Gärtemperatur Altbier

Antworten
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Gärtemperatur Altbier

#1

Beitrag von Schwabenbrauer »

Hallo zusammen,

ich arbeite gerade im Hanghofer das Rezept für Altbier durch. Für die empfohlene Hefe ist eine Gärtemperatur von 14-18 °C angegeben. Ich habe hier noch keine Erfahrung und wende mich deshalb an euch. Zur Zeit ist es ja auch im Keller ca. 20 °C warm. Ist das ein Problem oder "arbeitet" die Hefe auch bei der wärmeren Temperatur? Gibt es hierzu was zu beachten?

Vielen Dank im Voraus!
Benutzeravatar
bierfaristo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 532
Registriert: Freitag 4. November 2016, 19:44

Re: Gärtemperatur Altbier

#2

Beitrag von bierfaristo »

Die Hefe arbeitet vermutlich sogar besser. Im Gärgefäß wirst du sogar ein paar K mehr haben. Allerdings bekommst du wahrscheinlich einige stiluntypische, fruchtige Aromen ins Bier.

Christian
Fühle mich oft unverstanden, bin vermutlich ein Genie.
Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 3624
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Gärtemperatur Altbier

#3

Beitrag von Sura »

Es wäre hilfreich, wenn du die Hefe angeben würdest.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Re: Gärtemperatur Altbier

#4

Beitrag von Schwabenbrauer »

Ich würde die Safale K-97 verwenden.
Danke euch für eure Hilfe!
Blancblue
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2039
Registriert: Dienstag 6. Januar 2015, 23:09

Re: Gärtemperatur Altbier

#5

Beitrag von Blancblue »

Die wird zu fruchtig bei deinen Temperaturen für ein Alt.
Brauen ist zu 50% Kunst und zu 50% Handwerk. Dazu kommen noch mal 100% Erfahrung.
Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 3624
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Gärtemperatur Altbier

#6

Beitrag von Sura »

Um das "fruchtige" mal zu erklären: Hefen haben im Allgemeinen einen Rahmen, in welchem sie gut arbeiten und ein erwartungsgemäßes Ergebnis bringen. In diesem Rahmen sind von Hauptinteresse die Menge der Hefe, wie du sie rehydrierst und zugibst, und bei welcher Temperatur die Gärung statfindet. Jede Abweichung aus diesem Rahmen heisst für die Hefe: Stress. Und bei Stress kann die Hefe nicht in Ruhe arbeiten, und fängt an mehr Gärnebenprodukte zu erzeugen wie es eigentlich geplant war. Einige davon bauen sich wieder ab, einige nicht. Fruchester bauen sich nicht mehr komplett ab. Das Ergebnis wird fruchtig. Da kann dann je nach Hefetyp alles dabei sein. Von Pfirsich bis Pferdedecke.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Re: Gärtemperatur Altbier

#7

Beitrag von Schwabenbrauer »

Vielen Dank für die Erklärung!
Gibt es denn Hefen, die für mein Altbier besser geeignet sind oder macht mir meine Temperatur etwas über 20 °C hier generell einen Strich durch die Rechnung?
Benutzeravatar
Kurt
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 4494
Registriert: Dienstag 2. September 2003, 18:36
Wohnort: Ulm

Re: Gärtemperatur Altbier

#8

Beitrag von Kurt »

Für ein Alt ist das grundsätzlich zu warm!
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Re: Gärtemperatur Altbier

#9

Beitrag von Schwabenbrauer »

Meine Wahl auf das Alt lag daran, dass ich mein erstes Bier gerne obergärig machen möchte. Natürlich könnte ich ein Weizen machen, doch das trifft so gar nicht meinen Geschmack :-) Gibt es denn gute Alternativen?
Ich komme aus Württemberg - bei uns ist eigentlich fast alles untergärig :-)
Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 3624
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Gärtemperatur Altbier

#10

Beitrag von Sura »

Ehrlich gesagt hast du genau drei Möglichkeiten:
1: Braue ein Weizen. Anders gehopft und mit Bananenarmer Hefe kann das auch Nicht-Weizentrinkern schmecken.
2: Braue einfach, und leben mit den Fehlgeschmäckern. Es gibt Hefen die sind da meiner Meinung nach einigermassen angenehm. Die US05 (allerdings wahrlich keine Altbierhefe!) ist z.b. eine davon. Zu der K-97 kann ich zu hohen Temperaturen nichts sagen.
3: Kauf dir einen Gärkühlschrank und eine Temperatursteuerung (Inkbird). Achte gleich darauf, das der Kühlschrank 0°C schafft, damit du damit auch mal einen Coldcrash machen kannst. Wenn du das brauen als Hobby weiter betreiben willst, wirst du da sowieso kaum drumherum kommen.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ladeberger
Moderator
Moderator
Beiträge: 7363
Registriert: Dienstag 20. November 2012, 18:29

Re: Gärtemperatur Altbier

#11

Beitrag von Ladeberger »

Gibt es denn gute Alternativen?
Klar! Zum Beispiel ein Pale Ale, sowas z.B.: http://maischemalzundmehr.de/index.php? ... tte=recipe (Wobei ich das Rezept mit Pilsener Malz statt Pale Ale Malz noch etwas trinkfreudiger finde.)

Ist technologisch und mikrobiologisch auch weniger heikel als Weißbier.

Gruß
Andy
Benutzeravatar
flying
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 13309
Registriert: Donnerstag 14. August 2008, 18:44

Re: Gärtemperatur Altbier

#12

Beitrag von flying »

Ist reine Geschmackssache. Ich mag Altbier sogar lieber wenn es ein paar obergärige Aromen mehr hat. 20° + die Eigenerwärmung ist jedoch möglicherweise ein wenig zuviel des Guten. Wickle ein paar nasse Handtücher um den Gärpott bis die stürmische Gärung durch ist und dann sollte es passen.
Held im Schaumgelock

"Fermentation und Zivilisation sind untrennbar verbunden"
(John Ciardi)
Benutzeravatar
Kobi
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 751
Registriert: Donnerstag 11. August 2016, 09:59
Wohnort: Kiel

Re: Gärtemperatur Altbier

#13

Beitrag von Kobi »

Sura hat geschrieben: Sonntag 3. September 2017, 14:33 3: Kauf dir einen Gärkühlschrank und eine Temperatursteuerung (Inkbird). Achte gleich darauf, das der Kühlschrank 0°C schafft, damit du damit auch mal einen Coldcrash machen kannst. Wenn du das brauen als Hobby weiter betreiben willst, wirst du da sowieso kaum drumherum kommen.
Na ja, ist ohne Zweifel sinnvoll, aber mangels Platz komme ich seit nunmehr 16 Jahren ohne aus; auch so kann man geschmackvolle Biere brauen.
Viele Grüße
Andreas
Das Leben ist zu kurz, um schlechtes Bier zu trinken! :Drink
Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 3624
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Gärtemperatur Altbier

#14

Beitrag von Sura »

Naja, es kommt ein wenig darauf an, was man für (kühle) Räumlichkeiten zur Verfügung hat. Mein Keller wird im Winter 18°C. Kälter wirds da nur wenn ich die Fenster auflasse, was aber man nun auch nicht grade "Temperaturkontrolle" nennen kann. Im Sommer wirds 21°C, wärmer eher selten, kälter nur manchmal. Entweder braue ich also im Winter alles was ist OG, und im Sommer nur noch Weizen u.ä., oder ich nehme technische Hilfe.
Hefe jenseits der Arbeitstemperatur zu betreiben erzeugt nach meinen Erfahrungen sicherlich interessante, aber nicht unbedingt gewünschte Ergebnisse.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Re: Gärtemperatur Altbier

#15

Beitrag von Schwabenbrauer »

Mein erster Sud soll lediglich 20 Liter umfassen, daher werde ich den Gäreimer in eine Wanne stellen und hier über kühles Wasser die Temperatur versuchen zu regulieren. Was mich noch interessiert ist folgendes: Wie lange dauert diese Hauptgärung im Eimer denn etwa? Ich frage deshalb, da ich ja bei jeder Messung ca. 150 ml verliere. Bei einem Hektoliter macht das wenig aus, aber wenn ich x-Mal bei meinen 20 Liter messe...
Irgendwo habe ich was von etwa zehn Tagen für die obergärige Hauptgärung gelesen?

Vielen Dank!
Benutzeravatar
Alt-Phex
Moderator
Moderator
Beiträge: 9926
Registriert: Mittwoch 1. Februar 2012, 01:05
Wohnort: Düsseldorf

Re: Gärtemperatur Altbier

#16

Beitrag von Alt-Phex »

Schwabenbrauer hat geschrieben: Sonntag 3. September 2017, 22:13 Was mich noch interessiert ist folgendes: Wie lange dauert diese Hauptgärung im Eimer denn etwa? I
Es gibt keine pauschalen Zeitangaben für die Gärdauer. Wenn du sowas trotzdem irhendwo liest, ist das Unsinn.
Am einfachsten ist es, gerade als Anfänger, das Bier einfach 14 Tage komplett in Ruhe zu lassen.
Dann kannst du das erste mal messen und 3-4 Tage später misst du nochmal. Es reichen also 2-3 Messungen.
Das ist hier sehr gut beschrieben: viewtopic.php?f=7&t=212&view=unread#unread

Um die Verluste noch weiter zu reduzieren besorg dir diese Minispindel.
https://gastro-brennecke.de/de/Brauerei ... -40ml.html
>>Impfung rettet Leben und Kultur!<<

"Viele Biere werden am Etikettierer gemacht"
Benutzeravatar
Sura
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 3624
Registriert: Montag 2. November 2015, 22:37

Re: Gärtemperatur Altbier

#17

Beitrag von Sura »

Alternativ geht dazu auch ein Refraktometer, dann brauchst du nur einen Tropfen. Mit dem Refraktometer würde ich jetzt nicht "messen", weil die Umrechnung schon immer fehlerbehaftet ist, aber man kann sehr gut kontrollieren, ob der Wert nach 3-4 Tagen noch derselbe ist.
Ich messe erst beim abfüllen mit einer Spindel.
"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem."
(Karl Valentin)
Benutzeravatar
DerDerDasBierBraut
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 7889
Registriert: Donnerstag 2. Juni 2016, 20:51
Wohnort: Neustadt-Glewe

Re: Gärtemperatur Altbier

#18

Beitrag von DerDerDasBierBraut »

Besonders wichtig ist es, dass Du die Temperatur vom Anstellen bis zum (weitgehend vollständigen) Ausklingen der stürmischen Gärphase niedrig hältst. Das kann man "grob" an der Gärspundaktivität abschätzen. Danach produziert die Gärung weniger Wärme und eine leicht! erhöhte Temperatur ist am Ende der HG sogar förderlich.
Eine Temperaturführung (z.B. geregelter Kühlschrank) ist durchaus zu empfehlen. Falls der Platz dafür fehlt, dann lege Dir zumindest ein gutes Monitoring zu (z.B. die iSpindel), damit Du den Gäreimer gezielt an wärmere oder kältere Stellen tragen kannst, um die Temperatur auf Kurs zu halten.
Ich kenne das Problem von meinen ersten "Sommergärungen". Irgendwann will die Familie auch mal wieder in die Wanne :Bigsmile.
"Da braut sich was zusammen ... "
"Oh, Bier ;-) !"
"Nein! Was Böses!"
"Alkoholfreies Bier??? ..."
-----------
Viele Grüße
Jens
Schwabenbrauer
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 08:26

Re: Gärtemperatur Altbier

#19

Beitrag von Schwabenbrauer »

Die stürmische Gärphase sind ja eigentlich nur wenige Tage, oder?

Viele Grüße und vielen Dank!
Benutzeravatar
Enfield
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 782
Registriert: Freitag 5. Februar 2016, 14:48

Re: Gärtemperatur Altbier

#20

Beitrag von Enfield »

Ja, die ersten zwei, drei Tage sind am heikelsten. Danach kannst Du (oder sollst Du sogar) die Temperatur wieder etwas anheben. Die Hefe hat es dann leichter mit den restlichen Zuckern fertig zu werden und die Wann eist wieder frei... ;-)

Am besten ist es zu warten, bis die Kräusen kurz vor dem Zusammenfallen sind um die Temperatur zu erhöhen.
Benutzeravatar
christianf
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 578
Registriert: Freitag 4. November 2016, 22:24

Re: Gärtemperatur Altbier

#21

Beitrag von christianf »

Sura hat geschrieben: Sonntag 3. September 2017, 14:33 3: Kauf dir einen Gärkühlschrank und eine Temperatursteuerung (Inkbird). Achte gleich darauf, das der Kühlschrank 0°C schafft, damit du damit auch mal einen Coldcrash machen kannst. Wenn du das brauen als Hobby weiter betreiben willst, wirst du da sowieso kaum drumherum kommen.
Doofe Frage: Wie bekomme ich den Sensor in den Kühlschrank (Kabel) ?
floflue
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 801
Registriert: Montag 13. Oktober 2014, 21:17

Re: Gärtemperatur Altbier

#22

Beitrag von floflue »

Das Kabel für den Sensor lege ich zusammen mit den Kabeln für die Glühbirne und Ventilator direkt durch die Tür und drücke die Tür dann an. Das die Türdichtung an dieser Stelle nicht 100% dicht ist, nehme ich in Kauf (Kühlschrank steht im Keller, dieser hat max. 18 Grad).

Edit: verwende den Inkbird ITC-1000 für den Gärkühlschrank.
Bierbrauen ist ein perfektes Hobby um etwas wichtiges zu lernen: Geduld!
liuto
Posting Klettermax
Posting Klettermax
Beiträge: 250
Registriert: Donnerstag 26. Mai 2016, 14:39
Wohnort: Sankt Augustin

Re: Gärtemperatur Altbier

#23

Beitrag von liuto »

In meinem Keller (zur Zeit 18°C) kühle ich das OG-Gärfaß mit einem Ventilator. Der hält das Faß überraschend gut auf Umgebungstemperatur, auch wenn drinnen die Hefe tobt. Damit kann man leicht 3-4°C weniger im Faß haben als ohne Zwangskühlung. Ich beobachte das mit der iSpindel. Wenn die Gärung richtig abgeht, fängt die Temperatur an hoch zu gehen. Dann kommt der Ventilator für ein paar Tage zum Einsatz. Das sieht man z.B. hier ganz am Anfang (grün ist die Temperatur), der Temperaturanstieg wird im Keim erstickt.
ventilator.png
ventilator.png (11.43 KiB) 6431 mal betrachtet
Benutzeravatar
Malzknecht
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 798
Registriert: Freitag 2. Juni 2017, 09:17
Wohnort: Ascheberg (Westf)

Re: Gärtemperatur Altbier

#24

Beitrag von Malzknecht »

Altbier bei 20+ vergären?!

Ich krame mal diesen Beitrag heraus, weil er bei Google oben rankt.

Wir waren am Wochenende von den Braufreunden MS in Düsseldorf auf Altbier Tour. Sowohl im Füchschen, als auch im Uerige vergären sie über 20 Grad.

Uerige stellt bei 20°C an und lässt auf 25°C kommen, beim Füchschen sogar teilweise hoch bis auf 28°C.

Da frage ich mich, wie das zu unserer pauschalen Hobbybrauer Aussage passt "Altbier wird kalt vergoren".

Klar, andere Stämme, andere Profile etc, aber dann doch so ein großer Unterschied zu den Stämmen, an die wir herankommen?

Bin gespannt was ihr sagt.
Viele Grüße,
Tobi

Braunauten Online Community
Malzknecht.de | Bier & Brauen

P.S. Schließe dich über 1.000 Hobbybrauern an und erhalte mit dem Braukompass jeden Sonntag 3 spannende Einblicke, die dein Bier verbessern.
IronHosch
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 613
Registriert: Mittwoch 9. März 2022, 10:45

Re: Gärtemperatur Altbier

#25

Beitrag von IronHosch »

Läuft da die Vergärung evtl. unter Druck? Das würde ja vermutlich die Ester Bildung eindämmen.
Gruß, Christian
Benutzeravatar
Malzknecht
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 798
Registriert: Freitag 2. Juni 2017, 09:17
Wohnort: Ascheberg (Westf)

Re: Gärtemperatur Altbier

#26

Beitrag von Malzknecht »

Ne alles offen, also wirklich offen ohne Spund
Viele Grüße,
Tobi

Braunauten Online Community
Malzknecht.de | Bier & Brauen

P.S. Schließe dich über 1.000 Hobbybrauern an und erhalte mit dem Braukompass jeden Sonntag 3 spannende Einblicke, die dein Bier verbessern.
Malzmoehre
Posting Junior
Posting Junior
Beiträge: 54
Registriert: Freitag 12. September 2025, 07:56

Re: Gärtemperatur Altbier

#27

Beitrag von Malzmoehre »

Malzknecht hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 12:52 Altbier bei 20+ vergären?!

Ich krame mal diesen Beitrag heraus, weil er bei Google oben rankt.

Wir waren am Wochenende von den Braufreunden MS in Düsseldorf auf Altbier Tour. Sowohl im Füchschen, als auch im Uerige vergären sie über 20 Grad.

Uerige stellt bei 20°C an und lässt auf 25°C kommen, beim Füchschen sogar teilweise hoch bis auf 28°C.

Da frage ich mich, wie das zu unserer pauschalen Hobbybrauer Aussage passt "Altbier wird kalt vergoren".

Klar, andere Stämme, andere Profile etc, aber dann doch so ein großer Unterschied zu den Stämmen, an die wir herankommen?

Bin gespannt was ihr sagt.
Uff. Als jemand der sein Altbier bei Temperaturen vergärt die andere für Lagerbiere hernehmen und auch als Uerige Fan ist das ein Schock. Da bricht fast ein Weltbild zusammen!
Irgendwoher muss ich mal diese Hefe organisieren und es mal ausprobieren.
rauchbier
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 1074
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2014, 22:29

Re: Gärtemperatur Altbier

#28

Beitrag von rauchbier »

Aus meiner Sicht ist es natürlich immer schwierig, wenn man vom Gärungsprozess einer Brauerei lediglich einen Faktor kennt/ betrachtet. Ziel im Sinne der Wirtschaftlichkeit ist ein möglichst schneller Gärverlauf. Die werden zu ihrem Hefestamm sicherlich Tests u.a zu den Nebenprodukten durchgeführt haben, ergo, wie weit sie hoch gehen können, ohne dass Nebenprodukte im fertigen Bier sensorisch wahrnehmbar sind. Interessant wäre da ein Temperaturverlauf, welche Temperatur, wann und für wie lange gehalten wird. Als Hobbybrauer ohne angeschlossenes Labor würde ich immer die kalte Vergärung für Alt und Kölsch empfehlen. Davon losgelöst natürlich eine sehr interessante Info. Danke fürs Teilen
Zuletzt geändert von rauchbier am Montag 30. März 2026, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Malzknecht
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 798
Registriert: Freitag 2. Juni 2017, 09:17
Wohnort: Ascheberg (Westf)

Re: Gärtemperatur Altbier

#29

Beitrag von Malzknecht »

rauchbier hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 14:23 Aus meiner Sicht ist es natürlich immer schwierig, wenn man vom Gärungsprozess einer Brauerei lediglich einen Faktor betrachtet. Ziel im Sinne der Wirtschaftlichkeit ist ein möglichst schneller Gärverlauf. Die werden zu ihrem Hefestamm sicherlich Tests u.a zu den Nebenprodukten durchgeführt haben, ergo, wie weit sie hoch gehen können, ohne dass sensorisch wahrgenommene Nebenprodukte im fertigen Bier wahrnehmbar sind. Interessant wäre da ein Temperaturverlauf, welche Temperatur, wann und für wie lange gehalten wird. Als Hobbybrauer ohne angeschlossenes Labor würde ich immer die kalte Vergärung für Alt und Kölsch empfehlen.
Gärverlauf im Füchschen war: Anstellen bei 23°C, nach 24h ist die HG beendet und das Bier wandert in den Keller zum spunden (Grünschlauchen). Ohne Druck. Natürlich haben die eine super vitale, willige Hefe für die das normal ist. (Nein, keine kveik 😉)

Zum Uerige kenne ich leider keinen Verlauf.

Ich will nicht sagen, dass wir alles falsch machen. Ich finde es nur echt merkwürdig, dass die Altbierbrauer scheinbar ganz anders funktionierende Stämme nutzen.
Viele Grüße,
Tobi

Braunauten Online Community
Malzknecht.de | Bier & Brauen

P.S. Schließe dich über 1.000 Hobbybrauern an und erhalte mit dem Braukompass jeden Sonntag 3 spannende Einblicke, die dein Bier verbessern.
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6332
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Gärtemperatur Altbier

#30

Beitrag von rakader »

Malzmoehre hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 14:17
Malzknecht hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 12:52 Altbier bei 20+ vergären?!

Ich krame mal diesen Beitrag heraus, weil er bei Google oben rankt.

Wir waren am Wochenende von den Braufreunden MS in Düsseldorf auf Altbier Tour. Sowohl im Füchschen, als auch im Uerige vergären sie über 20 Grad.

Uerige stellt bei 20°C an und lässt auf 25°C kommen, beim Füchschen sogar teilweise hoch bis auf 28°C.

Da frage ich mich, wie das zu unserer pauschalen Hobbybrauer Aussage passt "Altbier wird kalt vergoren".

Klar, andere Stämme, andere Profile etc, aber dann doch so ein großer Unterschied zu den Stämmen, an die wir herankommen?

Bin gespannt was ihr sagt.
Uff. Als jemand der sein Altbier bei Temperaturen vergärt die andere für Lagerbiere hernehmen und auch als Uerige Fan ist das ein Schock. Da bricht fast ein Weltbild zusammen!
Irgendwoher muss ich mal diese Hefe organisieren und es mal ausprobieren.
Nun ja, weil es bei Google oben rankt, muss es nicht zwangsläufig stimmen. Ich bin da grundsätzlich skeptisch. Macht man aus einer Frage eine KI-Frage und stellt dann nur zwei Wörter in der Frage um, kommt oft die gegenteilige Aussage heraus. Nicht ohne Grund verwendet man bei Wikipedia keine Quellen aus Google, Youtube, Facebook und in vielen Medien wiederum keine Wikipedia. Sie gilt als nicht vertrauenswürdig. Eine solch steile These wie hier verlangt eine Mehrquellenrecherche. Mehrquellen meint, voneinander unabhängige Quellen. Wie bekannt, leidet die Qualität von Google massiv unter SEO und ähnlichen Techniken der Optimierung von Aufmerksamkeit.

Etwas anderes ist es, wenn die Aussage wie hier von Primärquellen kommt. Und da muss man eben mehrere Quellen heranziehen, ob das allgemeingültig ist. Steht Füchschen für alle Altbierbrauereien? Lässt sich das übertragen?

Es ist klar, dass hier im Forum auch ein paar urban legends herumschwirren, nachhaltig vertreten durch meinungsstarke und in ihrer Kompetenz akzeptierte Mitforisten. Aber haben die damit automatisch unrecht? Ich sehe es so, dass harte, pauschale Aussagen wie "Altbier vergärt man kühl" Anfängern Orientierung geben. Es ist leichter verständlich als eine umständliche Diskussion, die alle Parameter berücksichtigt und schnell überfordert und zerfasert.

Als jemand der häufig Altbier braut, kann ich sagen, dass mir kalt vergorenes Altbier besser schmeckt. Über 20 °C hat es mir zu viel Ester. Dann muss man auch beachten, dass viele ihr Altbier hier oft mit einer nicht passenden Hefe vergären; das macht Vergleiche schwer. Meine ersten Altbiere habe ich allesamt zu warm vergoren - würde ich heute nie mehr machen.

Und dann dürfen wir nicht außer acht lassen, dass Hobbybrauer einen Vorteil gegenüber der Industrie haben: Zeit spielt weniger eine Rolle. Also könnte man auch sagen, die niedrigere Gärtemperatur bei den Hobybrauern macht das bessere Altbier. Ich stelle das mal zur Diskussion in den Raum.

Ein Altbier über 20 °C zu vergären, ist eine Möglichkeit. Aber daraus jetzt das nächste Gesetz zu zimmern, dass das alte ablöst, dafür hat das einfach noch zu wenig Substanz, allein schon deshalb, weil wir nicht über die Brautechnik verfügen. Man kann Füchschen und Co zur Kenntnis nehmen, mehr aber auch nicht. Um dieses Thema auf Hobbybrauermaßstäbe herunterzubrechen, müsste man die Brauer von Füchschen und Co schon eingehender befragen, um in der eigenen Brauküche Gewissheit zu haben. Just my 2 cents.
christianf hat geschrieben: Sonntag 8. Oktober 2017, 22:26 Doofe Frage: Wie bekomme ich den Sensor in den Kühlschrank (Kabel) ?
Keine doofe Frage: im Dichtungsgummi des Kühlschranks ist genügend Spielraum für das Kabel. Kein Problem.

Grüße
Radulph
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Colindo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2156
Registriert: Dienstag 16. Februar 2021, 16:36
Wohnort: bei Düsseldorf

Re: Gärtemperatur Altbier

#31

Beitrag von Colindo »

Wenn ich mir die Gärgeschwindigkeit anschaue kann es gut sein, dass eine verhältnismäßig hohe Anstellrate gewählt wird, die Aromen von der Vermehrung verringert. Wenn die Stämme dann noch recht neutral vergären, könnte das so funktionieren.

Wie bereits genannt sollte man aber beim Nachstellen vorsichtig vorgehen, da wir den Fuselgehalt unserer Biere nicht einfach messen können.
Auf Youtube: The British Pint
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6332
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Gärtemperatur Altbier

#32

Beitrag von rakader »

Was meinst Du mit
Colindo hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 17:09 die Aromen von der Vermehrung verringert
genau?
Colindo hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 17:09 Wie bereits genannt sollte man aber beim Nachstellen vorsichtig vorgehen, da wir den Fuselgehalt unserer Biere nicht einfach messen können.
Sehe ich ebenfalls so.
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Colindo
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 2156
Registriert: Dienstag 16. Februar 2021, 16:36
Wohnort: bei Düsseldorf

Re: Gärtemperatur Altbier

#33

Beitrag von Colindo »

Hefe erzeugt zwei verschiedene Aromen. Die einen hängen von der Vermehrungsrate ab. Je mehr Platz und Futter die Hefe sieht (geringe Anstellrate), desto mehr vermehrt sie sich. Englische Biere zielen besonders auf diese Aromen ab.

Die zweite Art von Aromen sind die der Gärung. Je schneller die Gärung, desto mehr Aromen entstehen. Füchschen und Uerige scheinen hier Hefestämme zu haben, die diese Aromen weniger ausbilden.
Auf Youtube: The British Pint
Benutzeravatar
ggansde
Moderator
Moderator
Beiträge: 8503
Registriert: Mittwoch 9. November 2005, 16:25
Wohnort: Rodgau

Re: Gärtemperatur Altbier

#34

Beitrag von ggansde »

Moin,
Beim Stamm Zum Uerige ( Düsseldorf) steht z.B. WYEAST 1007 German Ale, 13 - 20 °C. :Grübel
VG, Markus
"Durst ist schlimmer als Heimweh"
Insofern dieser Beitrag nicht durch MOD MODE ON gekennzeichnet ist, enthält er lediglich die Meinung eines gewöhnlichen Benutzers
Benutzeravatar
Malzknecht
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 798
Registriert: Freitag 2. Juni 2017, 09:17
Wohnort: Ascheberg (Westf)

Re: Gärtemperatur Altbier

#35

Beitrag von Malzknecht »

ggansde hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 18:31 Moin,
Beim Stamm Zum Uerige ( Düsseldorf) steht z.B. WYEAST 1007 German Ale, 13 - 20 °C. :Grübel
VG, Markus
Mh.. sie sagten sie hätten einen eigenen Stamm in Weihenstephan eingelagert, der alle 3 Monate neu für die hochoropagiert wird. Man würde nicht da ran kommen meinten sie.
Viele Grüße,
Tobi

Braunauten Online Community
Malzknecht.de | Bier & Brauen

P.S. Schließe dich über 1.000 Hobbybrauern an und erhalte mit dem Braukompass jeden Sonntag 3 spannende Einblicke, die dein Bier verbessern.
Benutzeravatar
rakader
Posting Freak
Posting Freak
Beiträge: 6332
Registriert: Dienstag 1. Dezember 2015, 10:45
Wohnort: Karpaten & Niederbayern
Kontaktdaten:

Re: Gärtemperatur Altbier

#36

Beitrag von rakader »

ggansde hat geschrieben: Montag 30. März 2026, 18:31 Moin,
Beim Stamm Zum Uerige ( Düsseldorf) steht z.B. WYEAST 1007 German Ale, 13 - 20 °C. :Grübel
VG, Markus
Edit:
Tobi war schneller und hat meinen Einwurf schon bestätigt. Ich stellte die Vermutung wegen des Temperaturbereichs an, dass Uerige nur historisch etwas mit der 1007 zu tun hat. Dann ist das hier als Werbeaussage von Wyeast zu verstehen.

Heißt für mich: 1 zu 1 geht eben nicht - da müssen wir wohl viele unserer Clon-Hoffnungen beerdigen und Wege gehen, die zu uns Hobbybrauern passen. Und das sind dann eben niedrigere Temperaturen. Nicht der Prozess sollte über das Ergebnis entscheiden, sondern am Ende immer nur der Geschmack, der sich den Prozess untertan macht. Nicht ohne Grund hat Colindo Fuselalkohole erwähnt.

Grüße
Radulph
---
„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“ André Malraux
Neu: Herbstzeit, Kürbiszeit - Pumpkin Ale wie beim Amerikaner
Serie Brauzucker selber machen
Website: Stubby Hobbs
Antworten