen im Weinschrank.
Eine Klassifizierung nach Rebsorte gibt es hier. Dort werden auch die von JohnnyH beschriebenen Aromenspiele näher erläutert.

Was übrigens noch nicht angesprochen wurde und bei besseren Weinen genau so wichtig ist wie das Glas, ist ein Dekantierer. Ein großer, tanninhaltiger Wein muss vor dem Trinken atmen, am besten eine Stunde vorher.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#29

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Samstag 19. Oktober 2024, 16:03 [...]
Was übrigens noch nicht angesprochen wurde und bei besseren Weinen genau so wichtig ist wie das Glas, ist ein Dekantierer. Ein großer, tanninhaltiger Wein muss vor dem Trinken atmen, am besten eine Stunde vorher.
Das war auch Thema im Riedel-Seminar. Herr Kraus hat sogar zwei Modelle dabeigehabt und vorgestellt. Ich habe das Thema Belüftung in meinem obigen Bericht aber (bis auf das händische Umschütten des Merlots) ausgespart, weil es nicht direkt auf die Trinkgläser bezogen war.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#30

Beitrag von Johnny H »

Johnny H hat geschrieben: Freitag 20. September 2024, 13:29 Ich bin seit etwa 14 Tagen ein wenig am Herumsuchen bezüglich neuer Weingläser, weil uns in letzter Zeit einige kaputtgegangen sind.

Eigentlich verwende ich schon wieder zu viel Zeit darauf, weil wir sowieso eher selten Wein trinken [...]
Zumindest dieses kleine Dilemma, was einer der Auslöser für diesen Thread war, habe ich heute kurzentschlossen gelöst: ich habe mir ein preislich stark reduziertes 18er-Set (je 6x Rot, Weiß, Sekt) Schott Zwiesel Taste bestellt für (inkl. Versand nach AT) 49€. Das sind unter 3€/Glas für ein Set, das bei mir den Eindruck eines guten Standards hinterlässt und als solches von vielen Seiten (hier im Thread ja auch von @emjay) empfohlen wird. Einigermaßen bruchfest sollen sie auch sein. Da habe ich jetzt nicht mehr länger warten wollen. So preiswert bekomme ich die hier vor Ort nicht mal gebraucht oder neu im Großhandelpreis.

Auf der Seite von Schott Zwiesel ist übrigens im Moment nur das Sektglas aus dieser Serie verfügbar. Ob das heißt, dass die Serie eingestellt wird, weiß ich nicht. Man findet auf jeden Fall noch zahlreiche Gastrolieferanten, die es nach wie vor vertreiben. Dazu zahlreiche Kleinanzeigen, vor allem im Rhein-Main-Gebiet.

@Rakader: wenn Dein benachbarter Weinhändler noch eine oder mehrere Glasempfehlung(en) hat, dann ist das aber sicherlich trotzdem interessant.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#31

Beitrag von Johnny H »

Johnny H hat geschrieben: Freitag 18. Oktober 2024, 20:11 Zusammenfassung: es ist relativ eindeutig, dass die Glasform den ersten Eindruck des Weins signifikant beeinflusst.
[...]
Diesbezüglich überlege ich an dieser Stelle mal laut, ob sich die auch von mir als deutlich wahrgenommenen Unterschiede zwischen den Gläsern tatsächlich vor allem beim ersten Eindruck des Weins stark auswirken, sich aber mit fortgeschrittenem Trinken mindestens teilweise wieder etwas angleichen. [...]
Johnny H hat geschrieben: Samstag 19. Oktober 2024, 10:00 [...]
Vielleicht kann man es also sprachlich so umschreiben, dass mit einem zum Wein (oder Bier) passenden Glas der Wein (oder das Bier) schneller oder angenehmer "aufgeschlossen wird" bzw. "seine Geheimnisse schneller preisgibt", während man andersherum (also mit einem weniger geeigneten Glas) sich den Wein (oder das Bier) geschmacklich erst ein wenig "erarbeiten" muss, das Endergebnis aber zumindest doch ähnlich und vergleichbar ist?
[...]
@bieratenschreck, @bilbobreu und @Ruthard haben uns gestern über das Thema unterhalten. Dabei kamen wir darauf, dass zum einen beim Kennenlernen von Personen der erste Eindruck zumindest laut einschlägiger psychologischer Erkenntnisse sehr schnell, d.h. innerhalb der ersten Sekunde oder Sekunden und größtenteils unbewusst getroffen wird, dann aber oft auch kaum noch revidiert wird. Gut, ein Wein oder ein Bier ist nicht das gleiche wie ein Mensch (nur fast ;-) ), aber solche Erkenntnisse unterstreichen doch, wie wichtig ein erster Eindruck psychologisch sein kann.

Zum anderen werden viele weniger sensorisch interessierte oder geschulte Trinker wahrscheinlich gar nicht die bewusste Anstrengung (s.a. Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken) unternehmen, sich den Geschmack des Weins erst noch sensorisch zu erarbeiten. Da wird vermutlich sehr oft der erste Schluck genommen, vielleicht noch ein zweiter, aber dann wird das hedonische Urteil gefällt: schmeckt mir oder schmeckt mir nicht! Und damit ist es dann oft gut!

Ich finde, das sind ein paar weitere interessante psychologische Einsichten zu diesem Thema!
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#32

Beitrag von rakader »

Johnny H hat geschrieben: Donnerstag 24. Oktober 2024, 09:31
Ich finde, das sind ein paar weitere interessante psychologische Einsichten zu diesem Thema!
Da werden Weinverkoster stark widersprechen. Denn sich einen Wein zu erschließen ist harte Arbeit. Der Umstand des ersten Eindrucks ist ja nicht nur Psychologen bekannt. Verkostern ist auch bewusst, dass Winzer nicht ohne Hintergedanken in den Keller einladen und Schinken und Käse dazu reichen. Deswegen verkosten Weinjournalisten ein und denselben Wein oft ein zweites Mal, zuweilen ein drittes Mal an unterschiedlichen Locations und anderen Umgebungsfaktoren, um Selbsttäuschung, false bias auszuschließen. Nichts wurmt mehr als ein verärgerter Leserbrief, der gut argumentiert.

Ich staune bis heute, wie konsistent dann Meinungen von verschiedenen Personen sein können und wie sehr sie sich mit Größen wie etwa Johnson decken. Man muss dazu kein Sommelier sein, sich aber etwas in Rebsorten etc. eingearbeitet haben. Ein Sommelier spielt dann sein Können aus, wenn es um die Weinbegleitung geht.

Edit: Die Konsistenz gilt auch beim Vokabular. Das ist bei Wein internationaler als bei Bier, es gibt auch viel weniger die regionalen Vorlieben à la Pale Ale Nase rümpf, nur das Helle zählt.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#33

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Donnerstag 24. Oktober 2024, 09:45 Da werden Weinverkoster stark widersprechen. Denn sich einen Wein zu erschließen ist harte Arbeit. Der Umstand des ersten Eindrucks ist ja nicht nur Psychologen bekannt. [...]
Das widerspricht keineswegs dem, was ich geschrieben habe, im Gegenteil. Ich habe ja bewusst nicht von Profis geschrieben, sondern von "weniger sensorisch interessierte(n) oder geschulte(n) Trinker(n)".

Sprich: der Sommelier, Preisrichter etc. wird sich nicht so sehr vom ersten Eindruck beeinflussen lassen und dazu - wie Du ja geschildert hast - einiges an bewussten Anstrengungen unternehmen (denn sonst würden in der Tat z.B. Wettbewerbe oder einigermaßen kompetent vorgenommene Beurteilungen kaum Reproduzierbarkeit aufweisen), der eher hedonisch geneigte Genusstrinker aber wahrscheinlich oft genug schon!
Ich staune bis heute, wie konsistent dann Meinungen von verschiedenen Personen sein können und wie sehr sie sich mit Größen wie etwa Johnson decken.
Das ist dann eben das Endergebnis einer oder mehrerer professionellen/r Verkostung(en), und das ist ja auch gut so. Ich denke, beim Bier ist es nicht unähnlich, auch wenn man subjektive Elemente bei allen Bemühungen nie zu 100% eliminieren kann.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang nochmals die Bücher von Hanns Hatt und Regine Dee, die u.a. sehr eindrücklich beschreiben, wie auch hervorragende Sommeliers Schwierigkeiten bekommen, Rot- und Weißweine zu unterscheiden, wenn sie sie nicht sehen, oder wie z.B. ein Weißwein plötzlich wie ein Rosé schmeckt, wenn das Raumlicht auf "Rot" wechselt.

Nachtrag: ich habe eben eine sehr interessante Seite mit Links zu Podcasts mit Prof. Hanns Hatt gefunden. Die setze ich mir gleich mal als Lesezeichen. Auf der Seite steht auch unter den anderen Tabs, womit er sich sonst so beschäftigt.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#34

Beitrag von rakader »

Hi @JohnnyH - ich bin Dir noch was schuldig. In meinem Erzeugerladen benutzen sie auch nur ein Glas und zwar das

Schott Zwiesel Viña und zwar das für Burgunder.
https://www.zwiesel-glas.com/shop/weing ... nglas-vina

Es hat weichere Rundungen als Deine oben vorgestellten. Gefällt mir ausnehmend gut.

Viele Grüße
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#35

Beitrag von DevilsHole82 »

Verrückt, hätte nicht gedacht, dass es so einen Unterschied macht. Aber sind wir bei Biergläsern nicht genauso verrückt? Tulpe, Schwenker, Kelch, IPA-, Teku-, (American) Lager-, Weizenglas, ... Jedes dieser Gläser hat seine Berechtigung.

Danke für diesen sehr ausführlichen Bericht. Bisher haben es bei mir immer die 0815 und 4,99 € IKEA Weingläser getan. Oder auch mal ein Bier-Tekuglas. Ich trinke, wenn ich Wein trinke überwiegend Pinot Gris (Grauburgunder), Riesling, Bacchus oder Blanc de noir von zwei verschiedenen
Winzern aus der Pfalz. Nach Deinem Bericht hab ich jetzt das Verlangen, meine Weine mal mit anderen Gläsern kennenzulernen :Smile
Gruß, Daniel

Was von Herzen kommt gelingt, weil's einen gibt, der die Kelle schwingt. Heute back ich, morgen brau ich, wer heimlich nascht, den verhau ich.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#36

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Donnerstag 24. Oktober 2024, 13:51 Hi @JohnnyH - ich bin Dir noch was schuldig. In meinem Erzeugerladen benutzen sie auch nur ein Glas und zwar das

Schott Zwiesel Viña und zwar das für Burgunder.
https://www.zwiesel-glas.com/shop/weing ... nglas-vina
[...]
Danke. Das sieht eigentlich auch recht generisch und alltagstauglich aus. Und für ein Burgunderglas gar nicht mal so extrem bauchig, wobei es (Nachtrag) von der gleichen Serie auch einen Burgunderpokal gibt sowie zwei weitere Gläser, die dem obigen wiederum sehr ähneln.
DevilsHole82 hat geschrieben: Donnerstag 24. Oktober 2024, 13:53 Verrückt, hätte nicht gedacht, dass es so einen Unterschied macht. Aber sind wir bei Biergläsern nicht genauso verrückt? [...] Nach Deinem Bericht hab ich jetzt das Verlangen, meine Weine mal mit anderen Gläsern kennenzulernen :Smile

Wie gesagt, ich glaube, viele der wahrgenommenen Unterschiede sind erster Eindruck und nivellieren sich dann im Laufe des Trinkens je nach psychologischer Disposition mindestens teilweise wieder, aber [nerd mode on] meine Frau und ich werden mit den vier obigen Weingläsern auf jeden Fall demnächst unser Baltic Porter durchprobieren. Das Bier kennen wir ja gut (Version 5), und das wird sicher auch ein interessanter Test. [nerd mode off]
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#37

Beitrag von emjay2812 »

Es ist wirklich faszinierend. Ich trinke gerade einen schönen feinherben Riesling Kabinett. Habe einmal das Taste und einmal ein älteres Profiglas. Früher waren die Weingläser eher bauchig, kelchförmig, während sie heute einen flachen Boden haben und verjüngend zulaufen.

Das Taste betont gnadenlos alles. Die Säure, die Fruchtatomen, jedes winzige Detail. Das ältere Glas macht den Wein rund und vollmundig. Alles ist einheitlicher. Da bleibt das persönliche Empfinden was man mehr mag.
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Johnny H
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#38

Beitrag von Johnny H »

emjay2812 hat geschrieben: Freitag 25. Oktober 2024, 20:55 Es ist wirklich faszinierend. [...]
Erstaunlich, nicht wahr? Auch wenn es in großen (?) Teilen psychologisch bedingt sein mag...

Wir haben gestern ein Baltic Porter (8,8 Vol.%), gebraut im April 2024, verkostet aus den vier oben angeführten Riedel Veloce-Gläsern. Das Bier ist noch etwas kantig und kräftig bitter, aber durchaus schon trinkbar. Von links nach rechts Riesling-, Chardonnay-, Burgunder- und Bordeaux-Glas. Wir haben erst der Reihe nach gerochen von links nach rechts, dann der Reihe nach verkostet. Das ist nicht leicht, weil oft schon der zweite Schluck ein wenig anders schmeckt als der davor. Danach haben wir dann "wild" weiterverkostet. Als Störfaktor kommt auch noch hinzu, dass das Bier erst noch etwas zu kühl war und dann immer wärmer wurde (z.B. kamen erst mit der Zeit bzw. als wir schon "wild" tranken, die holzig-süßlichen Aromen von der verwendeten Süßholzwurzel hinzu).

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Man merkt schon, dass die Unterschiede nicht groß sind und sich teilweise nach und nach angleichen (es ist ja auch das gleiche Bier), aber dennoch hatten wir beide eine Präferenz für die beiden Rotweingläser, und unter denen in diesem Fall das Bordeaux-Glas. Und bei einigen anderen Eindrücken waren wir uns auch einig:

Riesling: kräftiger Geruch, geschmacklich insgesamt aber recht unrund (wir waren uns z.B. beide einig, dass die Alkoholnote stärker und störender durchkommt)
Chardonnay: hier ist der Geruch tendenziell am schwächsten (gedrungene Form, breite Öffnung) und der Geschmack am bittersten bzw. die Süße wird weniger betont. Alles, weil die Öffnung so breit ist und das Bier breit in den Mund läuft.
Burgunder: insgesamt recht harmonischer Eindruck, Süße und Bittere wirken recht ausgewogen
Bordeaux: wir waren uns einig, dass aus diesem Glas das Bier den harmonischsten Eindruck hinterlässt. Die verjüngende Kaminform scheint auch gut zum Geruchsprofil zu passen.

Schon spannend. Das Experiment ist hiermit zur Nachahmung empfohlen - ich werde aber beim nächsten Mal noch etwas besser auf die Temperatur achten bzw. das Bier noch früher rausstellen.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#39

Beitrag von rakader »

Auf das Bordeaux-Glas hätte ich sofort blind getippt. Ich trinke Aromabiere öfter aus Weingläsern. Werde das jetzt aber mal ganz gezielt und nachprüfbar wie Du angehen. Danke nochmals fürs Thema.

Radulph

Edit: Hast Du eine Nahaufnahme von Deinem Verkostungsbogen?
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#40

Beitrag von Johnny H »

rakader hat geschrieben: Montag 28. Oktober 2024, 14:52 Edit: Hast Du eine Nahaufnahme von Deinem Verkostungsbogen?
Du hast PM.

Man kann aber im Prinzip auch jeden anderen Verkostungsbogen nehmen. Es ging mir hauptsächlich darum, dass wir unsere qualitativen Eindrücke auf Geruch, Geschmack, Gesamteindruck usw. aufschreiben. Diesen Bogen hatten wir halt da.
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Re: Weingläser, Glasseminar etc.

#41

Beitrag von Johnny H »

Ich habe die oben bereits ausgeführten Erkenntnisse jetzt endlich in einem Blogpost für den Braucampus Graz konsolidiert.
Jubel erscholl, als sich die Trinker von dem schneidigen, köstlichen, bei dem früher in Pilsen erzeugten nie wahrgenommenen Geschmack überzeugten. Die Geburt des Pilsner Bieres!
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