Um sich ein Bild zu machen: Grundlage der Schüttung ist ein Dubbel, untergärig wäre es ein Doppelbock, der allerdings mit dem Achouffe-Stamm des gleichnamigen belgischen Trappistenklosters aus der Provinz Luxemburg in der Wallonie vergoren wird. Stammwürze sind 19 °P, EVG 81%, ABV 8,1 % alc.
Zum Einsatz kommt entweder die Wyeast 3522 Belgian Ardennes oder die WLP550 Belgian Ale. Typisch für ein Dubbel kommt belgischer Candi Syrup zum Einsatz und zwar in der dunkleren Variante braun, d.h. viele Brot- und Pflaumenaromen, schwarze Johannisbeere.
Das Besondere sind nun die Toppings, die dem Sirup nochmals mehr Wucht verleihen. Mit englischem Lyles Black Strap Molassesirup kommt eine dezidierte Lakritznote hinzu. Die wird wiederum verstärkt durch geröstete Anissamen und Sternanis. Eine fruchtige Orangen-Note kommt durch gerösteten indischen Koriander hinzu. Eine weihnachtliche Note geben schließlich Nelken und Zimtblüten. Alles ist sehr zurückgenommen und dezent. Trinkbarkeit steht im Vordergrund.
Vor der Nachgärung verstärkt nun eine Mazeration aus Pomeranzenschalen die Orangen-Note. Und jetzt stellt sich die Frage: Soll ich wie bisher für eine weihnachtliche Note Vanilleschote hinzugeben oder die Lakritznote durch Süßholz betonen? Lakritz und Anis harmonieren - das ist bekannt. Vanille gibt eindeutig einen weihnachtlichen Touch, die Lakritznote dagegen gäbe dem Bier nach meiner Vorstellung einen frischen Touch wie er bei ähnlichen Bieren in Frankreich der Fall ist, die mit Pastis (türk. Raki, griech. Ouzo) arbeiten. Was meint Ihr? Falls @Devils Hole mitliest - bitte gebe Deinen Senf dazu.
Ein recht bekanntes Pastisbier ist z.B. das Anissa Bella der Brauerei Blue Coast aus Nizza.
Das Bier hatte beim ersten Sud in der Nase eine wahrnehmbare Anisnote, die aber auf im Mund deutlich zurückgenommener war. Ich möchte die nicht unbedingt anheben, stelle mir einen deutlicheren Geschmack von Lakritz aber spannend vor. Es soll indes kein Bier der Marke "interessant" werden, sondern vor allem drinkable sein; daher mein Zögern, ob ich mit Süßholz arbeiten soll. Mit Vanille kann man nicht viel falsch machen.
Die erste Version des Rezeptes wird zeitnah auf meiner Seite vorgestellt - und dann auch hier im Forum Rezepte. Natürlich in der Hoffnung, dass sich hier Braukollegen mit Vorliebe für Gewürze herumtreiben, die so etwas interessiert.
Wenn es überzeugt, brauen wir dieses Bier auf der großen Anlage in Rumänien und schenken es im Spätsommer auf dem Stadtfest in Hermannstadt aus.
Cheers und schönes Wochenende
Radulph
