Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

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FranzD
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Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#1

Beitrag von FranzD »

Wie im Titel geschrieben, ist das ein Erfahrungsbericht, nicht mehr und nicht weniger, Will damit nix empfehlen oder dgl., schon gar keine potentiell unhygienische Methode.

Als ich vor gut einem Jahr wegen den immer gleichen Oxidationsproblemen (mache meist gestopfte Pale Ales) auf geschlossene Abfüllung gewechselt habe, hab ich mir auch zur Keg-Reinigung Gedanken gemacht und mir dafür eine geschlossene Methode überlegt.
Hier in Kurzform:

• Wenn Keg leer wird, steht er geschlossen bis zur Reinigung (da passiert nix, seit ich Kegs verwende nie ein Problem). Druck wie er eben beim Zapfen war, bei mir meist 1,5 bis 1,8bar.

• Zur Reinigung wird mit Hilfe eines selbst gedruckten Adapters am CO2-Port die Wasserleitung angeschlossen (Wasserdruck größer als Keg-Innendruck natürlich).

• Zuerst mal ca. 1lt rein, nur zum ersten Ausschwemmen der abgesetzten Schicht am Boden. Bissl schwenken.

• Über Nass-Port wieder mit Adapter auf Silikonschlauch das Waschwasser durch den vorhandenen Innendruck ablassen, das schäumt und man sieht die Trübung des Wassers (Konnektor drauf und wenn’s zu Blubbern anfängt kurz noch ausrotzen lassen und dann Konnektor wieder runter)

• Dann geschätzt 3lt, als erste richtige Innenspülung: dann Keg richtig von allen Seiten innen beaufschlagen, auch mit koordinierten Hin-und-Her-Bewegungen das Wasser innen zum Rotieren bringen usw. (mach ich das eine knappe Minute? Mir wird jedenfalls bei 4 Keg‘s warm 😉)

• Wieder über Nassport ablassen. Hier sieht man schon keine Trübung mehr.

• Das Ganze nochmal, 2. Spülung. Das geht sich alles mit den 1,5bar locker aus.

• Dann noch den meisten restlichen Überdruck ablassen bevor die geschlossene Abfüllung gemacht wird.


Heute dachte ich, ich schreib das mal hier rein, also hab ich sicherheitshalber erstmalig einen der Keg’s aufgemacht (also die waren alle seit dem ersten Mal nie offen, dürften ein gutes Dutzend Füllungen gewesen sein).
Glücklicherweise alles so wie erwartet, tadellos sauber. Auf den Fotos ist das immer so eine Sache, aber die sind so wie sie sein sollen bzw. gleich sauber wie vorher offen gereinigt. Unten am Bodenrand die streifigen Linien war schon immer drin vom Vorbesitzer.

Unabhängig davon, die geschlossene Abfüllung ist schon ein Game-Changer. Habe zwar immer nach dem offenem Einfüllen Kopfraum mit CO2 gespült, aber eigentlich funktioniert das nicht wirklich gut. Oxidation hat mir das Ganze schon ziemlich verleidet, ab dem 2. Keg war das schon merkbar und wurde bis zum 4. Keg immer schlimmer, Hopfengeruch/geschmack verschwindet, Farbe dunkler, Sherrytöne, …
Gut wenn das auch anders geht 😊

Gruß, Franz
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peter_braut
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#2

Beitrag von peter_braut »

nett von dir, das zu teilen
Prost und Gesundheit
Peter
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FranzD
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#3

Beitrag von FranzD »

Vielleicht noch als Nachtrag: Da kommts aus meiner Sicht schon auch auf Details an. Z.B. muss natürlich vor dem ersten Wasser reinlassen der Schlauch vollständig mit Wasser gefüllt sein. Ich hab da so ein Gegenstück (Aliexpress) für den Konnektor damit der aufmacht. Wasser auf, Gegenstück entriegeln und abziehen, luftfrei.
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ggansde
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#4

Beitrag von ggansde »

Moin,
interessant. Ich hätte aber aus eigener Erfahrung Bedenken. Auch ich lasse meine Fässer häufig eine längere Zeit bis zum Reinigen stehen. Anschließend reinige ich konventionell. Wasser alleine würde mir nicht reichen. Mit einfachem Ausschwenken bekomme ich den Bodensatz in einigen Fällen aus dem Fass, häufig muss ich jedoch manuell mit einem Scheuerschwamm arbeiten. Mag natürlich auch von der verwendeten Hefe abhängen. Anschließend bleibt immer wenig Hefe/Wasser-Gemisch im KEG. Das würde ich aus Angst vor Kontamination niemals so wieder befüllen, auch, wenn es irgendwie sauber scheint. Dafür wird es dann klassisch: Alkalisch gegen Bio und sauer gegen Bierstein und mineralische Ablagerungen. Ich würde nie ein KEG befüllen, in das ich nicht vorher hineingeschaut habe. Ich würde auch nie ein KEG vor den Wiederbefüllen länger mit Flüssigkeitsresten stehen lassen ohne es vorher komplett trocknen zu lassen. Immer, wenn ich solche KEGs zum Füllen öffne, nehme ich einen nicht angenehmen Geruch wahr.
Wenn das für dich klappt scheint aber ja alles bislang ok zu sein.
VG, Markus
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jbrand
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#5

Beitrag von jbrand »

Ich muss Markus hier zustimmen, ich habe auch immer das Problem, dass bei mir der Bodensatz nicht ohne mechanische Hilfsmittel weg geht. Hab mir dafür extra eine Bürste mit langem Stiel gebaut, die ich in den Akkuschrauber einspannen kann.
Auch ich lasse meine Fässer nach dem leer Zapfen oftmals noch länger stehen, bis ich genügend zusammen habe zu Reinigen. Das sehe ich als unproblematisch an, ist ja nichts anderes als wenn ich sie mit Bier gefüllt stehen lasse.
Viele Grüße

Jens
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Braufex
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#6

Beitrag von Braufex »

Servus Franz,
danke für Deinen Bericht und die Fotos, den Adapter Gardena_auf_NC-Kupplung kannte ich noch nicht.
Hast Du da einen Link?

Ich mach das manchmal ähnlich, allerdings nur mit meinen kleinen 4L-Growlern.
Wenn ich die irgendwo mitnehme und sie dann innerhalb ein bis zwei Wochen wieder mit dem gleichen! Bier gefüllt und ausgetrunken werden, spül ich sie für die Zwischenzeit auch nur kurz, ohne zu Entspannen, mit Wasser und stell sie dann bis zur Wiederbefüllung in den Kühlschrank.
Ich führe zusätzlich noch eine Restentleerung durch, in dem ich zum Schluss den Growler auf den Kopf stell und dann noch mal über das Gas-Ventil und das Sicherheitsventil etwas CO2 abblasen lass, bis nur noch Gas kommt. Meistens kommt da noch zuerst ein bisserl Wasser mit.
Wahrscheinlich müsste ich in dem Fall gar nicht spülen, aber ich kann nicht anders :puzz
Allerdings kommt da bei der ersten Spülung manchmal doch noch etwas trüber Bodensatz mit, je nachdem wie klar das Bier bereits im ursprünglichen Keg war.

Für die eigentlichen Lager- bzw. Reife-Kegs würde ich die Methode nicht verwenden, da ich, wie auch Markus und Jens schon geschrieben haben, bei der Reinigung meiner Kegs oft einen Bodenbelag habe, der sich allein durch Schütteln mit Wasser nicht entfernen lässt.
Auch am und im Degen sind oft Anhaftungen, die sich nur durch Bürsten oder mit Schwamm entfernen lassen.
Die möchte ich nicht in ein frisches Keg übernehmen.
Außerdem kann sich über die lange Zeit, ohne mechanische bzw. saure Reinigung, auch ein hartnäckiger Bierstein-Belag bilden, in dem sich dann Verunreinigungen gut "verbeisen" und verstecken können.

Wenn Du in ein Keg immer die gleiche Biersorte (mit gleicher Hefe) füllst, bei der sich nur ein leicht löslicher Bodensatz bildet und das Bier auch in kurzer Zeit getrunken wird, könnte ich mir zwei Füllzyklen vorstellen.
Danach würde ich das Keg aus den oben genannten Gründen auf jeden Fall zum Reinigen öffnen.

Auf Deinem Bild aus dem inneren des Kegs sind Verfärbungen am Bodenrand und am Degen zu sehen, lässt sich das nicht mechanisch oder chemisch (Säure) entfernen? Ist die Verfärbung am Boden mit den Fingern spürbar?

Gruß Erwin
Keg_innen.jpg
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Ich weiß zwar nicht wie, aber sie funktioniert prima ;-)
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FranzD
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#7

Beitrag von FranzD »

Hallo Erwin,

den Adapter hab ich auch selbst gemacht. Wurde soeben hier abgelegt:
https://www.thingiverse.com/thing:7353462
Die Striemen unten am Boden sind nicht spürbar, das ist irgendeine Verfärbung die schon drin war als ich den gebraucht gekauft habe. Ja, den leichten Belag am Steigrohr könnte man wohl entfernen.

Mit hartnäckigem Bodenbelag musste ich bisher eigentlich noch nicht kämpfen. Vor dem Abfüllen mache ich immer Coldcrash, früher oft auch Gelantine, Hefen US05 und S189.
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Ladeberger
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Re: Erfahrungsbericht simple, schnelle und CO2-sparende Keg-Reinigungsmethode

#8

Beitrag von Ladeberger »

Die Striemen am Boden sind das typische Muster von Hefe/Trub, aus dem bei niedrigem Füllstand die Flüssigkeit kanalartig abläuft. Das geht mit Wasser nicht ohne Weiteres weg, gerade wenn es sich wie von Erwin beschrieben über die Zeit ein Sandwichbelag mit Bierstein aufbaut. Verfärbung ist hier eine irreführende Bezeichnung, es ist schlichtweg Dreck.

Ohne alkalische und zyklische saure Reinigung sind Kegs nicht dauerhaft sauber zu halten. Präzise für Brauereien formulierte, enzymatische Reiniger mal ausgenommen. Das wird unweigerlich von Befüllung zu Befüllung schlimmer werden, der erste saure Sud für den Gulli ist da nur eine Frage der Zeit.

Gruß
Andy
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