Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

Fragen und Diskussion rund um Rezepturen zum Bierbrauen
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rakader
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Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#1

Beitrag von rakader »

In meiner kleinen Brauerei bei Stubby Hobbs steuert die kommenden Tage ein Winter Seasonal Ale (BJCP 30C) auf sein Finish zu, in dessen Finish ich die Schwarmintelligenz des Forums bei einer etwaigen Anpassung einfließen lassen möchte. Angesprochen seien all jene, die mit Kräuter- und Gewürzbieren Erfahrung haben. Und zwar geht es um die Entscheidung, ob Süßholz oder Vanilleschoten zum Einsatz kommen. Ich gehe leider seit Wochen mit der Idee Süßholz schwanger, kann mich aber nicht entscheiden :Pulpfiction

Um sich ein Bild zu machen: Grundlage der Schüttung ist ein Dubbel, untergärig wäre es ein Doppelbock, der allerdings mit dem Achouffe-Stamm des gleichnamigen belgischen Trappistenklosters aus der Provinz Luxemburg in der Wallonie vergoren wird. Stammwürze sind 19 °P, EVG 81%, ABV 8,1 % alc.

Zum Einsatz kommt entweder die Wyeast 3522 Belgian Ardennes oder die WLP550 Belgian Ale. Typisch für ein Dubbel kommt belgischer Candi Syrup zum Einsatz und zwar in der dunkleren Variante braun, d.h. viele Brot- und Pflaumenaromen, schwarze Johannisbeere.
Das Besondere sind nun die Toppings, die dem Sirup nochmals mehr Wucht verleihen. Mit englischem Lyles Black Strap Molassesirup kommt eine dezidierte Lakritznote hinzu. Die wird wiederum verstärkt durch geröstete Anissamen und Sternanis. Eine fruchtige Orangen-Note kommt durch gerösteten indischen Koriander hinzu. Eine weihnachtliche Note geben schließlich Nelken und Zimtblüten. Alles ist sehr zurückgenommen und dezent. Trinkbarkeit steht im Vordergrund.

Vor der Nachgärung verstärkt nun eine Mazeration aus Pomeranzenschalen die Orangen-Note. Und jetzt stellt sich die Frage: Soll ich wie bisher für eine weihnachtliche Note Vanilleschote hinzugeben oder die Lakritznote durch Süßholz betonen? Lakritz und Anis harmonieren - das ist bekannt. Vanille gibt eindeutig einen weihnachtlichen Touch, die Lakritznote dagegen gäbe dem Bier nach meiner Vorstellung einen frischen Touch wie er bei ähnlichen Bieren in Frankreich der Fall ist, die mit Pastis (türk. Raki, griech. Ouzo) arbeiten. Was meint Ihr? Falls @Devils Hole mitliest - bitte gebe Deinen Senf dazu.
Ein recht bekanntes Pastisbier ist z.B. das Anissa Bella der Brauerei Blue Coast aus Nizza.

Das Bier hatte beim ersten Sud in der Nase eine wahrnehmbare Anisnote, die aber auf im Mund deutlich zurückgenommener war. Ich möchte die nicht unbedingt anheben, stelle mir einen deutlicheren Geschmack von Lakritz aber spannend vor. Es soll indes kein Bier der Marke "interessant" werden, sondern vor allem drinkable sein; daher mein Zögern, ob ich mit Süßholz arbeiten soll. Mit Vanille kann man nicht viel falsch machen.

Die erste Version des Rezeptes wird zeitnah auf meiner Seite vorgestellt - und dann auch hier im Forum Rezepte. Natürlich in der Hoffnung, dass sich hier Braukollegen mit Vorliebe für Gewürze herumtreiben, die so etwas interessiert.
Wenn es überzeugt, brauen wir dieses Bier auf der großen Anlage in Rumänien und schenken es im Spätsommer auf dem Stadtfest in Hermannstadt aus.

Cheers und schönes Wochenende
Radulph
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Kurt
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#2

Beitrag von Kurt »

Hallo Radulph,

ich habe mal Süßholzwurzel in einem Tripel Karmeliet Clone verwendet. Das war sehr lecker! Bei Süßholz ist die Süßkraft nicht zu vernachlässigen. Das würde ich berücksichtigen. Anis und Süßholz gehen für mich auch Hand-in-Hand. Ich wäre bei einer (dezenten) Süßholzgabe.

https://www.maischemalzundmehr.de/index ... tte=rezept
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#3

Beitrag von maecki-maecki »

Sorry, aber ich persönlich würde beides nicht machen:
- Vanille passt in meinen Augen nicht gut zu Orange und Anis sondern bringt nochmal eine ganz andere Richtung
- Süßholz würde mir zuviel in die eine Richtung geben, mit Black Strap und Anis bist Du da schon recht prominent unterwegs

Wenn Du noch was einbringen magst:
Wie wärs mit Bergamotte?



Mäcki
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#4

Beitrag von rakader »

Kurt hat geschrieben: Freitag 10. April 2026, 21:45 Hallo Radulph,

ich habe mal Süßholzwurzel in einem Tripel Karmeliet Clone verwendet. Das war sehr lecker! Bei Süßholz ist die Süßkraft nicht zu vernachlässigen. Das würde ich berücksichtigen. Anis und Süßholz gehen für mich auch Hand-in-Hand. Ich wäre bei einer (dezenten) Süßholzgabe.

https://www.maischemalzundmehr.de/index ... tte=rezept
Danke lieber Kurt. Solche Vergleiche sind sehr hilfreich, alldieweil man ja kaum etwas aus berufenen Quellen dazu findet.

Cheers
Radulph
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#5

Beitrag von rakader »

maecki-maecki hat geschrieben: Freitag 10. April 2026, 23:47 Sorry, aber ich persönlich würde beides nicht machen:
- Vanille passt in meinen Augen nicht gut zu Orange und Anis sondern bringt nochmal eine ganz andere Richtung
- Süßholz würde mir zuviel in die eine Richtung geben, mit Black Strap und Anis bist Du da schon recht prominent unterwegs

Wenn Du noch was einbringen magst:
Wie wärs mit Bergamotte?

Mäcki
Seruvs Mäcki, danke für Deine Intervention. Vanille passt sehr gut zu Orange, aber weniger zu Anis. Vermutlich ist das auch intutiv der Hintergrund meiner Frage. Black Strap und Anis ergänzen sich sehr gut. Da bin ich bei Dir. Und Süßholz könnte die Spur zu viel sein, die ich eben vermeiden möchte :Grübel Danke für den Einwand!

Bergamotte - interessant. Das könnte ich mir sehr sehr gut als Ersatz für den Pomeranzenauszug vorstellen. Würde dann sehr schwer das Bier. Nur wo bekomme ich in den nächsten 5 Tagen einen Bergamotte-Auszug her? Ich kann mal bei meinen türkischen Obsthändler vorstellig werden - gerade ist ja noch Bergamotte-Zeit. Du hast mich auf jeden Fall auf eine Idee gebracht.

Zur Not ginge noch Bergamotte-Öl - das ist mir als übermächtig in Erinnerung, deswegen würde ich die Früche eindeutig bevorzugen.
Eine Mazeration aus Bergamotte-Birnen - das hätte seinen Reiz. Zur Not kann ich das Finish natürlich noch hinauszögern.

LG
Radulph

Edit: Mehr oder minder bin ich schon überzeugt: sowohl Vanille als auch Süßholz weglassen. Der Faden sortiert meine Gedanken. :Smile
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#6

Beitrag von rakader »

Zum Schluss dieses Fadens. Die Entscheidung ist gefallen - ich lasse Vanilleschoten weg. Süßholz teste ich gerade in einem Schälchen Jungbier, ob es zu viel ist (vermutlich ja). Anis und Orange mögen sich, v.a. mit Bitternote (Orangen-Sternanis-Öl, Orangen-Anis-Sirup, Orangen-Anis-Aioli). Soweit so gut. Weniger ist mehr - gut dass die Vanille weg ist; das war der Fehler in Version 1.

Für alle, die mit dem Achouffe-Stamm arbeiten: Es sieht so aus, dass ich den EVG über die Herstellerangaben 72-76% ABV treibe; hohe Gärtemperaturen > 24 °C liebt diese Hefe. Treibe sie bis auf 27 °C hoch. Die dabei entstehenden phenolischen Noten sollten den Anis unterstützen.

Bergamottebirnen waren hier nicht aufzutreiben, nur Online zu Phantasiepreisen um die 20 € das Kilo exkl. Versand. Das wird aber auch nicht in eine spätere Version einfließen, sondern in ein noch zu entwickelndes Bergamotte-Bier.

Vielen Dank @Kurt und @Mäcki für Eure Anregungen! @Mäcki: Wie bist Du auf Bergamotte gekommen?

Cheers
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Re: Rezeptanpassung: Wurzerl - Winter Season Ale. Welches Finish darf es sein?

#7

Beitrag von maecki-maecki »

rakader hat geschrieben: Sonntag 12. April 2026, 14:31 @Mäcki: Wie bist Du auf Bergamotte gekommen?
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